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Wiener Morgenzeitung · 1924-02-15 · Heft 1796 (15.2.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1796 (15.2.1924)
Date
1924-02-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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EinzelnmtimerK1200 Wien: Zum Abholen in der Expedition, II., T aborstr. 1 -3, Oder in einer Verschleimtelle (Trafikl monatl. K 35.000 Strassenverkanf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmiedt, I. Ber., Wollxeile 11. Mit Postversand für Wien u. Oesterr. monatl. K 85.000 Tsehecho>SI otvak et: Mo» X18. lusroslawi^n: . Mob. Dinar 60. P o I e n: Mon. Österreich. Kronen 30.000, Dentschl.: Mon. Goldmark 4.—, FranVr,, Belgien: Mon. Fres. 12 WW* Nach tahlonjreo "W> M ' PreisertiShireTM Vorbehaltes Rk. 1796 Wiener Dämon derlanristraOe MM Po>en:po1n.m 200-001 Italien: Monatl. 12 Lire Rn m ä nien Mon. 130Lei Bulgarien Mon. 80 Lewa Schweiz und das übrig« Aasland monatlich Frcs. 4 Redaktion u. Administrativ Wien, II., Taborstrasse 1—J Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab 6 Uhr abds. 19-483,25-282 Tel« Adr,:„MorsjenzeitunjrÄ Wien Wien, Freitag. 15. Februar 1924 Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 6. AaHrgang “ “ ' . des Ausnahmszustandes in Deutschland. blue Verordnung des Reichspräsidenten. — Reue Unruhen. (Ergendienft der „Wiener Morgenzeitung".) in Schach. Truppen zerstreuten schließlich die Mam- Berlin, 14. Februar. Der Reichspräsident hat heute auf Grund des Artikels 48 der Reichsverfassung eine Verordnung erlassen, wonach die Durchführung der mit den Oktoberunruhe» in Hamburg zusammenhängenden Strafverfahren vor einem ordentlichen Gericht zu erfolgen hat und das ursprünglich dafür eingesetzte außerordentliche Gericht aufgehoben wird. Gleichzeitig hat der Reichskanzler bei den beteiligten Roichsministerien eine Prüfung der Frage veranlaßt, in welcher Welse durch besondere Maßnahmen umsi'ürzlerischen Bestrebungen in Zukunft wirksam entgegenzutreten wäre. Bayern separiert sich. München, 14. Februar. (Sivdd. Korr-.-Bur.) Im Landtag wurde heute über die Anträge betreffend den Ausnahmszustand und die W.ahlfreihei.t abgestimmt. Die Anträge ans Aufhebungdes Ausnahmszustandes wurden mit den Stimmen der' bayrischen Polkspyrt«.uyd.der bayrischen Mitt-elpartei abge lehnt, . dcHogen Äirde. ein AusschmßMpag Mgeyommen, (wonach^ ' ^^M^DMyiüsternün^ me Sicherung^ der WahDö'cheÄ und die Aufrechterhaktung von Ruhe und Ordnung mit allen staatlichen Machtmitteln übernimmt und wonach wahrend der Wahlzeit Verbote von Zeitungen und Druckschriften nur unter Angabe der Gründe verhängt werden können. Ferner ist die Presse-, Rede- und Versamntlningsfve-iheit wieder herzustellen. Die Unruhen im Reiche. Berlin, 14. Februar. In P i r m a s e n s herrscht Ruhe. Bon den Schwerverletzten sind gestern noch zwei Separatisten und einer ihrer Angreifer gestorben. Im ganzen beträgt die Zahl der Toten 25, die der Schwerverletzten über 40. In Kaiserslautern 'belagerten gestern zweihundert Personen, darunter mehrere Polizeileute, die Leiter der autonom istifchen Bewegung int Bezirksamt. Die Autonomisten weigerten sich, das Gebäude zu verlassen, worauf die Polizisten feuerten. Es wurde Alarm geschlagen und mehrere'tausend Menschen sammelten sich auf dem Platze ft stauten. Tiefe plünderten mehrere Läden. Man zählt zehn Tote und etwa zehn Verwundete. In Solingen, das allerdings unter englische- O-lkupation steht, kam es zu Kämpfen zwischen Kommunisten und Schutzpolizei. Es gab Tote und Verwundete. Mutige Zusammenstöße in Stettin. Berlin, 14. Februar. Gestern nachmittags ist es m Stettin zu einem Zusammenstoß zwischen demonstrierenden Kommunisten und Polizei gekommen. Ein Donrc'Nstrati'0nszng versuchte die Polizeikette m der BuWanstraße zu durchbrechen. Die Demonstranten gaben dabei ans die Polizisten einige S ch ü s s e alb, wodurch ein Polizist verwundet wurde. Die Polizei erwiderte sofort das Feuer. Ein etwa 40 Jahre älter Mann wurde getötet und sieben junge Burschen Vevivundet. Kommunistische Svrengstoffattentate in Sachse». Leipzig, 14. Februar. In estrigen sächsischen Stödten wurden gestern imZustmvmeHvNg anit den ggplantW kommunistischen Unternehmungen Sprengstoffattentate verübt. Gegen Mitternacht wurde in die Wohnung,d«rs Direktors Schmiedel in Schwarzenberg eine Handgranate geworfen, wodurch Schmiedsl eine Verletzung am Arme erlitt. In Laut er wurde ein Sprengkörper m die Villa des. ‘ Fabrikanten Gnue cht ekl, in Hohenstein-Ernstthäl ein Sprengkörper in die Villa des Fabrikanten Haase geworfe-n, ohne Schaden anglrrichten. In Hohenstein-Ernstthal wurde Mchmittags während einer Demonstration der Fabrikant Z w i n g e n b e r g am Arm durch einen Schuß schwer verletzt. Jentschlands Aufnahme kn den NAlerbnnd. Eine englische Anfrage in Berlin. (Eigendienst 2er „Wiener Morgenzeitung".) Paris, 14. Februar. Der Korrespondent des „Marin* in London will erfahren haben, daß die englische Regierung offiziös bei der deutschen Regierung angefragt habe, welche Haltung diese einnchmen würde, wenn die englische Regierung die.Zulassung Deutschlands zum Völkerbund beantrage-. an. Die bewaffneten Separatisten hielten die Angreifer Horthys „8e»tleman"-Minjfter. Innenminister Rakovszly der Bestechung Sberwiese«. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Keine Abschattung. —y. Wien, 15. Februar. Es ist eine scheinbar kleinliche Angelegenheit, die Agenwärtig die österreichische Presse beschäftigt. Die Postverwaltung ordnete an, daß die Pressegespräche, für die bisher die einfache Gebühr galt, künftighin zur dreifachen Gebühr geführt werden sollen. Sie begründet ihre Verfügung in der Weise, daß durch die Zulassung der einfachen Gebühr für die Presse die Führung der „Gespräcke höherer Kategorie", das sind die dringenden - und die Blitzgespräche, verhindert werde, die Telephon- Verwaltung daher einen Entfall beklagen müsse. Um diesen zu decken, verteuert sie die Pressegespräche auf das Dreifache. Eine kaufmännisch geleitete Verwaltung würde die Erhöhung der Einnahmen auf andere Weise versuchen, etwa durch Vergrößerung des Umsatzes, das heißt durch die Verbreiterung des Verkehres, durch Vermehrung der Leitungen. Sie würde auch in Erwägung ziehen, ob nicht die mechanische Erhöhung der Tarife auf dieser Seite eine Verringerung der Einnahmen auf einer anderen Seite bedingt. Bei dieser Prüfung würde sich Herausstellen, daß sich im Transitverkehr gewisse neue Relationen bei der Umleitung über Budapest nunmehr billiger stellen als über Wien. Die Sach« sieht nicht sehr bedeutsam aus. Sie hat aber doch neben der finanziellen Seite eine politische. Sie engagiert neben den fiskalischen Momenten auch das Prestige des Staates, worauf nicht nachdrücklich genug aufmerksam gemacht werden kann. Die Presse ist seit jeher in Oesterreich das geduldige Objekt der Rechenkünstler gewesen und sie hat sich auch in der RepuWk nicht über. übertrLMnsEVktzMchQftz Es gibt in ihrer Behandlung durch Publikum und Staat zwei Standpunkte: den des gei-stbeflisienen Äestheten'tums, das aus den Mangeln der journalistischen Institution guten Verdienst zieht, und den des Bureauikraten, der die Presie ihrer kritischen Funktion wegen haßt und sie am liebsten vertilgen mochte, weil sie ka Ruh' gibt und die Leute aufhetzt. Da aber die Presie trotz alledem lebt und sich nun einmal nicht ausstveichen läßt (sie hat sogar die Kriegszensur des A. O. K. überlebt), so soll ihr wenigstens das Dasein so gründlich erschwert werden als nur möglich. Ihr und allen, die den Federberuf ausüben. Sie sind Schaft, die man scheren kann. Und wenn die Bureaukratie in ihrer Gottverlasienheit keine produktive Erhöhung der Einnahmen ersinnen kann, so multipliziert sie einfach die Tarifzifftrn. Wozu braucht man. Gehirn, wenn man einen Bleistift hat? Nun ist aber Wien in der Nachkriegszeit ein sehr wichtiges Nachrichtenzentrum geworden. Die Presie und die Journalistik haben außer der Aufgabe der Kritik und der Vertretung öffentliches Interessen auch noch die Pflicht der Informationen, und es gibt, nebenbei bemerk, sehr viele Bureaukraten, deren griesgrämige Abneigung vor Zeitungen und Zeitungsjuden sie nicht hindert, na und so weiter. Da sich mm die Zeitungen der Nachfolgestaaten von Wien aus über mitteleuropäische und selbst außereuropäische Vorgänge berichten lassen, gewinnt dieses Nachrichtenzentrum auch politische Bedeutung, die noch durch den Umstand verstärkt wird, daß sich die mitteleuropäische Presie des aus der Zeit der Monarchie her bestehenden Telephonnetzes bedient, dessen Hauptlinien in Wien kreuzen. Dies gab und gibt der Regierung die Möglichkeit, den Nachrichtendienst ftir die Nachfolgestaaten zu beeinflussen. Biele Mitteilungen, an deren Verbreitung die österreichische Volks- und Staatswirtschaft außerordentliches Interesse hatten, sind auf diesem Wege zur Kenntnis der Oefftntlichkeit außerhalb Oesterreichs gelangt. Es ist gewiß nicht die Aufgabe der trotz alles Abbaues überlasteten und nervösen Verrechnungsorgane, an die politisclje Seite des ihnen erteilten Erlasses zu denken. Anders aber steht es mit der Regierung. Sie rr^tz wissen, daß Oesterreich nicht ans dem internationalen Verkehr ausgeschaltet werden darf. Das Sanierungswerk ist undenkbar ohne die Mitwirkung der Presse des In- und Auslandes, und nur ein rascl)er telephonischer Dienst kann die notwendigen Aufklärungen über Oesterreich deni Ausland vermitteln. Die Schwierigkeiten der Sanierung sind ' noch nicht überwunden und darum kann die Regierung auf diesen Dienst an der öffentlichen Meinung heute weniger denn re verzichten. Sie muß die nötigen Anweisungen geben, um Hirse mue Form der Zensur rosorr auszutilgey. Budapest, 14. Feburar. In der heutigen Abendsitzung der Nationalversammlung kam der sozialdemokratische Abgeordnete G y ö k i auf eine Affäre zurück, die im verflossenen Sommer in Ungarn große Sensation yervorgerufen hat. Die Pester Ungarische Kommerzialbank führte am 25. Juni 1923 mehrere neue Aktien an der Budapests Börse ein und ans diesem Anlasse erhielt eine Anzahl hochstehender Beamten und Abgeordneten diese Aktien zu einem Vorzugspreis, wie tt für alt« Kundschaften der Bank bestimmt war. Als die Sache ruchbar und durch die Rechtsradikalen zu einem scharfen Angriff gegen die Regierung ausgenützt wurde, ließ die Regierung eine Untersuchung einleiten. Der Justizminister stellte damals selbst m einer öffentlichen Sitzung fest,, daß die Annahme derartiger Begünstigungen seitens Abgeordneter und Beamten unvereinbar mit ihrem Amt oder ihrer Würde sei. Die Untersuchung, die gegen die Bank eingeleitet wurde, verlief im Sand, weil nichts Belastendes gegen das Institut an den Tag gefördert werden konnte. Unter den hochstehenden Beamten, die beschuldigt wurden, befand sich auch der Minister des Innern R a k o v s z k i, der aber erklärte, nicht er, sondern sein Bruder habe ohne seine Kenntnis «nd ohne sein Hinzntnn Vorzugsaktien erhalten! Seither wurde diese Affäre wiederholt gegen den Minister zugespitzt. Erst unlängst sagte der Abgeordnete Gyoki, ein Minister, der solches tue, sei kein Gentleman. Der Minister antwortete damals, daß jeder, der behaupte, er habe Begünstigungen angenommen, ein Verleumder sei, dev ihn unter dem Schutze des Jmmunitätsrechtes ans greife. Heute nun verlas Abgeordneter Gyökr W an den Minister gerichtete Schreiben der Pester Ungarischen Kommerzialbank, in dem es heißt» daß die Bank dem Minister, um ihr Entgegenkomm e n zu bekunde», 106 Stück Aktien der Dr. Dorogy u. Comp. Gummifabrik reserviere, und zwar zu einem Preise von 6000 K. Die Aktien kamen am 25. Juni bei einem Kurse von 32.000 K. in Verkehr. Ghöki legte die photographische Abbildung der Kopie des Schreibens, das mit dem 21. Juni datiert ist, auf den Tisch des Hauses nieder und knüpfte an das Tatsachenmaterial folgende Bemerkung: Während ein Großteil der Gesellschaft im Elend lebt »md die Beamten des Staates darben, hat in höchst 7072

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