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Wiener Morgenzeitung · 1924-01-15 · Heft 1766 (15.1.1924) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1766 (15.1.1924)
Date
1924-01-15
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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tgssxamafgsKssatti.— -1M«1 "r I|1)I,|I). I. ,, .» III l-w^» Gerte 6 Wien. Drensias " Wiener Morftenzeitnns. 18. Mnner 1921 Nr. I7gtz Letzte Nachrichten. Semeindewahlen in Sachsen. -Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 14. Jänner. Die Gsmsindowahlen in Büchsen halben zu einer schweren Niederilage der Sozialdemokraten sowie der gemäßigten bürgerlichen Parteien geführt. Sie zeigen ein überraschend starkes Anwachsen der kommunistischen und der völkischen Stimmen. Sie Senehmlgvns der runoslawlsch-UalienMen vertrage». ,Eiaendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Belgrad. 14. Jänner. Der Ministerrat billigte einstimmig den Bericht des Ministers des Aeußern über den abgeschlossenen Vertrag mit Italien. Dem Vernehmen nach wird der Vertrag durch ein militärisches Defensivabkommen ergänzt werden. * Ein Elektromotor unter Wasser. Ein in Prag lebender Armenier. Armais Awuiinosf, hat. wie das „Prager Tagblau" rnitteilt, einen Elektromotor erfunden, der ständig u n l e r Wasser zu arbeiten vermag. Diei'r Tage wurde eine solche Ltonstruknon an der Prager tschchsichen Technik vorgeführt, und zwar in Verbindung mit einer Zentrifugalpumpe. Der in einem Geb'iuse eingekapselte Apparat wurde in Wasser von 80 Grad Celsius einaetaucht und förderte die h iße Flüssigkeil anstandslos. Das Verwendungsgebiet eines solchen unter Wasser betreibbaren Pumpwerkes ist ungemein groß. Man denke nur an Bergwerke und Schiffsräume, in die man die beschriebene Vorrichtung, ohne Fundamente und komplizierte Anlaßvorrichtungen nötig zu haben, als Wasseroaltnnasnlaschine beliebig tief einfach hinablassen kann. Bemerkenswert ist hierbei, daß eine Pumpe, die imstande ist, in der Stunde 15 Kubikmeter Wasser 25 Meter hoch zu hoben, samt Elektromotor nur 00 Kilogramm wiegt. (Nachfolgende Notizen bis zu der Rubrik Vereine" find . entgeltlich.) 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Bez., Türkensiraße9 - -3. Stiege), Zusammenkunft. Mische M»«esMKaft .Innere Stadt" Heute, Dienstag, */,9 Uhr abends, im Casö Siller (Mezzanin), I. Schwedenplatz Bortrag Dr. Max Jerusalem: .GjMiche Phllosemttm" Gäste willkommen! Bühne und Kunst. Theatre pare in der ötaatsoper. (Festvorstelltmg von „La Traviata".) Ein Ehrenabend für die Oper und ein Ehrenabend für das wiedcrerwachte Wien, dessen lang zurückgedämmter Wunsch nach Glanz und Schönheit sich im stilvollen Rahmen ausleben konnte. Dos bereits banalisierte abgegriffene Wort „Kultur" ist in seinem innersten, besten Sinne zur Geltung gekommen'— ein Auftakt für bi* materielle Sanierung der Oper, die nun' auch durch die Schöpfer der Wiener Mode richtig inszeniert^ wurde. Die drei hervorragenden Belkantokünstler Delmü Ä u rHans D u h a n und der Gast Tino P a t t i e r a aus Dresden zauberten eine Stimmung hervor, die sich nach den ersten Takten auf das Publikum übertrug und bei: Abend -zu einem einzigartigen Zusammenklang vor: Musik und Farbe machte. Es war eine Bereinigung von .Kunst und Mode, wie ne nur die letzte Energie, das Hergeben des Besten möglich rnachen rönnen. Alles, was in Wien Sinn hat für die Pflege der .Kunst und für die Wiedererweckung einer glanzvollen Tradition, wohn'e der Festvorstellung bei. Bundeskanzler Doktor Seipel zusammen mir dem Bundespräsidenten H a i n i s ch konnten von einer Loge aus die goldenen Bäume seines Sanierungsgartens bewundern, Richard Strauß sich darüber freuen, daß die weiteren Theatre Pares ben matt gewordenen Fundus des Opernthecrters in vornehmster Meise auffrischen werben. „golaudar letzter Menlever." Komödie von Norbert Garai. — Akademietheater. Ein neuer Autor, blutjung, unglaublich üichnengöwandt. Seine technischen Fertigkeiten, seine verblüffende Gerissenheit' nehmen gegen ihn ein und machen, ungececht. Er kann Szenen bauen, . Spannungen erzeugen und Akte so schließen, daß starkes Interesse für den nächste:: An geüveckt wird. Ein bril- .'anier ' Äönv r.. Andere Zengenoiien seinen Fä!)igk.'.ucn (oder mit weit geringeren/ kommen als schwirroerständlichr Rsutöner da-' Mitteilungen ans dem Publttvm. firoise Okkasto» in ßyy neuesten ZfariierSModetten ‘Gaborstr. 1 Wien, //. %aborstr♦ 7 Bali Rütli Mer Krakau Alexander BMstein Gesellschafter der Pira« lose! Blinlatein & Sehn, Wien Verlobte Wieiiim Jänner 1924 „Wienea“ 733 FFII., OBERE DONAnsTRASSE 91 Giaiite« Krem i»D'Beatanr«Bt unter Aufsicht ries Ehrw RabhlnMs der Schiff«chul HOTEL NEW YORK Wien, II. Ri. Sperig., 5 Minuten vom Stadtzentrum mit allem Komfort au^ertattetea Famtli«nbotel (geeijrnet für längen Aufenthalt), 10° Zimmer mit Giessendem Kalt- und Warmwaaser, Bäder. vaDpfhsir"nj? 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In dev ersten 'Szenen ist die alternde' Schauspieler-in da, die es nicht fassen kann, daß es vorüber ist mit de': blendenden jugendlichen HeLdin und die sich willig dir Täuschung gibt, einem jungen, blühenden Offizier die. heißötgchrte Geliebte zu sei«. Man kennt sie aus vielen Stücken, diese Primadonna, und die Episodenfigur eines grrisen. rrfslMen Dichters, der rrnbMngt aufgefichst werden wills' öenstt man aus Wedekinds ,Mmmevsänger" sogar ganz, genau. aber schürzt der Autor seinen Knoten. Die Diva fühlt rechtzeitig, daß sie ein reiches Lehen verpflichtet, über diesen: Abeldtsuer Zu'stehen. Sie weiß, daß cs ihr letztes Abenteuer ist.'und sie bringt den jungen, blühenden Menschen nach einer Nachtj,die ihn beglückte, aber auch erschütterte, ins Gleichgewicht und-zur Raison. Dabei geh: <?ß allerdings recht bunt zu, alle'Künste' dtzr'Sketch-TechmL werden in krafscher .Häufung losgesasien und 'm der Mahl der Wekde l-rrtet den AiÄor nicht immer der Mt-s rMchmack. Hans in: Glück! Frau Lilli Maro erg stcht dem nxuen Komödienschrei'ber bei. Mt jener Ueberlegenheit und ^Porchhmiheit, wie sie dieser Frau (und neben ihr arff der'Bühne :mr -wenigen Damen Von Distinktion) zur Berfügmvg/stcht. ninmri sie die Fäden des JiririgenfpieleS in^die Hand, das' ihr. zu spinnen aufgege^ben ist, und die gehäuften Roheiten' des . dritten Aktes — sie hat den Jümfling Zu quälen, in den Tvd-zu treiben und di« Schäferstunde erst zu gewähren, wenn er'sie für die letzte Stunde stines Lebens halten muß — wevden erstaunlich genießbar, wer! Frau Marbevg in die stvHwürdigrn Gauk -lcien, dir sie rvr dritten Akt ntimen muß, mit großer Krrnst das Motiv „Abschied einer schönen Frau Von der Jugend", gu verflechten weiß. HarrZ in: Glück! ■ i Der junge Z e s k a als ihr Gegenspieler trägt die Fache heller, unbskmnmcrter Irgend in das Spiel. Herr Srebert als alter Haudegen uäd Don Juan von einst 'poltert bieder durch das Stück und die Evisodisten (Arndt und Straßni) find voll Berdienst. Den stürmischen Beifall möge der neue Manu nicht miß-, verstehen. Er galt dM s-i-nger-se.rt.igen Artisten — nicht'.dem Dichter, den wir in ihm vermuten.' . Ätto Abele^s.'- . Ludwig Hardt, vn bekannte Rezflaior, wird sich.zum ersten Male als Schauspieler betüiiqen. Er wird in der Rer . neissancebühne in Aedekinds „Frühlings Erwachen" die Rollr des Rektors Sonnenstich spielen. Tragischer Tod einer Künstlerin. Die Dichterin und Malerm Marie v. Ol fers, die 97 Jahre alt ist, ist bei eine« Brandausbruch in ihrer Wohnung m Berlin lebendig vev» bvannt. bevor Hilfe zur Stelle war. TiUa Durieux gastiert gea>enwärt-ig rn New-Vork und feiert m NicvdemiS Drama „Schatten" — sie spielt« diese Rolle auch in Wien — gwße Triumphe. Dre Kün'tilerin wich demnächst in New-Nork aüch in engllsicher Sprache spielen. Eine große Hans Thoma-Ausstellung wird Mitte dieses Monats in Basel eröffne' werden. Cs wird die erste repräsentativ« Uebevschau über Hans Thomas Werk in der Schwetz sein. Die Leitung der Ausstellung wu-rde Drrekktor Storck von der Karlsruher Kunsthalle Wert vagen. Aus de« Neatern. Burgtheater. Morgen, 7 Uhr, „Der Richter voa Zalamea". Akademietheater. Morgen, halb 8 Uhr. „Jolandas letztes Abente ne r". Bolksoper. Heute „Don Juan". Morgen Mitt-- woch) „Die Stumme von Portiei". Im Deutschen Bolkstbeaier schließt Alexander Mo iss: sein diesmaliges Gastspiel ab. Cr verabschiedet sich Sonntag den 80. d. in dem Lustspiel „Casanova in W i c n". Johann Strauß-Theater. Morgen (Mittwoch) findet sie 25. Aufführung der Operette „Bajazzos Abenteuer" statt. Im Tbeater'an der Wien verabschiedet sich heute Frau Frihi Massarh in der von ihr kreierten Rolle in der Oskar Strausschm Operette „Die Perlen der Kleopatra", um ihren vertraglichen Verpflichtungen in Frank-- furt am Main und Berlin nachznlommen. Im Neuen Wiener Stadttheater finden jeden Samstag. 3 Ubr nachmittags. Opernvorstellungen mit erster Abendbesetzung statt. Als nächste Veranstaltung gelangt am 19. und 26. d. „Hofsmanns Erzählungen" zur Aufführung. Hochschüler und Studierende sowie deren Anaehorisse können gegen Legitimation Karten aller Rangsklassen nur gegen Erlag der Kartensteuer von ll.OoO bis 16.000 K. vom 17. b. an von 4 bis 6 vbr nachmittags im Hotel Union, 9. Bez.. Nußdorferstvaße 23. beheben. Im Lustspieltheater wird Freitag den 16. d. das Schauspiel „Die innere Stimme" von Dario Nicodem: zum ersten Male gegeben. In der weiblichen Hauvtroll« beginnt Charlotte Ander vom Königgrötzertheawr in Berlin ihr Gastspiel. Die männliche Hauptrolle spielt Josef Jarno. Gerichtssaal. Die Behandlung stöhn österreichischer AltiengeseL» schäften. Der österreichsich-stanzSsische Schiedsgerichtshof hat ein Urteil gefällt, wonach ein- Aktiengesellschaft, die ihren Sch in der Tschecho-Slowcckei hat. Äs tschechische Staatsangehörige anzusehen fei. Die Engländer stehen aus dem Standpunkt.'daß früher isitwrsich.ische Aktiengesellschaften nicht ipso jure die tschechische Staatsangehörigkeit erwerben, selbst wenn sie ihren Sitz immer in der Tsch-cho-Slowakei hatten. Wenn auch bte evwÄhnte Enffcherdttng sich -nur um die Frage drehte, ob,der-- cptige Gesellschaften vor dem österveichisch-sra-NMiischen Schiedsgericht shof geklagt tverden können, sit es möglich, daß die englffchen Behörden nun ihren -bisherigen Standpunkt in dieser Frage verlassen werden. Betrug an einer Bankfirma. Bei der BanGrura Karl Getreuer in der Heßgasse erschien 24. Oktober v. I. ein junger Mann urtd wies einen Geschäftsbrief des Direktors Bokros der serMch-bosnMen Pflammeni-nduftrte in Belgrad vor. Der DirÄtt^or beauftragte die' Firma, dem Ueher-> brmgvr des Briefes, namens Karl Drachsler, nach Vorweisung seiner Legitimationspapi-ere achtzehn Millionen Kronen ausgubezahlen. Der junge Mann wies einen Paß auf den Namen Karl Drachsler vor und erhielt darauf den genannten Betrag auSbeKahkt. Ms Direktor Bokros in Belgrad von der Auchchlung des Geldes verständigt wurde, -telegraphierte er sofort lratft Wien, daß er keinen Auftrag gegeben und osten-bar e-i-u Be-trug vortieoe. Die PoÄzei forschte nun einen Mann namens Karl Drachsler aus, der ongob, es sei ihm vor etwa einem Jaibre von einem Bekann-- ten. dem Vlgischiuenteck'.nÄer Fr-a-nq Tefarz, sein Paß, sein Taufschelm und Heima-tsthein enittwendet worden. Nun wurde Tetsarz ousgeforsäft und dein Getreuer gv^ienÄbergs'tell't, der -ihre gleich einigen seiner Beamten als Beheber des Geldes agnoszierte. Gestern hatte sich Tesarz vor einem Schöffensenat w-sgen Betru-ges zu verauttwor^en. Direktor Karl Gst-rrtwr konnte als Zeuge nicht Mit vollster Pestimuttheit sagen, daß der Ang-eLla-ate jener Mann gowes'n sei. der idm damals diachtzehn Millionen 'lieranSaelockt hat. ^Der Bauitk^euer, de-r damals den Betrimer hineinführte, erklärt, den Angeklagten! bestimmt zu ortennen, ein anderer Bankangestellter, der in einem Zimmer saß. das der betreffende junge Mann, damals passieren mnß'e, kann hinaeaen die Identität nicht mit'Bestim?.n^heit erklären. Nach mehrstündiger Verhandlung verikünbete der Vorsitzende d-n F r e i s p r u ch des AnaeNagten. In der Begründung des Freispruches erklärte der Vorsitzende. eS liegen Wohl Verdachtsmomente vor. daß der Angeklagte Dvsapg der Täter sei. doch reichen diese BerdachtZmomemt« nicht auS, um vinen Schuldspruch fällen zu können. . Ein -empfindlicher Bräutigam. Die Stenotypistin Laura K, erstattete , beim Bezirksgericht Währing gegen ihren Dräu« tiyam Kar! M. eine Anzeige wegen Verführung und Entehrung unter nicht erfüllter Zusage der Ghe. Sie, verlangt als Ersatz für verminderte Heiralsfähiakvit zehn MMonen Kronen. Der Angeklagte erklärte, er habe im Sommer mit seine« Bvcmt eine Wallfahrt nach Mgriaze-ll un-ternom:nen. Bocher habe chm chre^ Mutter.. daS Ehrenwort ■ abgenommen, daß er diese Reife wicht dtzu benützen werde, sich Jnttz'miiitöten gegen die'Tochter zu erlauben^ Unmittelbar vor der Abreise jedoch habe die Mutter bei herzlicher Dorabfchvedüng die Aeußerung gemacht: „Und was daS Ehrenwort betvifst, das Sie mir gegeben haben — ich enthebe Sie von diesem Ehrenwort." Er habe nur von dieser Erlauibnis der Mutter Gebrauch gemacht, indem er mit seiner Bvant in Mariazell in einem Hotel übernach-tete. Als er auch in Wien mit seiner Braut oin Hoteil oufsüchm wollte, habe sie ihm namens der Mutter den Wohnu nngsschlussel „ Äberre-icht mit der Bemerkung, er Lonne in jeder'be-biebigen Nacht kommen. Der Angeklagte gab an, daß er da§ Mädchen in naher Zeit geheiratet hatte,'wenn sie nicht zuletzt bei gevi-ngfügigen Streitigkeiten Schimpfwovte gegen ihn gebraucht hätte, die ihn geradezu verblüfften. „Ich dachte mir: Wenn di-.' schon a>!8 Braut so schimpft, wie wird das erst in. der Ehe werden' — und bin ausgeblieven." Der Richter verurteilte den Angeklagten im Sinne der Anll-age zu acht Tagen Arrest/und zum Ersatz von zehn Millionen Kronen an die M^eigevin wogen verminderter Heiratsfähigke-it Der Verteidiger Dr. W-engve maldtzte gsAou das Urteil die Berufung an.

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