Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1924-02-23 · Heft 1804 (23.2.1924) · p. Seite 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1804 (23.2.1924)
Date
1924-02-23
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2979076-2980834-2980887--17908-3004935
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

M. ISO! " ' Men, 'Sci-mstaig "" Seide. Die Witterung ist gegenwärtig noch zu winterlich' und keineswegs anregend für den Verkauf dieses Artikels. Nichtsdesto-- weniger sind die Beziehungen zwischen Händlern und Verarbeitern wieder fo lebhaft gewesen, wie das bescheidene Warenangebot es nur erlaubt hat. DaS wichtigste Ereignis für die d e u L s ch e Seidenindustrie ist die Zurücknahme des im Kriege vorn Reiche erlassenen Einfuhrverbotes fremder Seidenwaren gewesen. Für das besetzte Gebiet hat die Maßnahme keine praktische Bedeutung, weil dasselbe den Verordnungen der Rheinlandkommission untersteht; um so wehr aber fitr die Seideninduftrie im unbesetzten Deutschland. Hier wirb voraussichtlich in erster Linie der Wettbewerb ostasiatischer Gewebe fiiklbar werden, wenngleich derselbe durch eine gleichzeitig erfolgte Erhöhung des Einfuhrzolles auf ft^mde Sridenwaren, einigermaßen abgeschwächt wird. Der Mailänder Rohseidenmarkt ist im wesentlichen unverändert geblieben. Im allgemeinen fängt doch, der Optimismus wieder zu wachsen an. Es ist nicht zu leugnen, daß die Fabrik gar keine Lager hat, was das andauernde, wenn auch kleine Geschäft beweist. Im übrigen wird einer stark auflebenden Nachfrage angst" lich entgegengesehen. Wenn die Monate März-Mai lebhaft werden, könnte die Preisbasis für die neue Ernte 1924. gefährdet werden. Der Spinner konnte sich während der neuen Kampagne 1623/24 vor größeren Verlusten wegen dem japanischen Erdbeben Md der starken Hausse retten. Holz. Das hiesige Platzgeschäft ist noch inehr eingeengt worden durch die stärker herangetretene Geldknappheit infolge des Bankbeamtenstreiks, auch hat die Bautätigkeit nicht in dein Maße eingesetzt, wie man es erwartet hat. Die Möbel- sowie die sonstigen holzverarbeitenden Industrien sind gleichfalls schwach beschäftigt. Auch das Exportgeschäft weist keine Besserung auf; Frankreich leidet unter dem Frankensturze und kann sich auch nicht im entferntesten unseren Preisen anpassen und mit den bisher in Verbindung gestandenen westlichen Staaten ist auch nur in geringem Umfange zu rechnen. Den deutschen Nachrichten über eine angeblich bevorstehende Belebung des Baumarktes begegnet man in den Kreisen der Holzwirtschaft mit starkem Zweifel. Aus diesem Grunde sind die meisten Sägewerksbesitzer zurzeit geneigt, ihre Produktion in gesägten Bauhölzern wie Schalware, Kantholz und Bohlen verhältnismäßig billig, oft sogar zu erstaunlich niedrigen Preisen, die kaum die Selbstkosten decken, abzugeben. Dagegen ist die Meinung, daß hochwertiges Schnittholz seinen Preis behaupten werde, im weitesten Kreisen verbreitet. Darauf ist es auch zurückznführen, daß die Roholzverkaufstermine, die gutes Kiefernholz zum Angebot bringen, mit hohen Preisergebnissen rechnen können. Die Nachfrage nach blanken Seitenbrettern ist etwas gestiegen, der Bedarf in Zopsware ist infolge des ruhigen Geschäftsganges in der Möbelindustrie zweifellos gesunken. Das Eisenbahnzentralamt kauft vorläufig weder Schwellen noch Schnittholz ein. Automobile. Wie aus New-Iork gemeldet wird, spiegelt die Hochkonjunktur in dieser Branche wieder, denn die Zahl der von den einzelnen Staaten registrierten Kraftwagen hat sich im letzten Jahre um 23.6«/. von 12.281.445 auf 15,221.183 gehoben. Neu gebaut wurden 4,014.000 Wagen, während 1,074.261 ausrangiert wurden. Man berechnet die Zeit, die ein Automobil gebrauchs- Mig bleibt, auf 7 Jahre. Amerika hat jetzt 90°/. aller in der Welt gebrauchten Antomobile, es kommt im Durchschnitt eines auf je sieben Personen, außer in Kalifornien, .wo schon, eines auf st. drei Personen kommt. New-Dork hat natürlich die meisten Kraft-, wagen,'nämlich 1,214.000, dann folgen Kalifornien mit 1,085.000, Ohio mjt 1,064.625 und Illinois mit 969.236 Wagen. Wiener Warenbörse. (Eigenbericht der „Wiener Morgeuzeitung".) Die Ehemikalienmärkte in Berlin und in Hamburg zeigten etwas freundlichere Haltung. Außer einzelnen Artikeln, wie Metallfarben und Soda calc., die infolge Materialknappheit leicht im Preise anzogen, waren die Preise ziemlich stabil. Der Konsum deckt seinen Bedarf in größeren Mengen ein, denn aus zweiter Hand, die unter den Marktpreisen anbot, ist die Ware knapp geworden. An der heutigen Warenbörse war bas Ausgebot in. Chemikalien mäßig und bei ebensolcher Kaustnst blieb die Tendenz behauptet. Lopyrixlk 1925 br Nachdruck verboten Deutsch-Oeslerreichischer Berlag, Wien. 87, Fortsetzung. Die Heimatlosen. Von Wilma Bukelich. ' Und wußte: Wenn einer käme und uähme Mich fort . . . irgendwohin, wo all dies nicht ist, und nichts wäre dort als die Liebe, und ich selber iväre arm und hätte nichts als mich selber. Und gäbe mich selber fort in einem letzten Rausch von Seligkeit. Alles, was mir blieb, alles in einer Stunde, alles in-einer Geste: meine ganze Schönheit und die Jugend und jede Süßigkeit des Lächelns und das leise Kosewort, das wie ein Kuß die Lippe verläßt, und jedes Opfer, ixtS Liebe verlangt und gewährt. Auch das Letzte, das Letzte bis zur Selbstzevstörung, bis zum völligen Selbstvergessen: auch das ist Leben. Cs ist das ganz Große. Alles, was ich begehrte und 'begehre von; Debets ist darin. Ja, Sehnsucht ist alles, fühlte Lydia, solange die sWernen Schäume der Musik den Bord ihres Lebens nmspülten. Sobald aber die Welle verebbte und leise in sich versank, stahl sich der alte, leichtsinnige Zug unr ihre Lippen und sie lachte ihr klares, durchsichtiges Lachen, in dem alles ttnd nichts war. Und sie warf beit Kopf in den Nacken, gleichmütig und unbekümmert, und wußte: Alles ist Sehnsucht. Ja, Auch ich sehne mich. Und werde mich immer sehnen. Heiraten aber werde ich das Automobil und die Glatze mit den schönen runden Millionen. Und dem Palais auf der Andrasshstraße. Denn ich bin U'UN einmal so. Und damit Punktum! * Daniel aber rang mit sich. Einsam, schweigend, verzweifelnd. Die Probleme häuften sich. Seine Sehnsucht >wuchs. Die Frage wurde zur Lebensfrage, von deren Lösung alles abhing, ■ Und Daniel war in seinem Ringen und Grübeln ganz ans sich angewiesen. Aus sein Gefühl, dessen Klarheit getrübt hntrta durch seine Liebe zu Lydia, die ein Ziel für sich war, das sich den änderen.Zielen terckgegenstellte. Wo aber lvar dieses andere Ziel, von den: Daniel jode Freiheit, ein bewußtes Leben und den letzten. Ausgleich W M Über MoavW ,.Jener .UaheiMlitz aus den ‘: A u 8 geb o t e n wurden Aetzkali 88/92 zu '9300 K. tranfit Passau, .Bleiweiß chenüsch rein, zu 13.800 K., Gor-xMt.-'zu. '9400 -K. transit Wien, Chlorkalzium geschlnolzeu 70/75 pro ' 1000 Kilogramm' 4 Pfund 10 Schilling pro März transit Passau, ChlorsanreS Kali zu 7000 K. transit Regensburg, Gummi cord, zu 23.000 K., Kupfervitriol zu 8300 bis 8500 K., Bleiberger Minium zu 13.000 K. Paraffin 60/52'in Tafeln weiß zu 9200 K„ Pottasche 96/98 zu 8500 K. transit Passau, russisches Terpentinöl schwach gelblich zu 15.000 K. Oele und Fette. Die Tendenz blieb in. allen Gattungen behauptet, nur Schweinefett pure lard in Kisten ist um 300 K. billiger uüd notiert 23.000 K. Kolonialwaren. Das Geschäft ist mäßig und einige Umsätze erfolgten in Tee, ' Kakao, Gewürzen und Pflaumen. zu unveränderten Preisen. Kaffee war weiter steigend, die Preise zogenum 500 K. 'an. Es notierten: Sautos Printe ' 45.500 K., Santos suverior 44.250 K.. ab Wien, ferner Santos Prime 100 Schilling, Santos snperior 94 Schilling und Rio VII 74 Schilling pro 50 Kilogramm cif Triest. Reis Burma II 26°/, Bruch notiert 16 Schilling pro 50 Kilogramm per April-Mai cif Triest. Zucker blieb behauptet, nur österreichische Kristallwüre ist um 100 K. fester upd uotiert 12.200 K. in Ganzwaggons versteuert ftachtfrei Waggon Wien. Kondensmilch gezuckert pro 14 Unzen-Dose schwächte sich unr 800 K. auf 8000 K. und ungezuckerte pro'Dose <16 Unzen-Dose) amerikanische auf 7000 K. ab.' L e d e t verzeichnest feste Stimmung, die Preise zogen um 1000 st. an. Es notierten: Sohlenleder, Dacheleder-. .Garnituren 49.000 bis 51.000 K., Vacheleder-Croupons 70.000 bis 75.000 K.. Hälse 35.000 bis 38.000 K.. Äsern 26.000 bis 28.000 K., Oberleder-Boxkalr schwarz I* Qualität 21.000 bis 22.000 K., Ha Qualität 18.000 bis 19.000 K.. färbige Boxkalf- Ia Qualität 25.000 bis 28.000 K., II» Qualität 23.000 bis 26.000 K. 23. .Februar IM Se tte 9 DURCH DIE BANKENWELT Allgemeine Industrie bank vormals: Filiale Wie, der Böhm, IndnBtrlal-Bank Telsgramm-Adrosse: Indusbnak Tel. 05-3-07,65-4-35, 65*4-86 Serie, 68-5*75 We o h s a I 81 u b e n In Wien: I. Hoher Markt 7, IV. Wiedner Hanptstrasse 83. VII. Kaiserstrasse 43 rw«7w^iEP«—.t,na r « Austro ■ Holländische Bank Zentralbureau: Wien, I. Dr. Karl Lue zerplatz 4 (I. Ebendorferstr* 6) Telegrammadresse: Hbllandbank Wien! Tel. 27-5-25 Serie Fides, Treuhand - Bank ö. m. b. H. M-2ÄÄN ' l NeulorZssse 17 rel.: 61-3^20. 61-2-24.64-0-72.. BanKRommanditgesellscliaft Franz PollaK Wieflrb Seiisergasse 4 (Ecke Bognerg/beim Graben) Telephone: 60-4-82, 60-4-93. 63-4-85, 64-4-42, 68-4-78, 69-4-82 Telegrammadresse: Frapobank Rohhäute blieben behafptet, nur Kalbfelle ohne Kopf befestigten sich um 1000 K. au 35.000 bis 36.500 K. pro Kilogramm. Zum öffentlichen Verkaufe gelangen heute,, 11 Uhr, 300 Hektoliter italienischer Weißwein, 14‘2°/0/ am 25. d., 11 Uhr. 1 Waggon Superphosphat, um V-12 Uhr/ 100 Paar FilzhauSschrche, 300 Paar Ledertaschenschuhe, 604 schwarze Roß- Chevreau Boxkalf „Martha" Sandalen und am 28. d., xjAl Uhr, zirka 26.000 Schraubenzieher (umsteckbare). Baumwollmartt. Nerv-Uork, .21. Februar. Baumwollzuftlhren in den atlant. und Golfhäfen 18.000, im Innerst 7000. Ausfuhr nach Großbritannien 8000. nach dem Kontinent 12.000. Lokglmarkt middlinp? 30.40 (letzt. Kurs 29.901 Tendenz: Stetig, -r Termine: Februar —. Rtärz 30.10, Avril —Mai 30.48, Juni Juli 29.65, Angnst 28,10, September 27.15, Oktober 26.50, November —, Dezember 26.08, Jänner 25.65. ... .. . Berliner Börse. Berlin, 22. Februar. Die schon gestern zunn Durchbruche gekommene freundlichere Veranlagung der Börse erhielt.sich heute, zumal -die bisherigen Verkäufe des Publikums nachgelassen haben und -an deren Stelle etwas Kauflust getreten ist. Die Spekulation versuchte durch Käufe etwas Schwung. in die' Börse zu bringen,. hatte damit aber -nur am 'Anfang Erfolg, denn nachher war wieder die bisherige Geschäftsstille vvrherr- . schend. Der .Kursstand der. führenden-Montan- und SchUcchxtsakticn hob. sich um 1 bis vereinWi 3 Billionen Prozent. - Der Renten- sowie - der Kassenindustriemarkt und die unnotierten' Papiere "lagen unverändert. Auf dem. Geldmärkte herrschte die bisherige Flüssigkeit Die Devisenpreise wurden bei nutzer-- änderter ZutdilMg für die Hauptplatze vereinzelt eiwas in die Höhe gesetzt. ' . . (Alles in Billionen von-Mark.) S ch l n ß k u r l e: - Türkische Lose ' 27.—', Oesterr. Staatsbahn 38.-. Rordd. Lloyd 9.37. Ver. Elbeschiffahrt 6.1. Berliner Handelsgesellschaft 59.5, Kommers Privatbank 8.12, Darmstädter Bank 15.75, Deutsche Bank 15.87, Diskonto- Kommandit 19.3, Dresdner Bank 10.25, Nationalbank für Deutschland —.—, Oesterr. Kredit 0.7, Oesterr. Länderbank —, Neichsbank 42.5, Wiener Bankverein 0.5, Wr. Unioubank 0.5, Allg. Elektrizitäts-Gesellschaft 14.—, Bochstmer Gußstabl —, Daimler Motoren 5.6 Teutsch-Lnremburg'er ankkaus Prym & Co. Tei. 82 3 22 'Wien, 1. Rotenturmstrasse 19 Tai.02 3 32 laiiiw i'inai ■ im« iMiwiin ■iiiniiTiiinairaaaaOTTiwrwnmrs— B^^fiÖtplikalyn Wien, I. Maria Theresienstrasse 10 Telephon 11-4-60, 11-4-61 imwii—imiirTrl' •*'«*'-*r'* Tn.»»wiw: miucBrmtr'j ■■■■,! ■.i^aawaaggaMPCT^— Kommahditgeseilsekafl /igmynd Amarant & Co. Wlen,.l. Graben 22 (Eingang Pe^ersplatri^) / Tel*.6Ö590 Sepip Jiankf/e.irhtiffv aller 4^ . ._ O —^ BANK-; und WARENbcnenicei & laj.kommissionshaus Wien, I. WippüngßS'Stiv 19, Telephon 60-1-57, 68-3-60 Durchführung sämtlicher Banktransaktionen Wiener Harnlelskreditbank A.G. Wien, i. WippBingersirasse 23 "Tflileg!raina)adlrfesB6: „Hacreilo“ - ■ Telephpn 64-S-65 Serie Expositnr: I. SOhottahrln^ 13 a —-TelapboQ 89-3-14 63.—, ' Deutsche Maschinen 10.25, Dpntimit ‘ Nobel 11.75, Felten u. Guilleaume 37.8. - Gelstnkirchener Berg. 67.37, Tb. Goldschmidt 20.76, ' Harvener Bergbau 84.5, Hirsch Kupfer 43.—. Höchster Farben 20137, , Hohenlohe-Werke ’ 49.5 Laurahütte 25.—, Marmesmannröhren 52.5, Phönix Bergbau 44.75, Schuckert «. Co. 55.—, Siemens u. Halske 55.1, Telephon Berliner 8.12, Dollarschatzanweisungen —.—. Prager Börse. Prag, 22 Februar. Die Stimmung der Börse schwächer sich gegen gestern, ab und nur Deckungen zum Wochenschluß verhinderten weitere Rückgänge, ans dem .Iudustrieaktienmarkte, aus dem das Angebot ziemlich bedeutend war. Größere.Nachfrage zeigte sich für Eisen-, Zucker- und Maschinen-Kktien, Vermoderten Prinzipien der Vergangenheit in ein-neues blühendes Lebelt, das wir alle begehren und das astch uns lebendiger macht in unserem. Fühlen'und Wollen, denn auch wir sind vermodert . . . und wissen nun rü'chts mehr als entweder erstarren im Affen od-r alles leugnen, alles von uns itlMt.-.! .. .. Und Daniel enlpfand: irgendwie muß -dieser Uebergang gesun'den rverden ans dem durchaus unmittelbaren lebendigen Leben Lydias zu den Standpunkterr der Väter. Nicht verleugnet und ausgelöscht, lebendig ünuß bas Judentmn genracht' werden durch -das WunderUner Taff durch einen neuen lebendigen Geist, der es bis zum Üeberschäumen ansüllt, durch, einen tiefen Sinn, den'Mir ihm verleihen müssen, so daß es wieder zum .Symbol wird... nein... zur Offenbarung des Höchsten. Daß wir Gott und seine Donnerstimme lebendig wuschen hören äüs Mit,- brennenden Busche, und wemt Mir uns auch gleich Moses sträubelt und sagen:, wir sind schwach und unmürdig, Herr, wir haben es . verlernff deiner Stimme zu lquschen. . , das Flaminen seiner Stimme wißt uns dennoch fort und wir können chcht anders. Mr müssen der Stimme folgen. „Bekennen!" — schrie es in seiner Seele, seitdem er Fenyö verlassen, dessen Worte seine letzten Zweifel ansgeMnhlt, ihn in neue Zwiespältigkeiten gerissen. . . da er das Problem bisher noch niemals" vom Standpunkte des Christen betrachtet hatte, der ehenfalls^ recht zu haben vermeinlhr . . . sondern nur dom eigenen Standpunkts von dem des Juhen. Und dabei hatte er nur jene Wirkuirgen' beobachten gelernt, die die HeiMllosigkoit aus sein eigenes Gemüt und auf das GenM seiner Stammesgenoffen heworgebracht . . . Die Heimatlosigkeit. Das Exil. Der öwige Galuth, der dem Juden die Ansnahmsstellung unter den Völkern der Erde gibt. ' . der fern Fatum ist, sein gekrümmter Rücken, sein trüber, abwärts gewendeter Blick, seine Zwiespältigkeit und seine ewige Sehnsucht. Und uv sahUe Folgen einer überstürzten Anpassung, die wahllos und säst mit Ekel das Alte von sich, tat, und wahllos die modernen ZmitteWfftalten der Gesellschaft als Ausgeburten dieser ungesunden AnSnahmebedingnugen, er sah den Befall des JndentuM, das mit feiner Eigenart auch» seinen Kern preisgibt,' das sich verliert, indem es sich verlengnet. Er sah die Männer ohne Stolz nnd Rückgrat, Lustspielsiguren, die sich selber zum Hanswurst - für ein christliches Publikum erniedrigen. Er sah'die Kriecher nnd Speichellecker, die sich an Ehren nicht satteffen können und tausendmal geheime Schmach m Kauf nehmen, um nur einmal die öffentliche Gunst zu erlangen. Die Gesellschastsparasiten und fokalen Akrobaten, deren ganzes Gepäck ihr billiger Witz ist. Zule-tzt die politischen Abenteurer und die Marodeure des Geschäftslebens, die Ausbeuter im Salonrock, die keinen richtigen 'Betrug auf ihre'Seelen laden, Gott behüte! Nur kleine Schmutzereien, die für sie ja n-icht's bedeuten. Sie sind ja manikürt und parfümiert nnd haben die Manieren von' Gentlemen. Er bannte sie alle. And wußte nun, daß }k alle wie er selbst den hoffnungslosen Fluch >des Galnth' tragen, der sie verdarb, der ihn selber verdorben hai'tte weil er den Willen schwächte und hemmte und keine _ LebensÄußerung zur vollen Auswirkung 'gelangen ließ. ' BM aber der Fluch ches Judentums für jene anderen bedeutete, hatte er nun durch Fenyö erfahren, dessen Grunde erbegrisf, billigte und die 'seine Sehnsucht weckten nach einer Heiluug. Nach ei-neu Ausweg . . . „Gebt uns eine Heimat!" schrie.er.'und zerwühlte sein Haar. Er stürzte im. Zimmer .ans und nieder, Der sonst so ruhig' war. So gemessen in seinen Bewegungen. So gelassen und bedacht in jedem Wort ... . . „Eine Heimat!" schrie seine Seele. And alle Sehnsucht, aller Gram, aller- Zwiespalt.löste sich auf in diesem eiyett Wort'. . . Ein Land, um. auszurnhen nach tau,endjähviger. Wanderschaft. Ein Land, das wir bebaueu dürfen, mit'unseren Früchten. . . die wir cs müde sind, immer und immer nur in fremden Gärten zu bauen . . . Säen und ernten aus eigenem Boden! Ein Stückchen eigene Scholle, haben! Schweiß . Not... und. dann das Heranreisen der Saat,, die leise auskeimt, aufgrünt und das heilige Land überzieht. Und Brot bringt. Nicht -das Brot der Knechtschaft, das bitter schmeckt. Sondern ein Brot, das den Hunger -stillt. Unser Brot. And eigene Li-eder singen. Wie die Hirten sie sangen -i-n den Tälern Palästinas, wenn -der Geliebte die Geliebte ries und ihr das Brantlager bereitete Mter.den Zedern des Libanon, (Foatj. folgt.).

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.