Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1743 (22.12.1923)
- Date
- 1923-12-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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llnMlnnmmerK 1000 Wien Zum Abhoien in der Expedition, M^Taboratr.l »3, oder in einer Verschleisstcille (Trafik) monatl. K 9R.000 Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldachmiedt.I. 8er., Wollzeile 11. Mit Poatversand für Wien u. Oeaterr. monatl. K 28.000 Tschecho-Slowakei: Mon. K 17 Jugoslawien: Mon. DinarSO. Polen: Mon. oSt.K 22/100. Hentschl.: Mon. ost.K 28000. Frank*-., Belgien: Monatl.Frc». 10 mr N a e h * ■ h I u d t« n *XHV bei Pr«J*erhntium>en vortiehelteo MWWWWDWWWWWWWWWWW, lener mmmmmmmarn/rn Sir. 1743 Wien. Samstag, 22. Dezember 1923 T sehecho-SIONuakel l tschech. K 1.- Italien: Monatl. 12 f .ire, Rumänien Mon. 130!.ei, Bulgarien Mon. 75 l.ewa, Schweiz und da« übrige Ausland monatlich Frca. 3 Redaktion n. Administration Wien. II.,Tahorstraasel—3 Telephone: 44-n-W,4VM9, ab 6 Uhr abda. 19-483,25-282 Tel.- Adr.:, .Morgenreitung" Wien Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 3. Sabrgang M Entscheidung der Re-aratimskümmission. La« deutsche Anleiheausuchen wird den alliierten Regiernmen zur Prüfung vorgelegt. — Einladung der amerikauischen relegierten zur Teilnahme an den Beratungen. Parks, 21. Dezember. Die Reparalionskommission hat nach Prüfung des deutschen Ansuchens, worin verlangt wird, daß dem Kredit von 70 Millionen Dollar für den Ankauf von Getreide und Fell die Priorität vor den Revarationsverpflichtungen gewährt werde, einstimmig beschlossen: 1. Das deutsche Ansuchen den alliierten Negierungen zur Prüfung zuznweisen gemäß den Vellllumnugen des Artikels 251 des Friedensvertrages, der in dieser Beziehung die bejondere Zuständigkeit der Negierungen Vorsicht. 2. Das Garantiekomitee einzuladen, der Reparationskommisiion in kurzer Frist einen Bericht über die Lage zu unterbreiten, in der sich Deutschland in bezug auf Brotgetreide und Nährfette befindet. Die Reparationskommission bat ferner beschlossen, auch die zwei für das mit der Prüfung der finanziellen Lage Deutschlands betraute Komitee designierten amerikanischen Sachverständigen einzuladen. am 8. Jänner in Europa anwesend u Mit. General Daves wird ersucht werden, den Vorsitz in diesem Komitee zu übernehmen. Außenpolitik. Zer MMemMent bestreitet die Unterstützung der Wüschen i. — Ae Marationssmge. Paris, 21. Dezember. Sofort nach Eröffnung der heuigen NachmittagZsitzung der Kammer hat Poincare seine Rede über die AußenpolitikderRegierung begonnen. Er erklärte, daß diese in Uebereinstimmung mit den Gefühlen der großen Mehrheit des Volkes siebe. Im Gegensatz zu den Behauptungen des Abgeordneten Blum, lasse sich die Regierung in ihrer Außenpolitik n i ch t d u r ch W a h l r ü ck s i ch t e n beeinflussen. Der Abgeordnete Blum habe die Kammer aufgefordert, zwischen der sozialistischen Politik und der Regicrungspoliti-k zu wählen. Die Regierung wünsche nichts anderes, als daß die Kammer sich in dieser Beziehung in entschiedener Weise ausspreche. Poincare b e st r i t t dann, daß die französische Regierung jemals die bayrische Mouarchistenbewegung unterstützt habe. Fürst von I s e n b u r g sei n i e am Quai d'Orsay empfangen worden. Der französische Kommandant in München Richert sei von der französischen Regierung desavouiert und' gcmaßregelt worden. Die Nuhrsrage sei für Frankreich keine Prestigefrage. Es sei auch falsch, die Ruhrakt on für alle gegenwärtigen Üebel verantwortlich zu machen. Deutschland habe vor der Richrbesetznng die Einstellung aller Lieferungen während drei bis vier Jahren beantragt. Nach der Antwort C u n o s an Bonar Law hcr-be Frankreich überhaupt keine Illusionen nrebr dariiber gchegt, daß Deutschland nichts'mehr zahlen wolle. Die Vorschläge Deutschlands seien so U'n b e ftim m t gewesen, daß auch England der Ansicht gewesen sei, daß sie keine Berücksichtigung verdienten. Blum Werse der Regierung vor. bei der Einstellung des passiven Widerstandes nicht scfort Unterhandlungen erörtert zu haben. Er müsse sich aber fragen, ob der passive Widerstand heute überhaupt beendet sei. Am letzten Sonntag seien zum Beispiel die in D o r tmünd und Düsseldorf abgeschlossenen Abkommen wieder in Frage gestellt worden. Frankreich wolle endlich Taten sehen. Der Niedergam der Franken. Beunruhigung in New-Aork. New-Zork, 21. Dezvnliber. (Tel. der „Wiener Msvgen-- zcitung".) Der S t u r z ö e s französischen Franken hat hier unter den Besitzern französischer Effekten st a r k e Beunruhigung hervoraerusen uud die Gffekteubesitzcr veranlaßt, große Pakete von französischst Aktien auf den Markt zu werfen. 'Das Handel samt veröffentlicht m seinem letzten Wirtfchcrstsbcri'cht eine ans-sührliche amtliche Darlegung, in der geschildert wird, wie die Entiwertung des franMischen Frankens seit 1021 Fortschritte gemacht und seit der Nuhrbesetzung sehr e r n st e D i -m e n s -i o n c n angenommen hat. Tie amerikanischen Blätter stellen feist, daß die französische Wirtschaft von s ch w e r e n Erschütterungen bedroht sei, wenn der Niedergang des französischen Franken nicht aufgehalten werden könnte. i«»» um . Mepubli? oder Militärdiktatur. Athen. 31. Dezember. (Eigenbericht der „W'ener Morneme tung".) Die Revolution hat gesiegt, der König ist außer Landes, aber die innerpol'.llschen Berhältn'sse sind heute ebenso urmeklärt wie vor dem Regimcwechsel. Es gibt in Griechenland heute ver'ch'edene R'chtunaen. die alle e nii in denr Bestreben waren, die Dynastie zu stürzen, deren Politische Absichten aber jetzt nach dem Gelingen dieses Zieles noch n'cht fcststehen. Es heißt, daß die vön Oberst P l a st i r a s und dem Chef des Generalstabes M a v r ow '.Halis geführte revolutionäre Partei eine Militärd i k t a t u r anstrebe. B e n i z e l o s soll an die Spitze des Staates als Präsident treten. Zu diesem Zweck ist gestern e'.ne Delegation von elf Off zieren nach Paris gereist, um Venizelos zur sofortigen Rückkehr nach Griechenland zu veranlassen. Die Delegation wird Venizeöos ein Schreiben des Obersten Plast i r a s und des Regenten K o n d u r i o t i s überbringen. Eine andere Strömung der Armee verlangt ebenfalls die Rückkehr Benizelos, dem diktatorische Vollmachten zur Klärung der innerpolitischen Situation übertragen werden sollen. Diese Strömung tritt dcüür ein, daß die Militärverbände am Tage der Rückkehr Benizelos ihre Auflösnna vornehmen nnd sich nicht mehr Politisch zu betätigen hätten. Auch zahlreiche liberale Abgeordnete, darunter namentlich Ministerpräsident G o n a t a S, haben an Benizelrs telegraphisch das Ersuchen gerichtet, seine Rückkehr pach Griechenland behufs Uebernahme der Macht zu beschleunigen. Die'e K'v'se sind für die Einführung einer demokratischen Republik. London, 21. Dezember. (Havas.) Die Blätter melden aus Washington: Präsident Eooli.dgc würde die Einberufung einer neuerlichen internationalen Konferenz z n r B c, f ch ränk n n g der R ü st u ug e y in Aussicht nehmen, falls er die offizielle Zufichevnug erhielte, itajj seine Einladungen eine gute Äuftraiymc fanden. Die Gesellschaft des Staates. - y. 2ö i e n, 22. Dezember. lieber den Vortrag des österreichischen Bundes» kanzlers in der politischen Gesellschaft hat die „Wiener Morgenzeitung" berichtet. Es wurde daraus hingewiesen, daß der Bundeskanzler bei seiner Definition der Begriffe Staat und Gesellschaft die tatsächlich bestehende Konstruktion des Bürgertums nicht oder zu wenig berücksichtigt. Er hat darauf hingewiesen, daß die Gesellschaft, das ist das besitzende Bürgertum, die Pflichten gegenüber dem Staat und seinen verantwortlichen Leitern vernachlässigt, und daß sie, wie der Bundeskanzler an einem Exempel demonstrierte, dem Finanzminister nicht beispringt, wenn er entsprechend den Forderungen des Sanierungsbndgets die kulturellen Aufgaben des Staates vernachlässigen muß. Die Erklärung des Bundeskanzlers hörte sich wie ein verzweifelter Appell an, wie eine Flucht vor die Oeffentlichkeit, deren Aufmerksamkeit auf den so unsäglich traurigen Stand der Pflege der geistigen Dinge hingelenkt werden sollte und der der Chef der Regierung gleichzeitig auch eine Motivierung des kulturellen Verfalls liefern wollte. Aber die Gesellschaft, an deren Adresse sein Ruf sich richtete, hat so reagiert, wie dies jeder erwarten mußte, der ihren Aufbau kennt und der da weiß, welche Kreise für geistige Fragen Verständnis und Interesse haben. Es ist dies nur der jüdische Teil der Gesellschaft. Der Beweis dafür ist bereits erbracht. Der Präsident der Unionbank, Herr Siegmund * Bosel, hat sich, wie ein aus dem Kanzleramt kommendes Communique mitteilt, bereit erklärt, den im Interesse der wissenschaftlichen Forschung erwünsäften Mehraufwand" MSacherfordernissi dev MerM Universität zu bestreiten. Der Bundeskanzler dehnte diese Zusage auf sämtliche Hochschulen aus, und die Rektoren werden nun die nötigen Erhebungen pstcgen. Es ist sicher, daß die arisch-antisemitischen Kreise, die für das Hochschulwesen nicht das geringste innere Interesse besitzen und es ohne Bedenken hinsieäM lassen, an die Erklärung dieses Finanziers ihr Klampfel hängen werden. Et ist Jude und das wird den Kritikern, die da im Zeichen des Hakenkreuzes stolzieren, die Gelegenheit geben, tausendundeinen Grund stir seine Tat herauszutifteln und sie schließlich mit dem Brustton ihrer rassischen Ueberwertigkeit — nicht abzulehnen, o nein, sondern herabzusetzen und schließlich ganz zu eskamotieren. Aber alles, was sie sagen können und was so dem geistigen Inhalt dieser Spatzengehirne entspricht, schafft doch die Tatsache nicht aus der Welt, daß die „Gesellschaft", nämlich die, die wahrscheinlich der Kanzler meinte und die den Nörglern bluts- und stammesverwandt ist, daß das vielbesungene bodenständige christlich-deutsche Element sich die Tasche zuhielt urd daß der jüdische Besitzende dies nicht tat. Daß somit den Hochschulen Hilfe kommt von einer Seite, die man an diesen selben Hochflbulen-nicht dulden will. Denn die Hoch-, schulen sind ein sicherer Besitzstand des Hakenkreuztums geworden, dessen, sagen wir, geistige Vorkämpfer die Professoren sind, die aus dem wissenschaftlichen Betrieb die so gefürchtete indische Konkurrenz entfernen wollen. Diese Professoren, deren Auftrag die Krawallstudenten besoraen, sind es, die die Hochschulen auf das jämmerliche Niveau heruntergebracht haben, das ihnen heute eignet, und es ist noch sehr dre Frage, ob diesem Mißstand durch Geldmittel, und seien sie noch so hoch, abgeholfen werden kann. Dem akademischen Niclllskönnertum, das sich aufgeblasen spreizt und ans dem Lehrbetrieb, ohne daß man dies verwirren würde, gestrichen werden könnte, kann man einten Mittaastisch,, gebügelte Hosen, chemische Lehrmittel nnd Skalvelle schenken, aber sein Wissen kann man nicht vermehren und seinen politischen und sozialen Gesichtskreis nicht vergrößern. Nicht bei ihm und nickt bei denen, die hinter und mit ihm gegen, die demokratische und republikanische Freiheit 'streiten, und man kann diesen allen zusammen ihr die Jugend vergiftendes Treiben nicht abstellen. Wohl aber kann man durch geeignete Maßregeln Vorbeugen, daß jüdisches Geld nicht'zu antijüdischeu Zwecken in der oder jener Maskierung verwendet wird Das Vorbild der Mensa accdemiea, die unter verantwörtlicher Leitung von Professoren, also Staatsorganen, jüdische Hörer aus'chließt, obzwar oder weil das Betriebsgeld von Inden im In- und Anslande stammt darf sich nicht wiederholen. Es muß auch — und dafür ist Herr Bösel der jüdischen Oeffentlichkeit verpflichtet — dafür gesorgt werden, daß der Numerus clausus. V Sraudm, den die. Wiener technische Hochschule bereit i ..., 'tr ' » /. ’tjjbhr -"41 •jfc *<*.'*. \