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Wiener Morgenzeitung · 1924-01-20 · Heft 1771 (20.1.1924) · p. Seite 17

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1771 (20.1.1924)
Date
1924-01-20
Page
Seite 17 (sequence 17)
Language
German
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Nr. 1771 ' Wen, SonuW ’ Ausfuhr, Ausscha.ltzn.r:a jeder Bemvittllunig. De Sowjetregieru-ng werde e>i>ne „WarelttuterveMion" ni^it AUilassen. Sie föuitic der Bauernschaft im deren ein'aenem Inte resse buw AirAlciinldswore cimf Kosten des Wiederaufbaues der hemipcben / Iudnstrie liefern. Zum SM,sie erklärte Kross'm: Der MrtschaftsmHbcm eines jeden Landes erfülle stets un er Mitwirkung fremden Kavitals. Es mht der,Ta-, an dein das Auslauidskapiw-l uns AnilMm aMäihren wird. Die Interessen des Auslandes seW erfordern dies aobie'.e risch. Es itt aller Grund Zu der Annal>>n>e vorhaniden. daß das neue Wi rischest s^abr uns Au8la.nds'kr0dilte brin-aen wird. In wölcher Form das evfollgen wird, sicht noch dachin. Erste Lokomotivsabrik in Polen. Unter diesen: Namen wurde in Chrzanow eine t>s^,ien^eisell!scha>ft ae^rundet, welche die B-estvmnmna W, den Gi>senil»achnlb-e''ri>e>b Polens vm: Ausland wen-iaer abhän^g zu mack'n. Me uns aus Warschau Mdrcchttt wird, hat das Unternohmen bewils 40 L"komo'-iren fteillesert und soll in dm nächstm Tasten dem Giseribalhnininlisterinm noch fünf weitere Maschinen zur ^crfiWimq stellvn. Der Wert des Jahresproduktion der Gestllschast wird bei Herstellnna von 72 Lokomotiven im Jahr über löOO.OOO Dollar betragen. Ein österreichisch-tschecho-slowakischer Gütertarif. Aus Prag wird gemeOdcit: Wie die ..Prager Presse" erfährt, dürfen Ende dieses' Monats die VerhanGungen Mischen Oesterreich nnd der Dschecho-MowaEoi über einen direkten Gütertarif be- M-nen. Herabsetzunq der Ausfuhrpreise für Rauchwaren in Rußland. Der russische Zollansschuß hat dü Ausfuhrzölle für Rauchwaren wie fo>ügt hervibäesetzt: Woißhafc von 5 aus 1, Gmuihase ouf 1, Schcttsifell auf 0,76, Rotfuchs von 80 auf 50 DscherwonezrübÄ pro Pud. Aufhebung von Ausfuhrabgaben kn Ungarn. Die ungarische Regierung hat bekanntlich den Beschluß gefaßt, mit dem Abbau der Außenhandelsbeschränkunaen zu beginnen. Dem Programm entsprechend sollen in erster Linie jene Beschränkungen fallen, die den ungarischen Export hindern: die Ausfuhrabgaben und die Ausfuhrverbote. Nunmehr hat die ungarische Negierung durch die Aufhebung der Ausfnhrabgabensätze für eine Reihe von Waren den ersten wichtigen Schritt zur Verwirklichung dieser Absicht getan. Wie die Handelskammer Wien mitteilt, hat die ungarische Regierung die Ausfuhrabgaben für nachfolgende Waren aufgehoben: Rapssamen, Hanffaat, Leinsaat. Sonnenblumen- und Kürbiskerne, Ochsen, Stiere und Kühe, lebend, Pflanzenfette und Oele. Halbschweine, Schaffleisch. Kalbfleisch, Rindfleisch, Fleischwürste und Oelkuchen. Außerdem wurde verfügt, daß für Weizen- und Roggenmehl die bisherige Ausfuhrabgabe von 6 Kilogramm Weizen, beziehnnasweise Roggen weiter in Kraft bleibt, daß hingegen für Mehl gröberer Qualität in Hinkunft keine Ausfuhrabaabe mehr zu entrichten ist. Diese Verordnung ist am Tage der Verlautbarung. d. i. am 16. d.. in Kraft getreten. Ermäßigung italienischer Maschinenzölle. Wie die Kammer für Handel, Gewerbe und Industrie erfährt, wurde der italienische Einfuhrzoll für Letterngieß- und Setzmaschinen auf die Hälfte herabgesetzt und gleichzeitig der bisher nur für Vertvagsstaaten geltende ermäßigte Zollsatz (18 Goldlire pro 100 Kilogramm') für Rotationsmaschinen für den Zeitungsdruck als Generaltarifsatz erklärt. Bei Lieferung von Maschinen letzterer Art nach Italien entfällt daher die Verpflichtung zur Beibringung eines Ursprungszeugnisses. Verringerung der türkischen Staatsschuld. Nach den Berichten der Verwaltung der Dette Publique Ottomane hat sich die Schuld der Türkei um 40 Prozent vermindevt, infolge der Repartierung der SchM aus die von ihrem Gebiet abgetreunten Provinzen. EMns* MvEn-reskM-k." ForMchrmgSN'LgMMsn im Schtvarzmcer-GeRet. In Mokikan wird. wie der OI't-Exvreß meldet, die' Möglichkeit erwogen. zwecks rattoneller AiuSbentuni der wertvollen Walidbestände in der Ge^eirld von Gagrv und Suchrmi an der kaukasischein S^'warrgneer^i'ste an miFäuldisckeS Kapital bpv.'wutre'.en. Das in Fraa? kommend- D-aildäreas ist zu 70 Pxn^nlt '">it Edeltannen, zu 20 Prozent mfl Ln'-bholiz. ln erster Linie Buchen, ferner O'l'rn,. Buchsll'a"m. Niußh^llz und anderen wertvollen. zur Fubrik.att"n von M'besn nsw. gee-rgneteu H^^ern bestanden, di" zur AnSsubr in den reiben Ost'n. nach Itailiien, ^ranikrciich usw. in Betracht kämen. Ei^ride'üich wäre Ji^ttnldselninig u>nd?lusvüst''.m der Fabrik Ba^sbowsst, in Ga-arp sowie der 1911 gegrÄudet'-n H^qrndul'lvv A.-G Goarv. die aut Ansboudnug eines Walldarealls von 14.000 Deßsti^.nen eingerichtet i't. Schwier^ikei'en dürfen o^"i-<dinas d'e g-r'nne Bev-''H'rn.N'gld!ch»,e des Lands und der schlechte Zustand der VerkohrKmeabereden. Marennmsätrvoisch'n Frankreich und Bolen. Nach Mttlieflunia des französischen Harid"'sn stackes in Waw'M', der sranstösisch-po'ln'sicke Warenumsatz im Jahre 1666 20.000 Warans im W>erte von rund» 100 Millionen Fwnst'n nmsa^tt Infvlae d"r S^d>enung der Eisenibaibntarise in Polen ha: sich die p^lsn'sch- Ansiflihr im d"" letzte'- M"^en ver">'n^t. Ein Schluß „Kostgeld" — 10 Millionen Kronen. Wir berichteten kürzlich, daß der ungarische Börsenrat die offizielle Notierung des Kostgeldes an der Börse beschloß Es wurde nunmehr festgesetzt, daß ein Sekretär der Börse die Kostae'ldnotierung vornimmt und zwar seiten Zinssatz verzeichnet, zu welchem Prolongationeri von einem Kassaiag bis zum nächsten vorgenommen werden. Der Mimdestbetrag, der a>ls Kostgeld an der Börse zu Drolongalionszwecken verwendet werden kann, ist 10 Millionen Kronen. Der Börsenrat beabsichtigt durch diese Maßnahme d"m Wucher und den Unregelmäßigkeiten, die mit dem Kostgeld betrieben werden, ein Ende zn ber-iten. Ronco-Gefellschaft. Die Oesterreichische Roneo-Aktiengesellschaft hielt vor kurzem ihre ordentliche Generalversammlung ab nnd besteht der Verwaltnnasrat nunmehr aus den Herren A. S. Mewmark, London; Ernst Russo, Zürich; E. Löwenstein, Wien; Dr. Kellelc. Wien; P. Stermann, Wien. Die Generaldivektion hat Herr E. Löwenstein, der Sitz ist 1. Bez.. Dominikanerbastei 22. und besteht sonst in Wien keine andere Filiale. (Entgeltlich.) Re Warenmärkte. (Eigenbericht der ..Wiener Morgenzeitung".) Baumwollgarne. Die Tendenz ist schwächer, und gegen Vorwoche ließen die Vreile um 1 bis 8 Punkte nach. E? notieren r Nr. 6/10 Benoalkovs pro März-April —.76 Dollar. Nr. 16 Ila Surat —.88 Dollar. Nr. 20 —.98 Dollar. Nr. 18/24 Halb Amerika 1.— Dollar. Nr. 16/50 Nein Amerika 1.10 Dollar, Nr. 36/4? Mittel Amerika 1.25 Dollar, Nr. 42 1.27 Dollar pro Kilogramm ab Fabrik exklusive Packung. Banmwollzwirne verzeichueten gleichfalls schwächere Tendenz, bei 1 bis 8 Punkte schwächeren Kursen. Es notieren: Nr. 10/12 Bengal zwei- und dreifach pro März-April —.82 Dollar, Nr. 16/2 II» Surat -.96 Dollar, Nr. 20/2 1.06 Dollar. Nr. 20/2 Amerika 1.20 Dollar, Nr. 30/2 1.30 Dollar, Nr. 40/2 Prima 1.47 Dollar chro Kilogramm ob Fabrik exklusive Packung (trocken, mittel, uaßscharf 1 Kabel-Cents Aufschlag pro Kilogramm). Rohe Vanmwollgewebe.' Die Stimmung war um eine Nuance schwächer und die Preise ließen bis 1 Punkt nach. Es notieren: 80 Zentimeter 15/14 20/20 pro Februar-März —.84 Schweizer Franken, 15/15 20/20 —.87 £5. ' Sette 17 Schweizer Franken, 87 - --roter 19/19 30/00 -.88 L'.hwrizer Frauken, 80 Zentimeter 19/17 36/42 —.61 Schweizer Franken, 87 Zertimeter 19/21 36/42 —.72 Scktzveizer Franken pro Meter ab Fabrik, exklusive Packung, die letzten drei Posten tronsit Wien Eisen. (Frankreich.) Der Rückgang des Franken — es trat nm vorübergehend eine Erholung ein — gegenüber der Dollarparitöt wird zweifellos bei längerenl Andauern zu einer Uinnrientieruna der französischen Ellenindustrie, d. h. zu einer iimner stärkeren Pfleoe nnd Verücksichtiaung des Exports führen. Die Industrie klaot über die hohen Leihllitze für Geld und die Zuoeknöpftheit der Banken gegenüber Kreditonkprüchen. Eventuelle Besserung erwartet man nur bei einer Erhöhung der einheimischen Produktion. Tie Ansfuhrtätigkeit ans dem Nobeikenmarkt wird beeinträchtigt einerseits durch das immerhin noch bestehende Gestid! der Ilnsicherbeit, andererseits durch die Transportkrise, insbesondere ans den belgischen Ellenbahnen und im Antwerpener Hasen, wodurch besonders dir lothringische Eisenindustrie gehemmt wird. Tie Preisbildung verhält sich andauernd abwartend. Für Jänner-Lieferungen nennt man 395 Franken, doch werden Angebote bcbcuteuber Werke bis zu 370 Franken herab genannt. Die Gießereien kaufen zurzeit wenig nnd leben von ihren Vorräten. Für Hämatit halten sich die Preise unverändert zwischen 450 Franken franko Zentrum. Englisches Rohesten liegt wieder ziemlich fest, man osserierce Svezkal-Lißbah-Glilla zu 147 Schilling 6 Pence pro Tonne cif Dttnnkirchen. Zn Ostfrankreich nnd in Lothringen, übriaens euch im Saargebiet, werden Blooms und Bramnien zu 43 Ins 4-7 Franken offeriert, Knüppel zu 48 bis 49 Franken mit Zuschlägen von 2 bis 6 Franken. Auf dem Blechmarkt beobachtet man Besserung für Grobbleche und Baubleche, indes werden Feinbleche infolge starker Konkurrenz gedrückt. Baubleche notieren 60 Franken für 5 Riillimeter, Feinbleche gegen 80 bis 82 Franken Grundpreis. Chemikalien. In der abgelanfenen Woche war das Geschäft in Chemikalien nnd Wachsen wohl etwas schwach, doch war immerhin ein Festhalten an den Preisen zu beobachten. In Pavaffin besteht weiterhin bei unveränderten Preisen Nachfrage., doch hofft man in allernächster Zeit eine Erleichterung. Iapanwachs und Carnaubawachs zeigte keine Veränderung, wogegen Chinawachs bei re.yer Nachfrage anziehende Preise ausweist. In Terpentinölen hat sich die Lage derart verändert, daß die alliährlich etwas später einsehende steigende Tendenz bereits setzt hervortritt, sowohl der amerikanische wie auch der französisch- Terpentinölmarkt zeigen ein stark bemerkbares Anziehen der Preise, auch in russischen Terpeictinölen werden bereits höhere Preise gefordert und sind die Umsätze ziemlich bednltend. A l a u tt in Stücken ermäßigte den Preisstand unr 200 K. auf 3600 K. ab Wien. Bittersalz ist gleichfalls schloächer und ermäßigte den Preisstand um 70 K. Die Notierung lautet 580 K. C h l o r b a r i u m krist 96/98 schwächte sich um 200 K. auf 4500 K. ab. C h r o m k a l i notiert um 500 K. billiger 18.000 K. G l y z e r i n 28 * Be chem. rein ist um 500 K. billiger. notiert 27.500 K. K a l i gelbblansaures schwächte sich um 4000 K. auf 28.000 K. ab. Börse für lMÄwirtschastMe ProdAkte. (Eigenbericht der „Wiener Morgenzeitnng".) Durch große Ankäufe tschecho-flowakischer Interessenten gewann die Tendenz des Wiener Marktes neuerdings an Festigkeit. Das Geschäft war auf allen Gebieten ziemlich belangreich und wickelte sich zu einer durchwegs erhöhten Wertbasis ab. In Weizen gelangten heimische, jugoslawische und rumänische Provenienzen, in Roggen auch solche aus Ungarn zum Ab« MiMU 41 :r .utr SiPI/i*« n92* bX Nachdruck verboten. 2Äjch»Oesterrclchlscher Verlag, Wien. Lie HeZMütlskR. Roman von Wilma v. Vukelich. . Gövger Alfred war vor zwei Jahren aus der klerikalen Kleinstadt am Fuße des Meesek mit seinen Eltern nach Budapest übersiedelt, wo sein Vater, Herr Moritz Görge.i, Geld machte in größtem Stil und unter Ausschluß der Oeffentlichkeit. Seine schone und geniale Mutier aber lebte von Se-wsationen, wodurch sie sich schadlos halten wollte für ihre Deklassierung an der Seite eines Gatten, mit dem sie nun seit mehr als zwanzig Jahren in einer seelisch und geistig völlig inhaltslosen Ehe lebte und dessen bloßer Anblick schon ihren Abscheu erregte. Der von irgendwo aus der Polakei stammte, woher er seine üblen Gewohnheiten, seine Vorliebe, aus jc^dem Wort einen Witz zu drehen, und seine allerdings fabelhafte Fähigkeit, Geld aus nichts zu machen, mitgebracht hatte. And nichts vermochte Frau Marianne für die zornige Demütigung zu entschädigen, die sie an der Seite dieses Gatten erlitt, dessen rote und behaarte Hände ihren Widerwillen erregten, der übrigens gutmütig war wie ein großer zottiger Hund, sie unbelästigt ihrer Wege gehen ließ und Schätze in ihren Schoß schüttete. Auch keiner ihrer Liobhaber.befriedigte sie ganz, obwohl sie diese aus den verschiedensten Lcbenssphären wäM . . und zwar Christen mit Vorliebe, weil sie Christentum für eine Vorbedingung aller vornehmen Kultur hielt. Den Vater ihres schönen blauäugigen Knaben kannte keiner. Vielleicht sogar sie selber nicht. . Die guwn Frmndlmwn zerbrachen sich vergeblich den Kopf, ob es Esztevgamy H der damalige Komitatssekretär, für den die Herzen aller höheren Töchter stärker klopften, oder der mit sechs Töchtern gesegnete Baron Maroczy, von dem mm, sich auch sonst die unglaublichsten Geschichten erzählte. Oder Deri Zoltan, der schöne Nichtstuer, der eigentlich Deutsch hieß .und ein paar Monate später in einem vielbesprochenen Duell fiel. Keiner wußte Gewisses . . . und Frau Marianne verstand es, auch den diskretesten Anspielungen mit einem kühlen, aber vieldeutigen Lächeln zu begegnen. Auf alle Fälle wirkte das Kind, das nach säst fünfjähriger Ehe im Görgeischen Hause erschien, ausdie phantastische/ -unruhige Frau wie ein Wunder. Hatte sie sich bisher in ihren plötzlichen und launischen Einfällen nicht genug tun können, so wurde der Knabe nun der Träger dieser Launen, und er war ein äußerst geeignetes und bildsames Objekt mit seiner zierlichen, seinen Gestalt, die die Mutter stilvoll in dunkle Samte kleidete und der sie nach bewährten Vorbildern von van Dyck ein Prinzliches Aussehen zu geben trachtete. Wo immer sie mit dem vornehm aussehe,nden Kinde erschien, gehörten alle Blicke ihr, un-d ihre kapriziöse Slhönheit wurde ins Vladonnenhafte erhöht durch den ' zarten Glanz mütterlicher Liebe, die sie verklärte, wenn sie sich zu dem kleinen Edelknaben nieverbeugte, der seine Rüstung mit Ernst und Würde trug. Später trieb ihr Ehrgeiz üppigere Blüten. Der Knabe war begabt, sinnlich nnv temperamentvoll gleich seiner Mutter . . . von früh auf mit Geistesnnd Schönheitseindrücken übernährt. Sein Wiegenlied war Beethovens „Appassionata". Sein Bilderbuch eine Sammlung Dürerscher Stiche, Er wurde ans Klavier gesetzt, als seine Füße noch hilflos in der Luft baumelten. Spielte eigene Kompositionen vor den Jourgästen seiner Mama. Und die schönen geputzten Damen vergingen vor Wonne über das goldige Kerlchen, das so wundervoll natürlich seine frühreifen Mätzchen machte. Und die Gäste applaudierten, seine Mama lächelte ge'schmeichelt, und das kleine Kindergesicht sah alt, nttide uud traurig aus. Und wenn ihn die schönen Damen an ihren wogenden, parfümierten Busen zogen, verging er vor Zorn und Widerwillen; die Damen aber sagten, ohne viel nachzudenken, er sei ein Genie . . . In seinem zehnten Jahre erschienen seine ersten Kompositionen im Druck. Sie wimmelten von Preziöseu Einfällen, waren altklug wie ihr Schöpfer, und wurden gekauft . . . denn feine Mutter hatte einen anspruchsvo.^en Rahmen für sie ersonnen, Titelblatt und Vignetten von Künstlern ersten Ranges entwerfen lassen, und Frau Marianne strahlte und glühte vor seliger Zukunstshoffnung. Ihr Sohn war ein Genie, und sie konsultierte Musiker ersten Ranges, Pädagogen von Ruf und ärztliche Kapazitäten, um nur ja nichts außeracht zu lassen bei der Behandlung dieses Edelmaterials. Denn sie erwartete von ihrem Sohne die Erfüllung alles dessen, was sie selber bei den wirren Zickzacklinien ihres Lebens versäumt hatte . . . Dann kam aber die Wandlung. Sie kam sozusagen über Nacht, und Frau Marianne war starr. Alfred bezog das Gymnasium. Er kam mit Knaben zusammen und erlebte die erste lieblose Kritik. Er sah, wie andere waren, und sah, wie er selber war. Und begann ■ sich seiner wunderschönen Ringellocken zu schämen und seiner stilvollen Samthöschen. Wollte ein Schuljunge werden wie alle die anderen. Er selber wollte das, mit aller Energie, die ihm sein frühes Wunderknabentum übriggelassen hatte... Ja er erlebte stolz die ersten Prügeleien, kam triumphierend mit zerbeulter Stirne heim... und seine Mutter fiel in Ohnmacht. Und die schönen, gepflegten Locken fielen als erstes Opfer der neuen Ordnung, ihnen folgte die Edelknabenrüstung, worauf von den: ganzen Wunderknabentum ein ziemlich gewöhnlich aussehender Schuljunge übrig blieb, mit Tintenflecken an den zarten, aristokratischen Händen, mit blutigen Schrammen an den Backen, mit üblen Angewohnheiten. die seiner verfeinerten Mutter ein Greuel waren. Auch schoß er in die Höhe wie Gras. Sein su.ßcs Cherub'mtgesicht zog sich in die Länge . . . und was das Schlimmste war. . . die Wandlung bekam ihm außerordentlich gut. Er gedieh viel besser dabei als bei seinen Erfolgen als Wunderknabe. Auch schien er völlig gesättigt von Viesen frühen Erfolgen uud hatte keine Spur von Ehrgeiz mehr. Ging seinen Schüleravbeiten mit Gleichgültigkeit nach und leistete nichts, was darüber hinausging. Komponierte nicht. Ja zu seinen' täglichen Hebungen mußte er angetrieben werden und spielte mit Unlust und ohne jeden Impuls. (Fortsetz'i',^ i'Vat >

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