Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1822 (12.3.1924)
- Date
- 1924-03-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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einzelnoniRier K12 00 Wien: Znm Abholen in der Expedition, IL, Tabors tr. 1-3, oder meiner VerschleisstelTe (Traffle) monati. K 35.000 Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmiedt, I. Bez., Wollzeile 11. Mit Postversand für Wien o. Oesterr. monatl. K 85.000 Ts eh e eh o-S I owa k e i: Mon. K18. Jugoslawien: Mon. DinaröO. Polen: Mon. 3V* Zloty, Deutschland: Mon. Goldmark 4, F r a n k r., 'Belgien: Mon. Fres. 12 »U" N»eblablua'W bet PrrfierbShnajfea vetbehdte« Rk. 1828 Ml I. ■ I ... I ..II FASCHINGSLIEBE * trT#' m Wie«. Mittwoch. 12. März 1924 Po!8n:poln.!ft-8W4)fH Italien: M«|**tl, 12 Lire Rumänien Bulgarien Nfen.ÖOLewa Schweiz mid daauhrty Ausland jnon«*^*1 Er*** > ‘ Redaktion u. Administvatie* Wien, II., Taber8tr***^~' Telephone: 44-0“38»4?“3-19 »h 6ühr abds. 1^-483.25-2N Tel- Adr.r..Mo«ff«V^WSg* Wi^» Oesterreichisefie* Postspar hassen - Konto Nr. 150.691 k. Ne Vivisektion. —y. Wie n. 12. März. Maxim Govki erzählt in seinen Tagebuchaufzeichnungen, die die Londoner „Nation" gegenwärtig veröffentlicht, von einem russischen General, der während des Krieges einige unter SpioMgeverdacht verhaftete Juden einem Gelehrten als Versuchsobjekte für Biviseltionsexiperimente anbot. Glücklicherweise waren aber gar keine jüdischen Häftlinge vovhaüden, so daß der Gelehrte der Verlegenheit enthöben wurde, den bildungsfreundlichen General abzuiwehren. Der Dichter schildert die Szene ohne Beifügung von entrüsteten Worten. Dies ift auch unnötig. Die Lage des jiünlschen Volkes, das seit je der Politik als Vivisektionsobjekt diente, ist derart beschaffen, das; sich jedes Pathos von selbst verbietet. Sie verschlechtert sich von Tag zu Dag und sie erhält ihr besonderstes Charakter istikum dadurch, daß das Judentum nirgends so weit Herr seines Schicksals ist, daß es sich selbst die Schuld an dieser Gestaltung KUschrerben müßte. Es ist immer Opfer gewesen. Melle VöAer halben Unglück und Schiffbrnch gelitten und wir sehen heute in Europa ganze wohlorMmsierte Staaten, die vom Krieg mit vollster Wucht getroffen wurden, und deren Volker in politischer und wirtschaftlicher Unterernährung fiebern. Aber sie können ihrem Verfall entgsgenwirken, sie haben wenigstens die Möglichkeit dazu, Werl sie die Ursachen des Niederganges in den eigenen Fehlern, im Versagen ihrer Führung suchen können. Das jüdische Volk ist in steter Hörigkeit gehalten worden mit dem bewußten Zweck, ihm das Gefühl der Sklaverei einzmmpsen und ihm d« seelische Widerstandskraft zu nehmen. Daß dieses Ziel nicht ganz erreicht werden konnte, ist eine Folge der trotzigen Vitalität und des Schatzes an moralischen Werten, über die das Judentum verfügte/eine Erhärtung der historischen Erfahrung, daß Drück in einem gesunden Volk die zentripetalen Kräfte stärkt. Gegenwärtig durchlebt das jüdische Volk wieder eine Epoche, m -der sein Leib zerfleischt wird. Dies geschieht sicherlich nicht zum Nutzen derer, die es tun. Im Gegenteil: die Art, wie die Angriffe auf den jüdischen Teil der Bevölkerung unter den Augen der politischen Mid geistigen Führer, unter der Duldung der Staatsgewalt, lster und da sogar vom Staat selbst durchgeführt leerten, wirkt auf die breiten Massen anveizend und stachelt sie an, das gleiche auch gegen andere Kreise zu versuchen. Das ist die Uebertraguny der aus der Vivisektion sich ergebenden FovschnngsrestÄtate auf das Leben der Allgemeinheit- Da die Unterlagen falsch sind, muß es notwendigerweise auch das Ergebnis sein. Aber das Jndentum ift nicht mehr geneigt, diese Funktion noch weiter zu erfüllen und seine Position hat sich insoferne geändert, als es zum Bewußtsein seiner Würdelosigkeit gelangt ist. Das ist bereits die erste Vorbedingung zu eigenem politischen Dasein, indem das jüdische Volk seine Interessen abgrenzt und den Unterschied zwischen seinem heutigen Zustand und seinem Wollen scharf definiert. Es empfindet daher die einzelnen Phasen des Kampfes, den es ohne seine Schuld bcstchen muß, viel stärker, und hat sich darum entschlossen, ihnen fürs erste durch die nationale Konzentration, in seinem EMand entgegenzuwirken. Das jüdische Volk will den ausbauenden Kräften, die es in so großer Zahl besitzt, und die es bisher zu seinem Schaden an andere Völker abtreten mußte, inn-erhalb des eigenen Volkskörpers Arbeit und Verwendung schaffen. Aber das Gift der Verbannung ist doch schon sehr weit eiugedrungen und hat bedeutsame. Nervenzentren in ihrer Funktion lahmgelegt. Die kulturelle Wichtigkeit ter nationalen Renaissance ist sehr weiten und wertvollen Kreisen noch nicht zum Bewußtsein gekommen und weil demgemäß ihre Akbiön nicht in Erscheinung tritt, hat sich die falsche Meinung gebildet, daß das ganze Judentum dem Schicksal der Angleichung verfallen sei. Es wäre töricht, wenn die Völker, unter denen wir leben, ihr Verhalten zu dem jüdischen Problem auf einen Trugschluß einrichten würden. Sie würden nur erreichen, daß der Geist des Widerstandes sich stärkt, daß es zu weiteren Konflikten kommt, die durchaus nicht mr Interesse des Friedens liegen. Das Judentumüft nicht gewillt, den Zustand seiner Rechtlosigkeit fortwähren zu lassen, zumintest nicht ohne ausgiebige Gegenwehr. Es ist nicht gewillt, sich von dem Wege zu seiner nationalen Erlöst mg a'bdrängen zu lassen- Dies aller Welt mit ter wünschenswerten Deutlichkeit klar zu machen,'ist eine sehr wesentliche Pflicht der jüdischen Volkerbuudligen. Zer Kampf um den Franlenlurs. HI i Ansetzung einer Untersuch««»* (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Paris, 11. Matz. Der Kampf um den Frabkenlurs dauert fort. Der heutige Tag zeigte eine vorübergehende Entspannung ter fremden Devisen. Das Pstntd begann mit 116, stieg auf 117, um abends auf 111,5 zu fallen. Sowohl dem „Petit Pavisien" als auch dem „Echo de Paris" zufolge hat die Banque de France im Anschluß an vve letzten Beschlüsse ter französischen Regierung sich an die ausländischen Banken in England und Amerika gewandt und von dort weitgehende Zusicherungen für Kredite erhalten. Die Blätter nehmen im übrigen an, daß die Besprechungen im Senat erst am 25. oder 26. d. zum Abschluß kommen kömren unter der Voraussetzung, daß die Ermächtrgmdgslgesetze angenommen und auch die übrigen Schmierigkeiten umgangen worden. Die Regievung hat gestern cmf dem Erlaßwege eine oberste Untersuchungslonrmissiou - orngesetzt, dte sich damit befassen soll, die Mittel zu Mterfucher^ durch die dir Staatsausgaben soweit wie möglich reduziert werden. Diese Kommission setzt sich aus bÄamcken Verwältungsbeamten zusammen. Dem „Petit Joumal" zufohge soll eine Diskonterhöhung ter Banque de France ' tevovstchen. Dir FiuanFkonnnrffwn des Senats hat sieten Artikel ter Fmanzgesetzentwürfe, die ‘ StraffanMonen agegen falsche Steuer- und Einkonmvenbekennknisie betreffen, erörtert urtd drei ArtikÄ an die Kommission für Zivilgesetzgebung verwiesen. Die vier anderen Artikel, darunter jener betreffend das Couponregister, wurden angenommen. Die Erörterung der restlichen Artikel 66 biß 109 wird morgen fortgesetzt werden. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Paris, 11. März. Der Präsident der Deutschen R-nchSbant Dr. Schacht wurde in der um 4 Uhr nachmittags eibgehaltenen Sitzung der Uutertommisfiou angchöot. Im di-eser Sitzung wurden -bi« letztem Details über die Errichtung der deutschen Golidnotenbank besprochen. Ueter die Arbeiten der Experten deS ersten Komitees verlautet, daß sie im wesenttichen bereits über die Grundsätze der deutschen Zahlungen während der nächsten Jahre einig sind. Es wird lediglich über die Höhe der Ziffer verhandelt, welche man Deutschland anferlegen soll. Jedenfalls handelt es sich nur nur eine Leistung während einer beschrankten Frist von drei bis fünf Jahren. Ein überaus interessantes Projett, das alle Aussicht hat, angenommen zu werden, besteht darin, daß Deutschland bei ter Schaffung der Goldnotenbairk gewisse Steuererträgnisse einzelner Monopole hinterlegen soll, die dort auf Reparationskonto verwaltet werden sollen. Die interessierten Gläubigerstaaten erhalten so Gelegenheit, über die ihnen zukommendc Snniinc mittels Schecks zu verfügen, sei es, um den Betrag in -lurrern äbzu-hebenl oder u«n in Deutschland Waren zu bezahlen. Ueber die Höhe der in Deutschland aufzubringenden Summe steht noch nichts fest. Diese Frage wird jetzt studiert, da man anmmint, daß Deutschland bereits nach einem Jahre ungefähr zwei Milliarden Goldmark werde zahlen können. Gegen die Polizettirektion. Gegen die Polizeidirektio«. Lemberg,' 11. März. (Tschecho-slow. Preßbureau.). Heute gegen 1AMr vonnittags wurde gegen das Gebäude der Polizeidirektion ein Bombe natterctat verübt. Eine Bombe, die unterhalb der Kanzlei der politischen Informationsabteilung explodierte, zerstörte einen Teil der Kauzlei und vernichtete die Wasserleitung im ganzen Gebäude. Die Fensterscheiben des Polizeigchäudes {otaie der ktzngebWg giirgen in Lrmmner. Nach ge- London, 11. März. Das Reutcrsche Bureaal meldet aus New-Aork: Die Finna Morgan lehnt eine Bestätigunjr oder ein Dementi der Gerüchte ab, wonach sü mit Frankreich über eine ' Anleihe verhandle. Man glaubt, daß keine Entwicklung möglich fest bevor ter Bericht des Dawes-Komitees erstattet sei * r. . Paris, 11. Marz. Der gestrige Ministervas 'beschäftigte sich, wie man erfährt, unter ante rein auch mit ter Möglichkeit einer Derschiebung der Parlamentswahle« auf das nächste Jahr. Allerdings war es anschüueud mrt ein einziges Mitglied, das diese Verschiebung verlangte, und zwar mit tem Hinweis auf die gegenwärtige Frankenbaisfe. Diese sei lediglich ein Pressionsmittel deS 'Auslandes ' das den Zweck habe, die bevorstehenden Wahlen zu b«intvächtigen. Derschielbe man cckso die Wahlen, so werte «rwntatisch auch die Spekulatio« gegen tett Franken . st' vevschwrnten. Von den übrigen Kabiirettsmftsilj^epn tatf* den hingegen, wie bereits bekannt, die Daten tes 11., 18. mtd 25. Mai weitechin als Neuwchlterntftve. yWegeheft und mehrere VNttzliöter des Kabinetts empftthlen,' Wahlen zu beschleumgen, mt zont zu llären^. i Paris, 11. Mürz. Die Finanzjkomuriffion des Senats setzte heute das Studium ter Aegievuwgsvorschläge fort. Im allMMnen nahm die Fimmzkommiffi-on des Senats die Regiewngsvorschläge an. Die Regierrrngsvorschlage werden 120 Millionen Franken jährlich mehr einlbriugon, als die von der Kammer genehmste Zifftr. nauer Untersuchung des Gebäudes wurden noch drei weitere Bornben gefunden, die, falls sie auch explodiert wären, das ganze Gebäude in' die Lust gesprengt hätten. Die Polizei hat eine strenge Untersuchung eingeleilet. Sas «ngarische SmSchtisv»srgejetz. Nach österreichisch«« Muster. (Eigendienst der ^Wiener Morgenzeituckg"-) Budapest, 11. Mürz. „Az Ujszag" erfährt verschiedene Einzelheiten des in Vvrbereitmvg befindlichen Ermächti-' gungsgesetzes. Die Vorlage wird genau nach oft er rei chis ch e m M u st e r ausgearbeitet. Die Grundtestimmunge-n beziehen sich hcmptsächlich auf die Durchführung der Ersparnisse in der S taa tswirtschnsk. Em weiterer Teil befaßt sich mit den Einnahmen, E anderer ist den Finanzsragen der Gemeinden gewidstwi. Zugleich mit dem Ermächtigungsgesetz wird das Clearingabkommen mit Frankrei ch/un d England innrtiküliert. Die wichtigsten der in Aussicht genonuuenen Sparmaßnahmen sind die neuerliche R e d uzierung des Beamteustatus/ sotvie die Aushebung der Na turalv ersorgnng d er össentlich.cn Angestellten. Der zv entlassenden Beamtenschaft wird eine Geldabfertigimg gewährt iverten. Gleichzeitig wird die V e r e H n f a ch u n g der Verwaltung' gefordert, die durch besondere Reformen erzielt werden soll. Die Agenden der Staatskasft übernimmt das neue Zettelmftittit. Das Saniemugspvogrammhobt eine glanze Reihe überflüssiger Institutionen und Aemter auf. und soll beispiÄsweise au ch das Ernähr u n g sminist-erium aufgelassen werden. - Es perlauet,.daß -das Ermächtigungsgesetz bedrnMirgsli^ bis . znm 31. d. genehmigt sein müsse, wie ter stellvertretende PMsitent der - RegierungApartei Alma ssh erklärte, da die Staaten ter kleinen Entente die - Unterzeichnung tes Auleihevertrages von der r. lai.-u-l.-ente« Genehmigung abhängig gemacht haben.