Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1723 (1.12.1923)
- Date
- 1923-12-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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ElBzelnnmmerKIOOO Wien: Zupi Äbholon in der ( oder inetaenYorschMwello (Träffk) nionatl. K 28.000 Strassenverkauf in W i en durch die Kolporteure der Firma Goldschmiedt,). Bez., . Wollzeile 11. Hit Postversand für Wien u, Oesterr. monaifl. K 28.000 Tschech o-S lowakei: Hon. K17. Jugoslawien: Mop, Dinar^O.r o I e n: Mon. öst.K 22.000. Deutsch!.: Mon. ost.K28000. F ran kr., Belgien: Monat!. Frcs. 8 W" Nnchxablonyen ' tö PrtlierböbnBjreii »vorbdudtao ftthidi0*8l9WM«l: ftschoch. K 1.~ Italien: Monat). 10 Lire, Rumänien Mon. 90Lei, Bulgarien Mon» 75 Lena, Schweiz and das übrige Ausland monatlich Frcs. 3 Redaktion u. Administration Wien, II„ Taborstraasel—S Telephone: 44*0-38,43«3*19, ab 6 Uhr abds. 19-483,25-282 TeL« Ädr.:„Morgenzeitung* Wien Oesterreiebiscbes Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 Ar. 1723 Wien. Samstag, 1. Dezember 1923 z. Fahrgan» Las PchvisM. ---y. Wien, 1. Dezember. Seit einiger Zeit beschäftigen sich die österreichischen kaufmännischen Kreise viel mit der Frage des Paßvisums. Man sollte Minen, daß bas StMum und die endliche Aufklärung Sache der hierzu berufenen Regierungsstellen, sei. Es ist bekannt,, daß. die tschecho-slowakische Regierung eine sehr weitgehende Erleichterung des Paßverkehrs vorgeschlagen hat. Die österreichische Regierung hatte darüber nichts mitgeterli und erst aus Prager Meldungen war einiges in die Oeffentlichkeit durchgesickert. Die Wiener Stellen rieben sich ärgerlich die Augen, zuckten die Achseln und verwiesen auf die im Gange befindlichen Vechaudlungen, auf deren, günstige Erledigung eine unzeitgemäße Erörterung^ im Publikum unvorteilhaft cinwirken müßte. Sie sagten das nicht so scharf, aber es Ivar doch zu erkennen, daß die hohe Bureaukvatie die nicht ganz unberechtigte'Neugierde der Oeffentlichkeit nicht gerne sah. Es geht' in dieser Angelegenheit wie in allen anderen, und der Begriff der demokratischen Verwaltung, der .Heranziehung des souveränen Volkes zu den ^schäften: des Staates, hat nun einmal den Wendekreis der Revo-1 lution noch nicht passiert. Es geschieht alles unter Ausschluß der nichtamtlichen Plebejer und man erfuhr, wieder nur aus tschechischer Quelle, daß immerhin an den Grenzstationen die Erlangung des Einreisevisums für den Rcziprozitätsverkehr. im kurzen Wege ohne viel, Scherereien zu erlangen sei. Seither herrscht wieder .Kchtyeigen.. Die kcmsmärmischey ürtd industriellen Hreise hahen einige PW ', ftzvachtzr unterNourmM. ÄÄWew " '" MithülchW-. ,Has' PÄMMn des HäsitzWerbaMs dtzr^ österreichischen' KgufmanrrsWt hat sich" aLerwals mit. der Frage des Paßvisums beschäftigt und es wurde hierbei festgostellt, daß seitens der ausländischen Kausntannschaft nach wie vor über die Erschwerungen und . die Kosten, die das österreichische Paßvisum verursacht, geklagt wird. Tie Kaufmannschaft findet es unbegreiflich, daß von der in den Handelsverträgen mit der' Tschecho- Slowakei und Frankreich enthaltenen Meistbegünsü- Mngsklansel nicht Gebrauch gemacht wird, mit Hilfe welcher die unverzügliche Aushebung des Püßvisnms im ' gegenseitigen Verkehr Mit Deutschland und Frankreich möglich wäre. Der Hauptverlband der österreichischen Kaufmannschaft tritt daher nochmals in dieser Angelegenheit an die Mitglieder des Nationalrates und an die entscheidenden Funktionäre unserer Regierung sowie an alle wirtschaftlichen Korporationen heran." Man kann schon jetzt sagen, daß dieses Herantreten genau den gleichen negativen Effekt haben wird. Es wäre vielleicht angezeigter, Ivenn der Hauptverband der österreichischen Kaufmannschaft sein Anliegen an die tschecho-slowakische Regierung adressieren würde, die' sich zu Anregungen und Beschwerden eines so wichtigen Standes immerhin verständnisvoller stellt als die mit Recht so genannte bodenständige Verwaltung, für die vor allem die in Oesterreich so bedeutungsvolle Frage nach der Religion, Pardon, nach >der Raffe, in Betracht kommt. Auch die Frage des Reisezieles spielt da ihre Rolle. Die Kausleute, namentlich die reisenden, gehören zu einem sehr großen Prozentsatz der in Oesterreich so unbeliebten semitischen Rasse an. Grund genug, dre Wünsche dieser ein wenig auf die lange Bank zu schie- - ben. Belastend wirkt, daß sie in der Mehrzahl nach der Tschecho-Slowakei oder gar nach Polen zu reisen beabiLjö viele von ihnen sehen über den Horizont Steinach-Jrdning hinaus, sprechen fremde Sentmm und BoWartei. von Sprachen und unterhalten lebhafte Beziehungen zu Frankreich, England, Italien und Amerika. Wozu das alles'? „Austria sara da se", zu deutsch: mir san mir, dö Juden sollen a Ruah geben und sie werden, sich das Beschweren und Kritisieren schon abgeüvöhnen. Wenn sie das nicht tun, so bleibt ja noch immer das Schreckmittel des Numerus clausus übrig. Was an den Hochschulen schon mehr als ein Wunsch ist, "kann ja auch auf das wirtschaftliche Leben übertragen werden. Eine hohe Regierung kommt immer gerne den aus den Kreisen der Bevölkerung geäußerten Wünschen entgegen, nämlich wenn sie sich gegen die Juden dirigieren lassen, und da es nicht im Sinne der größdeutschen mit dem Hakenkreuz abgestempelten Weltanschauung liegt, daß Inden hier mit Juden in der Dschecho-Slowakei . oder Polen Geschäfte machen, andererseits aber die Steuern auch hier von ihnen eingezogen tverde-n könttwt, so bleibt es beimPaßvismn, KeiU Berlin, 30. November. (Tel. d. „Wiener Morgenzeitnug".) Die durch den Sturz Stresemanns am 23. November geschaffene Krise ist nunmehr nach einem wechselvollen Ablauf äußerlich beendet. Der Zentrumsführer Marx hat sei» Kabinett bilden könne?». Es ist ausgesprochen rechts orientiert, wenngleich Stresemann •au der Spitze des Autzeuamtes bleibt und dort die Kontinuität des Abwariens sortsetzen kann. Die nette Regierung. Der Reichspräsident hat den Senatspräsidenren M a r x nun definitiv zum Kanzler ernannt und über seinen Vorschlag die Reichsregiernng wlefolgt gebildet: Reichskanzler: Senatspräfident Marx. Vizekanzler und Reichsmmister des Innern: Dr. Jarres. Reichsinimster des AnswLrtigen: Dr. Stresemann. Reichsarbeitsminister: Dr. Braun. Reich sw ehr minister: Dr. Geßler. : Reichsfinanzminister: Dr. Luther. Re,ichsverkehrsminister: Oeser. , Reichsernayrungsminister: Graf von Kan itz. : Reichspostminister: Dr. Hoefle, zugleich mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Reich smi n i st e rin ms Mr die h e setz t e» G e b i e t e be- MäatSmiWer a. D. Hamm. R e i ch S j n st i z m i n i st e r: Staatsanwalt Doktor Emmin ger. - U'a: neue Reichskanzler, Semtsprüstdent Wilhelm Marx, ist gebürtiger Rheinländer- und steht im 61. Lebensjahr. Marx war von 1894 bis 1904 in Elberfeld als Landrichter, dann bis 1907 in seiner Vaterstadt Köln als Landesgerichtsrat und Oberlandesgerichtsrat tätig, von wo er nach Düsseldorf kam. Seit I960 gehörte er dem alten Preußischen Abgeordnetenhaus, seit 1910 auch dem deutschen Reichstag an. Neben seiner richterlichen und politischen Tätigkeit hat er auch mehrere rechtswissenschastlichr Werke verfaßt. In dm letzten Jahren war Marx als Nachfolger Trimborns und Spahns Führer mrd Sprecher der ZerrtrumsfrakLion des Reichstages, wobei er sich vor alle«! durch seine vermittelnde und ausgleichende Tätigkeit bemerkbar mack'L-. Teni.» 'Vgehörigkeit zum Kabinett in der Stellung des Leiters ist das einzig erfreuliche Moment, das mit einiger Zuversicht erfüllt. Dagegen ist die Ernennung L u t h e r s ein schlechter Griff gewesen. Dieser Herr gehörte auch dem Kabinett S t r e s e m a n n als Fmanzwinister an, und er. ist in den letzten Lebensstnnden dieser Regierung mit einer viel zu wenig beachteten Rede vor dem Reichstag ausgetreten, in der er erklärte, daß man die finanzpolitischen Fragen mit dem Parlament nicht lösen könne. Er,hat übrigens als dennffionierter, aber provisorisch betrauter Minister sein Amt im Stiche gelassen, indem er dem Reichspräsidenten einen Brief schrieb, er möge ihn sofort entlassen. In diesem Brief übt er eine außerordentlich scharfe Kritik an den Fimmzverhältnissen und hat dadurch das Wort von dem kommenden Staatsbankrott in die Massen geschleudert. Der Berliner Nationalökonom Professor Julius Wolf, erklärt zu diesem Thema, daß das Reich von den 1200 Millionen Rentemnark nicht weniger als 450 Millionen bereUs abgehoben hat. Man hat es also, wie Wolf weiter meint, mit der Fortsetzung der von der Reichsbank betriebenen Politik der A u slieferung von Papiermark gegen Schatzanweisungen zu tun, mit dieser Politik, die der verstorbene Reichsbankpräsident Havensteiu als Force majeure bezeichnet. Das Programm, mit dem die Rentenmark ins Leben trat, ist schon in der ersten Woche ihres Bestehens ad absurdum geführt worden. Man erkennt aus diesen Ausführungen des Sachverständige», daß sich in Deutschland ein Verhängnis vorbereitet, das den breiten Schichten im Augenblick noch kaum verständlich ist. Herr Jarres ist ein Detttschnatisnaler, der der Fraktion nicht angehört, vielmehr ihre Interessen in der deutschen Volkspartei wahrnimmt. Er ist ein Gegner jeder ErMumMwütik und qilt sogar als Freund des Abbruchs der Beziehungen zu Frankreich. Man sagt, ihm auch gewisse separatistische Freundschaften nach, waS bei einem gut nationalen Mann nicht weiter auffalleu würde. Jedenfalls kann er als Vertrauensmann der Völkischen gelten, die ihn gerne an der Spitze der inneren Verwaltung sehen würden, die in der gegenwärtiges Situation das wichtigste Refsojct darstellt. Dort laust die Kontrolle iiber die Putschorganisationen zusammen, die unter der Seecktschen Auflösnngsordonnanz bisher nicht zu leide» hatten. Sie sind gesetzlich aufgelöst, lebe« aber m Freuden rmd harren des Augenblicks, wo ihnen der neue Minister des Innern die Legalität wieder zuspricht. Die Deulschnatronalen haben, wie schon berichtet, ihre auf die Sprengung der Koalition in Preußen äugelte Altion nicht zu ©nte führen können. Sie haben deshalb an den Präsidenten Eberj ein Schreiben des Inhaltes gesendet, ex möge den Reichstag sofort auflösen, weil er kern Spiegelbild der Wahren Parteienverhältnisse im Reich sei. Sie haben ferner eine ' wüste Hetze gegen Eberl entfesselt, den sie zur Demission zwinge« wolle«. Dieweniger in der Hoffnung,, ihren Ludendorff als seine» Nachfolger durchzubringen, als vielmehr darum, weil sie die durch Eberts Rücktritt notwendig eintretende Verwstrnng zu ihrem Putsch benützdu wolle«. Herr Wert LbWes auch noch die, KräWM^ttWM.' MMWtöffWMft'^^äuMMosien M. ' 7 1 : Abwartenve Haltimg der Aozmldemokvaten. Berlin, 30. November. (Tel. d. „Mener Morgenzeitung".) Die sozialdemokratische Fraktion hat die Entscheidung über ihre Haltung dem neuen KMnett gegenüber vertagt und will dessen Programm abwarten. Dienstag Zusammentritt des Reichstages. Berlin, 30. November. (Tel. d. „Wiener Morgenzeitun^.) Der Reichstag wird voraussichtlich am Dienstag zusammentrete«. Bayerns Föderalisiernngswünsche. Die Steuer» sollen direkt den Ländern zufließen. Berlin, 30. November. (Tel. d. „Wiener Morgenzeittmg".) Der bayrische Fina«zminister hat im Reichstagsausschuß den Antrag gestellt, die finanziellen Beziehungen zwischen dem Reich und dev Etnzelstaaten von Grund auf neu zu regeln nnd im Sinne einer föderativen Gestaltung durch Üeberweisung der. direkten Stenern au die Länder auszubanen. 25 prozentige Verbilligung am Lebensmittelmarkt. Berlin, 30. November. Das Wolfffche Bureau meldet: Auf dem Berliner Lebensmittelmarkt haben sich heute fast a l l e Waren nm durchschnittlich 25 Prozent im Preise vermr,ldert. Me deutsche Zndustne einigt sich mit Frankreich. Koblenz, 29. November. (Havas.) Die Rhein» landkommission hat mit mehreren Fndustriegruppen, insbesoudere mit der Gruppe der edelsteinverarbeitenden Industrie, die zwei Drittel des einschlägigen deutsche« Gewerbes darstellt, Abkommen abgeschlossen. Die Holz- und Wein Händler haben die Be. diugungen der Rheinlandkommisfton angenommen und sich dem zu Pfandzwecken eingesetzten K o n t r o l litti * Zollsystem unterworfen. SMegnuD der Nstenpreffe? Berlin, Z0. Novs>n>l^r. Wie daß „Acht U!hr-.MLNÜb>lÄU^ mit-rM, ist heute ein 'teNveiiser Stillstand 'der Notenpr-esse emgetvc>ten. Ein ethebl'icher Teil ftet für die RoichÄbank arbeiten* den Pr^datÄmckereien sei mit dmn heMitzen Daye arcs. der Bal:Lno'ten!preId!lkr'l-o.u anLgcijchitden. Der Ab!bM der' PAPier* 'itvarcherst-eUirng we-rSe i« beischlelmiigt-sm Tempo weiter betric-öcu 'U.nb e§ iineröe bis iMtHMs Mr die konmieNde Woche voWKwmme iSLWcOvnv der Notenp-veüe «. WMicht gestellt.