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Wiener Morgenzeitung · 1924-01-13 · Heft 1764 (13.1.1924) · p. Seite 10

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1764 (13.1.1924)
Date
1924-01-13
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Mtr M Men. Sonntag s'!V^h Wiener MorglenzeltuW. in. JäuE IM M. 17« Der Staat har als seinen Anteil fce radiotclcgraphischcn Anlagen in Deutsch-Altenburg tznnd auf dem Laaerberg in die Gesellschaft gebracht und erhält hiefür Aktien der Gesellschaft im Werte von' 40.000- Pfund. Das gesäurte Aktienkapital 'der Gesellschaft beträgt 133.000 Pfund. Bei der gestrigen Eröffnung des Verkehres traf die erste Antwort von der Londoner Postdircktiou nach wenigen Minuten ein. Mit dem gestrigen Tage 'ist für Oesterreich die cadiotelegraphische Verbindung mit sämtlichen Radiostationen der Erde hergestellt. DK Lebensmittelmiirtte. In der Großmarkthalle sind gestern endlich auch die Kleinijandelsprelse für Fleisch aller Art etwas znriickgegangen. Rind-' fleisch, Kalbfleisch und Schweinefleisch sind im Vergleiche zur Vorwoche um 2000 K. pro Kilogramm billiger verkauft worden. Schweinespeck ermäßigte sich um 1000 K. pro Kilogramm. Für Fische und Fleisch sind die'hohen Preise der Vorwoche unverändert geblieben. Das Angebot in Fischen ist stark znriick-- geganoen. Tie Grünwarenmärkte waren schwach, aber doch ausreichend beschickt. Die gestern zu Markte gebrachten Gemüse waren besserer Qualität, da sie nicht vom Frost beschädigt waren. Tie ans di^ Märkte gebrachten Kartoffeln sind dagegen fast ausnahmslos gefroren. Tie Preise für Gemüse und Obst blieben vollkommen unverändert. * Das Neueste ist... Las Neueste ist nämlich, das; der zukünftige Silberschilling anscheinend der Vergangenheit angehört. Seine Prägung wurde zwar für den Herbst in Aussicht genommen, doch steht offenbar nicht ganz fest, für welchen Herbst. Die Ursachen dieser — wenn das Wort in diesem Zusammenhang gestattet ist — Verschiebung sind nicht ganz geklärt, doch darf man vielleicht annehmen, daß das lebhafte — allzu lebhafte Interesse des Auslandes für das neue gesetzliche Metallgeld Befürchtungen für die Papierkrone wachgerufen hat, Befürchtungen, die angesichts des schwankenden Gesundheitszustandes unseres Staatspatienten keineswegs leicht genommen werden dürfen. Mit dem Schatten des Silberschillings zerrin.nt gar mancher schöne Traum in der Seele des Bürgers. Ter Herr Großbauer aus Untertingclsriedhofen sieht sich mn seine süße Hoffnung betrogen, wie einst im Mai, wieder mit Geld in der Tasche klimpernd durch die Welt zu ziehen, und fühlt seine Geldtasche zu einer Geräuschlosigkeit verurteilt, die ihm das Herz zerreißt. Tie Lederindustrie beklagt die Chance der „Schittingstaschen, einfach, praktisch, unzerreißbar" nnd räumt mit bedrückter Seele die Ladenhüter von 1914, die schon zur fröhlichen Auferstehung als letzte Neuheit vorbereitet waren, wieder in ihre Schachtelsärge. Alle fürsorglichen Hausfrauen, die fest entschlossen waren, ihre Familie bis zum Vetter vierten Grades bei „passender Gelegenheit" mit gehäkelten Schillingsbeuteln zu überraschen, legen seufzend das Häkelmuster ins Arbeitskästchen zurück. Die geistvollen Causeure und Gesellschaftslöwen der Saison geben ihre anstrengenden Hebungen, die sie mit dem eisernen Zwanzighellerstück an-> l'teüteu, aus, still und mit Seelengröße auf den Ruhm verzichtend, die Münze so verblüffend lange in Bewegung zu halten, daß keiner die geistige Ueberlegenheit ihrer Persönlichkeit fürder in Zweifel ziehen könnte, und die Heranwachsende Zugend sieht sich um ihre Hoffnung, in die Mysterien des „Kops oder Adlrr"-Spieles eingesührt zu werden, betrogen. Die Cnltäuschuitg ist sonnt allgemein. Das Gold- und Silberlied ist das einzige, was uns vom klingenden Metall geblieben ist. Muß ja just geprägt nicht sein... K a t e r M n x v. * Erklärung. Herr Baruch Grünberg. Kaufmann, 2. Bez.. Taborstraße 21 a, ersucht uns um die Feststellung, daß ec mit dem in unserem Blatte vom 6. d. unter „Austritte aus dem Judentum" gemeldeten Baruch Grünberg weder identisch noch irgendwie verwandt oder bekannt ist. * Basel für Genulath-Chessed. Einem Vorstandsmitglicde des Vereines Machsile Äadath ist vom Präsidenten Herrn S. Bose l eine namhafte Spende für die Sektion G e m -i lath-Chessed zur Gewährung unverzinslicher Darlehen für Kleingewerbetreibende übergeben worden. * Gailenberg dem Laudesgenchte eingeliesert. Zur Bötrngscrffäre Gartenberg wird mitgeleilt: Die Passiven belaufen sich schätzungsweise auf sieben Milliarden Kronen: ihnen stehen Aktiven in der Höhe von zirka; w £ t Milli arden Kronen entgegen. Eine genaue Revision des Geschäftsbetriebes durch die Wirtschaftspol^ei hat ergebe!'-, daß die Zahlungsfähigkeit Gavten'bevgs nicht auf unverschuldete Unglücksfälle zurückzuMireu sei, sondern daß er durch Vorspiegelung falscher Tatsachen di: Gläubiger zur Kreditgewährung veranlasst hat. Er Hot ihv7n uäntlich eingeredet, daß eine 'bedeutende Kapitalskrcrft hinter ihm stehe. Im Laufe der Untersuchung hat sich herausgeistellt, daß - Garienber g in geradezu betrügerisch e r A bs: cht vom Anfang an auf Schädigung seiner Gläubiger ausgegangen ist. Mit Rücksicht auf -das Ergebnis der polizeiamtlichen Erhebungen wurde Garten'berg dem Landesgerichte eingLliefert. * Die Angelegenheit Battistel. Dar SiLerheilsbureau ha: festgestellt, daß gegen Czingeli, dem Vertreter Batftsirls. schon im Jahre IW Beschädigungen erhobenwurden, daß er konsequent Waren verschleuderte und die «mgenanrmrnen Beträge den Firmen nicht ablieferte, sondern flir sich behielt. Uebe^c die Verhandlungen mit den Gläubigern Battistels -wird matgeteilt: Nach Angaben des Rechtsanwaltes Battistels Hot dieser von -der Firma Karl Pollcck u. Co. größere Vorschüsse erhalten, für die er in einer bestimmten Zeit Waren Mie-fern sollte. Die Gläubiger verkauften denn Battistel die Waren um -den Mei- bis dreifachen Tagespreis, während Battistel der Firma Pollak die Waren um den halben Tagespreis liefern mußte. Rechtsanwalt Dr. Schnepp hat nun' an l-w Firma Pollak. bei der sich noch Waren im Werte von 300 bis 1000 Millionen befinden sollen, die Battistel geliefert hatte, rivc letzte Aufforderung gerichtet, für die gelieferten Waren den vollen Tagcspveis zu bezahlen. Die Firma Pollak :st bereit, einige hundert Millionen zu befahlen, was abgelehnt mürbe. Die Verhandlungen mit den Gläubigern gehen dahin, daß diese für die an Battistel gelieferten Waren nur den Tagesvrcnserholter. Es wird gehofft, -daß auf dies« Weise das Defizit aus ein Minimum reduziert werden könnte. Battistel '.uico von i.'itcm Rechtsanwalt als eilt äußerst willen-schwacher Mensch gestlsildertt * Der Raubüberfall in Margareten. Das In dir. i, das vorgestern abends einen glaub an einer Prostftuirr!:u in deren Wohnung versucht hatte, wurde gestern verhaft::. Cs ist der Tischlergehilse Stephan Babel, der in der Klinik Riehl im Mgemeincn Krankenhaus einer Patientin einen Besuch abstattete und hierbei infolge der bckanntgÄvordenen Personsbesü-reibung erkannt worden war. Cr gestand, di-e Absicht gehabt, zu.'haben, mit dem Taschenmesser, das er schon vorher geöffnet' in seiner Manteltasche verwahrt hatte, die Prostituierte Sab-initz zu verletzen und sie dann zu berauben. Nur -durch di« Hilferufe der Leichtverletzten war er gehindert worden, seine Tat ausznKhren. * Der flüchtige Generaldirektor Zottl. Der pensionierte Magistratskontrollor Zottl, der als angeblicher Gen oraldirektor der Schall-erbach-Hotelbau A.--G. dein Holländer Moormann eine Milliarde herausgelockt hatte und geflüchtet tvar. wurde in Innsbruck gesehen, ww er fick) in Stehwei-nhallen henuntrieb. Er scheint ohne drittel m sein, da ec sich vom Wohunugsgober 320.000 K. auslich. Als di« -Polizei in die Wohnung kani. war Zottl bereits -verschwunden. * Vergewaltigung im Stadtpark. In später Ykachtstunde wird von der Rctnngs-Msellscha'ft mstgcterlt, daß sie in das Hans Kantgasse 1, gerufen wurde, -wo m Hausflur die 21 jährig: Private Katharina G., 3. Bcz., Beatrixgasse 16 wohnhaft, nach N e r v e n k r a m p f a n f ä l l e n leicht benommen ausgesunden wurde.. Sie gab an, von einem Mann, den sie dem Namen nach nicht kenne und mit d^m sie spazieren ging, im Stadtpark auf einer Bank vergewaltigt worden -zu -sein. Sie -war von einem Passanten im Stadtpark in der Näl>e der Meierei. im Schnee liegend aufgeflmden und von einem Sicherheitswachman-n in das gonan-nte Haus -geschafft worden. Die -Rctitungsgeselkschast brachte -sie in ihre Wohnung. * Eine Spur des Milliardenfälschers Liebergesell? Am 60. Novembr -vorigen Ialwrs kam der am 28. November an der Nationalbank mit großer Schlauheit verübte Betrug auf, durch den das Institut um ein-e Milliarde gesckwdigt wurde. Durch den Gehilfen eines Hotelportiers hatte sich ein Garnier mit cknenl von einer Million ans eine Milliarde gefli-lschten Scheck der Unionbank bei der Nationalban-k eine Milliarde behoben lassen. -Das Sicherheitsbureau hatte bald sestgestell-t. daß an d:r, großen Fälschung der Kaufmann Anton Wagner, der Privatbeamte Gustav R a w a s und der von früheren Betrügereien her PolizeibekaiMte Klavierspieler Gustav Liebergesell beteiligt waren. Während Rawas bald danach in Wien verhaftet wurde. Wagner sich in Prag selbst stellte, war LieberMell, der bei der Teilung mit 100 Millionen abgespeist wurde, spurlos verswunden. Erst jetzt wird bekannt, daß er in der Nacht zum 3. Dezember vorigen Jahres von Salzburg m der Richtung nach MünckM durch Traunstein in Bayern . durchgekonmlen ist. Ill dieser Nacht soll nämlich an bayrischer Ooerwachmann in Traunstein ein Privatan>to angchalten haben, das von Salzburg kam und dessen Chauffeur die verlöschten Lichter onizündete. Dem Oberwachmann gegenüber hatte sich der Insasse des Autos als Fabrikant Liebergesell Ms Wien ausgegeben.^ Der Fahrgast gab an. er müsse noch in der ödacht Roienherm erreichen-, um den Schneltzng -nach München, wo er in geschäftlicher AngLlogenheit zu tun hatte, besteigen zu können. Aus Grund dieser Mitteilungen hat die Salzburger Polizeibchörde Erhebungen emgeleitet, die >den Verdacht, daß es Liebergesell gewesen sei, bestätigten. Die Grenze bei Freilai,mg war von Liebergesell anstandslos passiert worden, da er sich mit einem deutschen Reisepaß ausweisen konnte. Während eines kurzen Ausenchaltes in Traunstein wegen Instandsetzung des ölutos wurde dftlses von drei Polizisten kontrolliert; dann ging die Fahrt ohne -Unterbrechung nach Rosenheim. Der Fremde gab -dort dem Chauffeur Kvei Millionen Fuhrlohn und 100.000 K. TrftchBd. In Rosem, heim verlief sich die Spur. Dir Nachforschungen werden effria fortgesetzt' da nach diesen Foststellungrn MMnehnren ist, daß Llebsrgesell sich nach Deutschland gewendet hat. * Ausspeisungsaktion des „Ohel Rachel" für jüdisch« Rotleidende. Der Verein ,Ohel Rachel" zur innentgell'lichen Ausipeisung jüdischer Notleidender, der sich schon bisher durch die unentgeltliche Ausspeisüng von 120 bis 160 älterer jüdischer notleidender Personen große Verdi-enste -um die Milderung der Not, -unter den Wiener Juden erworben hat, faßte setzt den löblichen Beschluß, seine Äkt-ion zu erweitern und weiteren 40 dis 50 jüdischen Bedürftigen die Wohltat unentgeltlicher Ausspeisung zu gewähren. Bei dieser neuen Aktion kommen in erster Reihe kränklich«, Ältere Persoiren und Kinder in Betracht. Es -werden Fvühstück und Nachtmahl verabreicht. Gesuche nimuvt der Verein, 2. Beg., Kleine Pfurrgasse 6, entgeaeir. Präsident des Vereins ist Herr Harry Meininger, -der'die Au^peistmg Mn Andenken an seine Eltern, Selig und Ber-:a Rachel Wemmger, schuf und die Kosten der Ausspeisung bis zur Gründung des Vereins aus eigenen -Mstt-eln oestritt.' - Günstige Postverbindung mit den Weststaaten. Der Schnellzug 205 verkehrt jetzt durchgehend von Wien-Westbahn- Hof bis Buchs (ab Wien 16 Uhr 35 Min.). Dieser Zug eignet sich besonders Kr die Beförderung der Briespost nach der Schweb. Frankreich, Belgien, Hollaich und England. Brief- Postsendungen nach diesen Ländern werden mit diesem Tage MveÄaffig noch am Aufga-bstage befördert, wennsie -bei den Wiener Bezirkspostamitern!bis 10 Uhr vormittags, beim Hauptpostamt« in Wien -bis längstens -14 Uhr und beim -Postamt Men-Westbahnhos bis längstens 15 1% mtfoeÄn werden. * “wo Boykott des Viehmarktes. Ztwischeiv den Vertvetevi der FleischhMsr und dem Gremium der Viehhändler kam ii der Streitfrage der Deckung der durch die erhöhte Warenumsatz steuer eintretenden Mchrleistungen eine provisorisch bi 1. April geltende Vereinbarung zustande, wonach die Bestim numgen -bezüglich der Warenumsatzsteuer Kr das Inlandsvre unverändert bleiben. Beim Anslaiudsvieh wurden neue Sätz genehmigt, und zwar werden vonr Frachtführer 2/2 Prozen.! vom .Käufer 2.8 Prozent zu tragen sein. Durch dieses Ueber Einkommen ist die Gefahr -des bereits augekündigt gewesene! Boykotts des Marktes^ bes-eitigt. * Zehnte österreichische Klasseulotterie. Die Crneuernngk fnst zur zweiten Klasse endet am Mend des 16. Jänner. Di Ziehung der zweiten Klasse findet Donnerstag den 24. d. in Ziehungssaale, Wien, S. Bez., Marxergasse 1, ebenerdia, stati und beginnt um 8 Uhr früh. Meine Chronik. »Die Schulen der Miance Israelit«. Das Zentralbureau der Alliance Jsraelite in Paris berichtet, daß die Miance zurzeit 79 Schulen in 16 verschiedenen ndern unterhält. Die größte Anzahl Schulen (21) unterhält sie in der Türkei. Palästina und Marokko nehmen den zweiten Platz ein. In Palästina wird unter anderen die technische Schule in Jerusalem durch die Alliance unterhalten, ebenso die Ackerbauschnle in Mikweh^Jisroel. Im ganzen nehmen 3 5.00 0 K inder in den Alstanceschüftn Unterricht. (I. T. A.) * Ein neues Anästhetikum? Bvir insornrierter Seite schreibt man unS: Die in den letzten Tage:: durch die Presse gegangme Meldung über die Erfindung eines neuen AnästhetikumS scheint sich ans die blnße iltclfnnic einer chemischen Fabrik zu reduzieren. Die Methode der Rnckenmarksanästhesie ist schon. W zirka SO Ighren bekannt und tontibe unter ver-; .1;iedeuen Präparaten wie E u k a i u, T r o p o k a i n auch schon Stavain verwendet. Der hervorragendste Vertreter ott Anästhesie nüttels eines Gemisches von Stovain und Strychnin ist Prof. Toma Ionescu, Vorstand der chirurgischen Klinik in Bukarest, welcher mit seiner Methode schöne Erfolge errungen hat und für alle Operationen, soweit sie den mrterleib betreffen, die üblichen Narkosemittel, wie Chlorofornl nnd Aether, aus seiner Klinik verbannt hat. * Ein Meininger-Vortrag mit Hindernissen. Aus Budapest tvird rlns berichtet: Vor einigen Tagen hielt in der hiesigen ungarisch-israelitischen Literaturgesellschaft der Schriftsteller Eugen Walles eineil Vortrag über Otto W e i n i n g e r S viel umstrittenes Werk „Geschlecht nnd Charakter". Dem Vortrag sah man mit großer Spannung entgegen, weil bekmmt wurde, daß der Abhaltung des Itefcrates von der in Budapest lebenden Verwandtschaft des verstorbenen Wiciler Philosophen die größten Hindernisse in den Weg gelegt wurden. Die Verwanoten Weiningers bcrvudjtcn zunächst, den Präsidenten der Literaturgesellschäft, Dr. Marcell B a r a c s, zu bewegen, Walles die Abhaltung des Vortrages zu verbieteik. 'Slls dies abgelehnt wurde, versuchte die Verwandtschaft, die Verhinderung des Vortrages vllrch allerlei Drohungen durchzusetzen. Ans diesem Grunde wurden für die Bortragsverallstaltung verschiedcil« Vorsichtsmaßregeln getroffen, so daß der Vortrag ohne. Störm'g verlauserl konnte. Eugen Walles sprach dann über die Bisexuali - tätstheorie als ein ernstes wissenschaftliches Theorem. Hingegeir sei der bekannte Antifeminismus und Antisemitismus Weiningers in dessen rein subjektiven Enttäilschungcn als Mairn und als Juden begründet. Nicht das ideale Bestreben eines lehrten, der die Welt vor der Schlechtigkeit des Weibes und dcs Juden schützen wollte, sondern die verletzte Eitelkeit des Men scheu habe die Theorie Weiningers diktiert. Walles unterstützie seinen Standpunkt mit authcntischeil Daten aus den persönlichen Erfahrungen Weiningers, die die Ablehnung seiner Haß Philosophie begründet erscheinen lassen. * Wenn man der Exkaiserin Zita ähnlich sieht. Die Bndapester Polizei machte der Bukarester Polizei genaue An^ gaben über den Defraudanten Kopinits: sie gab seinen falschen Namen und seine Adresse bekannt nnd verlaiuste seine Bewaftung nnd Auslieferung. Er hat vor einiger Zei: - Millionen Nngarkronen defrcmdicrt. Seine Freundin Ilona T o t h - K v s i sandte er nach Budapest, um die Summe zu beheben. Dem Mädchen wurde die auffallende Aebulichieft Jitii der Königin Zita zum Verhängnis. Als sie im vergangenen Jahr in Budapest erschien, tauchte das Gerücht von der An Wesenheit der Königin Zita auf. Die Polizei stellte damals fest, daß es sich um die Toth gehandelt habe. Danrals komrte sie jedoch rewizeitig flüchten und man sprach davon, daß y: bei dieser Flucht werktätige Hilfe zuteil wurde. Bei ihrer Rückkehr wurde sie bon der Polizei erkannt mrd verhaftet. * Die Prüfung von Gemälden durch X-Strahlen. Aus Paris wird uns geschrieben: In der französischen Akademie der Wissenschaften haben >in der letzten Sitzung zwei Gelehrte, Henri Georges und Edmond Bayle, neue Beiuäg« zur Frage der Bildverfälschung geliefert. Die beiden. waren dazn bestimmt worden, zwei Gemälde zu prüfen; das eine sollt« enc Raynouard. das andere ein Goya sein. Die Gelehrten haben feststellen können, daß es sich in beiden Fällen mit Fälschungen handelte. Was den sogenannten Raynouard anbelangt, so ergab die Prüfung, daß die gewöhnlichen vom llllaler ver- . wendeten Farben sich nicht in dem Gemälde fanden; die chemisch« Zusammensetzung des von dem Nachahmer verwendeten Gelb war nicht dieselbe, wie sie der Maler Raynouard verwendete. Was den angeblichen Goya betraf, so stellten die beiden Sachverständigen die Existenz einer bisher nickst bemerkten Signatur fest, die sicherlich nicht von dem Künstler selbst herrührte. Trotzdem glaubt man, wie aus der Diskussion hervorging, in Gelehrtenkreisen nicht absolut an die Unfchlbarkeit der in Anwendung gebrachten Prüfungsmethode durch X-Strahlen nnd viele bleiben -skeptisch. - 9 Die Amerikanerinnen wollen keine Seehundfelle. Wir a-meri-kanische Blätter melden, verliert -die^ Regierung -der Bereinigten Staaten, durch eine Modelmme sehr bedeutende Beträge. Es handelt sich um Felle, welche nrfcklge der herrschenden Mode keinen Absatz sindcn. Der Sekretär -des Handelsministcrmms Hoove-r hat erklärt, daß von denstSeehnndsfelli'u, welche die Regierung aus Alaska selbst beschafft, nicht weniger als 10.000 Stück nicht abgesetzt wurden. In den verflossenen Jahren wurden -jährlich 25.000 bis 30.000 Stück Seehundsselle erbeutet, verarbeitet und zum größten „Teile abg^ß seht. Heuer sank der Absatz der Felle aus 12.000^Stück. Der Hm wurde zum Preise von 20 Dollar pro Stück offeriert, ohne daß ' sich jedoch Interessenten fanden. * Aus der Advokatenzeit Lloyd Georges. Englische Blatter erzählen eine köstliche Anekdote aus dem Leben des berühm ten Staatsmannes, die aber noch aus der Zeit stammt, in der Lloyd George als Advokat in seiner Geburtsstadt tätig war. Eines Tages fuhr der vielbeschäftigte Advokat von einer langen Gerichtsverhandlung ermattet nach Hanse. Auf dem Wege erblickte er ein kleines, blasses, etwa zehniähriges Mädchen, das offenbar auch ungemein ermüdet war und sich nur schwer weiterschleppte. Der ermüdete, aber bequem in die gepolsterte Wagenecke sich lehnende Advokat empfand verständnisvolles Mitgefühl für das kleine Mädchen, ließ den Wagen halten und lud die Kleine ein, einzusteigen. Das Kind nahm die Einladung sofort an, gab auf die Frage Lloyd Georges, wo es wohne, Antwort, aber weiter war aus ihm kein Wort heranszubringen. Was Lloyd George auch versuchte, das Kind znm Sprechen zu bringen, seine Bemühungen versagten. Hätte^ Lloyd George nicht mit eigenen Ohren die Wohnungsädresse vernommen, würde er geglaubt haben, sich in Gesellschaft einer Stummen zu befinden. Er machte sich aber keine weiteren Gedanken über die Sache nnd ließ das Kind vor dem angegebenen Hnigse anssteigen. Einige Tage später erhielt Lloyd George die verblüffende Aufklärung über das seltsame Benehmeir der .Kleinen. Eine i-mM ttt ft'nmYpt ffpffio fifh iflllt als immer zahlen, wenn man mit ihnen spricht, nnd ich hatte keinen Penny bei mir." * Brieftauben als Kokainschnmgaler. In den Vereinig ten Staaten ist die Einfuhr von Kokain streng verboten. In folgedessen ist Kokain einer der wichtigsten Gegenstände, des internattonalen Schmuggels. Neulich sind die Behörden einem neuen und sehr gut dnrchgeführten Trick auf die Spur gekom men. Man fing nämlich eine Brieftaube und entdeckte unter ihren Flügeln eine starke Dosis des verbotenen Genußmittels. DieUn^ ~ " .. tauben lassen i nach den Vereinigten Staaten zu schassen. ii: Offiziere als Mönche. In der Münchener St. Anna- Kirche ionrden am letzten Mittwoch der ehemalige Oberleutnant der Ulanen in Hannover Prinz Franz v. L o e w e n st e i n- W e r the i m-F r e nd e n b er g und der chcmalige Kommanbaitt von Ingolstadt Generalleutnant v. Reuchlin- Meldegg zu FrqnMamrlM.chW

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