Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1924-03-07 · Heft 1817 (7.3.1924) · p. Seite 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1817 (7.3.1924)
Date
1924-03-07
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
85% known words query
IRI
…/2979076-2980834-2980900--18069-3005109
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

fttf .unt s-ZZ.- «Kr«» MorW-rMMs. 7. «Mtz NK Wtffä Film und Kino. „Bella Donna." Sjbfer Md», dem eine ungcheure Reklame in jeder Art blmmging uns der schon darum, weil er der erste ist, der mit Pola Negri in Amerika gemacht wurde, riesiges Interesse i erweckte, hat das Publikum nicht ganz befriedigt. Man hat im! allgemeinen von Pola Negri in Anbetracht ihrer wirklich unubertroffenen Leistungen in Euwpa, mchr erwartet, als dieser iFllm bietet. Die Schuld hierfür ist in-verschiedenen Ursachen |<jj£ iLt(vcn; ßn erster Linie muß hier erwähnt werden, daß das Mttck m feiner ursprünglichen Fassung nicht weniger als v i ersehn Akte umfaßte und hier auf sechs zusammengeschnitten lwurde. Daß das Werk hierdurch eine beträchtliche Einbuße er- Zierden mußte, liegt ans der Hand. Es ist eben bei den m Wien /hervschenden Verhältnissen nicht möglich, einen derartigen 'Kolossalfikn auf einmal zur AuffWrnng zu bringen, unt> eme s Zweuermug — die übrigens auch beim ifäcklikum nicht beliebt sist — hätte die Spannung zerrissen. ES war daher unbedingt notig, dm Film auf diese Lange zuzustutz«, und es ist immer- ■ hin dankenswert, daß es in die er wirklich geschickten Art durchfLeführt wurde. Weiters ging chon auS dm voriges Jahr zu f rmS herübergekommenen amerikanischen Kritik« anläßlich der l Uraufführung dieses Werkes in New-York hervor, daß wahrend s'der Aufiiahmen zwischen dem Regisseur Fitzmaurice rnw Ider Scharrspielerin das denkbar schlechteste Einverständnis 'herrschte, woran die Kritik Betrachtungen aller Art über die SchauspiAeri« und ihrem früheren Regisseur Lubiffch knüpfte, I von dem sie behaupteten, er behandle seine Darsteller wie ein 'preußsicher Gardewachtmeister seine Rekrrlten, und Pola Negri, funter der Fuchtel dieses Ateliertyrannen gewohnt zu arbeiten, Hffei mn nicht imstande, den Weisung« eines wirklichen GentlefnumS Fol« zu leisten. Unnötig hier noch zu erwähnen, daß smlche Ausfälle auf das Bestreben einiger amerikanischer Regissserkre, ihr« berühmten deutschen Kollegen von ihrer Wirkimgslstätte möglichst fernzuhalten, zurückzuführen sind. Das anspylietzende Lamento über die zahlreichen und komplizierten fLmmen der Künstlerin lassen beschönigend dm Umstand durch-; schimmern, daß der Regisseur der — das heißt dieser — Schauspielerin nr keiner Werse imponieren konnte. Und dieser Umstand ist auch inr ganzen Fidn sehr deutlich merkbar. Me Zdünstfierte gcht in Spiel und Auffassung ganz andere Wege als das sich der Regie fugende übrige Ensemble. Anderweitig ist sie in manchen Szenen sowohl durch die Regieführung, als auch durch ,daS mangelhafte Zusammenspiel der anderen Schauspieler mit ichr sichtlich behindert. Vielleicht — und daS wäre schließlich Mr einleuchtendsten — ist diese Frau auch im Leb« ein viel komplizierterer Eharakter, als man es ber d« amerikanisch« Darstellern gewöhnt ist, die zumeist Mensch« ohne irgendwelche! Charakterkomplikationen darstellen, und sie war von Deutschland her gewohnt, daß sich in einem Film alles auf sie einstellt. Hier empfindet man sie direkt als Fremdkörper in dem Ensemble, oaS sich, zwar aus ausgezeichnet« Schauspielern zusiammensetzt, doch nicht über das liebliche himmsragt. Bon diesen hier Mitspielenden muß in erster Linie ConwayTearle als eingeborener Prinz erwähnt werd« und Kourad Nage l als unglücklicher Liebhaber. Auch die übrig« Schauspieler, selbst in den kleinsten Rollen, zeitigen durchwegs sehr gute Leistungen. Me Regie bietet das nun längst bekannte, zum Klischee erstarrte Gesamtbild, das man in amerikanischen Fil- :M« zu sehen gewohnt ist. Nicht mehr, »och w«iger. Und in diesen Rahmen paßt keine Pola Negri. Wenn sie nun in dm Film«, die sie in Amerika zusammen mit Lubitsch macht, zu seh« sein wird, wird man erkennen, daß die Schuld an dem Mißerfolg, nicht wie die amerikanische Kritik behauptete, «m ihr, sondern nur an dem Regisseur liegt. Und wenn sie eben nur mit Brutalität zu behandln ist, wie der amerikanische .Kritiker Earr in spaltenlangen Abhandlungen ausführte, dann hätte eben der Regisseur auch mit diesen Mitteln scheiten müssen, die der Zweck unbedingt «heiligt hätte, selbst bei einem -G«mema»^, der seine Schuld einer Landfreow« in die Schuhe schieben will. Ansonst« wäre an dem Film »och die kolossale Ausstattung und die wundervolle Photographie lobend M erwähnen. __ „Die Strafte." Dvcsir Ster n - Film den Karl Grüne voriges Fahr Herst eilte wird der in der iromm«b« Woche in den Wiener Kinos erscheinen wird, repräsentiert eines der künstlerisch hochwertigsten Erzeugnisse der deutschen Filmkunst. Die Handlung behandelt nur eine einzige Nacht, in der ein ravissantes und spannendes Geschehen vor sich geht und die Gelegenheit zur Mustvertnng aller bis jetzt erreichten technischen Möglichkeiten gibt die auch restlos ausgenützt wird. Ein vorzüMrches Enfemb^ verkörpert die Figuren der tragenden Roll«, unter den« besonders Eugen Klöpfer hervorznheb« ist, der wirklich brillante Leistungen zeitigt. Wir dürfen an das Erschein« dieses in jedem Belange hochkünstlerrschen JÄmeS die angenehmsten Hoffnung« knüpfen. »Die Kurtifanr von Venedig" Dieser außerordentlich spannende und von der hiesigen B ita-Filmiudustvie erzeugte Film erscheint heute in v« führenden Wi«er Lichbspielvüynen. Der Regisseur Fritz Feh er hat daS Srrjet, das aus der Feder des bsrannttn Librettisten Egon Jakobs oh n stammt, richtig zu erfassen gewußt und brachte eine Menge wunderschöner Bilder in einer prachtvollen SzenensolM zutage. In die Hauptrollen teilen sich neben Magda Sonja und Raoul A s l a n eine Menge pronrttrenter Wiener Künstler. Wir werden nächste Woche Gelegenheit Hab«, diesen Film eingehend zu besprechen. Zwischen Flammen und Bestien." Es liegt uns in diesem Film eine spannende Geschichte aus dem Airkusmilieu vor. Wetter bietet der Film ausgezeichnetes Spwl bekannter deutscher Darsteller, eine sichere und prägnant arbeitende Regie, sehr großzügig.' Ausstattung und ausgezeichnete Photographie. Ein Filmwerk, das durchaus empfehlenswert ist. Die Filme -er Woche. „Edelweiß." — „Die letzte Sensationsnummer des Zirkus Andre." — „Höher als die Wolken." — „Windikta." — „Die Austreibung." — „Die Kurtisane von Venedig." — „Zwischen Flammen und Bestien." — „Der Erve." — „Zirkus Dah." r-BURG-KINO, I. OPERNRING 18- Ab heul« bis 10. Mira Der grösste Welterfolg ,Das Zirkuskind' 'ln der Hauptrolle JACKII COOGAN in seiner bisher besten Leistung. — l '/„ Stunden ununterbrochenes Lachen 1 und das übrige Schlagerprogramm Beginn der Vorstellungen, 4, y,6, 7, 7*9 Uhr Der grosse Zirkusfilm: I Ein Bildschauspiel von wilden Tieren, grossen und kleinen Menschen in 5 Akten 7.—IO. März: Eisenbahnerheim-ICIno, V. Ifa-Palast-Kino, II. Schlosshof-Kino, XII, 11.-13. März: Eos-Kino, III. Kosmos-Kino, VII. Maria Theresien-Klno, VII. 14.—17. März: Kalvarienberg-Kino, XVII. Theater-Kino, XVIl. Wallenstetn-Kino, XX. ROTENTURM-KINO WIEN, l, FLEISCBMABKT 1 MAT Ab heute bis 10. März -WW doppelprookahm i Der Knochenbrecher von Oklahama uml Der Sieg der Liebe 14 Akte und das Übrige Schlagerprogramm Beginn der Vorstellungen! 4, */>®, JA® QD^ */»• Uhr Begleitmusik einer erstklassigen RBn»t>erk»pe!le tPAfr-FlLK-A. 0.1 fEMTBAI MiyA ILTaborstrasse Nr.8 a%gEEl I KfiEial\BEiy Direktion J. Schulz"' Ab heule bis 10. MSri Die Kurtisane m Venedig (Das nackte Weib) Ein venetianisches Kolossalbild in 6 Akten und das übrige Schlagerprogramm Beginn, */45, y,7, l/i9 Uhr —IDWEN-KINO — Ab heule bis 10. Mira Der grösste Welterfolg ,Das Zirkuskind ln der Hauptrolle JACKIE COOGAN in seiner bisher besten Leistung. — l'/a Stunden ununterbrochenes Lachen 1 und das übrige Schlagerprogramm Beginn der Vorstellungen: VA Vs7, 7.9 Uhr Kino-Orchester unter Leitung des Kapellmeisters Rümeth Magda Sonja und Raoul Aslan indem i. Vita-Grossfilm (Das nackte Weib) 7. bis 10. März: Imperial-Kino, I. Kärntner-Kino, I. Busch-Kino, II. Central-Kino, II. Eos-Llchtspiele, III. Haydn-Kino, VI. 11. bis 13. März: Gartenbau-Kino, I. Burg-Kino, I. Lowe»-Kino, III. Wienzelle-Kino, VI. Phönix-Kino, VII. Abbazla-Kino, XV. Regie: Friedrich Feher 14. bis 17. März: Margaretner Bürger-Kino, V. Heimat-Kino, IX. Meidlinger Biograph, XH. Schönbrunner Schloss-Kino, XIII. Künstler-Lichtspiele, XVI. Quittner, Zuckerberg & Co. Coprrigth 1923 by Nachdruck verboten. ^«chch»O«skrreichischer Berlag, Wien. 30. Fortsetz««-. Die Heimatloseu. Bon Wilma Bulelich. ,MZewu Sie mich malen wollen, 'habe ich ja »Ws ernAllltoeldden. Na-türlich bem Kops. Oder auch eine meilner schicken Toiletten. Bin sch denn ft» mcht gut gemvg . . . igöfalle ich Ihnen so nicht . . Und sie stund da, straMlld, ii» eine Karte RoftnMt getaucht, die Augen voneiner seltsamen Narrnhe darvchflmmlert. Hub sah an sich herab, strich leise il-reMsenld an dem dmillelr Sani-t thves Kletdes hinab, der sich in schweren iFalten um ihre zarte, hohe- Gestalt leg-te . . . dann blickte isl-e uioch»Ml§ zu Gero empor mit dem umMlvisseu Lächeln eirres »leltzsi-eriigelt ikleiuerr Mädchens. 'C'-x-Tiü oder blieb ernst. „Wenn Sie wieder kommen," sagte en mit Nachdrltck, weiß ich, daß Sie meine Bitte vosiillelt. Hörerr Sie, Lydia. Der Künstler «stwicht zu!de»r Ihre gesellschastiliche Dalmiumvcrl lsuignet. tGet»en Sie mir, amt iwaß ich bat, icnd 'ich lwerde zum Dank dafür Mre Schalheit u-nvevgüuAich umichen. Ich zwinge Sie nicht. Sie >kom>ln«ll- oder -konmren nicht. . . Ich aller weiß, daß Sie kommen ^werden, Lydia." Wlllche ZervissenheÄ i-n den Ginnen, welcher Sttlvm m crllerl Gedaivken! So sagte das Blint durch Lydias Adern toie der Stlrvin durch die Zweige der Espe, und sie bvbte, lallte! In laugeir, schlaflosen Nächtelt saß ein Schluchzen iu ihrer Kehle, eilt Lachen ringolie daraus, -wie das Lachen der TuricLtambe, die den Geliellten blockt. Und sie b>iß in die Kissen. Biß in die ftiirrcu, ro.sigen Lippen, bis sie Wt-- ieten und ein feiner, warrtyer, rosiger Tropfen 'Wer die weiße Haut des Kmns herallvieselte. War das Liebe? War daß Sehnsucht? Begierde? War es die .Mädchenscham, die sich wehrte vor den letzten Enthüllungen und, indes sie sich wehrte, auch schein ergab? Lydia blühte. Niemals noch war sie so schon ge»veisen. Gin zarter Flaum wie die Farbe der Erdbeere, ehe -sie die letzte Reife findet, schuÄz auf ihrer Wange. Die goldene Beere chre's Wugeß schwamm irc einem aufgelösten Mau. Und von den Stürmen ihrer Nächte zeigte der Karte Schatten, der dieses Auge vertiefte, der es groß rt-nd rätselhaft erscheinen ließ. Ihre Fomlt-en reiften über Ilacht. Oder schien es ihr nur fo, als sie sich sePller mit fremden Augen anfah, mit den Augen ihres Dichters und Malers, und ihr war, als >ob sie sich so zum ersten Miale sehe,? Bor denn großen Stehsylegel ihres Schlaszi-umlers fielen die letzten Hiillen. Wie eine Wolke bauschte sich das -Henw über den feinen, wrvösen Füßen>. Wie iübtzmlts schön sie war! Welche Zartheit? Welch edle Schlankhott der Form! Wie knabenhaft -und geistig! Und demwch Weib . . . Wie er sie ertzauini hatte mit de.m Wiffelt des Kwllstlevs! Eigerttlich schon Wied Ml Glied erobert, noch ehe er sie enMeidet! s Umd miitell in der Süße dieses Gefühls gnoll .das Herbe in ihr empor . ... die Scham ... die Eifechrcht, die die MakeNcsigkött des julrUräulicheu Leibes hütet vor lüsteMer Neugier und dem FveM, der >.Hoiligtümer zerstöot schon dirvch das Unrettle seiries Gesichtes. Sie sah die nackten Gestalten aus Geros Bildern in geilen Tänzen sich drehen umd ftch sich selber -avnittev, nackt nnd schamibos. GeMert nnd jeder Schönheit bar. Dann floh sie entsetzt zu den übrigen, zu den .Mädchen, die imnwr eine Albernheit zu zerpflücken, immer Tausends zu zerrede:: hatten. Da war Weiuibcrger Jrmus, die 'sich erlist und zieillewußt mit ihrer Versorgung beschäftigte. Die selber die Anträge las u»rd umt den Vermittlern unterhandelte. Tie Zusammenkünfte arvaugievtt, die tzufAlig wirken sollten uud bei welchen sie mit niedergeschlagenen Augen Mädchenhaftigkeit mimte. Im Grunde wollte auch Weinberger Jrmus das Außerordentliche und bezeichne-te diofcs in ihrer knappen Weise als „Partie mit Liebe", wobei sie in erster Linie Mcltkultur beanspmchte, das heißt englischen Kleiderschil'itt, Lackschuh:, seidene Socken u-nd Budafester Boulevardevsahvnngen. Denn auch eine We'nrberger Jrmus durste füglich Ansprüche erheben. Hingegelk lag Klari, die Hysterische, halbe Tage laug iur t>erführerischesten Neglige aulf >dem offenen Bett, rauchte Zigaretten, lutschte .Aiglerbonbons und las dazwischen Syezialitättu mrr für Herren, die sie flink rwter dem Polster verschioiuiden ließ, wenn mwv ihr nahe kam. Was sie sonst trieb, wissen die Gvtrer. Jedenfalls fah sie morgens sicht und grau-grün aus rrnd hatte schöne, iu>- teressintte Schatteir unter >de>n Augen, die ihr das Aussehen einer Beirnsyriastervu gaben, die alle sieben Weihen em-pfaugerr uud das Gelübde abgelegt hatte, keimn Sterblichen une-chört von sich gehen zu lassen. So kah Mari aus. Uuü> Lydia fand lvenig Trost i-n ihrem U mga ryg . . . un Gegenteil. Sie regte sie auf. Was so ein Ding sich alles A'statleie! Ganz ohne Gelvisfcnsbisse! Sie seillber aber quälte sich; uud je mehr sie sich selber zerredete und zerpffückte, um ft» größer tvard ihre Unrast und ihre Sehnsucht. <T-ortsetznng folgtd

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.