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Wiener Morgenzeitung · 1924-01-20 · Heft 1771 (20.1.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1771 (20.1.1924)
Date
1924-01-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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tlustanmerlUOOO Wien: Zum Abholen in der Expedition« n„Taborstr. 1-3, oder in einer Verschlmsstelle (Trafik) monatl. K 35.000 Strassenverkauf in Wien dtireh die Kolporteure der Firma Goldschmiedt,!. 8er., Wollzeüe 11. Mit Postversand für Wien n. Oesterr. monatl. K 35.000 Tsehecho-Slowakei: Mon. K17. Jugoslawien: Mon. Dinar50. P o I e b: Mon. polnische Mark 2,200.000. Deutschi.: Mon. Goldmark 3.-7-, Frankr., Belgien: Mon. Frc?. 10 Mp Nachzahlungen TBi bei Preiserhöhungen Vorbehalten «r. 1771 ■ Wiener r$n r?C\tS D AIS Y VtanoftftTft/ Polen: puMtlOOOOO Italien: Monatl. 12 üre, Rumänien Mon. 130l.ei, Bulgarien'Mon.75 Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 3 Redaktion u. Administration Wien, II.; Taborstrasse 1—3 Telephone: 44-0-38,45-3-,19, ab6Uhrabds.l9-483,25-282 Tel- Adr.:„Morgen2eitung*' Wien wmmmmmmmaammmmatsmmmaemm Mm. Sonntag. LV. ASilner 1924 Österreichisches Poslspar» kassen- Konto Nr. 150.695 6. Jahrgang Poincars in Nöten. —y. Wien, 20. Jänner. Ein Vertrag mit Zugoflalmen. — Sr. Benesch vermittelt zwischen Paris «nd 3Mra. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitnng".) Paris, IS. Immer. Laut einer Meldung des „Oeuvre", hat die Nachricht, daß Frankreich nach dem Abkommen mit der Tschecho-Slo wakei einen ähnlichen Vertrag mit S ü dslawien abzuschließen beabsichtige, gestern eine offizielle Bestätigung erfahren. Tie diesbezüglichen Verhandlungen Würden eine Fortsetzung der durch den Krieg unterbrochenen Verhandlungen bedeuten und gelegentlich des Besuches des serbischen Ä'önigspaäres im April in Paris endMtig zum Abschluß kommen. Mt Rußland - gegen Suglaud. London, 19. Jänner. Ihr Korrespondent 'hak vor eim- /cit Tagen Mitteilungen über einen bevorstehenden! Abschluß eines Vertrages zwischen Frankreich und Rußland gemacht. Diese Nachricht erfährt durch dvn „M a n ch e st er Guardia n" eine Bestätigung, zugleich auch erweiternde Mitteilungen über Dr. Benesch' Bermittlung zwischen Paris und Moskau. Mch seiner Rückkehr aus Paris machte Dr. Beneschde.m russischen Vertreter in Prag Mitteilungen' über gewisse'Vo'rschläge, die Poincare mit Bezug auf Rußland gemacht habe und die darauf hinanMefen, Irankreich sei -bereit, mit Nußland zu nnterhandeln. Es werde in der Ane111nuung Rußlands nicht zurückbleibe n und dis französische und russische Politik könnte im Orient möglicherweise' einengem'einfamenKur s e'mhalten, der eilte Nichtane rk e nnung der e n g l i sch en P olitik w diejsem Teile der Welt bedeuten würde. /Manchester Guardian" sügt hinzu, Po in ca res -Anregungen seien tatsächlich so a n t i e n g l i s ch, daß sie im Falle ihrer Annahme ein Hindernis für fric Anerkennnng der Räteregiernng durch England bilden würde. Ser sranMch-tschechWe Berttag. Prag, 18. Jänner. ,Lidove Listy" veröffentlichen die .Hairptbestimmungen des tschecho-slowakisch-fvanzösischen Sr. Stresemann regen Poinmre. Deutschland ist von der französischen Antwort enttäuscht. Berlin, 19. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Dr. Stresemann erklärte heute bei einem Presseempfang, daß die Verhandlungen des Sachverständigenkomitees in Paris für Deutschland entscheidende Bedeutung haben. Die deutsche Regierung werde alles tun, um deren Tätigkeit zu erleichtern, und werde es besonders begrüßen, wenn die Kommissionsmitglieder nach Berlin kommen. Der M e i n u n g s a u stausch zwischen Paris und Brüssel befinde sich im ersten Stadium. Er verrate aber keim besonderen Geheimnisse, wenn er sage, daß die französische und belgische Antwort der deutschen Regierung manche Enttäuschung bereitet haben. Gleichwohl könne die Fortsetzung der im Gange befindlichen Diskussion doch noch zu einem Ergebnis führen. Dr. Stresemann kam sodann auf die Ausführungen' Poincares zu sprechen und erklärte, es sei ihm unverständlich, wie Deutschland ein Vorwurf daraus gemacht werden könne, daß es bestrebt sei, seinen Einfluß in den besetzten Gebieten wieder zu erringen. Dieses Ziel zu verweigern, sei unvereinbar mit den wiederholten Zusicherungen Poincares, er denke nicht daran, deutsches Gebiet zu annektieren oder unter französischen Einfluß zu bringen. Wenn Poincare versichere, Frankreich habe nichts getan, um die Reichseinheit zu zertrümmern, und lasse insbesondere der pfälzischen Bevölkerung Vertrages. Danach verpflichten sich beide. Staaten, in ihren - Staaten und in M i t t e l eu r o p a den durch die FriedcnsverträgL und dnrch Sonde rprotokolle geschaffenen Zustand' der betreffenden Staaten aüfrecht zu erhalten. Im Interesse des Friedens verpflichten sich die beiden. Staaten, alle, bisher abgeschlossenen D e s e n f i v v e rträge anstecht zu erhalten. Alle Zusätze und Ergänzungen zu internationalen Verträgen, an denen beide Arteten direkt oder indirekt interessiert sind', müssen geachtet' werden. Beide Staaten verpflichten sich, im vollen Einvernehmen an de.r wirtschaftlichen Erneuerung Europas zu arbeiten. . Einige Artikel umfassen die Verpflichtung der Dschecho- Sloivakei und Frankreichs, niemals in Deutschland frie Restauration der Hohe nzollern-Hervfchaft zuzulassen, e-bensoweyig' die Restauration der' Habs 'b u x g, e r.' Beide. .Staaten verpflichten ' sich, dahin zu wirken, daß Ungarn alle seine BerpstichtuNgen, die Rückkchr der' Habsburgermifdvn ungarischen Thron nicht zuzülassen, erfüllt. . Hinsichtlich' O e st e r r.e i ch s verpflichten sich vie Lei-. ‘ den Staaten, immer die politische Selbständigkeit und 11naMngigkeit der österreichischen Republik $u. schützen. , DaI hrnpelsMNche WbeDW^mwl ' Slowakei mit Italic n-öbiir WM ün seiner-. '.Muze'.ülWhälttn-ünfr'^n'r^eMiEW^ 'Mi- .. . . In einem Nachtrag zum Vertrag wird hinsichtlich des' gegenseitigen militärischen Verhältnisses festgestellt, daß für Frankreich und die Tschocho-Slowakei auch in Hinkunft das seinerzeitige Uebereinkommen über das Zusammenwirken der Ob er ko m man de n beider Staaten gilt. >Jeder G e h e i m v e r t r a g mit einem anderen Staat ist unzulässig. Jefre.r Streit über die Auslegung oder-über Erfüllung des Vertrages wird durch ein Schiedsgericht geschlichtet. völlige Freiheit, so sprechen demgegenüber die Tatsachen leider eine andere Sprache. Ich kann es mir ersparen, sagte Doktor Stresemann, hier auf das Beweismaterial der interalliierten Enquete einzugchen, das in allen Punkten zugunsten der Sache Deutschlands spricht. Zugoslawien droht mit der Sperr«»» , deutscher Guthaben. Der Reparationskonflikt zwischen Jugoslawien und Deutschland. t (EigeMenst der „Wiener Morgenzeitnng".) v Belgrad, 19. Jänner. Die Unterredung der jugoslawischen Delegierten mit den Vertretern der deutschen Regierung und dem Reichskommissär für die Reparationen haben bisher zu k e i n e m E r g e b n i s geführt. Die deutsche Regierung hält an ihrer Auffassung in der Reparationsfrage fest. Belgrader informierte Kreise erklären, daß im Justizministerium und im Handelsministerium die Frage von Z w a n g s m a ß n a h men gegenüber deutschen Besitzungen erwogen werde. Verharrt die deutsche Regierung auf weiterer Wtehnung in der Frage der Reparationen gegenüber deut südflawischen Standpunkt, dann werden den deutschen B e s i tz e r n i h r e G u t h a b e n i n S ü d s l a w i e n gesperrt werden. In den Debatten der französischen Kammer tauchen jetzt Forderungen ans, die dem Oesterreicher sehr vertraut klingen. Man verlangt Ersparungen rui Budget, sclmrferes Tempo int Beamtenabbau unter gleichzeitiger Erhöhung der Gehalte, Kontrolle des Devisenhandels, ein Ermächtigungsgesetz fiir die Regierung und ähnliche schöne Dinge in der gleichen Dosierung, wie sie einstmals dem Wiener Patienten vorgeschrieben wurden und pünktlich den Effekt verfehlten. Die -Regierung mag sich noch so sehr aus Ersparungen einstellen — stets gwi es politische Parteien, auf deren Gunst sie angewiesen ist und deren Freundschaft sie durch Zuckerln in Form, von Konipromissen erkaufen muß. Die Regierung Poincare wird denselben Weg gehen müssen, wenn sie sich am Ruder erhalten will. Es scheint, daß sie sich schroff zur Wehr setzt. Darauf würde tvenigstens die Nervosität der Kammer hindeuten, die plötzlich nicht so will, wie Herr Poincare dies wünscht, und die ihm hart zufetzt. Sie hat ihm zwar wieder mit großer Majorität das Beriranen ausgesprochen, läßt Doch ihr Votum nur für'die auswärtige Politik gelten, in der Poincare durch eme neuerliche sehr scharfe Rede gegen Deutschland sich den stürmischen Beifall feiner Getreuen geholt hat. Aber mit all dem Kraftmeiertum, das übrigens weniger in Berlin als' vielmehr in London, im neuen Londpn, wirken soll, ist der Franken nicht zu stützen oder zu schützen.-Er ist in den Reparationswirbel geraten uitb treibt hilflos in die Fänge der Aasgeier, die aus-nah uüd ferst' hevbeigeeilt sind, dieses frohe und schone * Familienfest mitzuftWrn.— —- - — ^. Wenn der Mantel fällt, muß der Herzog nach,i und so' sieht Poincare auch schon wieder die schwankenden Schatten seiner Vorgänger, die er gestürzt-hat uüd die nun ihn stürzen wollen. Hinter ihnen steht das.Elhsee, uiid man erinnert sich des seltsamen Widerspruchs zwischen der Neujahrsrede des PräsideiNen Millerand, die die Morgenröte des kommenden Friedens grüßte, und der Botschaft Poincares an das amerikanische Volk, die eine Beschwörung um diplomatische Hilfe enthielt. Herr Millerand scheint sich nach so langen Jahren patriotischer Betätigung wieder seiner sozialistischen Jugend zu erinnern, in der er so schöne Aussätze über die englischen Fabier schrieb, an die jetzt die Aera Ramsah Macdonalds anknüpft. .Herr Mllerand ist nicht etwa über Nacht ein Freund Deutschlands geworden, aber er muß doch schärfer erkennen, welche Gefahr, in dem Zurückgreifen auf, die Politik des Sonnenkönigs lag, . der an der Ostgrenze eine Wüste wünschte. In der Zeit des technisch so hoch enüvickelten Verkehrs lassen sich weder gute noch schlechte Ideen durch solche politische Steppen abhalten und auch der Franken ist auf diese Weise nicht zu immunisieren. Die Politik, das System, 'muß geändert werden. Poincare aber ist starr und unbengsam. Er pocht auf seine zweifellos in harter Anstrengung' erfochtenen Siege. Rhein und Ruhr sind besetzt, in der bayrischen Pfalz hat er mit Hilfe der Kahrschen Provokationen den Teufel losgelafsen. Aber während, er mit Deutschland beschäftigt war und die tschechischen Konzerne in den Wrrtschaftskampf gegen die deutsche Jndustvie führen wollte, die i>hm dann noch den Weg nach Rußland öffnen sollten, schloß Italien seine Rechnung mit Belgrad rasch ab, lugt nach Bukarest und darüber'hinaus nach Moskau und Angora. Im Orient aber wird ihm die englische Arbeiterpartei nicht einen Fuß breiter Boden gönnen als dies Lloyd George getan hat. Es gibt also für bic Zukunft große Komplikationen, die ihre Wirkung auf den Wähler nicht verfehlen. Poincare ist in schwerer Be---, drängnis. Herde, der noch immer gute Witterung stir konmtende Majoritätsschwankungen . hatte, schreib^ bereits vom Todeskamps -des Kabinetts, > B53 FeinsteTQiletteseifen, Parfümerien, Blumenschnee,Waschseife Stadtbureau Wien, l. Plankengasse 4 Die hentöse Niemmer der „Wiener Morgenzeitung" umfaßt 28 Seiten.

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