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Wiener Morgenzeitung · 1924-02-28 · Heft 1810 (29.2.1924) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1810 (29.2.1924)
Date
1924-02-28
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Men. WreTfeg Wiener Mnrnenzeit»rnft« •h. IM «e^'8 ZS. FeVruar 1SS4 Olympische Spiele 1924. Zahle«, die interessieren. Anläßlich der Winterolympiade in Chamonix brauchte nan 22.000 kleine Fähnchen, mn die Bahn für den Ski-Langstreckenlauf zu markieren. — Die Olympiade kostete rund 3,5 Millionen Franken (42.735 Millionen österreichi« che Kronen), wovon die Stadt Chamonix 2 Millionen (24.420 Millionen österreichische Kronen) jn ihren Lasten nahm und der Rest durch Subvention der Regierung gedeckt wurde. — Die Einnahmen waren mager. Sie erreichten die Höhe von 130.000 Franken (1587 Millionen österreichische Kronen). Einzig di« Postverwaltung hat ein glanzendes Geschäft gemacht. 380.000 Worte wurden telegraphisch in die Welt gesendet. Die Presse hei feit Spielen. Das olympische Komitee ha> das Syndikat der S^ortpresse an^gefordert, sich um den Emp'ang der ausländischen Journalisten, die nach Paris kommen. zu benrühen. Mon hat deshalb Unterkommissionen gebildet. Die Empfangskommission setzt sich zusammen ans den Herren Geo Lefevre. Präsident; Frank-Puan. Vizepräsident. Diese Kommission wird am Sitz des olympischen Komitees einige der fremden Sprachen kn« dvge Journalisten zur Verfügung stellen, die den ausländischen Kollegen jede gewünschte Auskunft zu geben höben. Die Ehrung btt Sieger. Laut Beschluß des internationalen olympischen Komitees soll der Mauer des olympischen Stadions m Colombes ein Platz reserviert werden, der dam dient, die Namen der Sieger «inzugravieren. Das schwedische uiifo belgische olympische Komitee w'rden aufgesordert. die Frage zu studieren, ob dem Beschluß nicht auch rückwirkende Kraft für die beiden letzten Dlyvipiaden gegeben werden kann. Wird am kommenden Sonntag gespielt werden? Der Winter beherrscht auch weiterhin unsere Stadt, was die Fußballer wohl am empfindlichsten fühlen dürften. Die Schiedsrichter drücken am vergangenen Sonntag beide Augen zu, damit die Vereine den ersten Meist rschaftsterm in nicht verlieren. Wir hatten Glück, den« es ereignete sich kein ernster Unfall. J>n den lebten Tagen hat sich das Wetter womöglich noch verschlecht-rt. Während des Tages übersteigt die Temperatur d?n Nullpunkt, so daß sich die harte Eisfläche und die Schneedecke in Kot verwandeln. Während der Nacht hinae^en fällt, das Thermometer bis zu 5 Grad untrer Null, wodurch der breirae D"den, dcr durch die Fußtritte uneben geworden ist, hart -und hügelig wurde. Die Svielseldnr machen setbstverständ- Äch diese Wandlung mit. weshalb sie sich derzeit in einem tr stlosen Zustand präsentieren. Für den kommenden Sonntag sind nun wieder Meist.rschaslsioiele angesetzt, und es wäre ga>nz verfehlt, wen« man dos Glück nochmals versuchen würde. Am vergangenen Sonntag bat sich wohl kein Unglücksfall ereignet, das bietet aber noch keine Gewähr, daß auch die Spiele vom kommenden Sonntag ebenso günstig v rlaufen. Es ist also nur zu erklärlich, daß das Schiedsrichterkollegium die einzelnen Vnparteischen ersucht, die Sportplätze am Sonntag um 10 Uhr vormittags zu prüfen und nur da « die Erlau'bnis zum Spielen zu geben, wenn die Bodenverhältnisse als gut bezeichnest werden können. Wenn sich die Witterung bis am Sonntag nicht wesentlich bessert, dann sollen die Spiele mit Rücksicht ans die Gesundheit der Fußballer nickt ausgewogen werden. Sollten sie dennoch zur Durchführung gelangen, dann können nicht nur di« Spiek'r. sonder« auch die Vereine zu Schaden kommen, da die Spielfelder ganz erheblich beschädigt werden dürsten. Der S. E. Kadimah wird in dieser Saison einige Spiele Mn erstklassiae Mannschaften absolvieren. Wettsviele gegen Vienna. und Ostmark sind bereits abgeschlossen. Wegen eines weiteren Wettspieles gegen eine erstklassige Mannschaft steht die Sektion in Unterhandlungen. Kommende Wettspiele i« Prag. Samstag: Cechre Karlin gegen C. A. F. C. — Sonntag: Slavia gegen Viktoria Zizkov, Sparta gegen Meteor Dinohrady, Meteor 8 gegen Viktoria Vnrohrady, Nuselsky S. K. gegen S. K. Nusle, A. F. K. Vrsovice gegen S. K. Smichov. — D. F. C. gegen D. S. K. Wittkowitz. Der 1. E. S. K. Bratislava spielt in der kommenden Frühjabrssaison in Preßbnrg gegen die Wiener Vereine Admira, Sportklub und Hertha, überdies gegen die Budapest« Klubs B. T. C. und Kispesti. Die spanische Nationalmannschaft, die am 9. März in Mailand gegen Italien spielt, wurde wie folgt aufgestellt: Zamora (Espanol); Vallana (Arenas. Bilbao), Acedo (A. C. Bilbao): Gamborena (Real Jrun), Meana (Gijon), Samitier (F. C. Barcelona): Piera (Barcelona), Zabala (Oviedo), Travieso, Carmelo, Aguirezabala (alle drei A. C. Bilbao). Der F. L. Europa ans Barcelona brach, wie wir bereits berichteten, das Meisterschaftsspiel gegen den 1. F. C. Barcelona mutwillig ab, weshalb ersterer Verein vom spanischen Fuß^attverband empfindlich bestraft wurde. Der F. C. Europa beschloß nun in einer außerordentlich einberufcnen Generalversammlung aus dem spanischen Fußballverband ausmtreten. Der Stand der italienischen Meisterschaft. Mit seinem 5:0- Siege über Brescia (das jetzt an zweitletzter Stelle der 12 Klubs umfassenden Gruppe steht) hat sich Genua die Meisterschaft der A-Gruppe mit 25 Punkten vor Livorno (21 Punkte) gesichert. Padova folgt mit 20 Punkten und Aleffandra mit 19 Punkten. — In der Gruppe B ist die Frage, wer das Championat machen wird, eher offen. Dormo führt mit 22 Punkten vor Pro Bercelli (21 Punkte) und Bologna (20 Punkte). Kadimah—Union. Das erste Meisterschaftsspiel des S. C. Kadimah findet am 9. März um 1 Nor nachmittags auf dem Ostmark-Platze statt. Um halb 3 Uhr Meisterschaftsspiel Hakoah —Ostmark. Abends im Cafe Landtmann Kadimah-Redoute. Die Haloah-Ansstellunwird Samstag den 1. Märr, 12 Uhr mittags, geschlossen. Alle Mitglieder, die ihre Preise ausgestellt haben, wollen dieselben im Kunstsalon Ackermann längstens bis Montag den 3. Mär», 6 Uhr abends, abholen. Das Bndapester Ostertnrnier. Ostersonntag: U. T. E. gegen F. T. C. (Meisterschaft), Union St. Giloise (Belgien) gegen M. T. K. — Ostermontag: Union St. Giloise gegen F. T. C.,.Slavia gegen M. T. K. wir euch hiermit höflichst einladen. Wir werden bei diesen Schauturnen ein Geräteturnen einschalten, zu welchem bereits Anmeldungen vorliegen. Das Geräteturnen umfaßt ein gemischtes Riegenturnen am Reck, zu welchem die einzelnen Vereine ihre besten Tuner entsenden können; für Unterkunft wird bei rechtzeitiger Anmeldung (bis spätestens 12. März) gesorgt. Wir behalten uns vor, angemeldete Teilnehmer nach vorheriger Probe zuzu^ssen oder abzulehnen, um dre Gewähr für wirkliche erstklassige Darbietungen zu haben. Wir werden uns freuen, auch euch bei diesem Anlaß vertreten zu sehen und verbleiben mit treujüdischem Turnergruß Erster Wiener jüdischer Turnverein Makkabi. Für den Turnrat: Wellwarth. Leichtathletik. In Chicago veranstaltete der Illinois Atbletic Club, dem auch der Rekordschwimmer Weismueller angehört, ein Hallenmeeting, welches vor 10.000 Zuschauern vorzügliche Resultate zeitigte. Im Hochsprung siegte Osborne aus New-Aork mit der Glanzleistung von 197,5 Zentimeter vor Rüssel mit 190,5 Zentimeter. Osborne gewann auch den Hochsprung vom Stand mit 162,5 Zentimeter und wurde Dritter im Weitsprung vom Stand mit 319,5 Zentimeter. Im Kugelstoßen erreichte Schwarz nur 13,60 Meter, Anderson gewann 70 Aard Hürden in 8,6 Sek., Coafsee 70 Hard glatt in 7,2 Sek. Im Läusen über 2 englische Meilen siegte Joie Ray in 9 Min. 34,6 Sek. Zwei Frauenweltrekorde wurden bei diesem Meeting verbessert: Miß Helen Fitteh lief 70 Aard in 8,6 Sek. und 70 Aard mit Hürden m 10 Sek. Boxen. Schwimmen. Neuer französischer Rekord. In Paris hat am Freitag abends der Schwimmer Bouvier über 100 Meter im Brustschwimmen mit 1 Min. 21,8 Sek. einen neuen französischen Rekord ausgestellt. Der Erste Wiener jüdische Turnverein Makkabi, Wien, 9. Bez., Liechtensteinstraße 20, versendet folgendes Rundschreiben an alle Indischen Turnvereine. Liebe Turnbrüder! Wir veran? stalten anläßlich unseres 25iährigen Gründungsfestes ein großes Iubiläums-Schauturnen, das Samstag den 22. März in den Sophiensälen, 3. Bez., Marxergasse 17, stattfindet und zu dem Die Europameisterschaft im Fliegengewicht» Bretonnel verteidigt seine» Titel. Lyon, 27. Februar. (Havas.) Um die Europameisterschaft im Leichtgewicht standen einand.r heute der Verteidiger des Titels Bretonnel uud sein Herausforderer Baudry gegenüber. Der Kampf ging über die ganze Strecke von 25 Runden. Der Sieg nach Punkten wurde Bretonnel zugesprochen. Touristik und Wintersport. Hakoah (Touristik- und Skisektion). 8. Bez., Bennoplatz 1. Telephon 89.269. Zusammenkünfte reden Freitag von 8 bis 10 Uhr abends. Am Freitag den 9. März findet im Sektionsheim ein jüdischer Abend statt, bei dem folgende Künstler milwirken: Oskar Beregi (Deutsches Volkstheater). Robert Goldsand (Klaviervirtuose), Oberkantor Postolow (jüdische Volkslieder), N. Reismann (jüdischer Humor). Anschließend Tanz. — Skrprogramm für Sonntag den 2. März: a) Schneeberg. Führer Rosenblum, b) Rax. Führer Raubitschek. Abfahrt: Vortag um 16.30 nach Payerbach. Näheres über Skisahrten im Wienerwald im Klubheim. ■ Lawn-tenM Daß interne Tischteunis-Handikiw der I. S. B Hechawer. Vorige Woche wurde das Ping-Pong-Turnier unter Leitung des Herrn Dr. Dikler im Bereinsheim, 3. Bez., Damvfschiffstraße 20 (Cafe Lido), durchgeführt. In die Entscheidung kamen Zimmer und Flußmann. Zimmer konnte einen leichten Sieg erringen. Von oen übrigen Teilnehmern sah man nur mäßige Leistungen. Dagegen spielten die Damen, wie ftiäufein S. Schmerzler, Stein, Frau Dr. Reiß und insbesondere Fräulein Feldmann, ausgezeichnet. Da Hecbawer in den nächsten Kämpfen mit Duldig und Dr. Dikler antritt, dürfte ein ehrenvolles Abschneiden zu erwarten sein. Neuaufnahmen und Uebungsabende täglich im Cafe Lido. Edel, ein vorzüglicher Tischtennisspieler, hat sich beim I. S. C. Hakadur angemeldet und hat die Sektionsleiterstelle für Ping - Pong übernommen. Aus den Vereinen. Hechawer. Fußballsektion: Heute Freitag Spielerversammlung, Mannschaftsaufstellung. Nur Anwesende, die mit den Beiträgen nicht im Rückstand sind, werden berücksichtigt. Sonntag Meisterschaft gegen Prater-Sportklub auf dem Union 21- Platz (16er Wagen vis Jndustriestraße) um 10 Uhr. Um halb 9 Ubr spie en die Reserven. — Touristensektion: Heute Sektionsabend im Cafe Lido, 3. Bez., Damp'schisfstraße 20. — Geselligkeitssektion: Sonntag gemütliche Zusammenkunft mit Tanz im Wiener Ring-Cafe, 1. Bez, Stubenring 18. Kartenvormerkunaen^ Logenbestellungen für die Frühlingsredoute (Olympiasäle) beim Komitee. Kadimah. Heute Freitag Training der Schwerathleten, Samstag, Präzise halb 8 Uhr abends, im Klubheim wichtige Spielewollverfammlung. Sämtliche Spieler der ersten Reserve und Jungmannschaften wollen bestimmt erscheinen. Die Kadimah will in der kommenden Saison einige Jungmannschaften wieder aufstellen und wollen sich daher die Spieler der Jnngmannschaften bestimmt einfinden. Neuaufnahmen im Klubhenn, 9. Bez.. Berggasse 33, Cafe Metropol. DaS Training beginnt nächsten Dienstag ab 4 Uhr nachmittags auf dem Ostmark- Platz. Young Iewish Sportiu g Club. Heute Freitag, Punkt 8 Uhr, Lettungssihung im Cafe Arlon. Anschließend Ping- Pong-Training. Morgen Samstaa, 8 Uhr, großer GesellscbaftSabend im Cafe Siller, 1. Bez., Schwedenplatz. Akademie, Jazzband, Tanz. Sonntag den 2. März. Fünfuhrtee im Goldsalon des Cafe Siller (Souterrain). C»pyrirh 1#SS by Bmlsch-Lk-erreichttcher Vertag, Dien. Nackidnuk «»rb»tea Die Heimatlosen. Bon Wilma vukelich. Fast wie Erbitterung stieg es auf tot Alfred; der« or liebte di-efes Land wie seine See'le und war krank an dem Leide seines Landes. Er empfand niemals, daß er rin Jude war. Ja, er haßte de« Juden, der das Land rro'bvrte umb seine Eigenart fälschte. Und liebte alles, «was feine Seele als txott magyarisch empfand: das ungarische Lied. Die Melanch)l:e der Pußta. Tie sar.d'gen fttten Jbuhdün-en. Ten kernigen Bauern, der wie ein Stück Ge- Mchte wirkt, vornehm und kensevrativ an seinen Traditionen häwzt. Und er liebte Budapest, Budäpch de« allem, riit seinem beißen und wirbelnden Lebenspuls. Mit seiner Fülle von Gegensätzen. Mit seinem Ku-lturhunger, der die Iugentz ^ßortreißt, fte trägt, so daß sie gar nicht rmre wird, daß der Bcden nnier ihren Füßen längst verloren gegangen. Er liebte Adh Cndre und die Kafka. Er liebte die An>m>nt des Lutsifpielthcaters rmd die leichte geistige Bewag'lichieit des „Westklubs", der dir Künstlerjwgend faanmelte. Und die lleidenschaftliche Pvegreffivität diaser Jugend, ihr südliches Temperament und ihre orientalische Phantasie. Und die Frauen Budapests, die leicht sind und ^warmh-e^ig. Die Gassenjungen... den schlauen, lebenstüchtigen und optimistischen Jaz... der entweder ein Apache wird im großen Stil oder aber der Ahnherr eines , Patriziergcschlechts. Tenn jeder dieser kleinen verschla-- genen.' verschmirten Buldapefter Buben trögt den Ministerurt-b Feldherrnstab in seiner Tasche. Er ist heimisch auf jenem Pflastzrr, aus dem die K-rnijunkturen wie Pilze schießen. Er ist daheim in dieser Stadt der untbegrenzten Mvglichleiten, der Emporkömmlinge und aller jener, die emprrkommen wollen. Rücksichtslos. Ohne Skrupel. Einer über >den Kopf -des andern. Die Geigen schrien. Und heiß und dick lag die Luft nfejc dem verrauchten Lokal. Tichaimer aber gröblte. Er harte ein Mädchen von der Straße hererngoschleppt. E'ne schlanke kleine Range Mt einem unmöglichen rotbl-cinden Haarzopf. ,Jch werde dich zur Gräfin machen, mein Kind . . . ich werde dich in Seide und Spitzen kleiden." Tann wollte er die Kleine um jeden Pre-.s bereden, auf den Tisch zu stvigen und Tschardasch zwischen den Gläsern und Flaschen zu tanzen. Er schrie ihr in die Ohren: „So hat die Pcklmay angefangen. Do hat die Blaha angcsangen. Tschardasch auf dem Tisch, zwischen vollen Gläsern mit der ungar scheu Grazie und Melancholie geta.nzt..." Auch der schweMütige Tibor hatte getrunken und wurde geistreich. Lajos sprach bereits feit einer Viertelstunde, nur hörte ihm keiner zu. Eben hielt er bei dem Satze: „Unsere d.m Gedeihen dieses Landes gewidn>ete kulturelle Tätigkeit . . als Tihamer ihm hinterrücks ein Glas Wein in den Kragen goß. Nur Daniel war still und in sich gekehrt. Sein Gesicht ßrh grau uud mühe ans. Abgearbeitet, enttäuscht und wenig jung. Wir sind zu a!lt, dachte Daniel. Und Sonnen nur vererben. Unser Leid belastet die anderen. Gibt es da eine Rettung? Am Nebenftii'che hatten sich Husarenosfiz-ieve mcder-- gelassen. Fe'che Kerle. Schlank, breitschultrig, mit glattrasierten Knabengesichlevn, überlaut und ziemlich angefchwipst. Rückten mit entsprechender Unverschämtheit an. Man . wußte, tver man war . . . und mit den Stammgästen der ,^Gel>ben Tulpe" brauchte man wirklich nicht viel Umstände zu machen... Man rasselte einfach mit dem Säbel und fuhr jedem über das Maul, dem es nicht recht war. Punütum! Die Hnsaren also waren bereits in jenem Zustand zwischen Sein und Nichtsein, dem seligsten, der sich überhaupt erreichen läßt. Und hatten ihren grcßen Wortführer bei sich, einen schneidigen Zivilisten von durchaus westeuropäischem Aussehen. Ter mit seiner em-rgischey Adlernase enw> dem elegcmt<en Kavaliersbärtchen auf e'm Haar so anSsah, wie Ti^hamer gern ausgesehen hatte. Und er redete, mit leichten, flotten Geften. wahrend die übrigen gröhlten, lachten u>nd die Kopfe zusammenfteckten, um mor ja keines seiner Worte zu verlieren. Die Bündler hatten genug mit sich zu tun. Lajos fchinvpfje, weil sein Kragen naß war und völlig durchweicht. Tibor aber schlief schnarchenmit offenem Munde, was sein Aussehen keineswegs hob. Alfred hatte sich erhoben. So stark war feine Sehnsucht geworben, daß sie einem körperlichen Uebolfein glich. Er mußte don Saal verlassen, um nicht zu ersticken. Ins Freie hinaus! Sterne seihen! So über alles sehnte er sich nach Reintheit^uind Erlösung. Und in diese Sehnsucht schien ihm alles einzümün'den: die Liebe zur Heimat. Der Drang, zu schassen. Ja. die Möglichkeit, sich selber zu retten aus fcVfem Chaos, aus dem wüsten Lärm der gurgelnden Stimmen. Aus dem stickigen Dampf dieser Luft, irie nach jedem Laster roch. Aus dem to^en Durcheinander der Leiber, die sich verschlangen und abftießen ... vn Liebe, in Haß, in schlnutziger Girr. Und dann stand er einsam in den verlassenen Straßen, üb-r die die Nacht ihr wirbelndes Sternengold ausstreute. Und die Nacht Hub an zu tönen. Uud Alfred hörte, ivas dlese Nacht zu chm sprach. Und er wußte Plötzlich: nun würde das Merk erstehen. Das große erlösende Merk. Aus dieser Sehnsucht und aus dieser Weite. Und er nannte es: „Das Lied don der Heimat." * Daniel war im Saale zurückgeblieben. Er mußte bleiben, denn Tihamer war völlig trunken und suchte Händel. Vorerst suchte er sich um jeden Preis am Nachbartische bemerkbar zu nrachen. Sein Auftreten wurde noch einmal ,so prahierifch. Er schrie. Kchrte den großen Kavalier heraus. . . schließlich pfiff er der kleinen Rotblonden, die bereits bede,Eiche Grimassen schnitt, einen verrückten Wa-.'zer und wollie einen Tango arrangieren mit allgemeiner Beteiligung, wie er überlaut hervorhob. ^Metzung

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