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Wiener Morgenzeitung · 1924-01-16 · Heft 1767 (16.1.1924) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1767 (16.1.1924)
Date
1924-01-16
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Serke 8 Vien. Mittwoch t weise'280.00, beziehungsweise 75.000, zuwmmen 775.000 Pud. Die Anbaufläche erreichte nicht ganz 50%, der (ynUeertrafl etwa 40V« der Vorkriegszeit. Gegen 4922 ist die Ernte um 50.000 Pvd gestiegen. Wiener Warenbörse. (Eigenbericht der „Wiener Morgenzeiumg".') Die deutschen Märkte verzeichnten eine Belebung des Verkehrs, nachdem die Preise für die meisten Produkte herabgesetzt worden sind. Im besonderen wurden die Kalipreise ungefähr auf Friedeusbasis ermäßigt. Nur die Preise, die durch Konventionen geregelt werden, liegen zum großen Teil unverändert. H a m b u r g e r M a r k t e zogen Zinkweiß und Bleiweig im Preise an. Die Nachfrage nach kristallisiertem Borax war unverändert groß. Die Forderungen von 22 Pfund 15 Schilling stiegen bis auf 29 Pfund 10 Schilling pro Kilogramm. In Salmiakgeist kam es auf Basitz von 49 Goldmark zu Abschlüssen. Die Nachfrage nach Wasserglas erfuhr eine Zunahme. Verlangt :md bezahlt wurden 10.50 Goldmark pro 100 Kilogramm. Aetznatron war gesucht und unterlag keinen Preisschwankungen. Soda kalz. war knapp, weil größere Sendungen durch Frost von der Oberelbe ausgebliebcn sind. In Essigsäure fand eine Erhöhung der Werkspreise statt. Der Exporthandel war leblos. An der gestrigen Warenbörse machte sich lebbafter Verkehr geltend, in Ebemikalien waren einige Gattungen offeriert und namentlich fiir Farben bestand Interesse. Zum öffentlichen Verkaufe gelangten diverse Farben zu 11,3 Millionen Kronen. Offeriert waren Chromgelb zu 6800 K., Mode cchtrot zu 8200 K., Brillantgrüu zu 7600 K. und Schtveinnirtergrün imit. zu 7300 K. In andere« Ebemikalien tvaren noch offeriert Bittersalz zu 650 K. transit Wien, Cblorbarium krist. 96/28 zu 4700 K.. Glaubersalz krist. zu 1080 K.. Glyzerin Be chem. rein zu 28.00o K., Gummi cord, zu 22.500 K., Salmiaksalz zu 8600 K., Schwefelsäure 66 Grad Be zu 1700 K., Soda bie. B zu 4000 K., Soda Lic. M. B. B. zu 5200 K. Oele und Fette. Erhältlich waren dänisches Leinöl gebleicht zu 18.300 K., Taselspeiseöl zu 18.400 K.. ungarisches Speiseöl zu 17.000 K., Schweinefett pure Iard in Kleinfässern zu 26.900 K. Kolonialwaren hatten einiges Geschäft in Kaffee, Tee und P f l a u m e n zu unveränder en Preisen. — Kakao war bis 500 K. höher, inländischer notiert 30.5>>0 K., holländischer 35.000 K. Pfeffer erhöhte den Preisstand um 250 K. auf 36.000 K. und Piment auf 29.750 K. Italienischer Reis ist um 50 K. höher, Splender ff. notiert 6500 K. und 6 A 6300 K. Zucker ist nur 100 bis 200 K. höher ab Lager Wien, Kristall notiert 10.800 K. Würfel 11.700 Kronen, tschechischer Würfel 4.15 tschech. K. ab Grenze. Auch für neue Ernte ist bereits Interesse vorbanden und einige Umsätze erfolgten zu 3.15 bis 3.20 tichech. K. ab Grenze. Zum öffentlichen Verkaufe gelangten laut An. 343 des 2 Kisten Kokos gerasvelt (netto 59 Kilogramm) zu 23.800 K. Zum öffentlichen Verkaufe gelangen am 17. d., %11 Uhr, 30 Kisten Couverts, um 12 Uhr Papier und am 22. d., V-1 Uhr, 500 Hektoliter ungarischer Wein. Biehmärkte in 81. Marx. (Eigenbericht der ,Wiener Morgenzeiru-irg'I) Borstenviehmarkt. Angemeldet wurden?" t dtn gestrigen Markt 2991 Schweine, allein zu Beginn desselben waren bloß 2561 Stück, darunter 1065 Fleisch- und 1494 Fettschweine, aufgetrieben. Der Provenienz nach waren 45 inländische. 80 ungarische, 1652 jugoslawische, 388 dänische, 189 holländische Md 207 schwedische. Während Fettschweine im Vergleiche zur Vorwoche bis zu 1000 K. im Preise gestiegen sind, resultierte bei Fleischschweinen ein Preisrückgang von 1000 K. pro Kilogramm. Ein Teil verseuchter Schweine wurde auf dem Kontumazmarkte um 1000 K. pro Kilogramm billiger abgegeben als auf dem fteien Markte. Es notierten: Fettschweine prima 25.000 K. bis 26.000 K., extrem 26.500 K., mittelschwere 24.500 K. bis 25.500 K., Bauernschweine 23.500 K. bis 26.000 K., alte Schweine 22.000 K. bis 24.000 K. und Fleischschweine 24.000 K. bis 27.000 K. pro Kilogramm Lebendgewicht. Pferdemarkt. Zum gestrigen Martte wurden 312 Schlächter- und 350 Gebrauchspferde gebracht. Bei sehr lebhaftem Verkehr notierten: Zugpferde, leichte, 2,000.000 K. bis 6,000.000 Kronen, schwere 5,000.000 K. bis 10.000.000 K., Kutschpferde Wiener: Moegenzeitung. 4,000.000 K. bis 8,000.000 K.; Pferde für Schlachtzwecke 6000 Kronen bis 11.500 K. pro Kilogramm Lebendgewicht. Baiuuwollmartt. Rew-Bork» 14. Jänner. Baumwollzufuhren in bett atlant. und Golfhäfen 37.000, im Innern 14.000, Ausfuhr nach Großbritannien 26.000, nach dem Kontinent 14.000. Lokalmarkt miäälmxk: 94.05 (letzt. Kurs 34.95). Tendenz: Willig. — Termine: Jänner 93.90, - Februar , März 33.54. April Mai 33.73, Juni Juli 32.70, August —. September 28.55. Oktober 27.73, , November 27.43, Dezember 27.20. Berliner Börse. Berlin, 15. Iäunor. Der Ntangel an Käufern machte sich bertte au der Effektenbörse in schr empfiMichmn Maße bemerkbar. Sämtliche Industriepapicre erlitten erheblichere Einbüßen, doch nahm das Angebot durchaus keinen größeren Umfang au. Alan erklärt die nnßliche Lage mit dem Geldmangel des Pichliknms. der durck) Steuerzahlungen und durch die Umstellung auf Goldmarkwährung herbergefirhrt ist. Moni anwerte verloren bis 0 Millionen. Mcrschinen-Mien bis 6 Millionen Prozente. Andere Effekten stellten sich je nach der Höhe ihres Kursstandes ungefähr im gleichen Ausmaße niedriger. Eine feste Haltung bekundeten lediglich Sprit-Mtien. Auch Bankpapiere erwiesen sich als widerstandsfähiger, doch mußten Darmstädter- und Nationalbank-Aktien ihren.gestrigen Geüvinn vollständig wieder abgeben. Bemerken swertwcrr die Besserung der ungarischen und österreichischen Rentenwerte. Auch deutsche Anleihen, namentlich preußische Staatsanleihen, besserten sich ansehnlich. Das Geschäft hielt sich in schr engen Grenzen. (Alles in Billionen von Mark.) S ch l n ß k u r s e: Türkische Lose 31.2, Oesterr. Staatsbahn 47, Nordd. Lloyd 9.625, Ver. Elbeschisscchrt 5.375, Berliner Handelsgesellschaft 57.25, Kommerz. Privatbank 6.75, Darmstädter Bank 15.2, Deutsche Bank 15.4, Diskonto- Kommandit 19.—, Dresdner Bank 9.75, Nationalbank fiir Deutschland —, Oesterr. Kredit 0.8, Oesterr. Länderbank —, Reichsbank 39, Wiener Bankverein 0.6, Wr. Unionbank 0.625, Allg. Elektrizitäts-Gesellschaft 12.3, Bochumer Gußstahl 62.5, Daimler Motoren 3.3, Deutsch-Luxemburger 53.75, Deutsche Maschinen 9. Dynamit Nobel 9.—, Felten u. Guilleaume 36.—, Gelsenkirchener Berg. 59.625, Tb. Goldschmibt 19.75, Harpener Bergbau 79.—, Hirsch Kupfer 41.—, Höchster Farben 16.9, Hohenlohe-Werke 32.—, Laurahütte 19.25, Mannesmannröhren 39.—, Phönix Bergbau 37.5, Schuckert u. Co. 44.75, Siemens u. Halske 45.—, Telephon Berliner 7.—, Dollarschatzanweisnngen 4.2. Prager Börse. Prag, 15. Jänner. Nach der gestrigen Abschwächung gestaltete sich der heutige eVvkehr lebhcrftsr. Die Festigkeit ging von den Zuckerwevten aus. Ersenaktien konnten auf Deckimgs- und Arbitragekäufe ihren gestrigen Verlust wieder einhollen, desgleichen Maschinen- und Kvhlenaktien. Bauwerte lagen un-- regelnräßig. Brauereiaktien fast geschäftslos. Von Dvcmsport-- wevten besserten sich Nordbahn- und Dux-Bodenbacher-Mktien. Heidnische Banken zeigten bei fester Tendenz keine größeren Veränderungen, während die Wiener fest behauptet blieben. .Größere Nachfrage gckb sich für die Anteile der Jugoslawischen Bank knick». In der Kulisse «zogen Skoda- und Brunner Maschinen-Aktken im Kurse an. AUf dem Anlagsmarkte bekundeten Staatspapiere eine feste Haltung, doch kam es wegen Mangel an .Material zu .keinen Abschlüffen. Exoten verkehrten anfangs nicht gleichmäßig, doch waren später Balkanpapiere gefragt. Der Schluß war befcistrgt. Schluß kurse: Türk. Eisenbahn-Anleihe 400 Franken —, Böhm. Unionbank 482.—, Böhm. Eskomptebank 462.—, Böbm. Industrialbank 499.—, Zivnostenska Banka 463.50, Anglobank 176.—, Oesterr. Kredit 157.—, Wiener Unionbank 159.—, Wiener Bankverein 107.—, Buschtiehrader Eisenbahn Lit. A 600, Lit. B 230.—, Ferdinands-Nordbahn 9370, Prag-Duxer 204.—, Aussig-Teplitzer Eisenbahn 1265.—, Nestomitzer Zuckerindustrie 1985.—, Bereinigte Elektrizität Wien 239.—, Brosche —, Koliner Spiritus 1380.—, Königshofer Zement 1370.—, Breitfeld-Danek 569.—, Ringhoffer 850.—, Simmeringer 182.—, Rothkosteletzer Textil 370.—, Alpine Montan 364.—, Poldihütte 454.—, Prager Eisen 1140.—, Oesterr. Berg u. Hütten 3210.—, Skoda 645—, Jnwald 485.—. 16. Immer 1924 Nr. 1767 Budatzester Börse. .. Budapest, 15. Jänner. Die Tendenz war zu Beginn Ichwach, doch gingen die Kursembußen nicht über 5 10 Pro Mt hinaus. Größere Verkäufe wurden für Wiener Rechnnm Mrchgefuhrt, die im Verein mit chtcm größeren Vorstoß dei Kontermme die Kursrückgänge verschärfte,l. Auch die matt, Haltung der Wiener Börse trug zur herrschenden Flauheit bei Der Schluß war bei geringen Umsätzen träge. Wochengeld prompt notierte 0,87 Prozent, ans den nächste,, Kaffa'wo 1,75 Prozent. (Alles in Tausenden von Kronen.) Sch lußkurse: Britisch-Ung. Bank 88, Ilng. Kredit K Festerr ^edit 156, Salgo Kohlen 621, Rimamuranyer 128, Südbahn 99.6, Staatsbahu 990, Anglobank Grm," Szaszvarer 425, Oberung. Bergu. Hütten 880, Drasch? Ziegel 325, Ung. allg. Kohlen 9515, Nrikany Kohlen 810 Koburg 52, Spodium 178, Clotildo chem. Fabrik 115, Nng.' Eisenbahnverkehr 280, Verein. Holz —, Adria 550. Die Devisenkurse. lö- Gauner. (Devisenkurse.)*) Amsterdam 1,581.03» (1,596.000), Belgien 173.665 (172.069). Christiania 598.500 (604.485), Kopenhagen 738.150 (738.150), Stockholm 1,117.200 (1,124.183), Italienische 191.520 (192.019), London 17,955.000 (17,955.000), Rew-Vork 4.189.500 l4.189.500). Paris 189.525 (189.526), Schweiz 742.140 (747.140), Svanieu 538.650 (538.650), Wien 60'598 (60-595), Prag 125.186 (125.186), Budapest 156*607 (156-607), Sofia 29.925 (30.4231 Belgrad 48.878 (48.378). '■) In Millionen von Mark. Berlin, 15. Jänner, (Notenkurse.)*) — Noten: Dollar 4,189.500 (4,189.500), Pfund 17,955.000 (17.955.000), Italienische 193.615 (192.518), Polnische 390.000 (326.000), Tscheche" slowakische 123.191 (123.191), Oesterr. gestemvelte 59102 r'59102) *) In Millionen Mark, ausgenonrmen polnische Mark. Prag, 15. Jänner. (Devisenkurse. — Mitgeteilt vom Bankamte des tschecho-slowakischen Finanzministeriums.' -- Berlin*) 8.05 (7.95), Zürich 601.75 (601.75), Paris 154.25 (157.75), London 146.80 (147.55), ‘ Rew-Bork 34.70 (34.60), Belgrad 89.75 (39.25), Bukarest 17.05 (17M.), Wien 4.76 (4.76), Warschaus 2.85 (2.97'/.), Agram (—•—), Budapest 12.— (11.95) Jugoslawische 39.37'/, (38.50), Oesterreichische gestempelte Krone 4.78 (4.77'/,) Polnische!) 2.85 ( 3.22',,), Ungarische 10.50 (10.50). *) pro Billion, f) pro Million. Budapest» 15. Jänner. (Kurse der Devisenzentratc^ — Amsterdam 10.900 bis 12.000, Bukarest 147.— bis 162.-, Kopenhagen 5125 bis 5630, Christiania 4180 bis 4595, London 125.000 bis 187.350, Berlin—.- bis —Italien 1295.- bis 1425.-. Pari« 1280.- bis 1410.-, Prag 860.- bis 945.-, Stockholm 7425 bis 8485, Zürich 6100 bis 5600. Wien 0.4145 bis 0.4550. Sofia 210.— bis 230.-, Belgrad 334.— bis 367-, New-Pork 29.650 bis 82.200, Warschau —.— bis —, Brüssel 1190.— bi8 1810.-. Agram, 15. Jänner. (Devisen.) Wien 0.1225 bis — Berlin —.— bis , Budapest 0.30bis—.—, Bukarest — bis —, Italien 885.50 bis —London 370.60 bis —, New-York 87.25 bis Paris 382.50 bis , Prag 255.— bis —, Sofia —bis —, Schwei; 1520.50 bis —Brüssel —.— bis —, Warschau —bis , Amsterdam —bis —.—, Stockholm —bis —. Belgrad» 15. Jänner. (Devisenkurse.) London '.<73.7.'' bis , Paris 383.50 bis New°York 88.20 bis . Genf 1520.— bis —.—, Saloniki bis —. Mailand 386.50 bis —.—, Prag 257.25 bis —Berlin —bis Wien 0.1230 bis Bukarest 43.75 bis -. . Sofia —bis —, Budapest —.— bis —, Brüssel - . - bis —.—, Amsterdam 3295.— bis Warschau —Oie* Warschau, 15. Jänner. (Devisen.) Berlin —. -, London 41.580.000, New-York 9,800.000. Prag 28.800, Wien 136.-. New-PorK, 14. Jänner. (Devisen.) London 423.50. Paris 435.-. Berlin 0.2275 für 1 Billion, Mailand 438.50, Zürich 1727.—, Kopenhagen 1733.—, Stockholm 2615." , Cchristiania 1418, Amsterdam 3695.-, Prag 290.75, Wiru 0.14, Budapest 0.35, Bukarest 49.25, Warschau 0.00011, Madrid 1278.—, Helsingfors 250.—, Brüffel 404.50, Kanada 27/s unter pari, Brasilien 101.15, Argentinien 3206.—, Belgrad 118.23. Copyright 1924. WiirfjDrur! verboten. J. LadyschnikoO-Verlag, Berlin. (58. Fortsetzung.) Mel Moses. ' Roman von Schalom Asch. „Warum nur dem Onkel, und wo bleibt Sani>" warf eine Stimme höhnisch ein, daß es schrill alle Geräusche übertönte. Maschas Gesicht glühte vor Schum. Sie wußte nicht, wie sie sich aus dem Ring der erregten Frauen retten sollte; sie fühlte, daß sie der „Feind" der Landsleute war, ob sie nun wollte oder nicht. Und in diesem Augenblick dachte sie nur daran, wie sie sich vor ihnen retten könnte. „Weiber, Weiber beruhigt euch doch, was schreit ihr so'?" Ein paar Männer suchten die Frauen zu beruhigen und halfen Mascha aus dem Ring heraus. „Charlie ist nicht hier, er ist bei der Polizei, um die Landsleute loszukriegen, die man eingesperrt hat, er wird bald zurückkommen, nehmet Platz, Mrs. Melnik, er wird bald zurückkommen. ,Mer ist sie denn, wer? Schau' nur her, tvie sie mit ihr reden, was für ein Wesen sie aus ihr machen! Es ist nicht so weit her, da hat ihr Vater auch Hosen beim Onkel genaht und war derselbe Arbeiter wie alle, und dann ist bas Glück zu ihm gekommen, der Onkel hat sich in sein Töchterchen verliebt — schau' nur, was sie mit ihr i reiben!" „Närrin, wir alle hätten dasselbe Glück haben können, ivenn wir Töchter hätten mit alten Leuten verheiraten tvollen." „Ihretwegen zerschlägt er unseren Männern die Schädel, damit er seinem schönen Weibchen mehr Schmuck um den .Hals hängen kann." „Natürlich, wenn man einen alten Mann heiratet, so toll einem das Schweinefett tvenigstens übers Manl rinnen!" Mascha blickte die Frauen mit bittenden Augen an. Sie wollte ihnen sagen, daß sie ebenso unglücklich war tvie sie, daß auch sie beim Onkel „arbeitete", der Firnw „Moses Plelnik and Eomtzantz" ebenso Sklavendiensie leistete und daß sie hergekommen, um zusammen mit -ihnen zu streiken, zusammen mit den Landsleuten sich vom Joche des Onkels zu befreien. Doch die Frauen konnten und wollten nicht das lesen, was in den großen tränenfeuchten Augen der jungen Frau lag. Sie sahen in ihr den „Feind", an dem sie Rache nehmen wollten für die jahrelange Plage, für die jahrealte Erniedrigung und für die blutigen Köpfe ihrer Männer. „Schau' nur hsr, tvas sic mit ihr treiben! Der Onikel ist gescheit, er ivitl sic wieder in die Werkstätte locken, da hat er ihnen das junge Weibchen da geschickt. Schau' nur, wie sie still geworden 'sind, wie sie Augst vor ihr haben!" „De.r Onkel hat sie geschickt? — Sam hat sie hergeschickt ... Sic weiß schon, tem sie zu gehorchen hat!" Mascha fühlte die stechenden, brennenden Worte, tvelche -die Frauen ihr zuschtenderten und nahm sie wie eine Strafe auf sich. In diesen: ^lngeMick war sie zu allem bereit — bereit, alles von sich zit -werfen, die Schande und die. Fron, die über sie geworfen worden -war, und hier in der Congregation mit >den Landsleuten zusaminenzübleiben, ihr Los zu teilen. Und sie wartete auf Charlie, damit sie ihm alles, alles sagen könnte . . . Ihr Vevb'leiben wurde nach nnd nach unmöglich. Die Frauen waren in so wilde Erregung geraten und ihre auf Aoascha gemünzten Worte wurden iso beleidigend, daß Mascha es nicht länger aushalten konnte — und Gott weiß, wie diese Szem geendet hätte, wäre nicht Charlie erschienen. „Hallo, Mascha!" begvüßte sie Charlie mit seinem gewöhnlichen Lächeln, als hätte er sie erst gestern gesehen, „ivas tust du hier?" Mascha sah ihm in die Augen. In beit drei Jahren, da sie ihn nicht gesehen hatte, hatte sich Charlie wenig verändert. Er war ebenso kindisch wie damals «m Meeresuser in Couch Island und unwillkürlich zog sie eine Parallele zwischen sich und ihm; es schien ihr, daß sie in den drei Jahren seine Mutter getvorden war; doch er ivar das gleiche Kind geblieben. Tie schivarzen Härchen, welche ^em Rasiermesser zum Trotz aus seinen Wangen standen, bildeten mm fckuichn VackrOa^ d«x itzMMmM Schläsenlocken aussah. Das war die einzige Blenderung, .welche Mascha an Charlie bemerkte, und die machte ihn in ihren Augen zu einem Schuljungen, welcher einen Bart Vortäuschen will und sich deshalb mit Nuß einschmiert. Ueher feinem Anblick vergaß sie einen Augenblick, warum sie eigentlich gekommen ivar. Es kam ihr vor, daß eje sich in der Zeit, seit sie einander das letzte Atal gesehen hatten, gar nicht geändert hatte, und daß sie. wie einst, tvie eine junge Kamaradin zu einem Kameraden gekommen war, damit er sie zu einem Spaziergang mitnehme. „Ich habe mit dir etwas zu sprechen, Charlie," begann Aiascha mit ihrem echten, freien Lächeln, das sie sich aus der Zeit lieh, da sie noch ein Mädchen gewesen war, „komm' mit mir hinaus." „Leider, d» kennst doch die Situation. Die Arbeiter sind mißtrauisch und sie würden weiß Gott was denken, meinen, ich wolle sie verkaufen; wir wollen lieber hier sprechen. Mascha besann sich, wo sie war. ,HeS, du -hast recht, ich habe dir etwas sagen woben, vielleicht ein anderes Mal. Doch jetzt bitte ich dich, nimm das für die Landsleute, es ist alles, was ich besitze"; damit wollte sie Charlie ihr Päketchen mit Schmuck übergeben. Doch Charlie lächelte verlegen: „Mascha, ich kann das allein nicht irehmen. Wir müsse>t das Streikkomite e fragen, ob es das a n nehmen will." „Jes, yes, ich werde tvarten." Chavlie ries ein paar Landsleute in eine Ecke des Saales und besprach sich leise mit ihnen. Er kain bald zurück und sagte mit seinem kindischen Lächeln: ,^Es tut rnir schr leid, Akascha, aber die Arbeiter wollen es nicht annehmen. Sie wollen keine Geschenke nehmen... Und dann, deine Stellung," Charlie unterbrach sich, „du verstehst, Mascha, es tut mir leid." „Kein Geschenk. Das ist meine Abgabe für den Streik, ich streike auch, ich will auch streiken, Charlie, ich will auch bei ihnen sein, mit ihnen zusammen sein — ich will das' selbe Los haben, wie sie —, wie ihr, mit euch Zusammen.. In Maschas Tlngen standerr Tränen. 1

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