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Wiener Morgenzeitung · 1924-02-20 · Heft 1801 (20.2.1924) · p. Seite 10

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1801 (20.2.1924)
Date
1924-02-20
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seth 10 .... mkn, Mittwoch .. ^rist. zu 4100 K., Schloefesnattium konz. geschm. 60/62 zu 6900 Kronen. Chromnatron krist. zu 13.800 K., Cbromkali krist. zu 16.800 K., ferner schwimmend ans Triest amerikanisches Aetz> natron 76/77% cif Triest zu 5,'00 St. Alles pro 1 Kilogramm tttntftt AnkunftSwaayoy Wien. Außerdem waren noch erhältlich Kupfervitriol 98,99 zu 85ON A., Paraffin 50/52 in Tafeln weiß zu 9000 K. Soda-Ammoniak 96 98 zu 29OOSoda Me. M. B. B. zu 52OO K., Welnsteiniäure zu 38.000 St. und Stearin Tafeln I weiß zu 2400 K. Exekutiv wurden verkauft Stearin 2LOO Kilogramm weiß in Tafeln 54'/, Schmelzpunkt zu 15.150 K. pro Kilogramm transit Wien. OeleundFette. Kokosöl prima weiß befestigte sich auf 18.200 K. Sesamöl erster Pressung um 2OO K. auf 21.500 K.; Schweinefett in Kisten ist um 2OO K. billiger und notiert 28.300 K. Kolonialwaren. Die Tendenz in Kaffee ist andauernd fest. Preise erhöhten sich um 1000 K. ES notieren: Santos primeS 45.000 K., Santo? luperior 43.709 K., Rio VII Johnston 39.000 K. ab Wien, ferner Santo? vrimes 98 Schilling, Santos superior 92 Schilling, Rio VN 73 Schilling 6 Pence pro 50 Kilogramm cif Triest. Gewürze lagen in Kümmel und Piment um je 500 K. hoher, man notiert 44.509 K. resp. 80.250 K. Erhältlich war noch Burma Reis N 25% Bruch zu 15 Schilling 9 Pence pro 50 Kilogramm pro April-Mai cif Triest. Zucker ist behauptet, nur tschechischer ist.um 5 Punkte tiefer. ES notieren: Kristall 4.4O tschech. K.. Würfel 4.80 tschech. K. (Geld 4.CO tschech. K) prompt ab Grenze, 4.5O, respektive 4.85 tsckeck. K. pro März-Avril ab Grenze, österreichischer Kristall notiert 12.100 K. sowie 12.300, resp. 13.100 K. ab Lager Wien, Sardinen notieren 6000 K. Exekutiv wurden verkauft: Portugiesische Sardinen 200 Gramm-Dolen zu 28 Schilling e>f Triest. Zum öffentlichen Verkauf gelangen am 22. d., 11 Uhr, 133 Stück Karrenpflüge. Bon de« Warenmärkte«. (Eigenbericht der Wiener Morgenzeitting".) Zwirn. Entsprechend der Rohstoffpreise erfuhren die Zwirngattnngen demgemäß« Veränderungen. Tie wichtigsten Artikel stellen sich wie folgt: Strickbaumwolle in Strähnen: Royal 3 Draht ln Strähnen 1 Karton 500 Gramm ungebleicht (Rohgewicht) ■*462% Gramm gebleicht — 10 Strähne, weiß von 56.000 dis 57.900 K., Supra 4 Trabt in Strähnen 1 Paket --- 200 Gramm . ungebleicht (Rohgewicht) ---185 Gramm gebleicht »* 4 Strähne weiß von 17.2OO bis 19 7OO K., Theresienhofer 5 Draht 1 Paket-- 250 Gramm ungebleicht (Rohgewicht)--- 831'/. Gramm gebleicht ---10 Strähne, roh von 2Ö.400 bis bis 20.800 K.. weiß von 21.3OO bis 25.900 K.. Türklschrot Farbe 27 26.800 K., Exellentschwarz Farbe 390 24.400 K., Farbe 396 26.000 K., blau mittel Farbe 59 und Tegetthoff dunkel 24.200. K., Modebraun dunkel Farbe - 399 24.800 K., Sparwolle 3 Draht in Strähnen 1 Karton — 1000 Gramm unjefcleidit (Rohgewicht) --- 925 Gramm gebleicht ---10 Sttähn« Beiß 95.400 bis 98.706 K., roh 91.400 bis 94.800 K., Exellentschwarz Farbe 396 107.200 bis 110.900 A., Steingrau mittel Farbe 277 110.900 K., Tabakbraun dunkel Farbe 403 110.900 K., Türkischrosa hell Farbe 19 und mittel 112.100 K., Türkischrot 115.900, Türkischbordeau mittel und dunkel 117.200 K.. Nanking llcht, Modedrap licht und mittel 108.700 K., Blau licht und -Nittel 108.600. Tegetthoff dunkel 108.600 bis 110.0 >0 K., Steinzrau mittel 1Ü7.200 bis 108.700 K., Lederbraun licht und mittel 108.700 K., Modebraun licht, mittel und dunkel 108.600 dir - 110.000 K., Tabakbraun licht und mittel Farbe 401/402 108.700 Kronen. dunkel 107.200 bis 108.700 K. Krenzspulen 15 Gramm Unterfaden zweifach feste Wicklung 1 Karton —150 Gramm —10 Spulen ä 15 Gramm pro Karton weiß 21.S00 bis 33.000 K.. schwarz 22.800 bis 34.300 K. Banmwollmartt. Serv-Vork, 18. Februar. Baumwovzufubren in den atlant. «ud Golfhäfen 10.000, im Innern 8600. Ausfuhr nach Großbritannien —. nach dem Kontinent 1000. Lokalmarkt middlin*: 30.40 (letzt. Kurs 31.45). Tendenz r Willig. — Termine: Februar 29.90. R ar, 30.10, Avril Mai 30.60, Juni Juli 29.72, August 27.85, September 27.35 Oktober 26.60, November —.—, Dezember 26.20, Jänner 25.80. Wiener Morfteirzeiturrg. Der gute Kaufmann sucht Verbindungen im Ausland und mit den Besuchern der Frühjahrsmesse durch Insertion in unserem Blatte, welches durch seine grosse Verbreitung in der Geschäftswelt aller Auslands« Staaten Gewähr für den Erfolg bietet Die „Wiener Morgenzeifune“ wird in der Zeit vom 9. bis 15, März I. J. in bedeutend verstärkter Auflage mit einem „Führer durch die Frühjahrsmesse'1 erscheinen und vielen tausenden Handelsfirmen des Auslandes sowie allen Besuchern der Messe kostenfrei zugesendet werden Bestellen Sie ehestens Ihr Inserat Auf Wunsch unverbindlicher Besuch unseres Vertreters Administration der „Wiener Morgenzeitung“, 2. Bez., Taborstrasse 1—3, Teleph. 44-0-38 u. 43-3-19 Berliner Börse. Berlin, 19. Februar. Bei gegen gestern noch verstärkter Geschäftsstille waren die Kursveränderungen an der heutigen Börse im allgemeinen wieder nicht erheblich. Da aber die Exekution in Nachwirkung der Betrügereien bei der Deutschen Giroentrale noch nicht beendet zu sein scheinen und auch das Ausand zu Verkäufen namentlich in Montanwerten schritt, senkte sich der Kursstand für die führenden Papiere um 1 bis 3 Billionen Prozent und vereinzelt darüber. Der Rentenmarkt und die zu Einpeitskürsen gehandelten Jndustriepapiere wie auch das große Gebiet der amtlich nicht notierten Werte wiesen ber ganz geringen Umsätzen unbedeutende Kursveränderungen auf. Am Devisenmarkt bildete der sich fortsetzende Sturz des französischen Franken, für den Privatmeldungen bis zu 105 für das Pfund Vorlagen, das bemerkenswerteste Ereigms. Der Geldmarkt blieb unverändert flüffig. (Alles tu Billionen von Mark.) Schlußkurie: Türkische Lose 29.75, Oesterr. Staatsbahn 38.—, Nordd. Lloyd 8.2, Der. Elbeschiffahrt 5.5, Berliner Handelsgesellschaft 57.—, Kommerz. Privatbank 8.—, Darmstadter Bank 15.5, Deutsche Bank 15.3, Diskonto- Kommandit 19.5, Dresdner Bank 9.—, Nationalbank für Deutschland —.—, Oesterr. Kredit 0.625, Oesterr. Länderbank . NeichSbank 43.75, Wiener Bankverein 0.5, Wr. Unionbank 0.6, Allg. ElektrizitätS-Gesellschaft 13.375. Bochumer Gußstabl 57.—, Daimler Motoren 5.1 Deutsch-Luxemburger 20. Februar 1924 " .Nr. IM 56.75, Deutsche Maschinen 10.125, Dvnamit Nobel 11.1. Felten u. Guilleaume 33.—, Gelsenkirchener Berg. 66.76, Tb. Golkschmidt 20.625, Harpeuer Bergbau 83.25,. Hirsch Kupfer 43.8, Höchster Farben 19.25, Hobenlohe-Werle 48.25. Laurahütte 22.3, Mannesmannröhren 46.—, Phönix Bergbau 43>-, Schuckert u. Eo. 52.75, Siemens u. Halste 52.—^ Telephon Berliner 8.—, Dollarschatzanweilungen —. Praner Börke. Prag, 19. Februar. Die heutige Börse verlief sehr unregelmäßig. Da aber Deckungskäufe überwogen, trat für die Mehr--, zahl der Industriepapiere eine Steigerung, zn Tage Heimische Banken verkehrten ruhig, die Aktien der Wiener lagen unverändert. Von Transportwerten schwächten' sich Nardbahnaktien um 100 Kronen ab. Im Schranken befestigten sich Zucker-, Bau-, Eisen-, Chemische- und Maschinenfabriksaktken. Brauwerte tendierten geschäftslos. Auf dem Anlagemarkt schwächten sich Staatspapiere ab. Landesanleihen'lagen geschäftslös. Für Stadt- , anleihen wurde zu höheren Kursen Geld gelegt. Auf dem Exotenmarkt befestigten sich Bulgaren auf- Deckungen. Der Schluß war gebessert. S ch l u ß k u r f e: Türk. Eisenbahn-Anleihe 400 Franken —, Böhm. Nnionbank 475.—, Böhm. Eskamptebmik 451.—, Böhm. Indnstrialbmik 473.—, Zivuosteitska Banka 448.50, Anglobank 164.—, Oesterr. Kredit 136.—, Wiener Ilnionbank 139.—, Wiener Bankverein 93.50, Buschtiehrader Eisenbahn Lit. A —. Lit. B —FerdinandS-Nordbabn 7800.—, Prag-Duxer 212—, Anlsig-Tepliher Eisenbahn —, Nestomitzer Zuckerindnstrie 1775.— . Vereinigte Elektrizität Wien 205.—, Brosche 1425, Kokiner Spiritus 1230.—, KönigSbofer Zement 1235.— . Breitseld-Danek 563.50. Rinoboffer 785.—, Simmeringer 156.—, Rotbkosteletzer Textil 383—, Alpin» Montan 322.—, Voldihütte 345.—, Prager Eisen 948.—; Oesterr. Berg «. Hütten 2645.—. Skoda 618.—. Inwald 456.—. Budavester Börse. Budapest, 19. Februar. Unter dem Eindruck der Aeußerunaen des Finanzministers über die innere Anleihe und über die Valorisierung der Lombardkrcdite eröffncte die Börse in sehr ' flauer Stimmung. Es war auf sämtlichen Märkten eine allgemeine Realisationslust zu verzeichnen und da die Aufnahmsfähigkeit des Marktes sehr, gering war, kamen schon in der ersten Börsenhälste Kursverluste von 20 bis 25 Prozent -um Vorschein. Die Abwärtsbewegung dauerte auch bis zum Schluffe an und die Kurse schlossen zu ven tiefsten Tageskursen. Die flaue Stimmung nahm vom Markte der Arbitragepapiere ihren Ausgang und übertrug sich auf sämtliche Estektengattungen. Da das Wochengeld bis zu 9 Prozent hinaufgesetzt wurde, schloß die Börse in sehr schwacher Haltung und der Verkehr war ganz minimal. (Alles in Tausenden von Kronen.» Schlußkurse: Britisch-llug. Bank 135.—, Ung. Kredit 830, Oesterr. Kredit 250, Salgo Kohlen 825. Rimamuranyer 165, Südbahn 105. Staatsbahn 540.—, Anglobank —. Gran-» Szaszvarer 480, Oberung. Bergu. Hütten 1500, Dräsche Ziegel 360, Nng. allg. Kvblen —, llrikmtti Kohlen 950, Koburg —, Spodium 385, Clotilde chem. Fabrik 100, Ung. Eisenbahnverkehr 305, Verein. Holz 60, Adria —. Me Devisenkurse. Berlin, 19. Februar. «Devisenkurse.)*) Amsterdam 1.566.071 (1,566.075), Belgien 151.620 (155.610,. Christiania 554.610 (550.620», Kovenbagen 660.345 (658.360,. Stockholm 1,093.260 (1,093.260), Italienische 181.545 (183.540), London 18,004.875 (17.965.000). New-Aork 4,189.500 <4.189.500), Paris 177.555 . (183.540), Schweiz 728.175 (730.170), Spanien 532.665 (532.665), Wien 59'351 (59 351). Vraa 121.695 (121.695), Budapest 148-627 (147'680), Sofia 32.418 (32.418), Belgrad 57.855 (57.855). *) In Millionen von Mark. Berlin, 19. Februar. (Rotenknrle.)*) — Noten: Dollar 4,189.500 (4,189.600), Pfund 18.004.875 (17.955.000). Italienische 191.520 (191.520), Polnische 455.000 (455.000). Tschecheflowakische 121.695 (121.695). *) In Millionen Mark, ausgenommen polnische Mark. Dndapeit, 19. Februar. (Kurse^ der Devisenzentrale.) — Amsterdam 12.170 bis 13.050. Bukarest 175.- bi? 187.-, Kopenhagen 5150 bis 5550. Christiania 4320 bis 4670. London 140.100 bis 150.100. Berlin-.- bis —Italien 1400.- bis 1500.-. > Paris 1350.- bis 1460.-, Prag 944.- bis 1014.-, Stockholm Copyrigsh 192* hj ' Nachdruck verboten. rrutjch-Oefterreich,scher Berlag» Men. 26. Fortsetzung. Die Heimatlosen. Von Wilma Dukelich. Uebrigens Litte ich, nicht aus allzuviel Dankbarkeit meinerseits zu rechnen. Dankbarkeit liegt mir nicht. Das sage ich gleich. Und leugne jede Abhängigkeit. Ich gehe meinen Weg, glaube an Ihre Rastenprinzipien nicht, aber ich glaube an mich selber und an die große befreiende Kraft der Tai. Wenn meine Stunde gekommen ist, werde ich tun, was ich muß. Daraus können S'.e sich verlassen!" Nun atmete Lajos aus wie befreit. Tenn Ivas zu sagen. war, hatte er gesagt. Und als Fenhö lange schwieg und ihn nur eigentümlich blinzelnd anschaute, setzte er zögernd und mit gedämpfter Stimme hinzu: „Das heißt. . . wenn Sie mich unter diesen Umständen noch wollen. . .?" Fenyö schwieg noch immer und sein Blick hing unentwegt an der weißen eigensinnigen Stirn und den Augen, die seinem Blick widerstanden, groß und weit wurden und ein seltsam kindisches Staunen zeigten. Und Lajos konnte es nicht fassen, warum der Blick des Alten Plötzlich so jung und froh an seinen Zügen zu hängen schien, warum sich die Mürrische Miene ^glättete und die Lippe unter 'dem Luschigen Bart so gütig lächelte, so sonderbar gerührt und Poller Verständnis. „Will er-mich foppen?" dachte Lajos fast ärgerlich, „oder hat er sich verhört?" Mer Fenhö lächelte weiter, schwieg und streckte dem Jungen die Hand entgegen, der die harte, trotzige Knabenfaust noch immer am Rücken barg. Draußen ging der Betrieb weiter, lärmend, hastend und aufgeregt. Lajos kannte das. Er war ja oft dagewesen, hatte immer umsonst an diese Türen geklopft, um seine Manuskripte iMterZubringen. Man hatte chn fortgescheucht wie ein lästiges Insekt. Und er hörte die Stimme Kor» nitzers, die ihn immer mit Widerwillen erfüllt hatte, diese fette, schleimige Stimme, die den Mann erraten ließ, di« gemästete Made, die da war, um zertreten zu werden. Und eine unbändige Lust überkam Lajos, den Kampf <mfzunehmen, di« Made zu zertreten . . . Oder svrtzugehen. Rach jetzt in zwölfter Stunde . . . Ein Leben gründen auf reinlicher Grundlage. Arbeiten, wie Fenyö es geraten. Klein bleiben, klein und ehrlich. Sich selber nicht verraten . . .! Das war nur ein kurzer Augenblick, ein Mißbehagen, das ihn überflog vom Scheitel bis zur Sohle. Dann aber steifte er den Nacken. Wieder blitzte sein Auge aus. Und schwer legte er die Rechte in Fonyos Hand. Und am nächsten Morgen schrieb er seinen ersten Artikel im leichten schnoddrigen Reporterstil. Wie er das sofort weg hatte! Er war wirklich geboren fürs Journal. Die Macht der Presie hieß er. Schon geölt. Ueberzeugend. Die bürgerliche Presse, die Meinungen macht. Als Volks-» bildnerin und Trägerin der Kultur. Bierzchn Heller die Spaltzerle. Und aß sein erstes warmes Nachtmahl stit langem. Und zog ein reines Hemd an. Und kaufte seiner kleinen Kellnerin das erste Souvenir: die Gedichte Petofis mit einer Widmung von Nagh Lajös, die überfloß von Phrasen und von Kaisersemmeln handelte, asyllosen Nächten, die aufries zur Propaganda der Tat und Boriska, dir kleine Vielgeliebte, zur Königin des kommenden Reiches erhob. * * Es war kein Bruch, der Daniel von Lydia trennte, )var nur ein mumrkliches Abbröckeln, ein langsames Dichvexlieron. Daniel trat zurück, nicht mit der Miene des Gekränkten, sondern wie ein gütiger und einsichtsvoller Vater, der seinem schönen Und verzärtelten Liebling jede Freude gönnt. O, er verstand sie ja so gut! Konnte sie anders handeln? Er, dem das Leben ein strenges und dunkles Geheimnis schien, dem man nur durch schweres Nachdenken und du-ch die Einstellung in Gefühl und Tat aus ein letztes Zul irgendwie auf die Spur zu kommen vermag, er entzückte sich an der Leichtigkeit ihres Wesens, an ihrer einfackM Lebendigkeit und fand, daß ihr eine Ausnahmestellung vor allen anderen Geschöpfen gebühre, ein Aus» nahmelos . . . zumiudest das Schicksal einer Königin. Und obwohl er selber sein strengster Richter war, räumte er ihr das Recht ein, ganz Lydia zu sein, wenn er auch schmerzlich fühlte, daß er außerstande war, ihr zu folgen, wie auch sie ihm nicht mehr zu folgen vermochte. Durste man es sich evnsallen lasten, ethische Maßstäbe an Lydias Tun zu legen, die sich schon durch ihr bloßes Dasein erfüllte? Die Hr Gesetz in sich trug, so wie Sonne, Wind und Regen das ihre in sich tragen und sich erfüllen, ohne dauckch zu fragen, ob sie Schaden oder Nutzen stiften dabei? So fand es Daniel nur zu begreiflich, so iveh es ihnt auch tat, wenn Lydia immer seltener kanr . , . und immer mehr an ihm auszusetzen fand. Lydia aber, so oft sie die vier Treppen enrporhüpfte, die finster und schlüpfrig waren, vergaß niemals, wie sehr sie im Grrmde die Gebende war, ja zum Schluß begriff si' sich gar nicht nrehr. Was suchte sie eigentlich in diesem Zimmer, das ihr immer fremder wured, je mehr sie mit Budapest verwoben war? Und sie >war schon gereizt, che sie. Daniel erblickte. Gereizt im bloßen Bewußtsein, daß ihn doch nichts aus der Fassung zu bringen vermochte, daß ■ keine Laune ihn erregte, keine Ungerechtigkeit ihn urlge« recht machte. Nur der schwermütige Zug um seine Lippen grub sich um eine Spur tiefer ein. Sein Lachen wurde seltener, und der dunÄe Glanz, der sein Auge früher ft» warm durchleuchtet hatte, schien erloschen. Seine Güte aber blieb immer die gleiche. Weil sie so groß, so alles umfassend, so sehr das erste und letzte Element seines Wesens war, daß Lydia, wohin sie auch lastete, wonach sie griff, immer wieder jene letzte Güte fand, die sie nicht ertrug; denn sie fühlte sich förmlich vernichtet durch sie, zu Boden gedrückt und aller Sensationen beraubt. So kam sie immer seltener zu ihm, ohne es recht zu merken. Und blieb schließlich ganz fort. Nicht ans böser Absicht. O nein. Nur daß sie keine Zeit mehr hall«. Daß sie vor lauter Vergnügen nicht mehr dazu kam. Denn nun lebte sie ja jenes Leben, von dem sie geträumt hatte. (Fortsetzung folgt.)

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