Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1767 (16.1.1924)
- Date
- 1924-01-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Einzelnummer K1000 W i e n: Zum Abholen in der £xpedition,II.,Taborstr. 1-3, oder in einer Verschleisstelle (Trafflcl monatl. K 28.000 Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmiedt, I. Bez., Wollzeile 11. Mit Postversand für Wien u. Oesterr. monatl. K 28.000 Tschecho-Sl owak ei: Mon. K17. lusroslawien: Mon.Dinar50.Polen Mon. polnische Mark 2,200.000, iJeutschl.: Mon. Goldmark 3.—, Frank r., Bel-, gien: Mon. Frcs. 10 BV* Nicht*lilunjen *90 bei Preiierhölmnyen vorbeb alten Nr. 1767 Triumph der Schänheit TA BORST« Po’enipolnJilöOOOl i l a l'i e n : Monatl. 12 ürt Rumänien Mon. 130 Le> Bulgarien Mon. 75 Lewa S c h.w e i z und das übrig« Ausland monatlich Frcs. 3 Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrasse 1—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab 6 Uhr abds. 19-483,25-282 Vel.- Adr.:„Mcrcfenzeitungr** Wie« Wien. Mittwoch. 16. Mnner 1924 Oesterreichisches Postspa!» kassen-Konto Nr. 150.69 6. Fahrgang Ae englische Thronrede. FreundschMiche Außevbeziehungen. — ASrluno des Völkerbundes.— Jas Arbettrlofenbroblem. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 16. Jänner. Der König hat heute das neu-- stwählte Unterhaus mit einer Thronrede eröffnet, in ver es heißt: Meine Beziehungen zu den auswärtigen Mächten sind nach wie vor freundschaftlicher Natur. Ich freue mich, einen xndgültigen Fortschritt sei der Lösung gewisser Fragen ftststellen zu 'Innen, die bisher den Weg -zu einein gegenseitigen Einserständnis versperrt und die Wiederherstellung der Welt verzögert haben. Die Reparationskommission hat zwei Lusschüsse eingesetzt, in denen S a ch v e r st ä n d i g e ans >en Bereinigten Staaten mit denen Großbritanniens, Frankreichs, Italiens und Belgiens Zusammenarbeiten »erden, um die ernsten finanziellen Fragen zu srüfen, die mit der Lage Deutschlands!tu Zusammenhang stehen. Ueber das zukünftige Statut für das Gebiet Von Tanger, das seit langer Zeit zu Störungen Anlaß gegeben hat, ist zwischen Vertretern der »ächstbeteiligten Mächte eine Vereinbarung erzielt vorden, die durch Förderung des Verkehrswesens und des Handels für die Errichtung eines internationalen Regimes Sorge trägt. Die Thronrede. llindigtbieEm-, wingang einer Vorlage an, durch die der in au s ä n n e nlt der Türkei abgeschlossene Vertrag ratifiziert werden soll. Dann würden die freundschaftlichen Beziehungen, mr Türkei wieder beginnen. In der Thronrede heißt es sodann werter: In der- ^rage des Alkoholverbotes steht der Abschluß eines llbtommens mit den Vereinigten Staaten Hevor, das die glücklichen Beziehungen zwischen diesen jeiden Ländern und Völkern noch mehr stärken wird. Der Einfluß des Völkerbundes vird mit allen im Bereiche der Möglichkeit liegenden Mtteln weiter gestärkt toerden. Nach Erwähnung >er Schwierigkeiten, die mit Afghanistan infolge der m der indischen Grenze veriibten Mordtat entstanden strd, heißt es: Die lebte Reichskonserenz hat einen rntschiedenen Fortschritt im Zusammenwirken der -Nieder des britischen Reiches gebracht. Besonders ist bafütf Vorsorge getroffen worden, den W n n s ch e n der Dominions durch eine wesentliche Ausdehnung des Grundsatzes der Reichsvorzuasbehandlung, der um der Konferenz im Jahre 1917 aufa-"stellt worden ist md seit 1919 in Kraft steht, zu entsprechen. In bezug aus die innerpolitischen Schwierigkeiten agt die Thronrede: Ich stelle mit Befriedigung . fest, daß Me Bemühungen zur Beschaffung v o n A r b e i t im etzten Jahre die Wirkung gehabt haben, die Zahl der Arbeitslosen zu verringern. Eine gswisse Anzahl von Arbeitern ist aber noch immer mßerstande, Beschäftigung zu finden. Dies verursacht mir zroße Sorge. Meine Minister haben jüngst dem Lande Vorschläge hinsichtlich der Schutzzölle unterbreitet, die rach ihrer Ansicht wesentlich zur Lösung dieses Problems )eigetragen haben würden, und zwar durch größere Sicherung der Industrie auf dem heimischen Markt und Mrch bessere Bedingungen für die Ausfuhr nach den Dominions und nach dem Auslande. Diese Vorschläge sind vom Lande noch nicht angenommen vorden. Unter diesen Umstanden wird Ihre Zustimmung M Ausdehnung und Verbesserung der H a n d e l s m ö g l i ch k c i i e u und der Ausfuhrpläne erwartet werden,- ferner zu deu Vorschlägen der Reichskonftrenz betreffend die beschleunigte Durchführung und Subventionierung gewisser öffentlicher Arbeiten im ganzen Reich, auch wenn sie unter Aufsicht der örtlichen Behörden stehen oder von privaten Gesellschaften vorgenommen werden. Die Thronrede erwähnt, daun noch Pläne zur Arbeitsbeschaffung in der Schiffbauindustrie durch den Bau von Kreuzern und Hilssfahrzeugen sowie durch Vergrößerung der L u f tfotte zur Landesverteidigung. Schließlich wird der Plan erwähnt, eine K o n f e r e n z v. o n l'a u d w i r t s ch a f tlichen Interessenten und Angehörigen der politischen Parteien emzuberuftn, um eine bestimmte Politik zu beschließen, durch die die A nb a u f l ä ch e Englands auf gleicher Höhe erhalten und den landwirtschaftlichen Arbeitern ansrei ch e n de Löhne gesichert werden. V Sie Debatte. ,, .. .Nachmittags die Thronrede des Königs. Nach Mr. Banks und Lord Aps-ley (Konservative) erklärte - Namsah Macdonald, er begrüße die Erwähnung der auswärtigen Angelegenheiten in der Thronrede. Die Lage werde immer ernsthafter und eine entschiedenere und wirksamere Politik Großbritanniens sei unerläßlich. Er führte aus, daß die Aussicht auf einen Regiernngswechscl mehr dazu getan habe,, den Gedanken an den Einfluß Großbritanniens bei den Staatsmännern des Kontinents auszufrischen, als die letzten zwölf Monate der bisherigen Regierung. Die jetzige Regierung sei des Vertrauens des Hauses n i ch t w ü r d t g. Der Führer der Arbeits-Partei verwies ferner darauf, daß die Wahl das Haus in eine schwierige Lage gebracht habe. Keine Partei besitze die Mehrheit und die bisherige. Regierungspartei sei mit einer Minderheit von etwa hundert Stimmen zurück-gekehrt. Wir müssen versuchen, eine Basis für eine allgemeine Verständigung in allen Gelegenheiten, die die Thronrede streift, zu finden und dabei unsere Parteinnabhängiglkeit und unsere Grundsätze bewahren. Was geschehen wird, liegt noch im Schoße der Götter. Aber wer immer die Regierung unter den gegenwärtigen Umständen leiten wird, ist verpflichtet, fair plah zu spielen. Lloyd George drückte die Hoffnung aus, daß, wer immer die Regierung übernehmen sollte, ihr jene. Autorität und jenen Einfluß geben, werde, die das britische Reich dank seiner Macht in Europa zu beanspruchen habe. Labours Mibtrauensantrag. London, 16.-Järmer. Der Wortlaut des Mißtranensantrages der Labonr-Party ist schr kurz und lautet folgendermaßen: „Wir teilen unserer Majestät in Ehrfurcht mit, daß ihre jetzigen Berater das Vertrauen des Hauses verloren haben." Die Äbstimmung findet Montag statt. Der Antrag wird von Clyne S eingebracht werden. Die Aasgeier. —y. Wien, 16. ^ntuuv. Dir Sachverständigen, die neben der Reparations' tommission den wirtschaftlichen Stand Deutschlands überprüfen sollen, sind vorgestern in Paris zusammengetreten und gleich in der ersten Sitzung hat der Delegierte der Vereinigten Staaten die Aufgabe, die zu erfüllen ist, als einen Kampf gegen die nationalistische Demagogie bezeichnet. Amerika war bisher der unbefangene Zuschauer und wenngleich es von den Allsstrahlungen des eliropäischen Fiebers nicht nllberührt blieb, konnte es sich dennoch, dank seiner selbstgewählteu Isolierung, ein ruhiges Urteil wahren.' EM mag sein, daß man in beit Vereinigten Staaten die einzelnen Stadien dieses Verfalles nicht so haargenau voneinander zu scheiden inlstande ist — im großen und ganzen weiß man drüben Bescheid und kennt die Gründe für das politische und wirtschaftliche Hungerödem. Amerika ist ein Gläubigerstaat und hat daheim gegen seine Kriegsteilnehmer ansehnliche Verpflichtungen - finanzieller ■ Natur zu erfüllen. Es - kann darum nicht -ganz an der Notwendigkeit vorbeikommen, die Saumseligkeit seiner Schuldner zu untersuchen. Es nimmt darum an der Expertenkommission teil und sein Erscheinen im BerhaiMungssaal hat schon von Vorneherein eine günstigere Atmosphäre geschaffen. Man konnte nicht umhin, auch .Deutschland einzuladen und es wird im Wege der persönlichen Aussprache Klarheit über die furchtbare Verlotterung verbreitet werden, die als Folge der Repa-ra- .tionsholitik ' eingetreten ist, die Deutschland verwüstet 'mA.^wMieh'r-Uich He.französische, W5hrung'-.mi-tZi'ch-..in .den Abgrund reißt. Der Vertreter der Bereinigten Staaten - istein hoher Offizier, der den Krieg an der französischen Ostfront mitgemacht hat. Er hat einen tiefen.Einblick in das Wesen des Krieges getan und seine Rede in der Expertenkommission tut dar, daß er sehr wohl weiß, wie Ivenig sich der heutige Zustand von dem offiziellen Mord unterscheidet, der im Namen der Vaterländer angeordnet, besungen-und vollführl wurde. Es wnr sckllechthin alles erlaubt, ja sogar befohlen, weil es der Patriotismus weihte. Der Soldat setzte, aber dow tn-niigstens sein Le'ben siir das ein, was ihm für bedroht vorgegankelt wurde. An seine Stelle sind die Aosaeier getreten, die an der ansgebluteten Wirtschaft sicl-s wohl sein lassen und mit ihrem Schandprofit alles korrumpieren, die sich Söldner halten und b-'^bign, um nochmals zum Krieg zu treiben und die Völker, denen die wahren Zusammenhänge verborgen gebalten werden, .in den sinnlosen Haß hinein zn sckwiäken. Die Aasgeier haben das Geld. Aber sie sind damit ‘ nicht zustieden. S'r wollen' auch die Macht, die soziale (Mtmtci und die Ehre. Zn diesem Zweck versichern sie sich aller 'chlechten Z'nKiMc. die in der Maste sMn"mern. und stacheln sie durch eine Pränsc arbeitende Vrovaaanda- 'nascküne auf. Das aoschipsn der Eigenart und dem Schicksal der Völker, entsprechend 'hren Poliüschen Zielen. In Deutschland und in Oester- "cich arbeiten die Hakenkreuzler, in Ungarn die Erwachenden samt ihren vielen Spielarten, in Polen die Wirtschaftspatrioten, und das Angriffsziel ist stets irgendeine nationale oder soziale Minorität, immer aber die jüdische Minderheit, die zu brutalisieren seit je Hauptbeschäftigung des parasitären Gesindels tvar. Es ist Zeit, diesen Aasgeiern das Handwerk zu legen. Aber es ist ein schier unüberwindliches Problem. Tausende von Zeitungen arbeiten in ihrem Anstrag, in allen Vertretungskörpern wirken ihre Organe, zu allen Negierungen finden sie Zutritt. Sie sind überall, wo Wunden brennen, wo Völler und Menschen unter der Not der Zeit leiden, halten überall eine geschwinde Parole bereit und erfreuen sich, dank ihrem Gerd und ihrer Gewandtheit, hoher Protektion. Mer die Wurzeln JÜDISCHER SAMMELTAG Sonntag, 20. und Montag, 21. Jänner