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Wiener Morgenzeitung · 1924-02-11 · Heft 1792 (11.2.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1792 (11.2.1924)
Date
1924-02-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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L.LLvnmmmvr« rm Wien: Zum Abholen in der Expedition, Il^Taborst». 1-3, odprin'eiper Verschleisstelle (Trafik^ monatl. K 35.000 ätrassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmiedt,I.Bez., Wollzeüe 11. Mit Postversand für Wien o. Oesterr. monatl. K 85.000 Tschecho-Slowakei: Mon. K 18. Imyoslawien: Mon. DinaröO. Polen: Mon. osterreich. Kronen 30.000, Deutschi.: Mon. Gold» mark 4.—, Frankr., Belgien: Mon. Eres. 12 •V* N*eh*«hlu»sen "WU M Preiserhöhungen Vorbehalte« Jtr. 1792 Da», Verbrechen Saville rAaoasT |Nte^iMt2ÖOOO» Italien: Monatl. 12 Ufa Rumänien Mon. 130Lei Bulg arien Mon. 80 Lewa Schweiz, und das übrig» Ausland monatlich Frcs. 4 Redaktion u. Administratio» Wien, II., Taborstrasse 1—2 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ' »b 6 Uhr abds. 19-483,25-282 Tel.- Adr.:„Morsrenzeitun<r" Wien Wie». Montag. 11. Februar 1924 Ocstcrreichisches Postspar» trassen-Konto Nr. 150.693 8. Fahrgang M Wendung im Westen. Bor der RegiemngserMrimg Mac Donalds. — BerstSndigms mit Frankreich, aber nicht auf Kosten Deutschlands. London, TI. Februar. (Del. d. „Wr. Morgenzeitung".) Das Interesse der politischen Kreise konzentriert sich auf die morgen stattfindende Programmerklärung Mac Donalds. In allen politischen Klubs wird eifrig die politische Situation besprochen und auf Grund der bisher bekanntgewordenen Mitteilungen über den voraussichtlichen Inhalt der Regierungserklärung debattiert. Man glaubt, daß Mac Donald eine Besiernng der englisch-französischen Beziehungen ernstlich anstrebt, diese jedoch, nicht wie seine bisherigen Borgänger, auf Kosten Deutschlands crkanfen wjll, sondern eine allgemeine Verständigung aller e u r o p a i s ch e n V ö l k e r herbeizusühren trachten wird. Dies soll, wie aus einzelnen Erklärungen aus Regierungskreisen zu entnehmen ist, auf einer neuen internationalen Konferenz erfolgen und das einzige Zugeständnis, zu dem England Frankreich gegenüber bereit ist, wäre eine Vorkonferenz, beziehungsweise eine persönliche Aussprache Mac Donalds mit Po in care über die diese beiden Staaten unmittelbar interessierenden Kontinentalfragen. Man verfolgt hier die französischen Ereignisse mit großer Aufmerksamkeit «nd ist über den Kampf Poineares um seine Stellung um so erstaunter, als man die verschiedenen Schlappen des Ministerpräsidenten in der Kammer bereits als unmittelbaren Ausgangspunkt einer Neuorientierung der französischen Politik nach Links angesehen hat. Was aber bisher nicht erfolgt ist, erwartet man von den Kam Mer wählen im April, nämlich eine vollkommene Absage an den Nationalismus. Der Beschluß einiger Sozialisten, mit den Bürgerlich-radikalen eine Einheitsfront herzuMm, wird hier sehr günstig beurteilt. Lo n do n, 10. Februar. (Havas). Bezüglich der Rede, die Premierminister Mac Donald am Dienstag im Nnterhause halten wird, sind die Sonntagsblätter der Meinung, daß er nur die Ziele der Regierungspolitik darlegen werde. „Weekly Dispatch" nimmt an, Mac Donald werde auf die von den Sachverständigen ausschlissen erzielten Fortschritte Hinweisen und ebenso die Frage der besetzten Gebiete und der Pfalz behandeln. Weiters werde Mae Donald wahrscheinlich mit- «eilen, daß der Zwischenfall mit Lloyd George beigelegt ist, und. die ausgezeichneten Beziehungen zwischen den Regierungen von London und Paris hervorheben. „Sunday Times" bringen ähnliche Ausführungen und meinen, Mac Donald werde möglicherweise auch die Frage der B e s ch r a n k u n g der R ü st u n g e n berühren. Das Blatt sagt schließlich, daß man aus die eventuelle Einberufung einer internationalen Konferenz zur Behandlung dieser Frage hoffen könne. Sine ErMrnng Hendrrson» Sber dir internationale Koafernn». London, 10. Februar. (Reuter.) Ntinister des Innern Henderfon hielt in Bundy, wo er als Kandidat für die Ergänzungswahl ins Unterhaus aufgestellt ist, eine Rede, worin er erklärte, daß sich die französisch-englischen Beziehungen gebessert haben. Er hoffe, daß in naher Zukunft eine Konferenz Frankreichs und Englands Mandekommen werde, auf der womöglich alle Lander Europasund die Bereinigten Staaten vertreten fein würden« Diese Konferenz werde hoffentlich den Grundstein für eine neue internationale Ordnung legen, die auf Zusammenarbeit und guten Willen aufge« baut wäre. Die „Erkrankung" Poincarrs - ei» eng- . Paris, 10. Februar. (Havas.) „Ere Nonvelle" glaubt zu wissen, daß -re Besprechung Po in rares mit dem deutschen Botschafter v. H o e s ch, die gestern hätte stattfinden sollen, deshalb verschoben wurde, lve.il Poineare halbamtlich benachrichtigt worden sei, daß Premierminister Mac Donald die Absicht habe, ihnr ein diplomatisches Uebereinkommen vorzuschlagen. England wünsche nämlich einvernehmlich mit Frankreich die Wiederaufnahme der Mililarkontrollc in Deutschland, aber durch Vermittlung des Völkerbundes. Hierfür würde Mae Donald von Poinear« verlangen, .daß er der Ausnahme Deutschland in den Völkerbund keinen Widerstand entgegensetze. Demokratische Umgestaltung in Ungarn? kine Programmrede Bethlens. , Budapest, 10. Februar. (U. T.-K.-B.) Ministerpräsident Graf B e t h t e n führte in einer honte in Kaposvar gMttenen Wäihlerversamnilnug aus, der Krieg habe die Folge gezeitigt, daß breite Schichter, der Bevölkerung auf die Gesetzgebung Einfluß.nehmen wollen, das heißt daß die ungarische Demokratie zur Geltung kommen wolle. Unmittelbar nach BecndigMW des Krieges, erklärte der Ministerpräsident, wurde der d c m o k r a t i s che G e-- d a u k t in Ungarn von d e r s o z i a l d e m o k r a 1 ischen Partei, die als einzige organisierte Kraft die Macht an sich gerissen hatte, e b e n s o w i e d a s L a n d s e lb st g u g r u n d e g e r i ch t e t. Nach denr Verebben der Revolution muß die ungarische Demokratie neue Wege Einschlägen und ans. nationaler Grundlage organisiert werdend Die Massen der kleinen Landwirte, der ungarischen ' Jntell'igentz und des Miggertums wurden im Rahmen der Einheitspartei auf ein.Programm geeinigt, das den stufewweisen demokratischen Anslxm aller * Institutionen Vorsicht. Es soll eine demokratische Umgestaltung der Verfassung Vorgenom „re ir werden, ohne daß die Einrichtung des Königtums und das Zweikammersystem aufgehoben werde«. Venn die Institution des Königtums in England mit der breitesten Demokratie in Einklang gebracht werden kann, warum sollte dies nicht auch in Ungarn möglich sein? Die demokraiöschen Reformen in der Verwaltung, im sozialen Leben, ans dem Gabiet des Bodenbesitzes und in der Kulturpolitik sollen nicht, wie es die oktobristifchen Demokraten tun wollten, unter Verdrängung der Intelligenz, sondern unter ihrer Fühvltng und mit Einbestebung der breiten Massen des Volkes verüvirklicht werden. Nicht die Demagogie, sondern der Au[ stieg d e r B e ste« u n d Tüchtig st e n im freien Wettbewerb soll gesichert werden. Wenn es in Ungarn eine Demokratie geben wird, und cs muß eine solche geben, dann wird sie anders fein müssen als die Demagogie der Oktobristen. Diese wollten die Demagogie nach dem Vorbild eines Industriestaates schaffen und haben dabei vergessen, daß Ungarn ein Agrarftaat ist. Hier muß also die agrarische Gesells cha ft zur Führung berufen-sein.- Warum sollte die ungarische Demokratie weniger demokratisch fein, weil im Ministerstnhl uicht der Sozialdemokrat Peidl, sondern der Landwirt Szabo-'Naghatad sitzt? Man will dem Ausland Sand in die Angen streuen. Gras Bethlen fuhr sodann fori: Die im Juievesse der Au slandsanleihe eingeleiteten Verhandlungen stellen weniger eitle finanzielle als vielmehr eine außenpolitische Aktion dar, die auf die. Erlangung des Wohlwollens der Großmächte und die Schaffung eines normalen Berhalnisses mit den Nachbarstaaten abzielt. Der von oppositioneller Seite erhobene Vorwurf, das Land gelange durch die Annahme der Anleihebedingungen in Knechtschaft, und zwar in die Knechtschaft der Kleinen Entente, ist vollkommen unrichtig. Ein normales und korrektes Verhältnis nüt den Nachbarstaaten bedeutet beiweitem noch keine , Knechtschaft, umsoweniger, als die - Schaffung des korrekten Verhältnisses bei gegenseitiger Achtung der Rechte des andern erfolgen soll. Die ungarische Regierung würde niemals Bedingungen effüllen, die die Freiheit und die Rechte Urrgarns beeinträchtigen. Die Kontrolle ist allerdings eine schwere Last, doch handelt es sich nicht um eine politische, sondern ausschließlich um eine finanzielle Konsoll. Re ungarischen SoMiftenWrer bei Ma Donald. London, 11. Februiar. (Tel. der „Wiener Morgenxeitung".) Die ungarischen Soziaüstensührer Ernst Gar a m i und Julius Peidl sind gestern vom englischen Premierminister empfange» worden, mit dem sie eine längere Besprechung hatten. Die Besprechung galt in erster Linie den politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen in Ungarn. Im Zusammenhang damit kamen auch jene Voraussetzungen zur Sprache, an die die Bewilligung einer Ausländsanleihe an Ungarn durch England gebunden sind. Ueber das Meritorifche dieser Voraussetzimgen wird vorläufig noch strengstes Stillschweigen bewahrt. Semeiadewahlen in Borarlberg. . Zurückdrängung d« Sozialdemokraten. Bregenz, 10. Februar. Die heute in Vorarlberg vorgenommenen Gemeindewahlen haben im allgemeinen keine Aenderung in der Zusammensetzung der Gemeindevertretungen ergeben. Die. Christlichsozialen, die in den meisten Gemeinden die Mehrheit hatten, haben diese behauptet. Die Sozialdemokraten sind in den Landgemeinden zurückgedrängt worden. In Bregenz haben die Großdeutschen 15 Sitze erhalten (bisher 17). die Christlichsozialen 12 (12), die Sozialdemokraten 8 (7) und die Nationalsozialisten 1 (bisher 0). Der Kampf bei der Alpine». Intervention Dr. Seipels. Graz, 10. Februar. Ueber Intervention des Bundeskanzlers Dr. S eip el und des Landeshauptmannes Doktor Rintelen hat sich die Alpine Montangeselisch äst bereit erklärt, die Einstellung des Werkes in Neuberg entgegen ihrem ursprünglichen Plaue n u r allmählich zu vollziehen. Tagesbericht. Re AffSre Kadinetz. / Der Termin der Gerichtsverhandlung gegen Frau Kadinetz und ihre Mitschuldigen, der ursprünnglich fürden 20. d. M. in Allssicht genommen worden war, wirb eine Verschiebung von einigen Tagen erfahren. Einer der siebe n Angeklagten hat nänv'' lich gegen die Anklageschrift Einspruch ir hoben, und so wurde der Akt an das Oberlandesgericht geleitet, so daß der Termin der Gerkchtsverhand^ lung erst später festgesetzt werden kann. Man nimmt an/ daß der für drei Tage anberaumte Prozeß zwischen dem 20. und 25. d. M. beginnen wird. Den Vorsitz wird Vizepräsident Ha b iet ini k führen, die Anklage Staatsanwalt Kadecka vertreten. Als Verteidiger werden in diesem Sensationsprozeß die bekanntesten Wiener Anwälte antreten, wie sie bisher in einem cm igen Prozesse nicht ver inigt warm. Als Verteidiger der Hauptangeklagten fungiert Dr. Alfred Kramer, die anderen Angeklagte,x werden von Dr. H a r p n e r. Dr. Preßburgcr, Dr. Steg er, Dr. Preminger und Dr. Her de gen verteidigt. Von den sieben Ange^ klagten befinden sich nach wie vor fünf in Haft, die übrigen zwei, ein bekannter Schauspieler und ein Musikern wurden auf freie,u Fuße belassen. Bekanntlich wurde der Antrag der Ratskammer, den Baron Chl arm ec kn geaen eine Kaution von zwei Milliarden auf freien Fuß zu'stellen, vom OberlandeSgericht abgelehm. Die Anklage wird auf Grund des Paragraphen 128 des Strafgesetzes erhoben und lautet auf Schändung, Mitschuld an Schändung, llnzucht wider die Natur, bei der Frau Kadinetz außerdern noch auf Verfübrung von Uir lnündigen zur Unzucht. Soweit dieser Paragraph nicht anwendbar ist, läutet die Anklage auf Mißhandlung. Die Mitschuld der Teilnehmer an den Seancen tut Salon Kadinetz wird dannt begründet, daß durch die Bezahlung der Eintrittsgelder die Vorführungen bestellt und Frav Kädinctz zur Abhaltung derselben verleitet wurde. Profeffor Noorden in Me». Gestern Nacht ist Kcheimrat Pros. v. Noorden in Wien ein» getroffen und im Cottagesanatorium abgestiegen. Wie wir hören, ivir^ Professor Noorden, der auch in der Urania einen Vortrag hält, einige Tage in Wien verbleiben. ■uriii :.tesaasaan-jaT«.iAaBqK==sr!

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