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Wiener Morgenzeitung · 1923-12-17 · Heft 1738 (17.12.1923) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1738 (17.12.1923)
Date
1923-12-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Einzelnummer K 700 Wien: Zum Abho!cn in der Expedition, 11T aborstr. 1 -3, oder in einer Verachleisstelle (Trafik) monatl. K 28.000 Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmiedt, I. Bez., Wollzeile 11. Mit Postversand für Wien u. Oefcterr. monatl. K 28.000 Tscbecho-Slowakei: Mon. K17. Jugoslawien: Mon. Dinar50. Polen: Mon. 6st.K-22.000. Deutschi.: Mph. ostK 28000. Frankr.. Belgien: Monatl.Frcs. 10 DU- NaehKahl'ungeo bei Preiaerhöhuojen Vorbehalte« 91t. 1738 TtchtdioiStowikil tschech. K l.« Italien: Monatl. 12 Tire. Rumänien Mon. 130L«, Bulgarien Mon.75 Lewa, Schweiz und das übrige Ansland monatlich Frcs. 3 Redaktion u. Administration Wien, II.,Tahorstrassel—5 Telephone: 44-0-38.43-3-19, ab 6 Uhr abds. 19-483.25*282 Tel- Adr.'.„Morgenxeitung" Wien Oesterreichiaches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 memmMMmmBaamamm ■wwwwwiiiiti Wien. Montag. 17. Lezember 1923 5. Mrgang Paris, 16. :0,3c ntibe.r. (HaVas.) Uebex -en Inhalt mm tut*: -er gestern dem Ministerpräsidenten überreichten deutschen Denkschrift wird in deutschen und französischen Kreisen Stillschweigen beobachtet. Die Agence Havas will darüber folgendes erfahren haben: Botschaftsrat v. H ö s ch hat weder mündlich noch im schriftlichen Wege die Räumung des Ruhrgebietes verlangt. Die deutsche Regierung verwirft nicht die mit den Industriellen und den Reichseisen- Vahnen abgeschlossenen Uebereinkommen. Sie schlägt vor, mit Frankreich und Belgien Verhandlungen einzuleiten, um im Ruhrgebiet und im Rheinland die deutsche Verwaltung wieder einzurichten, und wünscht das Ges amt Problem der Reparationen mit' de» Alliierten zu erörtern. Die deutsche Regierung wird die Arbeiten der beiden Sachverständigenausschüsse unterstützen. Frankreich und Belgien lverden, da der Passive Mderstand vollkommen ansgehört hat, eine Besprechürrg wahrscheinlich nicht ablehnen. Die deutsche Reichsregierung, die der tatsächlichen Lage im besetzte» Gebieb Rechnung M eitze Zwecklose juristische AvseftMdYfttzung nicht wünscht, verlangt, wie es scheint, die Herstellung eines Modus vivendi mit den französisch-belgischen Behörden und namentlich Vereinbarungen bezüglich der Zollgrenze, wenn nicht deren gänzliche Aufhebung, die Wiedereinstellnng der ausgewiesenen technischen Angestellte» »nd Beamten zur Verbessemng des Eisenbahnverkehrs sowie die Erlaubnis zur Einhebung von Steuern. Ministerpräsident Porneave begann noch am Abend mit der Ausarbeitung des Textes einer gemeinsamen französisch , belgisch en Note, worin die leitenden Grundsätze der ans der Durchführung der. Friedens Verträge beruhenden Politik neuerlich bekräftigt werden. Die Note spricht sich gegen eine Ausschaltung der Reparationskommission aus, betont die Rechte der Rheinlandkommission und weist den Gedanken einer Zurückziehung der für die Sicherheit der Beamten im besetzten Gebiet Verantwortlichen französischen und belgischen Behörden zurück. Unter diesen Vorbehalten wird der Ministerpräsident alle von Berlin ausgehenden Anregungen entgegennehmen, die eine nicht generelle Wiedereinstellung der ausgewiesenen Beamten, die Erneuerung der Vertrage mit der Micum oder irgend eine andere Frage b^ügüch der Besetzung oder der Reparationen betreffen. Der von Poimare ansgearbeitete Eutwurf wird heute der belgischen MegierWrg nnterdr-jtet nnd die Rote vielleicht schon morgen der deutschen Regienmg übermittelt werden. * .Paris, 16. Dezember. Die Aamce Havas meldet: Die belgische und die französische Regierung sind über den Inhalt der an Deutschland zu richtenden Antwort vollkommen einig. Die französische Antwortnote ist noch nicht vollständig fertiggestellt. Sie wird wahrscheinlich morgen vormittags überreicht werden. wurde der Einwand erhoben, daß die Abrüstung nicht vollständig sei. Bei keinem Volke ist sie jedoch so vollendet. Ich bewundere die Geduld des deutschen Volkes. Trotzdem konnte ich bei der Forderung der erneuten Kontrolltätigkeit nicht die unbedingte Sicherheit der kontrollierenden aus» ländischen Militärs garantieren. Zwei internationale Korn Missionen sollen unsere Lage prüfen. Wir haben nie die Legalität der Ruhrbesetzung anerkannt. Unser ist der Boden, unser das Land, unser das Recht. Wir können alle unsere Bücher offen hinlegen, wir haben kein Geheimnis wirtschaftlicher, finanzieller, militärischer oder diplomatischer Natur. Niemand ist mehr für die Erfassung der Kapitalien im Auslande, als die Reichsregievung selbst. W i r n e h in e n k e i n e Rücksicht auf die Elenden,. die ihr Vermögen ins Ausland gebracht haben. (Stürmischer Beifall.) Das letzte Mittel, unsere Wirtschaft in Gang zu bringen, ist Friede und Ruhe, ist eine vernünftige Außenpolitik derjenigen, die das deutsche Volk bisher nicht zur Ruhe kommen ließen- Zunr Staate gehören. auch feste Grenzen und Autorität. Man gönnt uns aber keine festen Grenzen. W e n n m a n uns den F r i e d e n g ö n n t, werden wir das deutsche Problem lösen ohne fremde Einmischung. Wenn wir den Himmel des Idealismus in uns haben, dann werden wir die sittliche Grundlage zur Wiedevaufrichtung besitzen. Ich appelliere an Sie, uns in dem schweren Kampf zur Seite zu stehen mit den geistigen Waffen der Presse, mn Deutschland einer besseren Zukunft entgegenznführen. ... Mtoetiiss SSitnrlteU. Paris, 17. Dezember. (Wolfs.) Nach einem Londoner Bericht des „Echo de Paris" ist Owen N o u n g auf Ersuchen des Präsidenten Coolidge zum amerikanischen Hauptsachverstündigen gewählt worden, während D a üv c s als zweiter Delegierter fungieren soll. Große ßrdbebenlatastrMe in * -♦ Deutschlands Kreditansuchen. Sie Rote an die ReparationÄomaMou. - Frankreich dagegen 1 Berlin, 16. Dezember. Das Wolfssche Bureau Meldet: In der vom Vorsitzenden der Kriegslastenikommijsion Staatssekretär Fischer der Reparationskommission übergebenen Note bittet die deutsche Regierung eine grundsätzliche Erklärung in der Hinsicht abzugeben, daß für einen zum Ankauf von Brotgetreide, und Fett beftimmtrn dreijährigen K r e d i t b i s z u 7 0 M i l l i o n e n Dollar gemäß Art. 251 des Versailler Vertrages der Vorrang vor den Reparatiousverpslichtungen eingeräumt werde. Die Note betont, daß die Getreidekäufe im Ausland im Hinblick auf die rechtzeitige Einfuhr und Verteilung nicht ausgeschoben werden können, bis die inländische« Getreidevorräte aufgebraucht sein würden, und daß für den Einkauf von etwa anderthalb Millionen . Tonnen Getreide und von monatlich 10.060 Tonnen Fett Auslandskredite unerläßlich seien, die, wie sich aus den Kreditverhandlungen ergeben habe, nnter der Voraussetzung gegeben würden, daß diesen Krediten Priorität eingeräumt würde. Nach dem in der Note erwähnten Art. 251 haben die Kosten der Versorgung Deutschlands mit Lebensmitteln den Vorrang in dem Maß und unter den Bedingungen, die von den alliierten Regierungen festgesetzt werden. Die Reparationskommission kann also zeigen, daß sie dem deutschen Volke die notwendigen Existenzbedingungen gewahren und damit die Boraussetzungen zur Wiederherstellung seiner Repa rat ionssähig- £ e11 geben will. . Paris, 16. Detzenkber. Die U-ebevreichung -der deutschen Ratern V-i« Reparatio-nKommission hatüberraschend gewirkt und daher die einzelnen Delegierten unvorbereitet .getroffen. Wie bekannt wird, machen die französischen Delegierten ziemlich weitgehende Vorbehalt e, die fast einer i n b i £-e11 e,» A b sage gleichen, während die übrigen Alliiertenvertreter einem Verzicht aus die Priorität zuistimmen, nur die arnerilaursche QHMVbI Itt Die Folgen Des Ruhrkampses. Ankündigungen außerordentlicher Maßnahmen durch Reichskanzler Dr. Marx und Dr. Stresemann. Berlin, 16. Dezvmlbev. Der dsn^hsutigen Empfang des Vereines der BeÄmer Pvesie im Reiichstag, gaben RerchSkanj'ller Dv. Marx und Außemnimist-er Dr. S t re sein« nn AuMmngen über d« nächsten politischen Aufgalbm der Regi-evung. ReichsVanFlen Dr. Marx führte uMer anderem ans: Bald jälhrt sich der Dag, an dem Deutschland der schwerste Schlag versetzt wurde, die RuhrLesetzung. Das hat uns die Pulsadern unterbunden und Jammer, Not und Elend, aber auch Taten nationalen Heroismus zur Folge gehabt. Jetzt aber kommen die ungeheuren wirtschaftlichen Folgen. Es ist mir ein Schmerz, daß ich heute keinen froheren Gefühlen Ausdruck geben kann, denn eS kommen Wochen der größten Opfer.. Die Regierung in Deutschland wird alles in ihrer Kraft Stehende daransetzen, um das Voll, das Opfer bis zu den äußersten Grenzen bringt, aus der Not emporzusuhren. Nach dem Reichskanzler sprach Stresemann, der aus die Dokumente des Auswärtigen Amtes verwies. Wir wollen der Wahrheit, sagte er, einen Weg bahnen über die Ursachen des großen Weltkrieges. Wie sollen wir verlangen, daß die Welt sich für uns einsetzt, wenn wir uns für uns selbst nicht einsetzen? Mögen andere Völker unserem Beispiele folgen und auch ihre Archive öffnen, dann wird ein wahres Urteil über den Weltkrieg und die deutsche Vergangenheit gefällt werden können. Seit einem halben Jahrzehnt ist der Weltkrieg zu Ende, trotzdem ist deutsches Land besetzt und deutsche Gefangene schmachten in fremden Gefängnissen. Dr. Stresemann ging dann auf die Geschichte des Ruhrkampfes ein und sagte, auch die früheren Regierungen hätten alles getan, um den Rnhrkampf und die Besetzung zu vermeiden. Die Schuld liege bei denen, die jeder internationalen Verständigung ausgewichm sind. Der A b b r u ch d e s K a m p s e s sollte der?lnbxuch einer Verständigung wexdeI. Aber azrA daH urK et{g£(j*5 Hs. Drei SlUdte i« Kolumbien zerstört. Bogota (Columbien), 16.Dezember.(Reuter.) In de« an Eeuador grenzenden Gebiet hat ein heftiges Erdbeben qroste Schäden ungerichtet. Die Städte Carlof a m a, C e f a l e «nd E u m b a l find z e rst ö r t. Die Ortkchaften Zprales und Tuqueres habe» starb gelitten. In Cumbal allein sind beroitS 88 Leichen geborgen worden. Sitte kommunistische GeheiMiersammlnng in Berlin. Berlin, 16. Dezember. (Wolfs.) Nach einer Mitteilung deS Polizeipräsidiums haben die Kommunisten heute vormittags unter dem Decknamen eines Reichskongresses der Erwerbslosen und Kurzarbeiter Delegierte aus dem ganzen Reiche nach Berlin einberusen. Dieser Kongreß war vom Militärvesehlshaber auf Grund deS Ausnahmszustandes verboten worden. Trotzdem fanden sich zahlreiche kommunistische Delegierte in Berlin ein. Die politische Polizei hatte das geheimgehaliene Versammlungslokal rechtzeitig ermittelt und festgestellt, daß die Kommunisten in einem Lokal im Treptower Purk nnter der Maske eines Sportklubs zu tagen beabsichtigten. Die Polizei hob die ganze Versammlung aus und verhastete hierbei ungefähr 300 Per, sonen, die sich aus Staatsangehörigen fast aller deutschen Lander zusammensetzten. Auf einer zweiten angeblichen Erwerbslosenversammlung wurden 70 Versammlungsteilnehmer sestgenommen. , Ausdeitnng einer kommuniWcheu BerschwS« ruug in Genna. Rom, 16. Dezember. In Genua wurden anläßlich eines l o m m u n i sti s ch e n KomplotteS bei den Mitgliedern der russischen Haudelsmüsion Hausdurchsuchungen vorgenommen. Ebenso auch an ihrem Amtssitz, trotzdem der Leiter der Mission unter Hinweis auf die Exterritorialität des Lokales gegen die Hausdurchsuchung vroteüi'.'i! Es wurde eine große vrivate Handelskon> - . . -.rgnahmt. l ywjjWinBWB^eiBeag

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