Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1924-01-21 · Heft 1772 (21.1.1924) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1772 (21.1.1924)
Date
1924-01-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2979076-2980834-2980855--17520-3004529
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Einzelnummer K 700 Wien: Zum Abholen in der Expedition, II., Tabor str. 1 -3, oder in einer Verschleisstelle (Trafikl monatl. K 35.000 Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma GoIdschmiedt,I.Bez., WoIIzcile 11. Mit Postversand für Wien n. Oesterr. monatl. K 95.000 Tschecho-Slowakei: Mon. K17. lusroslawien: Mon. Dinar50. Polen: Mon. polnische Mark 2,200.000, Dcutschl.' M]pn. Goldmark 3.—, Frankr., ßelxien: Mon. Frcs. 10 9RT Nach*ahluBgen Wei Preiserhöh an7«B Vorbehalte» Nr. 1772 D AIS Y tz. VTABOrStÜ/*; Xie.'Üx' Wien. Montag,21. Wnner 1824 Po'en: poin.Mfe.lOOOGl Italien: Moyatl»I2 üire Rumänien Mon. 130Lei. Bulgarien Mon. 75 Lewa Schweiz und das übrig»' Ausland monatlich Frcs. 3 Redaktion u. Administration Wien, II.,Taborstrassei—-3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab 6 Uhr abds. 19-483,25-282 Tel.- Adr. :„M o rxen rcltunx'' Wien Oesterreichiscbes Postspar kassen- Konto Nr. 150.693 6. Staftramts Wnbahnerstrm in ganz Mann. llm Mitternacht ansaebrochen. 2 onbon, 21. Immer. (Tel. d. ,/Wr. Movgentzeitung".) Obwohl sich die Führer des Nattonalverbandes der Eisenbahner gegen den vom Maschinistenverband angeordneten Streik ausgesprochen und auch einzelne Führer der Labour Party bis zur letzten Minute versucht haben, zu vermitteln, hat der Vollzugsausschutz des Verbandes der Heizer und Maschinisten es abgelehnt, die Streikorder zurückzuziehen. Um Mitternacht ist daher inganzEnglandder Eisenbahnerstreik ausgebrochen, der, soweit es sich in den Morgenstunden feststellen lietz, ein allgemeiner ist. Nur die Jas zmtrum für eine Berstiindigung mit Frankreich. Erklärungen des Ministers Höfler. Berlin, 21. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgensteitung"). In der gestrigen Sitzung des Reichsausschüsses der Zentrumspartei erörterte Reichskanzler Dr. Marx in ausführlicher Weise die Stellungnahme der Regierung zur inneren und äußeren Lage. Das zweite Referat hatte der Minister für das besetzte Gebiet Dr. H ö f l e r, der einen Ueberblick über die Lage im besetzten Gebiet gab. Besonders behandelte er die Separatistenbewegung und kam zu dem Ergebnis, daß D e u t s ch l a n d § v e r -s u ch e n m ü s s^e. m i t Frankreich zu einet Berständigü'ng zu gelangen, um einen Modus vivendi zu finden. Deutschland müsse sich davor hüten, zu große Hoffnungen auf England und die englische Arbeiterpartei zu setzen. Operation Dr. Heims. München, 21. Jänner. (Tel. d. „Wiener Morgenzeiiung".) Der bekannte bayrische Bauernfühver Doktor Heim, der durch einen grauen Star fast vollständig erblindet war, unterzog sich gestern einer Operation, die ihm das Augenlicht wieder herstellte. Poimare hält wieder Sonntagsreden. Er wünscht allen Böllern Glück. Paris, 20. Jänner. (Havas.) Bei der Enthüllung eines Kriegerdenkmals im 7. Pariser Stadtbezirk erklärte Ministerpräsident Poincare, Frankreich werde sich mehr als je vor den Schrecken des Krieges bewahren. Es werde mit allen Kräften seines Geistes und seines Herzens für den Friedeil arbeiten. Mehr als je werde es sein Streben darauf richten, die Völker, die so oft durch ihre Interessen und ihren Ehrgeiz getrennt worden sind, in Liebe und Menschlichkeit einander näherzubvmgen. Nur um dieser Sache der Einigkeit der Welt in nützlicher Weise zu dienen, sei es Frankreichs Bestreben, diese Einigkeit durch die Beobachtung der Verträge und die Aufrechterhaltung der durch diese geschaffenen Rechte zu verteidigen. Wir haben, sagte Poincare, das Zeitalter der Pa-- pierfetzen kennen gelernt nnd wollen fortan unter dem Schutze der beschworenen Verpflichtungen leben, für die so viel Blut und so viele Tränen .geflossen sind. Wenn Frankreich morgen weiteren Angriffsdrohungen ausgesetzt bleiben sollte, oder «wenn wir angesichts des vorsätzlichen Unvermögens Deutschlands außerstande wären, unsere schweren Schäden wieder gutzumachen, wird keine/politische Kampagne, kein finanzielles Manöver und kein Druck von außen her die Stimme unseres Gewissens ersticken. Wir sind keine Nation, die toll d<nn Imperialismus nach!, jagt oder von Gier nach denr Besitz des anderen erfüllt «ft. Wir begehren nichts! Wir wünschen nur das Glück der anderen Völker, nicht mir, was selbstverständlich ist, das unserer Verbündeten, sondern selbst das unserer früheren Feinde, vorausgesetzt, daß sie sich von ihrer Vergangenheit lossagen, sie anslöschen und sich bessern. Frankreich hat 7ritterli che Großmut an den Tag gelegt und es auch weiter «daran nicht fehlen lassen. Die Welt nn zu fchifcr Aufrichtigkeit und seinem Ehrgefühl Vertrauen haben. Frankreich hat nur die zwei bescheidenen 'wünsche: von niemanden dessen beraubt zu werden, was ' r''-st-r"ch'n worden ist, und nicht mehr von seinen .; a .r.n an der Gurgel gefaßt SU/lpeMn. lokalen Eisenbahnen, die den Charakter eines städtischen Verkehrsmittels haben, führen vorlausig ihren Betrieb weiter. Die Stadtverwaltung Londons hat noch gestern nachmittags, als die letzten Vermittlungsversuche schon ein negatives Resultat erwarten ließen, eine große McngeG Automobile bereitgestM, die, solange die Regierung nichts anderes verfügt, die notwendigsten Lebensmittelzufuhren von dem Lande sicherstellen soll. Nach den ersten Feststellungen stehen 54.000 Lokomottvführer unp Heizer im Ausstand. Rach dem Mritstr — die Kohle. Eine neue nationalsozialistische Korruptionsafsäre in Prag. Prag, 21. Jänner. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung.") Das gestrig: „Rudo Pravo" berichtet über eine neue Korruptionsaffäre der tschechischen Nationalisten, die gleichen Umsong anzunehmen droht wie die Spiritusassäre. Die tschechische nationalsozialistische Kohlensirma „Union" hat durch Vermittlung der nationalsozialistischen Genossenschaftsbank mit dem Staate einen Vertrag auf Lieferung von Kohle außerhalb des Offertverfahrens abgeschlossen. Der Chef der Firma „Union" und gleichzeitiger Verwaltungsrat der Genossenschaftsbank Stejskal hat wahrend des letzten Bergarbeiterstreiks für das Arbeitsministerium die Liefermlg. von 120.000 Tonneu^trschlestschrr «Mhke HbernopMen.- Trotzdem Wien der Ministerpräsident sowie der Eisenbahn- und Arbeits- Minister erklärt, daß das Kohleneinfuhrkontingent nicht erhöht worden sei. Es handelt sich dabei um Millionensumme», um die der Staat durch de« Entfall der Kohlensteuer geschädigt wurde. Weiter erklärt dasselbe Blatt, daß die tschechische Agrarpartei aus Prascheks Korruptionsfonds 22 Millionen erhalte« habe. Alle Zeitungen, die die Agrarpartei herausgibt, sind von diesen Korruptionsgeldern unterhalten. Reise Dr. Seipels nach Bukarest. Wie nunmehr feststeht, findet die Reise des Bundes» kanzlers Dr. Seipel und des Außenministers Dr. Grünberger nach Bukarest am 2. Februar d. I. statt. Die Rückkehr nach Wien wird am 3. Februar erfolgen. In Begleitung des Bundeskanzlers befinden sich u. a. Setttonschef P e t e r und Sektionschef Schüller. Zer jüdische Sammeltag. Der jüdische Sammeltag hat gestern mit eifriger Tätigkeit eingesetzt. Ohm Störung des Straßcnbildes, in ruhiger und nicht aufdringlicher Weise hat die Sammlung begonnen. Treppauf, treppab eilten die Sammelpaare, mit der Sammelbüchse oder dem Sammelbogen ausgerüstet, von Haus zu Haus, um bei den jüdischen Stammesangshörigen für die armen jüdischen Kinder Gaben zu erhalten. Die Keinen «Sammler und Sammlerinnen trafen auf großes Interesse und Teilnahme. Selbst arme jüdische Hausfrauen e-ntzogen sich nicht der Spende, wenn auch ihre Gabe nur Kein sein konnte. Die Sammlung erfolgte nur in den Häusern, in die die Sammelpaare mit Legitimation eintraten. Heute ist die Sammlung in den jüdischen Geschäften, der Erfolg wird erst in einigen Tagen festgestellt werLkn können. Besonders eifrig zeigten sich die zionistischen Sammler und die der Agudas Israel, die sehr fleißig waren. In manchen Bezirken mangelt es an Sammlern. Besonders für den ersten B e z i r k, der ein umfangreiches Arbeitsfeld darstellt, find noch Sammler nötig und es werden alle, die heute noch mithelfen wollen, gebeten, nachmittags in der Seitenstetten- ' ga s f« 4, 2. Stock, beim Zentralkomitee zu erscheinen. Vor allem ist der 9. Bezirk zu erwähnen, der-unter der Leitung des Oberrechnungsmtes Weiner hervorragendes leistet. Hier verdienen besonders die Mediziner und die jungen Mädchen und Burschen des ’ Wandervereines B l a u- Weiß als «Sammler besonderes Lob. Nicht tveniger als 50 der jungen Mitglieder von Blau-Weiß haben sich als Sammler gemeldet. Im ganzen verfügt der 9. Bezirk über! 120 Sammler, unter denen die Mitglieder des jüdischen Turn». Vereines Makkabi gleichfalls sehr stark vertreten sind. Der Leiter der Aktion, Weiner, hofft auf einen sehr schönen Erfolg. . Auch in anderen Bezirken wurde, fleißig gearbeitet. Ge -! WW Aqchr waren am Sonntag noch wcht «chälrLYP. Aus dem 20. Bezirk wird uns berichtet, daß dort unter der Leitung der Frau Dr. Weiß bereits ein schöner Betrag zusammenkam. Unter den Spendern dieses Bezirkes befindet sich die Firma Kremenetzki und andere. Der heutige Tag ist für die Sammlung entscheidend, da bei den reichen Juden Vorgesprächen werden wird. Wir wollen hoffen, daß sich diese der armen jüdischen Kinder erinnern! Wir werden eingehend über den Verlauf des Sammeltages berichten. Die Lohukiimpfe der Angestellten. Zu dem Konflikt mit den Industrieang e si e l b t e« ist nun auch ein Konflikt des Meta klar beit erv erbau des mit dem 'Verband der I n d u st r i c llcn gekommen, da der Verband erklärt, infolge der Absatzstockung eine Lohnreduktion von 6 Prozent und damit eine Steigerung der Leistungen fordern zu müssen. Besonders die Aukomobi'lfabriken sind hierbei in Kombin v 'n /*? zogen. Irr einem S ch r e r b e n d e s I n d u st r r c 11 e n- Verbandes wird für die Glühlampenindustrie eine Lohnreduktion von 10 bis 15 ProZent verlangt. Die M e t a l l a r b c 11 e c hielten eine Betrie b sr ä t e v e r s a m m l u n g ab, bei der sämtliche AutomMlfabriken von Wien nnd Wiemr-Neustadt vertreten ivaren. Sie wandten sich gegen die. beabsichtigte Lohnreduktion und erklärten, das plötzliche unbegründete Verlangen der Unternehmer könne die Arbeiter nicht abhalten, ihre Forderungen auf zu stellen. Die B u n d e s a n g e st e l l t e n beabsichtigen, ein A j o n s k rr.in.1 t£S. awtzustelleu,. , ..das ' dem-Bundes-, kanzler demnächst die Fo rderungc n beZüglich der Regulierung der GoMter anläßlich der eingetretenen Teuerung Vorleger: wird. __ & Proseffor Karl Adler gestorben. In der Nacht auf Sonntag ist hier der bekannte Rechtslehrer Hofrat Professor Karl Adler einem Gehirnschlag erlegen. Adler, der 1865 zu Prag geboren wurde, studierte in Wien, habilitierte sich 1893 als Privatdozent für Handelsnnd Wechselrecht an der Wiener Universität und wurde fünf Jahre später als Professor an die Czernowitzer Universität berufen, wo er vis zum Umsturz wirkte. Er übersiedelte nach Wien und lebte hier als Privatgelehrter. In Karl Adler verliert Oesterreich einen seiner bedeutendsten Handelsrechtslehrer. Die Brrhastung Lrapold 8hl«merlys. Im ZnsaMnwnhcüng Mit der Wäre de-r Frau Kadrnetz, die sich bvkcmnllich wegen der fadistiischün Vorführungen in ihrer Schule zugloich mlvt dem Dozenten Bachstez, dam Tapptzch» Händler Kotany und dem Industriellen Tmrssig in Haft bcsiNdet, wurde 'in den letzten Tagen eine. PevsoMchWt verhafteit, deren Namen die Polizsi nicht rronnen wollte. Es stellt sich ninnmehr heraus, daß die gchsmmisvolle Person der Sohn des eh e m al i ge n M >i >n i ste r s Chlmneäky, ' der frühere Baron Leopold Chlnmecky, ist, der als Schriftsteller bekannt ist »md zu den Stützen der ALonarchie gehörte. Die Berhasitmig war wie tm Falle Bachstez durch die Staatsanwaltschaft vevaMlaßt worden. Leopold Chlmneoll) Narre wurde von der Behörde in einem der b>efch>lagnahmten Notuizlbücher der adinetz entdeckt. Aus der Untersuchungshaft schrieb sie .an ihn e«inen Brief mit der Bitte um Intervention, unld die-se beiiden Umstände veraMßten die Vorladung und d'w darauMjgenlde Verhaftung Chlumeckys. In der U-mge!buug EhlmmecEys stcht ni-an vor emenr Rätsel, au>s welches Alateriol sich der gegen ihn gericht>e«te Verdacht stützen könnte. Tatsache ijst, das; er auf Grund eines eiinfach>en Jöitungsinseratcs, in dem sich eine distmouierte Sprachlchrerin für Unterricht in Englisch und Französtsch anlbot, Frau Kaldinetz kennen lernte. Er nahm bei ihr französischen Unterricht, ohne, wie er versichert, jeniats e«ine Ahnung davon gchabt zu haben, welche Geheinmisse sich in der Wöhimng der Frau Kaidmetz abspielten. Bei ctiner Konfmnibativn hat kam einziges der Kin«der in ihm einen Bchucher des Salons erkannt. Es erscheint für. die Beurteilung des Falles von Bedeutung, daß die Ratskarnmer, die über den Au'trag des Untersuchungsrichters auf' Enthaftung gegen eine Kaution von 500 Millionm Kronen zu entscheiden hätte, den ÄUstimmigeu Beischluß faßte, Chlumec-ky sei ohne Kaution auf sveiien Fuß zu setzen. Die Staatsanwaltschaft erhob dagegen Emfvruch. dein seitens der oiberen Instanz fto“.- sagcA«?'. twwb».

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.