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Wiener Morgenzeitung · 1924-03-03 · Heft 1813 (3.3.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1813 (3.3.1924)
Date
1924-03-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Btazslmmiiner R 12CfO Wien! Znm Abholen 5b der Expedition, IL T aber sh'. 1-3, oder »n einer Verschleisstelle fTraflkl monatl, K 35.000 StrassenYerkanf in Wien dfirch die Kolporteure der Firma Goldschmiedt.I.Bez^ Wollieile 11. fßt Poatversand fSr Wien n. Oesterr. monatl. K 85.000 Tachecho-Slowakei: Mon. K 18. (u^oalawien: Mon. DinaröO. P o 1 e n: Mon. 3*/t Zloty, Deutschland: Mon. Goldmark 4, F r a n V r., Belgien! Mon. Fm. 12 PWU- N eh r. h I u b f e n MD bei PraiferhohungBa vorbehanee Wiener PolBD!|M)I]i.lK.SSO.OQO Italien: Monatl. 12 Lire, Rumänien Mon. 130 Lei, Bulgarien Mon.80 Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frea. 4 Redaktion u. Administration Wien, IU Taborstrasse 1 —3 lüMlIfiailKBUMM Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab 6 Uhr abds. 19-483,25-282 Tel.- Adr.:„Morgenzeitunf* Wien Oesterreichisehea Postsparkassen-Konto Nr. 150.6% Nr. 1813 Wien. Montag. 3. Mörz W4 6. Jahrgang r/nrar« Mm Donald gegen die französische Kriegs Politik. ßrantteichs Mrebsn nach Srtveitmms der Berfaiiler Bestimmmsm. - Re Cicherlieitssrage. - Poinmrer Antwort. Paris, 2. März. Heute wurde der Briefwechsel zwischen Mac Donald und P o i n c a r e veröffentlicht. In dem schreiben Mac Donalds an den französischen Ministerpräsidenten heißt es: „Der freundschaftliche Charakter der Antwort, die Gie auf meinen Brief vom 26. gegeben haben, ermächtigt mich, den Versuch zu machen, eine neue Etappe zur Aufklärung der Schwierigkeiten, die in den Beziehungen der beiden Länder 'entstanden sind, zu erreichen. Es ist mein Wunsch, einem.gegenseitigen vollkommenen Einverständnis den Weg dadurch zu ebnen, 'daß rücksichtslos diese Schwierigkeiten untersucht werden. In der Lage, in der wir uns befinden, will ich weder in eine Diskussion eintreten noch bestimmte Vorschläge machen. Meine Absicht ist einzig, die Tatsache vor Äugen zu halten, daß meiner Ansicht nach die Schwierigkeiten und Streitigkeiten der Vergangenheit nicht absolut unvermeidlich waren. In England ist die Meinung weit verbreitet, daß FrankreichentgegendenBestimmungen des Versailler Vertrages eine Lage arrz u st r e b e n versucht, die -ihm das verschaffen soll, was ihm während der Friedensverhandlungen nicht gelungen ist, bei den Alliierten durchzusetzen. Diejenigen unter meinen Landsleuten die diesen Eindruck haben, stehen auf dem Standpunkt, daß das eine Politik ist, die nur die Ungewißheit und Gefahren eines Zustandes verewigt, den man nicht Friedens-, sondern nurKrieasßustand nennen kann, und daß eine solche Politik schließlich alle Sicherheiten und Garantien zunichte machen müßte, die Frankreich durchgesetzt hatte. Es hat in Frankreich Kreise gegeben, die sich einbildeten, daß die restlose Uebergabe Deutschlands automatisch und für immer Frankreich von einer Drohung befreien würde; gewisse Leute haben geglaubt, daß die Grenzen Frankreichs bis zum Rhein ausgedehnt werden müßten, wenn ihr Land unbedingte Sicherheit haben wolle. Diese Erwartungen sind enttäuscht worden. An Stelle der Rhemgrenze hat man nur eine solidarische Bürgschaft Englands und der Vereinigten Staaten angeboren. Da sich Amerika abseits hält, ist dieses Anbot hinfällig geworden. Was wir wünschen, ist Sicherheit vor neuen Kriegen. Mch immer Ausfassung ist ki5 Sicherheltsproblem kein rein französisches — e's ist ein europäisches Problem. Es ist sehr leicht möglich, daß in den kommenden Jahrzehnten die Menschheit die allgemeine Abrüstung und die Ausbreitung des schiedsrichterlichen Verfahrens über die ganze Welt erlebt. Auch das englische Volk wünscht lebhaft, daß die Derwüstungen des Krieges wieder gutgemacht werden. Nach seiner Auffassung haben aber diese Verwüstung«« einen weiteren Umfang: Sie erstrecken sich auf ruinierte Absatzmärkte, auf dahingeschwundene Kaufkraft, auf den Niedergang des Schiffsräume 's und des Außenhandel s, auf die Entwertung d_e r Währungen und deren Mangel an Stabilität sowie auf die Arbeitslosigkeit. ES ist vielleicht schwerer, sich unsere verwüsteten Gebiete in augenfällig bestimmter Gestalt vorzustellen; ihr Wiederaufbau wird sich weniger mit Händen greifen T-affeit und mehr Zeit in Anspruch nehmen. Bevor wir indessen dieses Problein erörtern, müssen wir natürlich den Bericht der Sachvevständigentomitees abwarten, und ich warte sie ab mit der Hoffnung, daß die Sachverständigen Ihr und mein Land einander näher bringen werden." Ae Antwort Poknrares. Paris, 3. März. (Wolfs.) In seinem Antwortschreiben versichert Poin care, mit Mac Donald hinsichtlich seines Exposes über die zu regelnden Fragen vollkommen einig zu sein. Er wolle aber nicht in Details Eingehen oder konkrete Vorschläge formulieren, sei jedoch bereit, mit Mae Donald an die Prüfung der Probleme im Geiste deS - Entgegenkommens Und loyal ~ yMnzÄtreien. Die Interessen Frankreichs, das die Reparationen seiner materiellen Schäden und die endgültige Herstellung seiner Sicherheit wolle, und Englands, das vor allem die Wiederherstellung der europäischen Märkte wünsche, seien nicht unvereinbar. Poincave verwahrt sich dagegen, daß Frankreich bei der Vertretung seiner Interessen engherzig sei oder an die politische und wirtschaftliche Vernichtung Deutschlands denke. Als Gläubiger Deutschlands sei Frankreich stets daran interessiert, daß Deutschland produzieren könne. Poinoarß weist ferner den Gedanken einer kontinentalen Suprematie Frankreichs zurück und versichert Macdonald, daß kein vernünftiger Franzose je daran gedacht habe, auch nur einen Kubikzentimeter deutschen Bodens Frankreich einzuverleibon. Abgesehen von Elsaß-Lothringen habe Frankreich niemals den Rhein als Grenze verlangt, der eine Barriere gegen neue deutsche Angriffe bilden müsse. Starr Palmarer? Prag, 3. März. (Del. d. ,Mr. Morgenzeitung".) Die „Navodni Lisch" lassen sich aus Paris melden, daß in dortigen parlamentarischen Kreisen mit dem baldigen Sturz Poinvares gerechnet wird. Die Gruppen des Zentrums und -der g e m ä ß i g t -e n L i n k e n verhandeln bereits über die Zusammensetzung des neuen Kabinetts, dessen Hauptaufgabe die Durchführung van Neuwahlen sein wird. Als Nachfolger nennt «man den Präsidenten des 'Abgeordnetenhauses Peret v'der den Vorsitzenden der Reparationskomniission Barthou. Auch mit der Mitarbeit Ta r d ieus wird gerechnet. Besprechung Rpkows mit Mar Donald. London, 2. März. Der Präsident der Volkskommissare der Sowjetrepublik Rykow ist nach London abgereist, wo er eine Besprechen g mit Mac Donald haben wird. Ein Politischer Morik in Rom. Rom, 2. März. Wie in der sozialistischen Presse berichtet wird, ist in der Reggio nell' Emilia der marxistische Kandidat Piccinini erschossen aufgefunden worden. Er war unter Berufung aus einen oppositionellen Parteiführer zu einer angeblichen oppositionellen Versammlung abgeholt worden, die aber, wie festgestellt worden ist, nicht stattgefunden hat. _ Die Kabinettskrise in Belgien. Brüssel, 3. März. (Tel der „Wr. Morgenzeitmig".) Der König empfing den früheren Minister R e n k i n und den Bürgermeister von Brüssel Max. Die Besprechungen sollen fortgesetzt werden, man glaubt aber nicht, daß die Krise so bald gelöst werden wird. Sin blutiger „Deutscher 2ßfl\ Jena, 3. März. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Bei einem von der rechts radikalen Organisation „Jungsturm" veranstalteten „Deutschen Ta,g" kam es zu Gegendemonstrationen von kommunistischer Seite, die in eine blutige Schlägerei ausarteten. Es entwickelte sich ein allgemeines Handgemenge, wobei eine Anzahl von Personen verletzt wurde. Zahlreiche Demonstranten wurden verhaftet. _ Mesenexplosian in Rew-Wrk. 30 Tote. IW Verletzte. Netv - Nork, 2. März. (Havas.) In einer Fabrik für Ammoniaknitrate hat sich eine Explosion ereignet, der über30Personen zum Opfer gefallen sein sollen. Die Zahl der Verletzten beträgt etwa 10 0. Mehrere Gebäude wurden Zerstört. Wiens M$ als GrMandelsplatz. Paris, 2. März. In Besprechung der Erklärung des Chefs der russischen Mission in Wien verweist „Journal deS Debats" auf die bedeutende Rolle, die Wien als Groß- Handelsplatz für den Warenaustausch zwischen Rußland und dem Westen zukommen wird. Das Blatt erwähne daß die Getreideausfuhr aus Rußland bereits 60.000 Tonnen erreicht habe, wovon etwa 10.000 Tonnen auß Oesterreich entfallen, und daß der Export Oesterreichs nach Rußland, der hauptsächlich Maschinen, landwirtschaftliches Geräte und elektrische Apparate umfasse, in den letzten fünf Monaten die Summe von eineinhalb Millionen Dollar übersteige. Ser Bankbeamtenstreir. In den nächsten Tagen neue Verhandlungen? Bundeskanzler Dr. Seipel wird, wie verlautet, heute oder morgen seine Fühlungnahme nach beiden Seite» fortsetzen. Innerhalb der beiderseitigen Verhandlnngskomitees fanden auch gestern Besprechungen statt, in denen alle Möglichkeiten erörtert wurden, den Kamps so rasch als möglich zu beenden. Allseits wird nach der erlösenden Kompromißsormel gesucht, da ein Diktatsrieden weder nach der einen, noch nach der anderen Seite möglich erscheint und bei einigem weitere» Entgegenkommen von beiden Seiten der Friede unschwer derart rasch hergestellt werden könnte, datzmitWochenschlutzder Bankenbetrieb wieder ausgenommen werde n k a n «.; Wie uritgeteilt wird, rechnet man in parlamentarischen Kreisen damit, daß der Bundeskanzler sich heute abends oder am Dienstag entscheiden wird, ob und auf welcher Basis er die gemeinsamen Verhandlungen wieder anfnehmen soll. Obwohl sich der Konflikt seit dem Abbruch der gemeinsamen Verhandlungen etwas verschärft hat, so sind maßgebende Polittker doch der Meinung, daß eine Verständigung zwischen den beiden Streitteilen möglich ist und daß es sich in der Hauptsache doch nur darum handle, eine geeignete Verftandigungsformel ausfindig zu machen. Eine solche werde bereits gesucht und müsie auch gesunden werden. Jedenfalls werden schon die nächsten Tage zeigen, ob eine BeileMNg des Streiks Mitte dieser Woche zu erwarten sei. oder ob der Konflikt noch weiter dauert und sich zu einem erbitterten Kampf gestaltet, was zu schweren Folgen führen müßte. Heute vormittags findet in der Volkshalle des Rathauses eine Versammlung von Beamten der Mittelbanten statt. _ Sine MassrnknndgeSnng drr Kleinrentner. Eine gestern in der Volkshalle abgehaltene massenhaft besuchte Versammlung der Schutzaktion für Kronenwerte forderte in einer Entschließung unter Hinweis auf das Urteil des Landesgerichter, das den Rechtsanspruch der Kleinrentner auf Valorisierung ihrer Kriegsanleihen, Renten und Spareinlagen feststellt, die Regierung auf, durch Einhebung einer Ausgleichsabgabe von Kriegsgewinnern den nötigen Fonds zur teilweise» Valorisierung der Obligation der Kleinrentner zu schaffen. Referent Dr. Zalma» kündigte an, daß in den nächsten Tagen dem Abgeordnetenhause einen von einer gemischten Kommission ausgearbeiteter Gesetzentwurf, betreffend die Valorisierung der Kronenwerte, unterbreitet werden wird. Straßenerreß in Lttakria». Sonntag gegen 4 Uhr früh erschienen mehrere b e» rauschte Leute vor dem Arbeiterheim in Ottakring, in dem noch bas Festkomitee nach der Veranstaltung mit dem Verrechnen beschäftigt war, und verlangten stürmisch Einlaß. Ms den Betrunkenen nicht geöffnet wurde, schlugen sie eine Fensterscheibe ein und drohten weitere Gewalttätigkeiten an. Nun eilten mehrere Personen aus dem Arbeiter- Heim auf die Straße und es kam zu einer Rauferei, in deren Verlauf insgesamt vier Schüsse abgegeben wurden. Sicherheitswache schritt ein und trennte die Streitenden. Es stellte sich heraus, daß der Instrumentenmacher Josef Kaiser, Nettelgasse 6, von eilrern Revolver- Projektil am linken Fuße getroffen worden war und einen Durchschuß der Ferse erlitten hatte. Die Sicherheitswache nahm die Verhaftung eines Mannes vor, von dem es hieß, daß er die Schüsse abgefeuert habe, doch wurde bei ihm keine Schußwaffe vorgefirndrn.

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