Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1810 (29.2.1924)
- Date
- 1924-02-28
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Sk. 1810 Wien, Freitag Wiener Morgenzeitung. Seite 11 ilmrubrik T rer „Wr.Wlorgenzettung" Krscheint jeden Ireilag „Die Stadt ohne Juden." Es war kein geringes Wagnis, gerade diesen Roman Bettaners als Stoff für einen Film zu wählen, da er bestimmt schon in Buchform in verschiedenen Kreisen Anstoß erregte; doch nach allem, was dis jetzt aus der Werkstätte dieses Films in die Öffentlichkeit gedrungen ist. dürfen wir annehmen. daß hier alles aufgeboten wurde, um diese Schwierigkeiten zu überwinden und ein für alle Teile hochinteressantes, nirgends Anstoß erweckendes Werk erfolgreich der. Oefjentlichkeit übergeben werden wird. Wir bringen heute das Bild der Hauptdarstellerin dieses Werkes, der in Wien und durch die letzten „Mondial"-Filme auch im ganzen Ausland sehr bekannten Frau Anny Milety. Diese junge Künstlerin hat in der xä. «y letzten' Zeit einen schnellen und ehrlich verdienten Aufstieg genommen,, den sie ihrem wirklich künstlerischen Können, ihrer kraftvollen Gestaltungsgabe und — nicht zuletzt — ihrem so vorteilhaften Exterieur zu verdanken hat. Sie verkörpert hier den Typus des modernen Wiener Mädels (es ist dieser Typ im besten Sinne gemeint) mit ebensoviel Virtuosität wie wirklichem Charme. Es wäre gewiß für diese Rolle keine bessere Interpretin zu finden gewesen, und wir dürfen in dieser Hinsicht schon allein an den Film, der in den nächsten Tagen vollkommen fertiggcstellt sein wird, die angenehmsten Hoffnungen knüpfen. „Das alte Gesetz." Bon Felix Brasch, Chefredakteur der ,Mlmwell". Jüdische, oder bester gesagt, Filme, welche die althergebrachten Sitten und Gebräuche der Juden oder judophile Tendenzen zeigen, sind seht „Mode". Begreiflicherweise! Denn, während die sahrtäüsendealten Ueberliefevungen eines Volkes in allen, demnach auch nichtjüdischen Kreisen, zumindest jenes Interesse erwecken müssen, das Reise- und Abeuteurerfilme, die den Zuseher in ferne öder unentdeckte Weltteile, führen, entgegengHracht wird,' haben die prosiidischen Tendenzen der anderen Filmgruppe so manchen Nichtsuden. der angesichts der Verhetzungen politischer oder religiöser Natur nach Erkenntnis der Wahrheit strebt, die Augen geöffnet über Dinge, die er früher nie begriffen oder die ihn das Judentum falsch beurteilen liehen. ' Ist zudem bet jüdische Film ein guter — wie es bei ,L>st und West" und bei .Mddisch" der Fall war — und wie es nunmehr „Das alte Gesetz" ist, wird es begreiflich, wenn sich diese Art Filme' nicht als vvrnbergohmde Mode, sondern als Filmart dauernd in dem Kinorepertoire aller zivilisierten Länder erhalten und viele gute Dienstelm Sinne der allgemeinen Volksaufklärung leisten wird. Das nachdrücklichste Lob für diesen Film, der — jeder weiß es, niemand jagt es — die Geschichte Adolf Sonnentals zur Grundlage hat, verdient der Regisseur E. A. Dupont. Feinheiten, wie das symbolisierte „Einsam in der Welt wandern", das verkehrte Ausschlagen des Buches durch den Rabbi, der bisher nur hebräische Bücher in... der. Hand hatte, und dergleichen vieles mehr, zeigen. die künstlwische, . unendlich eindrucksvolle und wirksame Auffassung des Stoffes. Henny Porten spielt mit der Erzherzogin Maria. Theresia den Daus ex macht na des Films, jedoch keim eigentliche Hauptrolle. Trotz- .i>em tritt diese Figux, die sie. so graziös, lieb und liebevoll nach .den Ueberlieferungeu der Geschichtsbücher darstellt, aus dem Rahmen des Werkes. Ernst Dent sch, offenbar gleich vertraut mit den Gebräuchen des Ghettos, iviä denen her Theaterwelt. stellt -einen lebenswahren Baruch aus die Beine. Avr-om Morewski als alter Rabbi ist erschütternd in den tragischen Momenten seines Spieles. Seine Darstellung ist wieder so lebenswahr, daß inan seine schließliche Abkehr von der Abgeschlossenheit des Ghettos, die weder durch die Thränen seiner Frau, noch durch fein eigenes Leid oder die Erfolge seines einzigen Kindes, wohl aber eines Nachts durch das Lesen von Shakespeares Werken hervorgerufen wird, als unglaubwürdig, also «IS- 'schwächste Stelle der Handlung empfindet. Robert Garrison als Rüben Pick, Hermann Vallentin als Burgtheaterdirektor Laube, Margarete Schlegel als Braut, Alioe Hechy und Alfred Abel in Episodenrollen schufen treffliche Gestalten, die sie treffend und wirksam zu charakterisiren wußten. Das alte BurMeater und. seine Gestalten, Bilder aus dem Hosleben und die Wiener Burgmusik ■ sichern dem Film, abgesehen von allem anderen, lokalpatriotisches Interesse aller Schichten der hiesigen Bevölkerung. „Die Junggesellin." (La gareonne.) Der Roman Viktor Marguerittes hat die Auf« lageMer von einer Million erreicht Ünd muß docher an Lesern ein Vielfaches dieser Zahl besitzen: Hätte nun der eben der« - storbene Armand du Plessh dieses Werk nach den, allerdings noch nicht feststehenden R-egeln der Frlmdramaturgie verarbeitet, wäre ein Film entstanden, der das Publikum, das das Werk Marguerittes kennt, sicherlich enttäuscht hatte, ausgenommen vielleicht den Filmreferenten des „Tag". Dies muß man in erster Linie bei der Beurteilung dieses Filmes berücksichtigen. Daher mutz man auch die Titel, die nichts anderes als Zitate aus dem Buche sind, in ihrer ungewöhnlichen Bxeite hinnehmen. Somit ist dieser Film absolut Nichts anderes als eine Illustrierung des Roinanes und muß als solche gewertet werden. Und sie ist wirklich wertvoll. Zunächst ist die Besetzung aller Rollen fast ausnahmslos sehr gut von durchaus charakteristischen Typen durchgefuhrt, di« lebenswahres Spiel bieten. Es sei hier beispielsweise der Darsteller des Regis herausgegriffen, her eine ausgezeichnete Verkörperung des schwerfälligen und schwerblütigen Menschen bietet, der sich absolut nicht mit der Vergangenheit einer Frau abfinden kann, nur. aus der gekränkten Eitelkeit hergus, nicht der erste und. einzige gewesen zu fein. So unsympathisch dieser Mann physisch, auf eine Frau wirken muß, so begreiflich ist es wiederum, daß., gerade diese Frau -sich ihm in -die Arme wirst, weil sie hier Schutz vor der. Umwelt erhofft, die sie. in soignierten und „schönen" Männern zu ihrem Nachteil kennen lernte. Und dieser an und für sich gutmütige Koloß, der sich verschmäht sieht, der in seiner ganzen gockelhaften Eitelkeit tiesgekränktist. verfällt in. einen dumpfbrütenden Zustand, aus dem ilm ein überraschendes Ereignis zu einem jähen Zornausbruch reißt — und dann fällt der Revolverschuß. So und nicht anders konnte dieser Mann charakterisiert.werden und so zeichnet ihn der Oer grosse Film im jüdischen Milieu Das alte Gesetz Hlenny Porten .... Erzherzogin von Oesterreich Margarete Schlegel. Esther Ernst Deutsch .... Hofburgschauspieler Hermann Vallentin . Heinrich Laube, Hofburgtheaterdirektor Ab heute bis 3. März: Elite-Kino, 1. Kärntner-Kino, I. Opern-Kino, 1. RotenturmKino, 1, Zirkus Busch-Kino, II. Central-Kino, 11. Haydn-Kino, VI. 4. bis 6. März: Central-Kino, II. Eos-Lichtspiele, III. Flieger-Kino, IX. Heimat-Kino, IX. Astoria-Kino, XVII. l)r. Ewald & Co., Wien, VII Ab 7. Märzi Arkaden-Kino, VIII. Abbazia-Kino, XV. Kino Han dl, XV. Kino Weltspiegel, XVI. Währinger Bilrger-Klno, XVIIl. Vindobona-Kino, XX. 29. Februar 1924 , Film. Daß diesex Mann-in einem Zornesausbruch keine hundert Meter lange pathetische Vorstellung-geben kann, ist wohl - einleuchtend, ergo wickelt sich all das spontan ab. Dies sei als Beispiel hier allein angeführt, wie tief die Regie auf die ^Charakteristik der einzelnen Figuren eingegangen ist. Ausgezeichnet ist France Dhelia als Garconne. Sie charakterisiert die beiden Teile ihrer Rolle und ist sowohl als SASCHA-FILM bvingt (Die Giftmischerin) Ein Paramount-Film in 6 Akten mit POiA NEGRI Ab heute bis 3. März: Imperial-Kino, I. Rotgasse 9 Tuchlauben-SCino, I. Tuchlauhen 7a Burg>KIno, 1. Opernring 19 Gartenbau-Kino, I. Parkring 12 Löwen-Klno, 111. Löwengasse 33 Atlantis-Kino, V. Wiedner.Hauptstrasse 108 Lichtspiele Wienzeile, VI. Linke Wienzeile 4 Vom 4. bis 6. März: Schottenring-Kino, I. Schottenring b Kammerlichtspiele, III. Schwarzenbergplatz 6 Haydn-Kino, VI. Mariabiiferstrasse 57 Zentralpalast-Kino, VII. MariahilferstrasBe 120 Schönbrunner Schloss-Kino, XII. Schönbrunner Sehlosstrasse 4—8 Eine Tragödie verirrter Liebe und Leidenschaft in 5 Akten 1 heute bis 3. Min: üb 1. bis 6. März: Ifa Palast-Kino, II. Kosmos-Kino, VII. Burg-Kino, I. Gartenbau-Kino, I. Lichtspiele Wienzeile, IV. Löwen-Kino, III. Ab 7. bis 10. März: Flieger-Kino, IX. Hargaretner Bürger-Kino, V* I PAN-FJLM A.O., WIEN, VII. ■ ■■«■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■ BaaiBEii ■ ■ j,Vita Filmindustrie .6. Wien, VII. Bezirk, Neubaugasse Nr.1 Fabrik Rosenhügel 5 In Vorbereitung: IL’IMAGE | (Das Bildnis) ■ Regie; Jacques Feyder ■ ■ H au ptdarsteller:; Frau Arlette Marchal Herr Malcolm Tod a ailflii ■aaHnsiHBamuaafiiMafiaBBaiiaaaiBaaaaBB