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Wiener Morgenzeitung · 1924-02-05 · Heft 1786 (5.2.1924) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1786 (5.2.1924)
Date
1924-02-05
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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/ 2 Dien, DseEg Washington, 4. Februar. Präisi'derrt Coolidge hat Ungeordnet', daß W ilson ein Ehrenbegrabn is auf StaatSkcften erhalte, an dem Kontingente von Heer und Flotte teilnehmen werden.' Alle öffentlichen Gebäude flaggen auf Halbmast. Die Leiche Wilsons wird in der Rotunde des Ka pi t o l's feierlich aufgebahrt werden. Die Beerdigung, deren Tag n-och nicht festgesetzt ist, wird wahrscheinlich in Arlington stattfinden. Das nähere hängt von den Wünschen der Witwe Wilsons ab. In beiden .Häusern des Kongresses wird der Tcd Wilsons in feierlicher Weise verkündet werden. Im Senat wird Senator Lodge, im Repräsentantenhaus der Abgeordnete Pongworth, beide Führer der republikanischen Partei, die offizielle Mitteilung dom Ableben des Präsidenten machen. Es wird dabei dem Parlament eine Resolution zur Annahme unterbreitet werden die inhaltlich mit derjenigen überein-siimmen wird, die beim Tode R o o s e v e l t s von beiden Häusern der Kongressts angenommen wurde. Präsident Covlidge hat angeordnet, daß alle öffentlichen Gebäude auf Halbmast flaggen. Bon seiten der Heeres- und Marinederwaltung sind Anordnungen zur Erweisung militärischer Ehren ergangen. Das Begräbnis wird auf Staatskosten erfolgen. In einer Proklamationandasamerlkanische Bol! widmet Cooli dge dem Verstorbenen folgenden Nachruf: Wilson hat mit seinem hohen Idealismus, niemals versagt hat. unser Volt in den Weltkrieg geführt. Er hat den Bestrebungen der Menschheit mit einer Beredtsamkelt, die die Aufmerksamkeit der ganzen Welt erregt hat. Ausdruck verliehen und den Vereinigten Staaten einen neuen, unerwarteten Einfluß auf das Schicksal der Menschheit gewährt. Das Beileid des Völkerbundes. Genf, 4. Februar. (Schweizerische Depeschena^enkur.) Der Präsident des Völkerbundrates B r a n t i n g hat an Frau Wilson folgendes Telegramm gerichtet: „Ich bin gewiß, den Gefühlen aller meiner Kollegen im Völkerbuudrat Ausdruck zu geben, wenn ich Sie unserer tiefen und ehrerbietigen Sympathien anläßlich des schlveren Schicksalschlages, der Sie betroffen hat. versichere. Der Völkerbu n d wird stets-dessen eingedenk sein, daß Präsident Wilson der Urheber eines h.ohen Ideals für die friedliche Entwicklung der Menschheit war und daß er mehr als jeder andere zur Gründung dieser Organisation für internationales Zusammenarbeiten und für Versöhnung ' beige tragen hat. Die Erinnerung an ihn wird immer voll Liebe und Ehrerbietung sein." In der Völkerbundkommission für Beschränkung der. Rüstungen, die heute nachmittag zu einer öffentlichen Sitzung zusammen trat, sprach Lord Robert Cecil das. Bedauern über den großen Verlust aus. den die ganze Menschheit durch das Hmschelden Wilsons erlitten habe. Ae amerikanischen klnwandernngrsesetze. Eine Protestseffion des amerikanisch-jüdischen Kongreffes. — Der amerikanisch-jüdische Kongreß gegen die Ein- Wanderungsgesetze. — Die Republikaner gegen das Gesetz. Rew-Aork, 30. Jänner. Wie'die Jüdische. Telegraphen- Agentur aus zuverlässiger Quelle erfährt, soll am 10. d. in Philadelphia eine Sondersitzung des amerikanisch-jüdischen Kongresses über das Einwanderungsproblem beginnen. Es wurden bereits Vorbereitungen getroffen, um zu diesem Zeitpunkt eine' gemeinsame Sitzung des Exekutivkomitees und einer Landeskonferenz vdn Delegierten aus Pennsylvanien, Delaware und New-Jersey in Philadelphia abzuhalten. Man will den Rahmen der Konferenz bis zu dem Maße erweitern, datz alle Delegierten des amerikanisch-jüdischen Kongresses an ihr teilnehmen können. Der Kampf gegen'den Entwurf des neuen Einwanderungsgesetzes wird lebhaft geführt. Das Kongreßbureau hat an die Delegierten in allen Teilen des Ldndes Zirkularschreiben mit der Aufforderung gesendet, gegen das projektierte neue Gesetz der Einwanderungsbeschränkung zu protestieren. In den verschiedensten Städten sind bereits Protestversamlungen abgehalten worden. Das jüdische Mitglied des amerikamschen Kongresses Perlman hat unter den republikanischen Führern des Staates New-Uork eine intensive Propaganda gegen den neuen einschränkenden Einwanderungsentwurf, die sogenannte Johnson-Bill, eingeleitet, vor allem, da das Gesetz eine Bevorzugung der westeuropäischen gegenüber den osteuropäischen Einwanderern bedeuten würde und eine Spitze gegen gewisse Nationalitäten hat. Der Vorsitzende des republikanischen Komitees des Staates New-Aork, Mr. Morris, hat sich auch bereits in diesem Sinne ausgesprochen, daß die Republikaner gegen die geplante neue Bill auftteten müßten. Er hat eine Konferenz mit republikanischen Führern anderer Staaten Unberufen, auf welcher Herr Perlman referieren wird. Dar Zentralkomitee des amerikanischen Rabbiner- Verbandes hat sämtliche Rabbiner der Vereinigten Staaten aufgefordert, eine Protestaktion' gegen die geplante neue Einwanderungsbill zu veranstalten, sowie an sämtliche Kongreßmitglieder und Senator>en ihrer Staaten Protestresolutionen zu senden. Einspruch der Katholiken. Rew-Vork, 80. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgevzeitung".) Die National Catholic Wellsare Conference ließ dem Kongreß in Washington ein für den Einwanderungsausschuß Wiener Mnraenßeilunn. ^" bestimmtes Memorandum überweisen. In diesem Memorandum protestiert die Katholische Organisation gegen die Bestimmungen der Johuston-Bill, weil die in ihr enthaltenen Einwanderungsbeschränkungen den amerikanischen Grundsätzen widersprechen, da sie offenkundig gegen bestimmte Nationen und Staaten gerichtet sind. Besonders scharf wendet sich das Memorandum gegen die Absicht JohnstonL, der künftigen Festsetzung der zulässigen Quote für die Einwanderer das BolkszählungSmaterial vom Jahre 1890 zugrunde zu legen, wodurch die in Aussicht genommene Quote von 2 Prozeß für einzelne Nationalitäten — in erster Reihe der jüdischen und der italienischen — praktisch auf kaum 1 Prozent der nach der Volkszählung vom Aahre 1910, wie es die Gegner des Iohnston-Antrages verlangen, herabgedrückt würde. In der Denkschrift wird auch die Forderung aufgestellt, daß Angehörige von Personen, die bereits zwei Jahre in Amerika wohnen, auch außerhalb der Quote zu gelassen werfen sollen. Versuchen Sie unseren 3de aistrumpf I. TRAT! NERHOf 2 (Gnhtn tzlne Kanserenz der amerikanischen Jude« über die gewish-Azenktz. Rew-Aork, 1. Februar. (I. T. A.) Der Vorsitzende des amerikanisch-jüdischen Komitees, Louis Marsh all, hat in Verbindung mit den Verhandlungen Dr. Weizmanns mit den Führern des amerikanischen Judentums an eine große Anzahl einflußreicher Juden Einladungen zu einer am 17. d. im Hotel Astor zu New-Aork abzuhalterwen Sonderkonferenz ergehen lassen. Auf der Tagesordnung stehen unter anderem die Frage der Teilnahme des amerikanischen Judentums an der Iewish Ägency und die Errichtung einer Jnvestitionsbank für Pal äst in a. Auglo Frwish Association and Frwish Agency. . London, 2. Februar. (I. T. Ä.) In dar letzten Versammlung der Anglo Jewvfh Association wurde der 32. Jahres- . bericht vorgelegt. Dieser verzeichnet zunächst eine Besserung der politischen Lage. dcr„ Judeniw-i^rr nougeschaffenen Staaten dank der ihnen durch die ^Friede ns- und Minoritätsvertrage gssicherten Rechte. Der Rat entsandte, wie in dem.Bericht ausgeführt wird, auf Einladung der Zionistisch e n O r g a n i f a i i o n zu der Konferenz über die Zusammensetzung der Jöwish Agency (deren Bildung m Artikel 4 des Palästina-Mandates vorgesehen ist) .den Präsidenten der Association und das Mitglied des Rates Sir Robert Valey Cohen. Die Verhandlungen sind aber noch nicht abgeschlossen. Wber die Tätigkeit des Joint Foreign Comittees wird in dom Bericht gesagt: Die Spannung in der internationalen Politik und die 'damit kit Zusammenhang stehende Verschärfung des wirtschaftlichen Niederganges hoben in vielen Ländern ein Anwachsen des.Anj.isemitismus zur Folge gehabt. Gleichzeitig machte sich bet den osteuropäischen Regierungen der Kamps gegen die Minoritä'ienrechte bemerkbar.' Selbst Rumänien, das den Juden dolles Bürgerrecht zu gewahren vovgaib, war nicht geneigt, die Verträge in die neue Verfassung mit einzubeziehen, Estland Md Lettland haben sich gewoigert, ähnliche Minoritäten-Deklarationen anzuuehnren, wie es Litauen getan hat, das jedoch trotzdem den Minorrtätenvwtrag nicht anerkennt. Uober Bulgarien erwähnt der Bericht, daß die dortigen Juden in Anbetracht der durch das Gesetz scheinbar nicht erfaßbaren willkürlichen Maßnahmen des mazedonische n Revolutionskomitces in eine schwere Lage geraten sind. (Ueber diese Vorfälle berichten wir an anderer Stelle. Die Red.) Besonders hat sich das Joint Foreign Committee m it der, Flü cht >l i. ngsfrage m Ru mä in-ien und Polen befaßt und gewisse Milderungen der «»gedrohten schweren Maßnahmen der Regierung durchgesetzt. Dem Minovitätenkomitee des Völkerbundes wurde für die Wwjvolle Arbeit zur Verteidigung der Minoritätenrechte während der vierten Tagung des Völkerbundes dankbare Anerkennung ausgesprochen. Dar framWche kmöchttgungssesetz. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Paris, 4. Februar. Die Kammer hat heute nachmittags die Beratungen über den Artikel 1 der Finanzvorlage der Regierung, eröffnet, worin die Regierung die Ermächtigung verlangt, auf dem Verordnungswege eine Milliarde Ersparungen in der staatlichen Verwaltung vornehmen zu dürfen. Die Diskussion, für die sich 18 Redner gemeldet haben, dürste drei Sitzungen in Anspruch nehmen. Der Kommunist Ernst Lafont ergriff als erster das Wort und erklärte, die vorgesehene Verordnungsprozedur sei verfassungswidrig. P o i n c a r e.erklärte, daß er den Antrag des kommunistischen Redners a b l e h n e unb die Vertrauensfrage stelle. Der Antrag Lafont wurde in der hierauf erfolgten Abstimmung ab gelehnt. Sozialisierung ta Frankreich. ‘ Parks, 4. Februar.. (Wolfs.) Nach dem ,Matin" hat die an den Allgemeinen Arbeitsverband angeschlossene Gewerkschaft der Glasärbeiter im Einvernehmen mit den unabhäw- " 8. Februar 1924 Nr.' 1786 . gißen Gewerkschaften beschlossen, heute um 8 Ahr vormittags die Glaswerke von Albi. die seit langem durch eine Sonderstellung ihrer Belegschaften gegenüber der Werkleitung sich vor allen anderen französischen Betrieben auszeichneten, völlig in den Betrieb zu übernehmen. Ein Direktionsausschnß von sieben Mitgliedern, von denen fünf der alten und zwei der unabhängigen G-swerkschaft entnommen sind, soll den Betrieb nach aÄen Richtungen durchführen. Arbeiter und A n g e st e l l t e sollen sich an dem Unternehmen beteiligen können. Es wurde ein besonderer Kontrollausschuß gebildet, der etwa>ige Sabotageakte untersuchen und bestrafen soll. Re Sadj'ieriffinftinett in Berlin. Berlin, 4. Februar. (Wolfs.) Der Unterausschuß für die Währungsfrage beschäftigte sich heute weiter mit den Vorbereitungen zum Plane einer Goldn o t e nb a n k. Der Unterausschuß für das B u d g e t hat heute den deuffchen Haushaltplan für 1924 geprüft, von der deutschen Regierung weitere Auskünfte hierzu verlangt und soll morgen mit Staatssekretär Fischer und anderen deutschen Sachverständigen die einzelnen Einnahme- und Ausgabenposten durchgehen. Der zweite Ausschuß, der überhaupt nur einige Tage in Berlin verweilen wollte, hofft, Ende dieser Woche mit den Arbeiten in Berlin fertig zu werden. Er wird höchstwahrscheinlich Ende der kommenden Woche wie- ' der in Paris zusammentreten. Neuerliche Herabsetzung der polnischen Kohlenpreise. Warschau, 4. Februar. (Tel. der „Wiener Morgen« zeitung") In einer Konferenz der polnischen Ministerpräsidenten mit den Repräsentanten der oberschlesischen Kohlenindustrie wurde die Herabsetzung der Kohlenpreise um weitere 20 Prozent beschlossen. Zusammen mit der Herabsetzung der Kohlensteuer um 10 Prozent beträgt somit die gesamte Preisherabsetzung der letzten Zeit 30 Prozent. Im Zusammenhang damit wird auch die Herabsetzung der Preise anderer Artikel erwartet. vtthastnuor» in Sstgaiizien. Degen antipolmfcher Tätigkeit der Ukrainer. Lemberg, 5. Februar. Vor einigen Tagen hat die Lern» berger Polizei unter den Mitgliedern der ukrainischen sozialistischen Partei zahlreiche Verhaftungen sowie Hausdurchsuchungen in dem Redaktionen der ukrainischen sozialistischen Blätter vorgenommen. Verhaftet wurden unter anderem der Vorsitzende des Hauptausschusses der sozialistischen ukrainischen Partei Mas K a l i c y n s ki j und der Sekretär des Ausschusses Anton Czerny. Die Redaktionen der sozialistichen Blätter „Wpered", „Zemla", „Wola" und „Nowa Kultura" wurden amtlich versiegelt. Gegen den Chefredakteur sowie den verantwortlichen Redakteur des Blattes „Wpered" wurde die Strafanzeige wegen Hochverrates erstattet. Wie die polnischen Blätter dn Lemberg behaupten, wurden die Verhaftungen wegen Feststellung antipolnischer Tätigkeit der ukrainischen sozialistischen Partei und dieser Blätter vorgeuotnmen. Die in der sozialiistischen ukrainischen Presse in der letzten Zeit ev'chienenen Artikel hätten nach Aeußerung der polnischen Presse unter anderem die Lostrennu n g Ost g a l i z i e n s von Polen und den Anschluß an die Sowjetukraine propagiert. Sie hebrSischeu Schulen in Polen gefährdet. Dieser Tage fand in Warschau eine gemeinsame Konferenz von Vertretern der hebräischen Knlturorganisation in Polen und jüdischen Politikern statt, in welcher die Maßnahmen zur Behebung der finanziellen Schwierigkeiten, mit denen das jüdische Schulwesen in Polen zu kämpfen hat, beraten wurde. Die Redner führten aus, daß die hebräischen Schulen in Polen sich abermals in verzweifelter finanzieller Lage befinden. Es gibt jetzt 246hebräischeSch ulen mit einer Gesamtzahl von 3 2.0 0 0 S ch ü l e r n, 137 Abendschulen für Lehrlinge, 3 hebräische Lehrerseminare und 140 Volksbüchereien, die durch die hebräische Schulorganisation Polens unterstützt werden.' Der Bestand aller dieser Institutionen ist jetzt gefährdet. Die Summen, die teils durch Sammlungen in Polen selbst, teils durch auswärtige Hilfsorganisationen aufgebracht wurden, sind jetzt erschöpft. Infolge der schwierigen wirtschaftlichen Lage der jüdischen Bevölkerung in Polen sind weitere Zuwendungen schwerlich zu erwarterr. Es wurde beschlossen, sich an die Juden Englands und Amerikas sowie an die verschiedenen auswärtigen Hilfsorganisationen zu wenden, damit sie das hebräische Bildungswcrk in Polen unterstützen. * Die polnischen Behörde» gegen die jüdische Sprache. Eine Interpellation des Jüdischen K'rbs im polnischen Sejm befaßt sich mit dem systematischen Krieg, welchen die polnflchen Bchördsn, insbesmcdcre in Galizien, gegen den Gebrauch ter jüdischen Sprache bei Versammlungen, Vorträgen u. dgl. führen. Unter den angeführten E'onzelfällcn, wo die Behörden sich über die S r a a t s a r u n d g e s e tz e, welche den einzelnen^ Nationalitäten das Recht ruf Jieien Gebrauch ihrer. Sprache gswährlieisten, unbekümmert hinweAetzen, hebt die Interpellation hervor, daß dem Senaror Dr. Rot tonst re ich, als er bol einer jüdischen Volksversammlung^ in S a m b o r m j ü d i s ch e r Sprache eure Rode halten wollte, dies vom Bezirkskommissär verboten wurde. Eine Intervention beim Bezirkshauptmann blieb erfolglos. In Sniatyn wurde o!n jüdischer Bürger, der in einer Versammlung sich der jsidiischen Sprache bodiente. vom Bezirkshauptmann in administrativem Wege zu drei Tagen A r r e st verurteilt. Die Interpellation fordert das Ministermm des Innern zum strengen Einschreiten zwecks Wahrung der den Minderheiten durch die Verfassung gewährleisteten Rechte aus Gebrauch ihrer Sprache M,

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