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Wiener Morgenzeitung · 1924-01-03 · Heft 1754 (3.1.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1754 (3.1.1924)
Date
1924-01-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Wien: Zum Abholen in der Erp*ditiom,n.,Taborsh\l-3, oder in einer Verachleigstelle fTrafik) monatl. K 28.000 Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmiedt, I. Bez., Wollzeile 11. Mit Fostversand für Wien u. Oesterr. monatl. K 28.000 Tgcheeh o-Slowakei: Mon. K17. juffoslawien: Mon. Dinar50. Polen: Mon. polnische Mark 2,200.000. Deutsch).: Mon. Goldmark 3.—, Frankr., Beiyen: Mon. Frcs. 10 *N«ohB«»»lunsren **• Preiierhöhna8*n Vorbehalten?Tpi Nr. 1754 Wn tkXti Moderne Laster VTAftORSTR/^ VXJL lener Wien. Lonnerrtag. 3. giftntet 1924 Italien: Monatl. 12 Lire, Rumänien Mon.130l.ei, Bulgarien Mon.75 LeWa, Schweiz und das übrige Ausland monatlieh FrraT3 Redaktion u, Administration Wien, II., Taborstrasae 1 -—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab6Uhrabds.19-48335-282 Tel- Adr.:HMoryenzeitung’<< Wien Oesterreichisehes Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 6. 3lchrgang mlM Ae tschechischen BorschKse sertigsesteltt. — Beginn Lsr Verhandlungen anfangs Februar in Wien. - Prag, 2. Jänner. (Tel. d. „Wiener Morgenzeitung".) Gestem fand eine neuerliche Beratung über die Redaktion der tschechischen Forderungen gegenüber Oesterreich bezüglich der kommenden Handelsvertragsverhandlungen statt. Vorderhand werden lediglich die gewünschten Zollnachlässe für die tschechischen Waren zusammengestellt, während laut „Prager Tagblatt" die Forderungen für die Ein- und Ausfuhr .inem spateren Zeitpunkt Vorbehalten bleiben. In den Beratungen, an denen alle Ministerien, Handelskammern und Jndnstrieverbände teilnahmen, wurde in der Frage dein Jndustriezölle eine Einigung erzielt. Ebenso wurden Zollforderungen der landwirtschaftNchen Industrie für die landwirtschaftlichen Produkte endgültig revidiert. ' . Die tschechischen Wünsche werden in den nächsten Tagen der österreichischen Bundesregierung übergeben werden. Die tschecho-slowakisch« Delegation begibt sich in ihrer bisherigen Zusammensetzung wieder nach R o m, um die unterbrochenen Verhandlungen Wer einend Tarifvertrag zu beenden. Meich danach werden die Verhandlungen in Wien beginnen und später in Prag fortgesetzt werden. Da die römischen Konferenzen ungefähr drei Wochen beanspruchen dürsten, werden die Verhandlungen in Wien ungefähr anfangs Februar ihren Anfang nehmen. In der ZiyischeWit werden die tschechischen Zollwünsche von den zuständigen österreichischen Stellen «ich Körperschaften beWachtet werden. Mdmrg eia« Weralea Mikr. veam Budapest, 2. Jänner. (Tel. d. „Wiener Morgen- Zeitung".) In der morgigen Sitzung der Nationalversammlung wird von der Opposition die Csongrader Bombenaffäre zur Sprache gebracht und im Anschluß daran der ganz« Komplex der damit zusammenhängenden Fragen aufgerollt werden. Die Opposition ist entschlossen, sehr scharf auszntreten, will jedoch, wie sie verlauten laßt, nicht gegen die Stellung der Regierung ankämpsen. Sie WM die Regierung zu einem entscheidenden Schlag gegen die Bombenhelden zwingen. Sie hat zu diesem Zweck eine gemeinsame Front gebildet, welche folgende Forderungen stellen wird: 1. Auflösung aller illegitimen Verbände, darunter des Vereines der „Erwachenden Magyaren. 2. Maßnahmen gegen die rechtsradikale Presse und ihre Hetze. 3. Ausschaltung jener Elemente aus der Regierungspartei, welche mit den Rechtsrcünkalen sympathisieren. Heute abends soll behufs gemeinsamen Auftretens ein liberalen Block gebildet werden, der die Durchführung der morgigen Debatte nach gemeinsamen Prinzipien vorbereitet. Wie verlautet, wird der Ministerpräsident Graf Bethlen auf die Interpellationen sofort antworten. Die Untersuchung der Behörden gegen die Teilnehmer an dem Attentat gegen bas Elisabethstädter Kasino mach! weitere Fortschritte. Alles weist darauf hin, daß auch hier der in Haft befindliche Marffy der geistige Urheber war. Marffy stellt sich seit zwei Tagen wahnsinnig, doch ist er bereits als Simulant entlarvt. Immerhin wurde er den Aerichtsärzten zur Beobachtung überwiesen, doch wird die Untersuchung gegen ihn fortgesetzt. Aue gemeinsame Deklaration der Ltzpofitiou. B u d a p e st, 2. Jänner. (Tel. d. „Wiener Morgenleitung".) In der heute abends stattgefundenen gemeinsamen Konferenz der liberalen und bürgerlichen Oppositionsparteien und der Sozialdemokraten wurde der Beschluß gefaßt, die Stellung der Opposition zu den Ereignissen der jüngsten Zwischenfälle und überhaupt zu der Regicrungspolitik in einer Deklaration zu Präzisieren, die morgen in der Sitzung der Nationalversammlung zur Verlesung gebracht werden soll. Gegenstand der Deklaration bildet nicht nur das Csongrader Bombenaltentat, sondern alle Ereignisse und Ausschreitungen ^der letzten Jahre, die '-'.sgesamt den Beweis erbringen, daß dje BMsxZAg gegenüber gewissen Fcktoren nicht gcffftt bnr Situ atio« sei. In der Deklaration fordert die Opposition die Regierung ans, Farbe zu bekennen und, ohne Siückficht nach welcher Seite immer, Ordnung zu schaffen. Rach der Auffassung der Opposition ist nicht das Attentat von Cfongrad, so bedauerlich es auch ist, daS ausschlaggebende Moment der gemeinsamen Kundgebung, sondern die Zustände, die anläßlich dieses Verbrechens an den Tag gckommen find, nämlich, daß eine Brigade der Erwachenden bestehe« kann, die über Sprengmittel verfügt.«nd daß illegitime Organisationen trotz gegenteiligen Erklärungen der Regierung ruhig weiterbestünden. Der Erfolg der eingeleiteten Untersuchung in der Bomvenaffare habe die Opposition nicht befriedigt. Sie fordere daher die Aufdeckung allen Aufchläge, die Bestrafung der Rädelsführer, die Auflösung des Vereines der „Erwachenden Magyaren", Verhängung des Standrechtes und Versetzung des Landeskommandantenhanptmannes Nadassy, in besten Amtstätigkeit die meisten Verbrechen fallen. Piroska - ein degradierter LWer. Budapest, 2. Jänner. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Der Urheber des Csongrader Bombenattentats, Johann Piroska, der heute Ms Szegedin nach Budapest gebracht worden war, wird morgen nach Szeged in zurücktrausportiert werden. Das Honvedministerium hat nämlich im Verlauf der Untersuchung festgestellt, daß gegen Piroska vor einigen Monaten ein ehrenrätliches Verfahren im Zuge-war. Piroska hat vor einiger Zeit eine Jüdin unter Zusage der E h e v e r f ü h r t; als das Mädchen Piroska Msfovderte, sein Versprechen einzuhalten, lehnte dieser ab, woraus das Mädchn die Anzeige erstattete. Im Verlaufe der von dem Distriktskommando eingeleiteten Untersuchung wurde Piroska seiner Offizierscharge entkleidet, so daß ex also nicht mehr das Recht hatte, als Offizier auszut reten. Er wird daher als Zivil ist vor dem gewöhnlichen Strafgericht sich zu verantwortenhaben. GHa Adp^jan, dessen Stame in Berbindimg mit dem BomhenatMtat wiederholt genannt wurde, ist heute auf der Stadthauptmannschast einem Verhör unterzogen worden, in dessen Verlaus er auch über die Verbindung Hejjas und Pronays zum Attentat gefragt wurde. Darauf verweigerte er jedoch jede Antwort. Nach Abschluß dieses Verhöres Wurde er zur Jnternic- ^ug nach Zalaegers-eg gchMt. Zwischen Paris Md Moskau —5. Wien, 8. JSnuee. In dem von der. „Wiener Morgengeitung" Ms. zugswerse widergegebenen Neujnhrsartikel des tschechischen Außenministers Benesch werden als die schwierigsten Fragen der europäischen Politik die Anerkennung Sowjetrußlands und der deutsch-französische Könstzkt hervorgehoben. In dieser Problemstellung gibt der tschechische Minister die GruMinien seines Systems bekannt, das vor kurzem durch den Abschluß des Bündnisvertrages mit Frankreich so viel AufmerksarrchM und Auftegung geweckt hat. Noch find die Borstadien dieser Konvention zu wenig bekannt, für deren Zustandekommen die durch die englischen Wahlen eingeleitete Umgruppierung der englischen Öffentlichkeit matzgebend gewesen sein muß. Die Arbeiterpqrtei hat Leitsätze, nach denen sie die Regierung zu führen gedenkt; scharf formuliert. Sie wünscht die Anerkennung des russischen Sowjetsystems urckden Abschluß vonHrElS- Verträgen mit ihm und sie Ml dem englff^n Interesse bei der Behandlung der Reparationsfrage wieder mehr Raum schaffen. Diese Ankündigung, die in dem Verlangen nach Revision des VersaÄer Vertrages ihren präzisesten Ausdruck fand, wurde von Frankreich Wtt dem bekannten Artikel des ,Semps" beantwortet,, her eine Jdenütät der russisch-französischen Interessen herauskonstruierte. Dieses Themas ist in den-P«ssekommentaren zu dem Benesch-Poinoarsschen IWommen sehr eingehend variiert worden, und auchdie tschechische Presse wies gerade auf diese wunde Ste^ der eurMischen Weltsorgen mit ausfallender Befliffmcheit , hm. KaM Vas^ Weh urü» AEMs "diesem Mntte ckMert werdey, dann Ware deiS'WWmsmus MWaE verständnH, ^der in seiner Neujahrsvede allerhand morgenrote Aspekten an die Wand: malte. Aber hier dm asiatischen Interessen Englands in greifbare Nähe ge- -raten, so wird man gut tun, den bisher leBer btzwährten Skeptizismus einstweilen nichtauftugeiben. FAr Konflikte zwischen England und Frankreich ist wieder Stoff genug vorhanden. Die afghanische Drohung mit der Ausrufung des Emirs zuni Kalifen ist kaum in die Welt gesetzt und schon lanciert man aus Rußland die von dieser Seite einigermaßen heiter anmutende Ankündigung, es könne auch m Kasan, dem Zentrum des russischen Jslamisnms, ein solches Oberhaupt erwählt werden. Für die Türkei würde eine heillose Verwirrung die Folge sein. Es gibt einen abgesetzten Kalifen, der in Indien lebt, und einen in Konstantinopel; wenn nun einer in Kabul oder Herat, ein vierter in Kasan und vielleicht ein fünfter irgendwo von arabischer Seite aüsgerusen würde, so wäre das, wenn man die Art des orientalffchen Temperaments bÄerckt, der Anlaß zu ebenso vielen blutigen Kriegen und eine schwere Belastung Englands; das sich zum mindesten gezwungen sehen würde, seine Kräfte auf den Orient zu konzentrieren. Die nachstgrvßte europäffch-mohayirnedainsche Macht wäre dann Italien, das gleichfalls durch die zwischen Paris und Moskau angezettelte Kalrfengeschichte vollauf beschäftigt würde und gleichfalls nicht mit seiner vollen Macht in der ReParationSfr-ige mit-- sprechen könnte. Auf diese Weise bekommt' Frankreich freie Hand und kann seine auf die völlige Unterdrückwg des deutschen Gegengewichts gerichtete Tätigkeit fortsetzen. Bis zu einem gewissen Grade ist dies bevetts gelungen. Für Deutschland bedeutet das abgelaufene Jahr den vollkommenen Zusammenbruch seiner pöüüsEn Stellung, und es kann dafür niemand anderen verantwortlich machen als jene Regierung, die es im Banne der nationalistischen Hetzereien zu dem Einmarsch der französischen Truppen in das Ruhrgebiet kommen ließ. Der Minister Rathenau, der von den Völkischen ermochet wurde, hatte gerade diese ^hose des Repavatioysstreites immer zu verhindern gewußt, weil' dies eine Tatsache schaffte, um die nur schwer hinwegzukonunen war. Die Regierung Cuno ist aber noch kverter gegangen. Sie hat den Pasiiven Widerstand gegen die Frayzosen organisiert, die Stillegung der Gruben und Wecke geföÄert und an vier Millionen Menschen durch fast zehn Monate aus Reichsmitteln .erhalten. Das überstieg die Kräfte -des Staates, und mit einer zerbrochenen Währung, mit einem gegen Verrat und Abfäll im Inneren kämpfenden Berivaltungsapparat nmßt« Deutschland kapitulieren und neue Verhandlungswege WS. W fegm <8 wmum und etet. ffesftrtww m

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