Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1722 (30.11.1923)
- Date
- 1923-11-30
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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asm, ffflRsag rer „Wr.Worgenzeit««g" Film md Alw Manuskripte und Anzeigen sind ausschließlich zu richten an Bock & Herzfeld, Wie«, 1. Bez., Adlergasse 6 Die Königin von Gaba. Dieser frilnt wurde in Amerika int Jahre 1931 gedreht, fju einer Zeit, in der man bei uns noch fest überzeugt war <was AnrerAa auch sonst Gutes und Schönes leiste), -der historische syilm lverde ewig das Monopol der europäischen Industrie bleiben. Wenn das für manche Leute hier ein Trost war. so brachte ihnen dieser Fox-Film eine böse Enttäuschung. Die Tlmerikaner können nämlich auch aus diesem Gebiete arbeiten — und wie noch da>zu! Allerdings garvz so sattelfest sind ne 'ja in denr historischen Milieu nicht, aber was ihnen da fehlt, ersetzen sie durch eine derart blühende Phantasie, daß der EndOveck, dem Auge Prunk und Pracht zu bieten, Nicht nur erreicht wird, sondern durch diesen ganz ungeheueren Aufwand alles bisher Gebotene noch bei weitem übertroffen wird. Und der ungeheure Aufwand ist der Eindruck, unter dem der Be. schauer vom Anfang bis zum Ende steht, der ihn total gefangen nimmt und fesselt. Mit der Krönung König Salomons und der Hochzeit der Königin von Saba setzt dieser Film ein und in ununterbrochener Kette reihen sich die Massenszenen von Aufruhr, Hoffesten. Wagenrennen und Kämpfen aneinander. Aber auch die einzelnen Spielszenen sind glänzend ausgrar« beitet und geben Regisseur und Darstellern das beste Zeugnis, sprechen von wirklichem Können und wahrer Kunst. — Allerdings, in mancher Buchung merkt man, daß die Schauspieler >V!TA< Filmindustrie A.-Q. WIEN Aktienkapital und Reserven: österr.K 25.000,000.000 Generaldirektlon und Zentralbureau: Vif., Neubaugasse Nr, I Ateliers und Fabriken: Wien, Xlll/io, Rosenhügel Wienerstrasse 84 Feierliche Eröffnung der Ateliers u. Fab: iksanlagen am RosenhQgel, Wien, XIII., Wleners'rasse 84 am I. Dez. 1923 ■■■■■■■■•■■■■■■■■■■■•■■■■■■■■ IrlFA-PALAJF-KINO-iM n. Beairk.TaborstraBel, SchwodenbrUcko Samstag, Sonnu. Feiertage Beginn 4 Uhr Vorstellungen: 7*6, 7, 7F Uhr abends Ab heute bis 3> Dezember Mmn.lil.fiii I and das übrige Programm durchaus Amerikaner sind und das färbt das MMeü etwas um. Der Usurpator von Saba beispielsweise mackst nicht gerade den Eindruck eines altorientalischen Tyrannen -und die diversen schwarzhaarigen Königinnen tragen chr« 'bis zum Gürtel hals- und rückenfreien Kostüme mehr mit der Grazie, mit der eben eine mondame Frau em etwas unglaubltches Abendkleid trägt, denn als Herrscherinnen ihrer königlichen Bloße. Auch die diversen Kirschenmünder sprechen mehr von Liebenswürdigkeit alS von Härte und Grausamkeit. Aber ' sie sind alle durchwegs wunderschöne grauen, denen man alles verzeihen würde, auch wenn sio nicht so ausgezeichnete SchausPlelerinnen wären, die sie. sind. Die Verkörperung der Saba durch Betty Blythe -ist ein Misterstück darstellender Kunst in jeder Beziehung. Ihr ebenbürtig ist der Schauspieler, der den König Salomo gibt -und in stineen verinnerlichten -Spiel manchmal an die vergeistigt« Art Conrad Veidts erinnert. Auch .die Rolle seines Bruder wird ganz ausgezeichnet dargestellt, Auch ein etwa fünfjähriger Knabe spielt hier eine tragende Rolle. Er steht nicht hinter Iackie Coogan, dem weltbekannten Wunderkind, zurück und die Regie bietet mit ihm seltene Prachtleistungen. Alles in allem genommen hat dieser Mm in jedem Belange soviel geboten, wie noch kein anderer Mm vorher. Ein epochales Prachttverk ist es, das uns 2lmcrika hier gibt. Die Filme der Woche. Zwei Waisen im Sturm der Zeiten. Amerikanischer Ausstattungsfilm. inszeniert von D. W. Grifffish mit Lilian und Dorothh Gishund, Josef Schildkraut in den Hauptrollen. Der Name Gviffiths, -des üwühmtesten amerikanischen Regisseurs, ist heute allem schon ein Programm. In diesem großen Ausstattungsfilm, der zur Zeit der französischen Revolution spielt, kann der .Meister der R'gie ein ganzes Feuerwerk all seiner Künste abbrennen. Zunächst war «S ein guter dramaturgischer Einfall, dem wild dahinöransenden Schrecken, dein donnernden Tosen der Revolution Mi rührend hilflos« junge Mädchen gegenüber zu stellen, die von den schönen Schwestern Gish gespielt werden. Neben ihnen spielt Josef SchMraut die männliche Hauptrolle. Der Mm ist vm Meisterwerk der Inszenierung und der Anfnahmetechnik. : - WmetTÄ1fre Grifsith'Fllm ■ ■ ■ m ■ m m ■ ■ ■ » im In den Hauptrollen: Josef Gchittkran^ Litta« und Dorolhq Gich Ab Heute: Kiirntner-Kino, I., Johannesgaffe 8 Kleine Bühne. I., Wollzeile 34 Haydn-Kino^ Vl., Mariahilferstraße 57 Eos-Lichksviele, IN., Ungargaffe 60 Busch'Kino, II., Praterstern Ab DienStag den 4. Dezember 1923: Votivpark-Kino, IX., Währingerstraße 12 Bellaria-Kinv, VI!., Museumstraße 5 kii Ms m sie gtseheser Pup ssh SPihelt ■ ■■■■■■■■■■■ OBFA-FILM3-Com ■■■■■■■■■■■ SO. NdsrnssiM IW M. fm Wie sage ich's. meinem Kinde? Pvpulärwissenschajstliches Filmwerk in 6 Abteilungen zur Frage 'der sexuellen AufKärunrd versaßt von Dr. Oskar Wareeka und M>. GoliaS. 8« Pan-Mm A. G. hat sich durch die Herstellung und Be« breitnng dieses Filmes m wirkliches Verdienst erworben, dmn dieser Aufklarungsf-llm wird mit vielen Vorurteilen und tm* Eteten Ansichten aufräumen. Im ersten Teile des MmeS wev>! -den die verderblichen folgen einer mangelhaften stxuelttn Aufklärung der Jugend in dramatischer ftorm gezeigt, «n zweiten Teile wird eiu-e Anleitung gegeben, wie Eltern und Erzieher die Jugend in dezenter Weise Wer alle sexuellen Vorgänge aufklären -können. Ein guter, sehenswerter Mm, -der einmal zeigt, daß -das Kino auch mehr kann, als dem Unter-. haktungsbedürfniS dienen. Die Rache des gelben Mannes. Die Tragödie zweier Raffen in 9 Akten. Der heftige Rassengegensah, der in Amerika Weiße and Farbige in zwei feindliche Lager scheidet, findet in diesem Mm -dramatische Darstellung. Die FoxFilm- Corporation hat diesen Film ebenso wie ihre bisher gezeigten Schöpfungen mit - blendender Ausstattung 'inszeniert und das teils in China, teils in San Franzisw spielende Drama ist reich an effektvollen Szenen und reizvollen Bildern. Die Peitsche der Moral. Eine Anklage geaen di« Gesellschaftsordnung. Sechs dramatische Mte mit Katharine Cawert in der Hauptrolle. „Mann — Weib — Ehe." Sechs Akte aus dem Ehelelben tiw>i Gloria Swanson, Elliot Dexter und L. I. Cody m den Hauptrollen Der Brand von London, der erste in natürlichen Farben aufgmommene Mm erscheint am 7. Dezember in den Wiener Kinos. » Heute abends trisff-t Max Linder in Wien ein. l)L8 §rc)88e filmtverlc zur Frage der sexuellen Aufklärung Wie sage ich’8 asresmtSRE,: meinem Kindl!? vum ou. nuvumuer dis o. uezemcier: BURG-KINO, 1. Bez., Opernring 19 GARTENBAU-KINO, 1. Bez., Parkring tt LOWBN-KINO, 3. Bez., Löwengasse 33 ROTENTURM-KINO, 1. Bez . Fleiscbmarkt 1 LICHTSPIELE WIENZEILE, 6. Bez.. Linke WlenzeH« 4 ZBNTRAL-KINO, 2. Bez., Taborstrasse 8 Vom 4. bis 6. Dszembsn ARKADEN-KINO, 8. der , Alfterstrasse 23 FLIEGER-KINO, v. Bez., Uechtensteinstrasse 37 SCHÄFFER-KINO, 6. Bez., Mariahilfer» toaste 37 ZENTRALPALAST-KINO, 7. Bez, Mariahil feretrasse 120 Vom 7. bis 10. Dezember: HANDL-KINO, 15. Bez., Mariahilferstrasse IAO LEHNER-KINO, 14. Bez., Mhriahilferstmse 196 WALLENSTEIN-KINO. 20. Bez., WaUensteinstraase 55 WELTBIOGRAPH, 9. Bez., Aiserbachstrasse 39 WELTSPIEGEL-KINO, 16. Bez., Lerchenfeldergürtel 55 | PAN-FILM A. G., WIEN, VII ,-CENTRAL-KINO. II., Taborstrasse 8 Direktion t J. SCHULZj Freitag» 30. «ov. bis Montag» 3. Dez. I Wie sage ich’si} meinem Kinde ■ AnfNLnmgs-Film Beginn: %5, '/,7, -j.V Uhr — Bei Berufung auf die .Wiener Morgenzeituna" zur jeweiligen */*6 Uhr-Borstellung Regiepreift Copyright 1924. Nachdruck verboten. 4» Mdygchniicoff-Verlag, Berlin. (22. FoNfttzUNg.) Snlel Moses. Roman von Schalom Asch. Dafür also hatte er dem Onkel treu gedient seit stimm vierzehnten Jahre, da ihn der Onkel nach des Vaters Tode als Wirse, nach Amerika gebracht hatte? Sam war des Onkels treuer Haushund. Der Onkel verwendete ihn einfach ' zu allem, hatte ihn zu seinem Leibsklaven, zu seinem Spürhund gemacht. Sam hatte bei den Landsleuten, die beim Onkel arbeiteten, spioniert und dem Onkejl angegeben, wer von ihnen ihm treu war und wer nicht. Er hatte für den Onkel Dinge ausgeführt, für die er hätte ins Gefängnis kommen und fein Leben lang darin bleiben können; als man die aus der fünften Avenue gestohlenen Waren, die Rocke- und die Hofen, fand, auf denen des Onkels Firmazchchen aufgenaht war, und die.Sam im Äeller versteckt hatte — damals hatte Sam alles auf sich genommen und mit Mühe und Not war es gelungen, ihn vor Unglück zu ^bewahren. So oft irgendeine Unannehmlichkeit vorkam, nahm sie Sa-m auf sich. Als man den Onkol wegen des Polnischen Mädchens, das schwanger geworden war, plötzlich zum Attorney «des Polizeidistriks rief, so oft es notwendig war, mit der Frau in dm galizischen Restaurant „zu ordnet und ihr eine. Monatsrente zu zahlen, — alle diese Dinge erledigte Sam. Er konnte das Leben für den Onk-el wagen und wäre für ihn nicht bloß ins Gsfüngnis gegangen, wenn es nottat, sondern hätte für ihn auch gemordet. Und all das ihatte er getan, weil er hoffte, dereinst des Onkels Nachfolger zu -werden. 'Seine Treue zum Onkel war nicht geheuchelt. Sie entsprang seiner Vergötterung des Mannes, den er sich zum Bovbiild, zum Ideal genommen hatte, dem er einst ähnlich sein wollte. In seiner Vergötterung des Onkels und der Tvene.zu ihm lag die Treue zu sich selbst und seines eigenen Zukunft, -weM er der Zirkel" sein würde. Und mit einem Male sollt« alles zunichte werden! Der Onkel ging Hochzeit halten, mit dem Fratzen, der Tochter von Aaron ^Sovgel"; die hatte, ihn mm in der Hand. Und -sie wird mit ihm Kinder haben — eines, zwei, drei, alles wird den Kindern zufallen. Sie wird es schon dazu bringen, daß sie Kinder hat, und, Wenn es notwendig ist, wird sie ihm ein fremdes Kind unterschieben, mn nur ja zu erben. Sie versteht ihr Geschäft; das sieht man schon jetzt. Allmählich setzt sie in das Geschäft ihre Leute: ihre jüngere Schwester, die ist Buchhalterin; ihren Vater Aaron Mlnik, der zu Hause sorget" hieß, den hat ste zum Kassier gemacht, und was sollte mm aus Sam werden? ES kann noch «tfit Tag kommen, da Sam, des Onkels treuer Sam, vor die Türe gefetzt wird! Sam gedachte der Gelegenheiten, da er 'beim Onkel hatte Geld machen können. Sein Vetter Manes, welcher vor Sams Ankunft des Onkels rechte Hand gewesen 'war, hatte chm mehr als einmal geraten: ,/Hör', Sam, für morgen laß' Gott sorgen; du sorge für heute. Was du auf -der Bank hast, daS gehört dir. Alles andere — ist Lust. Du kennst den Onkel nicht. Wem er alt wird, wird er sich ein junges Mädchen nehmen. Merke dir, -was ich dir jetzt sage!" Sam sielen diese Worte Manes wieder «in. Manes lvar älter und erfaihtemr als er und er hatte aus seinen Rat nicht gehört. Er hatte sich aus den Onkel verlassen, hatte alles bekommen wollen — jetzt hatte er es! ,K-m Abend werde ich zu Manes gehen. Cr mit seinen Verbindungen bei Advokaten und Tammany-Hall-Äichtern wird schon einen Ausweg'finden. Der Onkel darf das Schneröermädol nicht heiraten, er darf sich nicht mit dem Aaron ,/Norgel" verschwägern, welcher hier ein großer Herr werden soll. Das wäre für alle ein Unglück; die ganze Kusmi-ner Sippe ist in Gefahr . . ." Sam zögerte, ob er diesen Schritt tun sollte. Seine Trsue gegen den Onkel brachte es noch nicht fertig,' ihm etwas Böses anzutun. Gr vergötterte den Onkel zu sehr, er liebte ihn, und alles, was -der Onkel tat, fand sti-nen Beifall. Sa-m verstand alles, was der Onkel tat, und war stolz dawuf. Sogar des Onkels Absicht, Mascha zu -heiraten, hatte ihm gefallen, und wäre es nicht gegen seine eigenen Interessen gegangen, so hätte er tvahrsche.inlich dem Onkel dabei Hilft geleistet. Aber Sams Ansprüche an sein« Zukunft waren reif geworden und er -war bereits ft Mit Mann, daß er seine Senttments opfern konnte: „Daß ihn die Pest, den- Alten, er wird Kinder haben!" das stand ihm vor Augen, wenn er an seine eigene Zukunkt dachte. Haß gegen «den Onkel fühlte er nicht. Sem Hatz und Zorn richteten sich gegen -den jungen Fratzen, gegen Mascha, gegen ihren Vater Aaron Melnik, welche sich in den engen Kreis der Familie hineingeftohlen hatten. Sie sah ex als Konkurrenten an. ,Man müßte dem Fratzen, der Braut des Onkels, die Frau vom Restaurant schicken, samt den fünf Kindern, die der „Alte" ihr geschafft hat. Sie kann sich dann -mit dem Fratzen aussprechen. Wird das eine Hochzeit sein, wenn die Frau vom galizischen Restaurant qm Hochzeitstage auftaucht! Die Braut wird bereits angekleidet sein, um unter den Baldachin zu treten und da wird die andere ihre Kinder vor ihr in Reih' und Glied aufstellen: „Du willst meinen Mann heiraben, den Vater Miner Kinder!" Oh, 'das wird eine Hochzeit sein, in Gedanken kostete der Bursche bereits seine Rache aus. Und -der Onkel? Der Onkel wird im Frack dastehen, das wird ein Skandal Werden! Sam fühlte einen Augenblick Mitleid mit dem Onkel. Er zauderte, aber bald stand wieder seine eigene Zukunft vor seinen Augen. Er Lachte an Rosa, ftine eigene Braut, und biß sich auf die Lippen: ihn der Teufel; er wird Kinder haben, der Alte!" Mit diesen Rachegedanken trat er wieder in den Laden Sein Gesicht nahm die strenge, befehlKhabevis-che Miene an, welche er de-m Onkel abgelernt hatte. Sein Kinn wurde' breit und unter der langen, spitzen, starken Nase zogensich die Grimassenfalten, vor denen die Landsleute so'Furcht hatten. Und unter der Nase schnarrte er, 'den Onkel imitierend: „Mäntel schmiden, so viele nm gehen, Boys!" Der Sonntag in Melniks Geschäft hatte begonnen. Fortsetzung folgte