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Wiener Morgenzeitung · 1924-03-23 · Heft 1833 (23.3.1924) · p. Seite 9

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1833 (23.3.1924)
Date
1924-03-23
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Rt. 1853 Men, Sonntag Wiener Morgenzeitung. 23. März 1924 Seite 9 Mord in der Felberftraße. Der Mörder geflüchtet. Bühne und Kunst. Fi« Volksfeind." Gestern abends gegen halb 7 Uhr sahett Passanten an der Ecke der Löhrgaffe und Felberftraße, wie du Mann, der mit einer Frau ans dem Kaffeehaus Morawetz herausgetreten war, plötzlich sein offenes Messer aus der Tasche zog und, ehe noch jemand eingreisen konnte, seiner Begleiterin einen Stich in die linke Halsseite versetzte, so daß die Frau plötzlich bewußtlos und blutüberströmt zusammeubrach. Einige Sekunden stand der Mann mit dem blutigen Messer in der Hand da, und ehe noch jemand auf ihn zutreten konnte und die herbeigeholte Wache eingetroffen war, ergriff er die Flucht, eilte durch die Felberftraße und verschwand in einer Seitengasse. Die Rettungsgesellschaft wurde sofort berufen, leistete der Bewußtlosen erste Hilfe, brachte sie in das Sophienspital, doch ist die Verletzte, der der Messerstich die Schlagader durchtrennt hatte, bald nach der Uebergabe gestorben. Das Kommissariat Schmelz leitete sofort Erhebungen ein, die ergaben, daß die Ermordete die 26jährige Prost it u i e r t e Nisa W a c z e k ist, die in der Davidgasse 64 gewohnt hat. Tie Frau war seit längerer Zeit von ihrem Gatten Johann Waczek, Rote Mühlgasse 24 wohnhaft, geschieden. In der letzten Zeit hatte sich der Mann wiederholt bemüht, die Frau zur Wiederaufnahme des gemeinsamen Haushaltes zu bewegen, doch wollte Risa Waczek von ihm nichts mehr wissen. Auch gestern nachmittags waren die beiden in dem Kaffeehaus Morawetz zusamniengekommen und hatten dann abends I das Lokal verlassen, ohne daß jemand etwas böses ahnte, | :.;r r' - ''rasa* kaum standen beide jedoch auf der Straße, als Johann Waczek blitzschnell sein Taschenmesser zog und der Frau den tötlichen Stich versetzte. Das Kommissariat Schmelz stellte fest, daß das Ehepaar nachmittags in das Kaffeehaus Morawetz in der Löhrgasse gekommen war, wo beide sofort in einen Streit gerieten, der derart laut wurde, daß alle Gäste zuhören konnten. Der Mann beschimpfte seine Frau, packte sie am Halse und drückte ihren Kopf gegen die Tischplatte. Dann wollte der Mann sie nötigen, Bier zu trinken, was sie jedoch ablehnte. Auch sein Ansinnen, mit ihm in seine Wohnung zu kommen, wies sie entschieden ab. Schließlich — es war bereits gegen dreiviertel 7 Uhr abends — forderte sie der Mann energisch auf, mit ihm zu gehen. Obzwar nun andere Gäste der Frau wiederholt davon abrieten, verließ sie doch das Kaffeehaus. Kaum waren die beiden einige Schritte auf dem Gehsteig weiter gegangen, 'als auch schon Johann Waczek sein Taschenmesser zog und der Frau den Stich versetzte, worauf er die Flucht ergriff. .Die Schwerverletzte, der das Blut in starkem Strom aus der klaffenden Stichwunde drang, brach zusammen und, während ein herbeieilcnder Passant sie stützte, sagte sie noch: „Der Hund hat mich gestochen, ich sterbe!" und stürzte dann zusammen. Die Rettungsgesellschast verband die Wunde, doch starb die Frau während des Transportes in das Sophieuspital. Der Mörder ist der 30jährige Monteur Johann Waczek, zu Wien geboren. Seine Verfolgung wurde eingeleitet. OIE9KS&.42S.'? ar;i:K- * " ■ Wien, 23. März. * Der nächste Zionistenkongreß. Die „Ostrauer Movgenzeitung" läßt sich aus Marienbad melden: Wie aus zuver- Üäsfigtt Quelle mitgeteilt wird, soll der heurige Zionistenkongveß in Marienbad ab gehalten werden. Die Nachricht ist än dieser Form unrichtig. Es findet in diesem Jahre kein zionistischer Kongreß statt. Es wird lediglich die Jahreskonserenz abgehalten, die, wie bekannt, aus den Mitgliedern der Zionistischen Exekutive und des großen Aktionskomitees und den Vertretern der Landesorganisationen und der Sonderverbände sich zusammensetzt. Für diese Konferenz, die für Ende Juli in Aussicht genommen ist, sind als Tagungsort Wien, Marienbad, eine schweizerische oder italienische Stadt vorgeschlagen. Eine Entscheidung hierüber ist noch nicht getroffen. * Freigabe der Lebensmittelpacketsenduugen aus Ungarn. Wie uns die Austro-ungarische Handelskammer mitteilt, wurde die Ausfuhr von Lebensmitteln in Postpacketen mit der Ausnahme von Speck, Fett (Schmer), Bntter und Eiern vom 21. 8. an gänzlich frergegeben, das heißt, es sind in der Zukunft weder Ausfuhrgebühren zu entrichten, noch ist eine Aarssuhvbewilligung einzüholen. (Nachfolgende Notizen bis z« der Rubrik „Vereine" find entgeltlich.) A. Gerngroß Aktiengesellschaft. Frühlingsneubeiten sind in enormer Auswahl in allen Abteilwgen zur freien Besichtigung ausgestellt. 6 billige Kinderschnßtage kündigt Gerngroß in seinem Inserat, das Sie gewiß interessieren wird, auf Seite 17 an. * Ein Besuch in der Mazzothfabrik H. Strum, Wien, 2. Bez., Rotensterngasse 11, zeigt uns einen kunstvollen, maschinellen Betrieb, der in bezug auf Reinlichkeit Lefftungssähigkcit und Kaff chrus auch den rigorosesten Anforderungen ' entsprechen muß. Zwei Schichten sind von früh bis spät nachts unter Aufficht von Maschgichim tätig, um den zahlreichen Bestellungen nachzukommen. Die Fabrikation und die Mazzoth müssen als e r st k l a s s i g bezeichnet werden. Die schönen, dünnen und knusperigen Mazzoth, die ununterbrochen aus dem rotierenden Ofen yeranskommen, entsprechen auch dem verwöhntesten Geschmack. * AUe Haussrauen rufen im Chor: „Die beste Seife ist Kagor." Beachten Sie die Preise für Leinenwaren im Warenhaus Brüder S ch i f f m a n n, 2. Bez., T a b o r st r a ß e 48. Webe ..■.pro Meter 10.500 K. 8.500 K. Chiffon.pro Meter 13.500, 11.000 „ 9.800 „ Streifgradl. . ..pro Meter 19.800 „ 17.500 „ Damast ..pro Meter 22.800 „ 18.500 „ Inlet...pro Meter 14.800 „ Molino.- . . .pro Meter 8.900 „ Bett?,enge ... pro Meter 15.800 K. 12.800 „ Vatistchiffon . ....pro Meter 15.900 „ Matratzenaradl....... pro Meter 30.000 K. 24.000 „ Bettücher . ... 26.500 „ 19.800 „ Tischtücher. 48.000 „ Kasfeegarnitnren.. . 98.000 „ Gläsertiicher. 8.000 „ Sine moderne Mazzothfabrik in Wien. Die seit dem Vorjahre in der Brigittenau, Wintergasse 28, bestehende Mazzothfabrik wurde vom Fabriksinhaber Siegel durch umfangreiche Zubauten erweitert und erst vor einigen Tagen wieder in Betrieb gesetzt. Diese Mazzothfabrik ist die größte Mitteleuropas und kann sich bezüglich ihrer inneren Einrichtung wie auch bezüglich der Art der Fabrikation mit den größten amerikanischen Mazzothsabrikeu messen. Den hygienischen Anforderungen der Hdeu- .zeit entsprechend, herrscht in allen Arbeitsräumen die peinlichste Sauberkeit. Für dve Einhaltung der rituellen Borschristen sorgen mehrere Aufsichtsorgaue des chreniverten Rabbinats der Kultusgemeiude. Die Verwendung von nur allerseinstem Nullermehl und die besondere Art der Fabrikation ermöglicht den Siegel- Werken die Herstellung femster, dünner und besonders schmackhafter Dclikateßmazzoth. Mazzothgrieß fft in jeder Menge erhältlich. Fabviksniederlagen: 2. Bez. Große Stadtgutgasse Nr. 30; 2. Dez., LeopoldSgage 80 und L Be-., Haüdgasse L. * Seifen, Parfümerien und Toilette-Artikel, Import, Export, Simon Tilles, Wien, 1. Bez., Rauhensteingasie 8. Eingang zwischen Kärntnerstraße 9—11 oder 25—27. Telephone Nr. 75-6-44, 72-5-90 Serie (Neumann). * Im altbekannten Tapezierermöbelhaus M. Weiß, 2. Bez., Darwingasse 39 lEcke Nordbahnstraße), kaufen Sie erstklassige Ottomanen, Eisen-, Messing-, Paientmöbel usw. in erstklassiger Ausführung zu außerordentlich billigen Preisen. Bereine, Bortriige und Versammlungen. Zionistische Arbeitsgemeinschaft. Morgen Montag, 8 ffhr abends, 2. Bez., Taborstraße 20 a, dringende Sitzung. — Zionistisch-akademischer Verein G e u l a h (ehemals Palästina-Sektion jüdischer Mediziner). Leute Sonntag, präzise 10 Uhr vormittags, 2. Bez., Taborstraße 20 a, dringende Mitgliederzusammenkunft. Anschließend Mitteilungen des Koll. Rabinovrci. — Jugendbund Misrawi. Unter der Devise „Das jüdische Kind für das jüdische Kind" findet heute Sonntag, 4 Uhr nachmittags, im Theatersaal Reichshof, 2. Bez., .Pratersi«rße 60, eine Purim- Festakademie für dre Schuljugend statt, zu welcher die von der Sozialen Lilfsgemeinschcrst Anitta Müller nach Wien gebrachten Kmder aus Deutschland als Gäste geladen sind. Um 7 Uhr abends findet anschließend im selben Saale die Purrm- Fvier der Zeire Misrachi statt. — Jüdische Kinderfreunde. Heute Sonntag, halb 4 Uhr nachmittags, im Souterrainlokal der Scholle, 2. Bez., Lilienbrunngasse (Hotel Dianabad), Kinder-Purrm-Fest. Restliche Karten im Sekretariat, 2. Bez., Obere Donaustraße 91, und an der Kassa. — Bund jüdischer Eltern für den 2. Bezirk. Heute Sonntag, 10 Ubr vormittags, im Centvalkino, 2. Bez., Taborstraße 8, Kknderpurimfeier. Zur Aufführung gelangen dramatische und musikalische Borträge, Schattenspiele, Gesang und Festreigen. Sämtliche Vorträge werden von schulpflichtigen Kindern ausgefuhrt. — Zionistische Sektion für den 6. bis 8. Bezirk. Dienstag den 25. d., Präzffe halb 9 Uhr abends, im Vereinsheim, 8. Bez., Bennoplatz la, Vortragsabend Walter Eidlitz: Vorlesung aus eigenen Schriften. Vorhergehend KlavieHonzert Fräulein Claire Gynt. — Hevr8ische Schule und Jüdischer Kindergarten 12. bis 15. Bezirk. Dienstag den 25. d., präzise 5 Uhr nachmittags, Purimseier: Ansprache Dr. Max Kalten; Ausführungen des Kindergartens; hebräisches und deutsches Purimspiel; Chorlioder. — Z i o n i st i s ch e Frauenaruptze der Bezirksorganisation 9. Hobröischkurs für Erwachsene. Beginn morgen Montag um 4 Uhr nachmittags im Vereinslokal, 9. Bez., Liechtensteinstraße 11. Anmeldungen zu diesem Kurse werden dortselbst noch entgegengenommen. Leopold st ädter Volks heim, 2. Bez., Zirkusgasse. 48. Heute Sonntag, halb 8 Uhr abends, im Festsaal: Streifzug durch die klassische Operette. Mitwirkend Annie Gerold, Christi Paulsdori. Max Fischer (Gesang), Dr. Adolf Günzbura (Klavier), Marietta Lambert - Ellinger (Tanz). Karten bis 7000 K. * Jüdische Elternversammlung der Bezirke 12 bis 15. Am .17. d. fand im Jüdischen Vereinshaus, 16. Bez., Herklotzgasse 21, eine von der jüdischen Elternschaft der Bezirke 12 bis.16 äußerst gut besuchte Versammlung statt, um die Vorschläge des Jüdischen Schulkuratoriums dieser Bezirke zur Gründung einer Elternvereinigung entgegenzunehmen. Nach der Eröffnungsrede des Herrn Oskar Goldschmidi besprach Herr Rabbiner Dr. I. T a g l i ch t das indische Erziehungsproblem und wies die Notwendigkeit eines innigen Kontaktes zwischen Lehrern und Eltern nach. Sodamr erörterte Herr Dr. I. K lab er die Aufgaben einer Elternvereinigung. In der hierauf folgenden Debatte ' sprachen Vertreter der Eltern und der erschienenen jüdischen Religionslehrer. Die Koifftituierung der einstimmig beschlossenen Gründung der jüdischen Elternvereinigung wird in allernächster Zeit erfolgen. Purimakademie der Zionistischen Bezirkssektkon Leopold» stadt. Die am letzten Donnerstag in den Olympiasälen stattaesunderie Purimakadvmie der Zionistischen Bezirkssektion Leopoldstadt nahm dank der ausgezeichneten Arbeit, des Obmannes des Veranstaltungskomitees, Herrn Max Schiffmann, und des Sektionsobmannes Josef Brenner einen glänzenden Verlauf. Besonders die von Isaak Deutsch meisterhaft vorgetragenen jüdischen Volkslieder mrd Chelmer Schrldbürgerstückchen, die Duette, welche Frl. Rosel Berndt uno Prof. Fritz W iesenthal ausgezeichnet brachten, und der metallische Tenor des .Herrn Fritz M a a i d fanden stürmischen Beifall. Bei einer Versteigerung und durch Spenden flössen dem Wohltätigkeitsfonds der Sektion sowie dem Jüdischen Nationalsonds bedeutende Beträge zu. Die Spenden zweier Herren allein betrugen vier, beziehungsweise fünf Millionen Kronen. (Raimund-Theater.) Eugen Klopfer, dcr urwüchsige Künstler und erklärt- Liebling des Publikums wurde gestern als ,/Volksfeind^ wieder stürmisch gefeiert und mit Blumenspenden beidacht. Der Referent indesseil . . . Nein. Bei aller Hochschätzung Klöpfers. Diesmal war er zu „elementar" und von JbfenS Bühnengestalt blieb wenig übrig. Er fuhr auf der Bühne herum, wie der Stier im Porzellanladen, so daß alles (auch . der Künstler selbst) ins Wanken geriet, trieb allerlei bajuvarifche Allotria, goß nach der berühmten Vevsammlungsrede, die er nicht aufbante, sondern im Fortissimo lloSschnellte, den Versammlungsteilnehmern eine Flasche Wasser über die Köpfe, versetzte im Schlußakt seiner lebenden Gattin (oli Mahnung, das Zimmer zu verlassen) einen veritablen Fußtritt — kurz, Eugen Klopfer war an diesicm Primierenabmd merkwürdig aufgeräumt. Man hatte den Eindruck, als ob die gelegeutzliche Bemerkung des sauberen Redakteurs Billing, im Hause des Dr. Stockmann werde sehr fleißig Punsch getrunken, keine leichtfertige, der Situation angepaßte Lüge wäre. An diesen Volksfeind soll in Ibsens Schauspiel nur der lallende Matrose — nicht auch das Gehoben des Badearztes Dr. Stockmann erinnern. (Vielleicht war der Künstler an diesem Abend nervös oder ans anderen Gründen indisponiert. Denn die Rolle fft doch dem kernigen Eugen Klöipfer förmlich an den Leib geschrieben.) Vortrefflich das EnfsmAe des Raimund-Theaters. Allen voran Willy Schmied er, Hans Ziegler und Eduard Loibner. Drei vollsaftige Typen! Ein wenig aufdringlich die Regiemaßnahmen Karlheinz Martins. Was bedeutet die Förderung Ibsens durch Anheftung jener Plakate in der Druckerei Aslaksens, welche 'eine „Gesinnung" dokumentieren? Der Dichter hat dieses Detail nicht vorgefchrisben O. A. Me neneinftndkerte „Afrikanerin". (Staatsoper.) Die „Afrikanerin" war das Schmerzenskind des theate^ gewaltigen Meyerbeer. Biele Jahre hatte er an ihr herumgefeilt und doch nicht die letzte Hand lMegen können, und so kommt es, daß in der „Afrikanerin" die Fülle der Melodien noch verfchwendevifcher und noch ungleichwertiger ist als im „Propheten" und den »Hugenotten", da er nicht mehr wie sonst bei den letzten Bühnenproben die engere Wahl treffen konnte. Im Jahre 1865, erst nach'dem Tode ihres Schöpfers, erblickte sie das Rampenlicht, der Benjamin seiner cheatvalischen Muse und zugleich das älteste Werk dieser Art. Ist doch Seliea, die unter dem todbringenden Manzanillabaum den Gisttod stirbt, die Urahnin von „Aida", von der „Königin von Saba" und von „Lakme". Die muMlischen Welt- und Orientreiscn waren damals noch nicht in Mode, doch Meyerbeer verstand es, stets neue Moden zu schafftn, und so brachte er nach dem veligiösen Zauber seiner früheren Werke in der „Asrikanerin" die Atärchenpracht der Tropen. Ein großartiger Wechsel der musikalrsche'.' Schauiplätze, internationale Dhoatermusik allergrößten Stils, in der das italienische Brio dominiert; das große indische Fest allein bietet Musik für «ine ganze Oper. Und dazu gesunde nwverkünstelte Theatermusik voll gesunder unverkünstelter Melodik'. Freilich, nur mit mitrsißenden Sängern mit Bombenstimmen — für Meyerbeer selbst waren bekanntlich die besten Sänger noch nicht gut genug — kann sich heute die „Afrikanerin" noch im Spielstlan halten, ohne große Sänger ist die schönste Inszenierung wirkungslos. Die von Herrn Kautsky entworfenen Bühnenbilder und Dekorationen der Staatsoper sind ungemein schön und effektvoll, so recht aus dem Geist dieser auf den großen Effekt ausgehenden schwungvollen Musik geboren, die von Herrn T u r n a u besorgte Regie überaus lebendig; doch was nützt das schönste Schiff, das unermüdlich schaukelt und den ZuschauM fast seekrank nvachl, was nirtzcn m>ch so hochgchende Wellen, was Helsen Ballettschönheit, choreographische Wunder und alle Herrlichkeiten der Tropen, wenn die Staatsoper — bei etwa einem halben Dutzend engagierter erster Tenöre — keinen Vasen auftreiben kann und die Hauprolle der Seliea der gastierenden Frau Wildbrunn anvertmut ist, die knapp vor der Aufführung Knall und Fall abreist. Dic angebliche Newenkrise der Frau Wildbrmm ist nur eine Teilerscheinung der schweren künstlerischen Md wirtschaftlichen Kriefe unserer Staatsoper. * Ms Seliea sprang Frau Paalen ein, eine grnndmusikalische Sängerin, die in Spiel und Gesang ihr bestes gibt, doch immer noch viel zu wenig für eine Seliea der Wiener Staatsaper. Herr F i s ch e r - N i e m o -n n als Vasco führt einen ganz aussichtslosen Kampf gegen seine unzulängliche Technik; so lange er nicht umlernt, bleibt er ein hilfloser Stimmriese mit hilflosen Gebärden. Durch die minderwertige Besetzung verschob sich das ganze dramatische Kräfteverhältnis und der wuchtige Dr. Schipper mir seiner .mposanten Stimme und seiner hünenhaften Erscheinung wurde als Nelusco die Hauptgestalt der Oper. Daneben die Labsal spenocn^c edle Erscheinung des Herrn Mayr, die an'.uutige, gelegentlich disionierende Ines der Frau Ger hart, ferner die Herren Manowarda, Norbert, Maikl und Markhoff, die in kleineren Rollen am richtigen Platz waren. In dem von Klemens Krauß geführten Orchester wollte sich der nutreißende Meyerbeer-Schwung nicht einstellen, auch im Zuschauerraum, der gut besucht, doch anscheinend nur wenig verkauft war, fehlte die rechte Festsiimmung. Das Pulikum Witt eben bei „besonderen Preisen" keine zweite Besetzung hören, sondern interessante, ihre Rollen voll und ganz beherrschende .Persönlichkeiten. Wenn diese nicht geneigt sind, sich der Saatsoper zur Verfügung zu stellen und einträgliche Gastspiele über Land und Meer vorziehen, so ist ende NeueinstudierMg der

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