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Wiener Morgenzeitung · 1924-01-13 · Heft 1764 (13.1.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1764 (13.1.1924)
Date
1924-01-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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EtoziImininerRlOOO Wien: Zum Abholen in der Expedition,H.,Taborstr.l-3, oder in einer Verschleisstelle (Trafikl monatl. K 28.000 Strassenverkauf in Wien , dtfrch die Kolporteure der Firma Goldschraiedt.I.Bez., Wollzeile 11. Mt Postversand für Wien u. Oesterr. monatl. K 28.000 Tschech o-Sl owakei: Men. K17. Jugoslawien: Mon. Dinar 50. P o 1 e n: Mon. polnische Mark 2,200.000, Deutsch!.: Mon. Gold* mark 3.—» Fr an kr.. Belgien: Mon. Frcs. 10 ^ThAvS1 rvSoilf»/*!, »:*kw- WM' Naehtahlooren bei Preieerhobiiojeo Vorbehalten m PW—BB jjr. 1764 SBiew, gonntna. 13. Mmer 1924 Po'en: poIn.Mk. I004J00 Italien: Monatl. 12 Lire R u m ä n i en Mon. 130 Lei Bulgarien Mon.75-Lewa Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 3 Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrasse 1—3 Telephone: 44-0*38,4S«3»19, ab 6 Uhr abds.19*483,25*262 Tel- Adr.:„Mprgenzeitung* Wien Oesterreiehisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.69 6. F«chrga«g itnus, AnnShemng aller Böller möWe Bereinigung zur gemeinschaftlichen Mett." Sie ziele der kleinen Mente. - Beendigung der Belgrader Konferenr. Aeutzerungen der Außenminister Br. Benefch und Zum. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) ,12. Jänner. Die Tagung der kleinen Entente in Belgrad ist trotz des späten Beginnes programmgemäß zu Ende gegangen. Die Hauptpunkte, die in dieser Versammlung der Minister des Aeußeren der drei Staaten erörtert wurden, bildeten die russische und die italienische Frage, Fragen, der ungarischen Anleihe und die Erörterung der aktuellen politischen Fragendes Balkans. Wenn die Beratung gen der kleinen Entente zunächst nur als periodische Konferenzen gedacht waren, in denen die Minister des Aeuheven den Weg der Persönlichen Annäherung gesucht und gefunden haben, war dieses Mittel nunmehr aräaßlich der dritten ZusammeEunft in Belgrad KU einem neuem politischen Instrument, das diesen periodischen Zusammenkünften große B e- Gchtung in Europa gesichert hat, geworden. DK Konferenzen der kleinen Entente — die nächste ist etwa in sechs Monaten in Aussicht genommen *— Wnnan setzt schon als starker Körper der Solidarität in Mitteleuropa geLterr. ' Mch der honte mittags zu Ende gegangomn Beratung der Neimen Entente, erschienen nacheinander ' die Mnistyk des Aeußeven Dr. Duca und Dr. Benefch vor den Journalisten, um der Oeffentlichkest Bericht über die Konferenz zu Mben. Ms Minister Dr. Bene sch den Saal detrat, wurde er von den Journalisten wie ein Kollege Mit lebhaften Akklamationen empfangen. Di:. Benefch betonte eingangs seiner Darlegung die große Bedeutung dieses praktischen Mittels der Periodischen Konferenzen der kleinen Entente, denen er einen dreifachen Wert beilege. Erstens, weil die Konferenz die unmittelbare Aussprache der Verantwortlichen Leiter der auswärtigen Politik der verbündeten Staaten in allen aktuellen Fragen der Politik ermögliche. Dann aber auch, weil sie ja für das zu befolgende außenpolitische Programm nicht nur der nächsten Tage, sondern für das nächste Halbjahr die Gesichtspunkte festlege. Ferner sind diese Beratungen der kleinen Entente deshalb sehr wichtig, weil sie nicht nur der.OeffeMichkeit der drei Staaten .Mitteilungen über die sie betreffenden lebenswichtigen Fragen geben, sondern sie auch der großen internationalen Welt vermitteln. Die Ziele der Politik der kleinen Entente lassen sich zusammrrifasseir in die Worte: Pazifismus, Annäherung aller Völker und ihre Vereinigung zur gemeinschaftlichen Arbeit. Außer den allgemeinen politischen Fragen, die die Kon» seren5 beschäftigten' und über die in den amtlichen Mitteilungen genug gesprochen wurde, haben sich die Minister des Äeußeru auch mit speziellen Fragen beschäftigt .und konkrete Besä) l ü s s c gefaßt. In erster Reihe kam die Frage der Durchführung der ungarischen Anleihe zur Sprache. Im Laufe der Berichterstattung hat gestern auch der jüngst abgeschlossene sranzösisch-tschecho-slowakische Vertrag Erwähnung gefunden. Die Beratung über die russische Frage gestaltete sich ziemlich lebhaft. Alle Staaten der kleinen Entente haben sich dahin geeinigt, daß der heutige De faeto-Zustand, wo Rußland durch Handelsverträge praktisch und faktisch anerkannt erscheint, zu einem gegebenen Zeitpunkt in den Zustand der De jure-Anerkennung übergeführt werden müsse. Der Zeitpunkt hierfür wird von der allgemeinen Lage später bestimmt werden. Jedenfalls könne man über solche Dinge nichts Vorhersagen. Man braucht hier nicht besonders zu betonen, schloß Dr. Bene sch seine Ausführungen, daß zwischen den-drei Staaten in allen Fragen eine vollkommene Einmütigkeit herrsche. Die anwesenden Journalisten richteten mehrere Fragen an Dr/ Benefch. So unter andsvetzr die, ob die | Bedingungen bete ungarische« Anleihe anderS gewesen wären,wemt tti Pngarn eine andere Rögi e rn n'g -Herrscht hätte. Dr^ Benefch' antwortete ungefähr: ES sei eine Frage, auf die man nicht ganz t! a r a n t w o r t e n könne, denn -bet BerhaMüngen hängen die Bedingungen immer davon ab, wem man gegenüberstehe. Wenn wir jetzt der gegenwärtigen ungarischen Regierung Bedingungen stellen, so ist damit noch nicht gesagt, daß wir einer anderen ungarischen Regierung dieseWen Bedingungen stellen würden. Allerdings muß betont werden, daß wir uns in die inneren Angelegenheiten Ungarns keinesfalls einmengen und darauf bäacht sind, daß die verabredeten Verpflichtungen ' von ungarischer Seite eingehalten werden. Dr. Benesch schloß seine Ausführungen rmt den Worten: Wir fordern nichts anderes, als die Einhaltung der Friedensverträge, und das gilt auch für Bulgarien. Der rumänische Minister des Aenßern " Dr. Duea eMnÄe, mst den Evgeibnisson der Konferenz überaus zusrreden zu sein. Em reiches Material wurde bewältigt. Für Rnnränien war es in erster Reihe interessant, zu svfalhven, daß die italienisch-jugoslawischen Bezichuuge« sich in einem sehr günstigen Sinne besserten, ander-evseits, daß sich auch zwischen der Tschecho-Slowakei und Polen eine Annäherung ,zevgt. Auf ..die -Frage der Anerkennung von Sowjetxußland, erklärte Duea, Rnmänien ist in dieser Frage in einer besonderen Lag e. Wegen schner Gwnzein ßwWen Rußland und Rumänien sei es schon früher zu -einem Abkommen hinsichNch der Dnjestrgrenzen gekonmien, und weitere Be»- h a n d l nnge n, die vor anderthalb Monaten ongebahnt wurden, Men folgen. Wir Iverden auch daran arbeiten, daß .der W a r e n a n s t a u s ch zwischen uniseren Ländern ermöglicht wird und daß die brennende Frage der R epatriierung der russischen Flüchtlinge -y. Wien, 13. Jänner. - Maskierte Männer, die in ein Restaurant eirr> dringen, Revolverschüsse, fünf Tote, Aufruhr in den Straßen, Geiiselverhast-ungen, Attlitärpatrouillen, strenge Paßkontrolle — das alles geschieht nicht in Mexiko oder i-n Mazedonien, sondern.in einer -westdeutschen Stadt, die bisher nurim Baedeker als-kulturhistorische Stätte einen Stern führte. Die Stadt Speyer ist für den Augenblick in den Mittelpunkt des Sensationsinteresses gestellt, weil sich in ihren Mauern heftige Aeußerungen des Zustandes Politischer Unterernährung abgespielt haben, unter dem gegenwärtig ganz Europa leidet. Dieser Zustand hat verschiedene Zentren, vor allem den Linksradikalismus ün Moskau und den Rechtsradrkalismus in Paris, dazwischen die kleinen Giftstattonen in München, und Budapest. Die politischen Systeme, die durch diese Landkartennamen -verkörpert werden, haben trotz aller Berschiedeicheit in den Zielen das eine Gemeinsame, daß sie die Gewalt, das Recht des Bessevbewafsneken als Quelle des Rechtes überhaupt aufstellen und zu Entwicklungsphasen zurückführen, die wir schon als vergangen zu--betrachten gewohnt Ivaren. Die Vorfälle in Speyer sind ein blutiges Demonstrationsbeispiel -dafür. Die Separatiftenbewegung, deren Häupter dort lveggeschossen wurden, .ist-nicht so ganz geklart. Neben dem sranKöftschen Franken, der dort ebenso seine-Rolle spielt wie noch vor ganz kurzer Zeit in München, kommt auch noch in Betracht der Mß der Kreise, bte die Opfer des Kahr-Systems in der /bayrischen Pfalz geworden sind. Die Diktatur des Henerakst-aatskoinmissars verstärkt die AbfallbÄvegung, die ja auch zum großen Teil eine Folge der deutschen Rot ist, und gibt ihr andererseits die Revolvcrromantik. Es ist Mode geworden, die Demokratie zu schmähen und mit Kot zu bewerfen.- Alle diejenigen, welche durch die Beseitigung des alten Systems ihre Privilegien und ihre Machtposition verloren haben, führen den Kampf um.die Vergangenheit. Was die noch so junge Demokratie, die ja erst vor etwa einem Jahrhundert in die Politik Europas eingetreten ist, nicht erreichen konnte, was sie an Energie zur Abtragung verfaulter Trümmer in der Rechts-, Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung verschwenden muß, tvird ihr angekreidet, und die Lobredner des Absolutismus kommen wieder obenauf. Der Trugschluß von dem Versagen der Demokratie macht es ihnen sehr leicht, ihre Gedankenlosigkeit -Wissenschaftlich zu drapieren. Diese Richtung wird gefördert durch die atavistischen Triebe, denen Keule und Bombe besser zul'agen als das geistige' Argument. Die Geschichte von: Gordischen Knoten mag eine ganz hübsche Anekdote sein, aber politische, soziale und wirtschaftliche Probleme sind noch nie mit dem Schwert gelöst worden. Gewalt war Wohl imstande, eine Stadt zu verbrennen, ein Volk auszurotten, aber für die Zukunft ist durch solche -Methoden nur die Grundlage zu immer neuen und immer wilderen Konflikten gelegt worden. Der große Staatsmann Bismarck hatte mit Blut und Eisen das gewaltige Werk des deutschen Kaiserreiches geschaffen; kaum fünfzig Jahre sind vergangen und in den Straßen westdeutscher Städte treibt sich vermummtes Berschsvörertum umher. Bismarck war der bedeutendste Vertreter der Theorie von der Panzerfaust. Das Unglück Deutschlands ist die Frucht dieser Sünde wider den Geist. Die Demokratie ist das Natürliche, das Menschliche. Sie sieht die Menschheit nicht als eine Herde au, die der Obhut des Hirten anvertraut ist, sondern sie nimmt jeden Menschen als volle Persönlichkeit, ausgestattet mit allem Recht und mit aller Verantwortlichkeit. Das Grundprinzip dieser Demokratie hat der weise jüdische Lehrer. Hillel vorgezeichnet: „Was du nicht endlich m Fluß komme. (Fortsetzung des Berichtes auf Seite 3.) Sonntag, 20, und Montag, 21. Jänner

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