Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1824 (14.3.1924)
- Date
- 1924-03-14
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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V -iV :i »• . y» v-, l", ■■ ■ t:;£ Men. Freitag lungen. Es ist sebr nnterhaktend. m beobachten. wie die Amerikaner idrr fvilm wurde in Amerika d.-rgestelM paradierend die Figuren des Ronrans ]\i erfassen u:ld chriett in ihrer grotesken Drolterie ein neues Leben zu geben wiüea. Ls ist der gute, trockene und doch so harmlose überseeische Humor, der sich hier breite Bahn brickil und die Menschm in den historischen Kostümen so agieren l>'ßt, wie sie sich beute eben bewegen. Tatz hiebei die historischen gelben, der Handlung nicht sonderlich gut wegkommen, liegt in ans der Hand. Aber es ist keine bösartige Satire, und frei von fcbrr waltet hier gesunde Komik, die alle sich ergebenden Momente restlos zu erfassen weiß. Ein weiteres wirkliches kleines Kunststück wahre», Humors ist die deutsche Text- und Titelfassnug, die von dem bekannten Wiener Regisseur Hans Otto Löwenstein herrnhrt, der mit seinem genniden Landskneclitdumor darin einige wirkliche ..Schlager" creschaften bat. Die Titel wirken hier wie eine launige Eonfcrenec?n den heiteren Bi'deru, die der Fi'm in schier unerschöpflicher Menge immer wieder >u Inc^n weis'. Ls in dies ein wirklich liebenswürdiges Filmwerk, das eine rtmimi-mnö II. Tabor strasse Nr. 8 Direktion J Schulz" äb fteutie kB® 17» MSr* Ssi Sonne üstgtauen Der dritte Boxerfilm mit Reginald Doney in dr Hauptrolle. - Ein film für alle Sportanhänger und das übrige Schla^eromg-aintn Beginn- 5,5, *,?• '.^9 Uhr —LGWEN-KINO "M-—g Ab Ittuf« bis 17. März Der Clou der Saison Sie drei Mßkre-iere Pa:odie nach Abx. Dumas . Die drei Musketiere“ mit ft£X LfKBfR und das übrige Schlagerprogramm Beginn der Vorsiel'ungen: r/,5, ' .7. V^Uh*^ Ktto-Orchesfer unrer l.eibing de«; iCanell'neistprs Rüme*h MAX LINDER PARODIE nach dem bekannten Roman von Alex. Dumas Pie drei Musketiere * Vom 14. bis 17. MXn: HAYDN-KINO, 6 8-r.. Mariahilfersirasce' 57 BURG-KINO, 1. Be/.. Cpfrnring 1» LOWEN-KINO, 3.8 2. Lowenga^e "3 GARTENBAU-KINO, 1. Bez., Pa kring 12 IMPERIAL-KINO, 1. Bez.. Rntgaspe 4 KINO WIEMZSILE, 6. Bez., Unfce WlenTeüs 4 Vom 18. bis 2ö>, MSris ZIRKUS BUSCH-KINO, 2. Be?.. Praterstern OPERN-KINO. 3. Bez. Fried-ichstrasse 4 FI.IEGER-XINO, 9. Be’.. ‘ iechtensteinsirasse 37 ZENTRALPALAST-KINO, 7 nez;. Mamh'iferstra -! ti-o VOTIVPARK-KINO, 9. Bez., Wi-irmgerstrae£e 12 Wiener Mf.ro rrneitnnff. 14. Mary 19D4 Nr. 1824 gliukliche Kombinatinn von aaNnck'e'». und amerikanischem Humor durchzieht und dabei so harmlos, Vast es s-fgar untere sehr bedächtige Znckur für die Kinder freigegeber! hak. Aus der Werkstatt der „Stadt ohne Juden". Im Schönbrunner Atelier ist eine Shnag"ge gebaut. Tief erstreckt sich der kolossale Ban in die Tiefe des Ateliers. Dunkle Gestalten, die weißen Gebettücber auf den Schultern, beleben ihn und kauern im Gebet versunken in der. Bänken. Die Lichsströme, die aus den mannigfachsten Bc!eucht''ngskörpern quellen, baden das flcnre ergreifende Bi'd in ihrem violetten Schein und lassen Inseln frei, in denen düstere Dämmerung eingekrallt wirksamen Gegensatz zu den-'strahlennmflirrten Ecken und Kanten der metallenen Zierate gibt. Geheimnisvoll leuchten die go^enen hebräischen Leitern auf dem dunkle» Samt der Thocamäntel au? und das Weibe ewig allen Gebete. Dieser wnndervocke Kau, den Julius v B o r f o b n auf- Bellauers. oer diesem Filmbnch die Grundidee gab.^ Der Regisseur H. K. Breslauer har es verstanden, diesem Buche alle Spitzen zu nehmen und wir werden bald Gellgenhei: haben, einen wirklich interessanten Grofüilm zu sehen, der besonders in indischen Kreisen grosn-s Interesse erwecken wird. Wir haben schon, öfters an dieser Stelle Gelegenheit genommen, über diesen werdenden Film zu berichten. Und wir müssen heute wiederum betonen, daß dieses Werk, das auch bereits im Ausland mir einer nicht geringen Spannung erwartet wird, alles in sich vereinigt, um unserer heimischen Filmindustrie das beste Zeugnis anszilstellen. „Nero". iäeull ersche'-m in den Wiener Kinos ehr nimm-- mentaler Fox-Film, d'r einte üncherst spann-ende Handlung ans der Ki'nematm'raiph'.e als auch ein Kul.'urwek ersten Ranges. Dllser Z-ilnk Hot bevü's im Ausland ungeheure Erfolg «rzteli. Zweiter Schönheitspreis der „Filmwelt". Der zweite Preis in der Sch!ll:helisknn?urrenz der illustrierten Kmorevue „Die Filmwel" wurde Fräule'n Kall)« Schulz aus Graz zugrsprochei!. Diese Dame wurde tinemawavciiphsch au'geiwm« men und dieser Filmstreifen wird demnächst in den führenden Ädnos Wuf-'N. NebeHiwlurig der „Filmwelt". Die illustrier!« Kinorevue „Di« Filmweli" üb-ersi-edeit cm 15. d. mit Redaktion und Administrir'-'v-,: nach Wren, 7. Bez., Hermonngasse 6 (Gassen" lokald keiner Weise seinem Schwcsterwrrk „Die Königin von Saba" nachsteh'. Wir werden noch Kesogenheit nehmen, diesen Prnnlfilm an dieser Slllle ausführlich zu besprechen. „Wonbers os the sea". vnt'r diesem Titel kam llvt ein Filui nach Wien, der wundervolle Aufnahmen vom tlllceresgrurrde zeigt. Dies-e wurden in der,Tiefe von zwölf M'.'rn bei den Babcnnainftln gemacht und sind sowohl ein Triumph Filme der Woche. „Neman einer Unerfahrenen". — „Mary lllcht einch Brirder". — „Die Strühe". — „Shackletons letzte Lüdpolexpedi'wn". — . Ne-o". — „Die drei Wnnlrcviere". — „4 144. Mutz die Fran Sllntirr werden?" - „Das Geheimnis des Dr. Dü mitritrs". - „Boys Rache". -Eum-nm©, t dperürim 19- Ab heule bis 17. März Der Clou der Saison Die drei MuMMere Parodie nach Alux. Dumas . D e drei Rßusket ere“ mit fax nrxrR und das iibr ge Schlatierprogramm Beg nn der 1 orstellnngen 4 6 7. V-Q Uhr K07LMUKM-ZLM0 WIEN, 1. FLElSCRMATIin 1 ijJSr Ab Iikute t is 17. März Da$ das Bf. Dimilrins Ci «ellsohaftsdrama in 6 Ak^en und das übr ge Schlagetpiogiamm Besinn der Vorbei unffen 4 J/.6. /jS nnd 3/j9 tThr Ba-teiim pfk einer erF*ktnsa:(>en Käng*lerk»neUe rir.s W» 19 VITA « FILMINDUSTRIE A.-Q. WIEN Zentrale: vü. Reubangssse 1 Telephone: 37- 84 37-1-86. 3"-l-95 MAX LINDER Fabrik und Ateliers: Hisenhfigel bei Nmv. UUenerslr. Telephone: 84 5-87, 84-5 88, Atzgersdorf 206 in dem Zirkusgrossfilm!n der weiblichen Hauptrolle VILM A BANKY 1 w C^pyrieih tr*3 bj?facf)bni(f tfrbiten. D^L'.sch-LesterreiüüÄei öct’ss, <3i:n 44. Fvwttzimg. Tie Helmattvseu. Von Wilma Vukei'ch. Nun erber . . setzte er dam» wieder in väterlich dertreruiichrm Ton-e fort, „ich Habe Ihnen meine Karten auf* gedeckt. Also Awsrichtllill'.r xo-en A-'.'isvichj-i-sleit!" Tan-n neitzte er sich cc-^en Lajos' Ohr. sowohl die Buveaus länD kex -waren und die hohen Türen tariert. „Ich brauche e-inen sicheren Marin, der mit der cd-erstett Leitung der sozial dm -krati-schen P erteil in Verbindung stecht. Sie werden sich denken, daß wir bei unserer cruKgebreiteten Organisation überall unsere Exponenten 'halben. Denn wir müssen ja d'-e ^anze Güs-arung, alle A'bsichlln urd Beschbüsie möglichst zeitig ierrnenlernen. um un-serenseits entsprecher.'de GtzZemn-a^rooeln irrfferr zu können. Das sind Lome Kkei'Mgkeit, und wir sind xeneigt, solche Dienste, die gleichwitig dem Lande und seinem Wo'hle dienen, ans das noLe'ste zu honorieren. Sie werden Ihre BodiuMneen stillen. Ich 'kann lohnen aber rm vrrhinein sa^en, daß wir genaigt sind, einen Menschen au-s Ihnen zu tnachen." „Und wenn ich dll Sache abllhne? Wenn ich nun denr.-ch nicht der bin, für den Sie uiich zu halten belieben? Sie haben sich durch diesen Schritt m »meine Hand gegeben." „Ich. in Ihre .Hand?" Nun lachte Äwvmtzer wirklich rin herzhasies Lachen, das fest fuifti-7 klang. „Sie leiden w der Tat an einem bedeutenden Größenwahn. Jedenfalls sind Tie ein ganz interessanter Tfcip. haben Sie denn auch nur eine Ahnung von unserer Ausbreitung, von unserer Macht und Organisation? Wer wird Ihnen glauben, ja. wer Sie nur anhören. wenn Sie Ihre kompromittierenden Märchen a^stischen? Sie xich'.en sich damit Mer zugrunde, glauben Sie mir! Schauen Sie sich gefäll'.gist Fenyö an. Was hat der von seinen ewigen An^bereien gehabt? Ist ein Hungerleider geblieben. .Hat sich ein seiue-s Ge-lenksvheuma in den Kallmatten Kafchaus geholt und f.-rnffc nichts als Gift und Galle." Und lächelte dann vielsagend und vertraulich zu Lajos hinüber. „FenyL fangt übrigens an, alt und kindisch zu werden. Sein Posten -könnte bald frei tvevden. Unter um gesagt, natürlich. Und da ich Ihre Fähiglliten keineswegs unterschätze, bll'ib-t Ihnen nur übrig, mich auch v.'u Ihrer Verlaß ichll't m überzeugen. Der Nnsana war wenig vertrauenerweckend . . ." Er runzelte die Brauen und war wieder unnahbar. . . Oberbonge . . . „Wenn Sie leisten, was wir erwarten, rücken Sie im Berlluife eines Jahres zum politischen Reda'ltcur des „Morgen" vor . . . Genügt das?" „Es genügt!" sagte Lajos knapp und wurde blaß vor Spa-nuung. Er nahm da's BüiN-dol -m-t den Schriften von ,Kornitzers Schreibtisch und verneigte sich Eorrekr. „Ich denke, Sie werden mit mir zufrieden sein." Lajos lief durch die Gassen wie ein Verrückter. Das Blut brauste in seinen Adern, er stieß an die Leute und merkte cs n'-cht. Er wurde g-egrüßt und dankte nicht. Kein Gcdan,ke war vovläuifig in serr?em Gehirn. Nur wüste Aufregrtug. Rausch und Triumph. Tausend Bilder, die ihm Leben und Zuku-rist vc-o^au'kelten. Und inZendwo.ferne, unfaßbar, ei-ne leise, beklc!mmer.'e Augst. Wohin nun? Hier winkte Erwl'g und ein vancher Anstieg. Ver- U'.ögen. Ja, Macht über die Gemüter. Macht, nach der er sich geilllh-n-t, seitdem er zu atmen angeisan^en. Gr, der lumpige, rokhaarige Judenju-nge mit der ewigen Gier, Herr zu sein über andere, Willen zu formen, Schicksale zu k-iten. Tenn er wußte wohl: wen Körniger in die Hand nahm, der kam hoch. Mit Kornitzers Leuten muß man rechnen. Fielen und standen d.'ch Mirtisieir von seinen Gnaden. Gesetze und Paragraphen gingen durch seine Hand, ehe sic Beschluß wurden. So «irr Intri.gen'jlpiel, mit Streiks u.nd Mrlitär. mit Alarnr ur.d Blut und gestürzten Regllrunlizen, denen neue Systeme und neue Politiische Richlaiugen folgten .. . das war für Kvrnitzer w«'rb'lich u>ur ein Kinderspiel. So was hackte er aus, bcrcck/nete es kaltblütig, wie sonst ein« x-belie.i''ge K'N''uuk'lur. Setzte st-ine Figuren, tat Zug um Zug und 'kümmerte sich dien Teufel um dll paar unschuldigm VierhH-ew.eb-en, die dabei eve:^!'Mll ins Gras bissen, oder um ein paar gugrimde gerichtete Eristenzen. Was zählteu die für einen N'ann wie Kornitzer? Und Lajos sah sich selber rm Dienste Kovmtzers. Ein Diencr, ein Sk ave dieser eisernen Gewalt. Nein, eine Schachfigur chm Sinn u-nd Seele, die hin und her geschoben wird, d'e nur dazu dient, das Spiel zu ge>wn«nen. Urd er sah sick» r'n^en mit dllllm M^nil c'hne Nerven und G wissen, Brust an Brust und M-ulZoil an Ml'k'kdl. Wo jen-.'r sich .seiner eowohn-ten Ku'sill ^diente, setzte er dfe Kraft seiner Jugend ein. Wo jener sich stemmte in kühler Gelassenheit, d--rt siegte d.rs Temperament der Jugend und st'ui leideuschaiftl'cher Wille zur Macht. Und er warf diese Gv^ensi>gur in den Staub und die Welt sah, daß sie auf tön-ernen Füßen geruht. Und setzte sich selber au ihre Stelle, er, Lajos Nagy, den -die Tiefe empov^llschwem-mt. den die Armut hart gemacht, zäh, gierig, schllu und gew'.ssenlos. Tann aber sah er -bi? K-ehcho.ie der Medaille. Ellrd und blasst Not. Sirimtzlfsiun u.'.'d jodrs Lasier. Eine verko.mnwtte, Vertievle Men»s-ckisM. die «i-Mtzzweinat in' dm stinkenden Spellinken der Armut leben muß, damit einige in prunkenden Pa'Äswn hau'sen können. Die zer-inalilerr wird im Gr ßbetvieb der Fabviken. damit einige alles haben . . . Ja, die vielln waren da, um die Diaderr zrr milisten. Um im Keinic erstickt zu werden, schon in ihrer dtuttostn, rhachitisichen Brut, geschändet zu werden irr ihren ausg-rmergelten Wlli'öern und in ihren TL-chtorn, die das Freigut der Gasse sind. . . Ja, er 5anm>!e das Ellnd ht allen seinen F rincn dieses Elend d-er B:rdapest:r Massencsuarti-ere durch d-ll bor "Atein der Gier geht n.'u.d des Hnngcrs nach Leben und Ermiß. Er lanuke die Weiber, dll sich mit -den zenschlissei^n Se'denllhen der Reichen behängen und san'lerzend, 'keis-end und hurend in den osstnerr Gängen unthcvlimt'gclm. Er kannte dll Jugend, die schau, und altklug zur Wett kc-mint und von den berauschenden Abcriteuern Nick Earters l'nd -ten Zu'sülliglli'eu gr<ßaargetegler Bcrbrech-er träumt. Er Va'nnte die Männer; die ihre LobenS.nllr :m Schnaps evsänison und ihre Machtw üste an der Familie ansllben. Er lannke diese von Wanzen zensressenan Hänillr, die van Schv.ien,.Weinen- und nnftatigrn Liedern ividcr'allen. Bom rohen T-'-ben der Trun- >lln, -vom hilsl.isen Gewimmw- Kndcr und Kvanftn. .Fortsetzung folgt.) m