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Wiener Morgenzeitung · 1923-12-13 · Heft 1734 (13.12.1923) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1734 (13.12.1923)
Date
1923-12-13
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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©ehe 6 Wien, Donnerstag Wiener Morgenzeiluns. '18. DezemVer 1988 " Nr. 178« Bühne und Kunst. LnMeltheater. Weil,- Stücke., Jof«f Jarno führt jetzt im Pratertheater drei kleine Stücke auf, welche chm unä Frau Nies« dankbare Aufgaben bieten. DaS eine, „Treu, ehrlich und fleißig", ist keine neue Bokmmchchaft, und' obwohl man über den Wert dieses Genrebildes verschiedener Ansicht fein kann, so verstummt jedes Bedenken, wenn Frau Niese ihre elementare Begabung auf alten Registern, von der Parodie b:3 zur tragischen Charakterzeichnung, späten laßt. Die beiden anderen Stücke tragt Josef JarnoS Darstellung. In der Komödie „Daish" von Tristan Beruard gDt er einen alternden Gentlemantaschendirb. Die Seitenhiebe gegen d'e sogenannte bessere Gesellschaft des grünen Rasens, auf dem das Stück spielt, gegen die Polizei und die geltenden Gesetze bringt Jarno unaufdringlich pointiert und zeichnet mühelos mit ein paar Strichen den menschlichen Charakter in einem Taschendieb. Weniger erfreulich ist die zweite neue Bekanntschaft, der Zweiakter „Die U n tersuchnng" von Georges Henriot. Die Sache beginnt recht spannend mit der Aufrollung des bekannten Gegensatzes Av'.scheu Justiz und Dtenschlichkeit, versandet aber dann in eine dramatische wie klinisch ebenso fragwürdige Auseinandersetzung über Verbrechen von Epileptikern. Jarno legte den Untersuchungsrichter, den er in diesem Stück zu geben hat, leicht pathologisch an und war an: interessantesten dort, wo er die kalte Raison der Justiz wiedergcben konnte. Das Pathologische war schmückendes Beiwerk. Die . anderen Mitwirkenden des Abends brachten Jarno und Frau Niese die Stichworte, so gut sie konnten. Ansatz zu einem eigenen Ton zeigten Mari« Waldner und Heinrich Neckamm. Das Publikum bejuLÄte das KüMerchspanr. S. S. 9er We Kavalier. (Uraufführung im -Apollotheater.) Das Libretto der neuen Leo Fall- Operette stammt von Rudolf Schanzer und Ernst We lisch, die, wenn wir nicht irren, auch „Die Frau im Hermelin" gebaut haben. Wie dort hat auch hier das geheimnisvolle Bild der Urahnm lebendige Kraft und im Urenkel wiederholt sich das Schicksal der Ahnsrau, die einst in Männerkleidern als „süßer Kavalier" am englischen Königshofe die Frauenherzen berückt hatte. Davon erzählt der Zweite Akt, der traumhaft unwirklich, doch bühneriwirksam in die Vergangenheit verlegt wird, nachdem vorher in Lord Harry, dem als Knabe ausgewachsenen Mädchen, eine Ahnung seines wirklichen Geschlechts aufgedammert ist. Im dritten Akt, der in die schlechtere Gegenwart zurückkehrt, erfährt ex endlich, daß ihn seine Obsorger als Knaben erzogen haben, um ihm das dem männlichen Geschlecht« vorbehaltene Majoratserbe zu retten, und nun heiratet er, woran niemand grzweiselt hat, seinen Vetter, den richtigen Majoratsherrn, mit dein rhu längst unterbewußte Liebe verband. Mit diesem Motiv der geschlechtlichen Schiebung steht es so wie mit der Leo Fallschcn Musik: Es ist weder neu noch originell, aber bühnenwirksam und einigermaßen aktuell. Wie das historische Libretto bringt auch di- Musik, die gleich den prächtigen Bühnenmrd Gesellschastsb-ildern tadellos adjustiert ist und sich mitunter gar opernhaft drapiert, sehr geschickte Theatermache: Das Couplet „Hochzeit in Cornwallis", der immer wiederkehrende süß« Walzer, das Couplet vom süßen Kavalier, das Tanzdnett „Ob Shimmy, ob Boston", das Terzett „Dreh dich nicht um" und andere dankbare Schlager sicherten einen stürmischen Poemierenerfolg, der jedoch in der Hauptsache der ganz vorzüglichen Aufführung, namentlich der GtanA-eistung des Fräuleins Emmy Sturm in der Titelrolle, zu danken war. Die Spezialität dieser für Wien neuen Soubrette sind wohl Knabenrollen, die sie mit ciZenariig herbem Reiz ausstattet. Die Vielfältigkeit ihres bewegten Spieles uns ihre liebe Stimme hatten es sofort dem Publikum angetan. Vorzüglich auch der Tenor des Herrn W irl in feiner männlichen Kraft und die Groteks-Komik des Herrn P a u l s e n. Herr Sabo spielt« den alten Archivar ebenso launig wie sonst den feschen Kerl, an Fräulein Waldow hatte er eine gelungene Partnerin. Weniger gelungen war Fräulein Varna h, deren stattliche, bildhafte Erscheinung mehr verspricht als ihr kleines Sümmchen zu halten vermag. — Die Vorstellung, die erst in zwölfter Stunde zu Ende ging, brachte den bei Wiener Operetten üblichen Premierenrummel. slb. Theater an der Wien. Oskar Straus' Operette „D i e Perlen der Kleopatra" ging gestern im Theater an der Wien vor d'.chtoofülltem Hause -mm 25. Maile rn Szene. Der Erfolg des Abends ist den hervorragenden Leistungen der Frau Massarv, Pallenbergs Md des Opernsängers Tauber zu danken. Hakoah-Orchester. Am 17. d. um 7 Uhr abends findet im Neuen Saale der Hofburg ein Kammerkonzert des vollsten« digen HakoahOrchest rs unter der Leitung von Herrn Vr-os. S. Braslovsky und uwer Mitwirkung von Frau Dr. Lotte UteazeS (Gesang) und Fräulein Jlka Steiner (Klavier) statt. Programm: Händel: Concerto grosso C-Moll. Mozart: .'-dtavlerkon.'jcrt A-Dur. Dr. E. Münz: Drei Lieder mit Streichauartett. Haydn.: Symphonie Nr. 27. D-Dur (Londoner), .''.'arten von 5009 bis 25.000 K. im Sekretariat der Hakoah, 1. Be;., Wiesln gnstraße 11, und Buchhandlung Löwrt, 1. Bez., Rorenturm-straße 22. (Entgeltlich.) 73. Kunstauktion von Albert Kende. Montag den 17. d. bis inklusive Freitag den 21. b. findet im Auktionssaal?, 1. B r z.. Kärntner st raße 4, die Versteigerung des I nve ur a rs eine r Villa in Ischl aus dem Besitze einer ehemaligen Ho s scha usp i eler i n (erste Ableilung). nebst Beiträgen aus Privatbösih statt. Unter den Hammer gelangen selten schöne Gemälde, Aquarelle, Miniaturen, kostbare Antiquitäten, Porzellan, Glas, Silber, Holzskulpturen, ostasiatische Kunst, Mobiliar, Teppich«, modernes Kunstgewerbe sowie eine große Bibliothek. Oessentliche Ausstellung: heute Donnerstag den 12. bis inklusive Sonntag den 16. d. von 10 lbiS 6 Uhr (1. Bez.. Kärntnerstraße 4). Der Katalog steht Inreresstnien im Aulrionslolale zur Verfügung. (E-ntgöltüch.) Mitteilungen aus dem Publikum. MODELLHAUS MODEPRINZESSIN SPEZIALGESCHÄFT FÜR FEINE DAMENSARDEROBEN THERESE GRÜNBAUM, VEREHEL. PISTOL WIEN, XVIII., WÄHRINGERSTRASSE 113-115 zeigt ihre NEUERÖFFNUNG m IX. BEZ,, PORZELLANCASSE 14-16 an ffloöeffßüus Qrosse etiOeihnachtsoJckasion in den neuesten Pariser iModellen borstr, 1 Hßien, II. %abor$tr, 1 ‘TA&CZI&ISTITUI Josef Ehrlich l ROTGASSE 3 » MODERNE TÄNZE?jb4ü§ftlie (wfiäüwfon 15*» imf\ Mi«. 8 Tage Matte „Gebe" 8 Tage Reklame-Verkauf Bor Einkauf andtrwSrt» überzeugen Sie sich von unserem ReNaineverlauf 1 Siaikocher. Meiflammig .K. 1JW.60® 1 «.»'.»kocher, zweiflammig. t Weiterkocher ........ Ä. £©8.000 1 Gaskocher. dreiflammtg, 2 Weiterkocher.. . . Ä. 3‘?E.OOO 1 Aar backlohr O. W.». 801.000 1 Garuimr. ÄaSeisen» 5 Stagel, 8 ©fm. 1 Ervitzer K 200.000 I Gakherd, drriflammig, 1 Bratrodr, 1 Rüstraum a:rsw. von 9.1,4)85.000 GasSsen. . . aufm, von K. SV0.0 0 Freie Besichtigung' rettzahl«no«n werden gewührlk Siegfried Glück & Co., IX. Trhlkckgaffe 3 Spezialgeschäft fiir Sauk, und Küchengeräte» Glaö» nnd Porzrllanworen AtftiittainM VH. Sttra» 04 Aus de« Theatern. Im Burgtheater gelangt Freitag den 14. d. zu erhöhten Preisen Vernarb Shaws Melodram „Der T e u f e Irsch ü l e r" zur Aufführung. Anfang 7 Uhr. Mittwoch den 19. d. wird im erhöhten Preisen „König Richard der Zweite" ansgesührt. Anfang 7 Uhr. Im Akademietheater geht Freitag den 14. d. zu erhöhten Preisen das Lustspiel „Die kleine Konditorei" von Eugen Heltat, deutsch von Heinrich Horvat, in Szene. Anfang */.,8 Uyr. Im Deutschen Volkstheater wird der Gedenktag der ersten Aufführung eines Raimundschen Bühnenwerkes, der auf den 18. d. fallt, mit einer Nachfeier begangen werden. Es wird eine festliche Aufführung des „Verschwender" geplant, in der Alexander M o i s s i zum ersten Male den Valentin spielen wird. Das Gastspiel Dvette Guilbert iu den Kammerspielen beginnt Mittwoch den 19. d. Madame Guilbert kommt mit ihrem Pariser Ensemble nach Wie», um hier fünf Vorstellungen zu absolvieren. Das Programm .der ersten Abend bringt eine Reihe von Szenen, die die Entwicklung der französischen Chansons bis zu mrserer Zeit illustrieren. In der anläßlich des 20jährigen Jubiläums veranstaltete« Fe st Vorstellung der Volksoper am Samstag den 15. d. wirken außer Burgschauspteler T r e ß l e r, der den Prolog spricht, mit r in Mozart» „S ch a « s p i e ld i r e k t o r" die Damen Friedl, Böhm, Gerö, Attler, Besalla und Bäck sowie die Herren Neumann, Bandler, Tauber und Beer, im 3. Akt der „M e i st e r s 1 n ge r von Nürnberg" Frau Ursuleae sowie die Herren BauMaim, Ritterrheim, Bandler, List, Fälbl, Dr. Lorenzi und im Chor der Wiener Männergesangverein und der Singverein der Gesellschaft der Musikfreunde. Am Dirigentenpult r Direktor Felix Weingartner. Die Regie führt Direktor Markowskh. — Heute „La T r a- » i a t a". Bmswirt. Gestempelte Krone ---- 0.0080V, Centimes. Auszahlung Wien ----- 0.808060 Centimes. 3n Zürich notierte 12./12. 11./12. die österreichische Krone . . . « « 0.008080 0.008Q6Ö die österr. gestempelte Krone . 0.0080'/. 0.0080*/, die tschechische Krön, . * 16.72»/, 16.72*/, die Mark.pro Milliarde Holland.......... 218.60 818- New-Pork. * 572.— 578.25 Conbcit «ss 26.09 25.02 Paris .. 88.77*4 80.70 Mailand ......... 24.92*/, 24.87*/, Belgrad.. 6.45 6.47*/, Bukarest # 2.80 2.86 Sosta . , , 4.— 5.- Budapest. 0.0295 0.0295 Warschau ....... . , . —.— Las Steigen des Lostar« in Fueapa. Rew-Aork das Finanzzentrum der Welt. — Die englische Jnflationsfurcht. — Ungünstige Aussichten. In Amorika 'begnügt man sich damit, darauf hinzuweisen, daß tot Dollar immer mehr das englische Pfund aus seiner früheren Stellung als internationale Devise verdrängt und 'daß dies für die Bereinigten Staaten aus der einen Seite vorteilhaft vst, da New-Aovk hierdurch allmählich zwm F i n a n z z e n t r u m der Wett heramvachsen muß, aiuf 'der anderen Äit« jadoch der ausländische Handel sich immer schwieriger gestalten muß, je mehr die Kauif- Ixaft der europäischen Staaten durch das Sinken rhver Valuta beeintvächtigt wird. Und doch stehen diese an und für sich etwas oberflächlichen Betrachtungen des PvodlemL in vielen Hinsichten höher als die Ausführungen, welche man in den europäischen Staaten der Valuta frage widmet. In Amerika sieht nran die Sache wenigstens als ein Ganzes, nämlich als die Stellung der amerikanischen Valuta den europäischen gegenüber an. In Europa dagegen verliert man sich in Betrachtungen über die Jage jedes einzelnen Landesgeldes, ohne auf das Ganze zu achten. Namentlich in de.r jüngsten Zeit tritt dies stark ans Tageslicht. Aus den englischen Blattern ist ersichtlich, ^daß man m London den Rückgang des Pfundes beinahe ausschließlich auf die Furcht vor Inflation sowie vor einer eventuellen Kapitals'ste'lLr zurückführt. Tatsächlich dürsten solche Faktoren wohl einen bedeutenden Einfluß auf den Wechselkurs haben, der ja immer zum Teil von pshchol-ogischen Motiven bedingt wird. Falls die englische Ausfassung zur restlosen Erklärung des Rückganges des PsunÄöurses zutväse, so wäre es aber unvevstandlich, daß genau dieselbe Bcstvegung sich auch in allen awderen europäischen Zentren abfpielt. Es mutet geradezu komisch an, daß nvan auch in jedem dieser anderen Länder ganz ähnliche lokale Motive für den Vorgang ins Feld führt. So wird auch in Holland der scharfe Rückgang des Guldens, dem Dollar gegenüber, auf die Furcht in Anlagekreiftn zurückgeführt, daß durch den Rücktritt des Kabinetts die Jnflationspolitik mehr in den Bereich der Möglichkeiten gekommen sei. Sogar das Abschließen einer Dollaranleihe von 25 Millionen Dollar seitens Nrederländisch-Jndiens in New-Dork wird von holländischer Seide zur Begründung der Steigerung des Dollavkuvses ins Feld geführt. Devavttge Betrachtungen könnten sich leicht auch allen anderen ErKävungen der Dollarhausse gegenüber geltend machen. Man kann nicht umhin, angesichts 'der obigen Verhältmsse die wohl einzig richttge Schlußfolgerung zu ziehen, daß die Dollarhausse überall schließlich von denselben Ursachen bestimmt wird, und zwar einmal von der g r o ß e n Verschuldung Europas den Bereinigten Staaten gegenüber und sodann von der Furcht, daß infolge finanzieller und Politischer Verwicklungen die betreffenden Lande'svaluten <ndf die Dauer ihren Stand gegenüber dem Dollar nicht aufrecht erhalten können. Was den ersteren Punkt betrifft, sind die Forderungen der Bereinigten Staaten an und für sich Mir bedeutend kleiner geworden, als sie vor einigen Ia-Hren waren. Damals belief sich der Exporifaldo der Union auf mehrere Milliarden Dollar im Jahre. Im Jahve 1922, als die Lage sich schon stark verändert hatte, erre.ichte der Exportsaldo noch immer den stattlichen Betrag von etwa 750 Millionen Dollar. Für 1923 fft dagegen anfangs sogar ein Jmportsaldo erwartet worden. Jüngst hat sich die Lage in dieser Hinsicht wieder verändert, da die Einfuhr in die Vereinigten Staaten bedeutend kleiner geworden ist infolge der geringen Nachfrage für Rohmaterial-ien, seitdem sich die Konjunktur abgefchwächt hat, während auf der anderen Seite die Ausfuhr nach Südamerika ustv. sich gehoben hat. Infolgedessen wird jetzt für das laufende Kalenderjahr ein Exportfaldo von ein Paar hundert Millionen Dollar erwartet. Zwar dürfte das Bild sich infolge der jetzt vor sich gehenden Entwertung der europäischen Valuten vielleicht abermals ändern. Die Balutae n t Wertung muß den Export von Europa nach den Bereiniglen Staaten fördern, dagegen den amerikaniifchen Export hemmen. Einstweilen gibt es aber tatsächlich noch einen Exportüberschuß. Wenn derselbe auch außerordentlich viel geringer sein dürfte als in den letzten Jahren, so dürfte hievbei doch m Betracht gezogen werden, daß damals die Bereinigten Staaten ihre finanziellen Forderungen nicht geltend gemacht haben, jetzt dagegen wohl. Während der Kriegsjahve wurden die. Forderungen auf die europäischen Bundesgenossen automatisch in Anleihen umgefetzt, welche jetzt tw, von Gtot* 7555

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