Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1780 (29.1.1924)
- Date
- 1924-01-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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\ Elnze!mmmterK1200 Wien: Zum Abholen in der Expedition, II.,Tabor9tr. 1-3, oder in einer Vcrschleisstelle (Trafikl monatl. K 35.000 Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldachmiedt.I.BcT:., Wollxeile 11. Mit Postversand für Wien u. Oesterr. monatl. K 35.000 Tschecho-Slowakei: Mon. K 18. lusroslawien: Mon. Dinar60. Polen: Mon. Österreich. Kronen 30.000, Deutsehl.^ Mon. Gold* mark <*.«—, Frankr., Relgien: Mon. Frei. 12 MT Naehtahloascn HU b« Pre!ierböhun?en »orbabaitev »y T rA \6 Dos Gespenst auf l Schloß BrooKsvllle v. a ab r's r I lener mmmm Nr. 1780 Wien. Dienstag, SS. Fiimier 1084 Po’empolö.WR 200000 Italien: Monatl. 12 Lire, Rumänien Mon. 130Lei, Bulgarien Mon. 80 Lewa, Schweiz und das uhrixe Ausland monatlich ,Frcs. ,4 Redaktion u, Administration Wien, II., Taborstrasse 1—3 Telephone: 44*0-38,43-3-19, ab 6 Uhr abds. 19-483,25-282 TeL- Adr.: „M or genzeitun Wien Oesterreiehisches Postspar kassen- Konto Nr. 150.693 6. stahrgaug I lil i Kein voMes Resultat der Londoner Reife. — Rethlen vorzeitig zurück« gelehrt. — Zer Sturz der Ungarlrone in London. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Die österreichischen Raffenschiitzler. —y. Wien, 20. Jänner. Der Präsident des österreichischen Bundes, Herr Hainisch, hat dieser Tage im Verlaufe eines Gesprächs mit einem Budapester Journalisten einige kräftige Aeußerungen über die antisemitische Bewegung getan, die er für unwürdig eines Kulturstaates hält und als absurd und verderblich verwirft. Diese Aeußerungen sind kein Politischer Akt und beweisen lcÄiglich, daß Herr Hainisch sich auch in seiner Stellung als Präsident den klaren Blick fiir das bewahrt hat, was unter vernünftigen Menschen als Wahrheit gilt. Aber Oesterreich ist ein Staat, der von Parteien regiert wird, die die moralische Minderwertigkeit des Judentums und seine volkswirtschaftliche Schädlichkeit auf ihr Programm geschrieben haben. Sie sind antisemitisch und bestreben sich, dies überall dort auszudrücken, wo die Möglichkeit dazu besteht. Die Entwicklung Oesterreichs läßt Zwar die Völle Entfaltung dieses Strebens schöner Seelen nicht zu. Aber wer gerecht denkt, wird den Christlichsozialen und den Großdeutschen nicht das Zeugnis versagen, daß sie ihr Bestes tun. Sie schüfen dezz Antisemitismus wo sie nur können. Sie sind begeistert für den Numerus clausus an den Hochschulen, sie schwärmen für den Pogromantisemitismus der Hakenkreuzler und sie haben durch weise Auswahl von Beamten dafür gesorgt, daß der Jude vor der Steuerbehörde^ vor Gericht, -kurz immyr doH, wo er . mit dem Netz der Staatsgewalt in^Berührung konlmt, als Jude behandelt wird. Das ist die eine Seite des praktischen Antisemitismus. Er hat noch eine andere. Die herrschenden Parteien verstehen es nämlich sehr gut, die Juden in die Kosten der antijüdischen Tätigkeit zu verurteilen. Man hat Juden gefunden, die im Jndustriellenbund zu den Subventionen für die „staatserhallenden Formationen" beisteuern, man hat den Herrn Präsidenten Bosel mit der Fürsorge für die Hakenkreuzuniversität betraut, mau zieht jüdisches Geld für die arischen Mittagsttsche der Professoren und Studenten heran, man appelliert an sie im Namest der GdelMer der deutschen Kunst und schließlich, zuletzt erwähnt, aber nicht an letzter Stufe der Bedeutung, ist der Plan zur Sanierung der Staatswirtschaft auf das jüdische Gehirn, auf die jüdischen Verbindungen zum Ausland und auf die Weltbesahrenheit des österreichischen Judentums angelegt worden. Es ist ein ganz gescheites System, den arischen Staat auf jüdische Kosten zu erhalten und zu sichern. Die Christlichsozialen tun es, ohne dies darüber zu reden; das besorgen die Großdeutschen. Und damit die Juden nicht im Parlament aufbegehren, haben alle drei Parteien — die Sozialdemokraten taten da sehr eifrig mit — den Juden das Recht auf politische Vertretung einfach abgeschnitten. Sie haben nicht gesagt: „Die Juden dürfen keinen Juden wählen." Nein. Wir sind ja eine demokratische Republik. Aber sie haben die Wahl verhindert. Und da kommt auf einmal der .Herr Präsident Hainisch und sagt, es sei ein unstatthaftes Beginnen, die ehrlich arbeitenden und honorig wirkenden Juden zu Bürgern zweiten Grades degradieren zu wollen. Er hat dies in bezug auf das heutige Ungarn gesagt. Aber da fühlen sich sofort die regierenden Parteien Oesterreichs getroffen. Im Budgetausschuß des Nationalrates meldete stcb gestern der Jerzabek an und die Hakenkregler rückten in ihrem Abendblatt mit der geschmackvollen Ermahnung aus, daß die Amtstätigkeit des Herrn Präsidenten am 21. Oktober zu Ende gehe. Man konnte nun einwenden, daß der Präsident schon öfters öffentlich, amtlich und offiziell gesprochen hat, zuni Beispiel über die Rückständigkeit der österreichischen Landwirtschaft, über die Schäden des Alkoholismus, also über immerhin für die Allgemeinheit bedeutungsvolle Fragen, ohne daß Christlichsoziale und Großdentsche in Saft geraten wären. Aber da der Herr Präsident dem fremden Besucher gegenüber gemeint hat, die österreichischen Antisemiten seien nicht so borniert, daß sie die jüdische Mitarbeit ablehnen würden, so ist der Grund zum Einschreiten^ gegeben. Sie sind so borniert. Budapest, 28. .Jänner. Ministerpräsident Bethlen hat heute dem Vertreter« der Presse einen Bericht über die Ausländsanleihe erstattet, aus denn hervovgcht, daß die Anleihe noch lauge.nicht bewilligt ist und man noch immer bei den Vorverhandlungen steht, denn Bethlen. wie der Finanz-nmifter mußten zugebm, daß die Vorbereitungen fürdre Aufnahme der Anleihe noch eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen, würde«. Die Wissigmachnng der Anleihe wich von der Lage des internationalen Geldmarktes abhängen, das heißt also, Bethlen hat in London einen vollständigen Mißerfolg erlitten. Dies ist auch aus der sehr gewundenen offiziellen Darstellung der Sachlage durch den Ministenpräsideutem ersichtlich, welche besagt, daß in der von Ungar« zwanzigJahre hindurch zu leistenden Reparationszahlung von zehn Millionen Goldkronen auch die Restitutionen, Sachlliosevumgen, Befetznngsikoste« twtib die Kosten der in Ungarn befindlichen interalliierten Missionen, kurz alles, was Ungarn unter den Bostimmungen des Friedensvertvages zu zahlen hat, inbegriffen seien. Das sei deshalb von MchtiMh •- weAsi-'ü-tM ■ -solchen Umstqniden .'eigöntttch ein veWWWmäßig Wmr Betrag .an Reparationen zu entrichten ist. HaM-lsabkomomen sollen nicht imr mit den Nachbarstaaten, sondem mit allen mit Ungarn in Handelsbeziehungen stehenden Staaten albgeschlossen werden. Es sei die Frage geklärt worden, wer zum Kontrollor bestellt werden könne; dieser könne auch aus der Reihe der Bürger der Vereinigten Staaten gewählt werden. Die Erledigung der Frage sei jödoch dem P r ä s i d e n te n des ungarischen Ausschusses, Lord Cecil, übertragen worden. Da in der Rspavationskommission dieselben Staaten vertreten seien, die im Völkerbund über die ungarische Anleihe berieten, hoffe Graf Bethlen auf eine glatte Evlediguing vor diesem Forum. Es sei gelungen, tnlit Jugoslawien zu einer prinzipiellen Vereinbarung der Angelegenheit der unter dem Titel von Restitutionen geforderten Lieferung gewisser Eisenbahn- Materialien zu gelangen. Ueber die Einzelheiten dieser Frage -werden gegenwärtig Verhandlungen zwischen dem Pariser ungarischen Gesandten und dem Vertreter der jugoslawischen Regierung geführt. Ungarn habe allerdings eine schlvere Bürde mit der Verpflichtung übernommen, 20 Jahre hindurch jährlich 10 Millionen Goldkronen zu zahlen, doch bringe diese Tatsache auch gewisse Vorteile. Sowohl Graf Bethlen wie der Finanzminister Dr. Kallah betonten, daß die Vorbereitungen für die Aufnahme der Anleihe und die parlamentarische Verabschiedung der hieraus bezüglichen Gesetze noch Der Kampf gegen Voimare. (Eigondienst der „Wiener Morgenzeitung".) Pari-, 28. Jänner. Die Kammer setzte heute nachmittags die Debatte über die F i n a n z p r o j e k t e der Regierung fort. Zunächst wird die erste Vorlage geprüft, in der die Regierung von der Kammer die Ermächtigung verlangt, im Berovdnungsweg in der staatlichen Verwaltung Ersparungen in der Höhe von einer Milliarde Franken vorzunehmen. Für diese Vorlage, die von allen Regierungsvorlagen in der ersten Sitzung am meisten kritisiert wurde, sind bereits 13 Redner eüigeschrieben. Die Kammer lehnte die Bertagungsanträge der Kommunisten ab und beschloß mit 426 gegen 152 Stimmen das Eingehen in die Spezialdebatte. In politischen Kreisen herrscht die Ansicht vor, daß die Regierungsvorlagen von der Kammer genehmigt werden, daß es aber nicht ausgeschlossen ist, daß sie der Sena 1, der bekanntlich eine radikale Mehrheit besitzt, ablehnen wird. Dies würde eine Kabinetts- Isii« Mp Lolck habsb eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen würden. In politischen Kreisen wird darauf hingewiesen, daß Graf Bethlen früher nach Hause gekommen sei, als er geplant hatte. In ein geweihten Kreisen glaubt man, daß der Ministerpräsident feine Rückreise wegen des ständigen Verfalles des Kurses der ungarischen Krone beschleunigt habe, da der Kursrückgang der Ungarkrorv in London als ein Symptom der ' wirtschaftlichen Anarchie gewertet werde und auf die Anleiheaktron höchst ungün» stige Wirkungen ausgeübt hat. Ae Ievisenverhandlungen zwischen Sefterreich und Ungarn. Budapest, 28. Jänner. Ueber das Ergebnis der Verbandlungen des Chefs der Devisenabteilung der Oesterr. Nationalbank, Direktor Gustav Ar kau er, mit dem Chef der ungarischen De vifen zentrale und anderen führenden Persönlichkeiten der Finanzverwaltung erfährt Ihr Korrespondent, daß zu der Regelung der Effekten- und d^r Devisenarbitrage eine. R e gi cnnt gs her o.r> nung erlassen werden soll, die. den Wünschen der ö. st e r< reicht sichen Finanzkrerse Rechnung trägt, insofern« diese nicht den ungarischen Finanzinteressen zuwiderlauftn. Di« Nachrichten von den bisherigen Ergebnissen der Verhandlungen hatten bis heute abends in Privatkreifen in Budapest einen Rückgang der Devisenkurs« von acht bis zehn Prozent zur Folge. Ae geschäftige Budapester Devisenzentrale. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Budapest, 28. Jänner. Im Zusammenhang mit der Affäre der.Kronenkontermineure hat das Ueberwachungsamt für die Versicherungsgesellschaften eine Untersuchung gegen sin« angesehene Budapester Versicherungsanstalt eingeleitet, weil das betreffende Institut Versichevungm in österreichischen Kronen ausgenommen hatte. Das Institut ließ sich einen Teil der Versicherungsprämie im voraus in österreichischen Krönen auszahlenworauf es bei einem Wiener Jrsstitut eine Rückversicherung aus den vollen Prämienbetrag abschloß. Nach Ansicht des staatlichen Uebevwachungsamtes hat das Institut durch dieses Vorgehen die bestehenden Devisenverordimngen nicht minde* verletzt als die Kronenkontermineure. Ralovszkd geht? Budapest, 26. Jauner. Trotz aller Dementis erhält sich die Nachricht, daß Innenminister Rakovszky ehebaldigst seine Demission geben wird. An seine Stelle soll Mgeordmter U g r o n kommen. Die Folgen der bayrischen Aus Weisungen. Repressalien der polnischen Regierung. Berlin, 28. Jänner. (Wolfs.) Nach Meldungen von Posener Blättern hat das polnische Ministerium des Innern die Ausweisung von je 50 reichsdeutschen Fa nr i l i e n ans de« Woiwodschaften Posen und P om er ellen als Repressalie für die angebliche Ausweiislmi^ polnischer Wanderarbeiter aus Mecklenburg sowie die Ausweisung weiterer r e i ch s d e u t s ch e r Familien als Repressalie für die Ausweisung von polnischen Staat sangehörige^ aus Bayern ungeordnet. Her Krieg um den Nordpol. Ottawa, 26. Jänner. An offizieller Stelle wird mit Be» zug aus die Meldungen, wonach anläßlich der Polarexpedition des Luftschiffes „Sheuandoah" das arktische Gebiet durch die Vereinigten Staaten annektiert werde, erklärt, daß Kanada diesen Bestrebungen n'i ch t gleichgültig gcgenüberstehe. Es werde im gegebenen Augenblick ebenfalls seine Rechte 4 flttj: Polargebiet geltend Mache«,