Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1924-03-09 · Heft 1819 (9.3.1924) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1819 (9.3.1924)
Date
1924-03-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2979076-2980834-2980902--18085-3005127
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

ÜMilNlMIIMUlM Wien: Zum Ahholen in der Expedition, II T abor str. 1 -3, oder in einer Verschleißteile (Trafikl monatl. K 35.000 Straasenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmiedt.I. Bez„ Wollzeile 11. Mit Postversand für Wien n. Oeaterr. ironatl. K 35.000 Tschecho-Slowakei: Mon. K 13. Iu<?oslawien: Mon Dinar60. Po le n: Mon. 3*/* [Zloty, Deutschland Mon Goldmark 4, Frankr., Belgien- Mon. Frcs, 12 WM- N a e h r * h l u o r « B *»W bei PreiaerbotionTeo varbch a!la» *."r. WTtAYÖ' Zwischen Flammen iind_Bestlen \€ V» ABonäf lener Nr. 1819 Wien. Sonntag. 9. Mrr 1924 Po'etiriMfnX' 353.530 Italien: Monatl. 12 Lirq Rumänien Mon. 130Lei, Bul<yarien Mon. 80 Lewa. Schweiz und das ubrlgf Ausland monatlich Fres. 4 Redaktion u. Administration Wien, n„Tahorstrassel— 3 Te»enhone: 44-0.38,43-3-19, ah 6 Uhr abds. 19-483,25-282 Tel.- Adr.:„Morsren*eitnngw Wien Oeiterreichisehes Postspar* lassen-Konto Nr. 150.69 g 6. llahrgang Die deutsche Wldlrednbam. Marungen Ir. Schachts. — Grundsätzliche tzmiguug mit den Sachverständigen. B e r l i tt, 8. März. (Tel. der „Wr. Movgenzeitung".) Im .HausHaltungsaus schuß des Reichstages gab heute Reich.'OankPräsi-dent Dr. Schacht Ausschluß über sein Goldkredilbankprojekt. Er erklärte boibei unter anderem: er habe seine Verhandlungen am 1. Jänneer nrit der Bank von England auüMommen und in der Eich eine Reihe do-n Besprechungen gehalbt, die ihm den Eindruck gege'ben haben, daß man in London bereit fei, Deutschland bei seinen Plänen zu unterstützen. Dr. Schacht führte dann weiter aus: „Die Experten des Sachverständig e n k o ni i t e e s habein meinon Plänen tz'egenüber stets das Bedenken geäußert, daß meine Pläne hre Al/sichien hin-dern könnten. Ich Me mich bemüht, ihnen begreiflich zu machen, -daß das absolut nicht der Fall sei. Die Verhandlungen hierüber haben mehrere Wochen gedauert und schließlich zu einer Reihe von S t i Pul i e rung e n geführt. * Diche gehen im wesentlichen dahin, daß der Umfang der Bank in einem gewissen Ausmaße Ziffer mäßig begrenzt wird, und zwar so, daß das Kapital auf 2 0 0 Millionen G o l d m a r k und das Recht zur Notenausgabe auf 1v« Millionen Goldmark beschrankt werden soll. Die Reichsbank wird von dein Kapital von 200 Millionen Mark den Betrag von 10 0 Millionen selbst übernehmen, und da sie vom den übrigen 100 Millionen Mark noch eine Aktie dazu erwerben wir>d, wird sie stets die Majorität behalten. so lange di« Goldbank besteht. Dieser einfachen Mehrheit wird auch das Recht gegeben werden, die Bank wieder zu liquidieren. Ter S i tz der Bank ist Berlin, ihre Leitung wird in den Händen der R e i ch s b a n k liegen. Im Aussichtsrat und überhaupt in der ganzen Verwaltung werden lediglich Deutsche sitzen. Irr Kampf gegen Poimare. Paris, 8. März. (Havas.) Ministerpräsident Poineare hat den Finanzausschuß des Senats er'ucht, die rasche Erledigung der Steuervorlagen zu ermöglichen. Er bestand darauf, daß über die Vorlagen wenn möglich am Donnerstag Bericht erstattet werde. Der Vorsitzende des Ausschusses M illies-La croix antwortete, der Ausschuß werde sich bemühen, den Senat in die Lage zu versetzen, sobald als möglich in die Beratung der Vorlagen einzugehen. Der Ausschuß werde deshalb 'nachmittags und morgen zusammentreten. Gerüchtweise verlautet, daß die Negierung bereit sei, .eventuell zu Verordnungen ihre Zuflucht zu nehmen, uni' den Senat dazu zu bringen, die Beratungen,§u beschleunigen. Eine neue Niederlage der Negierung. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Paris, 8. März. Der Finanzausschuß des Senats, der heute nachmittags über die Dckretgesetze verhandelte, lehnte mit 18 gegen 7 Stimmen bei zwei Stimmenenthaltungen den Regierungsvorschlag ab und stimmt einem Gegenvorschlag betreffend das Ermächtigungsgesetz mit 19 gegen 3 Stimmen zu. Die beiden Regierungsvorischläge betreffend die Vprozentisie Stenererhöhnng wurden angenommen. Nach dem BekanntMrden dieses Beschlusses benies Poincane einen Ministerrat ein, der bis 9 Uhr abends dauerte. Man glaubte, die Negierung wende wegen dieses Mißerfolges zurücktveten, allein die Gerüchte bewahrheiteten sich nicht. Die Negierung bleibt weiter ein Amt. Die Minister weigern sich, der Presse Erklärungen abzngeben. ■ DaS französische Gelbbuch. Paris, 8. März. (Del. der „Wiener, Moogenzeituug".); Las von Poiuca re angekünidigte G e l b b n ch ist honte veröffentlicht worden. Es gibt eine historische Zusammenfassung der französischen S'lcherungspolitik nnd der int Zusammenhang damit gepflogenen Verhandlungen mit England; MchMig werden die Vorwürfe über amn e x i o n i st i s che Bestrebungen Frankreichs zu e n t k r ä f.t r n gesucht. Ein Internationa leSPrivatkonsortiuin hat sich bereit erklärt, der Reichs-bank einen Kredit von fünf Millionen P f u n d §u geben. Dieses Geld wird die Reichs'bank zur Zeichnung.der Hälfte des Aktienkapitals verwenden. Ferner liegen Zusicherungen vor, die einen R e d i s k o n t k r e d i t für die von der Goldkrcditbank anfzukausenden Wechsel im Ausland Vovsehen. der zunächst mit zweihundert Millionen Goldmark beziffert wird. Ferner sind Verhandlungen mit einem deutschen Bankenkonsortimn soweit gediehen, daß grundsätzlich Eilistnmnchkeit darüber besteht, daß weitere fünf Millionen Pfund Sterling — das ist de Kweite Hälfte des Aktienkapitals, die also nickt von der Reichsbank gezeichnet wird — von einem deutschen Konsortium übernommen werden, so daß mit der Errichtung der Bank in wenigen Tagen zu rechnen ist. Die Goldkreditbank hat ferner das Recht, Noten im Umfang von 100 Millionen Mark anszugeben. Auf diese Wei§e würde das gesamte Kapital, das dieser Bank zur Verfügung stchen würde, auf 6 0 0 M i TI i onen Goldmark oder auf 25 Millionen Pfund kommen. Wenn ich Pfund Sterling nenne, so bitte ich das richtig zu verstehen, daß es sich hierbei nicht um eine in Deutschland einzusührende neue WäbMng handelt, im Gegenteil, die Einstellung auf Pfund Sterling soll gerade zeigen. daß es sich hier n i ch t u m eine W ä h r u n g s b a n k, sondern um eine Kreditbank handelt, die mit der deutschen Währung als solcher nichts zu tun hat, sondern in einer ausländischen Währung Kredite zur Verfügung Mt. Es ist deshalb vorgesehen, daß das ganze Kapital in Pfund Sterling eingezahlt wird. Die neuen Reichstagkwahlen. Berlin, 8. März. (Tel. der „Wr. Morqenzsitmrg".) Me der „Vorwärts" meldet, hatte der Reichskanzler heute vormittags eine Aussprache mit dem Reichspräsidenten über die Frage der. Neuwahlen znm Reichstag. Es kann als feststehend erachtet werden, daß aus wahllechuischen und anderen Gründen die Neuwahlen nicht tut April stattfinden werden. In ähnlichem Sinne berichtet das Zentrnmsor-gan „Germania" von einem Plane, wqzen der Osterfeiertage die verfassungsmäßige Frist zwischen der Auslösung des Reichstages und den NeMvahlen von 61 auf 99 Tage zu verlängern. Amerika nimmt an einer Wirtschastskonferenz nicht teil. Wasi)ington, 8. März. (Havas.) Im Weißen Haufe wurde eine Anftage gestellt, ob die Vereinigten Staaten an einer i n t e r n a t i o na len wirtschaftlichen Konferenz teilnehmen würden, falls auf Grund des Berichtes der Sachverständigen eine solche ins Auge gefaßt werden würde. Es wurde die Antwort erteilt, daß der Zusammentritt dieser Konferenz im gegenwärtigen Augenblick nur eine einfache Hypothese sei und daß daher die Frage nur in hypothetischer Weise beantwortet werden könne. Die Vereinigten Staaten hätten zu wiederholten Malen die Teilnahme an einer solchen Konferenz ab gelehnt, und es sei gegenwärng kein Grund vorhanden, der eine Aenderung in der Haltung der amerikanischen Regierung rechtfertigen würde. krWimq der Präger Bankzinrsußer. Prag, 8. März. (Tschecho-Slowakischcs Preßbureau.) Jus Grund der durch den Bankausschuß' beim Finanzministerium ^teilten Ermächtigung wird der amtliche Zinsfuß des Bankamtes mit Gültigkeit vom 10. d. für Wcchsel-Eskompte auf 6,6 Prozent, für Wertpapier-Eskompte auf 6,6 Prozent, für Staatslombard auf 8 Prozent und für anderen Lombard auf 8,5 Prozent erhöht. Ter Eskomptesatz wird somit nm 1,5 Proi zent, der Lombardsah um 1 Prozent erhöht. Aus dem Anhalt der heutigen Nummer: Akademiker-Antisemitismus in Amerika von Prof. Doktor M. Nosenfeld. Die Zeit ohne Namen von S. Meisels. Neue Wege der Sanierung. Die amerikanische Pro-Palastiuw-Konferenz von Louis Lipski, Mitzalied der Zionistischen Exekutive. Die sieben Kosttage von Jakob, K r a u s z. Das Wunderkind von Klara M a n t h n e r. Unsere Messe-Beilage enthAt: (Seite 17 bis 20) Minister Dr. Alfred Gr unberg er: Messe und Handelsverträge. Dr. Michael Lewitzkij» bevollmächtigter Vertreter der Union der Sowjetrepubliken: Sowjetrußland auf der Frühjahrsmesse. Dr. B. Vrabec, Konsul der tschecho-flowakischen Republik: Die wirtschaftlichen Bezühungen zwischen Oesterreich und der Tschecho-Slowakei. Dr. Lazare Baitch, Generalkonsul des Königreiches S. H. S.: Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Oesterreich und Jugoslawien. Dimitre V l a k h o f f, königlich bulgarischer Handelsattache: Bulgarien und die Wiener Messe. Dr. Erwin P a n e t h, Sekretär des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft: Wien, das. Handelszentrum des Orients. Ing. Oskar Kramer: Die Maschinenindustrie und die Messe. Koprmerzialrat Max Strauß: Papierindustrie und Meffe. Franz Wiener: Messe und Lebensmittelhandel. Gottlieb E i s e n h a m m e r: Die Möbelbranche und die Messe. Artur B a a r: Sportartikel und Messe. Dr. Michael Sussan: Die Aussichten der Wiener Messe. Führer durch die Wiener Messe. Ae Messe. —y. W i e n, 8. März. Das arbeitende und schaffende Wien empfängt heilte die Kausleute der ganzen Welt, mn ihnen die Werke seines Fleißes und seiner Kunstfertigkeit vorzulegen. Die mternationale Bedeutung dieser Veranstaltung tritt heute weit mehr als in früheren Jahren zutage und sie ist in demselben Maße gewachsen, als die Hemmungen für die Entfaltung' internationalen Wesens Wicken. Wien war biszum Kriege die Reichshaupt- und Residenzstadt der Monarchie, dann wurde es der Waflerkopf, gehaßt von'den Ländern und bedauert von der Welt. Nun aber wird es eine der Hauptsllidte Europas, vermehrt seine Weltbedeutung und erkennt immer klarer seine Funktionen im Weltverkehr, im industriellen und im kulturellen Leben. Nicht gering und nicht zu unterschätzen waren die Bemühungen, Wien seiner Geltung zu entkleiden, .ihm die Nahrung, die es aus der mitteleuropäischen Wirtschaft zieht, abzuschneiden. es geistig auszuhungern und ihm seine Mission als Mittler zwischen Ost und West zu entreißen. Dieses Bestreben zeigte sich an verschiedenen Punkten der Sukzessionsstaaten und resultierte dort aus der Tendenz, die eigene wirtschaftspolitische Position zu stärken; es zeigte sich aber auch in Oesterreich selbst in dem Kampf des bodenständlerisch orientierten Landes gegen die Großstadt. Die Widerstände, die im Ausland lagen, konnte Wien dank der Hilfe des Völkerbundes, der Repräsentation des paneuropäischen Gedankens, überwinden. Die Feindschaft im Inneren besteht weiter, wenngleich sie sich bereits zu Kompromissen geneigt zeigt. Wien und Oesterreich können nur bei voller Verkehrs- und Handelsfreiheit existieren Die österreichische Handelspolitik beginnt bereits dieses Axiom zu erkennen und die Außenpolitik sucht sich ihm anzupassen. Aber die innere Politik ist noch weit davon entfernt, die Konsequenzen aus dem, Friedensvertrog und der Genfer Konvention der Form und dem Sinne nach zu ziehen. Sie leibt noch in den Traditionen der Vergangenheit und hält an der Vorstellung des privilegierten Staatsvolkes und der mit allen Vorrechten ausgestatteten Herrenklasse fest. Sie nimmt die Republik einfach als Regierungsform hin und/ betrachtet das bißchen Demokratie, das von der Revolution übrig geblieben ist, als Aeußerlichkeit, ja sogar als rovolntionären Schutt, den uan in unverfänglicher Geschmeidigkeit äbträgt. Diese

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.