Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1924-01-09 · Heft 1760 (9.1.1924) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1760 (9.1.1924)
Date
1924-01-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2979076-2980834-2980843--17364-3004361
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

/ ElnzelmnnnerK 1000 Wien: Zum Abholen in Her Expedition, il„ T aborstr. 1 -3, oder in einer Verschleisstelle (Trafik) monatl. K 28.000 Strassenverkauf in Wien diirch die Kolporteure der Firma Go!dschmiedt,I.Bez., Wollzeile 11. Mit Postversand für Wien u. Oesterr. monatl. K 28.000' Ta che ch o-Slowakei: Mon. K 17. Jugoslawien: Mon. Dinar50. P o i e n: Mon. polnische Mark 2,200.000. Deutschi.: Mon. Goldmark 3.—, Fr an kr., Belgien: Mon. Frcs. 10 DV Nachzahlungen "Mi be! PreiserhöhungeD Vorbehalte» wivxrsS Der Pampasreiter (Die Schlucht des Todes [C^rWao rötr/JSI teuer Po’eflipoIn.fiffi.IOüOOO Italien: Monatl. 12 Ure, Rumänien Mon. 130Lei, Bulo-arieo Mon. 75 Lewa, S b h w e i z und das übrige Ausland monatlich FrcsV’3 Redaktion u. Administration Wien, II.. Taborstrasse 1—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab 6 Uhr abds. 19-483,25-282 Tel- Adr.:„Morgenzeitung" Wien / Oesterreichisches Postspar - kassen-Konto Nr. 150.69« Nr. 1760 Wien. Mittwoch. 9. Sühntet 1924 8. sichrgang Sethlens Wunsch und Gedanken. —y. Wien, 9. JLnuer. Jas neue Unterhaus. Mardonalds Programm. Es ist also der Wunsch der Vater des Gedankens: der Wunsch nämlich, daß Ungarn ein zivilisierter Staat werden soll. Der ungarische Ministerpräsident, also die im Augenblick durch die Verantwortung des Amtes sicherlich authentischeste Persönlichkeit des Landes, hat dies in der denkbar einwandfreiesten Weise gesagt und an seinem Wort kann man diesmal nicht rütteln. Es verhält sich jetzt damit anders als mit seiner Rede über die Csongrader Bombenwerser. Dort hat er die Opposition mit schön gedrechselten Versprechungen einzufaugen gesucht, von denen er, als er sie verlas, selbst wußte, daß sie innerlich unwahr seien. Auf seine Zusagen, dem Recht Respekt zu verschaffen, fällt immer der Schatten des Reichsverwesers und der illustren Gesellschaft, in der sich dieser zu bewegen pflegt. Seine gestrigen Erklärungen über den Komplex der Anleiiheverhandlungen gab er in der sicheren Ueberzeugung ab, weder von den Verantwortlichen, noch von^den in Ungarn 'herrschenden Unverantwortlichen dementiert zu werden. In einzelnen politischen Kreisen — so teilt das amtliche Budapest diesen Passus der Bethlenschen Rede mit — habe man erzählt, es müsse die Staatsform innerhalb sechs Monaten geändert, die Königsfrage geregelt, der Reichsverweser zurücktreten, eine Koalitionsregierung zustande kommen, ein sogenanntes demokratisches. Regime ins Leben treten, der Verein fcfet Erwachenden Ungarn ausgelöst, die Internierungen eingestellt, die Rückkehr der Emigranten gesichert werden. Alle diese Dinge, versichert der Herr Gras, haben einen Ursprung — der Wunsch ist der Vater des Gedankens. Der Ministerpräsident hat tatsächlich alles das ausgezählt, was der Wunsch aller anständigen Menschen in Ungarn und die lebhafte Hoffnung der zivilisierten Oeffentlichkert der Welt ist. Die Liste, die er mit so schlanker Geste abtut, enthält in der Tat die Forderungen der politischen Opposition und jener Kreise Ungarns, deren aufrechtes Empfinden allen Verlockungen und Drohungen stand gehalten hat, und wenn der Ministerpräsident für all das nur seine ironische Handbewegung übrig hat, so ist das die schwerste Kriegserklärung nicht bloß an die ungarische Opposition, sondern vielmehr an die \ europäischen Kreise, die seit Jahren mit stetig wachsender Besorgnis und mit Empörung den Lauf der. Dinge beobachteten. Für dieses Europa ist das Wort vom Horthy- System gleichbedeutend mit dem Begriff der ärgsten politischen und moralischen Verlotterung, die aber ununterbrochen über die Grenzen des armen und durch den Frredensvertrag verstümmelten Landes hinausgreist, um auch die nähere und fernere Umgebung zu infizieren. Sie konnte dies bisher tun, so lange die Siegerstaaten durch ihre Diplomaten und Militärs in Ungarn vertreten waren, die in Klubs und Kasinos gute Freunde fanden und iparen. In dem Augenblick freilich, wo Ungarn um Vertrauen bei Europa Ivarb und Kredite verlangte, mußte die Ivahre und unverfälschte Meinung zutage treten. Tenn die Bethlensche Rede ist doch nur eine erirzige an die Mördersippschaft gerichtete Verlegenheitsäußernng. Er ist sehr wortreich, sehr stolz und hochnäsig, um nur zu vertuschen, daß Ungarn kein Geld bekommt und daß seine Reise doch nur den einzigen Erfolg hatte, daß eine Kommission des Völkerbundes ein paar Protokolle verfaßte. Sie enthalten die Modalitäten, unter denen an eine Kreditgewährung gedacht werden könnte. Aber das dicke Ende war die Vertagung. Weshalb wohl? Weil eben der Wunsch, der Vater des Gedankens, in dem. Ausland Leben und Inhalt bekommt, das sich durch keine Magnatendiners betrügen läßt und mit dem Bleistift die Passiven, die materiellen wie die moralischen, nachzurechnen sehr wohl imstande ist. Das gibt einen sehr melancholischen Schluß: Das Horthy-System bekommt keinen Kredit. So lange die Erwachenden ihre Bomben Wersen nnd der Hejjas die Kommandanten ernennt — so lange mag der Bethlen seine Protokolle erläutern und sich aus seine nächste Reise vorbereiten. Es steht die Demokratie des arbeitenden Europa wider die Diktatur der Kasernenhelden. Whltkey als Sprecher wiedergewahlt. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 8. Jänner. Das Unterhaus wurde um 14 Uhr 45 Minuten eröffnet. Es waren fast alle Abgeordneten anwesend. Als B a l d w i n erschien, wurden ans den Bänken der Arbeiterpartei Rufe laut: „Seht, seht! Er ist zurückgekehrt!" Macdonald wurde von seinen Anhängern stürmisch begrüßt. Lloyd George nahm seinen Platz in der ersten Bank' ein, die den Führer» der Opposition reserviert zu werden pflegt, und zwar neben dem Sitze Asquiths. Macdonald und Lloyd George ließen sich in ein eifriges Gespräch ein. Das Unterhaus schritt sodann zur Wahl des Sprechers. Der bisherige Sprecher Whitley wurde einstimmig wiedergewahlt und nahm nach den üblichen Formalitäten seinen Platz auf der Präsidententribüne ein. A s q u i t h wohnte der Eröffnung des Unterhauses nicht bei, da er infolge einer Erkältung einige Tage das Zimmer hüten muß. Die Leitung der A r bei t« pp a r t e; trat heute vormittags zu einer Sitzung zusammen. Maedonald gab ein kurzes Expose über seine Absichten. Räch dem „Evenintz Standard" habe zwischen den Teilnehmer» au der Versammlung und dem Parteiführer volles Einvernehmen über die Notwendigkeit bestanden, nicht zu extremen Maßnahmen z« greisen, trat sich das Vertrauen des Volkes zu sichern. Wie verlautet, wird Maedonald schon in der nächsten Sitzung die offizielle Anerkennung der russische» Sowjetrepublik verlangen. ‘ Maedonald hielt heute abends in der Albert HM die mit so großer Spannung erwartete Progmmmrede, in der er sich als Anhänger der sozialistischen Evolution bekannte. Kein Engländer werde es wegen des sozialistischen Systems nötig haben, sei« Kapital nach Amerika zu transportieren. , Die Arveiterregierung Ddrde alle Männer und Frauen aus der ganzen Welt gegen das W ett-! rüsten ausrusen. Die Zwistigkeiten zwischen Franks! reich und England müssen ein für allemal beseitig! werden, und zwar durch Ausbau des Völkerbundes sowie durch Schaffung einer der rnteryMtionalen Gerechtigkeit dienenden Institution, Bemtmgen des Reichskabinetts. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) s fl)! Berlin, 8. Knuer. Das Rvichskabinett wird m dieser Woche mehrere Sitzungen abhälten, in denen vorwiegend Fragen der äußeren Politik zur Beratung und tciliwoisen Entscheidung gelängen werden. Man hatte aus diesem Grund auch die Rückkehr des Außemnmijsters Doktor Stresemann abgewartet. Zugleich mit chm ist auch der neue ReichsbarEpräsident Dr. Schacht von seiner Informationsreise aus England und Holland zumckg-ekchvt. Der Zweck soinier Reise galt wohl hauptsächlich der Feststellung, Wie der Gedanke der Errichtung einer Goldnotenban? in Dou-Vschland van'der internationalen Finanz angenommen worden ist. Es hat den Anschein, als ob seine Eindrücke zufriedenstellend tvaren. Im AuZliand sicht man in diesem Gedanken die Möglichkeit, zu einer Sanierung der deutschen Finanzen und weiterhin zu einer endgültigen Stabilisierung der Mark- Währung zu gegangen.! . , Dr. Schacht, der heute sein neues Ami angetveten hat und vorläufig auch sein Amt als Reichswährungskommissär behält, wivd tat Kabinett über seine Aussprachen mit den engRfchen und hollandischen Financiers berichten. Sein Referat wird die Grundlage bilden für die Beratung über die Golduotenba.uk, und im Zusammenhang damit über die Frage der Errichtung eines rheiirisch-westphälischen Goldnoteninstitntes. Die BerschwSmngen i» Japan. Paris, 8. Jänner. Einer Havas-Meldung zufolge sollen in Japan neue Zeichen einer gegen das Kaiserhaus gerichteten Verschwörung entdeckt worden sein. In Schanghai wurde ein Komplott aufgedeckt, welches darauf hinausging, den Prinz-Regenten, aus den erst kürzlich geschossen wurde, am Tage seiner Hochzeit zu ermorden. Es wurden sehr strenge Maßnahmen getroffen. Me MlMrherrschaft in Sachsen. Berlin, 8. Jänner. (Wolfs.) Nach einer vom „Lokailanzeigcr" wiedergegebenen Meldung der „Dresdener Bolkszeitung" über die Denkschrift, welche die sächsische Regierung über Ansforderung des sächsischen Landtages bezüglich der Mißh-and-lnngen von Zivilpersonen durch Angehörige der Reichswehr znsainmeu.stellen soll, hat der Befehlshaber des Wehrkreises 1, Generallenrnanr Müller. der sächsischen Regierung ein Schriftstück mitgeteiü, worin er towt AMM Mi Die Reichsvegierung ha? Höe ZusiitMÜWntz M Errichtung eines solchen Institutes an die Erfüllung bej stimmter Forderungen geknüpft, die aber von Frankreich' abgelehnt wurden. Demgemäß wich das Kabinett wahrscheinlich van der Errichtung eines rhem-isch-west-i PhMischen Institutes absehen. Die Reichsvegierung wird sich in dem nächsten Tagen auch mit der Absicht der Entente beschäftigen, die militärische Kontrolle in Deutschland wieder aui^unehmen. Die Meldung des „Daily Telegraph", wonach diese Kontrolle schon am 10. d., also am Donnerstag, einsetzen sM, scheint zuzutreffen, doch ist an zuständiger Stelle noch nichts über Form und Umsäng der Aufsicht beka>nnt. Das Kabinett wird weiters über die Verhandlungen mit den Besatzungs-Mächten bezüglich der Ordnung im Ruhrgebiet' beraten. Die Antwortnoten FvarÄvoichs und Belgiens werden morgen hier emtreffen, doch ist aus der Presse bereits beikcmnt, daß sie ablehnend lauten. Nach einem Londoner Skmmmngsbericht hat d o n al d nicht die Msicht, für den Fall seiner Berufumtz an die Spitze der Regierung die britischen Garnisonen ans Köln a'bzulbevufen oder die Vertretung Englands in dev RelpamtionÄoknimission und m der BotschasterkonfevM-z aus^ulbassen. Nach seiner Nistcht muffe CnWcrnd auch an der militärischen Kontrollkommission für Deutschland teilnehmen, schon um peinlüche Zwifchenfälltz zu verhindern. e ihrer Drucklegung zur Prüfung vorgelegt werden. Generalleutnant Müller verbietet die Veröffentlichung des Schriftstückes oder -auch nur einzelner Teile desselben vor Prüfung und Genehmigung -durch das Wehrkreiskommando, K» Mentat auf Kemal Pascha. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Paris, 7. Jänner. (Havas.) Wie die Blätter (tu& S m yrna nrelden, hat «in Unbekannter eine Granate ins die Wohnung Mustafa Kemal Paschas geschleudert. Die Frau Kcnials wurde verletzt, wahveM der Präsident selbst unversehrt blieb. London, 8. Jänner. „Daily Expreß" berichtet aus A t h e n, daß nach einer Melduivg aus Mithlene M ustafa Kemal Pascha durch Bombensplitter schwer und s e ' n c F r a u weniger ernst verletzt worden sein soll. Kemal r-.ach Angora gebracht wplvden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.