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Wiener Morgenzeitung · 1923-12-11 · Heft 1732 (11.12.1923) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1732 (11.12.1923)
Date
1923-12-11
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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17W ■''SSSÖtlÄ®''' Bollswirt. vestemvrlte Krone — 5*52f2i/* ff!!Ü!!ÜÜ!‘ - « nnsni/ YEMLS. In Zürich notiert« die österreichische Krone . . die Ssterr. gestempelte Krone die tschechische Krone . - - die Mark .pro 3 Holland. . ... 9?«to*?)ort *•••»•• Sottbott ••••••*•* ^oriS •••••»■•* Mailand •••••*»• Belgrad » Bukarest.. F»1 Sosia .•.»«•••• Budapest.. •' ^arschm 10./12. 7./12. 0.0080V» 0.0080»/* 0.0080v* 0.0080»/» . 16.72V, 16.75 ►« 217.76 218.60 578.— 578.06 24.98 26.02 30.66 80.76 24.80 24 85 6.50 6.47«/, 2.90 2.96 —.— 4.32 0.0806 0.0806 rer «». «nd Verlmtk der fremden gahlungsmittel. Die Oesterreichische NationoVank teilt mit: Mit Rücksicht auf das Ausbleiben <ber ausländischen KursmMuirgerr «EN bis auf weiteres ver De-vistmlearmy. Geschäfte mit ausländischen ZahliungSrmttelu chrmen vorläufig mvr im Wechselstuberwe^ehr bar DevivsenhaMem, heziehnngs.we.ise Einkäufern zu den tzu^tzt veroGmtucyten Cleariugttrrsen, das ist derzeit zu ben Kursen vom Freitag den 7. fc., abgewickelt werden. Hinisichilich &8 Verkaufes ausländischer Zahlungsmittel im Wechselstubenverkehr dawch Devisenhändler sowie LmsichÜich des Ankaufes von Dollarnoten im Wechselstubenverkehr durch Devisenhändler uitd Emikäufer gelten nach wie vor die bisherigen Vorschriften. Für den Ankauf ausländischer Zahlungsmittel übrigen Wahrungen im WechselstUbenverkehr durch Devisenhändler und EiEufer gelten die bisherigen BorschvksM, jedoch mit sagenden Minderungen: Ausländische Noten vürftn nur von ausländischen Reisenden angekauft werden, wMi die Pro Partei und Tag Kr die einzelnen Währungen seftgefetzien Höchstbeträge auf die Hälfte herabgesetzt werden. Ausländische Auszahlungen mlv Schecks dürfen von ausländischen Reisenden unter Msewen Bedingungen angekauft werden, infoferne der betreffende DevösenhLMer, beziehungsweise Einkäufer an Velen Stelle Noten derselben Währung rnt die Österreichische Nationalbank omliefert. Dagegen dürfen Deviisenhändler auch bis zu dem bisher festgesetzten HLchstauSmaße ausländische Noten, Auszahlungen und Schecks aMmftn, insofern« sie dieselben mit einem Bedach, Kessen Deckung ttn Wechselstubenverbehr zulässig ist, kompensieren können. Die Devisenhändler imd Einkäufer haben die im WechselstU'benverkchr hielten Überschüsse der Oesterreichiischen Nationalbank in der bisherigen Wech anznmeldeu. Die AnmeldungSftiistrn werden jedoch rnn «ine Stunde erstreckt. In jenen Fällen, wo sich die Niederlassung des Devisenhändlers, beziehungZwech EiMuferS außerhalb Wiens, beziehungsweise des StaBovtes emer Zweiganstalt der Oesterreichvschen Nationalba-stk befindet, Nanu die Anmeldung infolange unterbleiben, als der GesamOetrag der Valutaüberschüsse aus allen Währungen zusammengeno>mmen den Gegenwert von 20,000.600 K. nicht übersteigt. 6op7ri»k1 tm. NachdruS vervote«. J,U«T8ChBlkofr-Vflrl8p, Berlin. <?,. yo;tsttz,ng.> Önlcl Moses. Roman von Schalom Asch. Doch Mascha begann zu empfinden, was es dedeufetc, des Onkels Frau zu iverdew Sie war kein Kind mehr und obwohl sie keine eigenen Künsche hatte, so arbeitete doch ihre Phantasie und malte ihr im Geiste Bilder Ms, wie sie des Onkels Weib wäre. Wenn sie neben dem Onkel saß und er sie streichelte Md an sich zog, wobei fein breites Gesicht blutrot wurde, w«nn er voll Freude seine dicken Lippen in die Breite zog Md sie ftft an sich drückte, da erfaßt« sie oft furchtbare Angst. Sie duldete die Zärtlichkeiten, weil sie von Kindheit ün an den Onkel gotvöhnt war, weit er sie immer gestreichelt hatte — und der Onkel hatte ja alles dürfen. Doch seit er ihr Verlobter geworben ist, «hat si« Furcht vor ihm, und tvenn er sie umfaßt, lauft cs ihr heiß über den ganzen Körper utt# sie hat die Ginpsin'dung, als müßte sie sich waschen . . . Wenn sie des Abends in ihrem tveißen, reinen Zunmer allein war, in ivelchem die reichen, weißen Lackmöbel standen, die ihr der On'kel schon vor langer Zeit geschenkt hatte, wenn sie in ihrem nach frischem Linnen duftenden Bert lag, dachte sie an die Zeit nach der Hochzeit. Sie stellte sich den Onkel plötzlich n«ckt vor. Sie wollte nicht daran denken, aber gcivaltsaur kamen ihr diese Gedanken in den Kopf. Und sie saih den CM nackt mit dem fetten Hängebauch, der dicht bewachsenen Brust; sie hatte die Empfindung, daß der Onkel itf ihr Bett kam. . . und da konnte sie nicht mehr im Oe.tte liegen. Stundenlang saß sie am Abend» in ihrem Zimmer 'bevor sie schlafen ging und hatte Angst davor, sich niederzülegen. Seit sie Braut geworden war, schliss sie nicht mehr unbekleidet, als fürchtete sie, daß jemand bei Nacht ihren Körper berühr.!i* Charlie, der Sohn des On^ls Berl, wohnt« nach der Heimfahrt des Vaters mit der Mutter und seiner älteren Schwester zusammen. Bei Tag besuchte Charlie das College Md am Abend er ZeitunM* av. d.is MMM «rK- Die Einlieferung der Bevlutaübevschüsse durch Devisen^ Händler »mV Einkäufer an die Oesterreichische Nationalbank Hai in der bisherigen Weise zu erfolgen. -chmüer kreuzot in Me». Wie wir erfahren, befindet sich der Chef des Hanfes Schneider-Creuzol hier und dürfte heute Wien wieder verlassen. Hier verhandelt er mit ver Niederöstttreichischen Eskomptegesellschaft und dürfte auch einige Fragen in bezug auf die Alpine Montan regeln. Nachher begibt sich Schneider-Crenzot nach Prag und Pilsen, um bei den Skoda-Merken und den Oberungarischen Berg und Hütte», an welchen Schneider-Creuzot ebenfalls beteiligt ist, zu verhandeln und einzeln« strittige Punkte zu regeln. ES soll auch in dieser Hinsicht daS Einvernehmen mit den Ischecho-flowakischen Behörden gepflogen werden. Mit Schneider-Creuzot ist auch gleichzeitig ein geschastsführeuder Direktor der Union Parisienne in Wien angekommen. LI . Dezember I M Sette 7 Lar Budget Rumitnken». Mbersäjuh 1269 Millionen Lei. Bukarest, 8. Dezenrbro. (Orient-Radio.) Der Entwurf Ve8 Staatsvoranschlages für 1924 berechnet die Ginnnahmen mtt 23.900 Millionen, die Ausgaben mit 22.640 Millionen Lei. Der Ueberfchutz von 1260 Millionen kc. wll als Reserve für Ergänzungskredit? und für die Erhöhung der Beamten« gehalter dienere Der Wiener A-Ädmartt. Auf dein GÄdmartt mx festem eher sin Anziehen GMatzes zu ^m«vkeu. Der 'Satz für Vas Woche naLrauWncorrt wurde mit 0M6 l^is 0^5 Prozent, MttlirtSgolId m>rt 80 bis ß2 ProtM«: taxiert. MeistbegünsiigungsverhÄiNis PaläftintEt«uen. Die PalÄstiuMÜsch'.- Regierung teilt urü, daß das Ha«chÄsabkomm«n iKvischen Großbrita-imien uud Äütau-eu auch auf PÄälsti-lra ausgede'hnt worden «ist. Palästina wirb vLnrgsnmß in Lwaueu Mei'stbeffä-nsiiguugsÄ.'cht mn Bezug auf Äeu Aust-arvsch von HandÄÄcKtevn Mrießen. (;F. T. A.) Allgemeine Znduftriebcmk. Die gesmnwn M«irrr der Ov-ereggendovfer PapierfadriSs A.-G^ vormails Saitzer m, Hetzer. SM^deur «ömi eine«in Thnidikat« erworben-, das aus der Angls-Austri-an-Ban! Lrd., ver ÄillgHurtirun Industiritrb an? unÄ Hervir Hevnmnu Sal«zer besteht. Die in RstverÜsterrieich, in Ä.'ir Nähr von Wj-onor-Nau»- stM. bisKewde Fabrik gehört M Von Westen und anMchensten 'UnternehmurMir und erzeugt besonders nMelfeiue Pcrpierfortsn für Schreib- und DmrckOvecke, wir Z-i-garettcn-, Seiden., Karbonipapiene usw- Di« MMimei-ne Inidustwre hat porncr dis Umwandlung der Fa. Adolf Bergs u. Co., tvolche in Wien eüve Cartonnagen und Kvfsersabrik rmd in Mürgznschllag eine Holzstofsi und Pappen« fabrrk besitzt, -in die Woge gÄritet. Für die. ErMM-wg von Preßspcuk, «in BerMungSpwdcui!! von Z-ellulosr. das einen wrchtisM RohMf für di« ÄMrotochniÄsche »Jinvustv«, tone .SchuhfaiLrMÄon, dir LextiMnÄustvi« und Buchbinbareji darstellt, wnb, nach bereits erfolgter EriwsöbMtg von PiLteittru, die «ine rationeller« mtfb bMigeve Hnistell»r»rg gc«n>äl>vl>eistelr das von Hencn Ing. Euranuel KlaüHnier s-emsv^ir errichtete Unter-- nchwen durch die Allgent-smir Industrivbmvk in sine Oesterririchifchr Preßspan A.-tG.. iMMwaniaÄi. G-onwinsanr mir düm Hautsr C. Castiglivni und dem Bankhaus Kola u. Co., hat die Allgsmeine Industvwbarck schließlich ein Syndikat ^gebildet, das die Fusionierung der Elbemühl- PaprerfabriTS- und Berilaigs-'A.-'G., der Gefellschuf t für G r a p h i s che I n d n st r i e und der A-- G. für P a p i ® v i n d u st >r r e >i n W e £ s nunnrehr. durchführt. Die -Allgentsin« Jnduftrivbank ist auch mit -der vor» der PcchiLrfabviks-Goielkscha'ft m. b. H., der Gink-rufLzeu-iralr für Zeitungen und der Großer»tkmlfs - A.M. für Wirtschaft sorgcmisa-tionengobrltdeitsn P a p i e r « L> o S g g e f e i S s ch a f t m. h. H., M Verbindung getreten. (Mt.tyÄÄich.) Wiener IuMifchc Gesellschaft. In ver morye» um Vierth 7, Uhr abends im Hörsaal 38 der Universität (fuvidrsch« Fakulbtät) stattsindeuben VollversamuEung wird die AuWrache über dar Bundesgssetz gegen unlauteren Wettbewerb fortgesetzt und Herr Univ.-Prof. Dr. OAdr PiKo «inen Bort vag über dm Schutz der Unternehmeuskeuntzeichen (tz 9 d. G.) halten. Aufhebung der Inanspruchnahme von in privatem Bestbefindlichen Goldmünzen und ausländischen Wertpapiere«. Soeben erscheint eine achte Verordnung zum Gesetz tont 4. Juli 1919, St.»G.-M. Nr. 986, womit dt« bisherigen 7 BvllWgsanweifungen über die Inanspruchnahme von in privatem Besitz befindlichen Goldmünzen und ausländischen Wertpapieren aufgehoben werden. Hierdurch werden name-nftich di« im Mails feindlichen Ausland erliegenden ausläEchen Wertpapiere von der Inanspruchnahme nach diesem Gesetz befreit, fo daß für sie nur mehr der Artikel 849 des Staatsvertragevon Scchnt-Germ'Lrn (Sequ<strativn bttvch die ehemals femdländischen Staaten) in Betracht, kommt. Dem Gesetz vom 4. Juli 1919 Reiben bis auf weiteres nur mehr unterworfen,: Die auf Grund des § 7, Absatz 2, des Gesetzes dom 20. Juki 1922. Nr. 490, aus dem Erlös mlfgerufener ausländischer Wertpapiere Meichneten NationakbaMStien sowie die auf Sonderdeipot des Bundesministeriums für Finanzen ev° liegeuden, unter die Verordnung dom 30. November 1980, B - G.^öl. Nr. 24. fallenden russischen Wertpapiere. Bo-n der neuen Verordnung werden nicht bevLhrt jene in Belgien, Frankreich. Großbritannien und Jtalven auSgegebsnru Wertpapiere. die auf Grund des Artikels 249 des Staatsvertrages von Samt-Ge-rmain und der $u feiner Durchführung «rfasfenen Verordnung vom 3. März 19W, Nr. ISS, «chynliefern tvareu. Die Herabsetzung der tscheiho-flvwiüischen Aptzleutarist. Aus Prag wird MmeSdet: Das EijsenbahnUvmifteviMN avbeit« gogechvärt.rg an der mit der HevatbfetzMtg der BeAchMsuer zusammelchmrgendrn DuvchvechMng und HevcLis-etzrmp d»r Kohlenifrachtsahie. Wenn die Bovöchr^tswer um die HAffte redußierit wiürde, bann werden, wie die „Prager Presse" erf^rr. die .Kohlentarife m dvm Aviche-n Ausmaß rÄÜtziert tvsrden. Falls also die Verkehrsftener ivm 15 Prozent red^perL wird, .so wird 'die Rreduktion der Kohlervtavife rricht 18 Prozent des hsutig« Satzes betragen, fondmr nur dem dsr IbproKerÄtiigrn Bssteu'evu'np entfpvechsnderr Cetl der WeÄ.'hrsftauiör. BöifprÄ: Uv» fpvüinglicher Fvachtfatz 100 Heller, Plus gttpvcqn^rae Verkehrsstouer iist gleich 180 Heller. Äe ÄVvbiMjauug des Kohlenfvachtfatzes wären nicht 1b Prozent von 160 Hirllsr gleich 19,5 Heller, fonderm 18 Heller. Deim-nach würde der neue Frachtsatz be^ispielHweiis-e für die Bafüvd'evlmg der KMe von Brux nach Prag (IM Mometer) A7 Heller betragen. Der heuitiae Satz ist 6Y5 Heller. Analog wird die Dnrchvechmrng der Darift cnrch bei anderen WarenTÄicjgovie.-n ^rsoilgM. Zusammenbruch einer bosnischen Bank. Aus Sarajevo wird denr Agramer „Morgen" gemeldet: Die Depositenbarck, die ihr ganzes Kapital in einenr Industriebetrieb anlegte, in der Hoffnung, von einer größeren Bank irr Sarajevo emrn weiteren Zkredit zu bekommen, geriet in Kenntnis, das diese Bank den Kredit nicht bewilligen konnte und derselbe wegen der allgemeinen Geldkrise auch anderweitig nicht beschafft werben konnte. Die Depositenbank bietet einen 22prvMtigen Ausgleich, zahlbar in sechs Atonatsraten. Hauptgläubiger rst die Erste kroatische Sparkasse, die das Bankgebäude in der Cukoviceva ulica übernehmen wird. Die Depositenbank wird liquidieren, die ihr gehörende Terpentinfabrik in Visegrad wird noch Wetter geführt werden. 90 Prozent der Gläubiger haben die ange» voiere O:iot>? angenommen. Wiener BSrsr. Seit. Lrrw des Lelephonsireits, der dos Geschäft wcheMich hinderte, da weder das Wiener PrMckum feine Lokoaufträg« ausführen, noch der Arbitrageverkehr zur Durchführung komnren konnte, war der Verlauf der gestrigen Börse dennoch fest. In den zwei Feiertagen hatten sich größere Aufträge von auswart« angesammelt, welche zu Gefchäftsbegmn zur AuSführuirg kamen untb der Börse einen kräftigen Impuls verliehen. M-achher rühr« wohl das Geschäft infolge Mangels der auswärtigen Aufirägo, doch blieb die GruMendeng toeiter unverändert. In der Kuttsse habrit namentlich Trifarler c<xf\ Nachrichten über de« günstigen Stand des Unternehmens größere Avancen aufz«- Seine Schwes'ter war in einenr Hu-tgeschäft angestellt und di« Mutter kochte, wusch und hielt die Wohnung für die Kinder in Ordnung. Trotz ihrer Armut suchte es di« alte I Frau auf jede mögliche Weis« üurch^usetzen, daß Charlie i>ls College besuchen konnte. Mit der gleichen Aufopferung, die einst unsere frommen Mütter fiir ihre begabten Kinder gezeigt haben, welche im Beth^Harnidrasch lernten, opferte sich <Äenende! für ihren Sohn Charlie auf, damit er das College besuche. In der Heimat tväre es lvahrfcheinttch ihr Ideal gewesen, Charlie dereinst als Rabbi zu sehen; hier,rvar «s ihr Ideal, daß Charlie das College beende. Wenn die Zeit kam, da das Kollegienzeld für Charlie zu zahlen lvar, da setzt« die alte Frau alle Hobel in Bewegung: sic. lief zu Vorwandtell und Bekannten, rannte dem OrrM die Türen ein und wenn es gar nicht anders ging, so nahm die alte Frau von einem Keinen Subuwtermhmer Näharbeit nach Haus« oder verdingte sich selbst in eine Werkstätte und arbeitete einige Wochen. Der Ehrgeiz der alten Frau hatte einen rein idealistischen Gnvnd. Ihr ging es nicht fo sehr nnr Charlies Nnftige Laufbahn als um die Wissenschaft an sich. Daß Charlie studierte, bedLutete für sie dasselbe wie. für unsere Mütter der alten Zeit: Lohn unv Vergeltung für ihr armes, düsteres, tägliches Leiben. Genenidk! fand ihren Trost darin, daß ihr Sohn golohrt ,ivar, und hielt sich für mehr als alle Landsleute. Sogar das große GWck ihres Schwagers Aaron Mielnik, dessen Kind Mascha Ver Onkel heiratete, konnte ihr nicht mrponieren rm Vergleich zu der Tatsache, daß ihr Charlie das College ^besuchte. Und wenn man im Familienkvei'se Aaron um das große Glück beneidete, tvelches ihn durch Mascha getroffen hatte, so sagte sie mit gleichgültiger, aber stolzer Miene: „Der eine strebt nach Reichtum, der andere nach Gelehrsamkeit. Ich gebe meines Sohnes Kolisch (so sprach sie das Wort College aus) nicht he.r für deS Onkels ganzes Berrnögen." ,M wird «rch einen güldenen Stuhl int Paradies bringen", antwortete eiltet aus der Familie spöttisch. „Einen goldenen Stuhl oder nicht; — «wv-u besteht die Matt? A«k wfam WM fiott magi nicht bloß «in Schneidet, so stichelte Gemndel die gaiHr Familie, weil alle, in Amerika Schneider geworden waren. Die erste Zeit nach der .Heimkehr des Onkels traf. Adascha Charlie häufig. Charlie kam oft zum Onkel Aaron und ging dann mit Mascha zu einer Unterhaltung, zu: einem Besuch bei gemeinsamen Bekannten, zu Vorlesungen oder auch hie und da ins Theater, Ivenn'er Gtzld hatte. Mascha liebte es, zu beobachten, »wie auf Charlies Oberlippe das schmale Schnnrrbärtchen sproßt« und seine Wangen sich mit einem flaumigen, dünnen Dackenbavt bedeckten. Sie liebte es auch, wenn er über Bücher sprach, die er gelesen hatte, über sein College und über den Sozialismus, für den er sich schon damals intereffierie. In diesen Gesprächen erschien ihr Charlie unenÄich klug — doch wenn die Mädchen anfingen, ihn au-fzuziehen, da wurde er rot und wußte keine Antwort. Akascha bowltet« eS großes Vergnügen, zuzuseheu, wie Charlie verlegen dastand und ihvü Fremrdin Cilli ihn auslachte und ihn mit seinem Schnnrrbärtchen aufzog, das nicht an der richtigen Stelle ivachse — und Charlie stand da mit seinen zwei großen, langen Händen, rot vor Verlegenheit und lächelte ungeschickt. „Never mind, -rveml er erwachsen sein wird, wird « sich den Schnurrbart rasieren lassen", so befteite ihn «me- Freundin aus der unangenehmerr Situation. „Charlie, bitte, Charlie, rasiere dir nicht den Schnurrbart!" bat Mascha. „Oh, wem: ich ein Mann wäre, ich ließe mir einen so großen Schmrrrbart wachsen, nicht einen solchen wie deiner, der cmssieht wie mit Ruß angemalt." Die Mädchen kichern und Charlie, der kluge, gebildete Charlie mit dem geflickten He.mdkragen, an dem der Leinwandsticken zu erkemlen ist, den die Mutter erst gestern üaraufgenäht hat, steht verlegen Äl. Der Onkel bemerkte, daß Charlie zu oft zu Mascha Sam und gab ihrem Vater Ilaron einen Wink: Listen, Aaron, y Icke, daß Mascha ihr Dergnügm hat. Ich habe gar nichts dagegen, daß sie mit Charlie a-usgcht, aber nicht mchr. Watch, Aaron, acht geben!" * jSSteylfeftttutt Wtol

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