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Wiener Morgenzeitung · 1924-03-07 · Heft 1817 (7.3.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1817 (7.3.1924)
Date
1924-03-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Etozflmmnerlircot) Wiens Zorn Abholen jp der Expedition, II., T aborstr.1-3, oder in einer Verschleisstelle (Trafik) monatl. K 35.000 Strass enrerkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmiedt, I. Bez^ WoIlLeile 11. Mit Postversand für Wien u. Oesterr. monatl. K 85.000 rener Zwischen Flammen und Bestien PoIempoln.lL3304ffl| Italien: Monatl. 12 Lire Rumänien Mon. 130 Lei Bulgarien Mon.80 Lewa Schweiz und das Ausland monatlich Frea. 4 Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrassei—2 fschecho-SloWakei: Mon. K 18. Jugoslawien: Mon. Dinar 60. Polen: Mon. 31/* Zloty, Deutschland: Mon. Goldmark 4, Fr an kr., Belgien: Mon. Frcs. 12 MF* N»ehi»WluBjeD -M> fei Prei»erhöhtrttyen Vorbehalt«» Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab 6 Uhr abds. 19-483,25-282 Tel- Adr. :„M<?rgenzeitanjj‘' Wien O österreichisches P ostspar kassen -Konto Nr. 150.698 mmmmmßmmmmmmimmMm Nr. 1817 Me«. Freitag, 7. Miir» 1924 6. Jahrgang Eine internationale Anleihe für Deutschland? Englische Absichten, französischer Widerstand. - Die GMMtbank wird gegründet. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) P a r i s, 6. Marz. In hiesigen englischen Kreisen verkantet, daß die von den Alliierten eingesetzten Experten eine große internationale Anleihe Vorschlägen, welche durch die deutschen Eisenbahnen garantiett werden müßte. Dabei soll das Erträgnis dieser Anleihe nach der Ansicht der Handelskreise zur Gänze für Deutschland selb st verwendet werden, und nur ein Teil davon für Reparationszwecke in Betracht kommen. Während des Moratoriums, welches man Deutschland zubilligeu will, soll sogar Frankreich nur 300 Millionen Goldmark jährlich an Materialleistungen erhalten. Diese Meinung gewisser englischer Kreise stößt aber in allen anderen alliierten Kreisen auf Widerstand. Insbesondere weist mau aus die Tatsache hin, daß bei der ungarischen Anleihe ein Präzedenzfall geschaffen sei und daß es wohl notwendig erscheine, den deutschen Wiedevausba« im großen und garMrnachhew ungarischen Schema vorzuneymen, wobei Ungarn bekanntlich ein Teil der Anleihe für Reparationszweüe zur Verfügung stellen müsse. Der „Temps" schlagt heute ei« Kompromiß in der Weise vor, daß evwtuell jsteichzeitig mit der. deutschen Anleihe der Reparationskommission deutsche Schuldtitel übergeben werden könnten, wobei natürlich gleichzeitig für die Schuldtitel der Markt an den auswärtigen Börsen geschaffen werden müsse, so daß tatsächlich ein Teil der , deutschen Schuld dadurch mobilisiert würde. Die Goldkreditbank gesichert. Berlin, 6. März. Der Reichsbankprafident Doktor Schacht ist heute von Paris wieder in Berlin eingetroffen und hat die Zustimmung der Sachverständig e n k o m m i s s i o n, beziehungsweise der Reparationskommission zur geplante« Goldkreditbank milgebracht. Dr. Schacht legt nun Wert darauf, daß die Goldkredribank noch vorRnflösnngdesReichst a g e s aus gesetzlichem Wege geregelt werde. Im Reichstag erklärte heute Außenminister Doktor Stresemann, daß der Gesetzentwurf über die Goldkreditbank demnächst dem Reichstag zur Beschlußfassung zugehen werde. Da dies noch einige Tage in Anspruch nehmen wird, wird der Reichstag erst Mitte nächster Woche ans ei nand ergehen. Damit ist auch die Frage des Wahltermines so gut wie entschieden. Es wird mit Sicherheit damit gerechnet, daß die Neuwahlen am 11. Mai stattfmden sollen. Die Militarkonttolle über Deutschland Ueberreichurrg der Botschafternote an Hoefch. Paris, 6. März. Die gestern von der Botschastrrkonserenz beschlossene Note betreffend die Militärkontrolle ist heute mittags dem Botschafter v. Hoffch zugemittelt worden. Völkischer Sturmlauf. Berlin, 6. März. In der heutigen Sitzung des Reichstages führte in Fortsetzung der politischen Aussprache Abgeordneter .A a « m e r4 (dsmHche, . ans^ -nyr^nA RechlpolW, nicht mit Illusionen und mit Schillschen Taten könne die Arbeit, vor der Deutschland stehe, bewältigt werden. Er warme die Regierung dringend davor, auf eine Finanzkontrolle in irgend einer Form eänzugehen. Dr. Helfferich.' (deutschnational) erklärte, über Deutschland schwebe die Gefahr eines neuen und schlimmeren Versailles. Redner verlangte eine aktivere Außenpolitik gegen bie französischen Machtgelüste. Unter gar keinen Umständen dürfe das Ruhrgebiet unter die Verwaltung des Völkerbundes kommen. Sie Sozialdemokraten gegen den zivilen Au»« «ahmszuftand. DerNn» 6. März. (Tel. der „SBt. Morgenzeitung*) Die Sozialdemokraten haben im Reichstag nunmehr einen Antrag auf Aufhebung des zivilen AusnahmSzustandeS eingebracht. Sie fordern ferner, daß dir feit dem , 26. Dezember 1923 von der bayrischen Negierung getroffenen Maßnahmen außer I Kraft gesetzt werden. Deutschland dar den Neuwahlen. —y. W i e n, 7. März. Der deutsche Reichstag soll bereits kt den nächsten Tagen aufgelöst werden. Der Kampf tunt die Ermächtigungsgesetze, unt die parlamentarische Mitbestimmung bei der Regelung der staatsfinanzielleit Fragen, konnte bisher zu keiner Entscheidung gebracht werden. Keine Partei will sich sestlegen, da keine bei der rmn doch bevorstehenden Einrichtung der internationalen' Finanzkontrolle eine Mitverantwortung übernehmen will. Aber jede sieht in dieser Forderung der Entente, die diesmal durch eine genaue Untersuchung ihrer Sachverständigen in Berlin sich selbst die nötigen Unterlagen verschafft hat, eine wundervolle Gelegenheit, sich im Lichte des Patriotismus den Wählern vorzustellen, wie denn überhaupt nach dem Schrecken des Milliardenwahrvsinns das Durchhalten wieder in die Mode gekommen ist, selbstverständlich das Durchhcrlten der Zahler und Konsumenten. In den ersten Berichten der SachverstäMgenkommission war über dieses Thema einiges Erbauliches zu lesen und es war ausdrücklich feistgestellt, daß zwar die Ruhrpolitik Frankreichs durchaus verwerflich sei, daß aber die Ruhrpolitik Deutschlands ebenso schlecht war, insoferne nämlich, als die Regierungen selbst die Okkupation provoziert hatten. Es war in diesem Zusammenhang der Name Stinnes genannt worden und es war der Schluß gezogen worden, daß die Steuerverteilung eine außerordentlich ungerechte sei. Diese. Politik ist unverändert in Kraft geblieben und man meint in Deutschland offenbar, daß sie auch' tvsfterhin nicht abgeändert werden muffe, da doch die Finanzkontrolle ohnehin kommen werde. Es wird für klüger gehalten, die unausweichliche Auseinandersetzung mit den Steuersaboteuren dem Genevallommiffär zuzuschieben, der mit frischer Autorität und mit einer unantastbaren Fülle von Machtmitteln an diese Frage Herangehen we^e. Die kommenden Neuwahlen, für die, wie es heißt, der 6. April angesetzt werden soll, werden dieses Bild kaum zum Besseren, eher zum Schlechteren ändern. Die Notlage der Betwlkerung führt überall in Wahlzeiten zur Stärkung der radikalen Parteien. Es werden in Deutschland die Völkischen und die Kommunisten den Löwenanteil an den Reichstagsmandaten einheimsen und die Kisten werden den einen die bürgerlichen Demokraten, den anderen die Sozialdemotraten zu bezahlen haben. Dem Zentrum kommt es sehr zustatten, daß ihm Ludendorff den Religionskrieg angesagt hat. Die Wirkungen des Hitler- Prozesses lassen sich nicht abschätzen, da ja erst am Ende des Monats ein abschließendes Urteil über seine politischen Hinterwände möglich sein wird. Es ist zwar sicher, daß die großen Enthüllungen unmittelbar bevorstehen, worauf auch die Nervosität der Verteidigung schließen läßt. Sie hat gestern den Staatsanwalt zum Streik gezwungen und sich durch den Rachedurst zu wert engagieren lassen. Wemr dieses System des Berschleppens länger fortgesetzt wird, so kann es geschehen, daß der Prozeß aus der freundlichen Münchener Lust herauskommt. Ende März erlischt nämlich die Wirksamkeit der Volksgevrchte. Ist bis dahin das Verfahren nicht zu Ende, dann gerät die ganze Angelegenheit vor den Leipziger Staatsgerrchtshof, der sie doch anders behandeln würde. Es gäbe dann einen sehr geringen Respektsraum zwischen Prozeß und Neuwahlen, und die Radikalen haben allen Grund, diese Eventualität zu scheuen. Die Zeit der großen Koalition, in welcher <Ävesemann und Scheidemann an demselben Wagen ziehen mußten, hat den Völkischen nicht geschadet und sie doch vielfach zu vorsichtigem Parlameniieren gezwungen. Diese Rückendeckung verlieren sie, wenn der Leipziger Staatsawvalt emgreift. Aber auch die M'rnchner Atmosphäre wird in Bälde schärfer werden müssen, da Kahr, Lossow und Seisser nun zu Wort kommen und die einseitige Hochverratsdeffniticm Hitlers dann ins Kreuzfeuer kommt. Daß hier auch ftir die Wahlen Material geliefert wird, das kann auch Hitler nicht verhindern. Für die Entente liegt die Frage livesentlicheinfacher. Deutschland wird reaktionär wählen und die Demokratie noch tveiter in den Schatten znrücktreten lassen. Nun ist die Verschlechterung der Beziehungen Deutschlands zu Frankreich durch das Kabinett Cuno herbeigesührt worden, das so weit rechts starck), als dies den völkischen Gesichtspunkten entsprach. Die Bildung «oie£ Vechtsblocks, einer bürgerlichen ^Koalition - ohne-Hitz Der Bankenstreik vor dem Abschluß. Einigung in der Frage der Ueberftnnden und Erhöhung der Bezüge. Am Beginn der heutigen Beratungen, denen in den Vormittagsstunden Besprechungen der beiden Gruppen vorangegangen waren, brachte Abg. Allin a die inzwischen erfolgte Entziehung der Prokura in verschiedenen Banken zur Sprache. Er bezeichnet sie als den Bestimmungen der Dienstpragmatik widersprechend und daher als gesetzwidrig. Demgegenüber vertrat der Präsident des Baukeuverbandes Dr. H a m m e r sch l a g den Standpunkt -er Banken, der im Handelsgesetzbuch seine Begründung findet. Der Bundeskanzler erklärte, ohne auf die verschiedenen Rechtsauffassungen ein gehen zu wollen, gerade im gegenwärtigen, entscheidenden Stadium -er Verhandlungen jede Verschärfung des Konfliktes für bedauerlich. Er forderte die Vertreter beider Gruppen auf, noch einmal in die s a ch l i ch e B e r a t u n g der Streitpunkte einzntreten, wobei er empfahl, sich aus die Hauptpunkte zu beschränken. Tatsächlich gelang es, in der F r age der Ka sfast u n d e n und der generellen Erhöhungder Bezüge eine E i n i g u n g zu erzielen, allerdings in so vorgerückter Stunde, daß die Bereinigung der übrigen strittigen Fragen und die endgültigen Formutier u n g e n auf heute verschoben werden mußten. Auf Grund dieses Ergebnisses ist nunmchr die vollkommene Beilegung des Konfliktes in kürze st er Frist ju erwarten- Mar Donald über die Vermeidung von Streiks. Eine interessante Rede des Premierministers angesichts neuer Streikgefähren: Gegenseitiges Vertrauen und Schiedsgericht. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 6. März. In Brighton hielt Premierumvister Mae Donald eine Rode, in der er cmssührte: Von allen Söiten drohen uns Streiks und Aussperrungen, Zwistigkeiten und II muhen. Dies alles ist töricht und lächerlich. Warum sollten wir nicht zu einem gegenssitigon Vertrauen gelangen können? Sicherlich können alle diese Streitsachen ans dem Wege des Schiedsspruches geschlichtet werden. Mac Donald führt weiter ans, es gibt verständige Köpfe, im Laude genug, deren Träger ziffamentwten und sich aus einem gemeinsamen Boden finden könntet:. Das sei der einzige Weg, alle Schwierigkeiten zu überwinden. In Wirtlichkeit aber hätten die lbeiden streitenden Delle gegenseitig das Vertrauen zu einander und zur ganzen Nation verloren. So kommt es von Zeit zu Zeit immer wieder zn neuen Kämpfen, die für alle daran Beteiligten nur einen Verlust bedeuten. Diese Aeußeruugsn sind, im Lichte >der derzeitigen Lage bewachtst, um so interessanter, als 'die allernächsten Tage sich stir drei große Industrien, nämlich den Kohlenbergbau, den Schiffsbau und die Verkhrsnnternehmungen als kritisch erlveisen dürften. In allen drei Industrie« finken Verhandlungen und Besprechungen statt, doch ist man vorläufig in keiner der drei Industrien zu einer Einigung gekommen.

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