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Wiener Morgenzeitung · 1924-03-19 · Heft 1829 (19.3.1924) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1829 (19.3.1924)
Date
1924-03-19
Page
Seite 5 (sequence 7)
Language
German
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fflf. 18W fWrtl» MWvlM *>. Sie Lohnbewegung in der MetMndnftrie. Streik bei der «. E. «, in StMau. Mr haben gestem mitgeteilt, daß in der Schwachstromindustrie (Erzeugung von Telephonen, Radivapparaten usw.) kein Streik bavorstehe. Tatsächlich ist es bereits zu ein«, Einigung zwischen Unternehmern und Arbeitern gekom« men. Dagegen hat die Starkstromindustrie in Anbetracht der äußerst ungünstigen Lage dieser Industrie eine Erhöhung der Löhne abgelehnt. Obwohl die Berhandlimgon mit der Starkstromindustrie über Wunsch des Metallarbeiterverbandes noch eine Fortsetzung finden sollen (die nächste Verhandlung ist für Donnerstag angesetzi) sind im Werke Stadlau der Allgemeinen ElektrizitätSge-sellschaft (A. C. G. Union) bereits 130 Dreher in den Streik getreten und haben trotz wiederholter Aufforderung die Arbeit nicht ausgenommen. Am 18. März gaben die Dreher durch den Betriebsrat die Erklärung ab, im Ausstande zu beharren. Die WerkÄeitung wollte — um eine Verschärfung des Konfliktes zu vermeiden — über Weisung des Wiener Judnstriellenverbandes den Betrieb insoweit aufrecht erhalten lassen, als dies trotz 'des Streikes der Dreher vorläufig möglich gewesen wäre. ES sollten daher nur jene Arbeiter zur Entlassung kommen, für die wegen des Streiks der Dreher keine Beschäftigung vorhanden war, so daß von den derzeit 1500 Arbeitern 800 weiter beschäftigt werden hätten können. Die Vollversarymlnng der Arbeiter hat jedoch diesen Vorschlag der Direktion abgelehnt und sich mit den'Drehern solidarisch erklärt, so daß die Werksleitung mit 18. März, 8 Uhr nachmittags, die Entlassung sämtlicher Arbeiter ausgesprochen hat. Wie wir erfahren, ist e8 auch in einigen anderen Betrieben zu Streiks gekommen, so im Metallhüttenwerk m Schwechat, bei der Firma Winkler in Schwechat, ferner bei den Hecht-Werken im 16. Bezirk. Die Streiks bei der Firma Goerz und in der Bonbeschlägeindustrie dauern seit längerer Zeit an. Tie Migkeit der Neglenurgrrater Sr. ©rilltet Wir haben bereits berichtet, wie Hofrot i. R. Franz Wolfs eine Unteouneterin bei der Polizei als geheime Prostituierte fälschlich denunzierte, wobei er durch die Visitenkarte eines anderen Hosrates namens F r ö m e l Zutritt §u dem Leiterstiellv'ertreter des Gittenamt-es, Rogieruugsrat Doktor Gel ln er, erlangte. Wir waren nunmehr in der Lage, Einsicht in den Gerichtsakt zu nehmen und festzustellen, daß Hofrat Wolfs sich bewußt eine Irreführung der Behörden und RagierungSrat Dr. Gellner eine Nachlässigkeit in der Geschäftsführung zuschulden kommen ließen, . weswegen gegen letzteren die Einleitung der Disziplmaruntsrsuchuotzg unbedingt geboten erscheint. Nach den Akten gab die unschuldig Verdächtigte an: Dr. Gellner hat Mich in wenig freundlicher Weise behandelt und scheint von Haus aus der festen Urderzeugung gewesen zu sein, daß die Anzeige gegen mich unbedingt richtig, dagegen alles, was ich vorzubringen hatte, unrichtig sein muß; denn er ließ mich überhaupt nicht reden. Ich habe wiederholt versucht, ihm ausemanderzusttzen, daß entweder ein Irrtum oder eine Böswilligkeit vorliegen müsse. Ich wurde mit der kurzen Bemerkung abgetan, das höre er von ollen. Dr. Gellner hatte mich nur gefragt, ob bei mir Herren nächtigen, und als ich dies vereinte, meinte er, ich solle i h m d a 8 n i ch t e r z ä h l e n. Dem: das sage ihm jÄx. Schließlich erklärte er, er wolle nichts mehr hören und gab Weisung, daß ich ins EefangenhauS zu bringen fei. Dort bat ich wiederholt um nochmalige Vorfuhrnirg vor Doktor Gellner. Ein Kriminalbeamter sagte mir schließlich, daß über mich bereits eine Verfügung getroffen wurde und daß ich weder mit Dr. Gellner, noch mit dem Vorstand etwas zu sprechen hätte. Ich werde äbgeschafst. Als ich nun vor mich hinbrütete und an di« zwei oder dveii schrecklichen Tage dachte, die mir noch im Gesangenhaus bevorstünden, wurde ich plötzlich zu Dr. Gellner gerufen, bei dem sich Frau Doktor Zaglitz befand, ganz in Trauen ansgelöst. Dr. Gellner empfing mich in absolut geschäftsmäßiger Manier und meinte, dem Schmerzensausbruch der Frau Dr. Zaglitz hätte ich es zu verdanken, daß ich dos Polizeigefangenenhans verlassen dürfe. Sie besaß zweifellos mehr Menschenkenntnis a ls D r. Gellner. Ich mußte ihm binnen 24 Stunden Nachweisen, daß ich irgendwo eine Anstellung habe. So sprach zu mir der Funktionär der Po ' ize <i in einer Stadt, die rund 100.000 Arbeitölüse zählt! „Wenn man will," sagte er, „findet man ein« Arbeit. Wenn Sie aber keine finden, werden Sie sich eiben als Hausgehilfin verwelken lassen!" Dr. Gellner hatte auf meine Bitte versprochen, darüber, ob ich Arbeit hätte, nicht durch Polizeiorgane anisragen zu lasten. In Wirklichkeit hat er sowohl an meiner Arbeitsstätte, wie im Kaffeehanse über Mich in einer Weise a n s r a g e m lasten, die am besten daraus erhellt, daß nran mir tags daraus an beiden Stellen die Frag« vorlegte, was denn los wäre. Die Polizei hätte nach mit* geforscht. Wie we:rig taktvoll die auf Bevankassuntg de8 Dr. Gellner eingcleitttsn Nachforschungen waren, geht am besten daraus hervor, daß der Leiter deS Sittenamtes, Regi-ernngsrat Dr. W e i n-> brrger, sewfi Mgalb, daß das Vorgehen des Dr. Gellner ktzi» einwandfreies war, und daß Weinberger es lebhaft bedauerte, daß ich durch diese Indiskretion an der Arbeitsstätte Unaem-chmvichkeiten hatte. Dr. Weinberger erklärte auch, bereit zu sein, mir S ch a d I o s h a l t n n g wegen de» AmtSsühremg des Dr. Gellner, die einte gründliche zu uemren, gewiß kein Anlaß vorliegt, zu gewähren (Dr. Weinbevger hat dies« Erklärungen inzwischen abgeschwächt, um fefewi ftioftgt (teilten Stellvertreter nicht noch mehr bloßzupellan). Wie sehr Dr. Gellnen für den Hofrat W o k fs «Ubettete. ergibt sich aus der Tatsache, haß Dr. Gellner dos Mädchen («hgte, ob cf nicht simwißig aus dr: _Wiener MorsrnzrlLTtrs. Wohnung aus ziehen wolle, eine Frage, die doch mit der erhobenen Beschuldigung in keinem offenen Zusammenhang sttind. Weilers wird festgestellt, daß Wolfs auch nach der Freilassung mit Dr. Gellner Rücksprache pflog und an ihn einige Briefe schrieb, in denen er unter Berufung auf seinen Freund Hofrat Frömel die Beschuldigungen ernowerte. Inzwischen ist cs dem Herrn Wolfs glücklich g el u u g e n, d i e Fra« ans dem Kabinett Hera n szubriugrn. Wir erfahren weiters, daß an bem Vergleiche der Vertreter des Rechtsanwaltes Dr. Felix Kößler schuld war, der dem den Vergleich anregenden Vorsitzenden in der Gerichtsverhandlung, Hosrat Schwarz Wald, eutgegenkam. Dadurch ist es dem Hofrat Wolfs gelnwgen, sich vvrlänfia von jeder Strafe zu befreien. Sk tzinsührung kleiner Auto» bevorstehend. Di« 4000fache Taxe. Die Wiener Automobil-Taxameter^ und Berkehrsgesellschast (Wat) hat sich entschlossen, ans Frankreich 300 Citroen- Kleinautos zu beziehen, und sic in Testerreick) in Verkehr zu setzen. Das- Unternehmen wurde vielfach angegrissen, da 'n Oesterreich genug Anto-inobilsirmen bestehen und die Einfuhr neuer Typen' nicht nötig erscheint. Wir. haben über die Angelegenheit Erkundigungen eingezogen nutz folgendes 'rsahren: Wiederholt wurden von Fahlgästen Beschwerden erhoben, -aß sie «inen zu hohen Fahrpreis zahlen müssen. Deshalb beabsichtigt das genannte Unternehmen, ein bequemes, z w e i s: tz ie s Kleinauto entzusühren, siir das bloß die 4000 fache Taxe zu bezahlen sein wird. In Wien gibt es ihereits Kleinautos, zum Beispiel die der Firm., Herl, dach sind diese zu klein. Tie Firmen Graf n. Tlif! und Fiat haben schöne, grite Wagen eingeführt, die jedoch zu groß sin). Da in Oesterreich kein zweckentsprechender Autotyp zu finden war, wurde dir französische Marke Citroen ausgesucht, die alle gesuchten Vorzüge ansiveist. Die Citroen-Fabri-ken stellen angeblich t ä g l i ch 200 Wagen her und find in Paris und Brüste! sehr gesucht. Um die ElftchrbewillMNg wurde bereits angcifucht. Die Gcsellschafl behauptet, daß es sich bei dem Kampf gegen sie um kleinliche Konkurrenz m anöver handle. Angeblich wird der österreichisch-französische Handelsvertrag in der nächsten Zeit erneuert und bei dieser Gelegenheit die Einfuhrbewilligung erfolgen. Wie uns mitgeteilt wird, sollen sich auch zwei andere größere Antotaxinntcrnchmungen titi: der Einführung »euer Kleinwagen befassen. Veränderlich, wärmer. Das Wetter ist in Oesterreich veränderlich. Vorgestern sind vielfach leichte Schneefälle gefallen. In Wien gingen auch gestern noch Schneefälw nieder. Temperatur andauernd tief. Im Westen hat sich das Wetter gebessert. Voraussage: V e r ä u d r r l i ch und etwas wärmer, westliche Winde. W i c n, 10. März. * Herr Hugo Bettauer teilt mi» in einer Zuschrift, iit der er an unsere Loyalität appelliert, mit, daß er mtt dem heutigen Tage die Herausgeberschaft der Druckschrift „Er und Sie" niederlegt. Er versichert weiter, daß er mit den Kuppelinseraten, die von uns beanständet wurden, nichts zu tun hatte, sie vielmehr immer erst im sertiggcsteUten Blatt zu Gesicht bekam. — Diese Versicherung ist natürlich keine Rechtfertigung des Verhaltens des Herrn Bettauer, der in diesem Falle für den Inhalt dar Inserate verantwortlich ist und bleibt. * Der König der Hendelfanger. Der „Heirdelsanger", ungarisch „csibesz", ist eine alte ungarische Spezialität und gehört zu den geläufigsten Schimpfworten in Ungarn und über Ungarn. Seit vielen Jahren hat man von den Heldentaten der Hendelfanger nichts mehr gehört. Nun kommt aus Budapest die Mitteilung, daß es einer Detektivgruppe gelungen sei, den „König der Hendelfanger" unschädlich zu machen. Der Manu, der sich selbst diesen stolzen Namen beilegte, ist der beschäftigungslose Michael I a b o t e k. der mit ztvei Komplicen die 'großen Zuchthühnerhöse der Umgebung von Budapest heimsnchte und ausraubte. Iabotek hat bei seinem Verhör erzählt, daß er ursprünglich sich als gewöhnlicher Einbrecher versuchte, sich daun auf das seiner Meinung nach einträglichere Geschäft der Hendelfängcrei verlegte. Es wurde ihm bereits der Diebstahl von mehreren hundert wertvollen Znchthi'chnern, außer beu hundert Zucht gänsen und Ente», die er „ausgeho-ben" hat, nachgewiesen. * Eine Erpressungsasfcire in Wien. Wie wir erfahren, führt die Polizei seit einigen Tagen die Untersuchung in einer angeblichen Sadistenaffäre. Ein Bankier der Inneren Stadt hat gegen eine Frau und einen gewesenen Offizier die Anzeige wegen Erpressung "erstattet, da die Beiden ihm gedroht hatten, sie würden ihn, wenn er ihnen kein Geld gäbe, wegen sadistischer Delikte airzeigen. Beim Sittenamte haben gestern eingehende Vernehmungen der drei Beteiligten Personen statt gefunden, die noch nicht zum Abschluß gelang' sind. * Kasseneinbruch in der Inneren Stadt. Gestern nachts wurde von unbekannten Tätern in den Räumen der Oestcrreichischen Getreide A.-G., 1. Bez., Regierungsgaste 1, eine eiserne Kasse erbrochen und 330 Millionen Kronen geraubt. * Die Hoteliers beim Polizeipräsidenten. Eine A b o r d-- n u n.g der Hoteliers hat dem Polizeipräsidenten Sch,o-ber das Ersuchen um B erl ä n o>e r n n g der Spe.rrstuudc in den Hotelbetrieben überreicht. Der' Polizeipräsident sicherte eine wohlwollende Prüfung des Ansuchens zu. * Miirzbcznge siir Handelsaugestellte, Handelshilssarbeitler und Lehrlinge. Die paritätische Kommission des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft hat festgestellt, daß im Monat Februar körne Verteuerung der Lebcnshaltnng erfolg: ist. Demgemäß gelten für kaufmännische Angestellte, Lehrlinge und Hilfsarbeiter im Monate März die gleichen. M i n d e stbezüge wie im Monate F e b ru a r. * Die Turiner Explosionskatastrophe. Zur Explosions-- katastrophe in der Znndhölzchensabrik kn>i Turin wird uns aus Rom gemeldet, daß bisher 10 Leickien „mrdei». darunter 18 Dl ädchen zwischen 16 und ln s w' : w. T ie Ursache der Katastrophe ist nnbelanm. .19. März 'im «Wk $ f "Mne WoM " * Tutauthamens Stocksammlung. Uttter den Wunder«» I die durch die Eröffnung der Grabkammer Tutankchamens ans? l/icht gefördert wurden, befindet sich aitch eine herrliche Sammlung von Stöcken, die gruppenweise durch Lcinenbäuder zu Bündeln vereint sind. Es sind wundervolle Stöcke aus. Silber und Gold darunter, die vo>: der königlichen Schlange gekrönt sind. Die seine Iittarsientechnik, die hier zit bewundern ist, zeigt, ans welcher erstaunlichen Höhe die dekorative Kunst Aegyptens in der Zeit der 18. Dynastie stand. Eine andere Gruppe von Stöcken ist durch einen spinuwvbeltdmmen Faden zusammengcbturden. Der erste Stock, den man hier fand, besteht aus Schilfrohr mit eirrgetegter Goldarbeit uub trägt die Hieroglyphenschrift „Rohr, das Seine Majestäi nüt eigener .Hand' geschnitten har." Mau fand daneben einen Bogen der mit Bildern von Barken exotischer Fornr geschmückt ist. und der ersichtlich niemals benutzt wurde. Daneben lagen zwei andere gleiche Bogen mit Pfeile», die ans Ambra geschnitten sind. 'In einem anderen Bündel waren Ebenholzstöcke ^nsammengebunden, die mit Verzierungen aus 0-okü und Elfenbein reich geschmückt sind. Einer dieser Stöcke hat als Griff eine Hand,'in die Iagdszcnen ringeschnitten sind; ein anderer luundcrbarer Stock ist rot, bla» nnd grün gefärbt, (sin goldener endlich zeigt einen Griff ans Glas und einen Silberring, ans dem die Inschrift eingraoierc ist: „Wähle diesen Stock ans feinstem vlold, damit du nach deinem Schlaf dem cblm nnd geliebten Vater Ammon, bem Liebling der Götter, zu folgeit vermagst." * 2500 Jahre alte Fischmumien. Bei den Ausgrabuttgen in Aegypten lvurden FisckMumien gestruden, die, obwohl sie e.n Alter von über 2500 Jahren ausweisen. sich so gn; erhallen haben, daß sie, von ihren Hüllen befreit:, den Glanz der Angenkugeln tmd der Schuppen noch auftveisen. Die Dlinnifizieaung würde durch SalMasser durchgeführt, das man in das Innere des Fisches strömen ließ urtb das dank des starken Natron.z.'- lzalles die Erhaltung der Fische förderte. Aeußerlich waren d>e Fische von einer Schlammschicht umgeben, die im Verein mn dem trockenen Sand des Bodens die Fischmumien vorznattch durch Iahrtansen.de erhielt. Es handelt sich bei den meisten Fischen um den Barsch, der im alten Aegypten als ence G o 11 1k t i e. r ste n Ranges verehrt wurde. * Ritualmordhetze in Litauen. Aus KolNmo berichtet I.?. A.: Die offiziöse christlich-demokratische Zeitung P i t o s" (Moraeul veröffentlicht die folgende Notiz: „Am 10. d. ist die Tochter der Frau Z i p o w i i s ch i e n e, die zwölfjährige A » n a, in die Krankenkasse des Roten Kreuzes geschickt worden und ist von ihrem Gange nicht mehr zurück- . gekehrt. Die Mutter zeigte dies bei der Polizei an und wartet ans die Resultate der Untersuchung. Man nimmt an. daß das Kind attsgefangen wurde, mn anläßlich des bevorstehenden jüdischen Pessach mißbraucht;n werden." Diese Oiotiz hat in Litauen um so mehr Empörung und Erregung hervorgerufen, als dies der erste Fall einer Blutlegende ist^ seit Litaiteu als Staat existiert. . * Das Frauenstimmrecht in den jüdischen Gemeinden Deutschlarrds. Atis Berlin tnekdet I. T. A.: Der Vorstand des Jüdischen Frauenbundes veranstaltet in der Woche vom 23. bis 29. Mär; in einer Reihe jüdischer Gemeinden Deutschlands, in denen die Frauen das Stimmrecht noch nicht besitzen, eine Agitation für die Einführung des aktiven und passiven Wahlrechts für die grauen. Eine Reihe führender Persörklichkeffen des jüdischen Lebens in Deutschland, wie die bekannte bkanenrechtleri:! Berta Pappen heim in Frankfurt am Marn, die Berliner Repräsentanten Dr. Heinrich Stern und Dr. Alfred Klee, Nabbiner Dr. B a e cf, Frau Helene Meyer-Star gard n. a. haben ihre Rlitarbeit zugesagit und werden in den Versammlungen sprechen. Verschiedene Gemeinden haben bereits diesbezügliche Aenderungen der G e me i n d e stat ut e n vor genommen oder in Aussicht gestellt. * Ter Caid von Djerba. Atls Tunis berichtet I. T. A.: Eine Gewalttat des Eaid (Gouverneur) der Stadt Djerba in Süd-Tunesien hat unter der jüdischen Bevölkerung große Erregung hcrvorgernsen. Wir von dort berichtet wird, ist der Caid in der Chedcr emgcdrutrgen und hat die Kinder mit Ge w a l t in die französische Schule bringen lassen. Den Lehrern, die gegen die Gewalttat protestierten, drohte cr mit Gefängnis. Der Caid gab dann bekannt, er werde alle jüdischen Eltern bestrafen, die nicht ihre Kinder in die französische Schitle schicken. Tie Bevölkerung hat einen Protest an den französischen Statthalter in Tunis gesandt. Djerba ist als die Stadt der frömmsten Juden bekannt. Sie besitzt eine berühmte Synagoge, von der die Sage geht, sie sei aus den von dem zerstörten Jerusalemer Tempel hernngeschasften Steinen erbaut worden. Während seiner letzten tunesischen Reffe hat Präsident Millerand diese Synagoge besucht. * Hinrichtung durch Erschießen. In München wurde gestern früh Alfred M ö rt chs g e sa ug, der wegen Ermordung seiner Ölroßmutter zum Tode verurteilt worden war, durch eine Bollstrecknugsabteilung der Landespolizei erschossen. * Verurteilte Chaluzim. Ans L od; berichtet I. T. A.: Bor dem hiesigen Kreisgericht fand soeben die Verhmrdlung gegen die Chaluzim Bszosa und Fabrikant wegen Bildung einer illegalen Vereinigung statt. Die beiden hattcit im Jahre 1010 ein Gesuch um Legalisiertutg des Hcchalnz ein gereicht. Bevor aber ihrem Gesuch entsprochen wurde, richteteit sie eine Tischlerwerkstatt ein rutd verattstaltt' ien ein Gartenfest zugltnsten des Hechalnjz. Obwohl die Zeugen erklärt hatten, daß Hechaln; als «ine Sektion der Lodzer zionistischen Gesellschaft bestand, wurden die Angeklagten zu je einem Monat Arrest verurteilt. * lOOjahrigcs Jubiläum des Streichholzes. Bor hundert Jahren kamen die ersten brauchbaren Streichhölzer in den Handel. Es dauerte aber 10 Jahre, bevor die Allgemettrbeit sich zic beut Gebrauch der als „gefährlich" verrttfenen Streich - Holzer entschließen konnte. Die nach ihrem Erfinder Congrew sche Streichhölzer qmannten Zündhölzer wurden entzündet, titpcnt man das Holz zwischen Sandpopierblättern hindttrchzog. die mit den Fingern znsainmengepreßt wurden. Da sich die ersten Streichhölzer geric ven^ selbst entzündeten, was aus ihre Zusammensetzung aus Schwefel. Phosphor trnd Kalinmchlorat znrückzuführen ist, so wurden sie in vielen Staaten verboten. O.llil der Erfiltdnng des Frankffirter Professors Bo e t t g e r (1tztt8), der die. nur an präparierter Flache entzündbare', Streichhölzer (Sicherheitszündhölzer) erfand, begann der mt gehen re Siegeslauf des Streichholzes, das nitit sein lOOjäbrigc s Jubiläum im Triumph über das Benzin-- und elektrische Feuer zeug feiern kann. * neuer Menschassentypus. Bishca nxir man der Ansicht, daß die Heimat des Gorilla Westasrika sei. Nun haben aber vor kurzem die Naturforscher Rudolf Grauer nn.d j Eckel c ti eint nette, bisher imbekannte Gorillaavt in Mitte.-- asrika entdeckt. Dieser neue Vertreter dctr Gorillafantstie unterscheidet sich tootx jehwm west afrikanischen Vetter de durchs daß er weit menschenähnlicher fft als dieser '.rnd sich d'.n cü grötzett Jnlelligetcz auszeichnet', er ist attch weniger bebaart als kn westafrikanffche Gorilla. Das bervort- -ckn-ndste Bennz.-'ckn'n rteneutdeckten Gorillaart i't. d--- " ' ■ : ' . ' ' •? Sw fast völlig gleichen. Effnioe C:. r r r-il*': nach Europa gebracht werdet.

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