Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1717 (25.11.1923)
- Date
- 1923-11-25
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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et\u 10 Dien. Sonntag .dstüb'ovgasie 21, der Unterricht rat ViolMsPiel Äs Freig-c en° 'kand «niMihrt. * Jugendqottesdienste. Die von der Jsracllitqchn Kn^."stent-cirdbc veranstolteiten ^uncrOflottcUbkitifk für Bo'ks-, s3iti-« tcr- und MittoÄchAer' ifrtii ^Schivlerinnsn findm statt m den Sunagoigen: 1. Bat-. Selteustet-enqasse 4; 2. 3H., Te ap <1gasse 3; 6. Bez., SlebonbrunneuMsse 1a: 6. Bot.. Schnu tzfvrfgasse 3; 8. Bez.. Natildssigengasse 12; 9. Bez.. Müllireraaste 21; 10. Belt,. Humboldt,qasse 27; 20. Bz.. Kluckdgasie 11; 21. Be,;., HollMei-stevgasse 12, an jedem zweiten Sa^dat. beg'nnend am 1. Dszemoe:. und zwar stets um 3 Ubr nachnu-tn.as; in d.-n Lona-gogen, 15. Bez.. Tuvnergasse 22; 16. Bot., ö’tbjr^ifc 8; 18. Ben.. Schoperhanevstraß.'S9; 19. Bez.. Dollin.^rgasse 3, aste vier Doäun. bogmnu'd m>it 1. Dezember. * Die AsfLre Bekesih-Dr. Stolper. Der Ehrenrat der Organisation der Wiener Presse hat über die Selbstanzeige des Präsidenten Dr. Edmund W e n g r a f betreffend sein Verhalten in der Angelegenheit Bekessy-Dr. Stolper-Federn nach Anhörung aller namhaft gemachten Zeugen und gewissenhafter Prüfung der vorgebrachten Beweise erlannt, es liege kein Anlaß vor, in dieser Angelegenheit gegen ihn ein ehrengerichtliches Verfahren einzuleiten. Es wurde festgestestt, daß seine erste persönliche Intervention bei Herrn Bekessy nur die Vollziehung eines Auftrages des Vorstandes der Organisation der Wiener Presse war; bei seiner zweiten brieflichen Intervention ging er von der subjektiven Annahme aus, daß Herr Bekessy dem Rückzuge aus dem Kerichtssaal das Ausscheiden aus der Wiener Publizistik folgen lassen werde: in dieser Angelegenheit hat er in bestem Glauben und in voller Redlichkeit und Wahrhaftigkeit gehandelt, Cheftedakteur Emmerich Bekessy erhärt' im Zusammenhang mit d'-esem Urteil, daß das m seiner Anwesenheit erfolgte ehrenrichtliche Verfahren ergeben hat, daß ex (Bekessy) an dem Zustandekommen des Briefes keinen.Anteil genommen hat. * Ein Jubilar der Arbeit. In voller geistiger und körperlicher Irische feiert heute Herr Karl Iellinek feinen 70. Geburtstag und zugleich sein 55iähriaes Bevft'smbr>lä.um bei irr Metallwarenfabrik Josef Steiner, 7. Bez., Schottenfeldgasse 63. Geehrt und geachtet von seinen Vorgesetzten, geli bt und geschätzt von seinen Kollern, kann er mit Swlz und Freude auf * Der besteuerte Nobelpreis. Der Prot ssor der medizinischen Chemie a.n der Grazer Universität. Dr. Fr'w Precil, wurde vor kurzem mb dem Nobelvreis für Chemie ans^roichnet. der in österreichische Kronen nmierechnet rnrnd 3.75 Milliarden beträcu. Dr. Prevll hat n-n eine unliebsame Usberrasch'nig dirrcb die Steuerbehörde erleben müssen, die ihm für dm Nobelpreis ein sechzigvrozentige S t u e r im Bewage von 2.25 Milliarden Kronm vorgeschrieben ba^ * Einstellung des Luftverkehrs. Mit 16. November wurden die Flugpostlimen Paris—Straßburg—^rag—Wien-- Budapest—Belgrad—B ukarest und Prag—Warschau eingestellt. * Postanweisungsverkehr nach Deutschland. Vom 1. De- Amber 1923 an sind bis auf weiteres die Postanweisungen aus Oesterreich nach Deutschland nicht wie bisher in deutschen Reichsmark, sondern in ö st e r r e i cki i s ch e n Kronen auszustellen. Der Höchstbetrag für Postanweisungen nach Deutschland beträgt 10.000.000 Kronen. Die Auszahlungen der Postanweisungen erfolgt in Deutschland in gesetzlichem Papiergeld. Der Umrechnung wird von den damit betrauten deutschen Answechslungsstellen der Geldkurs der Berliner Börse ans Wien zugrundegelegt. * Telejchonderkehr Wien —Seebad Heriu-sdorf. B"n n"N an ist der zeitlich unbesch'-änkte Te^eobonverkeln- Wien und Seebad Heringsdarf zu gelassen. Die Svreckaebühr beträgt derzeit 50.400 K. für em gewöhnlich angemeldetes Drei» minutma^'oräch. H Znosverbinduna Men Westbahnbos—Simbach und Wien Westbabnhof—Villach. Wegen unzureichender Benützung entfallen ab Mnntag den 26. November l. I. bei den Schnellzügen D 203, Wien Westbahnhof ab 10 Uhr 10 Minuten, und vom nächsten Tage an bei Schnellzug D 204, an Wien Westbahnhof 19 Uhr 05 Mmuten, die durchlaufenden Wagen 1., 2. und 3. Klasse Wien Westbahnhof—Simbach und zurück. Die an diese Schnellzüge anschließenden Schnellzüge 803-804 führen zwischen Linz und Simbach sowie umgekehrt durchlaufende Wagen aller drei Klagen, ferner entfallen die durchlaufenden Wagen 1. 2. und 3. Klasse zwischen Dien Westbahnhof und Villach über Salzburg-Tauernbahn ab Montag den 26. November bei dem Schnellzuge 201 (Wien Westbahnhof ab 7 Uhr 20 Mmuten) und ab Dienstag den 27. d. in der Gegenrichtung bei dem Schnellzug 202 (Wien Weftbahnhof an 21 Uhr 40 M'""^^). * Eine Explosionskatastrophe in Zytomir. „Gazeta Lwowska" meldet, daß vor einigen Tagen infolge einer Pulverexplosion in der Nähe von Zytomir das ganze jüdische Viertel abgebrannt ist. Sämtliche Häuser wurden eingeäschert. 20 Personen sind infolge der Brandwunden schwer v e r« l * tz 1. Austritte aus dem Fudentum. Norden Katharina, geb. Schütz, geb. 6. August 1870, Mies. 3. Bez., Rechte Babnaasse 10. Neumann Sidonie, geb. Blödy, geb. 14. März I960, Wien, 2. Bez., EnnSgasie 20. Nagler Isaak Nision, Nadtvorna. Expedient, 6. Bez., Glasergasse 20. P i ck Helene, geb-15. Oktober 1865, Bayreuth. 7. Bez., Döblergesie 2. P h i l l i p p Alexander, geh. 15. Marz 1900, Wien, Angestellter, 7. Bez., Eardegasse 7. Pollat'schek Robett, geb. 12. Juni 1885, Wien, 3. Bez., HLrnegasie 24. P o m p a ch Osios, geb. 25. Februar 1872, Malergehilfe, Wien, 8. Bez., Feldgasse 14. P o l g a r d i Sieamund, geb. 9. Februar 1859, Bur. St. Miklos, 2. Bez., Große Mohrengasse 18. P a ch Wilhelm, geb. 18. November 1888, Wien, 2. Bez., Hammer- Purgstallgasie 8. P o l g a r d i Rosalie, geb. P o ch, geb. 28. November 1883, Wien, 2. Bez., Große Mobrengasie 18. Perlberger Rudolf, geb. 3. Dezember 1881, Wien, Friseur, 17. Bez., Kellermanngasse 6. P o k o r n v Rosa, geb. Köhler, geb. 1; Juni 1893, Wien, 3. Bez., Hauptstraße 33. R a t t Ludwig, geb. 8. September 1893. Räkospalota, 3. Bez., Rennweg 94. Ranze nb ofer Richard, geb. 5. Dezember 1891, Oberhollabrunn, Beamter, 8. Bez., Pfeilgafse 27. Spi elmann Anna, geb. 21. April 1881, Wien, 17. Bez., Leitermavergasse 11. Silber st ern Marie, geb. Mahler, geb. 23. Marz 1894 Wien, 16. Bez., Gentzgasse 71. 'Nachfolgende Notizen bis zu der Rubrik „Vereine" sind entgeltlich.) * Das altbekannte TapezierermSbelhaus M. Weitz ver- «aust sowohl in. der Filiale. 2. Bez., Darwingasse 89. als auch in der Filiale, 6. Bez., Arbeiiergchasse 37, erstklassige Tapezievcrmöbes aller Art zu außerordentlich billigen Preisen. * Industrielle, Geschäftsleute, Hausbesitzer uftv. erhalten höclrste und vorteilhafteste Barkredite zu 18 Prozent p. a. durch das protokollierte Bankhaus Urbanen. Co.. 9. Baz., Währingerstraße 22. Ohne Proviswnsabzüge. Auszahlung binnen zwei bis drei Tagen. * Brillen. Zwicker und optische Gläser aller Art kaufen Sie bestens im Spezialgeschäft A. Kohn. 20. Bez.. Jägerftraße K. Fachmännisch« BehaMtu»» Maki-g«. Preis«.. Sdrtoatwtt Mm . . . Wiener?1' rftenzeitung. Wechnachtsverkimf '<! A. Gerngrotz Aktienge^ ichaft. Unsere z-welle große hnach'spreisliste finden Sie auf der 16. Seite. Sie enthalt v Fülle besonders preiswerter Weihnach^sae-schenke in Dari nwÄckke. Scftuhett. Leinen, und Bmimwollwaren i"w. llusere eiste Weibnacb^spreiAiste mit den Okk^ionen in Seide-, Wall- >md Waschstokieu und Wirkwaren wurde durch n 'n einaetrvsfe: ' Serien Ergänzt und liegt bei unseren sämtlichen Kassen aus. * Tevvttbhans SNe^ner. vl, Mariabilferstraße 105, kommt bei Einkauf von Dc'wichen, Decken. Borbänaen uyv. in allererster Linie in Betracht. Bomüal. Te^viche aus reinem Wollmaterial. Größe 2X3 K. 295, Größe 250X350 K. 395. warme Fensterlchützer K. 38, Seidenclotb-Stevvdecken K. 175. Flanelldecken K. 56, Bettvorleger K. 19, Dovvelbettdecken K. 90, Madrasvorbänge K. 95, Scheibenvorvänae K> 5, Bettaarnitnren K. 190, Bannes femmeS K. 33 uiw. Größtes Laaer in -chten Maffersdorker Argamai'tevvichen zu konkurrenzlosen Prellen! 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Publ-ikum sein großes Daqer in Spezialmarken zu sehr mäßigen Preisen. * Menthol-Zigaretten, Marke .^Floral" in jeder Ausführung liefern in all« Staaten für EngroS-EKort Eh. ©bem u. Co.. Wien. 2. Bez., Odeongasfe 11» * Das Publikum irrt sich, wenn es glaubt, daß es dort, wo Leihzablunaen gestattet oder Geschenke anaobotz'n werden, gut kau'ft. Es überzeugt sich meist davon, daß «S dafür teuerere Pv ife zahlen mnß. Wirklich aut und billig kauf' man nur bei solchen Geschäftsleuten, welche durch billigen Einkauf in die Lage kommen, ptte Waren besonders preiswert abzugeben. Beachten Sie die heutige Awzsiqe der Firma Tauber li. Co., 15. Bez., Oesterleingasse 2 (Ecke MariahWferstroße 170), die dort an gekündigten Preise b wellen die besonder« Lelstungssähigkeit der Firma in allen Textil- und Tuchwaren. * Die Präsidentin der ^Rohö", Frau Freuuid-Marcus, besuchte vor einigen Tagen die Feinwaschanstalt „Habsbuvq", 8. Bez., Wallgasse 4, und äußerte sich über den modcrnst eingerichteten und großartig furÄtion^renden Betrieb besonders lobend. Aerelm, BorttSge und Versammlungen. Zionistische B e z i r k S s e k 1 i o n Innere Stadt. Die ordentliche Generalversammlung findet Sonntag den 2. Dezember um 11 Uhr vormittags im Cake S i l l e r, 1. Bez.. Franz Joiefs-Sai M e z z a n i n) statt. Tagesordnung: 1. Bericht über das abgelaufene Jabr (Referent Adolf Süß). 2. Unsere Arbeit im kommenden Jahre tReferent Dr. Leovold Sofer). 9. Neuwahlen. 4. Eventuelles. Anträge sind gemäß VereinSstaiuten rechtzeitig einzubringen. — Verein Erez I s r a e l, 2. Bez^, ZirkuSgasie 93. Heute um 11 Ubr vormittags arabischer KnrS für Anfänger. Um 6 Uhr Cchachsektion. — JüdischesSchulkuratoriumderBezirkelll bis 16, 15. Bez., Herklotzgasie 21. Dienstag den 27. b. um V,8 Uhr abends Sitzung mit wichtiger Tagesordnung. LeopoldstLdterVolkSheim, 2. Bez., ZirkuSgasie 48. Deutsche Volksspiele (Hamburg): DaS Spiel vom verlorenen Sohn, zwei Schwänke von Hans Sach». Karten bis 7000 Zkronen. Beginn 7 Uhr. Urania. Morgenr Großer S a a lr %Jfi Ubr r Schülervottrag r Eine Rbeinhahrt. Raubtiere. 5 Ubr: Die Be« steigung des Mount Everest. */«8 Uhr: Forschmgsrellender Dr. Hermann C o n st e n (Bad Blankenburg) r Im Herze« Asiens. Kleiner Sa a lr '^,6 Ubr: Dr. Fritz Schulhof: Geistige Gesundheit, ll. 7*8 Uhr: Die holländische Malerei vor Remdrandt, IV. Tr. Otto Beneschr Franz Hals. — — Kurssaalr 6 Uhrr Dr. Alice Lehndorff- Stau b er: Hygiene und Schönheitspflege de« Kindes, ll. */»7 Uhr r Der Mensch und die Kraftmaschinen, IV. Regierungsrat Ing. H. Pösendeinerr Die Dampfmaschinen. 8 Uhr: UniversitatSprofesior Dr. Karl P r z i b r a m r Das Wesen der Ekektrizität, VI. - Klubsaalr */,6 Witt Ernst Lisiauer Berlin): ..Eckermann". '/,8 Uhr: Die Philosophie der Vorsokrcitiker, X. Dr. Franz Wolsgang G a r b e i s: Demokrit. — L e h r s ä a l 11: 6 Uhvr UniversitätSasiistent Dr. Arnold Feuerstein: Die Ostalpen, ll. Eine Veranstaltung für soziale Hilfe. Ant 16. unld 16. Dezember 1923 findet unter dem Protektorat des Bundeskanzlers Dr. Seipel in den Räumen d?s früheren Ministeriums des Innern. Wien, 1. Bez., Mipplingerstraße 7, 1. Stock, eine Deranstaltuna statt, deren Reinertraq der sozialen.Hilfe aewidmet ist. die sich müht, dw schiffbrüchigen Jugend mütterliche Fürsorge, ein schützendes Obdach, die nötigste Kleidung und nützliche Kenntnisse zu vermitteln. Hilfe ist dringend notwendig, um die Gefährdeten zu bergen urd sie wieder auf den ifesten Gnind ehrlicher Arbeit zu bringen. Die Veranstaltung in Form eines Marktes wird vom Bundeskanzler Dr. Seipel am 15. Dezember um 11 Uhr vormittags eröffnet. Der Verkauf der Waren wird durch Damen des diplomatischen Korps und lder Wiener Gesellschaft besorgt. Das Komitee hat seinen Sitz, Wien. 1. Bez.. Sckoctenrina 11. Barverve link», wohin aWUtta-' » * 26. November 1923 Nr. 1717 <-.'v dm an Geld oder Waren erbeten werden. (Tel.-Nr. 32:46G- und 84.3316.) Karten sind erhältlich: Im Gebäude der Polizeidirekt ton, 1. Bez.» Schottenring 11. Mezzanin; ferner im Kartenburecen Kdhlendorfer, 1. Bez.. .Krn>aerstraße 8; im Svi?'l- Warenhaus .Hilvert, 1. Bez.. Strobelgasse 1; im Sporthaus Spi^auer, 3. Bet.. Hal'Dtstraße 4; im Kaufhaus Herzmansky, 6. Bez.. Mari-'hilferstraße 26. Berrchti-mng. Die in unsrer gestrigett Nimnner crusgewiesen'n Spendett int Gesamtbeträge von 2,500.000 K. wurden von Herum Baruch L ö w gespendet und wrden hiermit die Vorsteher der bedachen Vereine ersucht, aenanute Beträge 'beim Kassenschalter der „Wiener Moraenz.-rtung" gegen Quittung zu bebebm. Sta>t ..Verein Inda Sch^b^s" soll es richtig: Verem „Seudath Schabos" zu Händen des Herrn Rotier heißen. Nachtrag: Verein Esra 100.000 K. zu Händen des Herrn Juffe. I. Zangwill: „Die Stimme von Jerusalem". Verlag Siegfrtr» Czonbach, Berlin 1922. Dieser über 300 Seiten starke Band, den ein überflüssiges Geleitwort von Hans Heinz Ewers einleitet, enthält eine Sammlung von Aufsätzen des Dichters über das Judentum, die sich über verschiedene Epochen seiner schriftstellerischen Tätigkeit verteilen. Der größte unter ihnen, eine umfangreiche Studie, ist es. tve^cher dem Bande den Titel gegeben bat. In dieser Abhandlung, welche mit einer apologetischen Poletnik Zangwills einsetzt, in der er das Judentum in temperamentvoller Weise gegen verschiedene Behauptungen christlicher Autoren verteidigt, entwickelt der Autor unter Heranziehung von Bruchstücken aus seinen früheren Aussätzen und Reden seinen Standpunkt zum zionistischen Problem, wie cs sich nach der Bälfour-Erklörung und nach Kriegsende darbiet"t. Es ist der bekannte Standpunkt des unentwegteit „politischetr Zionisten", von dem aus, wie man auch aus anderetr Aeußerungen Zangwills weiß, dieser vor einer herben Kritik der englischen Palästina- sowie der zionistischen Politik nicht zurückschreckt. Man braucht mit Zangwills Auffasiung nicht übereinzustimmen, um in dieser seiner Abhandlung eine genußreiche und fesselnde Lektüre zu erblicken. Glühende Liebe zur jüdischen Sache, ein kompromißloses, nationales Bekenntnis, ein unzerstörbarer Glaube an die ethische Weltmtssion des Judentums vereinigen sich hier mit einer glänzenden Diktion, blendender Dialektik und einem Geist von scharfer, geistreicher Sarkastik, die stets in eine durchaus persönliche Prägung der Gedanken mtsmündet. Eine gleiche apologetische Einstellung finden wir in der großen Abhandlung „Die Fabel vom erobernden Juden", welche auch die gleichen Vorzüge aufweist. Zanczwills Apologetik ist ursprünglich auf einen englischen Leserkreis eingestellt, aber seiner Methode kann man allgemeine Geltung zubilligen: er geht der blutleeren Abstraktion aus dem Wege und pariert Angriffe mit schonungslosen Hieben, bei welchem das Christentum und namentlich das christlich drapierte „Heidentum" — um ln Zangwills Sinne zu sprechen —, keineswegs heil davonkmnmt. Einige andere Aufsätze enthalten Darlegungen von Zangwills territorialistischem Programm, nicht ohne gelegentliche scharfe Spitzen gegen den heutigen Zionismus, eine Auseinandersetzung über das polnisch-jüdische Problem sowie eine solche über die jüdische Sprachenfrage. Unter dem Sammeltitel „Zwei träumende Josephs" entwirft er reizvoll lebendige Charakterbilder von Joseph Fels, dem bekannten Schöpfer der amerikanischen Bodenreformbewegung (single tax), dessen Witwe bekanntlich ihr ganzes Vermögen Palästina gewidmet hat und des vielseitigen jüdischen Forschers und Gelehrten Joseph Jakobs. In dem literarischen Aufsatz über Shylock und andere jüdische Bühnengestalten ist namentlich Zangwills feinsinnige Analyse des Shylock bemerkenswert. Die Lektüre dieser Sammlung mag da und dort manchen Widerspruch wecken —, als persönliches Dokument eines hochftiegenden, echt jüdischen Geistes voll menschheitsumsassendem Idealismus, der sich wunderbar paart mit grimmigem Haß gegen den menschenmordenden Krieg, wird sie auch jenen willkommen sein, welche Zangwills Auffassung vom Zionismus ablehnend gegenüberstehen. a. f. Fri-da Weißmann: ..Aus Urvätertagen". Verlag Jakob B. Brandeis, Breslau. Bei dem noch immer starken Mangel an jüdftcher Iugeudlektüre wird dieses schmale, nette Büchlein, welches in geschmackvoller ^orm eine Reihe von biblichen Legenden und Märchen in emer der Jugend gemäßen Bearbeitung bietet, eine' willkommene Bereicherung der jüdichen Jugendleiktüre bedeuten. Als Gabe für den Chanukkahtisch ist es wohl aut Platze. —d. Bühne md Kunst. Rudolf Hawel geftorbeu. Der Schriftsteller Rudolf Hawel ist vorgestern abends um 10 Uhr gestorben. Er stand im 64. Lebensjahre. Von Beruf Volksschullehrer, trat er frühzeitig als Schriftsteller hervor und hat namentlich auf dem Gebiete des Volksstückes sich einen guten Namen erworben. Ztt seinen bckatmtesten dramatischen Arbeiten zählten „Mutter Sorge", „Fremde Leut'" lind die unmittelbar vor dem Kriege geschriebene Komödie „Ter. reiche Aehnl". Auch seine Romane, darunter „Erben des Elends", haben, insbesondere durch ihre kräftige, volfstnn'ljch^ Darstellung, viel Beachtung gefunden. Aue Premiere «ach hundert M m. Bor nicht langer Zeit hat sich in Warschau der gewiß nicht alltägliche Fall ereignet, daß ein Theaterstück fast h u ndert Jahre nach seiner Entstehung seine Uraufsi'chrung erlebt hat. Es ist eine Mische Komcödie, ein Werk, welches von Theatevblick und Buhnenempfinden zeugt -und doch fast fünfzig Jahre vor der Begründung des jüdilschen Theaters geschrieben wurde. Und weitere fünfzig Jcchr-e mußten vergehen, bis dieses Werk, welches z-u den «besten der Mischen Theaterliteratur zählt, auf die Mische Bühne kant. Es handelt sich um die Komödie „S e r k e l e" von Solomon E t t i n g e r, die fast hundert Jahre nach ihrer Entstehung, beinahe sirlbzig Jahre nach dem Tode des Verfassers das Rampettlichi erblicken konnte. Ein solches nicht alltägliches Schicksal gibt Anlaß, ans Werk und Verfasser näher ein)u>gehen. Salomon Ettinger wurde im Jahre 1800 als So>hn wohlhabender nnd geachteter Eltern in Marsch an geboren; früh Waise gcworbeit, kam er in das Haus seines Oheims Mendel. Eninger, des Rabbi bou Lcntschitza, und gtznoß die L'i.u bnag. stn iiutncu ftnlivon heiratete er und