Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1718 (26.11.1923)
- Date
- 1923-11-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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wr i/Mi, EBZWirmnircr *7ö# Wien; Zum Abholen in der Expedition, U.,Taborstr. 1»3, oder meiner Verschleisatelle fiVefflcl monatl. K 28,000 Straasenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmiedt,I. Bez., WoIIzeile 11. Mt Postversand für Wien n, Oeaterr. monatl. K 28.000 Ta che c h o-S I owa kei: Mon. fC 17. liijroalawien: Mon. Dinar40. Polen: Mon. ost.K 22.000. Deutsch 1,: Mon. ost.K 28000. Frapirr.,. Belgien; Monatl.' Frcs. 8 DM» Nach*«blunfen "WBbei Preijerhohonrin Vorbehalte» tmm Ri. 1111 teuer 8»mm Wien, Montag. 26. November 1923 Tschncho -Slowakei i tschech. Kl. Italien: Monatl. 10 ttire, Rumänien Mop. 90 Lei, Bulgarien Mon£75 Lewa,4 Schweiz unddas übrige Ausland monatlich Frcs. 3 Redaktion u. Administration Wien. II„Tahorstrasael—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab6ührabds.l9-483,25-282 Tel.- Adr.: „Morgenzeitung“ Wien Oesterreichisches Postsparkassen Konto Nr. 150.693 8. Soblmng ♦ Sr. Heinrich Albert designierter Reichskanzler. — Kne va^äMentarische Kabinettsbildung unmöglich. B e r l t n, 25. November. (Wolff.) Nachdem der Versuch des Neichstagsabgeordneten v. K a r d o r f f, ein Kabinett der bürgerlichen Parteien zu bilden, gestern gescheitert ist, hat der Reichspräsident heute mit den Reichsministern Iarres, Branns und Gehler die Frage der Kabinettsbildung besprochen. Die Besprechungen führten zu dem Ergebnis, daß zurzeit die Bildung einer Koalitionsregierung keine Aussicht aus Erfolg bietet. Der Reichspräsident hat deshalb heute nachmittags an den früheren Reichsminister A l b e r t appelliert, eine Regierung bewährter Männer zu bilden, die entschlossen sind, unter Zurückstellung von persönlich cn uud parteipolitisch en R ü ck s i ch t e n ihre g a n z e K r a f t für die Lebensnotwendigkeiten Deutschlands ein zu setzen. Albert hat den Auftrag zur Kabinettsbildung ü b e r- Berlin, 26. November. ^Del. der ,,Wr. Morgenzeitung".) Dr. Albert hat den ganzen gestrigen Tag zu Verhandlungen mit den für sein Kabinett in Betracht kommenden Männern benützt. Abends verlautete folgende Ministerliste r Reichskanzler: Dr. A l b e r t. Außenminister: Graf B r o ck d o r s f - Sku h a u. Reichswehrminister: Getzler. Innenminister: Dr. v. K ar do rff. Arbeitsminister: Dr. Braun. Reichsernahrungsminister: Graf K a n i tz. ReichsverkehrSminister: Oefcr. Reichsfinanzministcr: Dt. Luther, c Reichswirtfchastsminister: Dr. K o e t h. ' Die anderen Ministerposten -dürften' voraussichtlich mit den -bisherigen Beamtenministern besetzt werdem Die einzelnen Fraktionen, mit alleiniger Ausnahme der Sozialdemo kraten, sind ' für ein Beämtenkabin-ett, da die gegenwärtige Zeit zu aufgeregt'' für em°- gehendere Koalitionsverhamilungen ist. Man will zudas Beamtenkäblnett regieren lassen,' um erst spater wieder 51t einem parlamentarischen System überzugehen, Ser neue Reichskanzler. Dr. Heinrich Albert wurde am 12. Februar 1874 in Magdeburg geboren. Er studierte Rechtswissenschaft und trat dann in den Staatsdienst. Er wurde bald in das Reichsamt des Innern berufen, wo er über zehn Jahre als Vortragender Rat tätig war. Im Jahre 1904 leitete er im, Auftrag des Reiches d«e Organisation der deutschen Ausstellung in St. Louis. 1910 wurde er.in weiteren Kreisen als Reichskommissär stzr die Weltausstellung in Brüssel bekannt. Später war et als H-ydelSattache der deutschen Botschaft in Washington zugeteilt, wo er bis zur Kriegserklärung Amerikas tätig war. Nach seiner Rückkehr kam er ins Reichsverwertungsamt. dessen Präsident Lp bis März: 19 j$ , Mr. Schließlich wurde er von Mno Mit E Lemrng betraut. .. ' tschnatiomler ktmmlaufen gegen Sr. Mett. Berlin, 26. November. (Tel. der ,Mcner Morgenzeitung".): Die günstig fortschreitende ■ Kabinettsbildung durch Dr. Albert wird von den Deutsch national e n zu einem S t u r m l a u f gegen den designierten Reichskanzler benützt. Die Deutschnationalen befürchten nämlich, daß Dr. Albert die bestehenden Ansnahmeversügungen zur Aufrechterhaltung der Ordnung bestehen lasten werde. Mutige Unruhen in Gelseukircheu. Gelsenkirchen, 26 . Novmnber. In Geist nkirchcn ist es neuerlich zu schweren PI \i lt de rungen. und Lebens mittelunruhen gekommen. Ein Dem 0 nstationszug von Erwerbslosen überfiel eine Reihe von Bäcker- und Fleischerläden. und räumte die Geschäfte vollständig aus. In zahlreichen Lebensmittelgeschäften wurden die Fensterscheiben zertrümmert, die Waren aus ge räumt und unter den Arbeitslosen verteilt. Die Polizei wurde bei ihrem Einschreiten derart bedrängt, daß sie von der Schußwaffe Gebrauch machen mußte. Hierbei wurden sechs Personen getötet und 2i! schwe r verletzt. Rationalistischer Radau wstlirend tim Tranetteier in Rettin. Berlin, 26. November. (Tel. der „Wiener Morgengeitung".) Eine von nationalistischen OffiziersverÜändcn in der Kaiser Wilhelms-Gedächtniskirche veranstaltete Trauerfeier gab den Hakenkrenzlern willkommenen Anlaß, wieder einmal ihre politischen Ansichten mit G u m m i k u ii 11 c I n uitb Revolvern zu demonstrieren. Die Hakenkreuz!er, mit schwarz-weiß-roten Fähnchen und großen Hakenkreuzen geschmückt, Erhardt- Anhänger und viele ehemalige Offiziere benahmen sich während der Trauerfeier derart demonstrativ, daß das der Feier beiwohnende, zumeist aus Kriegerwitwen, Kriegerwaisen und anderen Kriegsleidtvagenden bestehende Publikum wiederholt gegen die Hakenkreuzler Stellung nahm. Dies war aber nur das Signal für die Nationalisten, gegen die Zivilisten vorzugehen. Das sich entwickelnde Handgemenge nahm einen derartigen Umfang an, daß Polizei in die Kirche eindti ngen mußte, um die Ruhe wieder herzustellen.. Die Hakenkreuzler nahmen jedoch gegen die Wachorgane Kampfstellung ein, so daß die Polizei einen Angriff gegen die Hakenkrouzler unternehmen mußte. Es dauerte eine v ostle Stunde, bis die Ruhe wieder hergesttzllt war. Hakeukremlerverhaftumren in Hamburg. Hamburg, 26. November. (Tel. der „Wiener Morgen - zeitung".). In der Nacht zum Sonntag wurden sechzig Mitglieder einer deutschvölkischen Organisation, die st Lei einer Nachtübung überrascht worden waren, verhaftet. Aus die Nachricht, daß deutschvölkische Organisationen auch in der Uurgebung Feldübungen abhalten/ wurden die Bahnhöfe besetzt. Es gelang der Polizei, achtzig T e i l u e h m e r, zumeist mit P i st 0 l e n, G u m m st knütteln und Totschlägern ausgerüstet, zu verhaften. Hitler ist „irtmt". Ein Gesuch um Haftentlastung. München, 26. November. (Tel. der ,Mener Morgenzeitung^.) Die Angehörigen Hitlers haben aus Grund ärztlicher Zeugnisse ein Gesuch um Haftentlassung Hitlers eingereicht. Dem Vernehmen nach wird diese Bitte auch vom Gcrichtsarzt befürwortet. (?) Sie „Rheinische Staatsbank". Paris, 26. November. (Tel. der „Wiener Morgenzcitung".) Wie „Petit Parisieu" aus Wiesbaden meldet, findet dortselbst heute unter dem Vorsitz Doktor D 0 r t e n s eine Beratung rheinischer Finanzleute zur Gründung der rheinischen Staatsba nk statt. . 1 Laucheur fürchtet das sich „aufld'sende" DeuMaub. Roubaix, 26. Noveurber. Gestern abends hielt L 0 uch e u r vor einer Versanunlung der republikanischen Linken eine Rede, in der er zunächst den Gerüchten über einen bevorstehenden Krieg e n t g e g e n t r ü t Marschall Fach habe festgestellt, daß jode Geste, die Deutschland moglichevwerse gegenüber Frankreich machen würde, stn wenigen Tagen untevdvückt sein wüvde. Die Frage der Sicherheiten Frankreichs sei von Interesse. Deutschland Lei heute m voller A u slosung, aber man müsse damit rechnen, daß es in eini. gen Jahren seine Macht wieder.hergestellt, haben werde. Der Berfailler Vertrag habe als Gewähr für di» Sicherheit Frankreichs außer der fünfzehnjährigen Rheinbesetzung auch einen doppelten ©q? rantievertrag vorgesehen, der aber nicht ^. abgeschlossen sei. . . Cs sei nunmehr notwendig, daß Frankreich mit England noch' einen solchen 'Gar a lt t ievertrag abschließe, damit Ruhe und Frie de Eu r0 p as gesichert seien. Baldwiu gewWt. London, 25. Novomber. (Reuier.) Prentierministel B.aldwtit ift im Wahlkreis Bewdley als gewählt erklärt worden, da ke in Ge ge n ka n d i d a t aufgestellt war. Autivolnische Lemonsttutumm iu Moskau. Lemberg, 25. November. (Poln. Tel.-Ag.) Dis „Gazeta Lwowska" teilt mit, daß zufolge Nachrichten aus Moskau d'e Bekanntmachung des offiziLllen Ve eichtes! der ■ Sowietregierung über das Scheitern den polnisch-russischen Verhandlungen eine! Reihe ' v 0n a n t i p 0 l n i s che'n D e m 0 n st ra t i 0 n e w h'ervorgerufen habe. Am 18. d. M-. habe .irs Moskau eine autipolnische Kundgebung stattZefmrden.. Gleichzeitig feen alle Arbeiten irt sämtlichen gp-i machten polnisch-russischen Kommissionen unterbrochen! und ‘ massenhaft Verhaftungen vo-n x polnischen Staatsangehörigen und Optanten! vargenominen worden. Das Kommissariat des AeuferZb habe an den polnischen Bertpe-ier ln Moskau -rin Schreibest! vom Lokal der. polnische Repatriierungskommission fordert. RedüblikuuWe DemonstratioUen iu Mhm. Athen, 26. November. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Gestern nachniittags kam es zu großen Kundgebungen fiir die Republik. Mchreve tausend Manisesta^'en durchzogen mit dem Ruse „Nieder mit dern König!" die Stqdt. Es kam zu keinen Zwischenstillett. Lesinitive GreuzfMetzmg zwischen Ruwänieu und gugoslawirn. London, 26. Novem-ber. (Tel. der '„Wiener Morgen-- zeitnirg".) Nach einer Bukarester Depesche des „Manchester Guardian" wurden die . Grenzabsteckungsarbeit e n zwischen Rumänien und I u g 0 s l au w i e n beendet und hierüber ein P r o t 0 k 0 ll unterzeichnet« Weder Rumänien noch Jugoslawien haben von der Bestinrmung Gebrauch gemacht, die Angelegenheit nötigertsalls der Botschafte.rEonfer-enz zu unterbreiten. Re Luge in der Metallindustrie. Heute Entscheidung. Der Lohnkampf der Jndustrieangestellten hat am Samstag eine krisenhafte Wendung genommen, da der Jndustriellenverband die Fortführung der Verhandlungen über die Fordernnger: der Jndustrieangestellten von dem Abbruch des. Beamtenstreiks in ■ der elektrischen Industrie abhängig gemacht hat. Gleichzeitig mit dieser Erklärung ' hat jedoch der Jndustriellenverband au die Gewerks ch a f t s k 0 m m i s s i 0 n die Einladung ergehen lassen, mrt ihr über die Lage eine Besprechung abzuhal'ten. . Die Haltung des Jndustriellenverbandes scheint davon mitbestimmt worden zu sein, daß im Laufe der in der vergangenen Woche geführten Verhandlungen seitens der Arbeitnehmer die Lohnforderungen in einer Form präzisiert worden sind, die über die Vollmachten der Unterhändler aus seiten des Jndnstriellen'verbandes hinausgingen. Es war daher zunächst erforderlich, das; iin Schoße des Jndustriellenverbandes zu diesen Forderungen Stellung genornmen werde, bevor die , Verhandlungen ihren Fortgang finden können. Diese Stellungnahme wird heute erfolgen und so wird der heutige. Tag für den AuSgang des Lohnkampfes von ' einschneidender Bedeutung sein. . Wenn man auch nicht verkennt, daß die Situation am Samstag eine Verschärfung erfahren hat. so besteht doch i unter den Jndustrieangsstellten und Metallarbeitern' keine apsg-ef'Prochöne Streikstimmung.; ''Gestern vormittags versanrmelte sich der Bi-erzigeräu ssch uß der Metallarbeiter, um sich rn'-t ta kt i sch vn - Fragen zu befassen. Die Le-Wvarti-e Situation wüÄe B73B