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Wiener Morgenzeitung · 1924-02-18 · Heft 1799 (18.2.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1799 (18.2.1924)
Date
1924-02-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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MZ«hnffiiuierKi2ÖÖ Wien Zum Abholen n Her Expedition,11.,Taborstr. 1-3, oder meiner Verschleißteile (Trafik 1 monatl. K 35.000 otrassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma GoIdschmiedt.I. Bez„ Wollzeile 11. Mit Postversand für Wien n. Oesterr. monatl. K 85.000 Tgche ch o-S I owak ei: Mon. K 18. lutfoslawien: Mon. DinaröO. Polen: Mon. osterreich. Kronen 30.000, Deutschi.: Mon. Goldmark 4.—, Frankr.. Belgien: Mon. Fr cs. 12 ftV* N a eh t a h i u n s e n "SSO bei Preiserhöhungen Vorbehalten Po’enipoM 200-008 Italien: Monatl. 12 I .ire, Rn mänien Mon. 130Lei, Bulgarien Mon. 80 Lewa, Schweiz und das übrige Aasland monatlich Frcs. 4 Redaktion u. Administration Wien', n.,Tahorstrasse 1 —3 Teleohone: 44-0-38,43-3-1V, ab 6 Uhr abds. 19-483,25-282 Tel- Adr.:„Mor^en7.ellung** Wien MMUW«W««MW«W,WW^!,WA«W«WWWWW IMMHIWMWU.WWWIW Österreichisches Post spar - leassen-Konto Nr. 150.69 91r. 1799 Wien. Montag, 18. Februar 1924 6. flafitfimta Ser TsMemtenstreik ausgebrocheu. Bor einer allgemeine« Aussperrung r Der Streik der Bankbeamten und Bankgchilfen hat heute früh bei den vier hierfür bestimmten Großbauten eingesetzt. Die Hoffnung auf eine gütliche Beilegung des Konfliktes mit den Bankbeamten hat sich nicht erfüllt. Nach dem Abbruch der Verhandlungen am Samstag ist während deLSonntags von keiner Seite ein neuer Annäherungsversuch gemacht worden und so trat das bis heute 8 Uhr früh befristete Streikultimatum in Kraft. Das bedeutet zunächst de» Streikausbruch bei vier Großbanken, nämlich bei der Depositenbank, der Verkehrsbank, der Anglobank und der Unionbank, deren gesamtes Beamten- und Gehilfenpersonale die Arbeit niederlegt. Der von den Leitungen dieser Finanzinstitute vorbereitete einstündige Not kaffendienst kommt nur für einen winzigen Teil des Bankgeschäftes, die Wechseleinreichungen, in Betracht, so daß der Betrieb völlig stillestehen wird. , In informierten Kreisen glaubt man nicht, daß der Streik, der von den unangenehmsten Konsequenzen für das gesamte Wirtschasts- und Geschätsleben begleitet sein muß, von allzu langer Dauer sein werde. Gerüchtweise verlautete bereits gestern von einer Intervention seitens der Regierung oder durch Parlamentarier, doch gilt es es als sicher, daß die Regierung nur dann ein- Kreisen werde, wenn sie von einer der beiden Parteien ausdrücklich um ihre Vermittlung ersucht werden sollte. Die allgemeine Aussperrung. Wie wir erfahren, haben die Banken den Beschluß gefaßt, falls der Streik bis Mittwoch andanern sollte, mit derallgemeinenAussPerrungderBeamten in sämtlichen Instituten vorznoehen. Demgegenüber droht wieder die Beamtenschaft im Falle der Unnachgiebigkeit § der Direktionen, den Streik aus alle Banken auszudehnen. ttebergreifen des Streiks auf die Industrie? Im Laufe des Tages fanden zwischen dem Reichsverrin der Bankbeamten und der Gewerkschaft skommisfion Beratungen statt. Diese Beratungen hatte» den Zweck, gemeinsame Maßnahmen zu treffen, falls die vom Streik noch nicht betroffenen Banken zur Aussperrung ihrer Angestellten schreiten sollten. Es wurde auch die Gefahr eines Uebergreifens des Streiks aaf die Indnstriearbeiterschaft eingehend besprochen. Die letzten Streikvorvereitungen. Bei den zunächst vom Streik betroffenen Großbanken handelt es sich um 5 0 0 0 Beamte und 1600 G eh11fcn. Die Beamten und Gehilfen der Filialen in d e n . B u n d e s l ä n d e r n, die telephonisch von dem Ausbruch des Streiks verständigt worden sind, haben gleichfalls heute früh 'ihre Arbeit ein?- gestellt. Gestern fanden im Reichsverein der Bank- und Sparkassenangestellten ntehrsache Beratungen des Zeniralverbandes, der Streikleitung, der Vertrauens- Personen der vier vom Streik betroffenen Banken und der Betriebsräte sämtlicher Wiener Krediti n st t t u t e st a 11. In diesen Versammlungen wurden die letzten noch notwendigen streiktechnischen Maßnahmen beschlossen. Unter den Versammelten herrschte große Entr ii st u n g gegen den Bankenverband wegen seines Vorgehens gegenüber den Vertretern der.Beamten, die von ihm zur Fortsetzung der Verhandlungen eingeladen wurden, und als sie erschienen, wurde ihnen, statt in Verhandlungen einzutreten, von den anwesenden drei Vertretern des Verbandes eine Note überreicht, des Inhalts, daß die Möglichkeit einer Einigung nicht gegeben sei. Die Mitteilung von diesem verletzenden Verhalten gegenüber den Beamtenvertretern wurde wiederholt mit stürmischen Eutrüstungskundgebun'gen ausgenommen. Ter Borstand des Reichsverein-es erklärt, aus diesem Verhalten des Bankenverbandes sei nun klar ersichtlich, daß er es auf den Kamps ankommen lassen wollte. Wahl eines Svgliedvigen Streikkomitees. Sonntag vormittags fand eine Sitzung der Streikleitung unter Zuziehung der Vertvauenspersonen aus den Ländern statt, die mitteilten, daß die Angestellenschaft in den Provinzbanken und Filialen geschlossen an der Aktion der Wiener Kollegenschaft teilnimmt. Des weiteren hat die Prager Organisation bekanntgegeben, daß sie von morgenaneine st re n ge Sperre über die vom Streike betroffenen Institute verhängen werde. Ferner wurden im Laufe des Tages alle Vorkehrungen für den Streik als auch für eine eventuelle Aussperrung getroffen, insbesondere wurde eine ävgliedrige Streikleitung gewählt, die, geführt vom Präsidium der Organisationen, durch Streikposten und andere Maßnahmen dafür sorgen wird, daß während des Streiks jede Arbeit in den Instituten ruht. Für die Streikenden, deren Zahl in den ersten Tagen des Streikes bei den vier Großbanken zirka 6000 beträgt, wird im Rathauskeller ein Mittagstisch eingerichtet. Bei einer eventuellen Ausdehnung des Streiks werden noch weitere Stellen zur Beköstigung der Streikenden eingerichtet werden. Die Gewerkschaft ist im Besitze reicher Mittel und sieht einer längeren Dauer des Streiks oyne Furcht entgegen. Ferner wird" Mannt,' daß '%r;W Pwtiwfften und Oberprokuristen seitens der Direktionen Drohbriefe gerichtet tourtteit, 1 worin Gnen die Entlassung angekünd-igt! wurde, Ms »sie den N»4hiffsdienst verweigern würden. Die OLerProikurfften und Prokuristen haben in den einzelnen Betrieben bereits Sokrdaritätserklärungen abgegeben, wobei ausdrücklich betont wurde, daß solche Ginschüchterungsversuche wirkungslos bleiben werden, da die Betreffenden wißen, daß solche angedrohte Maßnahmen nach endgültiger Erledigung des Konfliktes nicht verwirklicht werden, während sie andererseits die Gegenmaßnahmen der Gewerkschaft zu befürchten hätten." Eine dringliche Anfrage im RationalraL. Aller Voraussicht nach wird in der Mittwoch-Sitzung des Nationalrates von der sozialdemokratischen Fraktion rin Parlament eine dringliche Anfrage über Len Streik der Bankbeamten eingebracht werden. Dns Eingreifen der Regierung. Wie wir hören, ist die Regierung zu einem Eingreifen bereit, sobald eine der Parteien ausdrücklich um ihre Intervention ansucheu sollte. Dir SLreiklökale. Für die vier Banken, in denen ein Ultimatum überreicht wurde, hat die Streikleitung endgültig folgende Streiklokale bestimmt: Anglobank: Olympiasaal, 1. Bez., Rotgasse 5: ltuionbauf:- Hotel Post, 1. Bez., Fleischmarkt 21; Depositenbank: Reichshallen, 1. Bez., Dorocheergasie; V e r k e h r s b a n k: Hotel Continental, % Bez., Taborstraße 4; Gehilfen: Zeniralvölkskeller, 2. Bez., Daborstraße 8; Ser enMche Swtarteftettteil London, 17. Februar. (Reuter.) Die Leitung der Transportarbeiter-Union erklärt, daß von Montag an der ausgehende Seeverkehr für Güter vollkommen stillgelegt sein werde. London. 17. Februar. (Reuter.) Die Dockarbeiter von Liverpool, Plymouth, Southampton, Bristol. Glasgow, der Häfen von Südwales und anderen Häfen sind in den Streik getreten. - London, 17. Februar. (Reuter.) Das! StveiWolMiilee gibt m einer Kmtdgrb'üng seiner Befriedigung über die Durchführung des Sire ikbe fehles in allen Häfen Ausdruck. Die Dockärbeiter, die die Sicherheit der Warm übevlvachen, werden auf ihrem Posten bleiben, solange Nicht Streikbrecher den Ausständigen in den Rücken fallen. 2000 Postfäcke aus New-Aork find hx Plymouth liegen geblieben. Sie Lage i« Nahem. Heute Rücktritt Kahrs und Lossows? München, 18. Februar. (Tel. der „Wiener Morgens zeitung".) Wie in hiesigen politischen Kreisen verlautet, sollen heute GcineraPaatskommissär Kahr und Wehrkreiskommandant L o s o w ihren Rücktritt vornehmen. Der Ministerrat hat sich mit dieser Angelegenheit tm Zusammenhang mit der allgemeinen politischen Situation befaßt, jedoch keinen Beschluß getroffen. Gestern fand die öffentliche Volksabstimmung über dieAufl 8 sung des Landtages' und die Verfassungsänderung statt. Obwohl bis jetzt die endgültigen Resultate aus ganz Bayern noch nicht vorliegend ist es doch schon sicher, daß ^beide Volksbegehren bereits die Stimmenmehrheit haben. Die von der bayrischen Bolkspartei eingeleitete und von den rechtsstehenden Politikern und wirtschaftlichen Verbänden kräftig unterstützte Abstimmung hat bereits die nötige M i n d e stzahl v o n 800.000 Stimmen erreicht. Das erste Volksbegehren auf sofortige Auslösung des Landtages erhielt in München 108.000, in Nürnberg 24.000, in Würzburg 16.000^ in Regensburg 11.000, in Bamberg, Landhut, Amberg und Passau je zwischen 6000 und 4000 Stimmen. Das z w e i t e Bo l k s b e g e h r e n auf Verfassungsänderung blieb überall etwas hinter dem ersten zurück. Es hielt in München 9000 und in Nürnberg 6000 Stimmen. Die Regierung muß den Landtag nunmehr sofort a uflös en und dem am 6. April neu zu wählenden Landtag den Entwurf auf Verfassungsänderung zur Genehmigung mit einfacher SLümneumehrheit vorlegen. Im Sinne der Bayrischen VoKspariei wird die.Verfassungsänderung die Einsetzung eines eigenen bevol! mä chtigtenStaatspräsidenten und eine Erleichtern^ für zukünftige weitere V-ersassimgsLnderungen vorsehen. Sie UMeier im Reichs. Berlin, 17. Februar. (Wolff.) Heute fanden im ganzen Reich Kundgebungen für die deutsche Pfalz und das deutsche Rheinland statt. Bei der im Reichstag in Anwesenheit des Reichskanzlers Dr. Marx und zahlreicher Minister Deutschlands und Preußens abgehobenen Feier ergriff unter anderen auch der deutsche Gesandte in Wien Dr. Pfeiffer, selbst ein Piälzer, das Wort um den Volksverrat der Separatisten zu brandmarken. Je mehr Unrecht in der Pfalz geschehe, desto fester und sicherer würden die Herzen dem Deutschtum gehören. Wahlniederlage der SszkaldemolrateR in MÄlenburg-Echwerin. Berlin, 18, Februar. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Nach den bisher vorliegenden Tellergebuissen über die Landtags Wahlen in Mecklenburg- Schwerin ist ein S i e g d e r D e u t s ch n a t io n a l e n, derdeutschen Volk § partei und der K o m m u n iste n sicher. rMz Sozialdemokraten werden ebenso wie in Thüringen viele Sitze an die Kommunisten verliere n. Auch die Demokraten dürften eine sta rke E i n b n ß ' erleiden. Zer Krssensturr kn Snzam. Ein Artikel des Fmanzministers Kallay. Budapest, 17. Februar. (U. T.-K.-B.) Finanz, minist?'!? Kallay schreibt im „Pester Lloyd", die panikartige Flucht des Publikums vor der Krone lasse sich nur durch den Herdentrieb der Menge erklären. Wegen des Schicksals der Ausländsanleihe habe man u Besorgnissen weder Ursache noch ein Recht. In der nächsten Sitzung d«r Nationalversammlung werde der Fiuanzmrnister die notwendigen Ermächtigungen für jene Verfügungen ansprechrm, die man in ähnlichen Fällen treffen müsse. Er Plane keine gewaltsamen Verfügungen oder peinliche Ueverraschungen, keine Beschlagnahme der Depots, keine Sperre der Einlagen, keine Abstempelung des Geldes oder dergleichen, sondern er wolle einerseits die Tätigkeit der Banknotenpresse einschränken, andererseits aber schwere Strafen für den Schmuggel von Papiergeld ins Ausland dekretieren und im allgemeinen verhindern, daß aus Böswilligkeit oder niedri ger Gesinnung begangene Handlungen die Position der ungarische« Krone gefährden können. V

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