Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1818 (8.3.1924)
- Date
- 1924-03-08
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1818 ©feit, Sam'Ziag Wiener Mornenzeitunn Seife 41 8. Marz 1924 Alle Arten von Bankgeschäften Kommandite der Kroatischen Eskomptebank, Agram Wien, I. Seitzergatte 4 Ecke Bognergasse beim Oraben) Kredituna Warengeschäfte Telephone: 60-4-82, 60-4-93, 63-4-85, 64-4-42, 68-4-78, 69-4-82 '0465 Telegrammadresse, Frapobank Bühne und Kunst. Georg Kaisers „Gas". 1. und 2. Teil, an einem Abend. (Raimund-Theater.) Im Naimnnd-Dheater gelangten gestern beide Teile den Kaisers dramatischer Dichtung „Gas" zum ersten Male an einem Abende znr Ausführung. Nach allen Aktschlüssen erschall stürmischer, einumtiger Beifall nirb das Publikn^ur rief nach dem Antor, dessen Erscheinen bei der Premiere in Aussicht gestellt war. Nach Schluß der Vorstellung trat der verdienstvolle Leiter der Aufführung, Herr Direktor B c e r, vor die Rampe, dankte im Namen des Dichters und teilte mit, daß Georg Kaiser leiedr M Erstausführung nicht nach Wien kommen konnte, wie er es beabsichtigt hatte, sondern nach London gereist sei, wo morgen „Gas" in Szene gehe. Der Dichter, der wisse, daß in Wien seine Werke Würdigung finden, habe es im Interesse der deutschen Kunst für geboten geholten, der Ginstudierung und Erstauffuhrun'g seines Werkes in England anznwohn'.'n, und habe ans diesem Grunde aus die von ihm selbst so erwünschte Anwesenheit bei der Wiener Premiere verzichten miüssen. Wir kommen ans den bemerkenswerten Abend noch näher zurück. Nachtvorstellung im Burgtheater. Zugunsten des Humanitären Fonds des Kuustpersonales. Das Kumstpersonal des Burgtheaters veranstaltet Samstag den 16. d. um 10 Uhr abends eine Anssührimq der Gesangsposse „Robert und Bertram" von Gustav Räder, deren Reinertrag dem Humanitären Fonds zufließt. Diese Vorstellung, in der auch die kleinsten Rollen mit ersten Kräften beseht sein wenden, hat im Jahre 1021. bei ähnlichem Anlaß große Heiterkeit erweckt und begeisterte Aufnahme aemnden. Im Rahmen der Gesellschastss'.en? des zweiten Aktes (Bankett bei Ippermaycr) finden als Ginla-ge gefängliche -m:d deklanratorische Vorträge statt. Nach Schluß der Ausführung, die sicher wieder ein gesellschaftliches Ereignis w-erden wird, sind für die B.'sircher sämtliche Räume des Bnrgthaaters, auch die sonst nicht zugänglichen ehemaligen Ho fr ep räsenta t ionsrän nrli chke iten aeöffnet, wo mehrere Kabarettvorstellnugen, deren Programm gleichfalls von Mitgliedern des Burgthoaters bestritten wird, abgehalien werden. Für das tanzlustige Publikum ist das große Jäher geöffnet. Jur diesen, sich an die Ausführung anschließenden Teil lKabarett und Tanz) wird kein Sondereniree eiirgehoben- Der liicstaurai'iouöbetrieb in allen Repräsentatlonsräuurlichkeiten lr.urde auch diesmal Herrn Franz Nagel (Rathanskellcr) überiragen. Die- Karlenansgabe für diese interessante VeranstÄiiing beginnt Dienstag den 11. d. au der Bund?stheatcrkasse, >. Bez., Bräii-nerstraße. Jahres- und Stammsihabonnenten können ihr Vorverkanfsrecht rmr am Moniag den 10. d. ansübon. Operenrenaissance. Iacobo Peris „Curydice" wurde anläßlich des italienischen Mnsikkongrcsses in Florcnz zur Ausüiihrung gebracht. Diese Oper, die im Jahre 1880 ihre Premiere hatte, behandelt als erste ihrer Gattung den Orpheus- Stoff. Pfitzneriana. In München wird an einem Abend, der ausschließlich den Werken Hans Psitzners gewidmet ist, ein Iugendwerk des Meisters, die Kantate .Mer Blumen R a ch e", die Vertonung der Ballade von Freiligrath. ausgeführt. — Der Meister hat soeben auch ein Violinkonzert vollendet, das noch in diesem Frühjahr znm Vortrage gelangen soll. Die deutsche Uraufführung von „Saknntala". Oper von Francesco Alfano, findet an, Stadttheater zu Düsseldorf statt, nachdem das Werk des ausgezeichneten itallienischen Musikers in Bologna und Neapel mit großem Beifall ausgenommen wurde. Ein großes Aachener Bach-Fest, das sich über den Zeitraum vom 29. d. bis zum 18. April erstrecken soll, wird unter Leitung des Generaldirektors Peter Raabe die drei germMgsten Chorwerke Vachs sowie ein Instrumerl takkonzevt bieten. DaS Tonknnstlerfest des allgemeinen deutschen Musikvereines wird dieses Jahr in Frankfurt a. M. stattsinden. Von der Gesellschaft der jüdischen Kunstfreunde in Ungarn. Ans Budapest wird uns geschrieben: In der vor einigen Tag'n unter dem Vorsitz von Dr. Marcell Baracs und Oberrabb'ner Dr. Simon Hevesi abgehaltenen Dirckrionssitznng des Israelitischen Landesknltnrvereins für Ungarn wurde auch der Bericht der vom Knltnvvcrem ins Leben gerufenen G e s e l l s ch a f t d e r Kn n st freu n de entgeocngcnommen. Von dieser Gesellschaft, die unter der Leitung Vela Fonaghs und der Frau Julius Schwarz steht, werden Schulen für Malerei, Skn-lptnr und Graphik erhalten, in denen 80 talentierte Zöglinge, die infolge des Numerus clausus in keinem staatlichen Fachinstitnt untcrgebracht werden konnten, ihre restliche Ausbildung erhalten. In der letzter, Zelt sind eine kunstvoll airsgcführte Mappe und die Hagada des Ktt'ltnrvereiues herausgebracht worden. Erstem enthält Originalbilder der bekanntesten jüdischen Künstler Ungarns, wie Ernst Barla, Julius Beran, Adolf Felipes, Friedrich Katona, Baronesse Ida Kohl,er. Gustav Viaghar-Mamch'iiner, Isaak Perlmutter, Wilhelm Perlrott-Esaba nick Stephar, Zador. Die Hagada ist die erste ungarische Hagada-Ausgade. Die Gesellschaft wird demnächst Kollektivausstellungen heworragendex jüdischer 'Künstler in Budapest und in der Provinz veranstÄten. Tie „Götterdämmerung" in Rom. Im Großen Opernhaus von Rom, dem Teatro Eonstanzi, wurde nach zehnjähriger Unterbrechung Würaners „Göttcrdä.mrnevnng" in einer neuen Inszeniernng anfgesührt. Das Werk, dessen Leitung der römische Kapellmeister Edoardo B itale inne hatte, „lachte ans das Publikum starken Eindruck. Aus den Theatern. Volksoper. Kammersänger Mattia B a t t i st i n i absolviert heute sein Gastspiel als Scarpia in Priccinis „T o s c a". Battistiui tritt am Mittwoch den 12. d. zum letztenmal als Nelrrsco in der „A f r i k a n e r i n" auf. Morgen abends lvird „Cavalleria r u st i c a n a" und hierauf „Der Bajazzo" gegeben. Deutsches D o l k S t b e a t e r. Die heutige Erstaufführung von SchönherrS Komödie des Lebens „Erd e" mit Dr. Rudolf T y r o l t als alter Grutz beginnt pünktlich um 7 Uhr abends. Zu spät Eintreffende können nicht vor dem Ende des ersten Aktes zu ihren Sitzen gelangen. Kammerspiele. Heute, 7 Uhr abends, zum ersten Male Edward Knoblauchs Komödie „Der F a u n". Jüdische Bühne, 2. Bez., Taborstraße 12. Heute, 7*8 Uhr abends, gelangt Gordins Drama „C h a s i e, die I e s o j m e" zur Aufführuug. (Chasie — Frau Weiutranb- Graf).Donnerstag den 13. d. wird GordinS Drama „K ö n i g Lea r" mit Herrn Bernhard Ehrlichmaun als Gast aufgefuhrt. Apollo-Theater. Morgen, 7 Uhr abends, „E i n Ballrom a n", ebenso vom 10. bis 15. März. Woche nspielplander StaatSoper. Sonntag, V26 Uhr, „T r i st a n u n d I s 0 l d e". Montag „D i e B 0 l, e m e". Dienstag „F r e d i g u n d i s". Mittwoch „D i e Z a u b e r f l ö t e". Donnerstag „M a n 0 n L e s c a u t". Freitag „F i d e l i 0". Samstag „D e r M a S k e n ü a l l". Wocheufpielplan im Redoutensaal- Sonntag, 7 Uhr, ,.C 0 s i f a n t u t t e". Freitag. l/2S Uhr, „B a st i e n u n d B a st i e n n e", „LaServaPadrou a", „Ä b u H a s s a n". W 0 ch e n s p i e l v l a n des B u r g t h e a t e r 8. Sonntag, 7«3 Ubr nachmittags, „V i e l L ä r m u m N i ch t 8". 7 Uhr abends „D i e r 0 t e M ü h l e". Montag, 7 Uhr, „D i e Jungfrau von Orleans". Dienstag, 7 Uhr „D i e Katakombe n". Vätbvoch, 7 Ubr, „D i e r 0 t e Mühle". Donnerstag, 7 Uhr, „Maria Stuart". Freitag, 7 Uhr, „Die rote Mühl e". Samstag. 7 Uhr, „F a s ch i n g". 10 Uhr nbends Wohltätigkeitsveranstaltung „R 0 b e r t u n d B e r t r a m". Wochenspielplan de8 Akademietheaters. Sonntag, 3 Uhr nachmittags, „Das stärkere Ban d". 7*8 Uhr abends „E i n w u n d e r v 0 l l e r T a g". Donnerstag, */2S Uhr, „E i n w u n d e r v 0 l l l e r Tag". Freitag, 7,8 Uhr, „D i e F a h r t i n 8 B l a n e". Samstag, 728 Uhr, „Die kleine Konditorei". WochenspielplandesDeutschenVolkstheaters. Sonntag, 7-3 Uhr nachmittags, „Mutter Sorg e". 7 Uhr abends „E r d e". Montag, 7^7 Uhr, „Peer Gyn t". Dienstag „E r d e". Mittwoch „D r. K n 0 ck", Donnerstag „M 0 r a l". Freitag „Erd e". SamStag „Mora l^ Wochenspielplan des Raimund-Theaters. Sonntag. 3 Ubr nachmittags, „Nebeneinander". 7 Uhr abends „G a s" (I. und II. Teil). Montag, Mittwoch und Donnerstag „G a s". Dienstag „L i l i 0 m". Freitag, zum ersten Male, ,,M i ch a e l K r a m e r" (Gastspiel Eugen K l ö p f e r). Samstag, 3 Uhr nachmittags, „Iphigenie a n f T a u r i s". 7 Uhr abends „M i ch a e l Krame r". Gerichtssaal. Die Privatwohnung als monarchistisches Parteisekretariat. Der Beschwerde der Hausbesitzerin gegen Szabo stattgegeben. Das Bezirksgericht Iosefstadt hatte in deur Kündigungs- Prozesse der Hausbesitzerin Tillinger gegen den Monarchistenführer ^S 5 a b 0 die Kündigung seiner Wohnung als zu Recht bestehend erklärt, weil die Hausfrau durch Benützung der Wohnung als monarchistisches Parteisekretariat in Furcht und Unruhe versetzt wurde. Das Berufungsgericht hatte das Urteil aufgehoben. Ter Oberste Gerichtshof hat über Revision der Klägerin diesen B c s ch l n ß aufgehoben und das Berufungsgericht angewiesen, über die' Un'.stände der 5lnndigung eine meritorische Entscheidung zu fällen. Der Oberste Gerichtshof erklärte, daß zur Kündigung nicht eine direkte Handlnirg des Mieters erforderlich sei, durch welche den Parteien das Wohnen im Hause verleidet werde, sondern auch durch Duldung eines Zustandes kann den Parteien das Wohnen im Hanse verleidet lverdcn. Auch sei cs im Mictengesetze nicht begründet, daß vor der Kündigung erst eine Verwarnung zn erfolgen habe. Da die Ninstände, ob die Zustände bei erfolgter Kündigung iwch fortwirkten, vom Gericht nicht sestgeltellt erscheinen, wurde zur Prüfung der inateriellcn Kündigungsgründe die Verhandlnng an das Landesgericht verwiesen. Schadenersatzproreß weoen Verhaftung in der Tschecho-Aomaker. Das Handelsgericht hatte in einem vom Kausncamr Isaak S and her g augestreugten Schadenersatzprozeß geaeu den Wiener B a u k v e r e i n ans Zahlung von 6,8 Biillionen zu Recht erkannt, daß dem Kläger ein Schadenersatz znitche. Sandberg hatte vor einer Reise im Wiener Bankverein tschechische Noten eingewechselt unb darunter Fünskrouenscheiue erhalten, die, als er damit an der Bahnkasse in Äundenburg zahlen wollte, als gefälscht erklärt wurden. Er war verhaftet und durchs Wochen in Untcrsnchllngshast gehalten worden, weil mau ihn fiir eiir Mi^igtied der l>!otensälscherbande. hielt. Die lanige Haft war hauptsächlich dadurch mitverschulde.t worden, daß der Kassier der Pankvereinsfiliale, Wertheimer, bei der Wiener Polizeidirektioir über Requisition des tschechischen Gerichtes vernommen, angab, er w is s e n i ch t, daß dem Sand b erg t s ch c chisch e 9! oten v e r k a n f t w 0 r d e n seien. Dadurch erschien die Verantwortung des Sandberg als unwahr. Es stellte sich später heraus, daß Sandberg tatsächl i ch diese Noten bei der Filiale der Bank in der Holländerstpaße gekauft hatte. Gestern fand vor dem Oberlandesgerichlte die VerhandlilUlg über die Berufung des Bankvereins statt. Die Bernsung wurde verworfen und das Urteil des Handelsgerichtes bestätigt. Bolksvitt. Der Verlauf der Leipziger Messe. (Eigendienst der „Wieicer Morgenzeitung".) Zu teuer. Leipzig, 7. Atärz. Bis 511m heurigen Tage sind GO.OoO Besucher zirr Leip» ziger Messe angelnngt. Es ist die höchste Zahl, welche bisher die Leipziger Messe aufzuweiseil hatte. Das Geschäft ist sehr rege, doch kann nicht von glänzenden Abschlüssen gesprochen werden. Die Zahlungsbedingungen sind noch iminer schwierig. Auch ein Teil' der Waren notiert über der Weltparität. Mit Ausnahme von Trikotagen ist in Textilien das Geschäft bis ^jetzt nicht besonders grrt. Vereinzelte Firmen machen zwar Ausnahmen. In den gestrigerr Vormittagsstrrnden nahm danrr die Geschäftstätigkeit zu. Das anfangs recht brach liegende Leincugcschäft buchte große, langfristige Aufträge mit guter AnKahlung. Allerdings handelt es sich im wesentlicheir um Inlandskäufe. Abgesehen von eirrigen tschechischen Käufern verhielt sich das Ausland dem Textilmarkt gegenüber! Passiv. Der Frankensturz hat der belgischen und französischen Textilindustrie einen Prvisvorsprinig gesichert. Vertreter großer Häuser aus Tonrcoinig, Roubaix und Valenciennes versicherten mir, das; ihre Offerten unabhängig vom Fmnkenstnrz — „Plus acceptables" wären. Es ist das alte Lied der viel zu hohen, deutschen Preise. Den Verbrauchern im Inland kommt diese Tatsache nicht so ungeheuerlich vor. Durch die Inflationszeiten sind wir an „gute Preise" gewöhnt. Von allen Seiten wird Scharsamkoit gepredigt. Der Deutsche entbehrt noch vieler Dinge, die andere Völker als selbstverständliche Gegenstände des täglichen Bedarfes verwenden, einfach, weil er sie nicht käafjlcit kann. Er sieht die Ware wohl ausgestellt, denkt aber gar nicht daran, das Stück zu kaufen. In Deutschland, so versicherte mir ein Textilgroßhändler, trägt man immer noch verhältnismäßig weirig Qualitätsstoffe. Die Ware sieht im Aiuster gut ans, ist leidlich billig, wird also gekauft. Wirklich gute Stoffe stick teuer — kommen daher für die breite Masse nicht in Frage. Anders in England, Frankreich, den nordischen Staaten, von Amerika gar nicht zu sprechen. Die Bevölkerung, arlch die am wenigsten kaufkräftige, trägt dort gute Ware. Die Fabriken stellen zu 80 bis 85 Prozent Qualitätsstoffe her, rmd zwar zu einem Preise, der in Deutschland dom der schlechtere!: Sorten gleichkommt. Trotz der niedrigen Löhne hält zu ihrem eigenen Schaden die deutsche Industrie an den Ueberweltmarkrpreisen starr fest. Die Industrie entschuldigt sich vielfach mit zu hoher: Steuern. Gewiß ist das Stenermaß auf einem Nivecnr, das zu ärrßersten Bedenken Airlaß gibt. Enttvcdcr ein Werk schränkt seinen Betrieb eirr, dann ermäßigt sich die Steuer, ein Teil der Löhne Mt fort, die Gesamtunkosten reduzieren sich, allerdings auf Koster: vieler Arbeiter, oder aber eirr Werk verschafft sich Kredit, um seine Arbeitsstätterl auszunntzerr. Biele Gesellschaften erhalten auf ihre erstklassiger: 3^eut>autcn Hypotheken, auch ans dem Ausland, und kommen ungleich leichter damit! über die schlechten Zeiten hinweg als die Werke, die durch möglichst hohe Preise ihre Unkosten decken lvollen. Bor dein Kriege war jedes Unternehmen hypothekarisch belastet, und so ist es auch heute noch in anderen Ländern. Nur in Deutschland kann man sich schwer an den Gedanken geivöhnen. Man kann allerdings den Einwand erheben, daß erstens die Kredite schwer zu beschaffen und zweitens die Zinsen zu hoch sind. Alle größeren deutschen Gesellschafter: halten bis Oktober voriger: Jahres eine ausländische Starnmknrckschaft. Noch Herne sind viele Lager enropäiiichcr Firmen mit deutschen Waren an* gefüllt. Durch Vermittlung' dieser sogenannten ehemaligen Geschäftsfreunde ist es nicht allzu schwer, einen 5kredit, je nach Prosperität des deutschen Untcrnehmeirs, zrr bekommen. Auch die Bledingrurgei: sind nicht allzu scharf. Viele Aktiengesellschaften sind heute gezwungen, ihr Kapital scharfznsamnrerizu« legen upd sofort wieder zu erhöben, um bancs Geld zn bekommen: ob aber selbst durch freien Verkauf der neuen Akiierr nmgchcrrd bares Geld hericirrkoirrmt, bleibt abznwarten. Die deutsche Geschäftswelt muß ihr Augenmerk in der nächsten Zeit auf eine vorausschauende .Kreditpolitik richten ruck den Standpunkt verlassen, durch hohe Preise einer: Ausgleich in der vorherrschenden Geldklemme erzielerr zn können. Ein großer Teil der früheren Auslandsknudschaft hat sich geschäftlich von seiner: deutschen Freunden zurückgezogen. Sie bewundern den deutschen Irrgerüenv, erkeurren gerrr die hohcrr Oualiiäter: der Waren an im übriger! lautet das Urteil . . . zn teuer! Argentinischer Wirtschastsbries. Die Schuld Argentiniens wird in den ass-zielten Ausweisen mit annähernd drei AUlliardeir Papierpesos beziffert. Sie ist aber in Wahrheit um vieles beträchtlicher. Denn cs konrmerr noch die bedeutenden Eisenbahnobligcrtionsbeträge hinzu; der nächste Kongreß wird allein für die Erv'eiternng und Verbesserung des Netzes 350 Millionen zu bewilligen haben; das Militär- und Marinebndget beansprucht an Investitionen dazu noch etwa 300 Rtillinnen. Die Hälfte der Betrüge sind nicht in langfristigen Anleihen konsolidiert. Die Stinnnung znr AufbrUngnng großer Rcntenzeichnungeu im Lande ist eher ungünstig, denn das Vertrauen in die Sarrierung der Staats« 1 finauzen gilt nicht gerade als übermäßig. Der Fmanzmiyister