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Wiener Morgenzeitung · 1924-01-06 · Heft 1757 (6.1.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1757 (6.1.1924)
Date
1924-01-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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ClazelmumnerK 1000 Wien: Zum Abholen in der Expedition, II.,Taborstr. 1-3, oder in einer Verachleisstelle (Trafik) monatl. K 28.000 Strassenverkanf in Wien dureh die Kolporteure der Firma Goldschmiedt, 1.8er., Wonzeile 11. Mit Poetversand für Wien u. Oesterr. monatl. K 28.000 Taehech o-SIowakei: Mon. K17. Jugoslawien: Mon. DinarfiO. Polen: Mon. polnische Mark 2,200.000, Deutschi.: Mon. Gold* mark 3.—, Frankr., Belgien: Mon. Fres. 10 HF* N»chrthlunsr««! "VW b«i Preuerhahungmi. Vorbehalte» WWWWWMWWW»«WW Rr. 1757 ♦ Gedächtnis verlor TAOORÖTft Polen: po!n.HMOOOOO Italien: Monatl. 12 Lire, Rumänien Mon. 130Lei. Bulgarien Mon.75 Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Fres, 3 Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrasse 1—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab6Uhrabds.l9-483,25-282 Tel.- Adr.jj.Morgeüzeitun?“ Wien Me«. Sonntag. 8. FSnuer 1924 Oösterreichisches Postspar' kassen-Konto Nr. 150.693 8. ZaHrganü VoriLMg leine NattonMemng der Eisenbahnen und Gruben. Paris, 8. Jä-rmer. (Tel. d. „Wr. Asorgenzeitun^.) Ueber die Lage in London laßt sich der „Temps" von einer diplomatischen Persönlichkeit berichten, daß nach der heutigen Rückkehr Ramsay M a e d o n a l d s nach London eine Besprechung der Führer der Arbeiterpartei siattgesnnden habe, die sich mit der Politischen Situation befaßte. Ueber die Haltung der Liberalen zur kommende» Arbeiterregierung bestehe heute kein Zweifel mehr, nachdem Lloyd George im „Daily Ehroniele" erklärt habe, die Liberalen würden die Arveiterregierung so lange unterstützen, als deren Programm keinen sozialistischen Charakter tragen werde. Man glaube, zu wissen, daß es die Absicht der Arbeiterführer fein werde, sich der jeweiligen Taktik auzupaffen und ungefähr ein Jahr lang die Regiernngsgefchäfte zu führen, bevor man an Neuwahle« herantreten werde. Die RationälifierungSpläue fsir Eisenbahn und Gruben sowie Besteuerung des Kapitals werde» Gegenstand von KommifsioWmttersuchungen bilden und erst von deren Beschlüssen wird die Haltung der Regrsmng bestimmt werden. Man vermutet, daß der Sturz BÄdwinS am 17. v. erfolgen werde. Am 18. d. wird dann das Unterhaus vertagt werden, während inzwischen Maedonald seine Regierung bilden wird. Am 29. d. oder 30. d. wird das Unterhaus seine Arbeiten wieder anfnehmen. * London, 5. Jäunex. (Tel. b. „Wr. Morgenzsitung".) Der PropagandaKes der konsewativen Partei Jackson erklärte gestem, daß nach st-iner Ansicht irgend eine Koalition die Ve-vnei.nu.ng der Prinzipien identen würde, aus Grund de.ren ibic letzten Wahlen vollzogen wurden. Die Liberalen und Konservativen.könnten außerdem durch, eine Koalition nichts gewinnen, sondern im Gegenteil nur ver- Neren. . . Unter diesen Umständen sieht man deu Gang der Ereignisse wie.folgt voraus:. Nachdem >das Unterhaus am nächsten Dienstag eröffnet sein wird, wird die ZÄ bis MM 15. d.,'ldas ist bis zur feierlichen Eröffnung der Session durch >den König, mit der Prüftmg der Mandate und der Vereidigung der Abgeordneten ausgefüllt Werden. Nachdem, der König am 15. d. die Thronrede verlesen haben - wird, werden dem Brauche gemäß, zwei Mitglieder der Arbeiterpartei die in «der Thronrede enthaltenen Vorschläge befürworten. Daraus wird R a m s a y M a e d onal d in-, terven-ieren und einen ZnsatzaNtrag zur Dankadresse auf die Thronrede, Vorschlägen, worin d i e R e g i e- LUiNgZPolitrk getadelt wird, Darauf wird , die Sitzung voraussichtlich ohne weitere Diskussion' auf den 16. d. ver t a g t werden Und erst an, diesem Tage die Debatte über den Zusatzantrag der Ar-, beiterpartei^beginnen. . Asquith sowohl wie Lloyd, Georg.« werden längere Reden halten. Baldwiu wird, voraussichtlich noch «n. .^tfeßtetr S3tzuM-Mf die Reden i seMyi aüErten und die' Bdd Ma n e nH f r a g e ' stellen. ' , - - - 7'- - - Da aller. Wahrscheinlichkeit nach. das Wtinrstermm dabei zu Falle kommen 'wird, wird die Session für zehn Tage unterbrochen weMn, um dem Könige Ze.it zu lassen, die Ministerkrise zu lösen. Verfassung §- gemäß wird der König Ramsay Macdonald als Führer der schärfsten Oppositionspartei m i tderB 11 düng der Regierung beauftragen. Baldwiu ist neuerlich nach seinem Landgut in der Grafschaft Woreeftershire abgereist. Er wird erst Dienstag zur Eröffnung des Parlaments wieder nach London zurück¬ Frankreichs Antwort. Mglichkeit direkter Berhaudlungen zwischen Reichsregienmg und Besatzungsbehörden. Paris, 5. Jänner. (Tel. d. „Wiener Morgenzeitung".) Ueber den Inhalt der französischen Antwort auf die letzte deutsche illote erfährt der „Temps" aus diplomatischer Quelle, daß am Quai d'Orsay bereits die ausgearbeitete und von Poineare gutgeheißeue Antwortlwte vorliege und nach Brüssel übersendet wurde. Die Note beantwortet Punkt für Punkt die deutsche Denkschrift. Wie der „Temps" bemerkt, sei unter den deutschen Angaben eine ganze Reihe Tatsachen enthalten, die im Moment zwar nicht annehmbar seien, doch ■bieten sie die Möglichkeit; u direkten Verhandlungen zwischen Regierung und Besatzungsbehörden. Brüssel, 6. Jänner. (Tel. d. „Wiener Morgenzeitung".) Jaspar hat den französischen Antwortontwurf auf die deutsche Note vom 24. Dezember erhalten und geprüft. Der französische und der belgische Antwortentwurs werden im M i n i st e r r a t am n ä ch st e n Dienstag geprüft werden. Es verlautet, daß die beiden Entwürfe in versöhnlichem, aber entschiedenem Geiste abgefaßt seien. Aufhebung des Paßzwanges mit dem besetzten Gebiet. Paris, 5. Jänner. (Tel. b. „Wr. Morgenzeitung".) General Degoutte hat eine Verordnung erlassen, daß die für das. altbesetzte Gebiet seit dem 1. Jänner geltenden Verkehrserleichterungen auch auf das'Ruhrgebict auszudehuen sind. Nunmehr ist der Paßzwang beim Verkehr zwischen denr besetzten und unbesetzten Gebiet a u s g e h o b e m worden. «»»^^«L«US»SW«»IW,aSHUvrca»»a»MMS«aw»»S»S»MSS»»»»W«WW»UW Kn neuer MarMftenputfch? Berlin, 5. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgen- Mung".) We aus Ludwigs Hafen gemeldet wird, imb Anzeichen dafür vorhanden, daß in den nächsten Tagen ein neuer Separätistenputsch zum Ausbruch kommen werde. Massenhaft tauchen separatistische Banden auf, die von den Franzosen reichlich mit Waffen versehen werden, die der deutschen Bevölkerung äbgenonlmen wurden. Slls Anzeichen für den drohenden Putsch muß es auch bezeichnet werden, daß die französischen Züge größere.TransPorte von Separatisten nach Ludwigshafen bringen. Ein verwandter H e l f f e r i ch s, eine größere Anzahl von R egierungs beamten und B ttr ge rm eiste rn wurden in der dortigen Gegend in Haft gesetzt. Gn Mischer Friedenspreis. 50.000 Dollar. Wie R e u t c r aus B o st o u me-Mt, hat ein lüdis ch L r Kaufmann mmi Preis von 50.000 Dollar für big basten Vorschläge' zur baue rü de n Sich e ru ng das Friebens ausgesetzt. Frankreich, Italien, E u g l a n d und wahrscheinlich auch D e u t s ch l a n d werd'en sich an dem Wettbewerb beteiligerr. Bon ver zionistischen kxekutive. Die Sondertagung des A. C.-Präsidiums verschoben. London, 5. Jänner. (I. T. A.) Wie die I. T. A. erfährt, hat die Zionistische Exekutive die für den 3. d. zwecks Besprechung der politischen Lage angeordnete Sitzung der Mitglieder des Präsidiums des Großen Aktionskomitees mrd je eirres Vertreters der ancrknuutcll Fvaktionen bei* Zionistischen Organisation verschoben. Das gestörte Gleichgewicht. —y. Wien, 6. JKnner. Ende April dieses Jahres sollen die Neuwahlen zur ftauzösischen Kammer ftattfinden.. Die Ueberzeugung, daß sie die gründliche Wandlung im Urteil der französischen Wähler über die Regierungspolitik zum Ausdruck bringen werben, ist ziemlich allgemein man erwartet von ihnen das gleiche Resultat wie Von dom großen Wahltag in England, unter dessen politischem Eindruck sie stattsinden. Es ist vielleicht schon die Eskömptierung.des kommenden Ereignisses, - wenn das offizielle Frankreich sich heute schon zu einer mtlbmut Stellung in der Reparatioirsftage bereit zeigt, wennder einem schwungvollen Gruß an die Atorgenröte. des Friedens schmückte und der Pvemiernnnister Poineare sesire Botschaft an das amerikalüsche Volk mit der-Versicherung seiner ftiedlichen Absichteil verband. .Einstweilen sind das freilich nur festliche Redensarten, die zu nichts verpflichten und von der OeffeMlichkeit auch, als nichts anderes gewertet werdep. Aber in früheren Zeiten ist nicht so gesprochen worden und da der-Ton die Musik macht, darf man vielleicht annehmen, daß hier, eine Konzession an das andere Frankreich erfolgte, das bisher kaum.zur Geltung kommen konnte und in tatenlosenr Zorn dem Unheil znsehen mußte,- bas zwischen Frankreich und Deutschland imnver tiefer sich einfraß. Es ist gut'eingerichtet, daß es auch für die Mächtigeir der Erde Augenblicke gibt, in denen sie an ihr Volk deMn müssen, - dem sie' Rechenschaft zu geben haben. Das- Urteil der Weltgeschichte, das sie sonst enrphatisch als inappellable Instanz anerkennen, ist eine, höchst prMemati-sche/Angelegenheit. Bis es erfließt, sind sie nicht mehr da. Aber das Votum der Wähler ist ein greifbares Ding von eine dringlicher Beweiskrast. Es erhebt und stürzt, es' setzt Tatsachen. Und darum miissen die Gewalügeir, Ivo immer sie sitzen, sich rechtzeitig auf das Einlenken vorbereiten. .In dem französischen Falle aber gibt es außerbenl noch eine Reihe von Momenten, die einer Fortführung der bisher betriebemn Politik '. mit derr bisherigen extremen Mitteln nicht -genehm sind. Kein Staat kann für die Dauer den Egoismus zum höchsten Prinzip seines Lebens nehmen. Jede Aeußerung seines Willens ruft Reaküonen in der Nachbarwelt hervor und läßt Ihn erkennen, daß auch große Staaten nicht allein aus der Welt sind und sich nicht über Lbensrnteressen anderer organisierter Gemeinschaften hinwegsetzen dürfen. Die Mttelmächte haben dies an ihrem Leib erfahren und das Rußland des angewandten und vernewerten Atarxisnrus ist aus der europäischen Wirtschaft - hinausgÄrängt worden. Auch Frankreich macht jetzt diese bittere Lehre durch. Seine Frankenwährung ist schon seit geraumer Zeit ins Gleiten Mr-aten und die Abwärtsbewegung hat feit einer Woche ein beunruhigend rasches Teinpv eingeschlagen. Die Erörterungen der Pariser Presse suchen natürlich irgend eine geheimnisvolle Verschwörung gegen den Kredit des Landes. In deutschen und polnischen Landen ist in solchen Fälleir der Jude der Siindenbock. In Frankreich hat man die Deutschen fiir diese Rolle gemietet rmd so paradiert in den Blättern ein Kongreß deutscher Bankiers, der am 6. Noveinber in Frankfurt tagte und am 13. November seine Mion an der Amsterdamer -Börse begann. Ein-solcher Vorgang wiirde immerhin auf der Linie der Möglichkeit liegen, wie es ja sicherlich französische Bankiers geben wird, die an der Wiener Krone und der Papiermark fest verdienten. Die Ursache des Fraukensturzes aber ist. die militaristische. Politik des französischen Kabinetts, das unter dem Diktat des Generalstabs steht und alles Maß und Ziel verloren hat.-Dieses politische System, das immer weiter ausgreist, ein Land nach dern anderen in seinen Bann zieht und getreulich in allen Spuren wilhemmischer Tradition wandelt, hat zuerst den . Widerspruch der Politiker und nun auch den aktiven'Widerstand der Völker erregt. Der Franken stürz ist rnchts anderes als die ins Finanzielle übersetzte Reaktion der Märkte, aus denen sich der Grad des öffentlichen Vertrauens ausdrückt. Die französische Regierung, die von ihrer Oeffentlichkeit zu Gegenmaßnahmen gedrängt wird, hat die Absicht, zu Polizeiinaßnahmen zu greisen und hat die strengste lleberwachung der ans Mitteleuropa nach Paris drängendcit Börsenhyäncn alnzeordnet. Aber sn braucht doch nur die Berichte ihrer Wiener diplomati'

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