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Wiener Morgenzeitung · 1924-02-13 · Heft 1794 (13.2.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1794 (13.2.1924)
Date
1924-02-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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flirtlnmn«erlli00 Wien Zorn Ahholen io der Expedition, TI., Tabor str. 1-3, .oder in einer Versehlei sstelle Slrafikl monatl. K 35.000 trassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Gold*ehm?edt,!.Bez« Wollzeile 11. Mit Postversand für Wien n. Oesterr. monatl.' K 35.000 Taeheeho-Slowakei: Mit». I? 18. Ta?oslawien: Mon. Dinar60. Polen: Mon. Österreich. Kronen 30.000, Dentschl.: Mon. Goldmark 4.—, Frankr., Belgien: Mon. Frcs. 12 pw IrAvy VATERSCHAFT '8K2 lener 1» PoTen:poln.Mk2000(h Italien! Monatl. 12 lin Rumänien Mon. 130Lp Bulgarien Mon. 80 Lews Schweiz und das ubrirt Ausland monatlich Frcs.T Redaktion u. Administrativ Wien, II^Tahorstrassel-n Telephone: 44-0-38,43-3-19. ab 6 Uhr abds. 19-483,25-281 Tel.- Adr.:„Morjrenzeituns^ Wien bei PreiaertiShmwflB «arb«hattm Rr. 1794 Me«. Mittwoch. II! Februar 1924 Oesterreichisehes Postspar kassen-Konto Nr. 150.693 6. Aabrgang Der internationale Rnf. —y.- Wien. 13. Februar. Im Budgetausschuß hat gestern der Bundeskanzler Dr. Seipel eimgL. bemerkenswerte Aeußerungen zu dem Thema von der Bodenständigkeit gemacht. Dieses Schlagwort spukt in allen politischen Debatten, und sämtliche Leuchten der hatenkreuzlcrisch beschatteten österreichischen Wirtschaftspraxis gruppieren sich mn diesen Unsinn. Es ist auch schon Erkleckliches geleistet worden,' um die Forderung, daß im Bereich arisch-germanischer Belange nur arisch-germanische Jünglinge zum Studium zugelassen, nur arisch-germanische Zünfte Handel und Handwerk versehen dürfen, recht populär Zu machen. Nun ist aber der Herr Bundeskanzler unwirsch geworden und hat, ritsch, ratsch, das ganze Gerede von sich geschoben. Das kam so: Der Sozialdemokrat Eisler hatte bemängelt, daß der große Betrieb der Konsularakadenne in Wien aufrecht erhalten werde, obzwar nur etwa zehn Hörer, die alle aus dem Ausland stammen, ihre Ausbildung dort genießen. Darauf erteilte ihm der Bundeskanzler die folgende kräftige Antwort: „Wenn ein Institut einen internationalen Ruf hat und Stildenten aus dem Auslanoe hierher kommen, um diese bewährte Schule zu besuchen, so kann das für uns nur erfreulich sein. Natürlich ist die Voraussetzung dafür, daß dieses Institut nicht auf unsere Kosten erhalten wird und nicht passiv ist. Nun hat Dr. Eisler aufgezählt, wieviel ausländische Studierende an dieser Konsularakademie sind. Wenn in diesem Jahre wirklich "7 von 10 aüsscheiderh [ö, heißt das ja nicht, daß nicht neue hinzukommen werden. Das ist in jeder Schule so. Einen Grund, über hie auswärtigen Studenten an der Konsularakademie abfällige Bemerkungen oder sie-ein wenig lächerlich zu machen, finde ich nicht. Nach meiner Ueberzeugung ist es durchaus nichts Komisches, wenn jemand ein Tschecho-Slowake oder ein Ungar, ein Albaner oder ein Araber ist. Ich schätze diese Völker gerade so wie irgend welche andere und möchte das in diesem Zusammenhang besonders hervorgehoben haben." Es ist kaum nottvendig, hervorzuheben, daß man jedes Wort, das der Kanzler da gesprochen hat, unterschreiben muß. Wenn eine Hochschule von solchem Wert ist, daß sie im Ausland dem Maat Ansehen und guten Nus schafft, dann soll sie aufrecht erhalten werden, auch wenn ihr Betrieb ziffernmäßig Passiv ist. Die kulturelle und geistige Aktivität wirkt in jeder Beziehung Produktiv, und es wäre in der Tat nur zu begrüßen, wenn recht viele Engländer, Tschechen, Albaner, Araber und Griechen Wien als ihre geistige Heimat verehren lernten. Der gute Ruf des Schulwesens ist werbendes Kapital. Aber unser sonstiges Hochschulwesen ist nicht darnach angelegt, für Oesterreich irgendwo, es sei denn bei den mit Rechtso beliebten Fidschi-Insulanern, Respekt zu erzeugen, und daß dem so ist, daran trägt auch die gegenwärtige Regierung ihren Schuldanteil, da sie nichts unternommen hat, um die unterschiedlichen Rektoren zur Rücksicht auf das internationale Ansehen der Republik zu zwingen. Der Grund ist einfach der, daß es sich um Inden, mn jüdische Lehrer und Hörer handelt. Der Herr Bundeskanzler hätte sehr, sehr oft Gelegenheit gehabt, den Magnifizenzen und Spektabilitäten ein Privatissimum über die Wertschätzung mchtdeutscher Völker zu lesen, zumal ja die Angehörigen der jüdischen Nation zumindest auf der gleichen Ausbildungs- und Kulturstufe stehen wie irgend ein Albaner oder ein Araber. Es ist freilich nie zu spät, das Gute zu tun. Wenn die Worte des Herrn Bundeskanzlers hier Wandel zu schaffen imstande sind, dann kann man sich ihrer freuen. Aber zwischen Worten und Taten liegt ein großer freier Raum.. Wir hören die Botschaft — der Glaube fehlt uns. Es läge nahe, das Beispiel Italiens zu befolgen,, dessen Premierminister eben jeht sämtliche Ausländer, die an. italienischen Universitäten studieren, von den Gebühren befreit hat. In Italien nimmt niemand daran Anstoß, daß diese Wohltat in der Hauptsache jüdische Hörer aus Osteuropa und ans Magyarien trifft. Man tpeiß in Italien den Fleiß und den strengen Ernst Wischer Studenten zu Wtzen und man weiß dort auch, daß die jüdische Dankbarkeit ein fruchtbares Kapital darstellt. Man weiß in Italien, daß ein guter Ruf weit geht. Yn Oesterreich ist man noch nicht zu dieser Erkenntnis vorgodrungen. (Eigcndlenst der „Wiener Morgenzeitung".' London, 12. Februar. Beim Mederzusammentritt des Unterhauses gab Ramsah MaeDonald seine Politische Erklärung ab. Das Hans war ganz überfüllt. Die auswärtigen Angelegenheiten besprechend, erklärte der Premierminister, daß er die doppelte Aufgabe eines Ministerpräsidenten und eines Außenministers übernommen habe, um dadurch jeder Politik, die empfohlen werde, ein erhöhtes Gewicht geben zu können. Er führte aus, er habe sich entschlossen, Rußland unverzüglich a n z u e r k e n n e n und habe in dieser Politik die vollkommene Zustimmung seiner Kollegen gesunden. Er .wünsche alle noch ausstehenden Angelegenheiten zwischen Rußland und Großbritannien zu regeln. Der erste Schritt zu einer solchen Regelung sei aber die Anerkennung. Er beabsichtige, nach Moskau eine v o l l k o m men e Darlegung aller noch schwebenden Schwierigkeiten zu senden, syweit sie dem Foreign Office bekannt seien. Er schlage vör, : daß eine ummiLtelbare Reviston »durchgrflhtt Wewe« Jolle über me Bürgschaften, die die Sowjetregierung bezüglich der Schulden usw. übernommen habe. Ec hoffe, öaß noch vor Ablauf der Woche R a k o v s k i von seiner Regierung die endgültigen Instruktionen für die Eröffnung der Verhandlungen erhalten werde. Je früher wir, fuhr der Premierminister fort, das Kapitel unserer russischen Beziehungen schließen, desto besser; ich schlage vor, es so schnell als mögl'ch zu schließen und ein neues Kapitel zu beginnen, auf dessen Seiten wir, wie ich hoffe, freundlichere Nachrichten und bessere Geschichten einschreiben werden können. Mac Donald wandte sich sodann der Frage der britischen Beziehungen zu Frankreich zu und den zwischen beiden Landern iwch offene» Angelegenheiten. Er sagte, er könne heute noch keine vollkommene Erklärung über diese Dinge abgeben, so sehr er dies bedauere. Aber, fügte er hinzu, ich bin sehr froh, sagen zu können, daß, solange nicht etwas Außerordentliches, Unvorhergesehenes geschieht, und ich glaube, daß dies nicht der Fall sein wird, ich die bestimmte Hoffmmg habe, daß eine völlige Uebereinstiuimung bezüglich der Pfalz in den nächsten Tagen ereicht sein wird. Ich benütze diese erste Gelegenheit der augenblicklichen herzlichen Zusammenarbeit mit Poincare meinen Tribut zu zollen. Meine erste Aufgabe war es, eine g esunde Atmosphäre zwischen Großbritannien uiw Frankreich zu schaffen. Unsere Politik mutz objektiv, vollkommen gerade, absolut offen und überlegen sein und nur das Gleiche auf der anderen Sette suchen. Frankreich hat nichts zu fürchten vor irgend einer Politik, die wir anfangen werden. Großbritannien wird vielleicht nicht imstande sein, fuhr der Ministerpräsident fort, allem zuzustimmen, was Frankreich geian hat und Großbrttannien erwartet nicht, daß Frankreich allen britischen Wünschen entsprechen werde; aber nichts sollte zwischen zwei Ländern aufkomwen und er sei gewiß, daß auch nichts auflommen wird, was nicht durch guten Willen und ehrliches Verfahren geregelt würde. Mae Donald glaubt, daß, wenn die Politik der Versöhung in dem Geiste verfolgt würde, in dem sie begonnen worden sei, Frankreich und Großbritannien noch vor aanBRMBnBBHBBBBaBBHmKmHBMHBMBHaHHHMMMMHBanBI Die amerikanische» Hakenkreuzler. Ein Ku-Klux-Klan-Aufstand in Illinois. London, 12. Februar. (Havas.) Wie die Blätter ans New-Aork melden, nehme die Ku-Klux-Klan-Bewegung den Charakter einer gewaltsamen Erhebung an, deren Zentrum Herrins im Staate Illinois sej, Ausgang-des Jahres mit den übrigen Nationen Europa in der Feststellung der Bedingungen für eine europäische Regelung Zusammenarbeiten, werden. Er könne jedoch nichts tun, so» lauge er nicht den Bericht der Untersuchungskommiffion über die Reparationen besitze, der die erste Stufe zur allgemeinen Regelung bilde. Dann aber wird die Zeit gekommen sein, alle Probleme zu schlichten. Mae Donald fügte hinzu, daß das wichtigste Ziel des Außenministers sein müsie, zu einem Aebereinkommen in der Abrustungsfrage zu gelangen. Dies würde ein großer Belveis für eine erfolgreiche Politik sein. Er werde seine ganze E n e r g re anwenden, mn den repräsentativen Charakter und die Autorität des Völkerbundes zu erhöhen. Er hoffe, der Bölkerbttud werde mehr »nd mehr ckls,internationales Ger ich k zur Regelung von Fragen benützt werden, die zwei Nationen tridji direkt lösen können. Deutschland müsse in den Bölkerbund komme», und er hoffe, daß auch Rußland demselben angehören werde. Die Regierung arbeite in erster Reihe an den europäischen Problemen, aber er sei sicher, daß Amerika wünschte, an diesem Problem mitzuarbeiten und seinen Anteil an dieser Arbeit auch übernehmen werde. Am Schlüsse seiner Rede behandelte Mae Donald die inneren Angelegenheiten. Bezüglich der Wohnbausrage erklärte er, der Mangel an Arbeit im Baugewerbe sei ein überaus schwieriges Problem. Die Arbeiterzunahme begegne bei der Trade- Union berechtigten Einwendungen, welche die Regierung dadurch zu überwinden Vorschläge, daß sie dem Baugewerbe Garantien für die dauernde Arbeit für eine bestimmte Anzahl von Jahren biete. Der Geist der Besprechungen, die kürzlich zwischen dem Minister, den Bauunternehmern und Bauarbeitern stattgefunden haben, war bewundernswert, und er habe das größte Vertrauen, daß die Frage der Arbeitslosigkeit in kurzer Zeit gelöst sein wird. Die Regierung wird sich vorerst nicht aus Notstandsarbeiten, sondern aus die Wiederherstellung des Handels legen. Die Regierung beabsichtigt, eine Vorlage über Handelserleichterungen anszuarbeiten und den Zeitraum für die Wirksamkeit des Exportkredits zu erweitern. Eines der größten Problemen sei die finanzielle Lage des Reiches, und er beabsichtige die Einführung antorö sicrter Komitees, welche diese Frage vollkommen und wisienschaftlich zu überwachen haben. Auf die einzigartige Stellung der Arbeiterregierung hinweisend, erklärte Mae Donald, die Regierung würde das Amt nur auf Grund eines direkten Mißtrauensvotums ausgeben. Samstag den 16. d., halb 8 Uhr abends, findet im Gewerbeverein, 1. Bez., Eschenbachgasse 11, eine Versammlung mit dem Thema „Der Völkerbund und die Juden" statt. Referenten: Obcrrabbiner Dr. P. Z. CHajes, Dr. Leo Motzkin, Generalsekretär des Comites des Delegations inives in Paris.

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