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Wiener Morgenzeitung · 1924-02-10 · Heft 1791 (10.2.1924) · p. Seite 10

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1791 (10.2.1924)
Date
1924-02-10
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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SKe TO Wien, Solnftag 1000 Zentner Dynamit explodiert. Ein holländisches Pulvermagazin in die Luft geflogen. — Kein Menschenleben zu beklagen. Aus Amsterdam wird uns gemeldet: In dem nur ldenige Kilometer von Amsterdam entfernten Pulvermagazin der holländischen Heeres ist gestern abends ein Depot mit 1000 Zentner Dynamit in die Luft geflogen. Personen wurden nicht verletzt, dagegen wurden durch die Gewalt der Explosion in zahlreichen Häusern Amsterdams die Fensterscheiben zertrümmert. Die Polizei über das Wohnunqselend. Ei« Bnrirag des Polizeidireklors Pichler. In einer dom Reichsverband der gemeinnützigen Bau- Sereinigungen Oesterreichs in der Handelskammer crbgehalttziren Bauenquete zur Förderung der Wohnbauiätrgkeii äußerte Polizcrd'^ktor Pichler den Standpunkt der Polizei Zum Wohnungsproblem in folgender Weife: Die Polizei wird jeden zur Förderung der baugewerblichen Tätigkeit geeigneten Vorschlag innerhalb ihres Wirkungsbereiches nachdrüLichst unterstützen, weil sie an einer Hebung der Bautätigkeit vom Standpunkte der öffentlichen Sicherheit sehr interessiert ist; deru die bestehende Wohnungsnot und die Wohnungsüberfüllung bilden eine unerschöpfliche Quelle der Tätigkeit der Sicher- - hertsbchörde, und insbesondere das „Bettgeherwesen" wirkt in feinen bedauerlichen Folgeerscheinungen demoralisierend auf weite Kreise der Bevölkerung, fordert Sittli chkeits de litte, die geheime Prostitution, die Kuppelei und das Zuhälterwesen und bewirkt die Verbreitung und Verschleppung infektiöser Krankheiten. In den alten Häusern :st die Feuersgefahr sehr groß. Auf der anderen Seite würde eine Hebung der Bautätigkeit weiten Kreisen lohnende Beschäft i gung bieten und die wohltätigen Folgen einer starken A bnähme der A r b e i i s l o s i g i e \ t zeitigen. Der Anlaß für manche Arbeitslosendemonstration würde entfallen und die Abschiebung zahlreicher llnterstands- und Subsistenzloser in ihre Heimat'sgemeinden, die Abgabe vieler Arbeitsloser an das Werk haus würden unterbleiben und es wäre eine starke A b n a h m e der A u swanderung und der Inanspruchnahme der Paßstellen zu verzeichnen. Anlaß zu dem Vorträge bot ein vorgelegter Vorschlag Otto Längs, der die Gründung einer gemeinnützigen Anstalt vorsieht, die berechtigt sein soll, Anlageschrine für Wohnbauten, Bahnen usw. in Umlauf zu bringen. Die Anlagesche-ine wären zu verzinsen. Das Erfordernis für die Verzinsung,des Bauzuschusses wäre durch ein Unlageverfahren auf den Mietzins aller Wohnungen 'heveiuzubringen. Die Ausgabe von Anlagescheinen wäre auf 5 bis 10 Prozent des gesamten Notenumlaufes zu beschränken. Bei dem Bortrage war weder ein Vertreter der Regierung noch des Bankenverbandes anwesend. Solange sich diese nicht für das Projekt interessieren, hat es wohl keine Aussicht auf Verwirklichung. Der Lohutamps der Wiener Sichrrheitmache beendet. 18.000 Kronen Nachtdienstgeld. Ter Finanzminister hat in der Frage der Regelung der Gebühren der Sicherhettswachs den von der Polizeidirsktion sowie von der Sicherheitswache gestellten Anträgen stattgegeben, indem er der von der Polizeidirektion am 3. Jänner beantragten und von der Sicherheitswache am 11. und 15. Immer beanspruchten Festsetzung des Nachtdienstzehrgelbes mit 18.00 0 Kronen nunmehr zugestimmi hat. An Stelle der von der SicherheüSwache gewünschten dreifachen Erhöhung des Ueberstuudensatzes für die in dienstfreier Zeit geleisteten Wehrdienste wurde von der Regierung die Bemessung dieser Mehrdienstleistungsgebühr nach dem früheren System wieder eingsführt und für solche Dienstleistungen bis zu drei Stunden eine Gebühr von 14.000 Kronen und für jede weiter- Stunde eine solche von 5000 Kronen zugestandeir. Andauernder Frost. Gestern morgens war es in Oesterreich vielfach heiter. In Mönichkrrchen schneite es. Allgemein herrschte mäßiger Morgenfrost. Tagsüber war es veränderlich Die Temperatur stieg in Tirol auf Null Grad, in Wien war Minus zwei Grad. Auf dem Sonnblick ist die Temperatur gegen vorgestern um fi Grad gestiegen. Die Auslcmdsmeldungen sind sehr unvollständig. Prognose deshalb etwas unsicher. Voraussage: Ziemlich heiter bei anwachsenden Ältlichen Winden, zunächst Frost noch andauernd. Die Lawinenkatastrophe«. Linz, 9. Februar. Zu der Lawinenkatastrophe im Goiserer Weißenbachtal melden die Blätter, daß bis gestern abends die Leichen von sechs Holzarbeitern geborgen werden konnten. Zwei der verunglückten Holzarbeiter sind noch nicht ausgefwnLen worden. Ueber ein neues Lawinenunglück ans der Rettenlbachälpe wird aus Bad Ischl gemeldet, daß gestern vormittags vom G a m s k o g I im Gebiet der Hohen Schrott eine m ä ch t i g e Lawine niederging, die, einen großen Waldbestand und eine Holzknecht Hütte mit sich reißend, im Kaar-Graben mehrere mit dem Aufladen von HoWä-mmen beschäftigte Arbeiter verschüttete. Einer der Arbeiter kam mit dam bloßen Schrecken davon, ein zweiter konnte sich unverletzt aus seiner Lag« bssreün, während drei Arbeiter von den Schnee- _ Wiener Mnraenzeiturifl. tnaffcit begraben wurden und bis zur Stunde nicht geborgen werden konnten. .Wärters ' wird aus Bad Aussee berichtet, baß in der Nähe der Ortschaft Untevgrimmmg Freitag vormittags von den Hangen des Grimming eine Staublawine abgnrg, die fünf Telegraphenarbeiter verschüttete. Drei Mann konnten nur mehr tot geborgen werden, die übrigen zwei Arbeiter blieben unverletzt, wurden jedoch durch den Luftdruck 30 Meter wert geschlendert. Der Verkehr aus der Salzkammery-ut-Lokalbahn ist an mehreren Süllen durch abgegangene Lawinen unterbrochen. , Graz, 9. Februar. Zrrr Beteiligung an den Rettzungsarbeiten in Vordernbevg ist von Graz Militär äbgeHangen. Bis jetzt sind ein Mann lebend und eine Frau tot geborgen worden. Unter der Lawine sollen sich noch vier Personen und Bich befinden. Verkehrsunter-rechungeu. Infolge der Lawinenstürze ist der Verkehr ans folgenden Strecken eingestellt. Mürzzrffchlag—Neubcvg, Kienberg—Gatning, Obertrauu—Bad Auissee, Böcklamarkt— Aussee, Hieflau—Gstatterboden, Hieflau—Eisenerz und Eisenerz Vordernbevg, Wien, 10. Februar. * Zionistisches Lmtdeskümitee. Montag den 11. d. um 7 Uhr abends im Lokale, 2. Bsz., Taborstvaße 20 a. Sitzun g. * Der verkrachte Opernball. Der. mit so großer Reklame angekündigte Opernball ist verschoben, wie jeder Eingeweihte behauptet, definitiv abgesagt. Diesmal hat das Publikum gestreikt — und mit Recht. Man darf nicht zuviel verlangen und wenig bieten. Emtnttskarten für 500.000 K. oder 800.000 K. und für Logen Millionen zu bezahlen, rentiert sich doch nur, wenn -es auch etwas zu scheu gibt. Man kann doch nicht behaupten, daß die goldstrotzenden Livreen der Diener eine Attraktion sein können. So kam es, daz sich bisher für eine Veranstaltung, d'e für die Unternehmer Ausgaben von etwa 400 Millionen bedeuteten, im ganzen bloß 59 Kartenkäufer gemeldet haben. Die Spötter erzählen folgende Geschichte: Bei der Opernredoute hatte, wie erzählt wird, als der Sohn des Operndirektors Richard Strauß heiratete, sein Schwiegervater eine große Zahl der Karten aufgekanft und den HochzeitsgLften zum Geschenke gemacht. Da jedoch Richard Strauß nicht einen zweiten Sohn hat. der am Tage des Operubalks heiraten würde, und auch sonst keirc Reicher sich findet, der für Hochzeitsgäste die Karlen aufkaüft, so kann der Oprrnball natürlich nicht aus so viele Kartenabnehmer rechnen und muH abgesagt werden. * Die Kanzlei des verstorbenen Dr. (Smatb Thaler. Wien, 2. Bez., Praterstraße 32, wurde von dessen bisherigen Kanzleikollegen', den Rechtsanwälten Dr. Heinrich Thatler, beeid. ©•"* richtsdolniLtsch für die ungarische Sprache, und Dr. 2. Rabirwwitz übernommen. * Der Mann mit dem Hammer. .Im Giro- und Kaffenverein wurde »in Mann verhaftet, der sich seit einigen Tagen im Kassenraum herumtrieb und in einem Packpapier einen schweren Hammer aus Gußeisen trug. Es wurde vermutet, daß er sich dort aufhielt, um die B a n k b o t e n zu beobachten und einen von ihnen zu berauben. Da im Dezember ein Advokatursbeamter mit einem stumpfen Werkzeug niedergeschlagen und einer Summe von 72 Millionen beraubt wurde, nimmt die Polizei an, daß. der Verhaftete mft diesem Verbrechen in Verbindung stehen könnte. Der Mann, der ein abgebauter Schaffner der Bundesbahnen ist, wurde dem Landesgerichte ein geliefert. * Bewegung in der Mittelschullehrnschast. Der Pflichtverband der MittelschulÄchver teilt mit: Die Lage in der Mittelschullehrerschast, deren Bezahl n u g gegenwärtig kaum 25 bis 30 Prozent des Frie den's bezu ges beträgt, macht sich stets drückender fühlbar. Die tiefe Enttäuschung. die insbesondere die letzte Lohnregelung den Mitielschnllehrem gebracht hat, hat eine tiefe Erbitterung in den Reihen der Lehrer hervorgerufen. Mgrsehen von der Unmöglichkeit, sich entsprechend zu nähren und würdig den: Beruf gemäß zu kleiden, sind nun die Lehrer an den Bundesmittelschulen schon lange nicht mehr in der. Lage, die für ihre Fortbildung unerläßlichen Lehrbchelft zu ^schaffen. * Amtsärzte aus den Völkerbundstaaten wt Wien. Die Hygienesektion des Völkerbundes in Gens veranstaltet im Einvernehmen mit der Rockefellev-Fundaiion Austauschaktionen von Amtsärzten aus den verschiedenen der Gesellschaft der Rationen angehörigen Siaaterr. Im Zuge-dieser Aktion ist heuer ebenso wie im Vorjahre eine Gruppe von Amtsärzten, diesmal Spezialärzte für Tuberkulosebekämpfung aus Belgien, Bulgarien, Dänemark. England. Finnland, Frankreich. Jugoslawien, Oesterreich, Polen, Rußland, der Tschecho-slowakischcn Republik ,ind llrK^rtr-rr nnrf) W'en wf-’wmim K'-'Trfx» reise, dü durch Oesterreich, die Tschecho-Slowaket, Ungarn, Frankreich, Belgien, rrngmud, Holland uub die Schweiz gehen soll, in Wien begonnen haben. * Konfirmandenunterricht. Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde bringt zur Kenntnis, daß der alljährlich in den Tempeln der Gemeinde stattfindenden Konfirmation der israelitischen Mädchen ein Konfirmandenunterricht vorausgeht. Die Teilnahme an diesem Unterrichte steht solchen Mädchen ftei, welche im Laufe des Kalenderjahres ba§ 14. Lebensjahr bereits erreichen. Die Eltern oder Vormünder werden demgemäß eiugeladen, ihre Töchter, bezw. Mündel zu veranlaßen, sich bei ihrem Religionslehver weaen Teilnahme am Konfirmandenunterrichte zu melden. Mädchen, die keinen öffentlichen Unterricht genießen, und über Wunsch der Eltern oder Vormünder konfirmiert werden sollen, sind im Sekretariate der ffraekitischen Kultusgemeinde (Abteilung für Schulangelegenheiten) bis spätestens 25. Februar mizu,melden. Der Unterricht fft unentgeltlich. Kleine Chronik. '■* Oberkantor Pinchas Minkovski gestorben. Aus New-?)ork wird uns berichtet: Am 19. Jänner starb der weltberübmte Oberkantor und Komponist Pinchas Minkovski in einem Bostoner Spital an den Folgen einer Blutvergiftung. Minkovsky, der ein Aller von 65 Jahren erreichte, war als „Kpnig der Chasanim" in Europa sowohl als in Amerika angeieben. .Geboren als Sohn eines Kantors in Bjelo^Cerkov be, Kiew trat er als Knabe in den Chor se-ines Vater ein. A!S Abkömmling berühnrter Talmudisten ließ der Vater ihm eine streng jüdijche Erziehung an gedeihen. Pinchas lernte bis zu seinem 18. Lebenszahr in Beth Hamidrasch, wobei er sich im Kuntorenfach ausbildete. Er erlernte die russisch« und deutsche Sprache, ging dann nach Wien, studierte bei Prof. R o k it^nski Stimmbildung und bei Prof. Robert Fuchs Theorie and Kcnuposition. Seine erste Stelle als Kantor erhielt er in Kischenew. ging dann nach Cherson, dann nach Lemberg, von wo er m die große Synagoge von Odessa berufen wurde. Schon " 10. Februar 1924_ 9fa, 1791 vor 36 Jahren orhielt Minkovski eine Berufung nach Amerika wo er es jedoch nicht lange aushielt und nach Odessa zurückfclntp und in der beriihmten Broder Synagoge Oberkantor ivurde. In diese Zeit fällt auch der Beginn seiner literarffchen Tätigkeit durch Veröffentlichung von Abhandlungen über die Geschichte und Entwicklimg der jüdischen Gesangskunst, die in russilcher, deutzscher und hebräischer Sprache erschienen. Auch mehrere selbständige wissenschaftliche Bücher sind in. Druck erschienen. Im Jahre 1922 ging Minkovski nach' Amerika, wo er nrit großen Ehren ausgenommen wude. Seipe Frau weilt in Paris bei der einzigen Tochter, die mit dem Professor für Bvltcriologie am Pasteur-Institut Dr. Besreka verheiratet ist. Das Leichenbegängnis fand in Philadelphia unter überaus großer Teilnahme der Bevölkerung statt. * Lücken Gautier gestorben. In Eolignh bei Genf fft der bekannte -Orientalist Lncien Gautier im Alter van 74 Jahren gestorben: er studierte in seiner Vaterstadt in Thüvingecr und in Leipzig Theologie und alte Sprachen. seine heidorrageltde,» wissenschaftlichen und theologischen A». beiten, besonders durch seine „Einführung in das Alte Testament-, sein .Leben der Propheten", erwarb er sich einen großen Namen. Gantier wirkte jahrelang als Profeffor der Theologie und des Hebräischen an bet Fakultät in Lausanne, später als Privatdozent in Genf. * Tod eines jüdischen Aviatikers. Bei Kantara ist vor kurzen, der englische Fliegeroffizier Jofua Katz bei einem Dienstflug tätlich verunglückt. Katz ist der Sohn des Agronomen Nachan Katz in Kairo. Der Verstorbene, der erst 26 Jahre alt war, kämpfte unter Oberst Patterson in der zionistischen Leg>ion in Gallipoli, wurde znm Offizier der eirglffchen Llrmee ernannt und war der erst« Jude, der mit der englischen Armee nach der Okkupation in Jaffa einmarschierte. Sein Leichenbegängnis fand unter großen militärischen Ehren statt. * Ccm Witz Mac Donalds. Budapester Blätter wissen, daß an Stelle des bisherigen entglWen GefaiMen, Hohler, über dessen Rücktritt wir bereits berichteten, Mr. P. B a i m e t zum Leiter der englischen Gesandtschaft in Budapest ausersehen sei. P. Baimet, ein alter Anhänger und Freund Mac Donalds, vertritt gegenwärtig in Panama die Interessen Großbritanniens. Das wäre, wcnn die Meldung sich bewahrheitet, wahrlich ein ausgezeichneter Witz Mac Donalds: P. Baimet käme dann in ein Land, das ihn unausgesetzt an seine frühere Wirkungsstätte erinnern würde, denn ganz Ungarn ist heute ein einziges — Panama. * Der Löwe im Personenzug. Im Zuge, der kürzlich von Santa Fe nach Hutchimm, gin^g, war — wie amerikanische Blätter berichten — auch ein Löwe aufgeladen. Während der Fahrt vermochte er die Käfigstangen durchzubrechen und in den Gepäckswaffen einsudriugcn. Da er unter den Koffern, Kisten und Postpaketen nichts ihm Passendes fand, wollte er in den Personenwagen Nachsehen, tvo er sicher eine seinem Geschmack mehr bekömmliche und willkommene Speise gefunden hätte, wenn nicht ein unvorsichtiges Gebrüll vechtxeitig die Reffenden aufmerffam gemacht hätte. Unter allgemeirvem Schrecken wurde das Alarurzeichen gegeben und der Zug umnittolbar vor der Station Kansas City zum Stehen gebracht, wo ein Tierhüter des Zoologischen Gartens die Bestie mit einer Schlinge zu fangen und in sicheren Getvahrsam zu bringen vermochte. * 3891 Händedrücke. In Amerika ist es bekanntlich Sitte, daß sich jeder Staatsbürger an dem Neujahrsempfang im Weißen Hause in Washington beteiligen kann, um sich vom derzeitigen Präsidenten der Vereinigten Staaten die Rechte schütteln zu lassen. Bei dem diesjährigen Neujahrsempfang hat der Präsident Coolidge 3891 Personen die Hand zum Neujahrßgruß schütteln dürfen. Die „Schüttelei" begann um 11 Uhr vormittags, eine Zeit, zu der das amtliche Washington und das diplomtaische Korps seine Aufwartung nrachte. Um 1 Uhr nachmittags begann der Empfang des Publikums. Hierbei wurde keinerlei Sichtung oder irgendwelche Unterscheidung gemacht. Wer kam, der stellte sich in die lange Reihe, bis auch an ihn der Händedruck kam. Um 2 Uhr 10 Atin. glaubte man, alle Besucher seien zugelassen worden, und der Präsident schickte sich zu einem Spaziergang an, als es sich ergab, daß noch einige fünfhundert Personen vor dem Eingang warteten! Es waren dies Leute aus New-P"rk, die infolge einer Zugversäumnis zu spät gekommen waren. Ter Präsident mußte notgedrungen auch die Neujahrsgrüße dieser 500 Nachzügler entgegennehmen. Unter diesen befand sich eine Frau, die angeblich 3000 Meilen weit hergekonnnen war, un, an dem Reujabrsgruß teilmnebmen. * Zur Geschichte der Nähnadel. Schon di-e vorgeschichtliche Zeit — so führt Th. Walff im „Daheim-iKale,pder" aus — kannte den Gebrauch nadelartiger Werkkeuge. Jeder Dorn, jede starke Fischgräte, jeder Knochensplitter tvar es baim, als man als Nadel dienen. Ein großer Fortschritt war es dann, als man lernte, die Stechiverkzeuge mit einem kleinen Loch, den, Oehr, M versehen. Noch folgerreicher war die Verwendung von Ndeiall zu Nadeln. Da man die Me-talllradek noch nichts zu durchbohren verstand, wurde an dieser das Oehr gebrldei, indoin n,an das Ende des Merallstiftes Weisen förmig umbog. Spater erst finden wir Metallnadeln zunächst aus Bronze, dann ails Sck/miedeisin, bei denen das Oehr kunstvoll gebohrt fft. Die ältesten Nadeln sind meist sehr groß und grob, so daß sie mehr Dolchen gleichen als Nährradeln unserer Zeit. Aber schon Babylonier. Griechen und Römer hatten Nähnadeln, die au Größe und Dicke ungefähr unseren heutigen Stopfnadeln gleichen. Die Evsindu-ng des Drahtziehens im Mittelalter crnköglichte eine ungleich billigere und Mgleich feinere Herstellnug von Nadeln: besonders Nürnberg gewann als Mittelpunkt der Nadelsabvikation bald große Bedeutung. Der neuen Technik fft Es zu verdanken, daß die Kunst des Nähons im 14. und 15. Jahrhundert einen mächtigen Aufschwung nahm und bald so allgemein wurde, wie wir sie heute kennen. * Der Tisch des Rabbi Akiba. Ludwig B a r n a y erzählt in seinen Theateranekdoten: „Bei einem meiner Gastspiele in Nürnberg spielte ich an einem Abend auch in dem nahtgelegenen kleinen Theater zu Fürth „Uriel Acosta". Der sehr gewiffenhafte Regisseur des dortigen Theaters trat mit der Frage an mich heran: „Bitte, wie wünschen Sie den Tisch des Rabbi Akiba im vierten Akt ausgestattet?" Flüchtig antwortete ich ihm: „Ganz einfach, eine dunkle, grüne Tischdecke, Tinten-' zeug, Gänsefedern, Akten, einige alte Folianten — etwa wie einen Gerr^ytstisch." An dieses letzte Wort klamrnerte sich der Mann, und als ich in der Abendvorstellung vor den Tisch der orthodoxgläubigen jüdischen Rabbiner trat, sah ich zu meinem nicht geringen Entsetzen mitten auf dem Tische ein fast einen halben Meter hohes, sehr schönes Kruzifix stehen!. * D«r Gebmtenrückgang in Frankreich. AuS Paris wird uns berichtet, daß pvn wievd» vre Kommission zur B-ekämpftmg de- Geburtenrückgänge? sich Mit der Frage des allmählichen AussterbenS der französischen Bevölkerung befaßt habe. Den Anlaß dazu bot die Mitteilung des statistischen Amtes über die Geburtenbewegung in Paris. Während noch im Jahve 1911 in Paris 48.962 Geburten angemcldet wurden, sind tm Jahre 1923 die angemeldeten Geburien auf 46.735 zurückgegangen. Diesem Bevölkerungszuwachs lim verflossenen Jahre stebeu 40.315 Todesfälle gegenßber.

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