Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1923-12-25 · Heft 1746 (25.12.1923) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1746 (25.12.1923)
Date
1923-12-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2979076-2980477-2980828--17207-3004191
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

HralwnirtntfKlOOO Wien: Zorn Abholen in dev Expedition, HM T aborstr.1 -3, oder in einer VerachleiMtelle (Trafik) monatl. K 28.000 Strassenve'rkauf in Wien dorck die Kolporteure der Firma Goldschmiedt,I«Bex., , Wonzeile 11. ■ MH Postversand für Wien o. Oeeterr. monatl. K 28;0Ö0 Ts ch e c h o- S I owi k e i: Mon. K17 ioffOalawien: Mon. Dinar 50. Polen: Mon. ßat.K 22.000. Dentach!.: Mon. oat.K 28000. Fr a o b r., Belgien: Monatl.Frer. 10 tr NaetitahlaBcan MW PtatarfcStumt** veftwtialtM icncr tschech. K '1.~ Italien: Monatl. 12 I .ire Romünien Mon. 130Lei Bulgarien Mon.75 Lewa Schwei? und das obrisr« Ausland monatlich Frea. H Redaktion u. Admintatratior Wien. H.,Tahor*traaae1—2 Telenhone: •'*^*3^,43-3-19, ab 6 Uhr abda. 19-483,25-282 Tel.- Adr.:„Mor?enzeituog** Wien Oeaterreiciiiachea Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 9lr. 1746 «^MMMMWWUWWWUWWWWnUWVWUWWWWWWWWWWWWWWWWPWWWWWWWnWWWWWWWWBWWWWWWWV^MMl^laH Wie«. Limstag. 25. Dezember 1923 S. AMmv» Die nächste Nummer unseres Mattes ers scheint chonsterstäg den 27. d., morgens, zur gewohnten Stunde. Ne Zudenstage in der Ladour- PolM. Ilr. Wien. 25. Dezember. Man kann heute noch nicht mit Bestimmtheit sagen, ob der Führer bcij bei den letzten englischen Wahlen fiir das Unterhaus siegreich gebliebenen, Arbeiterpartei Dir. ststmfah Ma^doneld wirkst ck d'<> Regierung übernehnteu 5 der ob es Baldwin nicht doch nou.) gelingen wird, diese letzte .Nvn,-'ljueuz ,enter Wahlniederlage durch irgend ein taktii'ckes Mittel hintanzU'- Hallen. Macdonald selbst wciit in seinen Rcdm und auch Interviesvern gegenu."r auf die Anstrengungen Baldwins und seiner fernen hin, das Ruder des Staats schiffes in ihren Händen zu behalten. Wie immer es jedoch kommen möge, so bleibt doch das eine sicher, daß, wer immer formell die Geschicke Großbritanniens in den nächsten Monaten leiten wird, dies nicht ohne völlige Rücksichtnahme auf die Wünsche der Arbeiterpartei wird tun können. Es ist zweifellos, daß die Richtung der englischen Politik in der nächsten Zukunft von der Politik der Labour Party direkt oder indirekt beeinflußt sein wird. Für die jüdischen PrMeme, durch die heute 'die Politik der meisten Staaten in mehr , oder minder hohem Maße berührt wird, ist der Ausfall der englischem Wahlen und de? Steg der ArbeiherpaWi > yM mW zw Irnter^ schätzendes WichtrWL' In äljlen das igesamte Judentum f Berührenden Fragen war die englische Arbeiterpartei die einzige Politische Partes nicht nur in England, sonders in der ganzen Welt, die in diesen Fragen einen bedingungslos demokratischen Standpunkt verfocht, und darin bis aus den heutigen Tag konsequent blieb. Wir wißen aus den Dokumenten über die Vorgeschichte der Balfour-Deklaration und des Palästina-Mandats Englands sowie aus den verschiedenen Aufsätzen Ramsay Macdonalds, daß die englische Arbeiterpartei und ganz ^besonders ihr als Regierungschef in Aussicht genommener Führer in dieser Erlösungsfrage des jüdischen Volkes stets eine Politik verfocht, die beweist, daß die englische Labour Party im Gegensatz zu den Arbeiterorganisationen der übrigen Welt sich trotz ihrer sozialististischen Weltanschauung oder gerade' auf Grund ihres politischen Bekenntnisses zu der Ueberzeugung durchgerungen, daß die ganze Welt dem jüdischen Volk eine alte, aber nimmer verjährende Schuld abzutragen habe und daß diese Schuldtilgung nur durch die Wiederausrichtung des alten Jndenlandes als nationale Heimstätte für das jüdische Volk erfolgen könne. Doch die englische Arbeiterpartei hat sich durchaus nicht mit der platonischen Anerkennung dieser Forderung des jüdischen Volkes begnügt. Vom Tage des Waffenstillstandes bis in die letzten Tage hinein sind die Führer des Labour in Wort und Schrift st'jr die ehrliche, uneingeschränkte Erfüllung der Verpflichtungen eingetreten, die bas britische Reich durch die Uebernahme des Mandats auf sich genommen hat. So oft die Gefahr, drohte, daß arabische Intrige oder konservativer Wankelmut die Balsour- Deklaration und die englische Erfüllungspolitik in Palästina ins Schwanken bringen könnte, traten die bedeutendsten Köpfe der Arbeiterpartei für die uneingeschränkte und unverkürzte Einlösung des gegebenen Wortes ein. Und um dieser ihrer Politik Nackdruck zu verleihen, haben die bedeutendsten Männer der Arbeiterpartei, Macdonald, .Oberst Wedgwood und andere den Weg auch, in die Reihen des jüdischen Volkes selbst gefunden, um, wie. Wedgwood in Amerika, die Zweifelnden und Wankelmütigen unter den'Juden aufzurütteln und sie zur Erfüllung auch ihrer Pflicht zu ermahnen. Es schien immer, als riefen die Führer der englischen Arbeiterpartei dem jüdischen Volke zu: Kommt, kommt, uns zu Hilfe, in unserem Kampfe für euch selbst! Die aufrichtige Demokratie der englischen Arbeiterpartei konnte es selbstverständlich auch nicht dulden, daß das jüdische Volk in den Ländern der Diaspora aus die undemokratischeste Weise rechtlos werbe und ein Leben der Verfolgung und.Unterdrückung führe. In Ungarn und in Polen, den beiden Ländern, in denen die Jndenschast in der Zeit der großen Erschütterungen am meisten Mch bei Poimare. ©in Memorandum der Reichsregierung. — Deutsche Hoffnungen. st Die schwierige Rheiulandsrage. Paris, 24. Dezember. '(Tel. der „Wr. Movgenzeitung".) Ministerpräsident Poincare hat heute nachmittags den deutschen Geschäftsträger v. tzoesch empfangen. Drr Geschäftsträger überreichte dem französischen Premier ein ausführliches Memorandum der deutschen Regierung, in welchem zum Reparations- Problem, zur Ruhrstage und den Rheinlandsstagen Berhandlungsvorfchlage gemacht werden. Soweit bekannt, ist die Note der Rekchsr sterrmg in ohr entgegenkommendem Tone gehalten. Der Schritt der deutschen Regierung findet in den Pariser Blattern mannigfache Beurteilung. Es wirdie Notwendigkeit einer Aussprache betont, vor allem mit dem Hinweis daraus, daß der Ausfall der Wählen in England neue politische Möglichkeiten eröffne. Einige Blätter geben auch dem Bedauern Ausdruck, daß zwischen der Ankündigung des neuen , deutschen Aus Paris wird gemeldetr Laut Meldüngen der Blätter aus Angora hat die türkische Regierung bekarrntgege-en, daß die Chester-Konzession annulliert sei. * Die stgeuaimte ChÄ-'rkörrzeisv'i» * n'Hche' ch ln f'vanMschen PoMiischen Kwistn -i'eimerMit mit loHastivm Mißbehagen aufgelwmmen wurve» ist eine Abmachung der Angiri" regierung mit den.'Vermieten Staaiten von AmeMa, welche diesen bedeutende Vorteile Bet der Ausbeutung der' vorder- M-aoischen PeitvolenmfelSer sichern würde. Die Konferenz der kleinen Cntente. Belgrad, 24. Dezember. ^. (Tel.. der „Wiener Movgenzeitung".) Die nächste Konferenz der kleineu Enten-te findet, wie Nunmchr . definitiv b-estinmrt ist, am 12. Jänner 1.924 in Belgrad statt. Auf der-Tagesordnung stehen als die'wichtigsten Punkte die Aufnahme Polens in 'die kleine Entente, die Frage der Aufnahme der diplomatischen Beziehungen mit Rußland.sowie die ungarische Anleihe. Ueberdies wird auch die. allgemeine politische Lage, welche besonders durch die englischen Wahlen und die bevorstehende Ansnahm der deutsch-französischen Verhandlungen eine wesentliche Aenderung erfahren hat, Gegenständ.der' Besprechungen bilden. Schrittes und der Durchführung eine volle Woche vergangen sei; es scheine, daß das Kabinett Marx-Strcsemann in der Annahme, daß die neue politische Konstellation in England ihm zugute lammen würde, sein anfängliches Eiltempo, mit dem es aus die Verhandlungen hinarbeitete, verlangsamt habe^ Aus Poineares Rede geht hervor, daß die Verhand» lungen über die Rheinkarrdsragen am s ch w i e r i g ft e n zu lö'en sein dürsten. Poincare sicht die Rheinlandssrage als eine i n 1 e rn e. Angelegenheit zwischen Deutschland, einerseits, Frankreich und Belgien andererseits an und möchte diese Frage ans dem ganzen Komplex des Reparationsproblems so auslösen, daß die Alliierten Frankreichs in dieser Frage nicht mitreden. In dieser Auffassung des französischen Ministerpräsidenten liegt der schwierigste Punkt der kommenden Verhandlungen. st 1 London, 24. Dezember. Bon unterrichteter Seite wird mitgeteilt, daß das Unterhaus nach seinem Zusammentritt am 8. Jänner in den ersten drei Sitzungen mit der Wahl des Sprechers und der Vereidigung der 015 Mitglieder befaßt sein wird. Die Thronrede wird erst für den 15. Jänner erwartet. An diesem Tage wird die Debatte über die Antwort auf die Thronrede eröffnet werden, und zwar wird von seiten der Opposition ein Abanderungsantrag zur Antwort eingebracht werden, der auf ein Mißtrauensvotum gegen die Regierung hinauslaufen wird. Der Antrag wird von der Arbeiterpartei ans gehen. Da der Führer der Liberalen Asquith, erklärt hat, daß er nichts zu unternehme« beabsichtige, um die konservative Regierung , im Amte zu erhalten, so wird vorausgesehen, daß die Entscheidnng gegen die Regierung ausfallen wird. >♦ London, 24. Dezember. Die S p a n n u n g zwischen England und Afghanistan hat sich weiter verschärft. Die englischen Untertanen wurden aus Kabul zurückbeordert. England wird voraussichtlich den C h a i b e r - Paß sperren, um dadurch jedcn Verkehr zwischen Indien und Afghanistan zu unterbinden. zu leiden hatte — in Ungarn haben diese Leiden noch immer nicht ihr Ende gefunden—, da war es wieder die mächtige englische Arbeiterpartei, welche fiir die Rechte der Demokratie eintrat. Sie erhob Protest gegen das menschenunwürdige Verhalten der ungarischen Regierung. Entgegen den Versicherungen des offiziellen diplomatischen. Vertreters Großbritanniens in Budapest, daß die Klagen der Juden und Arbeiter in Ungarn unbegründet seien, und trotz der gleichlautenden Berichte oer Vertreter der übrigen Entente-Mächte bestand die englische Arbeiterpartei daraus, durch eine, eigene Kommission sich.pon den tatsächlichen Zuständen in Ungarn zu. überzeugen., Und Oberst Wedgwood, der diese Kommission führte, hat sich überzeugt, trotz aller Hindernisse und Beschönigungen, durch welche die ungarische Regierung fein Urteil zu trüben bemüht war. Man erinnert sich noch des erschütternden Berichtes, den Kolonel. Wedgwood nach seiner Rückkehr dem englischen Unterhaus unterbreitete und ment kann ruhig behaupten, daß von jenem Zeitpnnk an, da zum erstenmal von nichtjüdischer Seite der gejcmueit Kulturwelt -das Bild volitischer Verwahrlosung, wie es in Ungarn seit Antritt der Horthy-Herrschaft sich kundgibt, auch die ungarische. Regierung begann, den Antisemitismus der Massenmorde und der Plünderungen einzudämmern und wenigstens dem Scheine nach eine Politik 'der allmählichen Konsolidierung zu inaugurieren. Dieselbe Wirkung hatte seinerzeit die Tätigkeit der Unterfuchungskommission unter der Führung des Mitgliedes der Parteileitung Tom Shaw in Polen. Und es ist gar kein Zweifel, daß das Ergebnis der Verhandlungen des Grasen Bethlen in Paris ein ganz anderes gewesen wäre, hätte die Labour Party bei den letzten Wahlen nicht jene großen Siege errungen, die sie jetzt in den Vordergrund der politischen Enttvicklung Englands stellen. Der Sieg der englischen Arbeiterpartei ist eine Garantie fiir die friedliche Entwicklung, der ganzen Welt und im Rahmen dieser wahren Friedenspolitik kann die Judenfrage nur so behandelt werden, wie sie von Ramsay Macdonald und seinen Genossen bisher behandelt wurde. j,, i..j ij,s'j" i * ...

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.