Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1804 (23.2.1924)
- Date
- 1924-02-23
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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sjDeite 4 Wien, Samstag Wienev Morftenzeitung. ■ 23. Fvbvuüd 1924 -■ Nn 1804 Jeder bewußte Jude zahle den SchekelI Der Streif der Bankbeamten. Bisher kein Ergebnis der Verhandlungen. — Wiederaufnahme der Arbeit am Montag fraglich. - Ser fünfte Streiktag DaS Gremium der Wiener Kaufmannschuft hat unS, freilich erst nach dem Einspruch der Regierung, eine Skala übermittelt, mit der sie sich abfinden förntte. Wenn wir diese Sätze betrachten, dann müssen wir sagen, daß sie etwas milder sind als unsere, aber gerade der kleine Unterschied beweist, daß die vom Landtag beschlossene Skala nicht jene tödliche Wirkung ausüben kann, wie es die Bundesregierung darstellt. DaS Gremium schlägt vor, daß jene Betriebsstätien mit einenr Friedenszins von 4000 Goldkronen eilte Wohnbausteuer von 498.000 K. zahlen, unsere Tabelle sieht eilte Steuer von 648.000 K. jährlich vor. Eine Differenz von 12.500 K. mvnatlich, von der niemand sagen kann, daß deshalb das Geschäft gesperrt werden müßte. Schon im Finanzausschuß habe ich festgestellt, daß wir uns in einer Uebergangszeit befinden und die Steuern von Zeit zu Zeit überprüft werden müssen. Unsere Krone ist wohl stabilisiert, in chrer Kaufkraft aber noch lange nicht konsolidiert. Die Gemeindeverwaltung wird daher auch, sobald sich die Verhältnisse ändern, eine Aenderung der Wohnbausteuer erwägen. Gleichzeitig muß festgestellt werden, daß, wenn die Regierung. neuerlich Einspruch erhebt uitd wider alles Erwarten bei der Finanzkommission recht behält, die Gemeinde aufden Bau von 7 50 Wohnungen verzichten müßte. In der nun folgenden Debatte, die sich mehrere Stunden hinzog, meinte Gemeiuderat Kunschak, daß er eine Erhöhung der Wohnbausteuer durchaus nicht ablehuen wolle, daß sie aber volkswirtschaftlich einen Sinn habe:: müsse. Deshalb stellte er den Antrag auf Rückverweisung der Vorlage an den Stadtsenat zur neuerlichen Ueberprüfung, was aber abgelehnt wurde. Dev Generalkommissär und der Kindergarten im Augartenpalais. Wie der Amtlichen Nachrichtenstelle von amtlicher Seite m'tgetvAt wird, entbehrt die Meldung ebnes Abendblattes, wonach Generalkvmmissär Dr. Zimmerman die Uebersiedlung des im Augartenpalais befindlichen städtischen Kindergartens aus den Räumen, in denen der Kindergarten derzeit untergebracht ist, in ein« Gassenwohnung des ehemaligen Stallgebäudes des Augarten- Palais verlangt habe, jeder Grundlage. Tagesbericht. Tagung der Mischen Wekthüfskonferenr in Berlin. ■ (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 21. Februar. Am Dienstag den 19. d. trat hier bas Exekutivkomitee der Jüdischen Welthilfskonferenz zusammen. Außer den Mitgliedern des Pariser Zentrabbureaus (Präsident Motzkin, Biezepräsident Sliosberg, Generalsekretär Froykin) nahmen von den Mitgliedern der Exekutive OberraMner Dr. Chajes (Wien), Rechtsanwalt Dr. Klee (Berlin), Dr. Joche!« mann (London), Dr. M. Solowejtschik (London) an den Sitzungen teil; außerdem war einer der Vertreter der Welthilfskonferenz in Rußland, schließlich Herr Z. Aberson, der Vertreter der Jüdischen Organisation beim Völkerbund, zur Berichterstattung erschienen. Abgesehen von laufenden Angelegenheiten beschäftigte sich die Exekutive rn ihrer Tagung am wesentlichsten mit drei Problemen: Der Fortsetzung der Arbeiten in Sowjet ruß! and, der Einberufung der zweiten Welthilfskonferenz und der Notlage in Deutschland. Ueber die Verhältnisse in Rußland erstattete Herr G r i n b t r g einen ausführlichen Bericht, aus dem zu ersehen war, daß die Notwendigkeit der jüdischen Hilfsarbeit in Rußland weiter besiehe, wobei erwähnt werden muß, daß die anderen Hilfsorganisationen in Liquidation stehen, und daß die Jüdische Welthilsskonferenz die einzige ist, die ihre Arbeit in Rußland weiterzuführen in der Lage ist. Es handelt sich in erster Reihe um die K i n d e r» hilf«, und, was nicht minder wichtig ist, um dir Hilfe für die Intellektuellen. Bezüglich der Einberufung der zweitenWelthilsskonferenz hat die Exekutive das Präsidium ermächtigt, möglichst in der ersten Hälfte August an einem noch näher zu bestimmenden Orte die verschiedenen der Welthilfskonferenz angeschlossenen Organisationen einzuladen, um den Bericht über die seit der Karlsbader Konferenz (Juni 1920) geleistete Arbeit entgegenzunehmen und die Richtlinien für die künftige Arbeit aufzustellen. Was die Hilfeleistung für Deutschland betrifft, berichtete der Präsident, daß im Einvernehmen mit der- Zentralwohlsahrtsstelle für Deutschland und dem Reichsausschusse der jüdischen Gemeinden für die Verteilung von Spenden aus dem Ausland für den nächsten Tag eine geschlossene Versammlung einberufen sei, in welcher über die Art der Hilfeleistung Beschlüsse gefaßt würden. Diese Tagung fand Mittwoch nachmittags im Sitzungssaals des Vorstandes der jüdischen Gemeinden statt. Außer den in Berlin anwesenden Mitgliedern der Exekutive der Welthilsskonftrenz und den Vertretern der genannten deutschen Stellen nahmen an dieser Tagung Vertreter der Hilfskomitees für Tennchland in Oesterreich, der Tschecho-Slowakea, Schweden, Holland/ Schweiz, des Jüdischen Frauenbundes in Deutschland, der Geme i nden Berlin, Breslau, Hamburg und Köln tei'. In ihren Begrnßungreden haben b:r Vorstl? Namen u:x ein berufenden Dr. K.haj Die gemeinsamen Verhandlungen zwischen den Vertretern der Bankbeamten.und des Bankenvcrbandes begannen gestern um 11 Uhr unter dem Vorsitz des Bundeskanzlers. Sic syupden .um halb 2 Uhr unterbrochen, um 4 Uhr wiÄ>er ausgenommen und bis in die Nachtstunden fortgeführt. Sie werden heute um 10 Uhr fortgesetzt werden. Wie wir erfahren, zeigen beide Parteien wohl Geneigtheit, zu einem Einvernehmen zu gelangen, verbleiben jedoch noch immer hartnäckig bei ihrem bisherigen Standpunkt, so daß von einer befriedigendeü Annäherung bisher nicht gesprochen werden kann. Man erwartet von den heutigen Beratungen eine Klärung der Lage, doch ist die Aussicht einer Wiederaufnahme der Arbeit am Montag sehr g e r i u g. Die Bankbeamtenvertreter haben sich auf das entschiedenste gegen die Einführung der Zweiteilung des Kassadienstes ausgesprochen und wollen nur höchstens eine geringfügige Verlängerung des Kassendienstes zugestehen, während die Bankendertreter bisher auf der Erhöhung der llstündigen Arbeitswoche bestehen. Der gestrige Tag. Der gestrige Streiktag ist ohne Zwischenfall ruhig verlaufen. Die Streikposten wurden, dem Wunsche des Bundeskanzlers entsprechend, auf die Hälfte des Standes herabgesetzt, und demgemäß war auch das Aufgebot der Sicherheitswache vor den Toren der Banken verringert. Die täglichen starken Ansammlungen vor den Banken und die Konflikte mit den Wachen haben, aufgehört. In den Bankbureaus wird der Notdienst weitergeführt. Der Parteienverkehr bei den Banken ist sehr gering. Die Banken haben sich an das Streikkomitee mit dem Ersuchen gewendet, die Beheizung der Räumlichkeiten durchführen zu lasse«. Diesem Wunsche wird kein Hindernis bereitet. Heute wird der Streikpostendienst nur bis 5 Uhr nachmittags durchgeführt und morgen ganz eingestellt. Mit Ausnahme der Bodenkreditanstalt und der Zentralbank deutscher Sparkassen sind an der Börse von keiner Bank Prokuristen zu sehen. Aus detn Streiklager. Die Streikleitung schreibt uns: Das Gesamtbild der Streiklage ist auch gestern unverändert geblieben. In keiner vor, daß die Juden der ganzen Welt spontan auf die ersten Nachrichten von der Notlage der Juden in Deutschland hin es als ihre Pflicht betrachteten, all ihre Kräfte anzuspannen, um Hilfe zu leisten. Die Welthilsskonserenz hätte nun diese Beratung einberusen, um von den maßgebenden deutschen Stellen zu hören, ob die ausländische Hilfe noch erwünscht sei, und wenn ja, in welcher Form sie erfolgen soll. Es entspricht dem Wesen und den Aufgaben der Jüdischen Welthilfskonferenz, alle Hilfsaktionen zu zewralisieren, um nicht unnütz Energien zu verschwenden und doch zu helfen, wo Hilfe nötig ist, und wie sie am besten geleistet werden kann. Im Namen der deutschen Körperschaften sprachen Herr Caspar: und der Vertreter des Vorstandes der Berliner Gemeinden ihren Dank für die brüderliche Gesinnung der ausländischen Juden aus. Herr Dr. S e g a l l berichtete in einem sehr beachtenswerten Referate, das von Frau Braude ergänzt wurde, über ' die gegenwärtige Lage der Juden, in Deutschland und über die in Deutschland in Angriff genommenen großzügigen Aktionen, die bei ihrer mustergültigen Organisation es möglich machen, daß trotz der Schwere der Zeit die deutschen Juden etwa 76 P r o z e n t der zur Linderung der d r i n g l i ch st e n Not nötigen Mitteln aus eigenem beigetragen haben. Nachdem die Vertreter der ausländischen Hilfskomitees über die Arbeit ihrer Komitees berichtet hatten, sprach Herr Dr. Klee tu eindrucksvoller Weise über die Prinzipien der Jüdischen Welthilfskonferenz, die cs sich zur Ausgabe gemacht hat, alle jüdischen Organisationen der, ganzen Welt zusammenzufassen, um beim Eintreten einer Katastrophe in irgendeinem von den Juden bewohnten Teile der Welt bereit zu sein, Hilfe zu leisten. Trotze kxplosionskatostrophe in Berlin. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 28. Febvuar. In 'der Fabrik der Firma Strohnkeher irr Kehl ereignete sich aus bischer unbekannten Gründen eine ungeheure Explosion, die das ganze Gobäulde niederlegte. Die Explosion Ivar derart heftig, daß einige Arbeiter in die Luft geschleudert wurden. Außergem wurden vier Schlvcr- und vier Leichtverletzte geborgen. . Der Streit um den Pharao. lEigendicnst der „Wiener Morgenzeitung".) Kairo, 22. Februar. Nachdem das Finanzministerium die Konzession Carters zurillkgezoge.it hat, hat dieser durch fchiCi» Rechtsanwalt bei den -zuständigen Gerichtsbehörden nur In den Streiklokalen herrscht mustergültige Disziplin und feste Zuversicht, die sich angesichts der Erklärungen dev Streikleitung, daß auch'bereits für Vas Ende'des Monats vorgesorgt sei, bis zum siegreichen Ende erhalten wird. Lebhafte und stellenweise erregte Diskussionen löst der Umstand aus, daß ein Teil der öffentlichen Meinung, ohne die Arbeitsberhälinisse der Bankbeamten zu kennen, in diesem Differenzpunkt einseitig Stellung nimmt. Diesem Teil der Oefsentlichkeit scheint der Umstand fremd zu sein, daß die Bankangestellten nunmehr acht Jahre härtesten, angestrengtesten Dienstes hinter sich haben, in welcher Zeit es Konjunkturperioden gegeben hat, die die Arbeitskraft des größten Teiles der Angestellten tagtäglich bis in die späten Abendstunden, in manchen Abteilungen bis in den grauenden Morgen in luft- und teilweise lichtlosen Räumen sesthielt. Die erschreckend vielen Lungenerkrankungen, durch welche die Berufsangehörigeu in den letzten Jahren betroffen wurden und die für die Oeffentlichkeit scheinbar ein Geheimnis sind, bilden eine logische, wenn auch sehr betrübende Folgeerscheinung. Diese Opfer wurden unter Hintanstellung aller persönlichen Interessen und der Entsagung auf jedes Familienleben und.jeden sonstigen Lebensgenuß willig getragen. Aber auch in den Zeiten der normalen Geschäftsabwicklung ist die Arbeit, die der Bankangestellte zu leisten hat, keineswegs jenes Eldorado, als welches es die Oeffentlichkeit betrachtet. Der Dienst des Kassiers an der Geldkasse oder an der Effektenkasse ist mit einem kolossalen Risiko verbunden, seine Arbeit stellt an die Nerven die größte Anforderung. Jeder, der objektiv urteilt, wird es begreiflich finden, daß die Kassiere nach siebenstündiger Arbeitszeit total verbraucht sind. Aber auch in den dem Publikum nicht näher bekannten internen Abteilungen, wie Saldakonti, Korrespondenz- und Depot-, abteilung, Börsen- und Effektenbureaus, Kontrolle, herrscht eine nicht minder nervenaufreibende Hast und auch hier tragen die Beamten große Verantwortlichkeit. Der Saldo des Kontos nluß geprüft, das Effektendepot im Kurswert geschätzt werden, die laufenden Verbindlichkeiten, Wechselobligo, Haftungen usw. aus der Evidenz herausgehoben werden, all dies muß in größter Eile geschehen, um die Effektuierung der Transaktion nicht zu verzögern. Jeder Fehler kann, wie schon bemerkt, dem Institut unermeßlichen Schaden zufügen, bedingt aber für den Beamten unweigerlich den Schlußpunkt seiner Karriere. Bei dieser Sachlage wird es jedem unparteiisch Denkenden klar sein,- daß einunter solchen Umständen arbeitender Beamter nach sieben Stmwen mit seinen Kräften fertig ist und eine Verlängerung der Arbeitszeit nur auf Kosten seiner Gesundheit Platz greifen kann. » Mutiger Zusammenstoß in Indien. Delhi, 22. Februar. In Nabha (Provinz Punjab) kam es zwischen einer englischen Truppenabteilung und 500 bewaffneten sowie 6000 unbewaffneten fanatischen Makis 31t einem Gefecht, das mit der Vertreibung der Malis citbctc. Sie ließen 14 Tote und 34 Verwundete zurück, etwa 100 wurden gefangen genommen, darunter ein Mitglied des indischen Nationalkongresses. Die Einwanderung nach Kanada. Wie bekannt, hat die kanadische Negierung gestattet, daß monatlich 400 der aus Rumänien evakuierten russischen Flüchtlinge in Kanada einwandern dürfen. Dies hat in der jüdische:: Presse Nachrichten hervor Musen, die geeignet sind, ibei den jüdischen Emigranten die fatsche Vorstellung hervorzumsen, als seien die Einwanderungsbestimmungen in Kanada stark abgeändert worden. Das Berliner vereinigte Komitee für jüdische Einwanderung hat sich daher, wie I. T. A. mitteilt, mit den jüdischen Organisationen in Kanada in Verbindung gesetzt und die Antwort erhalten, daß die Einwanderungsbestimmuugen uiwerändert geblieben sind; es dürfte allerdings möglich sein, daß im konmrenden Frühjahr im Zusammenhang mit dom Beginn der Feldarbeiten EinwauderungZevleichierungen stattfinden werden. Unser Matt hat Gelegenheit genommen, sich über die Modalitäten der Einwanderung nach Kanada an hiesigen maßgebenden Stellen zu informieren; dabei wurde sestgestM: Zur Einwanderung nach Kanada jst die dortige Einreisebewilligung erforderlich. Für Passagiere, die sich mit km Barbesitz von 250 Dollar ausweiser: können, gibt es kein» Einreisvbeschränkungen. Die Erteilung des kanadischen Visums erfolgt kostenlos an folgende Gruppen von Passagieren: an L a n d w i r te, die zu Landbanzwecken einwandern und genügende Mittel hierzu besitzen; an landwirtschaftliche Arbeiter, die nach Kanada wollen und über begründete Arbeitszusichernng verfügen. Für landwirtschaftliche Arbeiter, die keine Arbeit in Kanada nachzuweisen vermögen, besteht von: 1. März bis Mitte April die Aussicht ans Erlangung der kanadischen Einreisebewilligung, wenn sie im Besitze einer Eisenbahnfahrkavte vom kanadischen Landungs- Hafen nach Winnipeg (Provinz Manit 0 ba) sind und außerdem bei der Laudung in Kanada einen Barbetrag von etwa 20 bis 25 Dollar vorweisen können. Die Eisenbähnsahrt nach Winnipeg kostet 25 Dollar. Namentlich die aus Polen, Rumänien und Rußland stammenden Einwanderer müssen ihre landwirtschaftliche Eignung Nachweisen und nnt Sitlenzcugnissen über die letzten fünf Jahre versehen fein. Sonst kommt als Dokument noch der entsprechend vidierte Reisepaß in' Betracht. Ueber die Einreise entscheidet' der k a n a d i s che I m m igrationsossizier in Wrüss el, jn &», fekotf# M den Wmn MeMmreaug echAWM . M 0 tzki n in: Körperschaften und Oberradbiner eine Verfügung ersucht, durch die dcr ägyptischen Regieruni verboten werden soll, das Grab Tntankhamons zu betreten Ü DeMerten .her- |J5)i« IjiMMwfaU vwrarn aut KerbqMM Ipptmen Weise wird das Bild der lückenlosen Geschlossenheit aller :m Ausstand befindlichen Angestellten irgendwie beeinträchtigt.