Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1924-02-17 · Heft 1798 (17.2.1924) · p. Seite 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1798 (17.2.1924)
Date
1924-02-17
Page
Seite 14 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
85% known words query
IRI
…/2979076-2980834-2980881--17841-3004862
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Serie 11 Wien, S'bnrrtög Wiener MoraenzettnM 17. Februar 1924 Nr. 1798 n 0 M Bf R I < H I Nlltagsphilvsophie der Kleidung. Eine banale Wahrheir: Wer im Sakkoanzug zum ^enniZ geht oder im Sportdreß beim Fünfuhrtee erscheint der besitzt keinen Geschmack, dem jehlr das Gefühl für das Schickliche. Wir haben durch die Erfahrung gelernt, daß die Kleidung in einem gewissen Sinne ein Stück Wissenschaft, Kunftgewerbe, Tradition, Gewohnheit, Intuition iji. Auch der moderne Mann hat den Wen geschmack-- und stilvoller Kleidung erkannt und achtet darauf, gut gekleidet gu sein. Tie Toilcttefrage bedeutet siir ihn auch eine Frage vornehmer Kultur und gesellschaftlicher Würde. Der gur gcbaure, gut sitzende Anzug gilt der trockenen Philiften naiur als ein untrügliches Zeichen geistiger Minderwertigst und das sorgfältige Absiimmen der Krawatte zur Farbe des Anzuges als Zeitvergeudung und ° oerwe'^''che Bemühu'lg um Äeußerlichkeiten. Man ist gewiß herzlich wenig, wenn man nur gut angezogen ist. Ader em revräzentabe! angekleideter Hohlkopf ist angenehmer als einer in dcrangierter Kleidung. Man muß nicht eitel sein, wenn man wählerisch in der Toilette ist, und man bezeugt seinen Nebenmenschen Achtung, wenn man Wert darauf legt, schm im Aeu'zern sein Bedürfnis nach Geschncack nicht zu rersetzen. M<r:r pflegt seinen Körper, warum nicht auch die Kleidung? Man hat Achtung vor sich selbst, warum soll man den „äußeren Menschen" vernachlässigen? Es gilr als Zeichen von Kultur und Fortschritt, dis Stätten geistiger Beschäftigung und Erbauung zu schmücken, sie durch Schmuck über der: Alltag hinauszuheben. Warum soll der Mensch als Träger des Geistes seinem Aeußern nicht die notige Sorgfalr angedeihen lassen? Nicht von den Nichtstuern ist die Nede, auch nicht von den Berufshochstaplern, sondern vorn Weltbürger, der in einem Kulturmilieu lebt und seinen Srnn für das Schöne und Distinguierte auch scheu in seiner Kleidung drkumenrieren will. Er wird sich von jeder Uebertreibung frei halten und entsprechend der Gelegenheit und se^em Lebensstandard seine Kleidung wählen. S. Spitzer. Puder und Schminke. Mode und Schönheitspflege find Fütteren, die emanoer $2 ergänzen haben. Beide tragen den Charatter von Knliurelemeureist beide ergeben sich aus der individuelle,i Geschmacks- Achtung heraus Der Modellierung und Tongebung für den Tag und für den Abend soll daher eine besondere Sorgfalt zugewendet werden. Im allgemeinen konzentriere sich das Interesse der, eleganten Dame mehr auf die Abendwirkung, da hier die Farben infolge des künstlichen Lichtes bedeutend erhöbt werden und neben dem Dekollete stärker zur Geltung gelangen. Im Zusammenhang mir der Buntheit' der Mode'können.' dir Töne intensiver aufgetragen werden. Vom 'harmonischen Schönheitsstandpunkr wird jede Frau Las Puder nach ihrem Tein: wählen, die Blonde den Rosatüfy die Brünette den mehr ins Gelbliche schimmernden. Pom hygienischen Standpunkt verwendet man zuerst Creme, dann erst Puder, da die Poren solcherart nicht so stark verstopft Werden und die Masse dann durch eine Fettcreme leichrer entfernt werden kann. Tie nächsthöhere Steigerung ist die Schminke. Das Vorurteil gegen sie scheint auch bei den Rückständigen schon überwunden. Für die Tagesbeleuchrung entscheide: man sich für ein dunkles Rot, für d:n Abend bat die große Mode Rouge anher denn obligaten Stift eine feste Schminke, auf eine kleine Bürste aufgetragen, mit der man die Kontur schütter zeichnen oder auch verschmälern rann. Auch kam. mit demselben Mittel bei Pen. Augenlidern die Linie betont und der längliche, schlisartige Charakter ^orientalische Richtung!) heroorgehoben werden. Die Hand und Nagelpflege bcbeuier ein besonderes Kapitel. Glncerincrcme für die Nacht, Trocken-werne bei Tag sind selbstverständliche Prozeduren, ebenso wie für das Dekollete und die nackten Arme ein Bader, das auch flü'ng sein und für den ganzen Körper Verwendung finden rann Die Hanl bedarf nach den Anstrengungen des Tages und des Abends ihre spezielle Pflege: Toiseliewasser, Lotion, Fettcreme sind die natürlichsten und geeignetsten Behelfe. Man sieht, bars die 'jfcnoc zum Teil auch in das Gebiet d?r Hvgwne einschläat. Die Frau man sich ..Herrichten". Sie mnr ')■■■ cUar.tr in ihren geheimen Plänen unterstützen. Ter Stofsgeschmack. Während die große Mode, welche in P c r: s und L o n d o n kreiert wird, sich die ganze Welt er- '.Wert har, so daß sie auch in den anderen Kulturzentren oominicn. hat sich Wien auf einem anderen Gebiete durchgesetzt. Cs ist dies die Leistung des Wiener Kunsrgewerbe 8, das ans eine alte Tradition zurückblicki und gegenwärtig haupt- '-'ichlich von Frauen kultiviert wird. Richtunggebend' war jen» ■r.ljiik, die wir heute als Wiener Kleinkunst bezeichnen, und men Führer als Architekten und Innendeioraieure tätig sind, besonders populär ist die Äunstgewerbefchule des Prof. H o f f- .n a u n, dessen Schülerinnen derzeit im Kunstgewerbemuseum ms dem Siubenring eine Reihe von Modeentwürfen ausgehaben. Entscheidend für den Wert dieser Ausstellung ist nicht die Linie der Modetypen, sondern die des Dessins erst in der Zusammensetzung der Farben und vor allem die Webcrrst Der Wiener Stoffgeschmack beeinflußt heute alle Mvdehäui aes Auslandes. Die von Künstlern wie Hofsmann, Strnad, steche entworfenen Dessins sind beispielgebend' geworden, auch in jenen Kreisen, welche bisher dieser Richtung gegenüber ablehnend gestanden sind. Als Grundlage genommen wird diese Wiener Stoffkunst sich ganz bestimmt weiter durchsetzen. Sie kann der Beginn zur Schaffung einer Wiener Modezentrale werden. Schon in diesem Sinne ist die genannte Ausstellung, «us welcher man viele neue Talente sieht, höchst bemerkenswert. or. Dir Nofiümkragr. V;> / ijß '"'‘Raoc.v Im allgemeinen rückt «tat* noch lttrfa mt den neuen Frühjahrsmode-lcn heraus. An den oiesbemglichen Ideen wird noch zwn Teil herumqemodelr. afcer ein fubrenoes Modellbaus 11 / *• i* vfQ^Vif/iv»r. uux/ |u», jvijw x^umc \\vtivMir*. ' r v r*» v * der Trägerin gebunden, es lc'ßr mannigfache warben zu, wie beispielsweise in«, vorliegenden Fülle ein F.aschcngrnn, andere Möglichkeiten sind Cassia (llmwetsarbenst TunkKbwn. braun und sogar Weiß, so daß es mkemem Milieu störend wirk:. Ter Stoff ist ein Rips, stopf, besonders apapt der hohe, auchestellte Kragen, der orrgnwll unterlegt gcstepdt yll ^^rschlüß selbst zeichner sich ... ~ , bleibt ziemlich kurz, gerade fallend. Die beliebte C!o.-ne-H,üform, zur Farbe des 'Kleides pastend, und aus ganz schmaler Soutache zusammengesetzt, wirkt reizend. Zur flotten Linie des Kostüms Paßt vortrefflich statt eines Schirme» ein. e.ügguter Stock mir einem Leoerraschchen, einer Lmuser mir Armringen an den Gelenken befestigt; als Tunrque mit einer Spange um die Hüften festgebalten; in Zusammensetzung von nrehveren Tüchern als MorgenNei dp als Schürze mir einem Holzperleuträger; besonders origineE als Applikation auf das Nachmittagskleid im Rücken und am Rock. Diese mannigfachen Berwendungsarten bürgen dafür, daß die Seidentuchmode sich noch lange behaupten wird. __ r. nt. Der Stein als Talisman. Der Orient ist reich an Zaubersprüchen und Gebetformeln, und da er sich für seine religiösen Extasen äußere Zeichen schafft, scheint er auch der Schöpfer der Talismane zu sein. Die Inder dürsten eine innere Harmonie zwischen bcu Gebnrtsnwnatcn des Menschen und den sogenannten glückbringenden Steinen gefund"n und festgelegt haben. Es gebärt natürlich eine kräftige Dosis Autosuggestion dazu, den Glücksstein mit dem Charakter in Zusammenhang zu bringen, weiterhin eine Art S'ielerei, Neigung zum Phantastischen und Aberglauben. Die abergläubische Dame kann sich nach indischein Rezept einen Talisman für jeden Monat Wahlen, in künstlerischer Einfassung kann er ein geschmackvolles Zierstück bilden: Für den Jänner — Hyawnth, Februar — Amethyst, März — Rubin, April — Saphir, Mai — Smaragd, Juni — Achat, Juli — Diamant, August — Perle, September — Aquamarin, Oktober — Topas, November — Türkis. Der Dezember ist noch offen. Hier bietet sich der Individualität der Trägerin der weiteste Spielraum. or. Brieftofte« de» Msdebericht. Frl. Ä. C., Prag. Die Kultur des Briefpapiers und der Visiten- und Besuchskarte ist ein Kapitel für sich. Wir erinnern an Felix Poppenbergs Worte: „Wie die Sttsitenkarte des Unbekannten, die äls Vorbote einer neuen Begegnung uns ins Zimmer gebracht, zugleich ein Vorzeichen ver betreffenden Persönlichkeit ist, Lust oder Unlust zur Bekanntschaft weckst so auch das Exterieur, der Dreß der Briefe KenißlefSi iraistausstaeiungsn WÄSCM* MlEOW 3>Mt O&n, KohlmarktS, A!le W/ese Obenstebendes Modell von Id^ Reich u. Bruder, 7. Be-., Mar'iahilferstrahe 36. Das geblümte Seidentnch. Vorjahr waren die ersten Vorboten des Seidentuchrs zu sehen, wobei das türkische Muster dominierte. Man Hirt sogar geglaubt, daß das Saisonende auch das Ende des Seidentuches bringen werde, aber dw -Mode läßt eine hübsche und praktische Neuerung nicht so bald fallen. Um sie „tragfähig" zu erhalten, beutet man das Grundelemmi bis zur letzten Möglichkeit aus. Der Grund besteht aus Crep de Chine oder Pongis. die Muster haben innerhalb des orientalischen Charakters den Weg von der Türkei bis m den äußersten Osten genommen, wobei man mit Vorliebe äghvtifche und persische Muster in ausschweifendster Phantasie verwendet. Durchschlagend ist die modern stilisierte Blume, die sich vom Batik emanzipierte und jetzt gemalt oder gewebt erscheint; besonders beliebt das große Bukett mit reicher Bordüre. Ueberaus Zahlreich . sind die Verwendungsmöglichkeiten des gebli'mten Seidentuches: zunächst als Halstuch in verschiedene Variationen, offen oder geknotet gebunden; als K 0 p s t u ch; als^ A u f P u tz für den Reise- oder Straßenhut; als Umhänge tuch über die Schultern m Vertretung eines Morgenjäckchens \ VoISstänäige Bab^rousseayjt SPITZER & MARKUS II. HOLLANDSTRASSE 1 ATELIER für feine englische vornehmeDawipmwocle Herren?ardorobe Ko„srtüme' u. btrassen-Kleider vornehmsten Genres b feinster Anafflhyung •JVk'yi?. JViMpr&imatkJ *Jfledele$ fUsmJflan m $R&bes. Ueslumes.JHanSeaw^ $ßay®ivns et Srourrüre$ 3) ie neuesten Modelle in grossen 3lbend- und Stilkleidern DAMENWESTEN! Sfrickwaren, Wirkwaren u. Sporiarhkel in grosser Auswahl yaw Glockengasse a!Sr6CBi& «MWlö«sWS Telephon 48-608 b02 «2? gegründe'; 1884 r mmmnmminvm Erzeugen als SpeziaOltät Mieder, Gürtel 9. sind Büstenhalter aus Gummi, Trikot und %pr feinsten frans. Steffen 4177

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.