Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1831 (21.3.1924)
- Date
- 1924-03-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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fiBZeTmraraierKI'tKl Wien 7,nm Ahho'et» >n der Expedition. T aborstr. 1 -3, oder in einer Verschleißteile (Trafik^ monatl. K 35.000 Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Oold^chmiedt, I. Bez» Wollzeile 11. Mit Postversand für Wien n. Oeaterr. mnnatl. FC 85.000 Tseheeh o-Slowakei: Mon. K 18 Inoroalawien: Mor T)inar60.Polen:Mon. 31/» Zloty, Heatschland Mon Goldmark4, F r a nk Belgien Won. Frca. 12 (V Nitli r ih1 um«B bei Pr*5«erhötiiin»en varbabtHeB orgeiyritung MMMCMMRnm UNPPIMnMM* Rr. 1831 Wien. Freitag. 21. März 1924 Pa'en:poln.mr 350000 Italien: Monat?, 1? 1 .ire, Rumänien Mon. 1301 .ei, Bulgarien Mon. 80 l ewa, Schweiz und das übrige Aasland monatlich Frca. 4 Redaktion u. Administration Wien. n„ Tahoratrasae 1 —3 Teleohone: 44-0.3«,43-3-19, ah 6 Uhr abds. 19-483,25-282 Tel- Adr.:„Mor?enzeihmg* Wien Oeaterreichiaehes Postspar ka«sen-Konto Nr. 150.698 0. FaOrgang Räumung des Richrgebietes? Sie Bedingungen der Morgan-AnleiHe. lEigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Rom, 20. Marz. Der Londoner Korrespondent des „Meffaggero" will erfahren haben, daß unter den Bedingungen der Morgan-AnleiHe an Frankreich auch politische Garantien sich befinden, darunter die eventuelle Räumung des Ruhrgebietes und die Annahme des Gutachtens der Experten betreffend die Reparationen. Wenn Frankreich dies nicht annehme, würde der amerikanische Kredit zurückgezogen werden. Rußland röstet. Rom, 20. März. Die Blätter melden aus London, daß der neue Vizepräsident des russischen Obersten Rates F r u n g e in einer Rede erklärt habe, er wiege sich nicht in der Illusion der Sicherheit, Westeuropa vermehre die Rüstungen und auch Rußland müsse bereit sein. Sie Wiener Konferenz zwischen Rußland und Rnmänien. Heute abends treffen die Mitglieder der rumänischen Delegation zu den Verhandlungen mit Rußland in Wien ein. Es sind dies: Minister Sango Rascami, SeEtor Draghicescu, Deputierter Juvaro und Sekretär Michel Arion. Die Delegierten werden morgen vormittas vom Außenminister Dr. Grünberger, empfangen werden, der auch die Konferenz, welche am Montag beginnt, mit einer Begrüßungsansprache eröffnen wird. Der russische Botschafter in Berlin begibt sich am -Samstag nach Wien, um dort der russisch-rumänischen Konferenz beizuwohnen. Dmchlll nnterlme». Sieg des konservativen Kandidaten. London, 20. März. (Reuter.) Bei der Unterhauswcrhl in Westm^nster Abbay wurde der Konservativ« Nicholson mit glh’7 Stimmen zum Abgeordneten gewählt, Winston Churchill lantistzialistischer Unabhängiger), erhielt 8144, Brockway (Arbcitsparici) 6160 und Dückers (Liberal) 291 Stimmen. Irrtümlicherweise war zuerst Churchill als gewählt erklärt worden. Frankreichs Stellung zur Kalifen« Träte. Paris, 20. Mavz. (Tel. der „Wiener Mvrgerizertung".) Außenausschuß des Senats erklärte Senator Gasser als Berichterstatter über den Lausanner Vertrag, daß -Frankreich in der Kalifats frage eine reservierte Haltung einnehmen müsse und an keiner Maßnahme, welche die Wiederherstellung des Kalifats begünstigen könnte, teilnehmen dürfte. Am besten wäre es, wenn das Kalifat geteilt werden würde und jedes der verschiedenen mohammedanischen Länder seinen eigenen Kalifen hätte. Die Sowjetresierung sorgt für den Islam. Moskau, 20. März. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Die Sowjetregierung hat neue Richtlinien für die zukünftige russische Außenpolitik aufgestellt. Vor allem wird die Einberufung eines Panis lamitischen Kongresses fü» notwendig erklärt, mit drm Hinweis darauf, daß die Gefahr bestehe, daß das religiöse Z en t r u m des Islams unter engli'chein Einfluß gerat«. Von der chinesischen Regierung müsse die Garantierungder Unabhängigkeit der Mongolei unter allen Umständen erreicht werden. Japanische Agenten und Händler sollen in das ^<rbiet der Mongolei nicht mehr zugelassen werden. Kalifatsbewegung in Aegypten. London, 19. März. (Weliff.) Das Reutersche Bureau Meldet aus Kairo von einer Bewegung, die die Ausrufung des Königs Fuad zum ägyptischen Kalifen bezwecke. Die sramSMen WMern Paris, 20. März. (Havas.) Die Kammerwahlen sind aus den 11. Mai festgesetzt worden. Nach der von der Kammer gestern angenommenen Wahlvorlage wird die Zahl der Abgeordneten, di-e jetzt 601 beträgt, für die künftige Kammer mit 584 festgesetzt. Ford, Financier der Pogrome. New-Iork, 20. März. In einer der letzten Kongreßsitznnge-n wurde über das Offert Henry Fords wegen Ueberlassung der Wasserkräfte von Muscle Shcals verhandelt. Im Lause der Debatte sprach sich der Vertreter von New-Aork La Guardia gegen don Plan aus nnd erklärte, -daß. abgesehen v^n den unannehmbaren Einzelbcdingungen, die Ford stellt, dieser Mann auch politisch und moralisch ungeeignet sei, auf «in so gigantisches Unternehmen, wie das nt Frage stehende ist. den alleinigen Einfluß zu besitzen. Würde man das Anbot Fords gene'hmige.n, so würde der Kongreß dengrößtenundsk r.u.p el >losesten Antisemiten, zum Jndustriekönig Amerikas erheben. Das wäre die größte Gefahr für die Demokratie.. Auf einen Zwischenruf aines Anhängers don Ford,, daß aus dem. Büdner, der && gegen Ford spreche, erwiderte La Guardia, daß Henry Ford, «der Großzüchter des Hasses unter den Nationen und Raffen sei. Menm jemand es sich zum LebonsM gemacht habe. Haß zu säen, f>o ist es Henry Ford. Das Beklagenliwertöste dabei ist jedoch, daß der Haß Henry Fords gegen die Juden auf seine u nglaubliche Unwissenheit und seine llulenintnis der Geschichte und der Bedeutung des Judentums zurückzufÄhven sei. Seine Unwissenheit, die so groß ist wie sein Reichtum, ist schuld daran, daß mit seinen finanziell e n M i t t e l« nicht nur in Amerika, sandern auch i n E urvpa ein schändlicher Kampf gegen das Judentum geführt wird. Die Unwissenheit und -der grenzenlose Judenhaß Henry Fords sind die Ursache mancher Pogrome und Ausschreitungen gegen unschuldige und hilflose Juden. Ter Kongreß habe die Pflicht, i&ci seinen Beschlüssen auch moralische Rücksichten zu üben. Verurteilte Hitter-Kumvaue. Wie Hitlers Regierung begann. (Eigenbienst der „Wiener Morgenzeitung".) München, 20. März. Am 9. N '^e nber, also anr Tasse dem Hitler-Putsch, drangen um. 4 Uhr früh gemeinschaftlich der Mechaniker Johann Weinzirl und ."er Assisten: J,l>an'- Träger mit weiteren zwei Tätern. ausgnüstut mir Gewehre; und Pistolen, m die Wohnung eines Tir'kt.irs und reilang'er unter Androhung von Waffengewalt die Herausgabe ron Tc> vifen, und Massen. Gleichzeitig erklären j:e, daß sie im A:t i* trage der n«r uen Regierung H r: le r die Räume untersuchen hätten. Beide hatten sich aeutr vor!)em Bolksae-.ichi wegen Verbrechens >des Raubes zu hentrtour.en. Das Gericht vemrteil-te Weinzirl zu.einer.Gesängn'sstr-.tie von drei Monaten, Träger zu einer Geldstrafe :.on 109 «^oldnrark. Etwa nach 11 Uhr nachts, nach Beendigung der Versammlung im Bürgerbräukeller, sammelt^ sich in der Neikauserstraße -eine. aus Anhängern Hitlers bestehet,de Muschenmenge an, in der sich auch der Kaufmann Erich Hübner befand. Sie marschierten zum Cafe Fürstenhos. Hübner drang mit einigen Genossen ms Lokal und schrie: ..Juden hin» aus!" Sodann marschierten sre zum sozraldemokraiijchen Abgeordneten Auer, der jedoch nicht in.seiner Wohnung war. Hübner drang mit seinem Gefolge in die Wohnung des Kaufmannes Max L ö we n t ha l uitb; dann in die Wohnung des Kaufmannes Bernhard Löwenstein ein.. Das Volksger.icht verurteilte wegen Landsriedensbruches und groben Hausfrie-ds- DievöllischeGeistesversaffung. —y. Wien. 21. März. Müller v. Hausen, der in einem der deutschen AuSlMe der „Protokolle der Weisen von Zion" beigefügten Anhang das Märchen von demKönigsköpsefries an der . Rathenau-Villa erzählt hatte, ist von einem Berliner Gerichte von der Anklage der Beleidigung freigesprochen worden. Das Gericht halbe sich, obAwar die Unwahrheit der Behauptung erwiesen worden sei, in die Geistesverfassung Hausens versetzt, der noch immer fanatisch au seine Erfindung glaube, und sei deshalb zum Frei- Pruch gekommen. Es ist unerfindlich, weshalb die Gerichte diese geistige Transfomnation nicht auch bei Taschendieben und Mädchenmördern vornehmen. Aber das Urteil wird aus dem Umstand erklärlich, daß dieser Hausen ein völkischer Agitator und die alte. Frau Rathenau nur eine Jüdin ist. Es gibt noch Richter in Deutschland und sie halten sich genau an die Linie, die ihnen ihre völkische Weltanschauung, und ihr arisch-germanisches Bekenntnis vorschreibt. Diese Linie bestimmt nicht erst seit heute die politische und kulturelle Erntellung der führenden Kreise Deutschlands. Sie war seit je vorhanden und sie hat das Volk und das Reich von einer Krise zur anderen geführt. Nach dem Weltkrieg schien für kurze Zeit ein gewisses Verstohenwollen dieser Fehler sich zu zeigen. Aber das ist längst wieder vorbei. Wie in der.Kaiserzeit so. ist auch jetzt. Recht nur Macht, Macht ist Recht und es gibt keinen anderen Maßstab für die Dinge als die Herremnoräl und das Herrenbewußtsein, und es gilbt keinen Zynismus, dessen diese Klaffe nicht fähig wäre. ' 'Wie die'Rechisübung, fo sind auch alle anderen Aenßerungen der politischen Kultur auf diesen Maßstab eingestellt. Es ist kein Unterschied Zwischen den Richtern, die die Geistesverfassung des fälschenden und lügenden Ariers durch Freispruch ehren, und den Behörden, die eben jetzt den Professor Qidde, einen der vornehmsten Köpfe der deutschen Gelehrtenwalt, leingesperrt haben. Er hat in einem ruhig und sachlich gehaltenen Zeitungsartikel die außenpolitische Gesährüchkeit des geheimen Militarismus besprochen imd daraus aufmerksam gemacht, daß im Interesse des ganzen deutschen Volkes in dem gegenwärtigen heMen Augenblick ein Einschreiten gegen diesen bösesten Feind -ringend geboten sei. Dafür wurde er verhaftet, ausgerechnet von der Münchener Staatsanwaltschaft, die steckbrieflich verfolgte Individuen wie Ehrhardt und Roßbach ungestört arbeiten läßt. Es ist ein groteskes Zusammenwirken der Eve'igniffe, daß diese Verhaftung zur Zeit des Hitler-Prozesses erfolgt ist, in welchem dem Gericht die interessante Entscheidung darüber zusteht, wer der größere Hochverräter ist, Kahr oder Ludendorff. Von diesenr Urteil wäre in normal konstruierten Staaten -'.ine besondere Wirkung zu erwarten, nämlich die einer Reinigung der politischen Atmosphäre. Politische Skandalprozesse hat es zn allen Zeiten und in allen Staaten gegeben, niemals jedoch ünen von dem Kaliber des Münchener, an hm .ricm nicht verstehen kann, in welcher Verbindung er mit dem Rechtsleben steht. Ein Paar Kondottieri, denen die Republik nicht Paßt, streiten über das beste Mittel, ihr den Kragen umzudrehen, und das Gericht gibt ihnen ein gefügiges und geduldiges Auditorium ab. Zur gleichen Zeit tagt m Leipzig der Prozeß gegen den gewesenen Ministerpräsidenten Zergner, eine hochpolitische Affäre, die dartun soll, daß dieser Mann ein besonderer Feind ldeutscher Art und Sitte sei, weil er vor vier Jahren sich eine Gans hat schenken lassen. Alles lacht, alles jubelt, alles freut sich! Tenn dieser Zeigner ist ein radikaler Sozialdeonokrat, der, hört, o hört! mit Juden verkehrt hat. An diesem Prozeß nimmt eine parlamentarische Kommission des sächsischen Landtages in offizieller Funktion teil. Der Vorsitzende des Gerichtes ist zugleich Vorsitzender der Leipziger deutschnationalen Gruppe, die Beisitzer mit Zeigner persönlich verfeindet. Was Wunder, daß Zeigners Ablehnung dieser Richter verworfen wurde? bruches Hübner zu sieben, Derß zu drei Monaten Gefängnis. , Das ist das. Deutschland, von dem Quidde, aber nicht nur er, spricht,' und das im Ausland so viel Haß Teppiche Herren-und Damenwäsche, Regenmäntel, ßgu engl. Wollstoffe, ferner Bettzeug u. 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