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Wiener Morgenzeitung · 1924-01-06 · Heft 1757 (6.1.1924) · p. Seite 13

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1757 (6.1.1924)
Date
1924-01-06
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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Wien, Sonnkag W»ftf” MMr?v MtEMizeUEgs. 8. Jänner MZ MM Zusammenschluß zweier jugoslawischer Grotzbauke«. Aus Agram wird gemeldet: Wie wir von iuforntierter Seite erfahren, besteht der Waneine feste Jnteressgemeinschaft der ÜiSwen jugoslawischen Großbanken, der Laibacher Kreditbank (LjubljanÄa kroditna Lanoa) in Laibach und de>r SlavenSka Banka A. G. in Zagreb >rn der allernächsten Zeit in die Wege zu leiten. Zn diesem Zwecke wird die Slavenska Banka, welche Üe-amrtlich in Wien eine Filiale besitzt, bei der bevorstehenden Kapitalsvermahrung der Laibacher Kreditbank einen bedm- Lenden Mtienantvil der Neuemffsion übernehmen. Der auf diese Werse hörbeigeführte Zusammenschluß der borden Großbanken wird weiterZ auch durch Entsendung von Vertretern der SlavenSka BanTa in die Verwaltung der Laibacher -Kreditbank in Erscheinung treten. Herabsetzung der deutschen Roheisenpreise. Aus Berlin vrtrd gemeldet: Seitens des RoheifenverbandeS sind die Roheisenpveise^ entsprechend den geänderten Marktverhältnissen mit 1. Jänner hrabgesetzt worden. Die Grundpreise betragen ab Rhemisch-westfälische Werke, bezw. ab Süddeutsche Umschlagsiation für Hämatit 105, für Gießereiroheisen 98, für Gießerer- «ohöbsen 3 M, für Stabsiisen 105, Spiegeleisen je nach dem Mcmgangehalt 1A) bis 140 Goldmark, wobei die Preise nach Maßgabe der Frachtsätze und unter Berücksichtigung der ausländischen KomÄrvenz gestaffelt sind. Zur Wickdechevbeiführung normaler Verhältnisse und zur Besserung des Marktes werden auch die Zqhlunasoödmgungen gemildert und längere Zahlungsfristen gewährt. Strafverfahren gegen deutsche Banken und Bankiers. Wie die Mittagsblätter melden, hat die Staatsanwaltschaft gegen sine Reihe von Berliner Banken und Bankiers das Strafverfahren eingeleitet, da sie durch zu hohe Zmsenbevechnung und durch Belcntmrg mit verhältnismäßig hohen Banksbesen zu den ZcchlungsschwieviKÄten des LebensmittoHandels bckrgetragen haben. Rach der „B. Z. am Mittag" soll gegen etwa 60 Firmen de- Baufaches das Strafvieirsähren emgelmtet worden sein. RnUaudS Handelsbilanz wieder aktiv. Nachdem die russische Handelsbilanz im September vorigen Jahres vorübergehend «ine passive Gestaltung angenommen hatte, war sie im Oktober wieder aktiv. Die' Ausfuhr hat eure wesentliche Steigerung erfahren, während die Einfuhr, wenigstens dem Werte nach, zurückging. Gegenüber dem Monat September stieg die Ausfuhr von 20,14 auf 37,31 Millionen Pud (1 Pud gleich 16,38 Kilogramm) und von 18 auf 26,7 Millionen Rubel. Die Einfuhr erhöhte sich von 6,8 auf 7,06 Millionen Pud und ging von 20,7 auf 16,6 Millionen Rubel zurück. Fest sämtliche Warengruppen mit Ausnahme der Brennstoffe und chemischen Artikel zeigen «einen Rückgang der Einfuhr. Hingegen zeigt die Ausfuhr eine ftmcke Zunahme in der Gurppe der Lebensmittel, Rohstoffe und Halbfabrikate und einen Rückgang in der Gruppe von Fertigerzeugnissen. Der deutsch-russische Handelsverkehr. Der in Moskau eingetroffene Chef -der russischen Handelsvertretung in Berlin, Stomonjakoff, erklärte, wie die Russische Tcl.-Agentur meldet, Vertretern der Presse, daß der russisch-deutsche Handelsverkehr. dev im Oktober 1923 seinen Höhepunkt erreicht habe, gegenwärtig im Zusammenhang mit der Wirtschaftskrise in Deutschland etwas zurückgegangen sei. Die russische Einfuhr habe eingeschränkt werden müssen und auch die Nachfrage nach russischen Rohstoffen fei geringer geworden. Trotzdem bleibe Deutschland der größte Käufer für russisches Getreide. Im Jahre 1923 habe die Handelsvertretung nach Deutschland über eine Million Tonnen Getreide verkauft. Der Gesamtumsatz der Handelsvertretung habe im Jahre 1923 160 Millionen Galdrnbel betragen, wovon zwei Drittel auf die Ausfuhr und ein Drittel auf die Einfuhr entfielen. Die Zukunft der russisch-deutschen Handelsbeziehungen sei selbstverständlich aufs engste mit der Klärung der innen- und außenpolitischen Lage Deutschlands verknüpft, aber auch davon abgesehen. werde Deutschland stets für 'den Handel Rußlands und für «die russische Gesamtwirtschaft eine große Rolle spielen. Amerikanische Kredite für russische Genossenschaften. Nach einer Meldung der Russischen Tel.-Agentur hat der Eentrosojus den ersten Vertrag mit einem nordamerikanischen Vertragsgegner abgeschlossen. Der Vertrag kam mit der Internationalen Gesellschaft für landwirtschaftliche Maschinen zustande, bie den russischen Genossenschaften Kredit gewährt. Die Gesellschaft liefert Maschinen im Werte von etwa einer halben Million Dollar. Die Bezahlung ist durch das bei der National City Bank in New-Uork hinterlegte Depot der alten russischen Genossenschaft in Höhe von 2,5 Millionen Dollar sichergestellt. Ne Warenmärkte. (Eigenbericht der „Wiener Morgenzertung".) Haute. Auf dem letzten Warenbörsenverbehr wurden weder Ledernoch Hautepreise ausgenommen. In Deutschland hat fett einigen Wochen die Abhaltung regelmäßiger Versteigerungen eine Unterbrechung erfahren, weil man sich über die Zahlungsbedingungen mcht verständigen konnte. Die Häuteverwertungen, «das Hecht die «auf genossenschaftlicher Basis arbeitenden, Zusammenschlüsse der Metzger, verlangten von. 'den Auktionskaufern möglichst schnelle Bezahlung der Auktionskäufe, u. a. die Erlegung eines größeren Teiles der Kaufsumme noch am Tage' der Auktion. Die Käufer erklärten die Erfüllung dieser BedinMUgen für technisch undurchführbar. Nur in Süddeutschland war es möglich, noch Auktionen abzuhallen. Die führenden mittel-, nyrd- und ostdeutschen Häuterverwertungen verkauften ihre Ansammlungen freihändig. Auf dem Wild Häutemarkt ist im Gegensatz zum deutschen Markt die Situation durchaus fest. Es haben sowohl in Südamerika als auch in Ostindien lausend umfangreiche Verkäufe stattgefunden, wobei vorwiegend deutsche Interessenten als Käufer anftraten. Auch auf den Haupttransithafenplätzen, wie Antwerpen, Aursterdam, Rotterdam. Hamburg. Triest, herrschte bis in die letzten Tage hinein ein durchaus lebhafter Verkehr in ollen überseeischen Provenienzen. Auch europäische, außerdeutsche Gefälle waren in der letzten Zeit ziemlich lebhaft begehrt, so daß aus fast allen Ländern belangreiche Umsätze und geringe Bestände gemeldet werden. Baumwollgarne. Gegen Schluß des vorigen Jahres ließen die Preise um 2 bis 4 Punkte nach. Es notieren: Nr. 5/10 Bengalkops pro März-April —.79 Dollar. Nr. 16 11a Surat —.92 Dollar, Nr. 20 1 Dollar, Nr. 16/24 Halb Amerika 1.04 Dollar. ' Nr. 36/42 Mittel Amerika 1.30 Dollar, Nr. 42 1.32 Dollar, Nr. 16/30 Rein Amerika 1.15 Dollar pro Kilogramm ab Fabrik exklusive Packung. " Bmirnwollzwirrre. Auch diese Artikel lagen von 2 bis 4 Punkte niedriger. Es notieren: Nr. 10/12 Bengal zwei- und dreifach pro März-Avril -.85 Dollar, Nr. 16/2 Ha Surat 1.03 Dollar, Nr. 20/2 1.11 Dollar. Nr. 20/2 Amerika 1.25 Dollar, Nr. 30/2 1.35 Dollar, Nr. 40/2 Prima.1.50 Dollar pro Kilogramm ab Fabrik exklusive Packung (trocken, mittel, naßscharf, 1 Kabel-Cents Aufschlag pro Kilogramm). Rohe Bmlmwollgewebe blieben unverändert. Es notieren: 80 Zentimeter 15/14 20/20 pro Februar-März —.84 Schweizer Franken. 15/15 20/20 —.87 Schweizer Franken, 87 Zentimeter 19/19 ,80/30 —.89 Schweizer Franken. SO Zentimeter 19/17 36/42 —.62 Schweizer Franke», 87 Zentimeter 19/21 36/42 —.73 Schweizer Franken pro Meter, ab Fabrik, exklusive Packung, die letzten drei Posten transit Wien. den, schlechten Gang des Mchlgeschäftes läßt auch dar Absatz tu Weizen und Roggen beinahe alles zu wünschen übrig, Jugoslawischer und 'neurumänischer Weizen, 79 bis 80 Kilogramm, ctftte-Itc 1.63 tschech. K. ■ bähnftei Wien. Ungavffcher Roggen, 70 >bis 75 Kilogramm, _ 2735 K. inklusive Stauer Wien. In Braugerste standen für Primagualitäten höhere Preise in Geltung, für Mittelsorten wurden gleichifalls Mehtzfordernngen gestellt, die teilweise auch bewilligt wurden. Von sonstigen Geödeten wäre zu erwähnen, daß Hüffe,ffvuchte preishaÄend fWb, dagegen wurde Hanfsaat in rmgarischer Ware AS 16.000 K. pro Kilogramm bezahlt. Es notieren pro Kilogramm ab Wien exklusive der Pauschalwarenumsatzsteuer r Weizen inländischer 8225 bis 3255 K., jugoflawischer 3450 bis 3526 K., Roggen inländischer oder slowakischer 2726 bis 2825 K., ungarischer 2725 bis 2775 K., Gerste tschecho-slowakische 2950 bis 3350 K.. 1.45 biS 1.65 tschech. K., Marchegg Futtergerste 2300 bis 2503 K., Mais 2900 bis 2300 K., Neumais 2750 bis 2850 K., Cinguantin 3100 bis 3200 K., Hafer 2400 bis 2600 K., Reis Burma 5300 bis 5500 K., Hirse 2000 bis 2300 K., Weißbohuen ungarische 6000 bis 6200 K., Kartoffeln inländische 750 bis 1200 K., Nüffe inländische 9600 bis 10.000 K., Pflaumen L 25 Kilogramm studiert in Kisten 80/85 11.000 K.. 95/100 9000 K., Preßhensüßes österreichisches 1660 bis 1550 K.. Rittstroh 800 bis 850 K. üb Station. Leinsaat §200 bis 6400 K» Hanffaat ungarische 12.000 KjS 16.000 K., Repskuchen 2650 tli 2700 K.. Malz 5200 bis ,400 K., Wicke 2500 bis 8000 K, Weizengrieß inländischer 6200 bis 6300 K, Weizenmehl inländisches Nuller 5700 bis 5800 K., ungarisches 5000 bis 5100 K., (2.45 bis 2.55tschech. K.), amerikanisches Vollpatent hochklassig 6200 bis 6600 K., Brotmehl inländisches In 4000 bis 4200 K., Futtermehl In 2360 Sts 2450 K., Ila 1900 bis 2000 K., Noggenmehl inländisches ln 4250 bis 4350 K., Weizenkleie inländische 1276 bis 1326 K., ausländische 1250 bis 1275, Roggenkleie 1150 bis 1250 K. Baumwollmartt. Aew-Pord» 4. Jänner. Baumwollzufuhren in den atlant. und Golfhäfen 20.000, im Innern 12.000, Ausftchr nach Großbritannien —, nach den, Kontinent —. Lokalmarkt middling: 35.25 (letzt. Kurs 35.65). Tendenz: Kaum stetig. — Termine: Jänner 34.24. Februar —, März 34.80. Avril Mai 34.35, Juni Juli 33.98, August 31.35, September 29.25, Oktober 28.40, November 28.15, Dezember 27.00. Börse für landwirtschaftliche Produkte. (Eigenbericht der „Wiener Morgenzeitung".) Die -Nachfrage auf dem Wiener Markte erstreckt iicii in erster Reihe auf Fiuterstoffe, die bei günstiger Nachfrage und nnzur eichendem Angebot günstige Unterkunft finden. Auch die Verteuerung der Frachtsätze hat dazu deigciragen. daß eine Erhöhung der Preise für Hafer und Mais in prompter Lagerware cingetr-eten ist. Da? Geschäft in Weizenmehl ist nahe der Stagnation. Durch den Beschluß der tschecho-slowakischen Regierung. ein Einfuhrkontingent für ungarische Mehle für den Monat Jänner nicht zu bewilligen, hot die Tendenz auch auf dem Wiener Platze eine neuerliche Adstbmächnng erfahren, da man der Ansicht ist, daß die hiesigen Konsignationslager an ungarischen Mehlen, die für -den Verbrauch der Tsch-echo- Slowakci gedacht find, auf die Preise drücken dürften. Durch Die Jevisenknrse. Berlin, 5. Jänner. (Devisenkurse.)*) Amsterdam 1,625.925 (1,625.925), Belgien 188.528 (189.525), Christiania 618.450 (613.463), Kopenhagen 758.100 (750.120), Stockholm 1,137.150 (1,132.163), Italienische 188.528 (189.525), London 18,254.250 (18,254.250), New-Nork 4,189.500 (4,189.500), Paris 213.465 (216.458), Schweiz 751.118 (761.118), Spanien 550.620 (541.144), Wien 61'845 (60'847), Prag 137.680 (127.680), Budapest 220-946 (220-946), Sofia 30.922 (30.922), Belgrad 48.978 (48.378). *) In Millionen von Vdark. Berlin, 5. Jänner. (Notenkurse.)*) — Noten: Dollar 4.189.500 (4,189.500h Pfund 18,254.250 (18.254.250), Italienische 191.520 (192.518). Polnische 458.000 (526.000). Tschechoslowakische 127.680 (128.179). Oesterk. gestempelte 60'849 (60 349). *) Jn.Millionen Mark, ausgenoWnen polnische Mark. Budapest» 5. Jänner. (Kurse der Devisenzentrale.) — Amsterdam 8020 bis 8460, Bukarest 114.— bis 127.—, Kopenhagen 3730 bis 3950, Christiania 3075 bis 3295/ London 91.600 bis 96.000, Berlin bis —Italien 915.— bis 970.-. Baris 1040.— bis 1106.—, Prag 621.— bis 665.—, Stockholm 5610 bis 5940, Zürich 8700 bis 3920, Wien 0.30 bis 0.3220. Sofia 153 — bis 164.-, Belgrad 239.— bis 253.-, New-Nork 21.400 bis 22.500, Warschaus) 0.20 bis 0.80), Brüssel 920.- bis 975.-. t) Für 100 polnische. Maul Warschau» 5. Jänner. (Devisen.) Berlin —, Lon» bmt 31,100.000, New-York 7,230.000, Prag 211.000, Wien 98.—. New-Vorst» 4. Jänner., (Devisen.) London 429.25, Paris 489.50, Berlin 0.22,5 für 1 Billion, Mailand 429.25, Zürich 1742.25, Kopenhagen 1757.—, Stockholm 2641.—, Christiania 1448, -Amsterdam 3775.—, Prag 291, Wien 0.14, Budavest 0.51,5, Bukarest 50.75, Warschau 0.00016, Madrid 1277.—, Helsingsors 248.50, Brüssel 432.—, Kanada 2^/,s unter pari, Brasilien —, Argentinien , Belgrad 112.12. Copyright 1924 J» Ladyechnikoff-Verlag, Berlin. Nacbdrurk verboten (50. Fortletzung.« Mel Moses. Roman von Schalom Asch. Oft dachte sie an Charlie und versuchte sich in ihver Phantasie vorzustellen, tvas geschehen wäre, wenn sie den Onkel nicht geheiratet hätte. Ein ganz anderes Leben stieg vor ihr auf. Sie sah sich als Arbeitermädchen, als Stenographin m ernem Bureau sitzen und acht Stunden im Tag arbeiten, sah sich Charlie, helfen, damit er die Universität beendigen könne. Und finden Abend wartet er ans sie vor dem Bureau, sie beide gehen in einem billigen Lunch-room essen, gehen zusammen spazieren, zu einer Vorlesung oder in eine Bibliothek. Wenn sie etwas einkanfen will, treffen sie einander am Samstag nachmittags vor einem großen Warenhaus. Sie hat ihren Gehalt bekommen und nun suchen sie beide ein Kleid für sie aus. Charlie muß sagen, wie es ihm gefällt, sie zieht das Kleid sofort an, Charlie den neuen Uebergie.her und lsie gehen zusammen zu einer Matinee... Damr wurde ihr das Leben langweilig. Bei Tag, tvenn der Onkel nicht da war, füllte sie die Stunden mit Träumen aus — doch die Abende waren für sie furchtbar. Sie tvar der Porzellanhund'e und -katzen und des abgeschmackten, geschliffenen Glases, überdrüssig, das aus allen Winkeln glänzte, stumm war, nichts sagen konnte/ jeden Tag sich gleich blich und sich nie veränderte. Jeden Abend dieselben Zimmep, dieselben Lampen und derselbe Onkel! Dasselbe Lächeln, dasselbe „Mascha, dear darling"; die Langeweile zusammen mit dem alten Onkel war unerträglich. Mascha bekam jeden Abend Kopffchmerzen vor Langeweile. Wie nian sie in schlechter Lnft bekommt . . . Jeden Abend dasselbe: das blöde Essen, zwecklos und unnötig — hie und da Kino, so oft dieselben freud- und lustlosen Eltern, welche durch übertricbeue Güte und Untertänigkeit lästig fallen. Die Miitter treibt Potiiik mit den Angestellten M GesihD rwEk den Landsleuten bec Familie und der Onkel und der Vater erzählen einander gemeine Witze. Und iXinn die beschämen>den und fcfjniaditcnb'cu- Nächte, beschämend durch künstlich geweckten Reiz und beleidigt durch ohnmächtige Begierde, in denen sic das Gefühl hat, als wäre sie von leblosen Strahlen aus einem kalten Glas gewärmt, als wäre sie ein jilngcs, starkes Füllen, Ivelches mit papierenem Gras gefüttert wird. . . Oftmals karn Sam an den Abenden zu Besuch. Er verfolgte Mascha schotr lange mit seinen.stumm beredten Blicken, und als das Leben ihr ^langweilig wurde, begann sie die stumm bettelndeil Blicke zu beachten. Sams Gesicht glich dem des Onkels, doch cs lvar jünger und kräftiger, die Nasenflügel lebten noch und die Unterlippe zitterte vor Kraft und Frische. Er war der Onkel, nur jünger und brutaler, sprach viel, lachte viel an derr Aben>dcn und zeigte die starken, weißen Zähne, welche ztvischen den Lippen hervorlngten. Und tvenn sich Mascha manchmal vergessen wollte, :bonn stellte sie, sich dem jüngeren und brutaleren Onkel vor . . . Sam befolgte den Rat seines Vetters Manes: „Mach dich an die junge Frau heran; was du beim Alten nicht hast erreichen können, das wirst durch sie. erreichen . . Und so oft er Gelegenheit dazu hatte, erwies er Mascha Aufmerksamkeiten. Erst geschah es aus Anhänglichkeit ans Geschäft. Doch als er begann, sie näher zu betrachten, als er ihre Stille und ihr leidendes Schiveigen bemerkte, da rührte ihn etwas. Er verliebte sich in sie. Ihr zu Liebe löste er die Verlobung, tvelche er seiner Geschäftskarriere zuliebe eingegangen war. Seine Empfindung zu Mascha beeinflußt'c sein Benehmen. Er schwieg und wagte mit keinem Wort, mit keiner Betvegung, sie. zu beleidigen oder seiner Empfindung Ausdruck zn geben. Er war viel mit ihr allein, begleitete sie oft. vom Geschäft heim und verbrachte mit ihr die Abende, da der Onkel mit seinen Versammlungen und Vereinen beschäftigt lvar. Er vertrante ihr alle seine Pläne und fra.gte sie um Rat wegen seiner Verlobung. Das brachte sie ihm näher. Und Sam vmrde ihr ein ivahrer, ergebener Freund. Sein Gefühl für sie tvnrde so stark, daß der Bursche bereit war, alles für sfe zu tun. Ihr zu Liebe änderte er sein AmWren. Es wurde, anständiger und schöner. Da er sich vor ihr im besten Lichte zeigen wollte und nicht wußte, womit er dies tun konnte, begann er einen deutschen Tempel zn besuchen. Er vermeinte, damit tvürde. er Mascha gefallen. Er lernte englisch schreiben und begann sogar Bücher zu lesen. Auch seine Art, sich zu kleiden, änderte sich. Sam evwies Mascha stille, ergebene Treue, itnfr diese Treue machte ihn edler und schöner. 3. Im Hause 'herrschte Stille. Die ^Hausmädchen ginge« auf den Zehenspitzen umher, als wäre ein Toter im Hause. Nur von ferne., aus einenr im äußersten! Ende der Billa gelegenen Zimmer drang unterdrückte Bewegung. Eine Tür ging auf und zu, ein Instrument klirrte, ein kurzer Befehl wurde leise gegeben und Tritte gingen still und behutsam. Inr Salon, welcher selten benützt wurde und durch die Kälte des Unbewohntseins einen unheimlichen Eindruck machte, ging der Onkel ruhelos auf und ab, biß die. Nägel vor Ungeduld und sein Gesicht )var bleich und verzerrt von einigen schlaflosen Nächten. Seine Augen leuchteten in Furcht und Hoffnung. Er biß sich in die Finger und murmelte. vor sich hin: „Vater, Mutter — Gott — hilf mir — ich will alles tun, alles, alles — nur hilf nur — laß sie nicht leiden, Vater — laß sie nicht, es ist doch zum Erbarmen — o, o." In: nächsten Zimmer gingen Schritte, jentand lies durch, der Onkel stürzte hin. „Was gibt es, Schwiegerinutter? Was?" „Gott hilft, Mossche, Gott Afft — schweige. Der Toiior ist drinnen." ,/O Gott, Hab' Erbarmen! — Vater, einziger Vater!" In einer einzigen Minute flog sein ganzes Leben an ihm voriiber. Cr erinnerte sich an alles, was er getan hatte; es ivar ihm, als stünde jemand hinter ihn: und lasse ihn nicht zu seinem Lebensziel^kommen, lasse ihn nicht das werden, tvas er wollte. Erst jetzt'hatte er klar cmpfnndetl, wovon er vorher gar nichts gewußt hatte. (Fortsetzturg folgt.) a

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