Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1762 (11.1.1924)
- Date
- 1924-01-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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fSnzsliramfiifflDOO Wien: Zum Abholen in der Expedition,II.,Taborstr. 1 -3, oder in einer Veraehleisstelle .(Trafik) monatl. K 23.000 Straasenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmiedt, I.Bez., Wollzeile 11. . Mit Postversand für Wien u. Oesterr. monatl. K 23.000 Tachecho-SIowakei: Mon. K17. Jugoslawien: i Mon. Dinar50. Polen; Mon. polnische Mark 2,200.000, Deutsch),: Mon. Gold* •mark 3.—» Frankr., Belgien: - Mon. Frca. 10 jHg* NaehBahlunacn ' Sri' Preiiarbobangeir Vorbehalte# «r. 1762 m \ Men, Frettas, II. giinner 1924 Wiederaufnahme der TSttgleit der ütteraMetten MMiirkonttolle. — Segen die „schwarze Reichswehr." Sin ernster Zwischenfall: Studenten bewerfen die Kontrollore mit Zchneebölle». (Cigendienst der „Mener Morgenzritung".) Berlin, 10. Jänner. Die interalliierte MilitärkontroNommission hat heute ihre Tätigkeit wieder ausgenommen, und zwar hauptsächlich in den norddeutschen Städten. Außer in einer Reihe größerer Ortschaften sollen Kontrollen auch in Breslau, Dresden, Königsberg, Leipzig, Magdeburg > mch S t e t t i n vorgenommen werden. Diese Kontrollen buchen sich hauptsächlich auf die „schwarze Reichswehr" die nach der Meinung der Kontrollkommission noch immer nicht ganz beseitigt sein soll. General Rolle t soll, wie verlautet, den kontrollierenden Offizieren , strenge Verhaltungsmatznahmen gegchen haben. Gleich am ersten Tage der Ausnahme der Tätigkeit der interalliierten Kontrollkommission kam es in der Nahe des Domizils.der Kommission am Potsdamer Platz zn einem Z wl s ch e n f a l l, über den eine genaue Darstellung noch nicht vorliegt. Mehrere Mitglieder der Kommission, die in einem AutoHobü zn einet Zkontrolle nach Spandau fahren wollten, wurden von mehreren herumstehenden Leuten, darunter einigen Studenten, belästigt und mit Schneeballen beworfen. Die Leute sollen dadurch in Erregung geraten sein, daß in dem Automobil eine Anzahl von Sektflaschen verstaut wurde. Der Studentenausschuß der Berliner Universität erläßt eine Erklärung, worin er darauf hinweist, daß angesichts der Wiederaufnahme der Tätigkeit der Kommission, namentlich ccker in Hinsicht auf die Tatsache, daß zahllose Studenten am Verhungern seien, die Erregung begreiflich sei. Es sei jedoch bedauerlich, daß sich die jungen Leute zu einem solchen Dummenjung e n st r e ich haben hinrhjßen lassen. Ne Antwort auf dar deutsche Memoraudum. MgensdiLnst der „Wiener Viorgenzeitung".) Brüssel, io. Jänner. I a s p a r hätte heut« mittags eine längere'Besprechung mit dem französischen-Botschafter Herbette. An zuständiger Stelle wurde erklärt, daß eine völlige Einigung.zwischen Frankreich und Bellen in bezug <aus die Beantwortung der deutschen Vorschläge vorn, 24. De- .Lember zustcnÄ» gekommen M . Die Enwrorten werden inch a l i r.ich 7 I le1ch, 7 t lriH».' v e rs ch'sl d e n sei«. Die beiden / An^dorfchr/ ^werden Heüte. abends -trat morgen vormittags den deutschen Geschäftsträgern m Paris und Brüssel I überreicht werden. Mentale gegen SepamWensührer. (Eigendienst der „Mener Morgenzeitung".) nachfagte, sich einen Naimn genmcht. Als inr veMälttzenen Paris, 10. Jänner. Nach Meldungen der Morgen- Mtter wurde gestern abends um halb 1V Uhr im Restaurant „Wittelsbacherhof" in Speyer der Pfälzer Separatistenführer Heinz-Orbis erschossen. Drei Männer drangen in den Speitzsaal ein und feuerten auf Heinz und seine Freunde mehrere Schüsse ab. Heinz wurde sofort getötet. Einige seiner Freunde wurden verwundet. Die Täter entkamen. Heinz war der Leiter der Regierung der aulonoinen Vfch. Mer andere Separatisten erschaffe«. Frankfurt am Main, 10. Jänner. Aus zuverlässiger Quelle verlautet, daß bei dem gestrigen Anschlag im Wittelsbacherhof in Speyer außer Heinz-Orbis noch vier andere Führer der Pfälzischen Separatisten, namens Weiß, Sand, Weigl und Füsseler, getötet und . mehrere Personen, darunter ein gewisser Liliental, verletzt worden seien. Als Geiseln sind heute nachts folgende Personen festgeuommen worden: Oberregierungsrat Dr. Pellmann, Direktor Dr. Lehmann, Oberlandrsgerichtsprasident Bilabel, Staatsanwalt König, Bürgermeister Gbring, Amtsrat Müller und Justizassessor Bilab e l. Heute nachts wurde von den Separatisten eine »trenge Paßkontrolle ausgeübt. Mutige AusammenftSße. Berlin, 10. Jänner.- Im Anschluß an di« Ermordung des Heinz-Orbis kam es zu blutigen Züsamm e n ft ö tz e n zwischen den Separatisten und der Bevölkerung, wobei fünf Personen getötet worden sein sollen. Einzelheiten über den Umfang der Unruhen sind nicht bekannt, da die Separatisten eine strenge Berkehrssperre ausüben. Die Mer Separatisten? Eine Mitteilung des bayrischen Staatskommissariats. Die Münchener Zeitungen brinMn folgende nähere Ei Übelheiten über den Separatistenrnord: Heinz-Orbis hat im Kriege als Offizier im deutschen Heere gedient. Bald '-nach' Beendigung des Krieges - hat er als Führer der Jahre die Separat^stenvewegung einsetzte, tauchte alsbald auch Heinz-Orbis auf, den man nach seiner sozialen Stellung nnd seiner Autorität als Bauernfühver für gut und Paffend hielt, als Präsident'an,die Spitze der sogenannten „Regierung der autonomen Pfalz" zu treten. Der Staatsanwalt des Würzburger Bolksgerichtes hat dieser Tage gegen Hemz-OMs,sc!ivie gegen, eine gange Reihe seiner Gefährten Haftbefehle wegen Hochverrates erlaffen. rStand will Franlretchs Haltung in der Malz untersuche«. Paris, 10. Jänner. Heute besprechen die Blätter die verschiedenen Demarchen, welche die englisch e R e g i e r u n g in der letzten Zeit in Paris unternommen hat, um die Haltung Frankreichs hinsichtlich der Separatisten im Rheinland kennen zu lernen. Obwohl die Franzosen im Rheinland gegenüber den Separatisten stets die strengste Neutralität gewahrt haben, hat die englische Regierung dennoch daraus bestehen wollen, daß ein e nglischer Vertreter in der Rhein Pfalz eine Enqnete über die Handlnngen der sranzösischen Militärbehörde vornehmen solle. Frankreich ist damit einverstanden, will aber, daß diese Enquete einen interalliierten Charakter erhalte. Dar zentrm» gegen die Pfölzer Abfastsdeweguug. Berlin,. 10. Jänner. Die Reichstatzsstattwu. des 'Zentrums hat an die Reichsregierung eine Interpellation gerichtet, in der hervorgehoben wird, daß die in der bayrischen Rhein Pfalz, durch die Separatisten geschaffenen Zustände zu einer Katastrophe drcmgen und daß fast 700.000 treudeutsche Pfälzer von verbrecherischem Gesindel in brutaler Weife gequält werden, 'was nur dadurch möglich sei, daß die französische Besetzung dieses schändliche Treiben in kaum verhüllter Offenheit fördere. Die Reichsregiernng wird gefragt, tvas sie im Einvernehmen mit der bayrischen Landesregierung zu tun gedenke, um in der Pfalz wieder geordnete Derü heraus radikalen freien B a u e r u s ch a f t, tu der haltmsse mch den Schutz der MensDyxMe herbeW ta borst«. Foton: poMklOO-ODO Italien: Monatl. 12 Lire, Ru mH n i e n Mon. 130 Lei, Bulgarien Mon.75 Lewa, S c h w e! z und das übrige Ausland monatlich Frei. 3 Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrasae 1-—3 Telephone: 44*0*33,43-3*19, ab 6 Uhr abds. 19-483,25-282 Tel.- Adr.:„MorgenseitanjrM Wien BfcWIBWWW Oesterr eiehisch es Postspaikassen-Konto Nr. 150.69- V. Fahrgang Annen u«d Außen. —y. Wien, 11. Zimvtt. Jin Hauptausschuß des österreichischen National» rates hat der Minister des Aeußern gestern sein Expose über die auswärtigen. Beziehungen der Donaurepublik vorgetragen. Es ist eine wohlgeordnete Ueiberficht, erfüllt von einem warmen Optimismus und der Ueherzeugung, daß die Sanierung der StaätDwirtschast auch eine bessere Position Oesterreichs in dem europäischen Orchester gestatten wird. Der Minister hatin sein Referat alle Staaten ausgenommen, die für OesterreichsBeziehungen irgendwie in Betracht kommen, und eine Menge von Fragen vorweggenommen, die sonst in der Oeffentlichkeit gestellt werden. Alles in allem ist, wie er sagt, kein Grund zu irgend einer Besorgms. Oesterreich treibt eine Politik des Frizens, kann, keine andere treiben und darf in keiner Weise in die internationalen Händel verwickelt werden. Die unruhige schwankende Außenpolitik der ersten Jahre, die in den stürmischen Uebergangsverhältnissen rmd in der ungeklärten innerpolitischen Gruppierung- «der Parteien. bedingt! ' war, scheint überwunden. Die systematische Vorarbeit Schobers, die in der Zurückstellung der Generalhhpothek und in dem Staatsvertrag von Lana ihre markantesten Resultate erzielte, wurde vom BundeÄanzler Seipel in streng logischer Konzeption fortgeführt. Der Erfolg-Mär die Aktion des Völkerbundes, die Seipel durch seinen beharrlichen Hinweis aus die, große politrsche BAeutung Pes österreichischen Problems erreichte. In Gens wurde dein hilflosen Gerche voy der LebensimsaWkeit ein , rasches Eüde gemacht und? der Mltevbund hat sich M- : -von ■ der günstigen.psychologischen Wirkung überzeugen 'können, die seine Maßn-cchmAr in der Belebung der inneren Energien zur Fotze hatten. Es ist - unveäennbar, daß der Staat: an Wertschätzung und Geltung gewonnen hat, obzwar im Inneren vieles geschehen ist, um dies zu vereiteln. In dem vergangenen Jahre hat die Exzeßpölttik wiederholt. den ruhigen Gang der Entwicklung gestört und Oesterreich in peinlicher Weise der allgemeinen Diskuffion ausgesetzt. Die nationalistische Bewegung im Deutschen Reich hat sich in Men einen Stützpunkt für ihre Verbindungen mit Ungarn und den befteundeten Strömungen aus Balkan geschaffen und sich der .Fudensrage für ihre Propagandazwecke in einer Intensität bedient, die nur in dem passiven Vechalten der Regierung ihre Erklärung finden konnte. Die antisüdischen Bestrebungen konzentrierten sich insbesondere aus das Hochschulwesen und nahmen hier einen auch vom Standpunkt der Außenpolitik sehr gefährlichen Charakter an. Durch die Forderung, den Numerus clausus bei den jüdischen Hörern des Auslandes zu statuieren, ist ein Präjudiz erzeugt Wochen, das überall dort nachgeahnrt werden kann, wo deutsche Hörer als lästige. Ausländer verschrien werden. Es ist ak^r auch eine schwere moralische und materielle Schädigung Oesterreichs eingetreten,'was.freilich den Brandstiftern keine GewiffenÄisse verursacht. Sie Haffen -die Republik und verbinden sich gerne mit allen . Elementen, denen die Existenz dieses kleinen, aber Wichtigerl -Zentrums 'des Friedens eine empfindliche Storung ihres Geschäftes bedeutet.. Aus dieser Quelle stammen die verhetzenden Pressetreibereien, die der Minister bei. Besprechung des Verhältnisses zu Italien erwähnte, und er hätte nur nötig, seinen Kollegen Frank,..'der ja die in Betracht konrmenden Stellen persönlich kennt, zu etwas mehr Energie auszusordern. Das ist allerdings für Grünberger aus verschiedenen Gründen ' schwer, vor allem 'deshalb, weil er unter die Raffeverordnung des Vizekanzlers fällt. Es ist erfreulich, daß der Aiinister das herzliche Verhältnis zn dem tschechischen Nachbarstaat so warm hervorhob, obzwar er über dieses Kapitel gleichfalls m Konferenzen, mit Frank viel Interessantes evfa-hrml .könnte, das nicht gerade für eine Erwiderung dieser .Freundschaft spricht. Auch daß er die Anerkennung der Soivjetrepublik in. ernste Erwägung zieht, nimmt man gerne zur Kenntnis. Es wäre nur nöttz,. dem rn Wien lebenden rilssisch-rea-ktionären Klüngel, der so invime Beziehilngen mit dem Hakenkreuz unterhält, schärfer auf die Finger zu schauen, wie es die Oeffentlichkeit überhaupt mit Freuden akzeptieren würde, wenn man alle internationalen Giftbnden, an denen Wien leider so reich ist, bei aller Mehrung des politiischen Asylrecht-es dazu veranlassen könnte, eine andere Gegend zu beglücken. ivtan hört bei allen Krawallen verdächng viel äst ■ saBBsan