Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1823 (13.3.1924)
- Date
- 1924-03-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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) EtazehmmmerlßOG Wien: Zum Abholen in der Expedition» IT^Taborstr.l-S, oder in einer Verschleisstefle (Trafik) monatl. K 35.000 Strassenverkaaf in Wien durch die Kolporteure der Firma Gotd.schmiedt,I.6er., Wollzeile 11. Mit Postversand für Wien o. Oesterr. monatl. K 35.000 Ts ehe eil o-Slowakei: Mon. K 18. Jusfoslawien: Mon. DinarßO. Polen: Mon. 3*/j Zloty, Deutschland: ,Mon. Goldmark 4, Frank Belgien: Mon. Frcs. 12 Wf I rA FASCHINGSLIEBE ®Sf“ Nael zahiuagfaa "Wg bei PreinerLölmnyeD Vorbehalten PeiempoiaJt.8S(MMM 1 teile n: Monatl. 12 Lire Rumänien Moe.lSftLer Balf irisa Mon. 80 Lew* Schweiz «nd dsa Shrigi Ausland monettteh Ke«.' Redaktion u. Adnüniatmtios Wien, K., Tafeoi sti a—e 1 — Telephone: 44-0-38,45*3-1^, ahöühr ebds.19-483,25-282 TeL- Adr,:»Morgensoifr— y** Wfen Oesterreichtsehes Postsparkassen-Konto Nr. 150.698 Nr. 1823 ■BMMMMI—WI Wien, Donnerstag. 13. Mrz 1924 6. Jahrgang Das Loch. —y. Wien, 13. März. Der Bericht der Sachverständigen über -ihre Überprüfung der deutschen Finanz- und Wirtschaftslage soll erst zu Ende der kommenden Woche fertig gestellt Norden. Der Inhalt wird aber bereits jetzt in einer Menge von Meldungen nütgc teilt, die einander deravt wrderfpreckM, daß man schon daraus auf ihre Unrichtigkeit schließen kann. Di« Sachverständigen sind Organe von Regierungen, und obzwar ihr Bemühen nur Objektivität nicht angezweifelt werden kann, gehen sie doch sehr behutsam vor, um nicht schwerwiegende politische Interessen ihrer Staaten zu verletzen. Diese Vorsicht und dieses Zögern, so ehrenwert es in seinen Motiven ist, wirkt aber sehr unvorteilhaft auf die allgemeine Situation ein und verschlechtert insbesondere die Lage Frankreichs. Dies tritt klar in einer Auslassung der Mv-Aorker Bankfirma Morgan hervor, es sei kein freier Allsblick möglich, ehe nicht der Bericht der Saehverständigen vorliege. Dies wird in bezug ans die von Frankreich angestrebte Anleihe gesagt und weist wieder auf den unlöslichen Zusammenhang zwischen Politik und Wirtschaft hin, der eben erst in der französischen Währung eine sclgvere Verwüstung arlgericht-et hat. Sie ist im Augenblick zunt Stillstand gekommen und die Pariser Regierung benützt die Atempause, mn sich die BeLvilligu-ng zur Verschiebung des Wahltermins zu sichern. Sie legt zwei Pläne vor: Die Wahlen noch vor dem ursprünglich angesetzten Termin stattfinden zu lasten, um noch vor den Neuwahlen in Deutschland sich ihre Mehrheit zu konstruieren, oder die deutschen Wahlen abzuwarten und erst dann mit Benützung der als sicher geltenden Rechtsveaktion die Stimmung der französischen Wähler zu beeinflussen. Es steht noch dahin, ob das Kabinett Poinca-re in der Lage sein wird, die Wahlen zu letten »nd ob & nLHt schon vorher durch den Senat göstürFt wird.' > In jedem Falle -rüstshL für diese oder für vhe kommende Negsierrwg die NoÄvendigkeit, die Grundlagen.des politischen Systems auf ihre TvagfesLigLeit zu prüfen. Das Resultat einer solchen Untersuchung steht schon heute fest. Die Politik Poincares hat eine Reihe von offenen Fragen erzeugt, auf die der bÄannte Brief Mae Donalds mit rauher Höflichkeit hingedeutet hat. Der Zustand der Staatsfinanzen läßt keine weiteren Esperimente militaristischer Natur mehr zu, außenpolitisch ist eine Isolierung Frankreichs orngetreten und von der Ruhr hat die Regierung nur das Pfand, ohne es exploitieren zu können. In dm Beziehungen zu Sowjetruhland hat die von England begonnene Anerkennungsaktion in Europa Nachahmung gefundm und Frankreich in den Hintergrund gedrängt. Die Entwicklung im Orient, wo das Kalifat unter englische Kontrolle geraten ist, zeigt gleichfalls eine Reduktion der ftanzösischm Geltung, eine Einschränkung ihrer Interessensphäre auf einem für Prestigefragen sehr empsiMichen Terrcrm. Noch stärker ist die Belastung durch die Wirkungen des Fvankensturzes, obzwar sie sich in Frankreich ni<^ so ruinös äußern tonnen als in Mitteleuropa. Frankreichs Bevölkerung ist zu 55 Prozent agrarisch, der kleinere Teil lebt in Städtm, also von dem Austauisch geweMicher Erzeugnisse und von der Ausübmrg fvoier Berufe. 560.000 Personen sind Rentner, die von den Zinsen ihres Vermögens leben, also eine verhältnismäßig geringe Zahl, die von der Entwertung direkt getroffen wird. Mer siir die Stimmung der breiten Aärsten in den.Groß- und den Kleinstädten kommen gerade diese Mttelftändler und ihr Anhang als vichtungge-bend m Betracht, und man weiß aus den Erfahrungen Mitteleuropas, wie leicht diese Kategorie der Demagogie erliegt. S8e ist gerne chauvinistisch, schwenkt aber sofort um, wenn sie die Ausstrahlungen einer schlechten Politik an sich selbst verspürt. Auf diese Schichte und ihre Bedürfnisse wird in Zukunft eine imperialistische Reparationspolitik, die mrr gloire, aber kein Geld bringt, nicht mehr gestützt werden können. Denn an der Stelle, wo die Pfeiler dieses Systems eingeramntt waren, klafft jetzt ein großes Loch. Deutschland zahlt nicht. Daß dies auch der Ruin Deutschlands ist, kann den französischen Beamten, Pensionisten cufd Industriearbeiter nur solange freuen, als er nicht mitgerissen wird. Hier aber liegt das Gmndproblem der Krise. Alle Staaten, alle Wirtschaftsorganifationen sind initeiimnder verbunden und Hängen voneinander ab. Der französische Sparer lernt dieses wirtschaftliche Gesetz von der negativen Seite her kennen und er ficht sein Interesse als erste, wichtigste Grundlage aller 'Politik an. Das Wort Stimers JRsi aeLt mckts über M überall. Ae Sanierung vor Akerbund Sine geheime Beratung. Entscheidung in der nächsten Session. Genf, 13. Mmy. (Schwärz. Dep.-Ag.) Heute nachmittags ist das österreichische Komitee des VöWerchnndes zusamureng-e tvetcn. Die österreichische Regie- MMg war durch den Minister des Aeußcvn Dr. Grüu-- berger, Soktionschef Schüller und den M'm>isterreisideuten Pflügl vertreten. Dem Komitee lagen die letzten Berichte 'des Genevalkormnissärs Dr. Zimmerm a n wnd si n S ch r e i b e n der österreichischen Regierung vor, in dem der Völkerbund ersucht wird, die Prozedur für die Neiberprirfung des mit der provisorischen Delegation vereinbarten Finanzprogramms festzustellen. Das Komitee beschloß, dem VöWerbundrat eine RefvlutÜMO it vonzuleMn, durch die die Berichte des Generalkomimissärs und der Brief der österreichischen Regierung zur Kenntnis genommen werden. Die Resolution verweist aus die bezüglichen Punkte der Genfer Protokolle, wonach die Aendenmg des vereinbarten Finanzplanes nur im Einvernehmen der vertragschließervd en Pa rche4e n vvrgenommen werden kamt, die BeendiFung der Kontrolle von der Herstellung eines dauernde« finanziellen Gleichgewichtes abhängtig vft'rvnd die 5kredtte n«r unter der' Kontrolle des Generalk» m m i f f ärs verwendet wett»eu kormew Dem van der österveichsschsn Regiettmg anSgesPrvchenen Wunsche trägt die Resolution Rechnung, indem der Ge ne ralkvmmiftsär und das Firtanzkomi tee des Völkerbundes mit der Prüfung der von der österreichischen Regierung aufgeworfenen Fragen betvckrrt und di« Entscheidung hierivber för die nächst« Session des MAerbwlÄncates in Aussicht gestellt wird. Nach der Sitzung des 5komitees trat der Völkerbundrat zu einer öffentlichen Sitzung Kusamme» «nd billigte nach Anhörung eines Be richtes van S a l a n d r a die vorgeMagene R^otutrou. * HLergu «Mzet mrser Genfer Spiezialko rrefp onde« t: Der VKLeribuudrat befaßte sich heMe M der Frage des Medevaufbalries Oesterreichs i» geheimer Verhandlung, nachdem in der öffenkkichen Sitzung sowohl die österreichische Regierung als auch GenevaWommiMr Dr. Zrmünerman ihre Ansichten über die Mechobea der Sanierung' Vovgebmcht hatten. Diese Aufrolkmg zweier Gruwdanschauu>ugeu über die Sanierung gestaltete sich anßerordenEch fet* tevessant. Don Anlaß zu dieser Evörtemng bot das Schreiben, welches die österreichische Regierung,nach Gens, .gerichtet hat und in welchem sie verlangt, daß der Re st-der internationalen Anleihe für 'Jnvesti ti oneu verwendet werde, da das österreichische Budget Heuer ohne DeM sei. Der Völkeribunbrat entschied, daß die Diskussion darüber vertagt werde, bis Gemralkormmssär Doktor ZÄmuerman die bezüglichen Dokumente durchstrrÄvert habe. Gleichzeitig gab der Volkelbundrat seiner Befriedigung Ausdruck, daß das Akvnatsbndget Oesterreichs geringer geworden sei und drückte den Wunsch auß, daß dies auch fernerhin der Fall sein und die Politik der administratwen Reform« . verfügt werde» möge. Ileberdies wurde in der Resolution des Välkevbundrates erklärt, daß' das ans der intermttionas-en Anleihe erfließende Geld jeweAs nnr unter Korttrolle des GeneraLkommWrS ' ,rnd mit seiner Antorisiernidtz viiEndet/werde« könne. Diese Res-oVn^ov wurde nach einem Schliutzwort Dr. Be ne sch' augenammw, der erklatte, der 'Vökkerbundvat sei Mt dem bisher gelesstete-u Werke, wÄches dem VMerbnnd zur Eh re gereiche, zufriedm wnd hoffe,' daß das ersiÄgveich Letzormene Werk' ochch imstande sem werde, Oesierreich z«lo«solädiere«. . ' Sr. Seipel W« die Srnser Der Bundesfanfler machte gestem abends in einer Versammlung ferner Partei Wer die «us Genf «ingekangten Nachrichten über die DerhaMmrge« vor dem österreirchifchsm Komitee und vor dem Volkerlnmdrate Mitterlnng imd knüpfte daran die Feststellung, daß M Gens nunmehr genau das geschehen fei, was durch die mehrfachen Ankündigungen des Finanzministers vmbereitet und zu dessen Emlertung der Minister für Aeußeres nach Genf entsendet wurde. Er schloß daran die Ankündigung, daß durch die im Ein v er «eh m-e n mit der österreichischen Regierung vom Völkerbünde gefaßte Entschließung der österreichischen Politik für die machst«« Monate der Weg vorgezeichnet sei. Diese Asußevung des Bundeskanzlers'ist nach Ansicht informierter Kresse als eine Mahmrng tzn die österveichisch!e Oeffentlichkeit aiMsehen, daß in der nächsten Zeit die SaniermigspMtÄ mit höchster Energie durchgeführt werde, danut die weritorssche Entscheidung des Völkerbundes, fajßli&ß mt i&ßtootftcbta tut Tmm Oeiftcttw&S Sie Mglische SnfffMte. London, 11. Mävz. (Wolfs.) Der llnterstaa-tssekretär für L-nststchrwesen Lvach erklärte im Unterhause bei der Ein- ÜÄngung des Vovanfchkages für die Lnfsstreitkväfte, die 'intevnationvle Wrüstittvg se-i die Pavole der Regierung. Der Minister beabsichtige indessen keineswegs, das Land schutzlos zu lassen. Die Zahl der neuen Geschlrader für die VertÄdigmrg Englands betrage in diesem Jahve 8, im Viävz 1925 werde EngA>nü 18 von den 52 Geschwadern haben, deren Aufstellung in den kommenden Jahren geplant sei. Das Unterhaus hat im Sinne der Regierung mit 295 gegen 264 Stmrmen den vonr Oberhaus angenomnrenen konservativen Antrag abgelehnt, wonach die englische Luftflotte stark genug fein müsse, um den Angriff der stärksten Luftflotte in der -Rühe des britischen Gebietes abiwehren zu können. Der Kirchenstaat. London, 12. März. (Tel. der ,Mr. MvrgeiMitung^.) ,AaÄy Expreß" hat von untervichteter kathollsscher' Seite in EnglanD die Nachricht erhalten, daß ein Friedensvertrag zwischen dem Papst und der italienischen Regievurvg abgeschlossen tvorden >sä. Dieser Vertrag si-cht vo-r, daß die U nabchangigkeit des Papste's vom Völkerbund a«ckchLrtt urnd das Gebiet der vatiLa.»ij.che« H das setzt mm zum Teil im Besitze des Papstes ist, der päpftNchen Verwaltung übevgciben werden soll. ES M fovwer ein großer Palast gebaut werden, der als Uuterkmsst für das Kardmalkollegklm dienen würde, während der Papst die 'Aber ganz Rmn Vevstvvuten Wohnungen der KavdinAe an die italienische Regierwnig abtveten will. Pole« ratifiziert den St.-Ser«aiyer Vertrag. Warscha«, 12. Märy. (Tschecho-stvw. Preßburcau.) Der Atußenausschuß des Sejm hat die Ratifizievung des Vertrages von Saint-Germain beschlossen. Die polnische SoKieÄistenprrtei stimmte gegen die Ratisizievnng. ' 8Ü! Attentat auf die euMchr Gesandtschaft in Men. Athen, 12. Dtärtz. (Agence d'Atihenes.) 'Honte M» 1 M)v früh ist beim Eingauge des britischen GesaMchasts- -gebmrdes eine Dhnamitpatrone explodiert. Es wurde einiger Sachschaden angerichtet. Mmisterpvästdent Papauastasiu begab sich sofort, nachdem er twn de.» Anschlag in Kcuntuis gesetzt worden war, auf die Gesimdtschast, um dem Gesandten Chattham sein^ Bedauern zum Ausdruck zu bringen. Eimge der Tat verdächtige Personen sind der ha t e t «worden. Dre Matter geben der Vermutung Ausdruck, daß es den IbÄektäteM dämm M tun 'war, dve ueuc RcAeMug «v MWE W-düMl«.