Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1809 (28.2.1924)
- Date
- 1924-02-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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nt HW Wien 7um Ahhoten in der Expedition, M., Taboratr. 1 -3, oder in einer Versch1e'««tel1e (Trafik' roonatl. K 35.H00 Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Ciold««cbrniedt, l. Be*.. Wollzeile 11. Mit Postveraand für Whsn o. Oesterr. mnnatl. K 85.000 Taehecho-Slowakei: Mon. K IR. Inwoalawien: Mor rtinai60.Polen:Mon. 3V* Zloty, Hentaehiand Mon Goldmark 4, F r a n 1* Belgien Frca. 12 Naeht•h,n&?«n *VHI b(i Prelaerhöhumret* vorbrhalle« Rr. 1809 Wiener »^>WW«a«W«WOWW«MWW»«W>»»»I>W«W>««W»MWW«»>MW^^ Wien. Lonnerstag. 88. Februar 1934 T'FäN^O Prof. Stelnaeha Ver jüngungsinethodeimPilm Po’eniDoU 200-00, Italien: Monati. 12 l ir, Rumänien Mon. 1301.* Bulgarien Mon. 80 1.ewi Sch w e i 7 nnd das übrig Ausland monatlich Frcs.1 Redaktion u. Administratio Wien. II., Tahorstvasse 1 — Telenhone: 44’-n-<l*.43-3-tf ab 6 Ubr abds. 19-483,25-28 Tel.» Adr.:„Mor<»enseitunjr Wien Oesterreichisches Poatspai kaasen- Konto Nr. 150.69 iwwjmw liiw- Miiiiiipma ■wmwmwpUB 6. llabraang Ae Verhandlungen im Bankenstreii unterbrochen. Die unter: item Vorsitz des Bundeskanzlers Dr. Seipel geführten Einigungsver» Handlungen sind gestern spät abends unterbrochen worden, nachdem Dr. Seipel selbst konstatiert hatte, datz die Gegensätze in den beiderseitigen Forderungen im gegenwärtige« Stadium nicht überbrüekbar seien und daher eine weitere Fortführung der Verhandlungen zwecklos erscheine. Der Bundeskanzler erklärte sich bereit, im geeigneten Moment seine Intervention wieder fortzusetzen. Es wird erwartet, datz in zwei bis drei Tagen die Verhandlungen wieder aufgenorumen werden. Heute wird der Bankenstreik im Nationalrat zur Sprache komme», Mer als Aohd George. Der Bund „Oberland". — Poehner über Kahrs LnwabrhaMskett. - Ae Wohnnngsadreffe der unbekannten khrhardt. sEigendienft der „Wiener Morgenzeitung".) Kousliltlult. | —y. Wien, 28. Februar. Zwischen, der deutschen Reichsregierung und dem Aeichstag ist ein Streit um die Vollmachten entstanden, di« seinerzeit dem Kabinett Stresemann erteilt worden waren. Als sich im Herbst der Reichstag zur Einwilligung in die „legale Diktatur" bereit fand, hatte er nur die Wahl zwischen dieser Regierung und dem aus München angedrohten illegalen Direktorium, zu dessen Erzwingung die Nationalsozialisten und die bayrische Regierung ein wohlbewaffnetes Heer an der thüringischen Grenze zusammengezogen hatten. Der jähe abrollende Prozeß der Markentwertung hatte Panik und schwere Unruhen erzeugt. In Berlin plünderten Äpack^n unter Führung von Hakenkreuzlern die jüdischen Geschäfte des Scheunenviertels, in Sachsen waren kommunistische Revolten ausgebrochen, im Reichstag forderte der Konservative Westarp die Bauern zum Wucher auf. Die Regierung mußte die Situation in ihre Gewalt bekommen und zwang dem Reichstag eine bis Mitte Februar laufende Vollmacht ab. Sie erließ zur gleichen Zeit mit der Proklamierung des Ansnahmszustandes eine Reihe von finanztechnischen Vorschriften und entsandte den neuen Reichsbankpräsidenten Schacht in die Weststaaten, um bezüglich ihres Planes einer Golduotenbcmk zu sondieren. Tatsächlich hatten diese Maßregeln insoweit den gewünschten Erfolg, als sie die Panik "'zum Stehen brachten. Die politische Erregung wurde durch den Mißerfolg des Hrtler-Putsches besänftigt und das inzwisclM gebildete Kabinett Marx konnte in Ruhe seine Reformavbeit ausnehmen. Es begann mit einer Verordnung über den BeamtenabbM und, zeigte Miene, den Achtstundentag gemäß den FordorUrWn der Industrie anzutasten. Beides ging schlecht aus. Es wurde demnach die Frage nach dem legalen Fortbestand der Ermächtigungsgesetze aufgeworfen und damit kam der Konflikt offen heraus. Der Reichskanzler Will die Vollmacht nicht opfern und läßt es auf Biegen oder Brechen ankommen. Er kündigte die Auslösung des Reichstages noch vor Ablauf der legislativen Frist an und erzielte dadurch den Augenblickserfolg, daß die Parteien eine nochmalige interne Beratung akzeptierten. Aber der Reichstag ist bereits altersschwach und für die großen Aufgaben, die seiner harren — Lösung der föderalistischen Krise, Repärationsfrage — nicht mehr tvagfähig. Es wird früher oder später zu den Neuwahlen kommen müssen, obzwar die Situation des Reiches dadurch einer sehr gefährlichen Belastungsprobe ausgesetzt wird. Die nationalistische Propaganda hat sich seither nur äußerlich in zahmere Formen bringen lassen. Sie hat an Schlagkraft nichts verloren, im Gegenteil, durch die außerordentlich unklugen Attacken Stresemanns gegen die Entente noch gewonnen. In Thüringen und in Mecklenburg haben die Völkischen 'bä den Wahlen einen Vorsprung errungen und es ist nicht unmöglich, daß auch die Reichstagswahlen einen großen Sieg der Rovancheparteien bringen werden. ,Es würde sich dann das groteske Bild ergeben, daß in den Ententestaaten die gemäßigte Richtung eingeschlagen wird, denn die Wahlen in Frankreich weiden die chauvinistische Politik Pomcaves nicht bestätigen und in England sitzt die Arbeiterregierung trotz aller Wolfs- Meldungen fest am Ruder. In Deutschland dagegen öläst der Wind von rechts. Die politische Sabotage der Friedensbemühungen, die unter dem Druck der Mavkkatastrophe für kurze Zeit geruht hatte, würde wieder mm System werden. Das eröffnet keine guten Aspekten für die Zukunft! und es ist charakteristisch, daß die Regierung Mae Donalds in neue Besprechungen mit Frankreich über die militärische Kontrolle in Deutschland nntreten will. Sie sieht, daß alle Bemühungen, eine Erleichterung ftir Deutschland zu erzielen, von den Reichsparteien durchkreuzt werden, und die auffallende Angst der Zentralstellen vor 'dem Hitler-Prozeß, die sich im Zuge der Voruntersuchung geltend machte,, hat in der Zeichen Weise retardierend gewirkt wie Stroftmanns Indiskretionen über die Psa'lznote und seine Forderung moralischer Reparationen für die „Infamie der Kriegsschuldlüge".. Dem Minister des Aeußern ist wieder einmal zur Unrechten Zeit die Zunge durchgegangen und den Schaden hat jetzt wieder d '> deutsche Volk. Für die Rechtspresse ist natürlich wieder das Signal zu einer nenen Offensive qege>ben worden. A. B.) München, 27. Februar-. Zu Beginn der hantigen Verhandlung wurden von 'der Verteidigung noch einige Fmgen an Hitler gerichtet. Danur wnvde in'die Bevnchmung des Tierarztes Dr. Weber einMgangen. Der Vorsitzende konistatierte, daß Dr. Weber viereinhalb Monat im Felde gestanden fei und an den Befreiungskämpfen in München und Obcvschlesten teilgenommen halbe. In den Letzten beiden Jahren war Weber in der vateMndischen Bewegung tätig. Er ist erster Vorsitzender -es Bundes „Oberland", dessen Militärischer Leiter General Aechter ist. Dr. Weber verbreitet sich einWheud über die Orgamsation „Oberland", ohne dabei jedoch irgend etwas besondevs Wichtiges und Interessantes zu erzählen. Das Gericht verliest sodann den Ausruf des Kampfbundes, der eine programmatische Zuftmmenfassnng des völkischen Gedankens darstellt. Er wurde am 2. September 1923 gelegentlich des Deutschen Tages in Nürnberg verfaßt. Dr. Weber führt nn-tor anderem aus: Die Eiligetveihten, darunter auch ich. waren schon einige Wochen vor der Errichtung des Generalstaatskommifsariats «davon unterrichtet. Ende August erfuhr ich 'dasselbe im Justizministerium. Wir toaren in Mitterwalde «beim Ministerpräsidenten Knilli-ng, aber wir hatten Bedenken gegen Kahr. Später erfuhr ich auch die geplante Einsetzung Kahrs v o n m a ß g e b e n d e r Stelle, überd iei ch mi ch in ei nerni chtöffentlichen Verhandlung äußern will. Es war uns klar, -daß die Beschränkung einer Diktatur auf Bayern unter Umständen gefährlich werden könnte. Am 1. November hatte ich eine Befprechrmg mit Oberst Seisse x, wobei die Rollen genau verteilt wurden. Hitler zerstreute die letzten Bedenken Seisiers und wir mußten die Ueberzeugung haben, daß die drei Männer Kahr, Lossow und Seisftr mit rurs gehen würden. General v. Lossow führte bei oiner Besvwchung aus, idaß die Reichswehr hinter ihm stehe und 'daß jeder schwarz weiß-rote Putsch 51 Prozent Sicherheit für sein Gelingen habe. Dänin gibt Dr. Weber Erklärungen über sei,ne Teilnahme au der Berfa minliung im Bürgerbräukeller ab: Ich fbefcütvb mich am 8. Notnrinber in der Versammlung Kahr vom Anfang an. Als ich das Nebenzimmer betrat, fand ich die drei Herren sowie Hitler mit feinem Begleiter vor. Löss o w saigle zu L u d e n d o r^ f: „Euer Wunsch ist mir Befehl." Seisfsr 'hat mir wiederholt e h rlich feine Miwrbeit zugesichsvt. Er sagte noch mehrere Satze, die nicht in der Zeitung erschienen sind, weil sie vielleicht eine unangen e h m e W i r k u n g i m' A ü s l a n d e geübt Härten. Die Ba«hnhöfe sollten vom Bn'üd „Oberland" bcisetzt gehalten werden, damit das rassenfremde jüdische Gesindel nicht «eit Devisen bepackt .Hals Aber Kopf absahren könne. Es wurde wir zugssiche.r.t, daß die R e i ch s w e h r die Ber° pslegutt-g moiner Tr,Uppen übernehmen -wende. Wir hatten «den 'Eindruck, als ob Lossow von ganzem Herzen.mit uns und a«ls ob er in ft«neu Entschlüssen gehemmt wäre. Der Zug in die -Stadt war als Propaganda gedacht. Doktor Wober schildert «bouui diesen Zug und die Schieße-vei. vor der FelÄhevrenallee genau so wie Hitler. Ich sehe die Vorgänge noch.ganz genau vor mir, sagte er. Ein Oberleutnant der Landpolizei setzte einem der Fähnentva^-r einen Karabiner auf die Brust. Darauf ging der erste Schuß los. Bei „Obevlarid" -hat n.iemand etwas von der ganzen Sache gemußt. Ich nwchte feststellen, daß Leinen meiner Unters ü h rer ein Vortvm'f trifft. Es vorhielt sich bei uns genau so wie sonst in einem Staa^Mvcsen. N u r die oberste Leitung wußte, um was es sich drehte. Ich habe mich aus freien Stücken an Hitler angefchlossen, ich habe dies als m e ine Pflicht erachtet.?lls er vom Vovsitzen'den geftagt wird: Wie habeir Sie sich die Folgen gedacht? antwortet Doktor Weber: Ich wußte genau, daß sich der Norden sofort an mis anschließen würde. Es war dies eine unbedingite Vora.usüsttzung, daß die Reichswehr und die Landpolizei mitmachen wüvdetr. Auf verschiedene Fragen seines Verteidigers erklärt Mober, daß ihm verschiedene Eigennlächtigleiten Lossows gegenüber dem Reichswehrmini st e r i u m bekannt ftien. Unte-r aüdewm erklärt er auch, daß man sich in seinen Kroiftn Hitler als den Lloyd George des deutschen Volkes gMckst ha>be. Auf die Frage, ivie es kanl. 'daß di-e verhafteten Älirrklster in die Billa L e h m a n u gebmcht wurden, antwortet« Dr. Woben Der Verleger Lehmann ist mein S ch w i e g c r 0 a t e r. Hallptm-ann G ö h r i n g wollte die verhafteten Minister nach Tölz' bringen. Ich schlug das Haus Lehmamls vor. Lehmann batte keine von di-eftr Einquartierung. Er war tu der Versammlung Kahrs und tvar höchst überrascht, als er die Minister bei sich zu Hause Voland. Auf verschiedene Fragen ftiretts der Berteidiguing, ob im diebenzimmer des Bürgevbräukrllers Karnpsstimnrung geherrscht habe, erklärte Weber, daß er Seisftr eine Zigarette änaeboten habe, und daß Lossow daun ftlbst von ihnr eine verlangt hätte. Unter solchen Unrständen könne doch von Kampfst'mrmnllg keine Rede sein. Er erklärt toeiter, Kahr 'ha«be Mitte Oktober Poehner vorgafchlageu, das Generalstaatskommissariat für Sachsen-Dhnvingen zu nberne-hmen. Geneval E p t, der im Sitzungssaal anwesend ist. toi-rd Vom Verteidiger gefragt, ob er ein Protokoll in Händen habe, das -bei einer Versammlung m seiner Wohnung genwcht worden sei. Er verneint dies. Exceltior Schnell Schreibmaschinen .Aulehla’ LLS