Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1749 (29.12.1923)
- Date
- 1923-12-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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CTZBrmrmimn Vdu Wien '/um Abho!en';n rer Expedition,'l.,Taboijstr. 1 “3, oder in einer Verachleiaatelle Srafikl nrnnall. K 9B.000 rassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldsehmicdt, 1.6er.. Wollzeile U. MitPostveraand för Wien n. Oecterr. monatl. K 28.000 Tacheeho-Slowakei: Mon. K 17 lugoalawien: Mon. Dinar 50. Pole«* Mon. polnische Mark 2,200.000. Deutsch).' Mon. Gold* mark 3.—, Frankr.. Belgien: Mon* Fr ca. 10 I* Nach* thtuagen 'Ml PrelMrhShanreo Vorbehalten Kotter, dein Kind ruft iKfiiehooSlowaliil i tschech. K1.- Italien: Monat). 12 l.ir« Rumänien Mon. 1301 ei Bulgarien Mon.75 f.ewi Schwei? unH das uhri« Ausland monatlich Frcs. i Redaktion n. Adminiatratioi Wien. II^Tahorstraaael—' Telenhone: 44-W.43-8.19 ah 6 Uhr abds. 19-483,25-28f Tel.- Adr.:.,Mor7enzeitun^ Wien Oeaterreichisches Poitapai kassen-Konto Nr. 150.691 Nr. 1749 Bien. Samstag. 29. Dezember 192$ s. rrakrglmg f er Repnrntionsnnsschnß tritt Mitte Sännet zusammen. Keine Konfiskattünsvraxis geplant. Las Land der Bomben. - y. Wien, 29. Dezember. In Csorigrad bei Szegedin haben Erwachende das Wohltätigkeitsfest eines jüdischen Frauenvereins überfallen und eine Handgranate unter die harmlos Tanzenden geworfen. Zwei Personen blieben tot, einige Dreißig sind schwerer oder leichter verletzt. Die Polizei hat einige Verhaftungen vorgenommen, die in der Mehrheit Mitglieder der Csongrader Evtvachenden- Kolonie betreffen. Budapest ist entrüstet. Die gesamte Presse verurteilt den ruchlosen Anschlag und sogar die Organe der Rassenschützler rücken von den Mördern ab. Tibor Eckardt hat erklärt, solche Schurken gehörten an den Galgen. Weshlab die Entrüstung? Die Csongrader Tat unterscheidet sich doch in nichts von den Men, die den Entwicklungsgang der christlichnationalen Politik von dem ersten Tage ihrer Herrschaft angefangen bis heute markieren. Als unter Horthys glorreichem Kommando die Gänseftdern-Armee von Szegedin zum Entsatz Budapests marschierte, da bezeichnten Galgen mit jüdischen Opfern, gemordete jüdische Frauen und Mädchen ihren Weg. Als sie sich in Budapest festsetzte, wurden die Keller der Kasernen und Hotels zu Foltevstätten, in denen die Hejjas und Konsorten ihren sadistischen Patriotismus übten. Es gab Scheußlichkeiten und Erpressungen, die mit Politik nichts, aber auch gar nichts zu tun haben, es gab die Affären Landau und Hamburger, es gab die Pogrome von Siofok, Iszak, Orgovany und etlichen anderen Orten; Bomben wurden geworfen, jüdische Leichen fand man mit gefesselten f yden in der Donau trerben, 'der Demokrateniklub. rzte während eines Bankettes unter Bombenwürfen zusammen und begrub ein halbes Dutzend Menschen unter seinen Trümmern. Bor der französischen Botschaft fand man eine Bombe, ein Abgeordneter und ein Zeitungsherausgeber bekamen Höllenmaschinen per Post zugestellt. Und stets gab es das gleiche Bild. Die Regierung, die Presse, die Oeffentlichkeit waren entrüstet, di« Polizei nahm einige Personen fest und ließ sie dann wieder frei. Und stets war der Kreis, in dem sie nach den Tätern suchte, der gleiche: der Verein der weißen Garden, der unter dem Namen Gbredö für alle Zeiten in der Mordliteratur leben wird. Und stets waren es die gleichen Kreise, die diesen Verein in ihren Schutz nahmen, die regierenden Offiziere, di« über den Reichsverweser Horthy so vieles wußten, daß er sich mit ihnen solidarisch erklären mußte. Dies hatte die selbstverständliche Folge, daß auch die einander ablösenden Regierungen Ungarns, denen vor dieser Sippschaft bange wurde, alle Energie wieder einstecken mußten. Es änderte sich nichts, die Erwachenden blieben die Herren des Landes, dessen Namen für immerwährende Zeiten ihren Stempel trägt und in dessen Wappen sie ein für allemal die Bombe als Zeichen eingebrannt hüben. Auch jetzt wird es niemand wagen, die Mordbuben vor den Richter zu stellen. Das wäre auch darum ein untaugliches Mittel, weil doch auch die Richter Erwachende sind. Die ganze ungarische Gesellschaft, die das Land Vevlvaltet, sein Rechts- und Schulwesen in Händen hat, ist faul und krank bis in die Knochen hinein. Es kann keine Heilung und keine Hilfe für das unglückliche -Land kommen, dessen Volk ohnmächtig ist und dessen beste Söhne in das Ausland gejagt wurden. Aus eigener Kraft kann sich Ungarn nicht erholen. Es ist unwahr, daß es durch den Friedensvertrag so tief getroffen wurde. Nichts kann diesem Vertrag den Horthy und den Hejjas aufhalsen, ebensowenig, wie man den Hitler, den Roßbach und den Ehrhardt auf das Konto des Versailler Vertrages setzen daif. Aber es ist richtig, daß Ungarn heute nicht mehr die moralische Energie besitzt, sich gegen seine bewaffneten Peimnger zu wehren und daß nur eine Aktion von außen her den Pestherd ausräumen kann. Die Geschichte der letzten Anleihoverhandkungen hat die Schäden erkennen lassen, die dem Ansehen und der Haltung Ungarns zugefügt worden sind. Alle wort- und phrasenreichen Cvmrnuniques, alle Interviews und Beschönigungen der Staatsmänner können es für die Dauer nicht verhüllen, daß das Fiasko vollständig ist und daß Ungarn die Anleihe, die es zur Sanierung dringend braucht, nicht erhallen wird, so lange das System Horthys, das Regime der Bombenwerfer nicht zerbrochen ist. Und was vielleicht noch zu retten war, das vernichten die Toten von Gfongrad. London, 38. Dezember. Nach einer Meldung des diplomatischen Berichterstatters des „Daily Telegraph" wird der Reparationsausschuß etwa Mitte Jänner zusammentreten. Nach dem, was in britischen, amerikanischen und italienischen Finanzkreisen verlautet, sei die Aussicht auf einige gute Ergebnisse des zweiten Sachverständigenau ssch-usses, der sich mit der deutschen Kapitalflucht nach dom Aus'la.Ude befassen soll, keineswegs so hoffnungslos wie man anuehme. Wenn der Ausschuß von der Annahme ausgehen sollte, daß eine Konsislationspoliiik 1 das Ziel der all iirrte n Regierung fei, würden sich die Arbeiten als fr u ch t lo s erweisen, da ein solches Vorgehen durch die allgemeinen Gesetze der meisten in Bv, tracht kommenden Staaten ausgeschlossen.sei. DÜ Sachverständigen der oberwahnten Länder hätten indes keinerlei derartige Absichten; sie seien vielt mehr der Meinung, daß den Interessen sowohl der Alliier, ten als auch Deutschlands selbst am besten gedient würde wenn Maßnahmen getroffen würden, die die fteiwillige Rückkehr eines großen Teiles -es ausgeführten Kapitals nach Deutschland veranlassen, um das Reich - mit. jenem Arbeitskapital zu versehen, das ihm augenblicklich fehle und dessen Mangel infolge der unsicheren inneren und äußeren Verbältnisie ein Hauptmerkmal des äugem blicklichen finanziellen und Wirtschaft» lichen Zusammenbruches Deutschlands fei. gndnstriellen'Berhkmdlnmien in Paris. Frankreich soll ein« 30proz«ntige Beteiligung an den deutschen Industrie» erhalte». .Paris, 28. Detzembe-r. Der dewische JMstrielte Arnold Rechberg ist.heute in längerer Audienz von P-oineare Wpfcmgsn wordey. Fevner haLte. er plmischZlde BchpvechMWN «öfr. P e rett i.dela- RoevämA Bartho u sowie "nitä-' zahlreichen GwßinVuIstrtelliLN und PM-Wem. Ferner wurde er auch von Manschall Fach empfangen. R-echiberg entwickM« in einem Interview im ,M<»tiin" feiitt bekanntes Programm einer 30.prozentigen Bet eilignng der französischen Industrie an den deutschen Jndustriieunternehlnungen. Laut seinem Eniwurf soll Frankreich Mater den deutschen Betrieben Me a-uswälhlen, die den sichersten Ertrag Miofern. Diese Unternehmungen sollen ihr K-api- W »t 80 Prozent erhöhen, die dem französischen Staat Übergaben würden. Sie kntwertung des Franken. Alljährliche Festsetzung der GetreidehSchstpreiseS. Paris, 27. Dezember. Wegen der Schwankungen des Geldwertes hat der Ministerrat beschlossen, alljährlich durch Dekret den Getreidehöchstpre is festzusetzen. Der Senkungs-, beziehungsweise St^gerungskoeffizient des Zollsatzes wird den Schutz des Getreideanbaues sichern. Das Verhältnis der Preise für Getreide, Mehl und Brot wird sich vorbehaltlich der -Korrektur je nach der in Frage kommenden Gegend nach einer Skala bestimmen. Stteintonntfees Audgelvrodisorium in Frankreich. Paris. 28. Dezember. Die Kammer und her Senat haben ein Budgetproviso-rium für Jänner und Februar 1924 für . das Budget der von Deutschland rückzuerstattenden Ausgaben angenommen. Weiters wurden die Vorlagen betreffend die Ermächtigung zur Emhebung der Steuern im Jahre 1924 und betreffend die Aufnahme von Krediten zur Aufbesserung der Beamtenzulagen angenommen. Fnterpellationsdekatte in der franMchen Kammer. Paris, 28. Dezember. In der Jnterpellationsdebatte der Kammer über die auswärtige Politik der Negierung ergriff der radikale Abgeordnete Reynaud das Wort, um über die Re-- pavationspolitik der Regierung zu interpellieren. Er erklärte, er glaube nicht, daß es gelingen wende, eine große internationale Anleihe nnterznbringen. Die werde weder in Amerika noch in England stark gezeichnet werden, denn die beiden Länder fürchten, Fvankveich seine Lasten zu erleichtern. Redner führte weiters ans, Frankreich könne nicht immer wie eine Säule auf der einen Seite die Feindseligkeit Deutschlands und auf der anderen Seite die Feindseligkeit Englands tragen. Das Nuhrgebiet sei für Frankreich ein Mittel gewsen, um feinen Willen zur Geltung zu bringen. Er müsse bedauern, daß im Srptömber, als Deutschland sich für b.siogt erklärte, i Frankreich nicht sofort Verhandlungen begonnen habe. Redner erklärte, man müsse endlich in einer loyalen Weise nmt der deutschen Regierung verhandeln. Es sei atbeg notwendig, damit zu beginnen, daß mau den d, Nischen Re« gier-ungen, die verhandeln. wollten, ihren Bestand sichere. Frankreich könne Reparationen und Sicherheit' nur erlangen, wenn es diesen Weg einMa-ga. / . , . \ Thüringen Mer ReichsnnffM. Weimar, 28. Dezember. Auf Bestreben der bürgerlichen Parteien Thüringens und des thüringischen Bauernbundes ist von der Reichs regieru-ng der Reichskommissär K ü n z e r mit Referenten der Reichsministerien als B e a u f t r a g« t e t gernäß Artikel 15 der Reichsversassung zu den thüringischen Ministerien entsandt worden, um die Ausführung der Reichsgesetze durch die thüringische Landesregierung zu beaufsichtigen. Das Staatsminiisterinm hat aus formalen und sachlichen Gründen gegen das Vorgehen der Reichsregierung Verwahrung eingelegt. Im übrigen ist den Beauftragten der Reichsregievnng die Möglichkeit gewährt worden, ihren Auftrag ausgufühven. Die Beauftragten werden voraussichtlich Ende dieser Woche ihren Auftrag ausgeführt haben und alsdann Weimar wieder verlassen. Der Reichsindex finkt weiter. ■ Berlin, 28. Dezember. Die GrohhanVelsmdexziffer ist nach dom 18. Dezember uni 3 5 Prozent zurückgegan." gen, namentlich iu-folge der Senkung der Getreid e-. und der Ruhrkohlenpreise. Bayern« Föderaiifiernngsmfinschs. München, 28. Dezember. Die bayrische Staats reg ierung beabsichtigt in den nächsten Tagen der Reichsregierung eine i Denkschrift über eine Revision der Weimarer Verfass ung in föderalistische m Sinne zu übermitteln. Dr. Benesch Referent fiber die Wrfifinngsfrage im Völkerbund. Prag, 28. Dezember. In der letzten Sitzung deL B ö l k e r >b u n d r a t e s wurde beschlossen, daß Doktor Be ne s ch, der vom 1. I ä n n e r au Mitglied ist, die Berichterstattung über die Abrüstungsfrage übernimmt. Beniselos an der övitze der neuen griechischen Regiemng. Paris, 28. Dezember. (Tel. der „Wiener Modenzeitung".) Die griechische TelogaiE, die vor einigen Taigen von Athen nach Paris abgevchst \\t, mn Ven U selos zur Rückkehr nach Griechenland zu bewegen, ist heute in Paris angekommen und von V e n -i s e l o s empfangen worden. Die Delegation teilte ihm mit, daß die Mehrheit des griechischen Volkes den Wunsch hege, Ve n i se l o s an der Spitze der neuen R e-gr rung zu sehen. Sowohl die MMvärtige Regierung als auch das Revolutionskomitee würden sich in dtestm Falle zurückziehen und V-ewiiselos volle Aktionsfreiheit lassen. Venifelos teilte der Delegation mit, daß er der Einladung Folge leiste und wahrscheimlich nächsten f Sonntag'von Paris abreiseR weche.