Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1812 (2.3.1924)
- Date
- 1924-03-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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ElnMlnrnmrprKUOQ Wien1 7.um Ahho'en in Her Expedition. 11., Tahoratr. 1-3* oder meiner Veracliletratelle fTraffV' monatl, K 35.000 Strassenverkauf in Wien dürch die Kolnorteure der Firme C!oldaehm?edt,l. Bez„ Wollxeile 11. MH Poetveraand für Wien a. Oesterr. monatl. K 33.000 Tseheeho-Slowaltei! Mon. IC IR lo<roaiaw?en: Mmv DinnrfiO. Polen: Mon. 31/* Zloty, Hen^aehland Mon Goldmark 4, P r a n k r., Belgien - Mon. Frei. 12 MT N««hr»hiuB?*it '«W bei Pr»iierhöbur»7«B vorbehaHea P"»»*"'«1 ..... WS ThAVb] ' Oie UiMi' d orgeiyeiluna Po’enraoln.'rv 350.001 Italien: Monat1. 12 I ire^ Rumänien Mon. 1301 ei* Bulgarien Mon. PO f.ewa, S c h w e i 7 and da« übrige} Ausland monatlich Fre*. 4 Redaktion n. Administration Wien, n.,Tabor«traa«e1—*3 Telephone: 44-0-3P.43-3-19* ah 6 Uhr ahda. 10-483.25-283 Tel- Adr.:,fMerye*»xeitOT V1 Wien Osstorreiehisehee Postspat taaaen-Konto Nr. 150.69 WVUa!WM«n»M!WWWWWW»W«WU «Ir. 1812 Wien. Sonntag, 2. Mörz 1924 0. Aabraang Fmmzielles mngreifen Amerikas r Sie Frage einer Wettwirlfchaftskönferem. — Regelung der interaMerten öchnlden. — Ae Bedingungen für eine deutsche Anleihe. § ondon, 1. März. (Tel. d. „Wiener Movgenzeitung".) Die „Times" melden aus Washington, daß, sobald die europäischen Nationen über die Lösung ihrer Streitfragen einig sein werden, die finanzielle Unterstützung der Bereinigten Staaten als gewiß anzusehen sei. Die amerikanische Regierung erwäge schm seit einiger Zeit die Möglichkeit des Zu'ammentretens e'ner W e l t w i r t s ch a s t s k o n s e r e n Sie sei zwar der Ansicht, das; die Initiative dazu von der englischen Regierung ausgehen müsse, um Amerika freie Hand mit Bezug auf die Bedingungen für seinen Beitritt zu lassen. In Washington ist die Stimmung bezüglich einer Einigung auf Grund der Sachverständigenderatnng gegenwärtig optimistisch. Die gleiche Zeitung schreibt ferner, daß eine internationale Anleihe für Deutschland erst möglich »ein werde, wenn das Vertrauen der Welt in die deutschen Finanzen wiederhergestellt sei. Die Höhe der Anleihe wird von dem Grade dieses Vertrau- An neuer Briefwechsel Mar Ionald- Poinmre. Paris, 1. März. (Havas.) Die zwischen Preurierm-mi.stev - MacDonald und dem Ministerpräsidenten Poincare gewechselten Schreiben werden Montag vormittags gleichzeitig in Paris und London veröffentlicht werden. Wie der diplomatische Mitarbeiter der Agence Hava's feststellt, sind diese Schriftstücke eine Fortsetzung und weitere Ausführung der vor einigen Wochen beim Amtsantritt Mac Donalds gewechselten Schreiben. Sie bilden eine allgemeine Darstellung der Ansichten der beiden Regierungen über die Mittel, die geeignet wären, «die Lösung der Probleme der äußeren Politik herbeizuführen. Veröffentlichung des Briefwechsels. llLiacndienst der „Wiener Morgenzeitung".) Paris, 1. März. Der Briefwechsel zwischen P o inc a r c und R a m s a y M a e D o n a l d bezieht sich auf das Programm der auswärtigen Politik. Der Brief Mac Donalds ist am vergangenen Sonntag in Paris eiugetroffeu. Die französische Antwort wurde Mittwoch in London überreicht. Diese Dokumente heben aufs Neue die Absicht des französischen und englischen Premierministers hervor, die Entente Zwischen Frankreich und Großbritannien enger zu knüpfen, und geben den : gemeinsamen Wunsch m erkennen, eine Politik durchzuführen, die eine Stärkung des Volke rbnndge da ukens zum Ziele hat. Der französische Botschafter in London, Graf Sa i n t-Au la i re, ist am Donnerstag von Mac Donald empfangen worden und hat den Wunsch Paincares übermittelt, daß bieder B r i e f w e ch s e l v e r ö ff e n tl i ch t wird. Der englische Premierminister bat beute die sranzö'i'che Negierung w'sstn lassen, daß er diese Veröffentlichung ebenfalls b c g r ü ß e u würde. Es ist infolgedessen beschlossen worden, daß die beiden Briefe am morgigen Tage gleichzütig in P a r r S und London der Presse übergeben werden. %n Hltler-WMß. Die Aussagen zweier Ksinparfen. (A. B.) München, 1. März. In der heutigen Verhandlung wurde, der Angeklagte Hauptmann Rohm vernommen. Er schilderte eingehend seine Einstellung vor und nach der Revolution. Das Furchtbarste sei für ihn die Nachricht von der Verabschiedung des Generals Ludeudorff gewesen. Er erachte sich auch heute noch an seinen Eid gebunden, den er seinem königlichen Herrn gegeben habe. Rohm erzählte daun von seinem Kampf, gegen die Soldatenrätc und seiner Beteiligung an der Befreiung Münchens von der Räte herrsche fr. Fm Frühjahr 1923 habe er sich mit Hauptmann Hais, tn Verbindung gesetzt, um in München eine OrtStzrupm der e i ch S f l a g g e" zu gründen. Nachdem er iermn Abschied gervornmen hatte, habe er in den ersten Otdchntngs« dj. e n s abhängen. Auch diejenigen Deutschen, die Kapital im Auslande angelegt hatten, würden sich zur Heimbeförderung desselben erst entschließen können, wenn sie die Ueberzeugung haben, daß ihr Geld keiner Entwertung mehr ausgesetzt sein würde. Die „Daily News" schreiben, -atz der erste Schritt zur allgemeinen Lösung darin bestehen mutz, an der Ruhr nndam Rhein diegleichen wirtschaftlichen Bedingungen zu "chasfen. wie sie in der Kölner Zone belieben. Es sei aber zu befürchten, -atz Frankreich sich dazu solange nicht entschließen werde, als es nicht internationale Garantien für seine Sicherheiten erhalten hat. Die nächste Frage wirdie Regelung der interalliierten Schulden sein, denn England wird sich an keiner internationalen Anleihe beteilige», wenn diese Frage nicht vorher gelöst wird. „Reichskriegsflagge" gegründet, . die als rein m i l r iä rif che r V er band auf rein militärischen Grundlagen aufgestellt war. Jlw dM en^scheidenden^BespMlWHen'mit Hitler und Knebel habe er nie teilgenommen. Der Angeklagte schilderte dann die Ereignisse des 8. November, insbesondere verkündete er Pathetisch, wie stolz er sei, daß seine „Roichskriegsflagge" gegen eine gewaltige Uobermacht beim Kvregsministermin gestanden sei. Die weiteren Mitteilungen -des Angeklagten beziehen sich auf die schließlich: Kapitulation des Wehrtreis-kommandos, dessen Verteidigung ihm besohlen worden war, vor den Reich'swehrtruppen. Nach einer kurzen Pa-use wurde der Angeklagte Oberleutnant der Reserve und Studierende der Staalswifsenschaften Wilhelm Brückner vernommen. Dieser legte die Gründe für seine nationalle Einstellung dar, die durch den Ausbruch der Revolution veranlaßt worden sei. Namentlich das Verhalten E i s n e r s habe in ihm Zeinen fanatischen Haß wachgevufen. Nach der Befreiung Münchens, an der er mitgewirkt hatte, ha-be er die Ueberzeugung gewonnen, daß n u r H i i le r mit seiner antimarxist is ch e n Einstellung der Mann fein würde, Deutschland zu befreien. Bon den Besprechungen vor dem 8. November 1923 hatte der Angeklagte als militärischer Führer keine Kenntnis. Die Teilnahme an dem Zuge in die Stadt sei für ihn selbstverständlich gewesen. Der Angeklagte glaubt nicht, daß die Schießerei an der Feldherrenallee durch einen Schüße eines seiner Leute ausgelöst Wunde. Nach der Schießerei sei er in eine Apotheke hineingegangen und habe geheult wie ein Schoßhund. Er sei stolz d a r a u f, daß er den 8. und 9. November mitgemacht habe, und würde heute genau wieder so zu seinen Führern halten. Die Sitzung wurde gegen halb 1 Uhr abgebrochen und die Verhandlung auf M o n t a g v o r m i t t a g s vertagt. Der Aurslmg des AMer-ProMs. Das Urteil. Nach viertägiger, unter Ausschluß der Oeffentlichkeit durchgesührter Verhandlung gegen die Inhaberin, des Sadiftensalons in der Biberstratze und einige ihrer Besucher wurde gestern um 9 Uhr abends in öffentlicher Sitzung das Urteil des Schöffengerichtes verkündet. Edith Kadivec wurde zu sechs Jahren schweren Kerkers verurteilt. Von den Mitangeklagten erkannte das Gericht dem Paul Kotanyi acht Monate strenge n A r r e st, dem Walter Tansfig sechs Monate st r e n g e n A r r e st, beiden bedingt, zu. Tie übrigen Angeklagten, Dozent Dr. Ernst B a chst r tz und Eugcnie D e g r a s s i wurden f r e i- Aur de« Inhalt der heutige» Nummer: Ein schmachvolles Dekret von Dr. Georg Werner. Dentfchösterreich ein Vorland Südostenropas oder Kolo^ nialland Bayerns? von Dr. Michael Sussan. Aus der Werkstatt der Börse. Friedrich Smetana sZu seinem 100. Geburtstage) vor Dr. Erwin Felder. Die sieben Kostlage (2.) von Jakob Krausz. Die jüdische Jugend in Palästina von Anitta Müller- Cohen. Aue Aufgabe der Wische« Völlerbuudliga. —V. W i e n, 2. Mätz. Henderson, der Innenminister der Arbeiterpartei, ist ins Unterhaus gewählt worden. Seine Mehrheit war außerordentlich groß und bestand in der Hauptsache aus Liberalen. Das Tadelsvotum Mac Donalds hat dem Kandidaten somit nicht geschadet. Die so viel bemerkte Rede über die Notwendigkeit der Revision der Friedensverträge hat den innersten Empfindungen der Wähler entsprochen. Die Wahl hat aber auch den Beweis erbracht, daß die Arbeiterregierung als Ganzes sich des öffentlichen Vertrauens erfreut und daß die aus der Londoner militaristisch-chauvinistischen Presse kommenden Erzählungen über die innere Haltlosigkeit des Kabinetts samt und sonders dummes Gewäsch sind. Die englische Regierung kämpft für den Frieden. 'Sie hat die Anerkennung Rußlands durchgeführt und damit bereits in fast allen Ländern den glcicben Vorgang erzwungen. Der diplomatische Verkehr Rußlands mit Europa wird langsam ins Normale übergeführt und es ist von den großen Staaten nur mehr Frankreich ansständig, dessen Verhandlungen sich bei der in Diskussion kommenden Riesensumme sehr schwierig gestalten müssen. Doch wird das englische Beispiel, das die Anerkennung der VorkriegSlchult^n Rußlands an die Zusage eines Kreditts bindet, hier das Kompromis fördern und auch diese Hindernisse für den Eintritt Rußlands in den Völkerbund beseitigen. Es ist zu konstatieren, daß mit dem Fortschreiten dieses Planes auch die bisher beobachtete abfällige Kritik Rußlands an der Institution des Völkerbundes an Schärfe verliert. Sie hat nur mehr den Charakter eines Rückzugsgefechtes, um nicht die früher in solcher Menge beliebten Flüche gegen diese Einrichtung des westlichen Kapitalismus mit einem. Schlage zu verleugnen. Diese Politik der absoluten Jntransigenz hat die Sowjetregierung schon durch die Krassin-Verträge mit Lloyd George, hauptsächlich aber durch das Rapallo-Abkommen mit Rathenau durchbrochen und so nicht nur sich, sondern auch Deutschland gewisse Möglichkeiten für die Zukunft geschaffen, die sich nun mit Hilfe der Arbeiterregierung zu entwickeln beginnen. Kann eine neue Weltkonferenz zustande kommen, die die deutschen Reparationen prüft (was ja implicite bereits die so viel gefürchtete Revision ist), so werden auch Rußland und Deutschland mit gleichen! Recht an ihr teilnehmen und sich gogortseilig den Anschluß an den Völkerbund sichern. Freilich wird es sich dann als notwendig erweisen, daß der Völkerbund zu seinem politischen und sozialen auch noch einen wirtschaftlichen Inhalt erhält, was zur heilsamen Folge hätte, daß das Geschrei der politischen Demagogie sehr stark abgeschtvächt würde. Ter Völkerbund ist nun freilich heute derart konstruiert, daß er diese Ergänzung seines Arbeitenkreises nicht ans eigenem vornehmen könnte. Dies vorzubereiten und bei den Kabinetten durchzusehen, wäre Ausgabe der Völkcrbundligen, und unter ihnen vor allem der in Bildung stehenden jüdischen Litzen. Diese hätten, da sie gleichartige Elemente in verschiedenen Ländern von verschiedener wirtschaftlicher Organisation zu einem großen politischen Zweck in Aktion setzen, zugleich auch die Möglichkeit, ein internationales, wirtsthastlichs Programm wenigstens in den Grundlinien zu ziehen, und^die anderen Ligen unter den moralischen Zwang der Stellungnahme zu bringen. Trotz aller antisemitischen Tendenzen würden doch alle Völker — dessen können wir jid)Ci sein — wirtschaftspolitische Vorschläge von jüdischer Seite sehr ernst prüfen, schon deshalb, well sie btc_intet» lektuelle Autorität der Juden ohne weiteres zugestehen \ DiejsS Wirrschattspcogramm müßte, wie schon gesagt