Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1768 (17.1.1924)
- Date
- 1924-01-17
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Wiener Morgenzettrmg. __ 17. $mm 1924 M.^1768 MW! Ski SiHH »WNlW Die Palästina-Reise der Hakoah. Bon Dr. I. H. Körner. Kairo, 5. Jänner 1924. Am Mittwoch den 2. Jänner um halb 11 Uhr abends kamen wir in Kairo an. Am Bahnhof erwarteten uns Salvatore Cicurel (Leiter des Empfangskomitees), der Präsident der askcncvsischen Gemo'nrde Leibowiez Bei, der Präsiden!: der sephavdrschen Gcrneinde Catauy Pascha, Dr. Pitpoul (Präsiden'! des Zionistischen TMonskouttt-ess), Cachambalschi (Oberrabbiner), Schimorl ben Chay, ein Vertreter des Bürgermeisters, den östereichsiche Konsulatssekretär Sieg! in Ver» tretiMg des verreisten Konsuls und Fmanzminister Gafri Pascha in Vertretung der Regierung. Zwei Kompagniett Mischer Scouts, die mit Fahnen mrd Kapelle ausgerückt wavcn, bildeten -Spalier. Wir schritten die Front dieser herrlichen Jungens ob. Feierliche Ansprachen wurden dann an uns gehalten, auf die wir kurz antworteten. »Sämtlichr Spieler und SieiseteAnchmer wurden den einzelnen Würdeutrügern vovgestellt, dann wurde gomoinsam der Marsch ins Hotel -angetreten. Wir schritten zwischen den beiden Scouts-Kompagnien, deren Kapelle — interessant erweise pfisfen zchn Scouts Piccolo — jüdische Marschwetsen spielte. Auch gesaMgen wurde aus -dem Wege, wobst unsere Hakoahner nicht Murksenden. So gelangten wir zahlreiche Hauptstraßen, wo wir überall erkannt n-nd bejubelt wurden. Ms wir i»u Hotel anlangten, «befand sich bereits unser Gepäck in den uns zugÄviefenen Zimmern. In der Halle begrüßten uns die Vertreter des ägyptischen Futz-- ballverbandes. Der österreichische .Konsulatssvkrebär Siegl er-- schien nochmals, um sich persönlich davon zu überzeugen, ob wir gut utl-tevgebracht sind. Da wir von 'den durchgemachten Strapazen sehr ermüdet waren, gingen wir sofort zu Bette. Am Donnerstag den 3. d. bofanden wir uns schon um 9 'Uhr früh aus der Straße. .Zwei Salonwagen der Stvaßenbahn, die Flaggen m unseren Farben trugen, standen für »ms ^bereit. Sie führten nns zu Pyramiden uäd zur Sphynx. Diese sichrtausendealten Dokumente oiner uMevgegarrgonen Kültur stimmten uns feierlich. Zkrch die Büste, die sich so weit erstreckte. Äs das Auge rechte, verfchlte aus uns nicht ihre Wirkung. Dem Spott -unserer Hakoahner ist ober nichts heNg, und so' waren auch alle bald wieder in der übermütigsten Stimmung. Unsere Fußballer versuchten sich ÄS Esel-, und Kamelreiter, was allseits schallende Heiterikait <mS- Wfte. Mit den Arabern, deren ZudrmgKchkeit kaum vorstellbar ist, führten Hmlsler und Konsorten Gespräche, die «ns derart zum Lachen stimmten, daß uns die Augen feucht wurden. EMich waren die Fußballer teä UKes müde, so daß tmr die herrliche Bsgsdation bSvundevn konnten. Palmen, Kabteen, Orangenbäume und BarnnwollfÄder standen in voller Blüte. Herrliche, ganz modern ausgestattete Villen grenzten an elende verfallene Hütten. Orient rmd Okzident grenzt nnmrttMar aneinander. Zum Mittagsmahl fanden wir uns wieder im Hotel ein. Nach' dem Essen unternahm wir einen Rundgang drwch die Stadt. Frühzeitig wurde das Nachtmahl emgenoinmen, damit sich Misere Fußballer gut ausruhen können. Einige Reiseteilnchmer suchten noch das Arabevvievbel auf, doch waren sie Wer da§ Geschaute entsetzt. Dftser Stadtteil, m dem die „ftere Liebe" in der Mlorvegelwstm Weise gepflegt wird, ersoff förmlich im Schnrutz. Andere Hwkoahner hatten die Oper ausgesucht, wo sie die Gäste des Königs waren. Die Mailänder Skala st'chrta „Manon" aus. Am Freitag den 4. d. fuhren wir mit den dekorierteil lSatontvagerl nach Hetiopolis. Leider fehlt mir die Fähigkeit, all die gesehenen -Herrlichkeiten, zu 'schildern. Bald nach dem Mittagessen brachten uns berc'itgestellte Antos zmn 'Sportplatz. Er befindet sich au dem dem Hotel gagenüberliegenden Ufer des Nils nud liegt inmitten eines Palmenhaines. Das SprÄfeld, das in manchen Stellen nrit einer spärlichen Gras - schichte bedeckt ist, erschien uns etwas größer als das früher in Alexandrien angetroffon-e. Das Mubheim auf dein Spori- Platz ist groß und schon. Vor der Anlage befand sich eiif wahrer Slutopark, so daß wir uns zu einem gwßen Spiel in Wien versetzt glaubten. Europäer, Araber, enAische Soldaten, Araberimren, denen 'der Schleier .das halbe Gesicht verdeckte, eleganten AegWterinnen, Männer mit Fez nud solche mit Turban füllten die Zuschaneranlagcn. Dabei herrschte ein Lärm, wie man ihn nur im Orient zu hören 'bekommt. Der König ehrte uns dadurch, daß -ans seinen Befehl das Hoforchester auf dem Platz konzertierte. Als unsere Mamrschast das SpielsM betrat, wurde sie m-it Beifall nberschütto!. Wimpeln wurden mit den Gegnern ausgetauscht. Finanzminister Gasri Pascha stellte uns den Vertreter des Königs vor. Schließlich «wurden wir noch photographiert und daun begann daL Spiel. Die Hakoah stellte folgende Mannschaft: Duldig: Gold Pollak; Fried, Guttmann, Ing. Sluzkh: Neufeld, Schwarz. Häusler, Grünwald, Heß. Der Gegner war das Städteteam von Kairo. Mit größter Spannung verfolgte die 12.0Möpfige Zuschauermenge die ersten Phasen des Kampfes. Die Städte-Elf ist sofort im Angriff und erzwingt einen Eckstoß, der schön ausgeführt wird. Duldig fängt den Ball. Der Gegenstoß wird von Heß unternommen und führt ebenfalls zu einem Eckstoß, der aber hinter denr Tor landet. Man erkennt bereits jetzt, daß die Einheimischen eine sehr gute Mannschaft besitzen, die nicht nnr sehr rasch, sondern auch in technischen Belangen vollkommen auf der Höhe ist. Die Hakool, spielt sichtlich nervös. Die Gegner kommen rasch nouf» Vorm¬ und Fried rettet einen gut placierten Schuß auf der Torlinie zur Ecke. Dieser Freistoß wird aber verschossen, was von d.-n Zuschauern mit Pfuirufen quittiert wird. Das Publikum ingleitet auch in der Folge das Spiel mit großem Geschrei, wo-, die Hakoah ganz ans dem Häuschen bringt. Neuseld, Pollok und Häusler treffen dann nicht ins Ziel. Ersterer wird stark bewacht und kann den gegnerischen linken Verteidiger .'ein einzigesmal abschütteln. Ein schöner Angriff der Gäste umo wegen Abseit aufgehalten. Nun bekommt Düldig schwere ri> beit, wobei er sich bei einer wahren „Bombe" des gegnerischen Linksverbindmrgsstürmers auszeichnet. Langsam zieht Ritte in die Reihe der Hakoahner ein. Grünwald erhält den Bali, überspielt die gesamte gegnerische Verteidigung und erzielt in- Meingang das erste Tor. Heike 8 Wien. Donnerstag 834.—, Brosche , Koliner Svmiutz 1380.—, Kömgüliofer Zement 1362.—, Breitfeld-Danek 5(59.50, Ringl,oster 840.—, Simmeringer 180.—. Notbkosteletzer Tertil l)70.—, Mpiue Montan 360.—, Poldihütte 451.50, Prager Eisen 1133.—, Oesterr. Berg u. Hütten 3170.—. Skoda 643—, Jnwald 487».—. Budavrster Börse. Budapest, 10. Jänner. Die Unlust, die bei Eröffnung zu verzeichnen war. überging hu lweiteren Verlause in eine freundliche, später ausgesprochen feste Tendenz. Die Privatkaufaufirähe hatten größeren Umfang, wodurch die Wiener flauen Beuchte keinen Einfluß auszuüben vermochten Die feste Stimmung ging von den schweren Werten aus und übertrug sich auch auf Arbitragepapiere. Die Schlußkurse zeigen im allgemeinen Gewinne bis zu 10 Prozent. Der Schluß war weiterhin fest und der Verkehr lebhaft. (Alles irr Tausenden von Kronen.) Schlußkurse: Brltisch-Ung. Bank 87, Ung. Kredit 002, Oesterr. Kredit 163, Salgo Kohlen 620, Rimamuranyer 182, Südbabn 91s Staatsbahn 410, Anglobcmk —, Gran- SzaSzvarer 425. Oberung. Bergu. Hütten 890, Dräsche Ziegel 335, Ung. allg. Kohlen 2560, Urikany Kohlen 790 Koburg 50, SPodium 183, Clotilde chenr. Fabrik 110, Ung. Eisenbahnverkehr 276, Verein. Holz 34, Adria 575. Ile Devisenkurse. DerlM) 16. Jänner. kDevisenkurse.)*) Amsterdanr 1,581.038 (1,681.035), Belgien 176.588 (173.565), Christiania 598.500 (598.600), Kovenhagen 736.155 (738.150), Stockholm 1,111.216 (1,117.200), JtaNenische 187.530 (191.520), London 17,955.000 (17,955.000), New-York 4,189.500 (4,189.500), Paris 192.515 (189.525), Schweiz 736.654 (742.140), Spanien 541.643 (538.650), Wien 59 850 (60-598), Prag 123.440 (125.186), Budavest 154*612 (156*607), Sofia 80.423 (29.925), ' Belgrad 49.376 (48.378). *) In Millionen von Mark. Berlin. 16. Jänner. (Notenkurse.)*) — Noten: Dollar 4,139.500 (4,189.500), Pfund 17,955.000 (17,955.000), Italienische 189.525 (193.515), Polnische 404.000 (390.000), Tscheche, slowakische 123.441 (128.191), Oesterr. gestemvelte 58 458 (59*102), *) In Mllionen Mark, ausgenommen polnische Mark. Prag» 16. Jänner. (Devisenkurse. — Mitgeteilt vonr Bantamte des tt'checho-slowakischen Finanzministeriums.) — Berlin*) 8.05 (8.05), Zürich 600.50 (601.75), Paris 159.75 (154.25), London 147.55 (146.80). New-Pork 34.70 (34.70), Belgrad 39.75 (89.75), Bukarest 17.— (17.05), Wien 4.76 (4.76), Warschau-s) 9.05 (2.85), Agram —.— Budapest 1125 (12.—) Jugoslawische 39.62 (39.37V,), Oesterreichische gestempelte Krone 4.77*/* (4.78) Polnisches) 3.10 (2.85), Ungarische 10.15 (10.05). *) pro Billion, f) pW MMon. Budapest, 16. Jänner. (Kurse der Tevisenzenttale.) — Amsterdam 11.080 bis 12.160, Bukarest 149.- bis 164.-, Kopen- Hagen 5190 bis 6695, Christtania 4235 bis 4650. London 127.000 bis 139.400, Berlin-.- bis —Italien 1310.- bis 1440.-, Paris 1345.— bis 1480.—, Prag 868.— bis 955.—. Stockholm 7815 bis 8575, Zürich 5160 bis 5650, Wien 0.4190 bis 0.46, Sofia 213.— bis 235.-, Belgrad 340 — bis 376.-, New-Aork 29.800 bis 32.700, Warschau bis —Brüssel 1225.- bis 1350.-. Agram, Iß. Jämrer. (Devisen.) Wien 0.12295 bis —, Berlin —bis —, Budapest bis , Bukarest — bis Italien 382.- bis —London 372.- bis New-Nork 87.75 bis —.—, Paris 897.50 bis —.—, Prag 253.90 bis Sofia -.- bis Schweiz 1515.25 bis —. Brüssel —bis —, Warschau —- bis —, Amsterdam 3255 bis —Stockholm —.— bis —. Belgrad, 16. Jänner. (Devisenkurse.) London 374.50 bis —, Paris 400.— bis —.—, New-Aork 87.75 bis —, Genf 1517.— bis —.—, Saloniki —.— bis —, Mailand 385.- bis —Prag 255.75 bis Berlin -.- bis , Wien 0.1235 bis —, Bukarest 41.75 bis —, Sofia 59.— bis —, Budapest 0.35 bis —, Brüssel — .— bis —.—, Amsterdam 3260.— bis —, Warschau —.— bis New-PorK, 15. Jänner. (Devisen.) London 425.75, Paris 449.—. Berlin 0.22'/, stir 1 Billion, Mailand 438.26, Zürich 1727.50, Kopenhagen 1737.-, Stockholm 2618.—, Christiania 1418, Amsterdam 3720.—, Prag 291'/,, Wien 0.14, Budavest 0.36, Bukarest 49.25, Warschau 0.0001. Madrid 1279.50. HelsingsorS 249.—, Brüssel 409.-. Kanada 2.75 unter vari, Brasslien 101.10, Argentinien 3302.—, Belgrad 113.75. Copyright 1924. Nachdru^ verboten. J. Ladysehnitoff-Verlag, Berlin. (Schluß.) Snkel Mofes. Roman von Schalom Asch. „Was ist dir. Mascha, MP -du dich nicht -wotzt?" „Gar nichts, du hast recht, ja, ich Vevstehe, ich bin dein ^Feind" — von einem Feind darf man nichts annchmen. Ja, ihr Mt recht — es ist gut so —, göod bh, Charlie, ich danke dir." „Aber, was ist dir? Warte einen Augenblick, ich gehe mit dir, ich werde, dich 'nach Hause bringen." „Nein, geh' nicht nrit mm Die Landsleute könnten mißtrauisch werden, nein, nein, du darfft nicht mit mir gehen — ich gehöre zur anderen Seite, ich bin am andern Ufer —, ihr habt recht, good by, Eharlie!" Eilig 'verließ sie die Congregatiou. lÄgert Abend kam Acascha heim. Im ganzen Hause war es dunkel, nur o'ben im Schlafzimmer schien ein Licht. Die verschie-denfaröigen Lichtef-seAe schlugen ihr entgegen, welche der Onkel hatte einrichten lassen. Als sie die Stufen emiporslieg, hörte sie des Onkels greisenhafte tiefe Stimme und sein schweres Lachen. Einen Augenlblick 'blieb sie in der offenen Tür des Schlafzinnners stehen und sah hinein. -L-er Onkel saß aus dem Sofa und spielte mit den Händchen des Kindes, welches neben ihnr lag. Er lachte und freute sich an dem Kinde; er bedeckte seine Keinen .Händchen imaufhörl'ich mit laut schmatzenden Küssen. Als der Onkel sie in der Tür bemerkte, jauchzte er mit strahlenden Augen aus: ,Komm' her, Mascha, lomnsi her, sich' nur -einen Mund — er wird mir ähnlich, wahrhaftig, er wird mir ähnlich." Mascha trat näher und betrachtete das Kind. An den starken energischen Lippen, an der langgeschnittenen Nase, an dem feisten, energischen Atenr erkannte sie ihn. Das rote Licht des Zimmers erinnerte sie an ihre Schinde und jk Mee M MtzM -M". 8. Einsamkeit. Im Geschäft bei „Melnik and Company" ging ein alter Mann umher, den die Arrgestellten aus Gewohnheit -halb im Ernst halb im Scherz ,/Onkel" nannten. Der alte Mann verbrachte seine Zeit zumeist oben in der Werkstätte unter den Llrbeitern. Er setzte sich zu ihnen hin und war ein gern gesehener Gast, da er Geschichten von der alten .Heimat, von Kusmin, erzählte. Gar oft lenkte de.r Greis die Arbeiter völlig von ihrer Arbeit ab. Da erschien dann der Vorarbeiter, der Vetter Manes, den Sam ins Geschäft genommen hatte, ging auf den Onkel zu und klopfte ihm aus die Schulter: ,Komnll mit, Onkel". Und 'wenn der Onkel nicht gehorchte, ging de.r Vetter und holte den Chef, Sam. Und ebenso wie einst der Onkel nnt gütlichem Zureden seinen Vater von den Schneidern sortgezogen batte, so tat es jetzt Sanr mit dem Onkel. Sams ernstes Gesicht wurde zur freundlichen Miene, er faßte, den Onkel weich beim Llrm und sagte gutmütig: ,/Schämen Sie sich nicht, Onkel? Kommen Sie doch mit." Der OrÄÄ schämte sich wirtlich und ging wortlos mit Sam 'hinunter. Dann ging er ein wenig mr Bureau und int Geschäft umher und lvars den Angestellten ein Paar Witzwovte zu. Doch das wurde ihnt bald langäverlig und er ging in foäS kleine Gasthaus, welches sich gegenüber dem Gelschäst von ,/Metnik and Company" befand. Rasch wurde Sam gemeldet, daß der Onkel ins Gasthaus gegangen sei. Sam schämte, sich, daß sein Onkel im Gasthaus 'faß und schickte den Vetter Manes hinüber, damit er ihn fortbringe. GewöhMch inußte er dann selbst gehen und dannl sagte er mit ernftgm (Besicht, ohne das freundliche Lächeln: „Schämen Sie sich nicht, Onkel? Kornmen Sie mit." Ein Laufbursche vom Geschäft brachte dann derr -Onkel nach Honst'. i ' » Einmal ging der Alte in ein billiges Restaurant im gcvlizischen Viertel, wo Bäcker und Metzger verkehrten. Dort wurde er wie e.in alter Bekannter aufgenomnren. Doch als der Alte angetrunken war, begann er unanständige Reden zu- -führen, sprach unaufhörlich von Kindern, die er mit der Wirtin hatte, und forderte feine Kinder zurück. Der Mann der Wirtin redete ihnr gütlich zu, cs Passe nicht für einen alten Mann, solche Reden zu führen, es sei viel geziemender für einen Greis, im Beth Hamidrasch zu sitzen und Psalmen zu sagen, statt in Gasthäusern herumzulungevu. Damit öfftrete der Wirt die Tür und hieß den Gast gehen. . . * Eines Tages 'kam der Onkel, als er dem Leicheidz-.v) eines Landsmannes folgte, auf 'einen Friedhof. Der Vcamc des Friedhofs kam ihm bekannt vor und or erinnerte sich, daß hier jemand lag, der ihnr sehr nahe stand. Er. ging ins Friedhofsamt und fragte nach seiner Frau, die. etwa 18 oder 20 Jahre begraben strg. Man sah in den Büchern nach und gab ihm einen Diener mit. Mitten unter wohl^ gepflegten Gräbem stand ein verlassener Grabstein auf einem mit Unkraut bewachsenen Grabe, das vergessen dalag. Der Onkeil blickte ans den Grabstein und Er'mne rungen an deMngem. Jahve erstanden in seinenr Kopf. Neben dem Gra'be war eine Gvabstelle unizäunt, tvelche nicht ^belegt war. Es war die Stelle, welche er sich nehen seiner verstorbenen Frau gekauft hatte. Plötzlich wurde cs ihnr klar: In diesern Grabe, lag sein Leben, seine Jugend. Und neben dem Le'ben -lag sein Grab und wartete auf ihn. Er 'hatte ge>hastet, ge'hairdelt, Liebe gekauft, Leben fernem Willen untertan gemacht — und hier lag still sein Grab und ivariete arvf ihn. Es war ihm, als verstünde er nun, warum das Leben-, welches e.r sich gebaut hatte, zw samurengebrocherr war. Er hatte auf einem offenen Grabe gebaut. Es dauerte nicht mehr lauge., -da füllte er das osfem Gräb, tvelches die ganze Zeit neben seinenr vergessenen Leben aiff ihn gewartet hatte ... ttttM» '5